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Full text of "Monatshefte für praktische Dermatologie"

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MONATSHEFTE 



FÜR 



PRAKTISCHE DERMATOLOGIE. 



REDIGIERT VON 



P. G. UNNA 



IN HAMBURG. 



SECHZEHNTER BAND. 

1893. 
JANUAR BIS JUNI. 



MIT SECHS TAF£LK 



HAMBURG UND LEIPZIG, 
VERLAG VON LEOPOLD VOSS. 

1893. 



JUN5 1897 



/^# 



^ 9 V 



\ 




Druck der Verlagsanstalt und Druckerei Actien-Gesellschaft 
(yormals J. F. Richter) in Hamburg. 



Inhalt. 



Originalabhandlungen. 

Seite 

Die känstlicfae Erzeugung von Hautkrankheiten am Tierkörper durch specifische 

Protozoenart von G. Lindner, 1 

Betrachtungen über die Prurigo Bebra, von E. Vidal 11 

Die bisher bekannten neun Favusarten von Nee be und P. G. Unna 17. 57 

Bemerkungen zur Alopecie der EeratoMQ pnari3, von L. Brocq 72 

Syphilitische Plaques, von A. B'a vog U^ 78 

Zur Färbung^ der Rotzbacillen in Hautknoten und überhaupt schwierig farbbarer 

Bacillen, welche weder jod- noch säurefest sind, von P. G. Unna 109 

Kurze Mitteilung über eine histologische .Untersuchungsmethode, von Norman 

Walker ,-, 113 

über die Entstehung der tej-tiären Syphilis, von A. Haslund 115 

Ober die histologischen Verimderungen der syphilitischen Alopecie und ihr Ver- 
hältnis zu den Veränderungen der Aloj^^cib areata, von S. Giovannini... 157 
Die protozoenartigen Gebilde des Carcinoms ' und der Pagetschen Krankheit, von 

Ludwig Török 209 

Lepra und die Frage ihrer Kontagiosität nach Beobachtungen in Eonstantinopel, 

von E. von Düring 255. 303 

Seltener Fall von Arzneiexanthem (Dermatitis medicamentosa diffusa, Erysipelas 

medicainentosum Behrend), von Alfred Lanz 309 

Zum Nachweise des Fibrins in den Gebweben, speciell in der Haut von P. G. Unna 351 
Über die therapeutische Verwertung des Adeps lanae der Norddeutschen Woll- 
kämmerei in Bremen, von Arnold Sack 360 

Eine neue einzeitige Doppelfarbung für Lepra- und Tuberkelbacillen, von P. G.Unn a 399 
Fall von Myxödem durch Fütterung mit Glandulae thyreoideae geheilt, nebst einer 
Hypothese über die physiologische Funktion dieser Drüse, von Ludwig 

Nielsen 403 

Frieselausschlag, Liehen tropicus, Miliaria papulosa, Miliaria rubra etc., von 

8. Po 1 litzer 415 

Lepraasyle in den russischen Ostseeprovinzen, von P. Schneider 421 

Liehen, Lieben neuroticus und Pityriasis rubra pilaris, von E. von Düring 447. 495 

Übersicht über neuere Heilmittel in der Dermatologie, von A. Straufs 467 

Bericht über das zweite Triennium der Abteilung für Hautkrankheiten und Syphilis 

der städtischen Krankenanstalten zu Elberfeld, von P. J. Eichhoff 551 

Bericht über eine Lepraenquete in Ägypten, von Franz Engel 559 



Versammlungen. 

Sociöt^ Frangaise de Dermatologie et de Syphiligraphie in Paris 32. 266. 319. 368. 

472. 534. 580 
Dermatologische Vereinigung zu Berlin 86. 264. 366. 530 



— IV — 

Seite 

Ärztlicher Lokalverein zu Nürnberg 89 

Verhandlungen des X. internationalen medicinischen Kongresses zu Berlin 1890 

132. 170 

Moskauer Venerologische und Dermatologische Gesellschaft 167 

Verein für wissenschaftliche Heilkunde in Königsberg 318 

K. K. Gesellschaft der Ärzte in Wien 319. 425 

Berliner medicinische Gesellschaft 424 

Verein deutscher Ärzte in Prag . . 425 

Ärztlicher Verein zu Hamburg » 474 

Schlesische Gesellschaft für vaterländische Kultur zu Breslau 536 

Gesellschaft der Arzte zu Budapest 537 



BesprecliuDgeii. 

Die Suggestionstherapie bei krankhaften Erscheinungen des Geschlechtssinnes 

mit besonderer Berücksichtigung der konträren Sexualempfindung, von 

V. Schrenck-Notzing 34 

Pathologie und Therapie der Hautkrankheiten, I. Hälfte» 4. Auflage, von 

M. Kaposi 34 

Beitrag zur Kenntnis der Sklerodermie, von Max Wolters 90: 176 

Beiträge zur Pathologie der Psoriasis, von Joseph Schütz 92 

Klinischer, statistischer und therapeutischer Bericht über die im Spitale der 

„Unheilbaren'' in Neapel behandelten Kranken, von Oro Mario 93 

Zur Ätiologie der Cystitis, von J. Schnitzler 93 

Traite pratique, theorique et therapeutique de la scrophulo-tuberculose de la peaa 

et des muqueuses adjacentes, von H. Le loir 135 

Die Mikroorganismen der Mundhöhle, von W. D. Miller 141 

The Keady-Beference Handbook of Diseases of the Skin, von G. T. Jackson... 141 
Fall von multiplen Knäueldrüsenf^eschwülsten unter dem Bilde eines Naevus 

verrucosus unius lateris, von Walter Petersen 174 

Beitrag zur Jodkaliumtherapie der Psoriasis, von Hillebrand 175 

Casuistique et diagnostic photographique des maladies de la peau, von van Haren- 

N oman 177 

Lehrbuch der Hautkrankheiten, von M. Joseph 177 

Ordinationsformeln der Syphilis- Abteilung, von E. Lang 178 

Ätiologie und Kontagiosität der Lepra Arabum, von D. Gorter 268 

Syphilis des Nasenrachenraumes, von Gerber 319 

Beitrag zur Kenntnis der syphilitischen Muskelentzündung (Myositis syphilitica), 

von Nico laus Ostermayer 320 

Beitrag zur Behandlung des chronischen Trippers, von T. Trzcinski 320 

Über das für Ulcus molle specifische 3Iikrobion, von R. Krefting 321 

Über die Behandlung der Bubonen, inabesondere seit Anwendung der Wel and er- 
sehen Methode, von Theodor Spietschka 322 

Hereditäre Neigung zu traumatischer Blasenbildung (Epidermolysis bullosa heredi- 

taria), von Carl Blumer 324 

Untersuchungen über die Besorption und Elimination des Quecksilbers, von 

Linden 326 

Die Vereiterung der Lederhaut, von Louis Hei tzmann 327 

Kasuistische Beiträge zu den Entzündungen der Sehnenscheiden, Schleimbeutel, 

Muskeln und peripheren Nerven im Verlaufe der Gonorrhoe, von S. Bona . 328 
Seit 4 Jahren bestehender Pruritus universalis bei einem sechsjährigen Knaben, 

von S. Bona 329 

Vorträge über die Urethritis chronica, von Horte loup 329 

Die HarnrÖhrenstriktur, ihre Diagnose und Behandlung, von E. Distin-Maddick 330 

Olavi syphilitici, von G. Lewin 370 

Über Photographie im direkten Sonnenlicht, von Julius Heller 371 

Untersuchungen über die Absorption und Elimination des Quecksilbers bei der 

unter verschiedenen Verhältnissen ausgeführten Einreibungskur, von E. 

Welander , 372 



— V — 

Seite 
Unteraachangen über das quantitative Verhalten der Blutkörperchen bei Variola 

and ihren Komplikationen, von Richard Pi ck 373 

Über Narbenbildung der Lederhaut, von L onis Heit zmann 375 

Über Ätiologie und Wesen der Urethritis catarrhalis der Kinder männlichen 

Geschlechts, von S. Kö na 375 

Über Arsenmelanose, von Hugo Müller 377 

Die Gonokokken im Gewebe der Bart ho Uni sehen Drüsen, von Karl Touton. 378 
Über ein Zwillingshaar mit einer einfachen inneren Wurzelscheide, von Sebastiane 

Giovannini 378 

Repetitorium der Chemie, von C arl Arnold 379 

Untersuchungen über den Krebs und das Prinzip seiner Behandlung, von Albert 

Adamkiewicz 379 

Zur Therapie der Lepra, von C. Danielss en 427 

Beitrag zur pathologischen Anatomie der Blennorrhoe der männlichen Sexual- 
organe II., von Ernst Finger 428 

Experimente über prophylaktische Behandlung der Syphilis, von Z. Kröwczynski 431 

Über typische und atypische Psoriasis, von 0. Rosenthal 432 

Über die Behandlang der Syphilis mittelst Überstreichens — nicht Einreibens — 

mit Merkurialsalbe, von E. Welan d er 432 

Beitrag zur Pathogenese der Verbrennung, von W. Reifs 433 

Beobachtungen über Infektionen mit dem Favuspilze, von Julius Folly 434 

Über einen eigentümlichen mikroskopischen Befund bei einem Falle von sogenannter 

allgemeiner Hautsarkomatose, von Karl Touton 434 

Zur Behandlung der Syphilis des centralen Nervensystems, von P. Kowalewsky 435 
Die chirurgischen Krankheiten der Haut und des Zellgewebes, von A. von 

Winiwarter 437 

Die Nebenwirkungen der Arzneimittel. Pharmakologisch-kliniscbes Handbuch, von 

L. Lewin 438 

Index bibliographicus syphilidologiae, von Karl Szadek 439 

Beiträge zur Ätiologie, Prophylaxe und Therapie der Cystitis, von R. Bar low.. 476 
Die Prostitution in St. Petersburg und deren polizeiärztliche Beaufsichtigung, von 

A. Fedorow 478 

Beiträge zur Kenntnis der Schweifsdrüsenerkrankungen, von Walt her Petersen 479 
Ein Beitrag zur Frage der Inkubationsdauer beim Tripper, von Alfred Lanz.. 481 

Blennorrhoe, Syphilis und Hautkrankheiten, von R. Wintern itz 537 

Akne und Alopecia areata, von L. D. B ulkley 538 

Hautanomalien bei inneren Krankheiten, von S. Jessner 539 

Untersuchungen über die Morphologie und Biologie des Tuberkulose-Erregers, von 

Friedrich Fischel 582 

Der venerische Katarrh, dessen Pathologie und Therapie, von Ed. Lang 583 

Lehrbuch der Cystoskopie. Ihre Technik und klinische Bedeutung, von Mtnc Nitze 583 
Statistik und Bericht über den Ergänzun^kurs an der Klinik für Krankheiten 

der Harnwege, von A. P ousson 583 

Amtliche Medicinalberichte des Kantons Zürich der Jahre 1885 — 1890 584 

Schmarotzertum in der Tierwelt, von Looss 585 



Mitteilungen aus der Litteratur. 

I. Allgemeines. 

a. Anatomi8C?ie8. 

Über die freien Nervenendigungen in der Epidermis, von A. v. Gebuchten .. . 227 
Die Verteilung der Blutgefäfse in der Haut, von Werner Spalteholz 541 

b. Physiologisches. 

Die Hautperspiration bei Kindern im physiologischen und pathologischen Zustande, 
von D. Ssokolow 94 



— VI - 

Seite 

• ■ _ 

über den Hautsinn, von M. Dessoir 94 

Ist Keratin, speciell das Mark von Hystrix, ein Glutinbildner? von 0. Liebreich 97 

Über die Verhornung, von Zander 97 

Spinalganglien des Kaninchens, von J. Gaule 97 

über Fettkörper und Hautresorption, von Au bert 226 

Über das Besorptionsvermögen der menschlichen Haut, von Leon Kopff 226 

Über das Resorptionsvermögen der menschlichen Haut, von du Mesnil 227 

Vorläufige Mitteilung über die Innervation der Hautgefäfse, von P. Hasterlik 

und A. Biedl 540 

Resorptionsfähigkeit der Haut, von W. So bieranski 540 

Über die Summation von Hautreizen, von Gad und Goldscheider 541 

c. Mikroskopische Technik. 

(Vacat.) 

d. Bakteriologie. 

(Vacat.) 

e. Hygiene. 

Die Entwickelungsgeschichte der lokalen venerischen Krankheiten, von G. F. 

Lydston 51 

Hygiene der Hände, von S. Jessner 271 

Prostitution, von E. Müller 271 

Beitrag zur Regelung der Prostitution, von M. von Zeissl 271 

Regelung der Prostitutionsfrage 271 

Gefahren der Prostitution und ihre gesetzliche Bekämpfung, von Zehnder 271 

f. Allgemeine Pathologie und Therapie. 

Beiträge zur Streptokokkenfrage, von v. Lingelsheim 142 

Menschliche Lymphe, von Mangant 143 

Ein Vorschlag zur Gesundheitspflege der Soldaten, von A. Heller 143 

Über das Blutserum prädisponierter Tiere, von Roger 143 

Die Fortschritte in der Dermatologie, von Georg Arnheim 143 

Die vermeintlichen Schlummerzellen und ihre Beziehungen zu den Eiterkörperchen, 

von C. Weigert * • 143 

Zur Frage der Herkunft der Eiterkörperchen, Antwort auf einige Bemerkungen 

des Herrn P. Grawitz, von F. Marchand 144 

Untersuchungsergebnisse betreffend den Streptococcus longus, von Behring ... 144 
Über das bakterielle Verhalten des Thiophendijodid, von Eduard Spiegier .. 144 

Die antibakterielle Wirkung der Alexine, von E. H. Hankin 144 

Die Verwendung des Saftes der Brennnessel gegen Blutungen und Hautkrankheiten, 

von Dubar 145 

Der Harnstoff des Blutes bei Hautkrankheiten, von Butte 145 

über Salophen und dessen therapeutische Verwendung, von Joseph Fröhlich 145 
Alumnol, ein neues Adstringo-Antisepticum, von R. Heinz und A. Liebrecht 145 

Über den Gebrauch des Schwefels bei Hautkrankheiten, von Zadeck 146 

Eingangspforten für Infektionskrankheiten, besonders der Haut beim Kinde, von 

R. Philip pe 228 

Verwertung der Hauttemperaturdifferenzen zu topographisch -diagnostischen Zwecken, 

von Honigmann 228 

Beeinflussung der Blut* und Serumdichte durch Veränderungen der Haut und 

durch externe Medikationen, von H. Schlesinger. - 228 

Hautveränderungen unter Lichtwirkung, von S. Jessner 230 

Einige Erfahrungen über Solveol als Antisepticum, von Hiller 230 

Therapeutische Verwendung des Hydrargyrum sozojodolicum, von Witthauer. 230 

Die Ulcerationen der Zunge, von A. Fournier 231 

Die Desinfektion am lebenden Organismus, von Behring 231 



— vn — 

Seite 

über die Ätiologie der akuten Eiterungen, von Schtschegelow 232 

Resorption von Jodkalium durch den Mastdarm und die Ausscheidung des ersteren, 

von Calemtoni 233 

Anwendungsgebiet des Dermatols, von B. Heinz 233 

Dermatolbehandlung, von W erther 233 

Behandlung mit Dermatol im Anna- Einderspital zu Graz, von E. Doernberger 233 

Kre(^inbehandlung, von Loewengard 233 

Einige nach der Anwendung von Pariser Pflaster auftretende Hautkrankheiten, 

von G. T. Elliot 233 

Elektrolytische Operationen in der ärztlichen Praxis, von E. Glasen 233 

Die kataly tischen Wirkungen des galvanischen Stromes, von Moritz Meyer... 234 

Pathogene Protozoen beim Menschen, von Eartul is 234 

Darchgängigkeit der Haut für Mikrobien, von B. Wasmuth 439 

Neue Behandlungsmethode mykotischer Erkrankungen, von v. M o s e t i g 440 

Über Schwefelbäder, von Barthelemy 440 

g. Pharmakologie. 

Die essigsaure Thonerde und deren Verordnung, von Theodor Münzberger.. 35 

Die Ungiftigkeit des Dermatols, von E. Gläser 35 

Die Erankenheiler Seifen; ein Beitrag zur Eenntnis der medikamentösen Seifen, 

von H. Paschkis 35 

Das wirksame Prinzip der Nessel, von Oddi und Lomonaw 35 

Pharmakologische Untersuchungen über Salophen, ein neues Salicylsaurederivat, 

von W. Siebel 35 

Die Quecksilberverdampfung aus Quecksilbersalben, von Eunkel 36 

Wasserstoffsuperoxyd als therapeutisches und diagnostisches Mittel, von Stuver. 36 
Eine neue Administrationsmethode für Jodkalium, von D. Bryson-Delavan... 36 

Toiletten- und medicinische Seifen, von J. V. Shoemaker 36 

über pulverfbrmige medicinische Seifen und einige neue medicinische Stückseifen, 

von P. J. Eichhoff 36. 181 

Alumnol, von Heinz 178 

über das Salol im Organismus^ von P. Cornet 178 

Zar Wirkung des Lysols, von Cadeac und G uinard 178 

Kamphoid, ein EoUodiumersatz 179 

Zar Beseitigung des Geruches von Jodoform und Guajakol 179 

Jodoformium desodoratum 179 

Jodpräparate, von M an nan 179 

Versuche mit Tuberkulin bei Rindern zu diagnostischen Zwecken, von F. Geifsler 179 
Versuche mit Tuberkulin bei Erankheiten der Binder, von Tommaso Guida.. 179 

Eigener schwerer Fall von Jodoformintoxikation, von P. Näcke 179 

Intoxikation durch Perubalsam, von Lohaus 180 

über den Giftigkeitsgrad des Quecksilberoxycyanür, von H. Picard 180 

Eine letal verlaufene akute Quecksilbervergiftung durch Einreibung mit grauer 

Salbe, von Sackur 180 

Das Schwefelzinkhydrat in der Dermatologie, von T. Petrilli 180 

Ungunstige Wirkung des Gallacetophenons, von W. D. James 181 

Anwendung der Seifen in der Dermatologie, von Emil Schwarz 181 

Einige neuere Heilmittel in der dermatologischen Praxis, von Charles W. Allen 272 

über Dermatol, von Gläser 273 

Dermatol und Jodoform, von Gläser 273 

Earophen mit klinischen Bemerkungen über Europhen und Europhen-Aristol, von 

Shoemaker 273 

Über meine weiteren therapeutischen Erfahrungen mit Europhen, von P. J. 

Eichhoff 273 

Europhen und Aristol, von Eichler 273 

Earophen und Aristol, von Bichtmann . 273 

Aristol, von C. W. Allen 273 

Aristol bei Hautkrankheiten, von Sormani 274 

Oxychinaseptol oder Diaphtherin, von Ham echer 274 

Oxychinaseptol, von Bohrer 274 

Alumnol, von M. Chotzen 274 



— VIII - 



. 1 



FlÜBBige Jodvaseline, von S ehu 275 

Euphorin, von G. Peroni und K. Bo vero 275 

Über Birkenteer, Oleum Rueci, von T. V igi er 275 

Über Losophan, von E. Saalfeld 275 

Thiol zur Behandlung der Ulcera varicosa, von Moncorvo 276 

Über geschmeidiges Thilanin, von E. Saalfeld 276 

Pillen mit Salolüberzug . . . . • 276 

Quecksilbersalbe, von M onnet 'T 277 

Verordnung von Balsam um Copaivae 277 

Zusammensetzung des Niederschlages aus dem Liquor Kalii arsenicosi, von W. 

Bräutigam 277 

Wirkung des Salophens und krystallinische Ausscheidung desselben und verwandter 

Arzneikörper auf der Haut, von R. Hitschman n 277 

Desinfektionswert der Sozojodolpräparate, nebst Bemerkungen über die Technik 

der Prüfung der Antiseptica, von Spi rig 277 

Einige Präparate für die Haut, von Mosler 278 

Naphtol-Kampfer in der chirurgischen Behandlung tuberkulöser Lymphdrusen- 

entzündungen, von Courtin 278 

Antiseptische Mischungen pulverförmiger Substanzen, von Alberto Cavazzini 278 

Über Araenlähmungen, von Marik 278 

Ausscheidung von Blei und Eisen durch die Haut bei der akuten Bleivergiftung, 

von Oddo und Silbert 279 

Atropinintoxikation nach epidermatischem Gebrauch einer Belladonnasalbe, von 

S. J. Meltzer 279 

Wirksame Gemische antiseptischer Stoffe, von Ghristmas und Respaut 280 

Quecksilbervergiftung durch Ealomel und Sublimat, von H. Havas 260 

Ein neues Dosierungssystem stark wirkender Arzneimittel, von Theodor Münz- 
berg er 280 

Ichthyol in der Dermatologie, von E. Mourron 441 

Idiosynkrasie gegen Quecksilber, von Schnell 441 

Europhen bei suppurativer Otitis mit syphilitischen Ulcerationen, von J.Edward 

Gibs 441 

Eine bisher unbeachtete Eigenschaft des Dermatols, von G. Wicke 441 

Die Intoxikation mit Zinkoxyd, von A. Falcone und Maramaldi 441 

Untersuchungen über Stoffwechsel- und Hämoglobinveränderungen bei längerem 

Gebrauche des Levico- Arsen-Eisenwassers, von Ewald und Dronke 441 

Klinische Beiträge zur Lehre von der Wirkung des Nukleins, von Heinrich 

3Iourek 442 

Erwiesenes und Hypothetisches vom Arsen, von Th. Husemann 585 

Zur Kenntnis der Arsenläfamungen, von Gumprecht 585 

Über Blei- und Arsenlähmungen, von Jolly 586 

Verbesserte Leberthranpräparate, von Genser 586 

Verwendung des Europhens in der venerologischen Praxis, von C Kopp 586 



Verschiedenes. 

Der Kollodiumwatteverband und seine Verwendung zu oberflächlichen und fixieren- 
den Verbänden und zur Befestigung von Verweilkathetern, von Ph. Biedert 54 

Bestimmung des Geschlechtes bei der Zeugung, von D. E. Keefe 55 

Mitteilungen über den Stand der Merkurialkrankbeit in den Spiegelbelegen la 

Fürth, von Wollner 55 

Die Taubenzecke als Parasit des Menschen, von K. Alt 55 

Über das falsche Lymphextravasat, von A. Paltauf 56 

Über Wimperbildung, von J. Hirschberg 56 

Dr. Unnas dermatologische Preisaufgabe für 1893 156. 208 

Sterilisation von Jodoforminjektionsflüssigkeiten, von L. von Stubenrauch... 253 

Wiederherstellung eingesunkener Nasen, von K. F. Wei r 253 

Verwendung des Jodkollodiums bei den Haarkrankheiten als EnUiaarungsmittel, 

von L. Butte 253 



- IX - 

Seite 

Depilatorium, Ton T. Augustus Fox ' 254 

Stomatitis infolge von Beizung der Epithelperlen im Munde Neugeborener, von 

H. J. Garrigues 254 

Handdesinfektion, von H. A. Kelly 254 

Seltene Haargeschwulst im menschlichen Magen, von 0. Boilinger 254 

Mattonis Abreifskalender für Arzte 254 

Xn. Eongrefs far innere Medicin 302 

Impfkrankheiten und Antisepsis der Impfung, von L. Pfeiffer 349 

Bleichen geschvrarzter Zahne 349 

Zar Rhinoplastik der Sattelnase, von Di akonoff 349 

Zur Pathologie der Znngentonsille im Zusammenhang mit Angina epiglottica 

nnd Gloeaitis acuta, von J. Guro witsch 349 

Pastillen gegen Foetor ex ore 350 

Zur Pathogenese der Stomatitis mercurialis, von Lermoy ez 350 

Mischung von Stickstoffoxydnl und Sauerstofi als Anaestheticum bei kleineren 

Operationen, von Waldo von Arsdale n 549 

Bestimmung der Identität der Persönlichkeit durch Narben und andere Körper- 

abzeichen, von C. R. Gre enle af 549 

Hodentuberkulose. Tuberkulose der Halslymphdrüsen. Ulcus rodens. Scirrhus 

der Mamma. Akute Gelenksvereiterung. Fibroma mammae, von J. B. 

Hamilton 549 

Hautverpflanzung nach Thiersch, von Urban 549 

Hanttransplantation nach Thiersch bei ausgedehnten Verbrennungen, von S ick 550 

Lokale Anästhesie durch Kokain, von J. Neudörfer 550 

Flageldecken der Lytta vesicatoria, von G. Lewin 551 

Ungewöhnliche Fälle aus der Dermatologie, von George T. Elliot 605 

Vereinfachung der Elektrotherapie durch einen neuen Universalcommutator, von 

Szuman 606 

Hypertrophie der Znngentonsille nebst Bericht über 15 Fälle, von W. Scheppegrell 606 



II. System der Hautkrankheiten. 
A, Angioneurosen, 

I. Anämien. 

Asphyxia disseminata des ganzen Körpers bei einem Epileptiker, von Ch. Fer6 237 

Fall von symmetrischer Asphyxie, von S. H. Seh eiber 237 

Über symmetrische Gangrän, von Ferdinand Kornfeld 237 

Über symmetrische Gangrän, von M. Weifs 238 

Fall von symmetrischer Gangrän, von Bakhmanjnoff 442 

IL Cyanosen. 

über Erythromelalgie, von Ge rhardt 146. 154 

Über Erythromelalgie^ von S e nator 146 

Ein Fall von Erythromelalgie, von B ernhardt 146 

Diskussion über die Erythromelalgie 238 

Erythromelalgie bei einem Paralytiker, von Machol. 239 

III. Ödeme. 

Circumskriptes, transitorisches (angioneurotisches) Odem, von M. A. Starr 147 

Eine noch nicht beschriebene Abart von hereditärem Odem, von W. F. Milary 149 

Akutes circumskriptes Hautödem« von Forfsb erg 236 

ödem während der Purpura, von Adam 236 

Angioneurotische Ödeme bei einem neuropathiechen Nierenkranken, von LeGendre 442 



— X — 

IV, Erythantheme. 

Seite 

Über eine Varietät von Angioneurose, welche Plaques erzeugt, die durch Alopecie, 
Ischämie, Anästhesie, Acbromatose und Pigmentflecke charakterisiert sind, 

von H. Hallopeau 148 

Ein durch Arnikatinktur bedingtes arteficielles Erythem, von Dubois-Havenith 149 

Urticaria mit heftigem Jucken, von Quinquaud 149 

Zur Kenntnis des Autipyrinexanthems, von Möller 150 

Exantheme im Wochenbett, besonders über den sogenannten Wochenbettscharlach, 

von F. Ahlfeld 235 

Beitrag zum Studium der infektiösen Erytheme, von J. Mussy 236 

Beitrag zur Ätiologie und pathologischen Anatomie des Erythema multiforme, 

von E. Finger 236 

Urticaria der Kinder 443 

Erythem nach Einführung von Antipyrin, von F. G. Di az 443 

Über Dermographismus, von T. Barthelemy 444 

V. Blutungen. 

Fall von Magengeschwür und Purpura haemorrhagica, von M. Hollevoet 146 

2 Fälle von hämorrhagischer Urticaria, von W. A. Wills 148 

Hämophilie, von J. L. Watkins 148 

Purpura haemorrhagica, von B. K. R achf or d 148 

Zur Ätiologie der Blutkrankheit und verwandter Zustände, von Glass 235 

Beitrag zur Pathologie der Hämophilie, von Allen Hamilton 235 

Purpura pneumonica, von Voituriez 236 

Die skorbutartige Erkrankung rhachitischer Säuglinge (Barlowsche Krankheit), 

von 0. He üb n er £40 



B. Entzündungen. 
I. Traumatische. 

a. Durch mechanische Einwirkung. 

Behandlung der Fissura ani, von L. H. Adler 150 

Liniment gegen Schrunden der Brustwarzen 282 

b. Durch Temperatureinwirkung. 

Behandlung der Verbrennungen mit Thiol, von Bidder 150 

Behandlung der Verbrennungen im Kindesalter, von Wertheimber 150 

Todesursachen nach Verbrennungen, von Sal violi 281 

Todesursachen nach ausgedehnten Hautverbrennungen, von F. F. Kijanizyn... 282 

Traumatische Dermatitis vesiculosa des Vorderarmes, von L. A. Duhring 587 

c. Durch chemische Einwirkung. 

Seltener Fall von Jodexanthem, von Gustav Kaempfer 151 

Fall von Arzneiexanthem, von Ehrmann 239 

Chininkrätze 280 

Beitrag zum Studium der Hautausschläge nach dem Genufs von Antipyrin, von 

Henri Fournier 280 

Blasenausschlag infolge von Quecksilbermifsbrauch, von Mouflier 281 

Bromexanthem, von Dubois-Havenith 281 

Erytheme infolge von Einwirkung natürlichen und künstlichen Lichts, von Paul 

Raynaud 443 

Ödematöse Schwellung des Präputiums als Nebenwirkung des Antipyrins^ von A. 

Freudenberg 443 

Pemphigus vegetans jodicus, von Th. Trapesnikow 587 



— XI - 

Seite 

Beitrag zum Studium der Hauterkrankungen nach Arsengebrauch, von C. Rasch 587 
Vesikulöser Ausschlag an beiden Händen infolge' des Gebrauches hundslederner 
Handschuhe, von Puy-Le-Blanc 588 

II. Neurotische. 

a. Lokale. 

Behandlung des Herpes der Genitalien, von Monin 151 

Zoster femoralis mit Drüsenschwellungen, von G. Fatichi 151 

Symptome, Verlauf und Therapie des Herpetismus, von M. Lanceraux 152 

Zar Behandlung des Zoster ophthalmicus^ von Boursoige 152 

Herpes zoster bei Kindern, von Co mb y 282 

Herpes zoster im Gebiete des Nervus radialis bei Masern, von E. Adenot 282 

Behandlung des Herpes zoster, von George E. Smith 282 

Herpes vacciniformis, von Fournie r 283 

Herpes der Genitalien, von Besnier 283 

Periphere Lähmung des Facialis infolge von Herpes zoster cervicooccipitalis, von 

L. Perrin 588 

Nearotisches Ekzem bei Erwachsenen, von C. R. Barham 589 

b. Universelle. 

Klinische Untersuchungen über die Prurigo Hebra, von E. Ehlers 152 

Prurigo, von Hillairet und Gau eher 283 

Beitrag zur Pemphigus-Ätiologie, von S trelitz 283 

Pemphigus der Oonjunctiva, von W. A. Brailey 283 

Pemphigus der Bindebaut, von Fuchs 283 

Beitrag zum Studium der Epidermolysis bullosa hereditaria Köbners, von F. 

Bonaniti 589 

Behandlung der Dermatitis herpetiformis, von L. A. Duhring 589 

Dermatitis herpetiformis, von St. Mackenzie 590 



III. Infektiöse. 
1. Allgemeine Infektionskrankheiten. 

a. Akute Exantheme. 

Zur Frage der Identität von Varicellen und Pocken, von M. Freyer 153 

Die Sterblichkeit an Variola in der Ortschaft Pudsey vor hundert Jahren, von 

W. L. Hunter 153 

Variola- Vaccine, von Ch. Haccius 153 

Narbenbildung bei Pocken, von H artge 153 

Untersuchungen über das quantitative Verhalten der Blutkörperchen bei Variola 

und ihren Komplikationen, von Richard Pick 153 

Mitteilung über eine zufällige Vaccination von einem Pockenpatienten, von 

Bentzsch ■ 154 

Zur Ätiologie von Masern, Pocken, Scharlach, Syphilis, von Dohle 383 

Bestäubungen, Bepinselungen und Bäder mit Sublimat bei der Behandlung der 

Variola, von Emerit 384 

Abscesse nach Pocken, von Combemale und Marivint 384 

Eine Theorie, betreffend die Windpocken, von R. A. Birdwood 384 

Bemerkungen über einen Abscefs im Gefolge von Varicellen in einer knöchernen 

Narbe, von E. Kummer 384: 

Scarlatina mit langandauernder Hyperthermie, von L. v. Talamon 384 

Epidemie von unmittelbar nacheinanderfolgenden Röteln und Masern. Einiges 

über Röteln und scharlachähnliche Hautausschläge, von Kramsztyk 384 

Epidemischer Morbus Brightii und die Scarlatina in Oyonnax und Umgebung, 

von Fiessinger 385 



— XII — 

Seite 

Übertragung der Masern, von ß eger 385 

Bacillus im Blute von Masernkranken, von Canon und Pielecke 385 

Variola, Variolois und Varicellen, von Th. Bie dert 443 



b. Chronische Infektionskrankheiten. 

a. Lepra. 

Über die Erkrankung peripherer Nerven bei Lepra anaesthetica, von C. Dehio 38 

Leprose im Mittelalter 38 

Lepra und Impfungen, von Henri Fournier 38 

Untersuchung über die Frage von der Übertragbarkeit der Lepra durch die 

Vaccination, von B. Hake und G. A. Buckmaster 38 

Lepra und Vaccination in Britisch-Guyana^ von Castor 39 

Der angebliche Zusammenhang zwischen Lepra und Impfung, von P. 8. Abraham 39 

Lepra und Impfen, von fi. Pringle 40 

Fernere Bemerkung über Lepra und Vaccination, von B. Hake undG.A. Buck- 
master 40 

Die Lepra im transkaukasischen Gebiet, von J. J. Pantjuckow 98 

Leprakranke in Bogota 98 

Bericht über Lepra in Neu-Süd- Wales 98 

Lepra in den russischen Ostseeprovinzen, von P. Hei lat 98 

Das I«prahospital in Rio de Janeiro, von A. Lima 99 

Einige Bemerkungen zur pathologischen Anatomie der Lepra, von B. Bake.... 184 

Blutuntersuchungen bei der Lepra, von Joseph Winiarski 184 

Lepra und Tuberkulose, von Damaschino 184 

Tuberkulinbehandlung der Lepra, von G. F. Donnovan 185 

Lepra und Syringomyelie, von G. Thibi erge 185 

Angebliche Lepra bei niederen Tieren 186 

Einige Veränderungen des Leprabacillus nach Behandlung mit Chaulmogroa-01» 

von Oro Mario 284 

Leprabacillen, von Unna 284 

Beitrag zur Behandlung der Lepra, von J. C a r re au 284 

Einige Punkte in der Anatomie der Lepra, von Beaven Bake 285 

Besuch im Leprahospital bei Drontheim, von Fritz Kunze 285 

Die Aussätzigen in Aonstantinopel, von Abel 285 

Vorkommen einer Form abj^eschwächter Lepra bei den pyrenäischen Schein- 
heiligen, von Lajard und Regnault 286 

Klinisches Studium der Lepra, von Ed. Bo in e t 482 

Lepra, von Carreau 482 

Übertragbarkeit, Prophylajie und Behandlung der Lepra, von Mac Auliffe ... 483 

Die Lepra und die Leprösen in Frankreich, von C ab an es 483 

Die Lepra in der Bretagne, von Zambaco -Pacha 4S4 

Beiträge zur pathologischen Anatomie der Lepra, von August Kikli 591 

Zur Bestimmung des Procentgehaltes von Fibrin im Blute Leprakranker, von 

Beaven Bake 591 

Fall von Lepra, von S. Guro witsch 592 

Fall von trophoneurotischer Lepra im Marinehospital in Nikolajew, von W. von 

Knorre 592 

Fall von Lepra mutilans, von C. Botter 592 

Lepra in Südamerika 592 

Notizen über einen Besuch im Lepra- Hospital zu San Remo, von L. A. Duhring 592 
Fall von Lepra maculosa et tuberosa, von L. A. Duhring 592 



ß. Tuberkulose. 

Vorkommen von Eiweifs im Harn bei tuberkulösen Erkrankungen, von Max 

Kahane 40 

Über die chemotaktischen Wirkungen des Tuberkulins und über die Reinzucht 

beweglicher Bakterien auf chemotaktischem Wege, von R. Kluge 40 



— xni — 

Seite 

Einige Resultate bei Verwendung von Tuberkulin und dessen Modifikationen im 

Adirondack Cottage Sanatorium, von £. L. T r u d e a u 41 

Die toxischen Produkte des Tuberkelbacillus, von S. M. Prudden 41 

Behandlung des Lupus vulgaris, von J arisch 41 

Behandlung des Hautlupus mit Ghlorzinkeinspritzungen, von Fedorow 99 

Heilung eines tuberkulösen Drüsenknotens durch die sklerogene Lannelongue sehe 

Methode, von Honcorvo 100 

Tuberkulin und die lebende Zelle, von C. D en is on 100 

Behandlung des Lupus, von Ti n zi 186 

Lysol gegen Lupus, von Leslie Philipps 186 

Behandlung des Lupus und der chirurgischen Formen der Tuberkulose mit 

Tuberkulin, von L. Corazza und T. M eneghelli 186 

Vorläufige Mitteilung über eine kombinierte Tuberkulin-Tuberkulocidin-Behandlung, 

von C. Spengler 186 

Hauttnberkulose. Heilung. In der Folge Eingeweidetuberkulose. Erkrankung 

der tracheo-bronchialen Lymphdrüsen, Nephritis, von Grancher 186 

Tuberkelbacillen in den Lymphdrüsen Nichttuberkulöser, von Pizzini 286 

Über Haut- und Schleimhauttuberkulose, von Doutrelepont 286 

Der Lupus und seine Behandlung, von V. L. Simon 287 

Lupus bei alten Leuten, von Dezwarte 287 

Fall von Ehinoplastik nach Lupus, von Wei nie ebner 287 

Tuberkulose des Zahnfleisches, von M. Haj e k 287 

Bemerkungen zu dem Referate des Herrn Prof. Dr. Kraske über meine Arbeit 

„Übertragung der Tuberkulose auf dem Wege des geschlechtlichen Verkehrs*', 

von Karl Schuchart 288 

Weitere Beitrage zur Kenntnis der kantharidinsauren Natrontberapie, von Schulze 288 

Tuberkulose der Nasenschleimhaut, von M. H aj ek 288 

Neue Lupusbehandlung, von A. Chau t 593 

Diagnostisches Hülfsmittel zur Feststellung der tuberkulösen Natur von Eiterungen, 

von Debraye und Legrain 593 

y. Stjphilit. 

Die Syphilisforschung im Jahre 1891, von Jul. Heller 41 

Zur Behandlung der Syphilis, von M. von Zeifsl 42 

Zur Therapie der Syphilis mit Merkurialien nebst Bemerkungen über Nephritis 

bei Luetikern, von Ed. Lan e 42 

Über Syphilisbefaandlang mittelst des elektrischen Zweizellenbades, von Kronfeld 43 

Über die Excision des harten Schankers, von 0. Horowitz 43 

Syphilis des Auges, von Conrad Fröhlich 44 

Über Lues laryngis im Kindesalter, von Hermann Straufs 44. 297 

Endocarditis verrucosa in der Frühperiode der Syphilis, von Engel-Reimers. 44 

Hw syphilitischen Erkrankungen des Auges, von Leopold Grofsmann 45 

Himsyphilis und Dementia paralytica, von 0. Bins wanger 45 

Blatserumii^ektionen gegen Syphilis, von Arthur Kollmann 45 

Vererbung' der Syphilis durch die Mutter, von Th. W. Nunn 46 

Immunitat der Mutter bei hereditärer Syphilis von seiten des Vaters, von P. Diday 46 
Betrachtungen über die Diagnose der hereditären Syphilis, von D. Durante... 46 

8pat auftretende hereditäre Syphilis der Knochen, von 0. G. Davis 46 

Zar Frage der Excision der Initialsklerose, von Gerber 100 

Über Paraffinembolie der Lungen bei intramuskulären Quecksilberinjektionen, von 

A Blaschko 101 

Über die Beziehung der Syphilis zur Osteoarthropathie hypertrophiante pneumique, 

von Heinrich Schmidt 101 

Der akute Jodismus und seine Gefahr in der Sypbilisbehandlung, von Ernst 

Finger 102 

Gegen syphilitische Alopecie und die Syphilide der Kopfhaut, von Riekma 102 

Einige Mittel, um der Ausbreitung der Syphilis vorzubeugen, von C. W. Allen. 103 
Korphologiscbe Veränderungen des Blutes bei Syphilis und einigen Dermatosen, 

von J. H. Eille 187 

Über tertiär-syphilitische subkutane Lymphome, von Busch 188 

Vorschläge zur Behandlung der Syphilis im Anfangsstadinm, von A. Eichler . . 189 
Behandlung der Syphilis während der Schwangerschaft, von Augagneur 189 



— XIV ^ 

Seite 

Über syphilitische Augenerkrankungen, von Oale zowski 189 

Syphilis und Scharlach, von J. H. Heaney 189 

Anwendung der Quecksilbereinreibnngen bei der Behandlung der Syphilis, von 

A. Fournier 189 

Über die energische chirurgische Intervention bei den ulcerierten Gummiknoten, 

von Jakobs 190 

Syphilis der Nase, von Treizel 190 

Fall von hereditärer Syphilis, von Haslea 190 

Beiträge zur Geschichte der Syphilis, von Bu r et 289 

Syphilis und gerichtliche Medicin, von Fournier 289 

Zur Kenntnis des sogenannten Skerljevo in Dalmatien, von B. Periöic 289 

Beratung und Beschlufsfassung über die Thesen der Kommission zur Vorbeugung 

der Syphilis ^ 290 

Statistik der extragenitalen Schanker, die vom 1. Februar 1890 bis 1. November 

1891 auf der Fournier sehen Klinik zur Beobachtung kamen, von H. Feulard 291 
Zu welcher Zeit der syphilitischen Erkrankung soll deren allgemeine Behandlung 

beginnen? von Havas , 291 

Wann soll man die specifische Behandlung beginnen? von Dubois-Havenith . 291 

Fall von syphilitischer Reinfektion, von R. Pauly 291 

Ätiologie der tertiären Syphilis, von £. Lesser 292 

Syphihs und Tuberkulose, von A. Elsenberg 292 

Männliche Sterilität infolge von Syphilis, von A. Hanö . . . 292 

Versuche zur Erzielung eines milderen Verlaufes der Syphilis, von C. Pelizzari 293 
Über die Perioden eines verschärften Auftretens der Syphilis, von C. Pellizzari 293 

Über Herzsyphilis, von Mariano Semmola 293 

Über die durch Syphilis verursachten Nieren Veränderungen, von Jacques Justus 294 

Die syphilitische und raerkurielle Chloro- Anämie, von Stukovenkoff 294 

Die diphtherieähnliche, syphilitische Angina, von A. Rolin 294 

Über Vaccine-Syphilis, von M. Kaposi 294 

Pustulöses Syphilid und Liehen syphiliticus, von G. Lewin 295 

Beiträge zur Lehre von der kongenitalen Syphilis, von Erlenmeyer 295 

Ein bisher nicht beschriebenes Symptom hereditärer Syphilis, von Antonino 

Carini 296 

Organe eines im Alter von 3Vt Monaten unter den Erscheinungen eines schweren 

Icterus gestorbenen Kindes, von D. Hansemann 296 

Läsionen des Rachens bei Syphilis hereditaria tarda, von Higguet 296 

Lues der Zunge, von du Castel 297 

Ulcerierte Zungengummata im vierten und fünften Monate nach der Infektion, 

von Maes 297 

Ein typischsyphilitisches Exanthem, von Maes 297 

Das essigsaure Thymolquecksilber, von M ario Migneco 298 

Behandlang des Ascites bei Lebercirrhose und Lebersyphilis mit Cremor tartari 

in gröfseren Dosen, kombiniert mit, roborierenden Mitteln, von M. Sakaki. 298 
Diskussion über Blaschkos Vortrag: Über Paraffinembolie der Lungen bei intra- 
muskulären Quecksilberinjektionen 298 

Vorläufige Mitteilung über die Behandlung der Syphilis mit Handeserum, von 

Ed uard C ottorel 298 

Zur hypodermati sehen Behandlung der Syphilis mit QuecksHberpräparaten, von 

M. von Zeifsl 298 

Bereitung der Sozojodolquecksilberlösung zur Behandlung luetischer Afifektionen 

von Schwimmer 299 

Erfahrungen über die subkutane Anwendung des Hydrargyrum oxydatum flavum 299 

Hydrargyrum formamidatum, von Vishegrad 299 

Hydrargyrum benzoicum, von Cochery 299 

Antifebrin zur Behandlung weicher und harter Schanker, von K. Basilewitz 299 
Behandlung der Syphilis mit Hydrargyrum succinimidatum, von L. Jullien.. .. 299 

Beiträge zur Syphilistherapie mit Oleum cinereum, von A. Hägler 300 

PseudoParalysis syphilitica, von Moncorvo 300 

Syphilis und Eklampsie, von K. Lang 300 

Syphilis maligna praecox des Nervensystems, von G. de la Tourette 300 

Beziehungen der Syphilis zu den nervösen Krankheiten der Kinder, von H ad den. 301 

Klinischer Beitrag zur Ätiologie der Tabes, von G. Gold fl am 301 

Statistischer Beitrag zur Syphilis-Tabes-Frage, von L. Minor 301 



— XV — 

Seite 

Eine darch kongenitale Syphilis bedingte Gehimerkrankung, von A. Erlenmeyer 301 

Ataxie bei kongenitaler Syphilis, von Sq uar e 302 

Kopfschmerzen im 2. Stadium der Syphilis und ihre Behandlung, von L. Lyonnet 484 
Behandlung der Syphilis mit Einspritzungen von Hydrargyrum succinimidatum, 

von L. Arnaud 485 

Präparate von visceraler Syphilis, von R. Vi rch o w 485 

Halscarcinom und Keblkopfsyphilis, von B. Baginsky 485 

Exstirpation des Bectums bei syphilitischer Erkrankung, von C. Sick 485 

Das phagedänische Ulcus durum, von Puy o Medina 486 

Sclerosis syphilitica des Collum uteri, von Le Camus 486 

Syphilitische Nephritis, von J. Prendergast 486 

Kontraktur des M. biceps infolge von Syphilis, von J. Prost 486 

Beeinflussen sich Typhus abdominalis und Syphilis bei gleichzeitigem Auftreten? 

von Chr. Maes 486 

Statistische Untersuchungen, betreffend die Übertragung der Syphilis von der 

Mutter auf den Fötus, von F. Lhomer 487 

Die Hysterie in ihren Beziehungen zur Syphilis, von B. Lucien 487 

Ist die Tabes dorsalis eine syphilitische Erkrankung?, von A. F. Plichon 487 

Syphilis und Dementia paralytica, von D. Anglade 487 

Über den Bacillus der Syphilis, von Sabour aud 593 

Verschiedenes Verhalten der Individuen gegenüber dem syphilitischen Gift, von 

Ch. Mauriao 593 

Über die Hämotherapie der Syphilis, von P. Tommasoli 594 

Die verschiedenen Methoden der Hämotherapie der Syphilis, von P. Tommasoli 594 

Über Quecksilber-Flanell, von F. Vi gier 595 

Fall von seltener specifischer Erkrankung des Auges, von Silex 595 

Die syphilitische, tuberkulöse und lepröse Nephritis, von Lancereaux 595 

Über Syphilis hereditaria tarda, von J. Neumann 596 

Zur Kenntnis der Nervenerkrankungen in der Frühperiode der Syphilis, von 

Alfred Sänger 597 

Eine eigentümliche bei 3 Geschwistern auftretende typische Krankheit unter der 

Form einer progressiven Dementia in Verbindung mit ausgedehnten Gefäfs- 

veränderungen (wohl Lues hereditana tarda) von E. A. Homen 598 

Meningitis spincdis syphilitica bei einem Paralytiker, von Richter 599 

Zur Kenntnis der syphilitischen Erkrankungen des Rückenmarks und der Brücke, 

von H. H p pe 599 

b. Malleua. 

Bedeutung des Mallein bei der präventiv-diagnostischen und therapeutischen Be- 
handlung der Rotzkranken, von A. Bonome und M. Vivaldi 190 

2. Lokale Infektionskrankheiten. 

a. der Oberhaut. 

Über die Behandlung der akuten Ekzeme, von Carl Herxheimer 103 

Chronisches Ekzem, von L ana ra 103 

Pathologie und Therapie des Ekzems, von L. Török 103 

Znr Kasuistik der Gangrän infolge von Ecoema intertrigo, von Halpern 150 

Zar Geschichte der Krätze, von Gabands 191 

Fall von Pusteln im Schlund, Rachen, Nase und Kehlkopf, von Audubert.... 191 

Seltener Fall von universeller Scabies (Scabies norvegica), von OroMario 191 

Ekzeme des Säuglings- und Kindesalters nebst besonderer Berücksichtigung der 

.. • Ätiologie und diätetischen Behandlung, von C. P. Rüssel 191 

Über Eccema und Folliculitis des VestibuTum uasi, von P. Tissier 192 

Über Mo 11 ersehe Glossitis superficialis, von Ludwig Hahn 192 

Behandlung des chronischen Ekzems mit Kreolin, von Patteson 192. 331 

Gegen Komedon, von Blondel 192 

Vaccine-Blepharitis, von Erich Peiper 192 

Eine Macorgattung bei schwarzer Zunge, von Ciaglinzki und Hewelke 193 

Eccema vulvae, von Lusch 331 



— XVI - 

Seite 

Behandlung der Acne rosacea nach Stopford-Taylor 331 

Impetigo der Kinder, eine kontagiöse, inokulable und mikrobiäre Krankheit, von 

Charles Leronx , 331 

Bemerkungen über einen Fall von Keratodermia symmetrica congenitalis non 

hereditaria von Audry und Lacroix 331 

Schwarze Zunge 332 

Zur Behandlung des Herpes tonsurans, von Abraham 332 

Erfahrungen bezüglich der Behandlung des chronischen Herpes tonsurans in einer 

Schule, von L. A. Du bring 332 

Haarkrankheiten, von Busquet 332 

Beitrag zum Studium der Trichophytiasis tonsurans, von J. Audrain 332 

Ekzem des Schnurrbarts, von L. Marchand 332 

Beitrag zum Studium der Trichophytiasis humana, von B. Sabouraud 333 

Beziehungen zwischen dem Haarschwund bei Keratosis pilaris und der Alopecia 

seborrhoica, von L. Brocq 338 

Über die Pili moniliformes, von R, Sabouraud 333 

Parasitäre Hautkrankheiten, von He rvou e t 395 

Ekzem und seine Behandlung mit Zinköl, von Richard Drews 385 

Eccema recens artificiale, von E mer ich T h om as 385 

Pemphigus neonatorum, Erblichkeit und Infektion, von Langfeldt 386 

Über die Impetigo contagiosa, von Louis Wickh am 386 

Herpes tonsurans 386 

Herpes tonsurans maculosus, von M. Kaposi 386 

Psoriasis der Kopfhaut, von E. Be snier 387 

Neue Behandlungsmethode der Alopecie, von A. Morel -Lavallee 387 

Pflanzlich parasitäre Hautkrankheiten in Chile, von Frömel 387 

Dermatitis exfoliativa, von Whitmore Steel e-Ütica 542 

Impetigo contagiosa und Eccema pustulosum 542 

Haarschwund und Trichophytiasis, von Brocq 542 

Behandlung von chronischem Herpes tonsurans in einem Knabeninstitut, von L. 

A. Du bring 5^ 

b. der Cutis. 

2 Fälle von Mycosis fungoides, von L. Philipp son 107 

Über Filaria Bancrofti Cobbold, von v. Lindstow 108 

Ichthyol gegen Gesichtserysipel, von S. J. Radcliffe 193 

Behandlung des Gesichtserysipels, von Ch. Talamon 193 

Acne sebacea, von Barthelemy und Jacques 193 

Verschiedene Formen der Lympbangitis, insbesondere die ampulläre Lymphangitis, 

von Morel- Lavallee 193 

Erythema nodosum pallustre, von Moncorvo 194 

Wundrand-Hautfaltennaht nach Ausräumung von Bubonen, von Zehender.... 194 
Arthritis suppurativa des Knies im Verlaufe einer Gesichtsrose, von Gaillard.. 194 

Über Verschwärung, Geschw^üre und deren Heilung, von Guido Bell 194 

Bakteriologische Beobachtungen über Furunkel des äufseren Gehörganges, von 

Maggiora und Gradenigo 194 

Barbers itch, von W. S. Gottheil 194 

Ätiologie akuter Zellgewebsentzündungen, eine Karbunkel-Hausepidemie durch 

Infektion mit tierischem Sekret, von Brunn er 195 

Natur und Behandlung der Tinea decalvans, von Illing worth 202 

Abortivbehandlung der Bubonen, von Letnik 249 

Verschwärung, Geschwüre und deren Heilunar, von Bell 334 

Fall von Rhinosklerom, von Egmont Baumgarten 334 

Fall von Rhinosklerom, Typhus exanthematicus; Schwund der Rhinosklerom- 

infiltrationen, von Leop. Lubliner 334 

Kokainanwendung bei Mastitisoperation, von Rosier 334 

Zur Drainage der Phlegmone, von Sior 334 

Mitteilungen über Erysipelas von der I. medicinischen Abteilung des Hamburger 
Allgemeinen Krankenhauses nebst einigen kritisch - therapeutischen Be- 
merkungen, von J. A. Gläser 335 

Abortivbehandlung des Gesichtserysipels mit Siiblimatätherzerstäubungen, von 

Thalamon 835 



- XVII - 

fieite 

Fall von Anthrax. Excision des inficierten Gewebes. Heilang, von A. 6. Johnson 

und G. L. Nicholas 335 

Typbusbacillen in einem Eiterherd, von Valentini 336 

Zar Lehre von den metastatisohen Wirkungen des Typhusbacillus, von H. Rosin 

und B. Hirschel 33« 

Fall von Noma bei einem 55jährigen Manne, von Auders Hansson 336 

Noma bei einem 44jährigen Weibe, von H. K öste r 336 

Fall von Selbstbeschädigung bei einer Hysterischen, von Schimmelbusch . ... 336 

AÜRemeininfektion mit Streptokokken infolge von Hauterysipel, von Pfuhl 388 

Anthrax und Staphylococcus, von A. Bougan 388 

Schwerer Fall von Anthrax, von Dav ier - Coli y 388 

Adenitis infectiosa, von Re ign ier 388 

Behandlung der Gesichtsakne, von Renault 388 

Behandlung der Gesichtsrose mit Sublimatzerstäubungen, von E. Oolas 389 

Pemphigus ulcerosus, von A. Mathieu 389 

Über Sycosis, von S. Ehrmann 389 

ßehandiang des Liehen planus mittelst Hydrotherapie, von P. Materne 390 

Furunkulose 390 

Europhen gegen Rosacea, von J. V. Shoem aker 390 

Thrombose der Augen venen und des Sinus cavernosus infolge von Akne, von Des tot 390 

Weiche Schanker an den Fingern, von Q. Nove- Josseraud 390 

Fall von zahlreichen kleinen Schankern mit Fieber, von Legrain 390 

Schankröser Bubo der Achselhöhle, von Mauriac 390 

Behandlung des weichen Schankers, von Gamel 491 

Behandlung des Erysipelas mit Pilokarpin, von Haie 543 

Über Lippenaktinomykose, von Nicolaus Mari 543 

Die Eingangspforte der Aktinomyces, von Karl Partsch 543 

Behandlung der Aktinomyko&e mit Jodkalium, von Iterson 543 

Antiseptische Behandlung des Furunkels und Anthrax, von Burlureaux 544 

Mycosis fungoides d'emblee, von Riehl 544 

Protozoen bef und bei Mycosis fungoides, von Robert Wem icke 544 

Sycosis, von Quinquaud 544 

Lymphgeföfse bei Elephantiasis Arabum, von L. T eichman 514 

Beobachtung von Angina und Stomatitis, durch Streptokokken bedingt. Pur- 
pura, Arthropathie, leichte Endocarditis, von Raoult 545 

Infektiöse Pneumonie infolge eines gutartigen Erysipels, von Rendu 545 

Zur Illustration der Behandlung schwerer Phlegmonen, von Barthauer 545 

Über die Behandlung des Panaritium« von A. Seh midt 545 

Natur und Behandlung des Liehen Wilsons. Beitrag zum Studium der Haut- 
neurosen, von Jacquet 546 

Seltener Fall von Liehen planus, von A. Page 546 

Das Hikrobion des weichen Schankers, von R. Kref t ing 546 

Behandlung des Ulcus molle mit Natrium eozojodolicum, von Th. Trapesnikow 546 
Das Ulcus molle und der venerische Bubo in ihren Beziehungen zu den Jahres- 
zeiten, von P. Tommasoli 547 

C. Progressive EmcUirungsstörungen. 

I. Maligne. 

Über die Krebsparasiten, von P. Foä 196 

Kleinzelliges Sarkom am rechten Vorderarm, von Leon Derville und Guor- 

monprez • *''^^ 

Fall von Carcinomatosis cutis multiplex, von M. Kaposi 196 

Änwendunflr des Methyl violetts zum Verband carcinomatöser U Icerationen, von 

Zilgien A^« 

Fall von melanotischem Sarkom der Plica semilunaris conjunctivae, von 

T. J. Meighan 197 

Fall von Melanosarkom des Augenlides, von Helferich 197 

Sarkome der Augenlider, von Joseph Flack 197 

Die parasitäre Theorie des Carcinoms, von Th. Bro wicz 198 

Protozoa und Carcinom, von S. Del6pine 199 

Beitrag zur Statistik der Geschwülste, von Otto Rapok 1B7 



— XVIII — 

Beiie 

Sarkom mit sogenanntem chronischen Rückfallfieber, von C. Puritt 108 

Fall von Weichteil-Sarkom der oberen Extremität, von A. Jäckh 199 

Zur Lehre von der Ätiologie der Leukämie, von A. Pawlowsky 190 

Fall von fibrösem Epitheliom an der Zungenbasis, von J. Wright 337 

Heilsamer Einflufs akuter Infektionskrankheiten auf bösartige Geschwülste, von 

C. H. H. Spronck 338 

Fall von Akromegalie, von Carl Buzer . . 338 

Über das Carcinom, von C. K arg 339 

Weitere Untersuchungen über schmarotzende Sporozoen in KrebsgeschwülsteD, 

von Sawtschenko 339. 391 

Zweite Mitteilung über parasitäre Protozoen bei Krebsgeschwülsten, von 

M. A. Ruffer 339 

Fremde Beobachtungen über die Wirkungen des Kankroin nebst einigen Bemer- 
kungen von Adamkiewicz 340 

Beziehungen der Psorospermosen zur Carciuombildung, von Sheridan Delepine 391 

Lokale Behandlung von Vaginalgeschwüren mit Alkohol, von Barsony 391 

Umwandlung von Muttermälern in Krebse, von J. Renoul 392 

Ulcus Rodens, von Bf. Dangerfield ... 393 

Melanosarkom der Haut, der Muskulatur, des Peritoneums und der Pleura, des 
Herzens und der gesamten Lymphdrüsen. Diffuse Dunkelförbung der Haut, 

von E. Bamberg er 393 

Melanotisches Sarkom, vorgetäuscht durch eine Ruptur der Vena spermatica, von 

W. G. Spencer 393 

Symmetrisches Auftreten von Bindegewebsgeschwülsten, von Jentzsch 547 

Tinktionsbehandluug inoperabler maligner Neoplasmen, von Mosetig-Moorhof 548 
Fall von Sarcomatosis, von Palma 548 

IL Benigne, 
a. der Oberhaut. 

Das Papillom der PetroleumRaffineure, von Leon DerviUe und Gu ermonprez 195 
Multiple Papillome an Tonsille, Zunge und Epiglottis, von F. Lange 547 

b. der Cutis. 

Das Angiokeratom, von V. Mibelli 154 

Acne keloidea (Bazin), von G. Melle 195 

Über Lymphangiome der Mundhöhle, von C. 0. S arater 196 

KindskopfgTofses Lipom am Vorderarme mit Reflexepilepsie, von Nico laus 

\'ucetic 196 

Enormes Fibromyom des Labium majus, von Polaillon 196 

Zur Kasuistik der Hämangiome, von C. Krenn 198 

Gestieltes Lipom am Gesäfs, von J. Reboul 198 

Über Lipome, von Bland Sutton 199 

Angiome, von Deubel • 392 

Fall von Angiokeratom, von Ch. Audry und H. Deydior 392 

Schmerzhafte Lipome, von B o i f f i n 392 

Multiple Hauttumoren. Epitheliome und Hydradenome, von Audry und Nove- 

Josseraud 392 

Molluscum pendulum der Vulva, von H. Cherot y^^3 

Behandlung der erektilen Tumoren mit Elektrolyse, von F. Heins 393 

Verallgemeinertes Molluscum fibrosum, von Plucker 393 

Plexiforme Neurome, von Audry und Lacroix • 394 

Fall von allgemeinen Hautfibroraen nervösen Ursprungs, von Audry und Fahre 395 

Lymphangioma diffusum multiplex, von L. von Lesser 517 

Fall von Akromegalie, von Fratnich 547 

Über kongenitale Tumoren, von Patt 548 

III. Pigmentanomalien. 

Pigmentation bei Morbus Addison, von M. Raymond 338 

Über Morbus Addison, von Leichtenstern •. 394 



— XIX - 

Seite 

Fall Ton Morbus Addison, von E. Pagenstecher 394 

Die Addison sehe Krankheit ohne sichtbare Veränderungen der Nebennieren- 
kapsei. Verwachsung einer tuberkulösen Drüse mit dem rechten Semilunar- 
gangh'on, von A. Brault und £. Perruchet 394 

D. degressive Ernährungsstörungen, 
I. Einfache, 
a. Allgemeine. 
Greisenhaut Geromorphismus, von A. Souques und J. B. Charcot 395 

b. Lokale. 

Fall von trockener Gangrän, von H. J. Daggett 49 

Behaadlnog von Beingeschwüren, von S. S. K. Morton 49 

Einige praktische Bemerkungen über die Behandlung der Unterschenkelgeschwüre^ 

?on J. W. Finzi 201 

Zor Behandlung der Unterschenkelgeschwüre, von IS. Jessn er 201 

Behandlung der Unterschenkelgeschwüre mittelst Unnas Zinkleim -Organtin- Ver- 
bandes, von Oscar Bomisch 201 

Ganz excessive Entwickelung der Hautvenen der unteren Extremität und des 

Bauches, von L. D e r v i 1 1 e 202 

Craralvaricen, von d'Haenens 202 

Einfluls des Nervensystems bei gewissen Hauterkrankungen, von A. Bavogli... 203 

Hämorrhoiden, von Thomas 204 

Zar Prophylaxe und Therapie der Hämorrhoiden, von A. Kühner 204 

Gangrän des Fufses nach Erysipel am Kopf und Gesicht, von J. T. H. Davis.. 341 
Ulcera cruris, Thrombose der linken Cruralvene, Embolie der Pulmonararterie, 

Tod, von Jwanicki 312 

Behandlung der varikösen Unterschenkelgeschwüre, von David Fejer 342 

Symmetrische thrombotische Gangrän der Füfse, von J. J. Martinez 342 

Zur Frage der Trendelenburgschen Behandlung der Varikositäten der unteren 

Extremitäten, von W. W. Prawdoluslow 342 

Badikalbehandlnng der Variceu bei Ulcus cruris, von Quenu 343 

Zur Behandlung der Hämorrhoiden, von J. B. James 343 

Gegen Hämorrhoiden, von K oso budsk i 343 

Progressive Gesichtsatrophie, von N. Popoff 395 

Behandlung der Fufsgeschwüre, von Osierki 396 

Einige praktische Bemerkungen über die Behandlung der Unterschenkelgeschwüre, 

von J. M. V i n z i 396 

Hautgangrän bei einem Kinde, von Walter F. Eoberts 396 

Behandlung der senilen Gangrän der unteren Extremität, insbesondere bei Dia- 
betikern, von L. Heidenhain 396 

über Karbolgangrän, von Rode 397 

Fall von spontaner trockener Gangrän bei einem 33jährigen Manne, von V. 

Prauxois 397 

Fall von herdweiser Atrophie des subkutanen Fettgewebes, von Pfeifer 398 

n. Specifische. 

« a. Allgemeine. 

»t _ 

über Myxödem, von Kraepelin 48 

Fall von Myxödem und Geistesstörung, behandelt mit Injektionen von Schild- 

drüsenextrakt, von E. C. Carter 49 

2 Fälle von Xeroderma pigmentosum, von G. Murphy 49 

Über die Vitiligo, von George Thibierge 200 

Pathologische Anatomie des Scleroderma, von Albert Hoffa 200 

Behandlung von Myxödem mit Schilddrüsenextrakt, von G. R Murray 202 

Myxödem und Melancholia agitatoria; Behandlung mit Schilddrüsenextrakt, 

Heilung, von C. Shaw 203 



Seite 

^all von Myxödem, von A. Napier 203 

Zwei Fälle von Myxödem, von H. C. Gordinier 203 

Über Syringomyelie, von Oppenheim 343 

Zur pathologischen Anatomie des Skleroderma, von Hoffa 397 

Fall von Scleroderraie en plaques, von Ch. Audry und E. Destot 397 

Behandlung des Myxödems mit Injektionen des Schilddrüsenextraktes, von Da vi es 398 
(.'achexia strumipriva, das MyxoedSme operatoire und die operative Tetanie, von 

Neudörfer 398 

b. Lokale. 

Über den Favus, von V. Mi belli 47 

Trichorrhexis nodosa, von M. P. Ravenel 192 

Das Achorion Schönleinii, von A. Marianelii 200 

Behandlung der Alopecia areata mit Jodkollodium, von £. Tison 202 

Klinischer, pathologisch-anatomischer und bakteriologischer Beitrag zum Studium 
einiger Affektioncn der behaarten Körpergegenden mit Ausgang in Atrophie, 

von A. Ducrey und R. Stanziale 337 

Favusstudien, I. Teil, von S. Jessner 340 

Pathologie und Behandlung der Alopecia areata, von R. Crocker 341 

Trophische Störungen der Nägel, Haare und Zähne bei den Cretins, vonLejard 341 

Ursprung des Favus, von Busquet 398 

E. Tdioneurosen, 

Über Pruritus vulvae, von Seeligmann 488 

Heilung des Pruritus vulvae durch den konstanten Strom, von S. Cholmogoroff 488 
Pruritus ani et vulvae, von Baifour 488 

F, Sekretionsanomalien. 

Gegen Hyperidrose und Schweifsföfse .' 50 

Hemihyperidrosis cruciata, von Bauer 50 

Behandlung von Schweifshänden : 50 

Zur Therapie des Haarausfalles, von H. Paschk i s 199 

Wirkung des Pikrotoxins auf die Schweifssekretion der Phthisiker, von de Amor e 240 

Liniment gegen Hyperidrosis der Hände 240 

Zur Therapie der durch Mangel an Hautfett entstandenen Störungen der Haut- 

funktion, von 0. Rosenbach 240 

G. Saprqphyten und Fremdkörper. 

Kopfläuse, von Trousseau 241 

Multiple Cysticerci der subkutanen Gewebe, von Pye-Smith 241 

Differentialdiagnose zwischen Cysticerus cellulosae und Gummata, von G. Lewin 241 
Symptomatisches Exanthem bei Icterus, von Leven 588 

H. Mifshüdungen. 

600 neue Fälle von Hyperthelie bei Männern, von Karl von Bardeleben .... 228 

Atrichia adnata, von J. F. Schultz .^ 242 

Fall von Makrodaktylie, von E. Winckler 242 

Neue Details über Zerstörung der Haare durch Elektrolyse, von L. Brocq 242 

Radikalepilation auf elektrolytischem Wege, von A. Sack 242 

Naevi vasculares der rechten unteren Extremität und des korrespondierenden 

Teiles des Unterleibes mit halbseitiger Hypertrophie, von Braquehaye.... 243 

Epidermoide Tumoren der Hand und Finger, von Audry und Lacroix 243 

Zwei Dermoidcysten, von Börner. . , 243 

Fall von Dermoidcysten, von Fr. Bowreman-Jesset 243 

Behaarter Rachenpolyp, von L. C on itzer 445 

Fall von abnormer Behaarung, von M. Bartels 445 

Naevi und Naevocarcinome, von P. G. Unna 445 

Naevus verrucosus unius lateris, von E. Saalfei d 446 



- XXI - 

m. Pathologie und Therapie des ürogenitalapparates. 

a. Penis, Urethra und Blase. 

Beite 

Eutfeniung eines vier Zoll laugen ülasstabes aus der Blase, von T. M. Todd .. 51 

Polypen der Harnröhre des Mannes, von H. Go Ide nb e rg 51 

Pessarinm occlusivum in der Harnblase, von Loh nstein 51 

Bemerkungen zu J. Links Vorschlag zur Entfernung von Tumoren aus der Harn- 
blase des Mannes, von 0. Zuckerkandl 52 

Zur Kasuistik der Harnröhren Verletzungen. Kontusionsverletzung der Harnröhre; 

gefahrdrohende Blutung, Urethrotomia externa in der vierten Woche nach 

der Verletzung. Heilung, von A. G r e u ssin g 52 

Die akute Cystitis, von Verhoogen 52 

Heilang nervöser Störungen durch Circumcision bei Kindern mit kongenitaler 

Phimose, von Denuce 204 

Urethrotomia interna bei Harnröhreustriktur, von Loumeau 204 

Haarnadel in der Harnröhre eines Mannes, von Meltzer , 206 

Neue Behelfe zur Diagnose und Therapie von Urethralerkrankungen, von Eduard 

.. Lang 20G 

Ober nicht traumatische Perfoiation der Blase und ihre FoJgezuslände, von 

B. Wagner 20G 

Balanitis bei einem dreijährigen Kinde, von M. Leilh 207 

Radikalbehandlung von Urethralstrikturen, von W. Bruce- Clarke 207 

Therapeutische Anwendung des Kawa-Kawa, von David Cerna 207 

Incontinentia urinae, von William C. Krauss 207 

Vorschlag zur Entfernung von Tumoren aus der Harnblase des Mannes, von 

J. Link 207 

Einige instrumentelle Verbesserungen auf dem Gebiete der Harukrankheiten, von 

Bobert Kutner 208 

Urethrotomia externa, von J. Kennedy 244 

Die Wahrheit über den Tod Napoleons III., von Ca banes 244 

Ausspülung der Blase bei chronischer Cystitis der Frauen, von A. S. Lobingier 244 

Harnstein in der Pars prostatica, von d'Haenens 244 

Zur Frage der operativen Behandlung der Blasengeschwülste, von Otto Zucker- 

.. k a n d I 245 

über eine Harnröhrengeschwulst, von Bro wn 245 

Tod nach Aspiration der Blase oberhalb der Pubes, von F. D. Sang er 245 

Infektion der Harnblase quer durch die Wand, von Beymond 245 

Spontane Expulsion eines grofsen Steines aus der Scheide, von Henry F. 

Leonard 246 

Fall von Huptura urethrae, von Kumas 246 

Erysipel der Harnblase, von A. von Frisch 247 

Zur galvanokaustischen Amputation des Penis, von Schick 248 

Zur Plastik der Hypospadie, von C. Laue nstein 248 

Kausaler Zusammenhang von Verdauungsbeschwerden mit der Harnretention, von 

von Alapy 248 

Chirurgische Erkrankungen der Harnorgane. Blasenstciu, von W. S. Forbes... 248 

Üropoetisches System. Klinische Beobachtung, von J. Verhoogen 248 

tfanuelle Behandlung des nächtlichen Bettpissene (Enuresis nocturna), von M. 

J. Rawiko witsch 249 

Einfacher Apparat zum Sterilisieren von weichen Kathetern, von Bobert Kutner 249 
Auflösung eines hamsauren Blasensteins durch Emser Wasser, von B. von 

Lange nb eck 344 

Retinol mit Salol gegen Cystitis, von Desnos • 344 

Gebrauch der Salicylsäure bei der Behandlung gewisser Formen von Cystitis, von 

John R. Bryson 344 

Blasenausspülung mit Jodoloimcmulsion bei eiteriger Cystitis, von Philippson. 344 

Seltener Fremdkörper in der Blase, von Se y del 345 

Extraktion einer Flasche aus der Blase, von B. C. Newton 345 

Unblutige Extraktion einer Haarnadel aus der weiblichen Harniöhie unter Leitung 

des Cystoskops, von Schendel 345 

Vollständig undurchgängige Striktur der Harnröhre. Urethrotomia externa, von 

Quyon 345 



- XXII - 

Belle 

Tumor der Blase. Tod durch Hämorrhagie, von Guy on 345 

Zur Behandluug des Blasenkatarrhs, von James Tyson 345 

Zwei Fälle von Blaseuruptur, von P. A. Lloyd 345 

Prolaps der weiblichen Urethra, von Ludwig Kleiuwächter .- 34€ 

Haarnadel in der Harnröhre des Mannes, von S. J. Mel tzer. 488 

Permanente Blasenfistel über der Symphyse bei inoperablem Prostatatumor, von 

Eg. Hoff mann 489 

Behandlung der Cystitis mittelst Injektionen von Jodoform-Ather-01, von Okev- 

B 1 m 489 

Resektion der Urethra in Fällen traumatischer Verengerungen, von E. Vignard 489 
Nächtliche Harninkontinenz, geheilt nach der Behandlung des Dr. Swan, von 

Duvellie • 489 

Salol in der Behandlung der chronischen Cystitis, von Sympson 490 

Über die ausdrückbare Blase, von Wagner 490 

Demonstration eines sogenannten Pfeifenst^ines, von Max Nitze 491 

Harnstein, von einem Fremdkörper ausgehend, von Kengeres 491 

Zur Frage der tuberkulösen Infektion durch Beschneidung, von Kolizew 491 

Zur Frage der tuberkulösen Infektion durch Beschneidung, von S. Pasternazki 491 
Bericht der Kommission in Sachen der Hegnlierung des jüdischen Beschneidungsritus 491 
Über den Eitus des Aussaugens bei der Beschnoidung der Juden, von Chwolsou 492 
Der Beschneidungsritus bei den Mohamedancrn und seine Antisepsis, von S. S. 

Janowitsch- Tschainski 492 

Solide perivesikale Tumoren, von Güyon 600 

Polyp der Harnröhre, von Verh)Ogen 600 

Resektion des perinealen Teiles d :t Urethra. Unmittelbare und totale Heilung, von 

M. F. Guyon 601 

Fall von Fi-emdkörper in der Blase, von Fr. Mann 601 

Zerreifsung der Harnblase, von H. Schlange 601 

Zur Kasuistik der Harnblasenzerreifsungen, von B. Bieder 602 

SchleimhautfissureD der Blase dei Weibes, von J. Heitzmann 602 

Urethralstrikturen, von J. A. Fo i' t 602 

Eingebildete Strikturen, von Alexander Peyer 602 

Nützlicher Kniff beim Bougieren der strikturierten männlichen Harnröhre, von 

Haffter 603 

Behandlung der eiterigen Cystitis mit Jodoformemulsion, von N. N. Fiiippow. 603 

b. Hoden und Samenblasen. 

Zur Therapie der Epididymitis acuta, von Röhrig jr 53 

Kadikaikur der einfachen Hydrocele nach einem neuen Verfahren, von Quattro- 

ciocchi 247 

Verfahren bei der Anästhesie der Tunica vaginalis bei der Behandlung der Hydro- 
cele durch Jodinjektionen, von E. Nicaise 247 

Hodenkrebs bei einem Kinde, von Sabrazes und Fromaget 248 

Erektion und Samenergufs bei Erhängten, von Ebertz 346 

Nachweis des Spermins in verschiedenen Drüsen des tierischen Organismus und 
die chemische Zusammensetzung des Brown-Sequardschen Heilmittels, 

von Alexander Pohl 600 

Zur Pathologie der nicht entzündlichen Hämospermie, von J am in 601 

c. Prostata. 

Verschiedene Nebenerscheinungen bei Prostataerkrankungen, von Loumeau ... 204 
Prostata vergröfserung, von Ostreich 245 

d. üreteren und Nieren. 

Zur Therapie der üreterfisteln, von Arie Geyl 52 

Cystinurie, von W. Smith 52 

Einflufs einiger edler Metalle auf die Nierensekretion, von Cohnstein 204 

V\7^eitere Mitteilungen über das Aräosaccharimeter, von J. Schütz 206 

Fall von Bilharziosis, von Brault 207 



— XXIII — 

Seite 

Zwei praktische Vorschläge hei UrinuntersuchaDgen, von L. F. Bishop 244 

Ciadothrix dichotoma im Urin, von d'Haenens 245 

Sarcine im Harn ohne nachteilige Folgen, von J. Finlayson 246 

namsäure, von N. Wiest 246 

Ober den Schleim des Harns, von Hans M alfatti 343 

Versuch, den Harn zu diagnostischen Zwecken mit Methylenblau zu färben, von 

B. Kutner 343 

Reaktion zum Nachweis von Zucker im Urin, auf Indigobildung beruhend, von 

G. Hoppe -Seyler 344 

Stadien über Urininfektion, von J. Denys 489 

Bakteriologische Untersuchungen über urinöse Infektion, von Ali Krogius.... 490 

Paroxysmale Hämoglobinurie, von Käst 490 

Das Urometer von Zoth, von K. B. Hofraann 491 

Einflufs der bestehenden Ureterfistel auf die Harnsekretion, von Schatz 491 

üreterenfistel, von Küster 600 

Positiver Wert der Nylanderschen Zuckerprobe nebst Bemerkungen über das 

das Phenylhydrazin, von Kis ter mann 600 

e. Labien, Vagina etc. 
Zur Operation der Blasenscheidenfisteln von der Blase aus, von F. Trendelenburg 206 

f. Gonorrhoe und Komplikationen. 

Elastische Salbenspritze zur Selbstbehandlung der Gonorrhoe, von Paul Seliger 53 
Die gonorrhoische Erkrankung der Mundschleimhaut bei Neugeborenen, von 

Bosinski 53 

Die Urogenitalblennorrhoe der kleinen Mädchen, von Cohen-Brach 54 

Behandlung der blennorrhagischen Cystitiden mit Sublimatinstillationen, von 

Loumeau 249 

Behandlung der Cystitis mit Sublimatinstillationen, von A. d'Haenens 249 

Gonorrhoe und Mikrobien. Behandlung des Tripperrheumatismus mit Sublimat- 
einspritzungen, von Jullien 250 

Peritonitis gonorrhoica der Frauen, von Ch ar rier 250 

Gewisse Erscheinungen in der Gonorrhoe beim Weibe, von C. P. Noble 250 

Behandlung des Trippers beim Manne, von Saalfeld 250 

Abortivbehandlung des Trippers, von Jan et 250 

Blennorrhoea urethrae mit langer Inkubationsdauer, von Ehlers 251 

Herzkrankheiten bei Gonorrhoe, von Wilh. His 251 

Methylenblau bei Malaria und Gonorrhoe, von Boinet und Tritignau 251 

Verbesserter Katheter, sowie einige Bemerkungen betreffs Behandlung der Harn- 
rohre, von C. Wächter 251 

Mafsnahmen zur Verhütung der Blennorrhoca neonatorum, von Kirstein 251 

Eine Harn röhrenspritze, von W. E. Bur to n 347 

Neue Behandlungsweise der akuten Gonorrhoe, von C. E. Cot es 347 

Vollkommene Vereiterung des Hodens infolge gonorrhoischer Hoden und Neben- 

hodenentzündung, von L. Perignon 347 

Die gonorrhoische Infektion und ihre Behandlung, von Bumm 347 

Die Tripperinfektion beim weiblichen Geschlecht und ihre Folgen, von Bumm. 347 
über die joxtaurethralen Gänge als Ursache chronischer Blennorrhoe und über 

deren Operation, von D. A 1 d o r 348 

Weitere Beiträge zur Lehre von der gonorrhoischen Erkrankung der Talgdrüsen 
am Penis, nebst Bemerkungen zur Pathologie des gonorrlioi^clien Processes, 

von C. Touton 348 

Gegen chronischen Tripper 492 

Lysol gegen die Blennorrhagie, von W. Carb al lo 492 

Örtliche Beeinflussung spezifischer und nichtspozifischer Urethritis mit öligen 

Mitteln, von Eu. Chancellor 493 

Diagnose und Behandlung der Blennorrhoe der Harnröhre, von J. Jornet 493 

Über die Infektionsdauer der Blennorrhoe, von H. Feleki 493 

Arthritis sternoclavicularis blennorrhagica, von G. Thibierge 494 

Zur Prophylaxis des Augentrippers der Erwachsenen und zur Theorie der 
Blennorrhoea neonatorum, von Wo If f berg 494 



- XXIV - 

Beite 

Zur Pathogenese der gonorrhoischen Gelenkaffektionen, von H. Stark 494 

Über die Peritonitis gonorrhoica bei der Frau, von P. R. Charrier 494 

Beitrag zur Gonokokkenmetastase, von Gabriel Horwitz 603 

Über Tripper und die zur Verhütung seiner Ausbreitung geeigneten sanitäts- 
polizeilichen Mafsregeln, von Scholz G03 

Polizeiärztliche Untersuchungen über das Vorkommen von Gonokokken im weib- 
lichen Genitalsekret, von H. Büttner G04 

Neues Mittel gegen Gonorrhoe, von Alejandre Infante Ö04 

Gonorrhoeinjektion 604 

Ambulante Behandlung der Epididymitis gonorrhoica, von G. Falkson 604 

Punktion der Tunica vaginalis bei der akuten blennorrhagischen Orchitis, von 

M. Trekaki 605 

Irrigation mit Lösungen von Kalium permanganicum bei der Behandlung der 

blennorrhagischen Ophthalmie, von Albert Ter so n 605 



Korrespondenz. 

Brief aus den Ostseeprovinzen über die dortigen Lepraasyle, von Dr. Schneider 421 



IV. Notizen. 



Berichtigung, betreffend Dr. Unnas Preisaufgabe 208 

Personalia 252 

Berichtigung von ßeeker 302 

Berichtigung 350 



V. Sachverzeichnis 607 

"N'L Namenverzeichnis 631 



VII. Verzeichnis der Abbildungen. 

Zu 8. 
Histologische Veränderungen der syphilitischen Alopccie und ihr Verhältnis zu 

den Veränderungen der Alopecia areata, von S. Giovannini (Tafel 1 und 2) 157 
Die protozoenartigen Gebilde des Carcinoms und der Pagetschen Krankheit, von 

Ludwig Török (Tafel 3 und 4) 209 

Seltener Fall von Arzneiexanthem (Dermatitis medicamentosa diffusa, Erysipelas 

medicamentosum), von Alfred Lanz 314. 315 

Frieselausschlag, Liehen tropicus, Miliaria papulosa, Miliaria rubra etc., von S. 

Pollitzer 417 

Liehen, Liehen iieuroticus und Pityriasis rubra pilaris, von E. von Düring 

(Tafel 5 und G) 447 

Abbildungen im Text dazu 518. 521. 522 



|Hoiiat0liefle ^t^jf^^^tmMmt 



^-^ 



^ 




Band XVI. 1 «1* B I8W M 1. Januar 1893. 



Die k&nstliche Erzeugung von Hautkrankheiten am Tierkörper 

durch eine spezifische Protozoenart. 

Von 

t 

Dr. G. LiNDNBR 

in Kassel. 

Für die Erforschung der Entstehungs- und Verbreitungsweise der 
Infektionskrankheiten ist die durch die Bakteriologie festgestellte That- 
sache, dafs sämtliche Bakterien nur in feuchtem Zustande sich vermehren 
and dafs dieselben von feuchten Flächen sich nicht selbständig zu er- 
heben vermögen, dafs sie vielmehr nur in trockenem Zustande — von 
Staubteilchen getragen — in die Luft tibergehen können, insofern be- 
deutungsvoll, als verschiedene pathogene Bakterien nach dem Eintrocknen 
noch längere Zeit lebensfähig bleiben, während andere derartige Mikrobien 
in der Trockenheit alsbald absterben. Erstere werden durch den herrschen- 
den Wind oft auf weite Strecken verweht, und sie scheinen gewöhnlich 
darch Einatmen in den menschlichen Körper überzugehen, letztere da- 
gegen infizieren denselben meistens durch direkte Einverleibung in den 
Magen mittelst der Nahrungsmittel und Getränke, manchmal auch wohl 
durch Berührung des Mundes mit unreinen Fingern oder mit anderen 
Gegenständen, an denen zufällig die qu. Krankheitskeime haften. 

Dieser bakteriologische Lehrsatz, welcher hauptsächlich von denjenigen 
Infektionskrankheiten gilt, deren Hauptherd auf der Darmschleimhaut sich 
befindet, giebt aber nicht in jedem Falle einen befriedigenden Au&chlufs 
über die Ursache der Erkrankung, namentlich nicht bei explosionsweise 
auftretenden Seuchen, wo gleich beim Beginn derselben an einem Orte 
eine rasche, oft sprungweise Ausbreitung der qu. Krankheit eintritt. Hier 
beobachtet man nicht selten Erkrankungen von Personen, bei denen eine 
direkte Übertragung des Krankheitskeimes gar nicht nachweisbar ist etc. 

Auffallend ist es, dals die von bewährten Bakteriologen in ein- 
gehendster Weise vorgenommenen Forschungen nach den vermeintlichen 
pflanzlichen Erregem der exanthematischen Infektionskrankheiten bis jetzt 
stets ein negatives Resultat ergeben haben. Deshalb hat sich auch bei 

Konatthefte. XVI. 1 



den Autoren scLon längst die Meinung geltend gemacht, dafs es sich 
hierbei um Krankheitserreger gan& anderer Art, nämlich um Mikrozoen 
handeln dürfte. 

Die in dieser Richtung angestellten neueren Forschungen haben in 
der That zu der Erkenntnis geführt, dafs die organisierten Infektions- 
körperchen nicht allein unter den Bakterien zu suchen sind, sondern dafs 
es aufserdem noch eine Reihe von parasitischen Mikroorganismen aus dem 
Bereiche der niedersten Tiere (Protozoen) giebt, welche in die elementaren 
Zellen höher organisierter Tiere und des Menschep als Schmarotzer ein- 
dringen und auf dieselben eine bald nur reizende und erregende, bald das 
Leben vernichtende Wirkung üben. 

Unter anderen fand L. Pfeiffee (Weimar)^ bei der Untersuchung des 
Bläscheninhalts verschiedener Exantheme, namentlich bei Variola, Vacciina, 
Varicella und bei Herpes zoster regelmäfsig hypertrophische Epithelzellen 
oft von monströser Gröfse, in deren Innern sich Mikroorganismen vor- 
fanden, die er nur als tierische Schmarotzer aus der Klasse der Sporozoen zu 
deuten vermochte. Bei weiteren im zoologischen Institute zu Heidelberg 
unter Bütschlis Leitung vorgenommenen Untersuchungen hat Pfeiffbr 
nachgewiesen, dafs jene hypertrophischen Zellen wirklich von Mikrozoen, 
namentlich von Closdia, Eimeria oder von Cocoidium bewohnt werden, 
und dafs sich eine analoge Hypertrophie der gesunden tierischen Zelle 
durch Infektion derselben mit jenen niedersten Tieren künstlich hervor- 
rufen lä&t. Nach Aufseruug des genannten Forschers bedürfen jedoch 
seine bisherigen Untersuchungen noch der Nachprüfung und der Vervoll- 
ständigung seitens der fachkundigen Zoologen, besonders hinsichtlich der 
Entwickelungs- und Vermehrungs weise der qu. Mikrozoen. 

Bei akuten Exanthemen habe ich selbst bisher keine Gelegenheit 
gehabt, Untersuchungen über das Vorkommen von tierischen Krankheits- 
erregern in den Epidermiszellen, bezw. in dem flüssigen Bläscheninhalte 
vorzunehmen. Dagegen habe ich in einem Falle von chronischem, stark 
juckendem Kopfhaut-Ekzem in den eingetrockneten Schörfchen, sowie in 
ihrer Umgebung befindlichen Schinnen bei zeitweise wiederholten Unter- 
suchungen, besonders im Herbst und Winter, das regelmäfsige Vorkommen 
einer hochentwickelten, zur Gruppe der stiellosen Vorticellen gehörenden 
Infusorien - Ciliaten - Art in eingekapseltem, jedoch noch lebens- und 
entwickelungsfähigem Zustande beobachtetf was sich durch nachfolgende 
Züchtungsversuche in eiweiüshaltigen Nährflüssigkeiten konstatieren liels. 
— Sodann fand ich bei weiteren Vereuchen, dafs sich dieselben Ciliaten 
auch auf kurzhaarige Hunde mit weicher fetter Haut, unter anderen 



^ Cf. L. Pfeiffer, Untersuchungen über Parasiten im Blute und in der Lymphe 
in No. 11 der Corresjxmdenzblätter dc6 allgem, ärztlicheti Vereins von Thüringen 1888^ 
und Die Protozoen als Krankheitserreger. Jena, 1890. 



aaf Möpse, übertragen lassen, daüs sie bei denselben eine starkes Jucken 
erregende Hautaffektion — mit oder ohne Anschwellung der Lymphdrüsen 
— erzeugen, und dafs die betreffenden pathogenen Mikrozoen bei innigem 
Verkehr des Menschen mit dem infizierten Hunde, z. B. bei Kindern, 
welche dieses Tier zum Spielen benutzen, von dort auf die mensch- 
liche Haut übergehen und daselbst Ekzem hervorrufen können. 

Die Morphologie und Biologie dieser mit parasitischen Eigenschaften 
bebten stiellosen Vorticellen habe ich in der Deutschen Medizitiat-Zeitung 
1892, No. 30 bis 32, näher beschrieben. Der daselbst erwähnte Befund 
der qu. Ciliaten in der eigenartigen Haarzopfbildung an den Mähnen von 
Pfeixleu, sowie die mit vorticellenhaltiger Nährilüssigkeit gemachten Über- 
tragungsversuche auf Hunde fallen in die beiden vergangenen Jahre 
1890/91. Nachdem ich sodann im laufenden Jahre ähnliche Versuche 
am Hunde mit demselben Erfolge vorgenommen habe, teile ich nunmehr 
meine Beobachtungen über die künstliche Erzeugung einer eigenartigen 
Hautkrankheit beim Hunde durch vorticellenhaltiges Wasser in dieser 
Zeitschrift mit. 

um sich von der grofsen Verbreitung der qu. Ciliaten in der freien 
Natur und von ihrer parasitischen Eigenschaft einen richtigen Begriff 
machen zu können, dürfte es nicht als überflüssig zu erachten sein, dais 
den bezüglichen Mitteilungen einige Bemerkungen über die biologischen 
Charaktere jener Mikrozoen vorausgeschickt werden. 

Die qu. stiellosen Vorticellen, für welche ich die Benennung 
„Askoidien^ vorgeschlagen habe, sind wie die Mehrzahl der Protozoen 
an das Wasser oder an die feuchte Erdoberfläche gebunden, sie können 
aber das Eintrocknen viel besser vertragen, wie die Bakterien, weil der 
in ihr weiches, kömiges, safthaltiges Entoplasma eingebettete, die Fort- 
pflanzung der Art vermittelnde Kern (Nucleus) auch nach der Einkapselung 
des Tierchens noch lange Zeit lebensfähig bleibt. Man findet sie ge- 
wöhnlieh in Schmutz- und Abfallwässem, die reichliche Mengen von 
tierischem Eiwei/s enthalten, sowie in der mit solchem Wasser durch- 
tränkten oberen Erdschicht. Unter begünstigenden Umständen — d. h. 
bei warmem Wetter und kräftiger, stickstoffhaltiger Nahrung — ver- 
mehren sie sich darin meist massenhaft; ihre Lebensdauer aber scheint, 
wenn ihre Nährflüssigkeit nicht ab und zu erneuert wird, selten länger 
als 3 bis 6 Wochen zu betragen. 

Die der grofsen Mehrzahl der Protozoen zukommende Eigenschaft, 
beim Austrocknen ihres Nährbodens, oder bei Einwirkung anderer ihre 
Existenz bedrohenden Einflüsse behufs Erhaltung der Art sich einzu- 
kapseln, besitzen jene Vorticellen in erhöhtem Grade. Hierbei runden 
sie sich unter oft wiederholten ruckweisen Zusammenziehungen ihres 
Zellkörpers allmählich ab und gehen unter Ausscheidung einer festen 



Hülle in einen Rahezustand über, aus welchem sie sehr rasch wieder auf- 
leben, sobald man die betreffende Kapsel oder Cyste auf einen geeigneten 
flüssigen Nährboden bringt. Diese Cysten haben gro&e Ähnlichkeit mit 
den zelligen Elementarteilen des Tierkörpers, so dafe sie mit diesen leicht 
verwechselt werden können. 

Nach Leuckart erfolgt im allgemeinen die Teilung des Infusorien- 
körpers oft innerhalb der Cyste, indem die Einkapselung der Bildung von 
Spröfslingen vorangeht. Bald sieht man 2 bis 4, bis 8 Spröfslinge und 
darüber innerhalb der Kapsel sich entwickeln und nach erlangter Aus- 
bildung ihre Umhüllung durchbrechen, um dann ihr Leben selbständig 
im Freien fortzusetzen. Unter dem Schutze der oft recht dickwandigen 
Cyste vertragen die sonst nur im Wasser gedeihenden zarten Greschöpfe 
ein völliges Austrocknen. In diesem Zustande kann man sie wie Pflanzen- 
samen oder Helmintheneier jahrelang trocken aufbewahren, und man 
sieht sie alsdann bei VVasserzusatz oft schon nach wenigen Stunden im 
Vollbesitze ihrer Lebensenergie durch die Kapselwand hervorbrechen. 
Leückabt hebt hierbei die Bedeutung dieser Erscheinung für die Lebens- 
geschichte der Infusorien hervor, indem er betont, dafs der Einkapselungs- 
prozefs nicht blofs zur Erhaltung und zur Fortpflanzung der Art dient, 
sondern dafe derselbe auch ihre weitere Verbreitung in der Natur — die 
in früherer Zeit wahrscheinlich mit zu der Hypothese der generatio aequi- 
voca beigetragen hat — vermittelt. Durch den Wind, der über die 
ausgetrockneten Tümpel streicht, können die daselbst befindlichen 
Infusoriencysten leicht aufgehoben und in weite Feme verweht werden. 
In dem atmosphärischen Staube sind solche Kapseln von EHRENBEEa u. a. 
vielfach nachgewiesen worden u. s. w. (Cf. Leuckart, Die Parasiten des 
Menschen, 2. Aufl., Bd. L, S. 298.) 

Ein ähnlicher Vorgang, wie er in den vorstehenden Angaben des 
berühmten Zoologen beschrieben ist, lälst sich auch bei den in Rede 
stehenden Vorticellen nachweisen, obschon ich beobachtet habe, dafs sich 
diese Ciliaten seltener durch Teilung innerhalb der Cyste, sondern haupt- 
sächlich durch eine besondere Art von Kopulation und bei kräftiger 
Ernährung auch durch wirkliche Begattung zmschen Männchen und 
Weibchen vermehren. (S. meine Mitteilungen a. a. O.) — Die Ein- 
kapselung beim Austrocknen des Nährbodens etc. erfolgt hier gewöhnlich 
gruppenweise, indem sich mehrere Individuen fest aneinanderlegen resp. 
zwischeneinanderschieben und — imter öfteren Zusammenziehungen ihres 
Zellkörpers sich abrundend — schliefslich mehr oder weniger regelmäisige 
sarcineartige Gruppen bilden. Unter dem begünstigenden Einfluüs von 
Wärme und Trockenheit geht die Verflüchtigung dieser Cysten durch die 
atmosphärische Luft vermöge ihrer unebenen und porösen Oberfläche, sowie 
ihre Wiederbelebung bei Zusatz von Flüssigkeit rasch von statten; nach 



Iftnger dauernder Aufbewahrung der Cysten in trockenen Behältern ver- 
gehen aber gewöhnlich ein bis zwei oder mehrere Tage, bis sie auf 
geeignetem flüssigen Nährboden wieder aufleben. 

Was die Aufgabe betrifft, die diesen Vorticellen im Haushalte der 
Natur zukommt, so scheint sie, wie bei anderen Saprozoen,^ hauptsächlich 
in der Aneignung und Vertilgung faulender organischer Substanzen und 
Ton Spaltpilzen zu bestehen. Sie leben hauptsächlich von tierischen 
EiweiTastoffen und von Bakterien, und sie gedeihen sehr gut in den die- 
selben enthaltenden Nährflüssigkeiten, besonders wenn man letzteren ein 
wenig Kochsalz zusetzt. Die gestielten Vorticellen scheinen sich dagegen 
mehr von vegetabilischem Detritus zu nähren, indem sie in einfachem 
Heuaufgufs gut gedeihen, während sie in Blutserum, oder in Fleischbrühe 
mit Salzzusatz entweder zu Grunde gehen, oder sich alsbald einkapseln. 
Mit dieser Vorliebe der Askoidien für tierische Nahrung steht wahrschein- 
lich ihre parasitische Natur in innigstem Zusammenhang. Sie gedeihen 
gleich gut in frischem, wie in faulendem Blut, in Lymphe, in serösen und 
schleimigen Exsudaten, bezw. Exkreten, in mit Wasser verdünntem Fleisch- 
saft, in Milch u. s. w. Von Bakterien verzehren sie nicht allein die 
indüFerenten, sondern sie verschmähen auch nicht die virulenten Arten, 
z. B. die Tuberkelbacillen. Bei ihrer Züchtung in Beinkulturen von 
Cholera- und Typhusbacillen, die ich mir vom Herrn Prof. Wolffhügel 
zu diesem Zweck erbeten hatte, habe ich wiederholt beobachtet, dafs sie 
in denselben nicht sogleich absterben, dafs sie sich jedoch bald einzukapseln 
suchen, ohne sich zahlreich zu vermehren. Bei diesem Einkapselungs- 
vorgang aber können — abgesehen von den bereits verschluckten Bak- 
terien — Tausende von diesen kleinen Lebewesen an der schleimigen Um- 
hüllung (Ektoplasma) jener Ciliaten haften bleiben. 

Aus diesen experimentellen Beobachtungen, sowie aus dem Befunde 
ihrer Kapseln in den Stuhlentleerungen von Typhuskranken (vgl. die Mit- 
teilung a. a. 0.) läfst sich schliefsen, dafs unsere stiellosen Vorticellen im 
Haushalte der Natur eine zweideutige Rolle spielen, indem sie anscheinend 
einerseits dazu dienen, pathogene Bakterien, welche zufällig in Wasserläufe, 
Bäche, Flüsse, Brunnen, Sohlammboden u. s. w. gelangt sind, sich anzu- 
eignen, während sie andererseits allerhand Infektionssto£fe auf Menschen 
und Tiere — vermöge der raschen Verflüchtigung ihrer eingetrockneten 
Kapseln — > übertragen und unter begünstigenden Witterungsverhältnissen 
die Entwickelung von seuchenartigen Krankheiten vermitteln können. 
Für die Richtigkeit dieser Hypothese fehlen allerdings noch die strikten 
Beweise, zu deren Erbringung die Mitwirkung von Fachmännern auf ver- 
schiedenen Gebieten der Wissenschaft erforderlich ist. 



* Hierzu gehören unter anderen die Faramäcien, Eolpodeu, Glaukomen und ver- 
schiedene Monaden- Arten ' 



6 

Gegen Essig nnd andere Säuren sind die Infusorien im allgemeinen 
zwar sehr empfindlich, doch leisten — nach den von mir vorgenommenen 
Versuchen — die Kapseln der Vorticellen der Säure des tierischen Magen- 
saftes längere Zeit Widerstand. Man findet deshalb im Darminhalt, sowie 
in den Faeces sowohl bei Tieren, wie beim Menschen (s. a. a. O.) im 
gesunden sowohl, als im kranken Zustande nicht selten die lebens- -und 
entwickelungsfähigen Cysten dieser Ciliaten. Besonders zahlreich fand ich 
sie in den Darmentleerungen einiger Typhuskranken. 

Auf die äufsere Haut von Menschen oder JTieren können die Vorti- 
cellen sowohl eingekapselt, als lebend auf verschiedenen Wegen, teils 
durch die Luft, teils durchs Regenwasser, oder beim Waschen und Baden 
gelangen. Im Regen wasser, welches ich in sterilisierten Gläsern auf- 
gefangen hatte, habe ich jene Kapseln öfters, sowohl im Frühjahr und 
Sommer, besonders nach vorangegangener andauernder Trockenheit, als 
namentlich im Spätherbst — kurz vor Eintritt des Winters — vorgefunden. 
Durch diesen Befund konnte ich mir auch erklären, in welcher Weise ein 
meist im Herbst und Winter bei mir auftretendes Ekzem der Kopfhaut, 
in dessen Bläschen oder Schörfchen sich bisher regelmäfsig Vorticellen- 
cysten nachweisen liefsen, zur Entwickelung gelangen dürfte. Dieser Aus- 
schlag beginnt gewöhnlich am Hinterhaupt mit leichtem Verkleben einiger 
Haare und einem lästigen Gefühl von Hautjucken, und er verbreitet sich 
von da, falls nicht alsbald die zur Tötung der Mikrozoen erforderlichen 
Mittel (Sublimatwasser l^oo, oder weifse Präcipitatsalbe , verdünnter 
Essig etc.) angewendet werden , binnen kurzem unter starker Schinnen- 
bildung über die ganze behaarte Kopfhaut. 

Dafs die in Rede stehenden stiellosen Vorticellen in hiesiger Gegend 
im Freien sehr verbreitet sein müssen, das erhellt unter anderem aus dem 
öfteren Vorkommen ihrer Cysten im Darminhalt von Schweinen (vgl. 
a. a. O.), sowie in den hier häufig zur Beobachtung kommenden Zopf- 
bildungen an den Mähnenhaaren von Pferden. Bei feuchtem, regnerischem 
oder nebligem Wetter finden sich nämlich in der wärmeren Jahreszeit vom 
Frühjahr bis zum Herbst besonders bei Bauernpferden, die nicht alle Tage 
gründlich gereinigt und gestriegelt werden, femer bei Gäulen, welche zum 
Betriebe der Pferdebahn dienen etc. nicht selten eigentümliche zopfartige 
Geflechte an den Mähnenhaaren. Dieselben beginnen in der Regel nait 
Verkleben der Haare an ihren Spitzen, welchem ein lockenartiges Bin- 
rollen der dadurch gebildeten Haarbüschel, und oft ein regelmäJsiges Ver- 
flechten derselben folgt. Bei näherer Untersuchung solcher von ver- 
schiedenen Pferden stammenden Haarzöpfe und Züchtung der in kleine 
Teilchen zerschnittenen Haare in Fleischbrühe fand ich ganz regelmäisig 
mehr oder weniger zahlreiche lebensfähige Vorticellencysten in denselben, 
welche ich für die veranlassende Ursache jener Haargeflechte halte. 



Wahrscheinlich bleiben die in der Luft, resp. im Regentropfen zeitweise 
in gröfserer Menge suspendierten Cysten mittelst ihres schleimig-klebrigen 
Ektoplasmas an den von Regen und Schweifs fencht gewordenen staub- 
baltigen Mähnenhaaren haften und bewirken dann, indem sie an den 
fiaarschäften weiter kriechen, das Einrollen und Verflechten derselben. 
Der Sitz jener Mikrozoen beschränkt sich übrigens, so weit als mir bis 
jetzt bekannt, nur auf die Mähnen; die Haut der betreflFenden Pferde 
bleibt intakt. — Aufser einem stellenweisen Verlust des Epithels fand 
sich bei der mikroskopischen Unterauchung jener Haare nichts Abnormes; 
namentlich waren spezifische Bakterienarten an denselben nicht nach- 
weisbar. 

Dafs jedoch die Vorticellen sich nicht etwa von dem Detritus des 
Haarepithels ernähren, liefs sich durch folgenden Versuch nachweisen: 
Vom Menschen, bezw. von Pferdemähnen entnommene Haare wurden 
zuerst durch heifse Dämpfe von anhaftenden Mikroorganismen gereinigt, 
sodann in je ein mit destilliertem und durch Abkochen sterilisiertem 
Wasser gefülltes reines Glas gethan und in dieser Flüssigkeit zahlreiche, 
kräftig entwickelte Vorticellen gezüchtet. Dieselben verkümmerten alsbald 
und starben in kurzer Zeit ab, während sie längere Zeit frisch und fort- 
pflanzungsfähig blieben, sobald als zu jener Flüssigkeit eiweifshaltige 
Substanzen, z. B. die Exsudate von Ekzembläschen, Bluttröpfchen -u. s. w., 
zugesetzt wurden. — Hieraus läfst sich schliefsen, dafs die Mähnenhaare 
der Pferde den in der Luft suspendierten Vorticellencysten nur zum 
vorübergehenden Aufenthalt dienen, und dafs letztere hier nicht als Schma- 
rotzer, sondern als organische Fremdkörper zu betrachten sind, welche 
keine Hautaffektion, sondern blofs einen Schönheitsfehler an den Mähnen 
hervorrufen. Da sich indessen nach den hier mitgeteilten Beobachtungen 
annehmen liefs, dafs die qu. Vorticellen mit Vorliebe an den Haaren von 
Menschen und Tieren sich ansiedeln, so suchte ich ihre etwaigen para- 
sitischen Eigenschaften zunächst durch Tierversuche zu erforschen. Bei 
zwei Kaninchen — einem kräftigen, vollständig ausgewachsenen Weibchen 
und einem noch ganz jungen Männchen — liefs ich an einer drei bis 
fünf Markstück grofsen Stelle des Rückens die Haare glatt abrasieren und 
auf dieselbe ein paar Tropfen vorticellenhaltiger Nährflüssigkeit aufpinseln. 
Bei der nach ein paar Tagen vorgenommenen Untersuchung liefsen sich 
zwar einige Kapseln jener Ciliaten an den die kahlen Stellen begrenzenden 
Haaren der Kaninchen nachweisen, übrigens aber trat trotz wochenlanger 
Beobachtung nicht die geringste Reaktion bei diesen Tieren ein. 

Hierauf benutzte ich als Versuchstier einen feisten Mops, welcher an 
der linken Hüfte eine haarlose Brandnarbe von dem Umfange eines 
Hühnereies hatte. Auf diese kahle Stelle übertrug ich mittelst eines 
Haarpinsels etwas Infasorienwasser und beobachtete das Versuchstier von 



da ab täglich. Am näclisten Tage fand ich auf der Infektionsstelle, sowie 
auf der angrenzenden behaarten Haut nur vereinzelte Yorticellencysten; 
dasselbe Resultat ergaben auch die im Laufe der folgenden acht Tage vor- 
genommenen Untersuchungen bei dem Hunde, und da derselbe in dieser 
Zeil vollständig gesund und frei von jeder Hautaffektion blieb, so nahm 
ich an, dafs das Tier die auf seine Haut übertragenen Protozoen gröfsten- 
teils abgeleckt habe. Ich hielt es deshalb für nutzlos, das fragliche 
Infektionsresultat weiter zu verfolgen. — Nach etwa 14 Tagen bemerkte 
ich indessen eine auffallende Unruhe und Unstetigkeit bei dem Tier, die 
sich durch öfteren Ortswechsel, Wälzen auf dem Kücken, Belecken und 
Benagen der Haut an verschiedenen Stellen, Beklopfen mit den Hinter- 
füfsen etc. äuiserte, was um so mehr auffiel, d^ der Mops ziemlich frei 
von Ungeziefer wai\ — Ein Hautausschlag war zur Zeit bei demselben 
nicht nachweisbar. — Durch Abwaschen der Haut mit w^armem Seifen- 
wasser wurden jene Symptome eher gesteigert, als vermindert, und als ich 
eines Tages einzelne Haare auf dem Rücken, wo das Hautjucken am 
lebhaftesten sich zu äufsern schien, behufs mikroskopischer Untersuchung 
ausziehen wollte, liefs sich gleich ein ganzer Büschfi voll lose sitzender 
Haare daselbst entfernen, so dals am vorderen Ende des Rückens eine 
kahle Hautstelle von 4 — 5 cm Durchmesser sich gebildet hatte. Über- 
haupt lieisen sich die Haare längs des ganzen Rückens leicht ausziehen 
und schienen hier gröisten teils nur lose zu sitzen. Bei näherer Unter- 
suchung dieser Haare fanden sich hier und da an den Schäften encystierte 
Yorticellen, welche in Bouillonkulturen binnen ein paar Tagen wieder 
auflebten. Besonders zahlreich und lebenskräftig erschienen diese Cysten 
in den von Hauterosionen auf dem Rücken, — die sich das Tier durch 
Scheuern und Reiben an der eisernen Kante einer Bettstelle zugezogen 
hatte, — herrührenden, mit Blut durchtränkten Schorfen und Krusten, in 
deren Nähe vier rundliche Lymphdrüsenschwellungen von dem Umfange 
einer kleinen Kirsche sich entwickelt hatten. Die. eine von diesen eben- 
falls starkes Jucken erregenden Wucherungen der Lymphgefäße und des 
Unterhautzellgewebes excidierte ich nach Abrasieren der Haare und Ab- 
seifen der Haut mit der CowPERschen Schere ; hierbei fanden sich im Innern 
dieser Drüsenschwellungen zahlreiche entwickelungsfähige Yortioellen- 
kapseln. In dem aus der Nähe der Knoten entnommenen cirkulierenden 
Blute liefsen sich jedoch Spuren von Mikrozoen nicht nachweisen. Zur 
Beseitigung des Hautleidens liefs ich nun sowohl auf die kahle Hautstelle, 
wie auf die Schorfe und die Drüsenknötchen täglich zweimal weifse Frfi- 
cipitatsalbe einreiben und den ganzen Rücken, sowie die Seitenflächen 
desselben einmal des Tages mit iVoo Sublimatlösung waschen. Bis zur 
Bauchfläche und zu den Füfsen waren die Infusorien anscheinend noch 
nicht vorgedrungen. Durch die Sublimatwaschung wurde der qualvolles 



9 

Jucken erregende Hautreiz jedesmal eine Zeit lang sichtlich gemildert, 
und das sonst ziemlich wasserscheue Tier gab deshalb stets durch Wedeln 
mit dem Schwänze seine Freude zu erkenneu, sobald als ich ihm die 
Flasche mit Sublimatlösung zeigte. 

Nach zehntägiger Anwendung der genannten Quecksilberpräparate 
war die als Puritus cutaneus diagnostizierte Hautaffektion ziemlich gehoben, 
nnd auf der kahlen Hautstelle des Rückens zeigte sich wieder beginnender 
Nachwuchs von neuen Härchen; die Lymphdrüsenknötchen aber bildeten 
sich bei fortgesetzter Anwendung der Präcipitatsalbe viel langsamer zurück. 
— Auf dem Schwänze, welcher erst später mit Sublimatlösung gewaschen 
wurde, waren durch Ausfallen der Haare ein paar kahle Stellen ent- 
standen, auf denen seither neue Haare nicht wieder gewachsen sind. — 
Von der Brandnarbe an der linken Hüfte, auf welche die protozoenhaltige 
Flüssigkeit übertragen worden war, wai*en die Vorticellen vollständig 
ausgewandert, imd an dieser Stelle vermiTste ich auch jede Spur von 
Pruritus. 

In welcher Weise die Wanderung der Vorticellen, die doch gleich 
mit dem Eintrocknen ihrer Nährflüssigkeit auf dem Hundekörper sich 
eingekapselt haben mufsten, auf der 20 cm von dort entfernten Strecke 
bin zum Nacken im Verlaufe von 2 — 3 Wochen vor sich gegangen ist, 
und wie sie sich auf diesem Wege — ob durch Teilung, Kopulation, Be- 
gattung oder durch Amphigonie — vermehrt haben, das ist mir bis jetzt 
zu ermitteln noch nicht gelungen, jedoch werden hoffentlich weitere Unter- 
suchungen darüber Aufklärung bringen. Es scheint fast, als ob die grolse 
Weichheit der Haut bei den Möpsen und ihre dicht stehenden kurzen 
Haare auf das Eindringen der Cysten in die Haarbälge und Talgdrüschen 
der Haut in erhöhtem Grade begünstigend wirken; allein auch auf der 
nichtbehaarten menschlichen Haut scheinen sich diese Mikroorganismen, 
die wahrscheinlich auch in eingekapseltem Zustande auf kurze Strecken 
sich fortzubewegen und somit nach und nach immer weiter zu kriechen 
vermögen, nach direkter Übertragung mehr oder weniger rasch zu ver- 
breiten. Bei sswei Kindern, welche 'während der betreffenden Inku- 
bationsperiode mit dem qu. Mops, den ich ebenso, wie es bei den Kaninchen 
der Fall gewesen, nach Verlauf von einigen Tagen für immun gegen jene 
parasitischen Protozoen hielt, öfters gespielt und dabei ihren Kopf und 
Nacken an den Bücken des Hundes angeschmiegt hatten, war schon nach 
wenigen Tagen ein stark juckender ekzematöser Bläschenausschlag zur 
Entwickelung gekommen, welcher sich bei einem Kinde vom Nacken bis 
zur Kreuzgegend, bei einem anderen von dort bis zu den Achselhöhlen 
erstreckte. Auch hier fanden sich in dem Sekrete der Bläschen lebensfrische 
Vorticellenkapseln, welche in geeigneter Nährflüssigkeit alsbald auflebten, 
während sie durch die angegebenen Quecksilberpräparate, zum Teil auch 



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10 

durch Waschungen mit verdünntem Essig getötet und das Exanthem gleich- 
zeitig dadurch geheilt wurde. 

Im Laufe des Frühjahrs und Sommers 1892 war ich durch länger 
dauernde Krankheit verhindert, weitere Versuche an verschiedenen Tieren 
vorzunehmen, um den Parasitismus jener stiellosen Vorticellen auf dem 
Tierkörper näher zu prüfen. Ich habe deshalb nur den vorjährigen Ver- 
such am Hunde inzwischen wiederholt, und zwar mit dem nämlichen 
Erfolge. Kurz vor meiner Abreise nach Wildbad zum Gebrauch einer 
Badekur im Monat Juli er. strich ich, wie im vergangenen Jahre, ein 
paar Tropfen von der vorticellenhaltigen Kulturflüssigkeit auf die Brand- 
narbe an der linken Hüfte auf und übergab den Hund während meiner 
Abwesenheit dem Hausmädchen zur Beaufsichtigung. Als ich dann nach 
etwa fünf Wochen zurückkehrte, fand ich das Tier ziemlich abgemagert, 
und bei näherer Erkundigung erfuhr ich, dais es seit 2 — 3 Wochen den 
Tag über und oft auch des Nachts sehr unruhig gewesen sei, sich häufig 
auf dem Rücken gewälzt, verschiedene Stellen des Körpers mit den Beinen 
beklopft, oder mit den Zähnen benagt habe etc., ohne dafs eine Ursache 
des Hautreizes wahrnehmbar war. Bei näherer Untersuchung fand ich 
nun auf dem Rücken des Tieres in der Nähe des Schwanzes wie beim 
ersten Infektionsversuch 3 — 4 haarlose, zum Teil erodierte Hant- 
knötchen von dem Umfange einer mittelgrofsen Kirsche, in deren Paren- 
chym — (ich habe diesmal nur eine von diesen Lymphdrüsen auf Proto- 
zoen untersucht) — sich mehrere frische Vorticellencysten vorfanden. 
Die sofort vorgenommenen Bepinselungen der Drüsengeschwülste mit 
weifser Präcipitatsalbe und die Waschungen der Haut mit Sublimatlösung 
(l%o) hatten zwar eine augenscheinliche Milderung des Hautreizes, jedoch 
immer nur von kurzer Dauer, zur Folge. Allem Anschein nach hatten 
sich die Mikrozoen diesmal nicht auf den Rücken des Hundes beschränkt, 
sondern auch über einen grofsen Teil des Bauches und der Extremitäten 
verbreitet. Da sich inzwischen mehrere neue, durch Wundscheuern ex- 
ulcerierte Drüsenknötchen längs des Rückens entwickelt hatten und durch 
Ausfallen vieler Haare e5n räudeartiges Aussehen eingetreten war, so zog 
ich einen hiesigen Tierarzt zu Rate. Derselbe teilte mir mit, da& eine 
derartige Hautkrankheit bei Hunden verschiedenartiger Rasse in hiesiger 
Gregend nicht selten vorkomme, und dafs sich nach seiner Beobachtung 
ein Waschwasser aus Plumbum aceticum 25,0, und Alumen crudum, 
5,0 in 1 1 Wasser gelöst, sowohl zur raschen Beseitigung des Hautreizes, 
wie zur baldigen Heilung des Ausschlages vorzugsweise bewährt habe. — 
Als veranlassende Ursache dieses Hautleidens würden gewöhnlich unreine 
Säfte angesehen; näheres aber sei darüber nicht bekannt. 

Das angeführte Heilmittel erwies sich auch in dem vorliegenden 
Falle thatsächlich als vorzüglich wirksam^ indem schon nach wenigen 



11 

AV'aschuDgea mit demselben das quälende Jacken beseitigt, die exulcerierten 
fiaatstellen vernarbt und die Drüsenschwellnngen eingeschrumpft waren. 
— Bei weiteren Versuchen fand ich, dafs durch jene Mischung von essig- 
saurer Blei- und Alaunlösung ebenso wie durch Sublimatlösung und stark 
verdünnte Jodtinktur — nicht blofs die lebenden Vorticellen, sondern auch 
die eingekapselten Formen derselben rasch getötet werden. 

Aus der prompten Wirkung des qu. Waschwassers bei dem infizierten 
Hunde liefs sich demnach schlieisen, dafs die encystierten Vorticellen 
hauptsächlich die veranlassende Ursache der beschriebenen Hautaffektion 
gewesen sind. Der Einwand, dals die verschiedenen, in der Kulturflüssig- 
keit der Vorticellen mitenthaltenen Fäulnisbakterien vorzugsweise jenen 
hochgradigen Hautreiz veranlafst haben könnten, erscheint hinfällig, weil 
solche vegetabilische Mikrobien, wenn sie an einer kleinen Stelle auf die 
unverletzte Oberhaut des Tieres übertragen werden, eine über den 
Körper desselben allmählich sich verbreitende, pruritusartige Hautluankheit 
für sich allein nicht zu erzeugen vermögen. Aufserdem spricht dagegen 
namentlich der Befund von Vorticellenkapseln längs des Rückens in den 
Lymphdrüsen, sowie an den Haarschäften. 

Schliefslich bemerkte ich noch, dafs die auf der Höhe der Haut- 
affektion in grofser Zahl ausgefallenen Haare des Hundes durch Nach- 
wuchs gröfstenteils jetzt wieder ersetzt sind; nur auf den exulcerierten 
Stellen der Lymphdrüsen-Schwellungen sind einige haarlose Knötchen von 
geringem Umfang zurückgeblieben. 



Betrachtungen über die Prurigo (HE6RA). 

Von 

Dr. E. ViüAL-Paris. 
Vortrag gehalten in der Sitzung vom 6. September 1892 des II. Internationalen 

Dermatologischen Kongresses in Wien. 

Auf dem I. Internationalen Dermatologen-Kongresse in Paris hatte 
ich in der Sitzung vom 5. August 1889 gelegentliclx der Diskussion über 
die Lichenfrage die öründe geltend zu machen gesucht, nach denen der 
Liehen simplex circumscriptus (Lieben circumscriptus nach Willan und 
Batehan) mehr berechtigt wäre, der Liehen gruppe anzugehören, als der 
Liehen scrophulosorum. — La de^r That ist der sog. Liehen scrophulo- 
sorum von der französischen Schule stets als eine Abart der Folliculitis 
pilo-sebacea chronica angesehen worden, und nach den neuesten unter- 



12 

suchuDgen von Jacobi, Sack, Hallopeau und Darier müTste derselbe 
zur Symptomengruppe der Hauttuberkulose zugezählt werden. 

Ich hatte gegen die einseitige Einteilung Ferdinand von Hsbbas 
protestiert, Ferdinand von Hebras, dieses gelehrten Dermato- 
logen, dem ich mich glücklich schätze, hier, in den Räumen 
der Wiener Universität, zu deren berühmtesten Leuchten er 
gehört, meine Huldigung darzubringen, als unserem eminenten 
Meister und Lehrer, zu dem wir alle mit Bewunderung 
emporblicken, als dem Gründer dieser grofsen Wiener 
dermatologischen Schule, deren bedeutende Arbeiten so un- 
endlich viel dazu beigetragen haben, das Studium der Haut- 
krankheiten in wissenschaftliche Bahnen zu lenken, und die 
in wenigen Jahren zu so zahlreichen, wichtigen Entdeckungen 
geführt und uns die Verwirklichung so hervorragender Fort- 
schritte auf dem Gebiete der Dermatologie ermöglicht hat. 

— Ich hatte versucht, diejenige Meinung geltend zu machen, welche ich 
immer in meinen Vorlesungen und Publikationen^ betont hatte, nämlich, 
dafs der Liehen nicht mit dem Ekzem verwechselt werden dürfte, dafs 
er eine vom Nervenzustande der Haut abhängige Dermatose darstelle, 
welche in pathologischer Beziehung mehr Berührungspunkte mit der 
Urticaria als mit dem Ekzem hätte. Ich bin mit meiner Meinung allein 
geblieben, und nicht eine einzige Stimme hatte sich zu Gunsten meiner 
These erhoben. 

Gegenwärtig hat, dank den Publikationen meines Freundes und 
Kollegen Brogq, dank den Untersuchungen, die er mit Jacquet* vor- 
genommen, das Studium der Dermatoneurosen, unter denen der Liehen 
simplex chronicus und die Prurigo den wichtigsten Platz einnehmen, 
bedeutende Fortschritte gemacht. Die meisten französischen Dermatologen 
erkennen den Liehen simplex chronicus als Krankheit sui generis an und 
verwechseln denselben nicht mehr mit dem Ekzem. 

F. V. Hebra hatte den Liehen circumscriptus vom Ekzem getrennt 
und befand sich in diesem Punkte in Übereinstimmung mit Erasmus 
Wilson und mit Prof. Hardy. Da der Liehen simplex während seiner 
ganzen Dauer den papulösen Charakter und die trockene Beschaffenheit 
beibehalten kann, ohne die weiteren Stadien des trockenen Ekzems — 
Krustenbildung, Abschuppung — durchzumachen, hat Hebra den Namen 
„Eczema papulatum^ geschaffen und den Liehen simplex wieder der 
Ekzemgruppe zugeführt. 

In seiner meisterhaften Beschreibung der Prurigo ferox giebt 
Hebra an, dafs man neben den grofsen Papeln sehr kleine sieht, welche 



^ E. Ytdäl: Über den Liehen. Ann. de derm. et de ayph. 1886. p. 133. 
' L. Brocq et L. Jacqüet : Beiträge zar Geschichte der Nearodermititiden. Ann. 
de derm, et de st/pk. 1891. p. 97. 



13 

lür uns wenigstens nichts anderes sind, als Liohenpapeln. Ferner verlangt 
er ftr die Prurigo ferox die Verdickung, die Induration der durch diese 
chronische Dermitis veränderten Teg^mente, welche im Stadium des weit 
roigeschrittenen Prozesses, den wir mit Brogq „Lichenifikation^ und 
mit Besnier „Lichenisation" nennen, auftreten. 

Dieser pathologisch veränderte Zustand der Haut, diese den Liehen 
oder die Prurigo begleitende Dermitis kann auch im Gefolge des 
chronischen Ekzems eintreten. Man kann sie nicht selten bei den 
künstlich durch äufsere, irritierende Agentien hervorgerufenen und unter- 
haltenen Dermatitiden beobachten, so bei denjenigen, die man bei den 
Bftckem, G^würzkrämem, Maurern etc. sieht. Diese Dermitiden, welche 
um so heftiger, um so mehr mit sekundären Läsionen kompliziert sind, 
je mehr die Individuen sich für dieselben prädisponiert zeigen, müssen 
ans der Ekzemgruppe ausgemerzt und zu den artifiziellen Exanthemen 
gezfthlt werden. — 

Wenn ich diese einleitenden Bemerkungen mache, so geschieht es, weil 
wir uns notwendig Rechenschaft abzulegen haben über die verschiedenen 
Phasen des Prozesses der Dermatose, welche der Prurigo agria, dem 
Liehen agrius von Oazenäve, Devergie und anderen französischen 
Autoren entspricht, einer Dermatose, der mein ausgezeichneter Freund 
und Kollege Ernbst Besnier den allgemein acceptierten Namen „Prurigo 
de HsBRA^ beigelegt hat, und die ich mit „Liehen polymorphus 
ferox" bezeichnet habe. — Obgleich der Ausdruck Prurigo mir weniger 
geeignet erscheint, als die Bezeichnung Liehen, welche deröenusname für den 
pathologischen Prozeis ist, von dem die Prurigo Hbbra einen der voll- 
kommensten Typen bildet, so werde ich mich, um nicht eine Diskussion über 
die Frage der Terminologie hervorzurufen, in gleicher Weise des Wortes 
Prurigo oder Liehen bedienen, da, vom pathologisch -anatomischen 
Gresichtspiinkte aus betrachtet, die Prurigoefflorescenz nur eine grofse 
Lichenpapel und der Liehen nur eine kleine Prurigopapel darstellt. 

II. 

Ist die Prurigo Hebra, wie unser hervorragender Präsident, Prof. 
Kaposi,' meint, eine selbständige Krankheit, welche keine Beziehungen 
zu anderen Dermatosen hat? 

In diesem Punkte befinde ich mich nicht in Übereinstimmung mit 
der Wiener Schule. Ferdinand von Hebra glaubte, dafs die Prurigo 
eme Afifektion der Haut an sich sei, nur die Haut allein befallend und 
ohne Beziehungen zu den wirklichen oder vermuteten krankhaften Zuständen 
der Säfte und der festen Substanzen des Organismus. Ich mufs bekennen, 

* Kaposi: Pathologie und Therapie der Hautkrankheiten, übersetEt von E. 
BssnsR und A. Doyon 2. Ausg. 1891. 1. Band. p. 720. 



14 

dais ich nicht recht verstehe, was man sich unter einer Krankheit der 
Haut an sich zu denken hat, und wenn ich nicht seit mehr als 20 Jahren 
gegen die Hypothese der Diath^se dartreuse oder herpetique, fast 
möchte ich sagen, unter dem Banner Hebras, ihres heftigsten Gegners, 
gekämpft hätte, so würde ich mich in die Zeit zurückversetzt glauben, 
wo man noch von den verschiedensten organischen Diathesen, beispiels- 
weise einer aneurysmatischen, cardialen, hämorrhoidalen Diathese sprach. 

Die neuen Kenntnisse, welche wir uns über das Wesen des Liehen 
und über die sekundären Manifestationen erworben haben, welche sein 
Aussehen modifizieren und ihn zu einer polymorphen Dermatose gestalten 
können, sind auf das Studium der Prurigo von Hebka anwendbar. 

Beim Liehen simplex circumscriptus sieht man die Papeln 
auf den Pruritus folgen und unter dem Einflüsse d^s Kratzens und anderer, 
direkt oder indirekt irritierender, äufserer oder innerer Ursachen entstehen, 
welche auf die Hautdecke derart einwirken, dafs sie eine ödematöse 
Schwellung: der Papillen hervorrufen können. — 

Bei der Prurigo von Heb RA geht der Pruritus ebenfalls dem Auf- 
treten der Papeln voran. Wenn diese Dermatose in einem Alter beginnt, 
in welchem die Ejranken von ihren subjektiven Empfindungen Rechen- 
schaft ablegen können, beispielsweise nach dem fünften Lebensjahre, 
wofür uns eine Anzahl von Beispielen zur Verfügung steht, so versichern 
die Patienten, dafs das Jucken dem Ausschlage vorangegangen ist, und 
dais es nachfolgende Eruptionen und Yerschlimmeiningen ankündigt. 

Wir glauben, dafs der Ürticaria-Eruption, welche als das erste 
Symptom der Prurigo de Hebra bei den Kindern des ersten Alters an- 
gesehen wird und am häufigsten während der ersten Zahnung erscheint, 
wahrscheinlich Jucken vorangeht. Dieses wird durch Unruhe, Schlaf- 
losigkeit der Kinder^ gleichsam die Prodromalsymptome der Urticaria, 
angedeutet. 

Neben diesen Ürticaria-Elementen, welche früher unter dem Namen 
des „Strophulus^ bekannt waren, und die Rayer mit Recht dem Liehen 
mit den kleinen länger als bei der Uiücaria und selbst der chronischen 
Urticaria bestehenden Knötchen zugesellte, sieht man bald Papeln erscheinen. 
Eine grofse Anzahl derselben entsteht durch directe Umwandlung des 
urticariellen Elementes. Diese erste Phase der Prurigo, schon von Hebra 
angedeutet und von allen anderen Autoren beobachtet, ist, was die 
Symptomatologie und pathologische Anatomie betriflft, von dem aus- 
gezeichneten Generalsekretär unseres Kongresses, Herrn Dr. Riehl*, 
eingehend studiert worden. 



* G. Riehl: Über die pathologische Bedeutung der Prurigo. ViertelQohrsschr. f- 
Berm. u, Syph. 1884. p. 41. 



16 

Man sieht bald grofse Papeln neben kleineren auftreten. Durch 
Koofluieren der Papeln entstehen, wie ich dies bei ganz jungen Kindern 
im Beginn der Krankheit oft gesehen habe, gröfsere Plaques von Liehen 
circumscriptus. Allmählich geht die Lichenisation der Haut vor sich. 
Das Tegument hypertrophiert, induriert infolge der chronischen Dermatitis, 
welche wir auch manchmal in dem vorgeschrittenen Prozefs des Liehen 
simplex chronicus circumscriptus konstatiert haben. 

Die weitere Entwickelung des Krankheitsprozesses wird oft beschleunigt 
durch interkurrente Eruptionen, durch sekundäre Läsionen, welche der 
Prurigo de Hebra einen so ausgesprochen polymorphen Charakter verleihen, 
dafs wir sie mit Liehen polymorphus ferox bezeichnet haben. 

Unter dem Einflüsse des Kratzens, der Reibung der Kleider, 
der reizenden Applikationen etc. wird die Haut excoriiert und der Lnpfung 
mit Mikrobien, mit parasitären Elementen der Eiterung zugänglich gemacht ; 
daher die Entwickelung von Bläschen, Pusteln, Krusten, subepidermoidalen 
Abscessen, Furunkeln; daher auch der ekzematöse, impetiginöse, ecthyma- 
toide Zustand, welcher aus der Einimpfung mit Staphylokokken resultiert. 
Doch sind dies mehr accidentelle Erscheinungen der HsBRAschen Prurigo 
und ihr nicht so eigentümlich wie die Läsionen des primären Prozesses. 
Man kann ihnen vorbeugen, wie wir bei Besprechung der Heilbarkeit dieser 
Dermatose zeigen werden. 

Zu dem nervösen Zustande, welcher der Neurodermitis, der 
Bildung von Urticariaelementen, später von Papeln und der Lichenisation 
mit Induration der Haut vorangeht, gesellt sich noch ein anderes patho- 
genetisches, auch von der individuellen Körperkonstitution abhängiges 
Moment welches den Polymorphismus, den chronischen Gang, die lange 
Dauer der Prurigo de Hebka und ihre ünheilbarkeit in der Mehrzahl 
der Fälle erklären kann. Dieses Moment war für Cazbnavs, für Devbrgie 
und Bazin die skrophulöse Konstitution des Patienten, für uns die 
lymphatische Disposition, und zwar in dem Sinne, wie Virchow 
sie auffafet, als lymphatisches System mit excessiver Entwickelung und 

Vukerabilität. 

III. 

Die Prurigo von Hebra beginnt nicht immer in der ersten 
Kindheit. Ebenso wie Ebnest Besnier, ebenso wie die meisten franzö- 
sischen Dermatologen, wie Ehlers^ (in Kopenhagen) in seiner Statistik 
der Beobachtungen von Haslund, habe ich diese Dermatose zwischen dem 
10. — 15. Lebensjahre und sogar später beginnen sehen. Einer meiner 
Patienten war bei den ersten Anzeichen der Dermatose 35 Jahre alt. 
Zwischen dem 15. — 30. Lebensjahre hatte sie bei neun von Ehlers' 

^ Ehlers: Vorläufige Mitteilung, betreffend eine Beihe von Untersuchungen über 
die Prurigo Herra. Bull de la Soc. frang. de derm. et de ayph. 1882. p. 403. 



16 

Kranken angefangen. Diese Thatsachen lehren, dab die von Hebra und 
Kaposi aufgestellte B.egel wohl in der Mehrzahl der Fälle, aber nicht in 
allen zutrifPt, und dais man den Beginn der HEBRAschen Prurigo auch 
nach der ersten Kindheit beobachten kann. 

IV. 

Die Prurigo von Hebra ist nicht immer unheilbar, wie 
Hebra und Kaposi gemeint haben. Man kann auch einige Fälle von 
Heilung sehen; man kann besonders Besserungen und Bemissionen von 
langer Dauer erhalten : 

1. indem man die Haut der Kranken gegen das Kratzen schützt, zn 
welchem sie ein oftmals heftiges Jucken unaufhörlich reizt; 

2. indem man sie vor der Einwirkung äufserer, irritierender Stoffe 
und vor der Einimpfung mit Eiterkokken bewahrt. 

Man erreicht dies, indem man die Haut mit Pflastern (Sparadrap 
ä l'huile de foie de morue de E. VinAL), mit Naphtolsalben, mit Menthol- 
präparaten, Glyc^role d'amidon, Zinkleim etc. bedeckt. 

Schlüsse. 

1. Die Prurigo de Hebra ist ebenso wie der Liehen simplex 
circumscriptus eine chronische papulöse Neurodermitis, welche 
bei einer Einteilung nach pathologisch-anatomischen Gresichtspunkten in die 
papulösen Affektionen eingereiht werden mufs und, was die Pathogenese 
der Krankheit anbetrifft, zu den Dermatonenrosen gehört. 

2. Die Prurigo de Hebra ist keine selbständige Krankheit. 
Dieselbe resultiert aus mehreren pathologischen Zuständen, von denen die 
beiden wichtigsten die Nervosität und die lymphatische Konstitution 
(skrophulöse Diathese der älteren Autoren) sind. 

3. Gewöhnlich beginnt die Krankheit in den beiden ersten Jahren 
des Lebens. Man kann indessen die ersten Anzeichen derselben auch 
während der zweiten Kindheit und in noch späterem Alter sehen. 

4. Obgleich die Heilung nicht die Regel ist, so ist sie doch nicht 
sehr selten. Durch eine wohl geleitete Behandlung kann man Besserungen 
und Remissionen von langer Dauer erzielen, namentlich, wenn man die 
Haut vor allen Jucken hervorrufenden Ursachen schützt. 

(ÜberBetct Ton Cabl BERi^iKER-Aaoben.) 



17 



Aus Dr. Unnas dermatologischem Laboratorium zu Hamburg. 

Die bisher bekannten nenn Favnsarten. 

Von 

Dr. Neebe und Dr. Unna. 

I. 

Definition der Gattung Achorion 
und Schlüssel zur Bestimmung der Arten derselben. 

Gattung Achorion. 

Farblose Hyphomyceten, aus septierten Hyphen bestehend, welche 
ohne Yermittelung von Fruchthyphen farblose Früchte liefern. Letztere 
entstehen auf dem natürlichen Nährboden der Hornschicht, Haare und 
Nfigel aus dem Zerfall der in Sporenketten umgewandelten Hyphen zu 
nmdlichen- oder eckigen, einzelligen Sporen. Auf künstlichen Nähr- 
böden findet man entweder innerhalb derselben ähnliche, aus Sporenketteu 
henrorgehende, einzellige Sporen oder oberhalb derselben nach Bildung 
eines freien Luftmycels rundliche einzellige Luftsporen. Hin und wieder 
werden innerhalb künstlicher Nährböden Blasen gebildet, aus welchen 
gelbe Massen austreten. 

Die Achorionarten schmarotzen auf den Hornsubstanzen von Menschen 
und Tieren und bilden bei längerem Aufenthalte daselbst stets charak- 
teristische, schüsseiförmige Fruchtstände, sogenannte Scutula. 



Aerophile 

Arten: 

Beichliches 

Luftmycel« 

Luftsporen. 

Keine 

Aoschwellongen. 



Wachstum diffus ; 
wollige, weifse < 
Decke. 



Wachstum insel* 
formig; flacher, 
weifser Luftrasen 
mit radiärer Aus- 
strahlung- des 
Luftmycels. 
Zonenbildung. 



Wachstum sehr rasch. 

Luftmycel sehr üppig. 

Decke gleichmäfsig. 

Wachstum rasch. 
Luftmycel reichlich. 
Decke nach der Peripherie ab- 
nehmend. 



Achorion 
' euthythrix. 
Favus griseus. 

Achorion atacton. 

Favus sulfureus 

celerior. 



Achorion^ 

radialis. 

Favus Sardi 

niensis. 



^ Die in dieser Arbeit neu beschriebenen Pilze sind in diesem Schlüssel fett 
gedruckt. 

Honatshefte XVI. 2 



18 



Aerophobe 

Arten: 

Geringes 

Lufbnycel. 

EeineLufUporen. 

Verschieden 

geformte 

Anschwellungen. 



Wachstum 

akromegalisch. 

Bosenkränze. 

Keine Endblasen 

und gelbeMassen. 



Achorion 

dikroon. 

Fayos solfurens 

tardus. 



Wachstum 
akromegalisch. 
Endblasen und 
gelbe Massen. 
Keine Bosen- 
kränze. 



Aehorion 
akrome^alicvB. 
Faras Seotiens. 



Aehorion 

demergois. 

Favus Batavis. 



Aehoriov 

cyotieu. 

FavKS Hanbnr- 

gensis. 



Wachstum äuiserst langsam, 
exquisit inselförmig. 

Starkes akromegalisches Wachs- 
tum; wenig Blasen und gelbe 
Massen. Halbkugeliger, solider, 
weifser Herd mit schmalem Band- 
saum. Im Nährboden scharfe Be- 
grenzung, ünterfläche gelb. 

Akromegalisches Wachstum. 
Viele Blasen und gelbe Massen. 
Buckliges, hohles, weifses Polster 
mit radiärer Bandzone. Ausläufer 
fast senkrecht in die Tiefe strebend 
und gerade abgeschnitten auf- 
hörend. Unterfl. bräunlich-gelb. . 

Ungeheuer viele Blasen und gelbe^ 
Massen neben akromegalischem 
Wachstum. Flaches, weifses Polster 
mit breiter, bestäubter Bandzone. 
Im Nährboden horizontal gerich- 
tete Mycelausbreitung, meist strah- 
lig, hin und wieder moosförmig. 
Stets unregelmäisig begrenzt. 
Unterfläche grünlich gelb. 

Sehr viele regelmäfsige Bosen- 
kränze. Keine Tarsi. Basen ent- 
weder ohne lange Ausläufer, buck- 
lig in die Höhe steigend oder 
flacher und mit moosartigen Aus- 
läufern versehen. 

Bosenkränze nie so zahlreich und 
regelmäfsig. AuÜBerdem Tarsi. 
Basen flache Platten bildend mit 
gestreckt verlaufendem Mycel im 
Nährboden. 

II. 

WachstnmsYerhältnisse der Favusarten und darauf begründete 

Einteilung derselben. 

Nachdem die ätiologiscbe Favusforschung lange Zeit geruht, wurde 
sie in den letzten Jahren energisch in allen Kulturländern in Angriff 
genommen und auch erheblich gefordert. Nur geriet sie unter den 
Händen mancher Forscher insofern auf Abwege, als diese, nachdem ihnen 
die ungemein einfache Reinzüchtung des Favuspilzes gelungen, den ihren 
nicht blo£3 für den richtigen, sondern auch für den allein richtigen tu 



Wachstum 

akromegalisch. 

Endblasen und 

gelbe Massen. 

Bosenkränze. 



Aekorioi 

moniliforme. 

FavasBohewiens. 



Aehorion 

tarsiferon. 

Favus Poionieis. 



19 

halten geneigt waren. Auch dieses Stadium der Favusfrage ist heute 
glücklicherweise vorüber, und der Streit ist in ebenso einfacher und natür- 
licher Weise geschlichtet, wie der in Lessings Erzählung von den drei 
Bingen. Wahrscheinlich sind alle jene verschiedenen Favuspilze gleich 
echt; es mufs da3 eben durch die Rückimpfung auf Mensch und Tier bei 
jedem einzelnen erwiesen werden. 

Die zuerst von Quincke aufgestellte, später zumal von Unna be- 
gründete Lehre von der Vielheit der Favuspilze erfährt täglich neue 
Bestätigungen, nachdem das Interesse für die Sache geweckt ist und das 
betreffende Material durch friedlichen internationalen Austausch Allgemein- 
gut zu werden verspricht. 

Es scheint uns deshalb heute schon an der Zeit Und im Interesse 
der Sache sogar geboten, die bisher mit Sicherheit als verschiedene Spezies 
erkannten Favuspilze einer sorg&ltigen Yergleichung und Ordnung zu 
unterziehen, und wir geben im vorstehenden zunächst eine kurzgefalste 
Übersicht über unsere eigenen Favuskulturen in Gestalt eines Schlüssels, 
wodurch es jedem ^Forscher leicht sein wird, seine Favusspezies des 
genaueren zu bestimmen und mit den unseren zu vergleichen. 

Zugleich statten wir denjenigen Kollegen an dieser Stelle unseren 
verbindlichsten Dank ab, welche durch Übersendung von Favusmaterial 
oder eigenen Kulturen unser Material ergänzt und bereichert haben, näm- 
lich den Herren DouGLAS-Edinburgh, Funk- Warschau, van Hoorn« Amster- 
dam, MiBBLLi - Cagliari, Plaut - Leipzig, Sherwell-Ncw York, Wulff- 
Langenhagen. 

Eine physiologisch ebenso wie morphologisch ausgeprägte Haupt- 
differenz der Favuspilze besteht in dem gröfseren oder geringeren Sauer> 
stoffbedür&isse. Danach gliedern sich die Hauptabteilungen der Favus- 
gattung ab. In die erste gehören diejenigen Achorionarten, welche auf 
der Oberfläche der Kulturen ein reichliches Luftmycel mit besonderen 
Lnftsporen entwickeln. Zu dieser Abteilung der aerophilen Arten ge- 
hören bis jetzt drei Spezies. Sie wachsen im allgemeinen in den Kul- 
turen rascher und haften auch leichter bei der Impfung auf lebende 
Wesen. Andererseits werden sie ihres mehr der Oberfläche des Nähr- 
snbstrats angepaisten Wachstums wegen vermutlich auch leichter thera- 
peutisch zu bekämpfen sein. Ein wichtiger negativer Charakter dieser 
ersten Gruppe ist es, dafs ihre Arten innerhalb des Nährbodens keine 
jener eigentümlichen Anschwellungen bilden, welche die aerophoben 
Achorionarten auszeichnen. Die weitere Einteilung dieser Gruppe beruht 
auf einfachen quantitativen und mechanischen Wachstumsunterschieden. 

Viel interessanter gestalten sich die Wachstumsdi£ferenzen innerhalb 
der zweiten, der aerophoben Gruppe. Der Gesamtcharakter derselben 
besteht im Gegensatz zur ersten darin, dafs ihre Arten nur ein sehr 

2* 



20 

spärliches Luftmycel ohne Luftsporen produzieren, dagegen merkwürdige 
Anschwellungen an den Hyphen im Nährboden zeitigen. Diese letzteren 
dienen naturgemäfs zur ünterteiluDg dieser Gruppe. 

Wir kennen bisher drei verschiedene Arten solcher Anschwellungen. 
Entweder verdicken sich nur die letzten Enden der sich gabelig teilenden 
Hyphen, und es entstehen Endausläufer, welche man mit Kronleuchtern, 
Geweihen und dergleichen passend verglichen hat. Diese einfachste Form 
der Anschwellungen kommt bei allen aerophoben Favusarten vor. Wir 
schlagen vor, diese Form des Wachstums einfach als akromegalisches zn 
bezeichnen, wodurch jedem Mediziner sofort ein richtiges Bild der Ver- 
änderung vor Augen steht. 

Sodann zeigen bei einigen dieser Favusarten die Hyphen eine greise 
Neigung, in ihrem Verlaufe Zelle für Zelle anzuschwellen, während die 
Septen nach Art von Schnürringen dieser Ausdehnung widerstehen. Das 
Gesamtbild solcher Hyphen erinnert um so mehr an geblähte Dickdarme, 
Rosenkränze oder Perlschnüre, als mit der Breitenanschwellung gewöhnlich 
auch eine Verkürzung der Hyphenzellen in der Längsrichtung Hand in 
Hand geht. Wir wollen diese Hyphen kurz Rosenkränze nennen. 

Während die eben . beschriebenen Arten der Anschwellungen schon 
Iscnge bekannt waren, ist die genaue Kenntnis einer weiteren Anschwel- 
lungsform erst neueren Datums. Schon frühere Favusforscher (z. B. 
Roberts} hatten vereinzelt endständige, starke Anschwellungen in der 
Form runder oder ovaler, grofser Blasen beschrieben. KrIl wies dann 
nach, dafs aus diesen Blasen eine gelbe Substanz, welche er den „gelben 
Kx^er^ nannte^ austritt. Plaut, dem wir uns vollständig anschlie&en, 
deutete schliefslich die Substanz einfach als das durch innere Spannung 
au9getriebene Pilzprotoplasma. Wir nennen diese dritte Form der An- 
schwellung kurz : Endblasen mit gelben Massen, obwohl nicht alle Blasen 
endständig, sondern hin und wieder auch mittelständig und seitenständig 
sitzen. Es zeigte sich bei der Durchforschung der sechs uns bisher be- 
kannten akromegalischen Favi, dafs der böhmische Favus, welcher Ebäl 
und Plaut vorgelegen hat, diese Endblasen in der That bildet, dafs ibm 
aber andere Favi, so eine holländische und eine hamburger Art, darin 
und in der Produktion „gelber Massen" noch weit überlegen sind, 
während wiederum der von Unna und Frank schon früher besohi'iebene 
Favus aulfureus tardus wohl exquisit akromegalisch wächst, aber diese 
Endblasen und gelben Massen nicht bildet.. 

Danach teilt sich die Gruppe der aerophoben Favi in drei natürliche 
Unterabteilungen. In der ersten figuriert bis jetzt allein 4as Achorion 
dikroon; es wächst akromegalisch und bildet Rosenkränze, aber keine 
. Endblasen. 

Die zweite Unterabteilung umfafst drei Arten, die neben akrome- 



21 

galischem Wachstum Endblasen nnd gelbe Massen, aber keine Kosenkränze 
aufweisen. Achorion akromegalinm, demergens nnd cysticnm, die nnter- 
eioander einerseits durch die Reichlichkeit der Endblasen, andererseits 
durch ihr sehr verschiedenes makroskopisches Wachstum leicht unter- 
sdiiieden werden können. y ' 

In die dritte Unterabteilung der aerophoben Favi stellen wir sodann 
zwei Arten, welche neben akromegalischem Wachstum sowohl Endblasen 
und gelbe Massen wie Kosenkränze bilden : Achorion moniliforme und 
tarsiferon. Diese unterscheiden sich sehr scharf durch die Bildung der 
TOD uns sogenannten Tarsi, d. i. eigentümlicher, knötchenförmiger, weiter 
unten genauer zu schildernder Fruchtstände. 

Selbst an der Vermehrung der Favusspezies hauptsächlich beteiligt, 
sind wir weit entfernt, zu glauben, dafs mit den hier gegebenen neun 
Arten bereits alle existierenden Spezies der Gattung Achorion erschöpft 
sind oder dafs die bisher sich bewährenden Einteilungsprinzipien auch für 
alle etwa noch aufzufindenden, Scutula bildenden Hautpilze anwendbar 
and ausreichend sein müssen. Im Gegenteile, es erscheint uns nach den 
bisherigen Erfahrungen sehr wahrscheinlich, dafs diese Pilzgattung nicht 
weniger artenreich ist, als es die nächststehenden, parasitischen, aber nicht 
an die höhere Körpertemperatur angepafsten Pilzgattungen zu sein pflegen, 
und dafs wir uns somit erst im Anfange unserer botanischen Favus- 
kenntnisse befinden. 

Aber schon die bisherigen Anfänge sind nicht ohne praktische Folgen 
für das ätiologische Verständnis der Favuserkrankung. Wir brauchen 
nur darauf hinzuweisen, dafs es fortan nicht genügt, bei einem Favusfalle 
des Menschen in der Nachbarschaft; die Existenz von Tierfavus nach- 
zuweisen^ um den Schlufs auf die Übertragung zu rechtfertigen, sondern 
dais im Einzelfalle die Identität der Favusspezies zwischen dein 
Menschenfavus und der vermuteten Quelle sichergestellt werden mufs. 
Sodann wird die Forschung der Favusspezies ein je mehr kultiviertes, 
um so interessanteres Kapitel der geographischen Pathologie werden, 
indem fast alle Länder ihre verschiedenen Favusspezies ausgebildet haben, 
andererseits aber auch sicher fortwährend Favusspezies importiert und 
exportiert werden. So sandte uns Kollege Sh er well eine tote Maus >us 
New York, die vermutete Quelle dortiger Favusfalle, welche sofort eine 
Reinkultur von dem in Hamburg häufigen Achorion euthythrix ergab, der 
auch vielleicht durch Favusmäuse dorthin gebracht war. Unter den aus 
holländischen Scutulis des Kollegen van Hoorn gezüchteten Favis war 
aufser dem Achorion' demergens auch das Achorion akromegalicum, 
welches wir neben anderen aus schottischen Scutulis des Kollegen Douglas 
gewonnen hatten. In einem Favus eines Knaben aus Langenhagen, den 
wir der Güte des Kollegen Wulfp verdanken, fanden wir zu unserer 



22 

Überraschung dasselbe Achorion radians wieder, welches wir sonst nur 
aas Italien vom Kollegen Mibelli in Reinkultur bezogen hatten. Wenn 
in diesem Falle der Zusammenhang unaufgeklärt blieb, so gelang es uns, 
einen solchen in einem anderen wirklich zu entdecken. Ein Knabe aus 
Dr. Unnas Klinik, welcher nie in Polen gewesen war, trug dasselbe 
Achorion tarsiferon, welches wir durch eine Scutulasendung des Kollegen 
Funk aus Warschau erhalten hatten. Eine schärfere Anananese ergab 
nun in der That, dafs dieser Knabe in England gewesen und dort mit 
Kindern polnischer Auswanderer verkehrt hatte, welche mit Favus be- 
haftet gewesen sein sollen. Diese Andeutungen mögen genügen, um alle 
Kollegen auf ein neues lehrreiches Arbeitsfeld hinzuweisen und die Be- 
deutung der Speziesforschung für die Praxis zu erläutern. 

III. 

Kultur- und Präparationsverfahren. 

Bei unseren Kulturversuchen verwendeten wir in der Mehrzahl der 
Fälle den von Unna vorgeschlagenen „mittleren" Nährboden* aus 2 — 4% 
Agar mit V« Vo Kochsalz, 1 Vo Pepton und 5 7o Levulose. Das uns 
zugeschickte oder von uns gewonnene Material behandelten wir in der 
Weise, dafs wir von der Unterseite des Scutulums mittelst sterilisierter 
Platinspatel die obersten Schichten energisch abkratzten. Alsdann wurden 
mit dem nochmals sterilisierten Platinspatel kleinste Partikelchen ab- 
geschabt und auf die Agaroberääche übertragen, indem wir einen langen 
Strich in der Mitte des Nährbodens ausführten. Wir legten stets eine 
gröfsere Anzahl Kulturen an. Im Verlaufe des Impfstriches kam es dann 
zur Entwickelung des Eilzes. Die entstandenen isolierten Kolonien wurden 
dann wieder auf Agarröhrchen übertragen und bildeten die Stammkulturen, 
yon welchem wir alle 8 — 14 Tage weiter impften. 

In vielen Röhrchen kam es, wie nicht anders zu erwai*ten war, zu 
Verunreinigungen. In der weitaus gröfsten Mehrzahl der Fälle geschah 
dies durch den Staphylococcus aureus et albus, seltener durch den auf dem 
Kopf sehr häufigen Flaschenbacillus, selten durch einen oder den anderen 
Schimmelpilz, meist Penicillum glaucum oder Mucor mucedo. 

Von unsern Stammkulturen legten wir nun neue Kulturen in der 
Weise au, dafs wir teils Strichimpfungen auf Agar machten, teils nur ein 
kleines Partikelchen des Pilzes auf eine Stelle des Nährbodens plazierten. 
Meistenteils impften wir auch noch am Rande des Agars mittelst eines 
Striches, oder wir schoben nach der Strichimpfung unter die vorderste 
dünnste Partie des Agars den Platinspatel 2 cm weit zwischen Griasrand 
und Agar vor. Diese beiden Nebenimpfungen haben den grofsen Vorteil, 



• S. Flora Dermatologica. Monatsh, f, prakt JDo'm, Bd. XIV. pag. 304. 



23 

daifi an vielen Stellen aus Sporen Herde entstanden, welche wegen ihrer 
günstigen Lage sehr oft schon Gelegenheit gaben, die vollständige Ent- 
vickelnng des Pilzes kennen zu lernen. 

Auf Gelatine wurden kleine Partikelchen des Pilzes mittelst einer 
Pktinnadel eingestochen. Auf Blutserum impften wir in der gleichen 
Weise wie auf Agar. Für Kartoffeln* verrieben vir in dem Reagenz- 
röhrchen, aus welchem wir abimpften, ein etwa 2 — 3 mm grofses Par- 
tikelchen und stiichen dasselbe auf die Oberfläche der Kartoffel. Auf 
Kartoffeln, welche nach der allgemein üblichen Methode sterilisiert wurden, 
kamen, die Kulturen niemals gut zur Entwickelung, weil die Oberfläche 
nach mehreren Tagen trockener wurde, als es für die Auskeimung der 
Pilze günstig ist. Unsere Kartoffelkulturen lie&en wir stets in einer 
feuchten Elammer, alle übrigen Kulturen in offenen Körben bei 37 ^ C. 
wachsen. 

Um über die morphologischen Eigenschaften der Pilze Aufschlufs zu 
erhalten, verfuhren wir in verschiedener Weise.^ Bei den Luftsporen 
erzeugenden, aerophilen Favusarten entnahmen wir von der Oberfläche 
des Luftrasens makroskopisch kaum sichtbare Partikelchen durch mehr- 
&dies Überstreichen mittelst der Platinnadel und impften in verflüssigten 
und auf 40^ C. abgekühlten Agar, schüttelten den flüssigen Agar, legten 
1—2 Verdünnungen an und gössen in sterilisierte PETiiische Schälchen 
aus. Das Ausgiefsen nahmen wir stets unter einer Glasglocke vor, deren 
Boden mit in 17ooiger Sublimatlösung getauchtem FlieDspapier bedeckt 
war. Wir hatten niemals mit irgend welchen Verunreinigungen zu 
kämpfen. In der Platte aus dem ersten Lnpfröhrchen kamen oft viele 
Kulturen zur Entwickelung, in den Platten aus der Verdünnung I und IE 
nur wenige. Die sich entwickelnden Kulturen wurden dann täglich 
makroskopisch und mikroskopisch weiter beobachtet. Selbstverständlich 
lieisen wir auch diese Kulturen bei 37^ wachsen. 

Einen Nachteil hatten aber diese Beobachtungen in den PsTRischen 
Schälchen. Bei den täglich notwendigen Untersuchungen waren Ver- 
unreinigungen durch Keime aus der Luft nicht zu vermeiden und störten 
uns deshalb vielfach. Wir brachten deshalb das von Unna eingeführte 
Verfahren der Minimalkulturen in Anwendung, dessen wir uns jetzt 
meistenteils bedienen. 



* Unsere Kartoffeln wurden in folgender Weise präpariert: anf dem Boden des 
sterilisierten Beagierröhrchens kam 1 — iVa cm hoch steriüsierte Watte; auf die Watte 
rohe 3cm lange, 1cm breite und V* cm hohe Kartoffelscheiben; das fiöhrchen wurde 
darch Wattep&opfen verschlossen und 8 Tage lang täglich Va Stunde im KocHschen 
Dampfapparat sterilisiert. 

* Die folgenden Methoden sind von Unna in seiner Arbeit: Zur Untersuchungs- 
technik der Hyphomyceten, Centralbl. f. Bakt Bd. XII. No. 1. 1892, bereits skizziert, 
werden hier jedoch genauer mitgeteilt. 



24 

Die Impfungen in dem flüssigen Agar und die Anlegung von Ver- 
dünnungen geschah in der oben beschriebenen Weise. Alsdann schüttelten 
wir den flüssigen Agar durch mehrfaches Hin- und Herschwenken des 
Röhrchens und gössen den Inhalt eines Reagiergläschens in zwei leere 
sterilisierte Köhrchen aus, so dafs der Inhalt in allen drei Köhrchen ein 
gleicher war. Die Röhrchen wurden dann horizontal umgelegt; der Agar 
erstarrt in ganz kurzer Zeit ; dann wurden die Röhrchen mittelst des über 
der Flamme nochmals sterilisierten Wattepfropfens geschlossen. Meisten- 
teils gössen wir den flüssigen Agar mehrmals von einem Röhrchen in das 
andere, um eine gleichmäfsigere Verteilung der Sporen zu erzielen. Die 
Prozeduren des Umgiefsens müssen rasch gemacht werden, damit der 
erkaltende Agar nicht zu Klumpen erstarrt, wodurch natürlich die gleich- 
mäfsige Ausbreitung in dünner Schicht zur Unmöglichkeit wird. Ver- 
unreinigungen kamen uns eigentlich niemals vor. Unter 100 solchen an- 
gelegten Kulturen entwickelte sich vielleicht einmal eine Kolonie eines 
Schimmelpilzes. Die Röhrchen läfst man nun etwa eine Stunde lang 
horizontal liegen, weil sonst der noch nicht ganz harte Agar bei senk- 
rechter Aufstellung leicht herabsinkt. Die Röhrchen mit den Ver- 
dünnungen wurden in derselben Weise behandelt. Für das Wachstum 
der Kulturen in diesen Röhrchen ist Haupterfordemis, dafs dieselben bei 
37 ® C. in der feuchten Kammer gehalten werden. 

Bei den an Luftfrüchten ärmeren Pilzen übertrugen wir stets Steck- 
nadelkopf- und etwas gröfsere Partikelchen und legten meist nur eine 
Verdünnung an. Das übertragene Impfpartikelchen wurde auf der Innen- 
fläche des Röhrchens mit verflüssigtem Agar verrieben. Bei den früchte- 
reichen, aber luftmycellosen Pilzen (Achorion dikroon, tarsiferon und 
moniliforme) entnahmen wir aus der Pilzdecke kaum stecknadelkopfgrolse 
Partikelchen, verrieben dieselben in den Röhrchen mit dem verflüssigten 
Agar, legten zwei Verdünnungen an und schüttelten und gössen in steri- 
lisierte Reagierröhrchen um, wie oben angegeben. Bei den früchtearmen 
Pilzen (Achorion akromegalicum, cysticum und demergens) mufsten etwa 
stecknadelkopfgrolse und etwas gröfsere Partikelchen zur Verimpfong 
verwendet werden. 

Durch diese Art der Kulturen konnten wir sämtliche Pilze in ihrer 
Entwickelung von einer Spore aus beobachten und zwar konnten wir, da 
wir sehr dünne Röhrchen für diese Zwecke verwendeten, stets mit Lbitz 
Objektiv 7, Zeiss' D untersuchen; nur an einzelnen Stellen muijsten wir 
Leitz' Objektiv 5, Zeiss' B oder C anwenden. Das Fixieren der Röhrchen 
auf dem Objekttisch geschah mittelst des von Dr. von Sehlen konstruierten 
Reagierglashalters. Dadurch, dafs ein Öffnen der Röhrchen nicht nötig 
war, wurden wir niemals durch Verunreinigungen irgend welcher Art 
gestört. 



25' 

Die Auskeimung der Sporen konnte bereits am ersten oder zweiten 
Tage wahrgenommen werden. Das weitere Wachstum der Pilze bis zur 
Spornlation, resp. bis zur Fruchtbildung, war mit grofser Leichtigkeit zu 
verfolgen. Bei Achorion euthythrix und atakton begann die Luftsporen- 
bildung bereits am vierten Tage, bei den anderen war die Fruchtbildung 
vom fünften bis achten Tage vollendet. 

Wir begnügten uns aber nicht mit der «blofsen Beobachtung dieser 
Kulturen, sondern stachen auch kleine Partikelchen des Pilzes nach 4, 6, 
8, 10 Tagen aus, zerzupften das Mycel und betteten in Glyceringelatine 
ein. Femer zerlegten wir ganze Kulturen in 1 cm breite Stücke, härteten 
dieselben in absolutem Alkohol und bereiteten die gehärteten Agarstüoke 
Dach den für Gewebsstücke üblichen Methoden zum Schneiden auf dem 
Mikrotom vor. Wir fertigten 3 (a dicke Schnitte an. Die Schnitte 
wurden dann von Celloidin befreit durch Einlegen in absolutem Alkohol, 
Alkohol-Äther, absoluten Alkohol. Von Alkohol übertrugen wir die 
Schnitte auf Objektträger, liefsen dieselben antrocknen und färbten nach 
der WEiGERTschen Fibrinfärbungsmethode^. Die Pilzelemente nehmen 
einen gesättigt blau- violetten Farbenton an; der Agar wird vollständig 
entfärbt. Dies Resultat erhält man jedoch nur, wenn man die Vorsicht 
gebraucht, den Schnitt in keinem Momente der Prozedur ganz trocken 
werden zu lassen. Anstatt Gentianaviolett kann man auch andere basische 
Farbstoffe verwenden, z. B. Fuchsin, und bei diesem statt der Jodkalium- 
lösung die Fixierung des Farbstoffes auf den Pilz mit ganz verdünnter 
Lösung von Kalium bichromatum erreichen. 

Dieses etwas umständliche Präparationsverfahren hat den Hauptvorteil, 
dals man die charakteristischen Bildungen jederzeit demonstrieren kann. 
Was die detaillierte Beobachtung des Wachstums der Pilze anbetrifiFt, so 
giebt es keine leichtere und befriedigendere Methode, als die Anlegung 
von Minimalkulturen. 

Bei Blutserum- und Kartofielkulturen sind wir in der gewöhnlichen 
Weise verfahren: Ausstechen an verschiedenen Tagen, Zerzupfen und 
Untersuchung in IVoiger Kalilauge. 

Wir haben ebenfalls Kartoffelkulturen gehärtet, in Celloidin eingebettet 
und geschnitten. Die WEiOERTsche Färbungsmethode ist hier unbrauchbar 
wegen der Affinität des Jods zum Amylum, da sie eine Entfärbung der 
Kartoffel unmöglich macht. Ganz gute Färbungen des Pilzes und voll- 
ständige Entfärbung der Kartoffel erzielt man dagegen durch Anwendung 
des alkalischen Methylenblaus und Entfärbung in Alkohol. Da aber das 
Mycel bei den meisten Pilzen schnell degeneriert und dann sich schlecht 



^ Herr Colhoün, Präparator an Unnas Laboratorium, fand, dafs obige Agar- 
Bchoitte sich nach der WEioERTschen Fibrinfärbungsraethode sehr schön färben lassen ; 
es ist das wiederum ein Fortschritt gegenüber Unnas früherer Chrommethode. 



26 

färbt, weiter in den ersten Tagen nur Mycel vorhanden ist, cliarak- 
teristische Fruchtbildungen aber «fehlen (ausgenommen bei Aohorion 
moniliforme und tarsiferon), so möchten wir diese umständlichen und zeit- 
raubenden Färbungen der Kartoffelschnitte nicht empfehlen. 

IV. 

Makroskopische und mikroskopische Beschreibung 

der Kulturen. 

1. Achorion euthythrix. 
a) Makroskopisch. 

10 Vo Fleischpeptongelatine Stichkultur bei Zimmertempe- 
ratur. Nach zwei Tagen beginnt die Ausstrahlung des Mycels von dem 
Impfpartikelchen; nach acht Tagen bedeckt eine linsengroise, mit 3 mm 
hohem, üppigem, weifsem Luftrasen versehene Pilzdecke die Oberfläche der 
Gelatine; Ausstrahlung in den Nährboden beträgt 37» mm; die Unter- 
fläche des Rasens hellgelb. Nach drei Wochen ist die ganze Oberfläche 
der Grelatine bedeckt mit einem schneeweifsen üppigen Eaaen. Gelatine in der 
nächsten Umgebung des Rasens verflüssigt und hellgelb verfärbt. Nach 
sechs Wochen ist die ganze Gelatine verflüssigt und hellgelb verfärbt. 

2 — 4% Agarkulturen bei 37^ C. Nach zwei Tagen, sehr oft 
schon nach 24 Stunden, ist der Beginn des Wachstums zu konstatieren. 
Der Pilz wächst gleichmäfsig vom Impfstrich aus auf und in den Nähr- 
boden aus multiplen, dicht nebeneinanderliegenden (aus dem Vorhandensein 
der reichlich vorhandenen Sporen erklärlich), rasch konfluierenden Herden. 
Am vierten Tage hat sich bereits ein üppiges, weüses, wolliges Luftlager 
gebildet. Am sechsten Tage erreicht der Pilzrasen eine Breite von 1 cm 
und mehr und eine Höhe von 3 mm. In den nächsten Tagen kann die 
ganze Oberfläche des Nährbodens mit diesen üppigen, weifsen, hohen 
Luftrasen bedeckt sein. Ebenso rasch wie auf der Oberfläche findet auch 
das Tiefenwachstum statt. Der Pilz durchsetzt stets in strahlig verlaufen- 
dem Mycel den Nährboden, so dafs die Unterfläche diffus, wolkig erscheint. 
TJnterfläche hellgelb. 

Kartoffelkulturen bei 37^ C. Schon nach 24 Stunden hat sich 
auf "der ganzen Oberfläche der Kartoffel ein zarter, grau-weifser Belag 
gebildet. Am zweiten Tage hat sich derselbe entwickelt zu einem flachen 
Rasen. Am dritten Tage zeigt der niedrige, 1 — 2 mm den Nährboden 
überragende Rasen eine aulserordentlich reichliche Fältelung der Ober- 
fläche. Die Farbe des Rasens ist cremefarbig, hie und da wohl auch 
mit einem weifsen Anfluge, letzteres bedingt durch zartes spärliches Luft* 
mycel. Eine Entwickelung eines eigentlichen Luftmycels, wie er in so 
üppiger Weise auf Agarkulturen sich ausbildet, wurde nie beobaghtet. 
Die Ausbildung des Rasens war am vierten Tage beendet. Die reichliche 



27 

Fftltelong der Basenoberfläclie war auf sieben Kulturen stets konstant; 
einmal war der Farbenton stellenweise rostbraun. 

Blutserumkulturen bei 37® C. Nach zwei Tagen beginnt im 
ganzen Verlauf des Impfstriches das Wachstum des Pilzes. Nach vier 
Tagen hat sich eine 3 — 5 mm breite grau-weifse, luftraycellose, geleeartige, 
oniegelmä&ig geformte, den Nährboden 1 mm überragende Filzdecke ge- 
bildet. In dem Nährboden findet energisches Wachstum eines strahlig 
angeordneten Mycels statt. XJnterfläche des Pilzes hellgelb. An den 
vorderen dünneren und trockneren Pai-tien des Blutserums entwickelt sich 
ein üppiger wei&er Luftrasen. Nach sechs Tagen ist der ganze Nähr- 
boden durchsetzt von dem strahligen Tiefenmycel. Das Blutserum etwas 
verflüssigt, aber nicht verfärbt. Weitere Veränderungen sind auch an 
älteren Kulturen nicht bemerkbar. 

b. Mikroskopisch. 

In Agarkulturen keimt aus der b,4fi grofsen runden Spore ein 
Mycel aus mit 4,0 ft breiten Haupt- und dünneren, geschlängelt verlaufenden 
and sich reichlich verzweigenden Seitenästchen. Die Luftbyphen regelmäfsig 
septiert, ohne Einschnürung an Stelle der Septen; die einzelnen Hypten- 
Zellen lö — 20 fi lang. Die Hjrphen laufen in feine abgerundete, niemals 
kolbig verdickte Enden aus. Am dritten bis vierten Tage kommt es zur Bildung 
von zahlreichen Luftsporen an den Luftbyphen; dieselben entstehen als 
cylindnsche Ausstülpungen aus den Hyphenzellen ; bei weiterem Wachstum 
erhalten die Ausstülpungen eine halsartige Abschnürung, erscheinen dann 
birnenförmig; die vollkommen ausgewachsene Spore ist kugelig und hat 
einen Durchmesser von 5,4 ^. Die Luftsporen treten in ganz un- 
geheuren Mengen auf und sind an den Nebenästen in regelmäfsigen 
Abständen aufgereiht. In älteren Kulturen treten an den Hyphenzellen 
Degenerationsprozesse auf: die einzelnen Zellen quellen zu 15 — 20 und 
selbst 30 fjt grolsen, rundlichen, ovalen Grebilden, wodurch rosenkranzförmige, 
sich verzweigende Ketten entstehen. In mehrere Wochen alten Kulturen 
zeigen die gequollenen Hyphenzellen erhebliche Gröfsendifferenzen und 
zerfallen vielfach. Die Sporen bewahren stets ihre Gröfse und Form. 

In Kartoffelkulturen wird der Basen in der Hauptsache gebildet 
darch rundliche, ovale, 5,4 fi grofse, glänzende Zellen, welche losenkranz- 
ähnliche, sich verzweigende Ketten bilden. Im Verlaufe des zarten, 2 (i 
breiten Mycels sieht man teils einzelne Hyphen, teils mehrere Hyphen- 
zellen hintereinander zu ähnlichen Zellen anschwellen, so dafs uns die 
Genesis der Zellen als aufgetriebene Hyphenzellen klar wird. Ein weiterer 
Beweis für die Richtigkeit dieser Auffassung liefert uns die Untersuchung 
naeh vier Wochen: von den scharf konturierten und als Fruchtbildung 
imponierenden Zellen ist nichts mehr zu sehen, vielmehr sind die Zellen 
vielfach zerfallen und haben nur undeutliche Konturen ; auch beweisen 



28 

die Gröfsendifferenzen der Zellen, dafs die Zellen blasig degenerierte Hyphen 
darstellen. 

In Blutserurakultnren sind die Hyphen von derselben GröJae 
und Anordnung, wie in Agarkulturen. An den trookneren Stellen des 
Blutserums, an denen es zur Ausbildung eines üppigen Luftlagers kommt, 
sind ebenso reichliche Luftfrüchte von derselben Gröfse und Form vor- 
handen, wie in Agarkulturen. 

2. Achorion atakton.. 

a) Makroskopisch. 

10^0 Fleischpeptongelatine. Stichkultur bei Zimmer- 
temperatur. Die Entwickelung des Pilzes findet in gleicher Weise 
statt, wie bei Achorion euthythrix, nur bleibt auch bei diesem Nährboden die 
Bildung des Luftrasens auf ein geringeres. Mafs beschränkt. Die Ver- 
flüssigung und hellgelbe Verfärbung der Gelatine zeigt keinerlei Unterschiede 
gegen diejenige von Achorion euthythrix. 

2 — 4% Agarkulturen bei 37° C. Das Wachstum ist sehr ähnlich 
dem von Achorion euthythrix, doch weniger rascher. Der Luftrasen ist 
niemals so üppig, sondern in allen Kulturen flacher und niedriger. In manchen 
Kulturen kommt es nicht zur Entwickelung eines zusammenhängendeo 
Rasens im Verlauf des Lnpfstriches, sondern es entstehen mehrere Herde an ver- 
schiedenen Stellen des Impfstriches; an solchen isolierten Herden konnte dann 
aber häufig ein Zonenwachstum konstatiert werden. Aber der Basen blieb 
stets flach. Die Ausbreitung in den Nährboden geschieht in gleicher 
Weise, wie bei Achorion euthythrix. Unterfläche des Pilzes auch hier 
eine hellgelbe. 

Kartoffelkulturen bei 37° C. Der Rasen dieses Pilzes war in 
Bezug auf Schnelligkeit des Wachstums, Oberflächenfaltung und Parbenton 
bei mehreren Impfungen vollständig übereinstimmend mit dem von AohorioD 
euthythrix. Trotz gleichen Verhältnissen kam es einmal zur Entwickelang 
mehrerer schrotkorngrofser, halbkugelig über den Nährboden sich er- 
hebenden Rasen mit weifsem dichten, aber kurzen Mycel besietzt; einmal 
bildete sich ein 1 cm breiter und 1,5 cm langer, flacher, nicht gefalteter, 
mit dichtem weifsen Luftmycel bedeckter Rasen. 

Blutserumkulturen bei 37^ C. Auf diesem Nährboden verhält 
sich der Pilz ähnlich, wie bei Achorion euthythrix. Nur kommt es an den 
vorderen Partien des Nährbodens nicht zu einem üppigen weüsen, sondern 
nur zu einem flachen, spärlicheren weifsen Luftlager. 

b) Mikroskopisch. 
In Agarkulturen fand mikroskopisch das Wachstum und die 
Sporenbildung des Pilzes in gleicher Weise statt, wie bei Achorion 
euthvthrix. 



29 

In Kartoffel kultureu deckte sich der Befund des Basens in allen 
Teilen mit dem des Achorion euthythrix. 

In Blutsemmkulturen findet sich Hyphenverlauf und Verzweigung, 
ebenso die Luftfruchtbildung genau in derselben Weise, wie in Agar- 
kolturen. 

3. Achorion radians. 
a) Makroskopisch. 

lOVo Fleischpeptongelatine. Stichkultur bei Zimmer- 
temperatur. Nach zwei Tagen beginnt die Randausstrahlung des 
Mycels. Nach acht Tagen haben die Herde etwa Erbsengröfse erreicht. 
Dieselben sind schneeweifs und bilden^ einen IV2 mm hohen Luftrasen. 
Von der Unterfiäche hat sich das sehr dichte Mycel 4 mm tief in den 
Nfthrboden hinein entwickelt. Die Umgebung des Basens ist verflüssigt, so 
dab derselbe auf der Gelatine schwimmt. Nach drei Wochen hat der 
Pilzrasen nur etwas an Gröfse zugenommen. Die Gelatine ist bereits 
1 cm hoch verflüssigt. Nach sechs Wochen ist fast die ganze Gelatine 
verflüssigt. Die Gelatine ist hell chromgelb verfärbt. 

2 — 4Ve Agarkulturen bei 37® C. Schon am zweiten Tage ent- 
stehen im Verlaufe des Impfstriches wei&e, halbkugelig über den Nährboden 
erhabene Kolonien. Von der Peripherie dieser Herde strahlt radiär an- 
geordnet ein farbloses Mycel auf die Oberfläche des Nährbodens aus. 
Diese radiäre Ausbreitung beträgt täglich 2 — 3 mm, so dals die Aus- 
strahlung bereits, am fünften bis sechsten Tage die Wände des Böhrchens 
erreicht. Das centrale, mit schneeweiisem, kurzem, aber dichtem Luftmycel 
bedeckte Polster vergröfsert sich allmählich, bis d^selbe am achten Tage 
etwa Erbsengröfse erreicht. Die Ausbreitung des niedrigen, weifsen Luft- 
mycels findet um das centrale Polster zonenweise statt, d. h., um das 
centrale Polster bildet sich ein 2 — 3 mm breiter Bing mit dichtem weifsen 
Luftmycel; auf diese erste Zone folgt eine zweite von derselben Breite, 
aber mit weifsem, aber weniger dichtem Mycel, auf die zweite eine dritte 
Zone aus farblosem Mycel bestehend. Vom zweiten Tage an findet eine 
nsehe Ausbreitung des Pilzes in den Nährboden hinein statt, und zwax 
ist am fünften Tage der ganze Nährboden mit einem geradlinig aus- 
strahlenden Mycel durchsetzt. Unterfläche gelb. Niemals wurde ein 
moosartiger Charakter beobachtet. Die beschriebenen Wachstumsverhält- 
nisse sind stets konstant geblieben und wechselten niemals bei den sehr 
zahlreich angelegten Kulturen. 

Karte ff elkulturen bei 37^ C. Nach ein bis zwei Tagen beginnt 
fast auf der ganzen Oberfläche der Kartoffel die Entwickelung des Pilzes 
sichtbar zu werden. Am dritten Tage haben sich meist pfefferkorngrofse 
Herde ausgebildet, welche^ zum Teil miteinander zusammengeflossen 
einen fast regelmäfsig gekörnten Basen bilden. Der Basen überragt 



30 

2 — 3 mm den Nährboden. Die Oberfläche besetzt in den meisten FäUeo 
mit einem grobfaserigen Mycel. Der Parbenton ist ein grünlich-weifeer. 
Wegen dieser groben Fasemng des Luftmycels hat die Oberfläche des 
Rasens groise Ähnlichkeit mit einem grobfaserigen Flanell. Zweimal 
unter sieben Versuchen war die Atisbildung des grobfaserigen Luftmycels 
keine so ausgesprochene; der Rasen selbst behielt aber dann den grüD- 
lichen Farbenton bei. Die die Pilzdecke bildenden Herde sind nicht 
immer pfefiPerkomgrofs, zuweilen sind sämtliche Herde kleiner, bisweilen 
variieren die einzelnen Herde auch an Gröfse (Stecknadelkopf- bis etwa 
Pfefferkomgröfse). In älteren Kulturen nimmt der Rasen einen schmutzig* 
gelben Farbenton an. 

Blutserumkulturen bei 37^ C. Längs des Impfstriches ist am 
zweiten Tage die Pilzentwickelung zu beobachten. Nach vier Tagen hat 
sich im Verlauf des Impfstriches eine 2 — 3mm breite, geleeartige, den 
Nährboden überragende, unregelmäßig geformte, luftmycellose Masse ge- 
bildet, ton dessen Peripherie eine radiär angeordnete Randzone, ans farb- 
losem Mycel bestehend, ausgeht, welches fast die Wände des Reagenz- 
glases erreicht. In dem Nährboden hat der Pilz sich diffus verbreitet so 
dafs die Kultur, von der Unterfläche gesehen, ein wolkiges Aussehen 
gewinnt. Nach acht Tagen hat sich der Oberflächenrasen verbreitert; 
die radiären Ausläufer auf der Oberfläche haben allseitig die Wandungen 
des Impfröhrchens erreicht. Der ganze Nährboden durchsetzt mit dem 
difius, strahlig angeordneten Mycel. Blutserum etwas verflüssigt. Nach 
mehreren Wochen läfst sich derselbe Befund konstatieren. Die Ver- 
flüssigung der Gelatine ist keine erhebliche. 

b) Mikroskopisch. 

In Agarkulturen schwillt die 10,8^ groJise, meist ovale, homogene 
Spore zu einem unregelmäTsigen Gebilde an, aus welchem meist mehrere 
3 — 3,6 fi breite Mycelschläuche auskeimen. Vom zweiten Tage an breitet 
sich das Mycel meistens radienförmig vom Centrum ads. Die Hauptftste 
spitz endigend ; reichlich gehen von denselben in spitzem Winkel, eben&lls 
geradlinig verlaufend und spitz endigend, Seitenäste ab. Am vierten Tage 
treten an meist sehr dünnen Seitenästchen seitliche Ausstülpungen aus dem 
Mycel heraus; diese vergröfsem sich allmählich zu 10,8 /t» grolsen, meist 
ovalen, aber auch rundlichen Sporen, welche oft direkt mit ihrem Spitzenpol 
dem Mycel anhaften, oder mit demselben durch einen dünnen Stiel ver- 
bunden sind. Diese Luftsporenbildung ist auf Agamährböden eine spär- 
liche, auf Blutserumkulturen dagegen eine sehr reichliche. Etwa vom 
fünften oder sechsten Tage ab schwellen im Verlaufe des Mycels einige 
Hyphenzellen zu kleineren bis 5,4 jii und etwas gröiseren Blasen an mit 
doppelt konturierter Wand und fein granuliertem, farblosem Inhalt. Die groisd 
Verschiedenheit der Bildungen sprechen für Degenerationseischeinungen. 



31 

Die Kultaren ans den Sporen charakterisieren sich makroskopisch 
1. dadurch, dafs das Mycel meistenteils exquisitiv gerade radiär angeordnet 
ausstrahlt» 2. durch ihre Gröfse, indem dieselben in acht Tagen einen 
Durchmesser von 8—10 ^ erreichen. 

Der Rasen der Kartoffelkulturen besteht aus zartem, mehrfach sich 
yerSstelndem Mycel, deren Hyphenzellen teils einzeln, teils zu mehreren 
hintereinander kugelig aufgetrieben sind. Neben dem Mycel finden sich aber 
in sehr greiser Zahl kugelige, ovale, birnenförmige, 8 bis 14 grofse Zellen ; 
dieselben sind homogen, durchsichtig, zum Teil aber auch feinkörnig oder 
doppelt konturiert. Diese Zellen bilden lange, mehrfach sich verzweigende 
Ketten, so dals dieselben den Eindruck erwecken, als ob wir es mit rosen- 
banzförmig aneinandergereihten Früchten zu thun haben. Dies ist aber 
durchaus nicht der Fall, wir müssen dieselben vielmehr auffassen als auf- 
getriebene Hyphenzellen, denn nach einem Monat sind die Bildungen 
zerfallen, die Konturen der Zellen nur noch sehr undeutlich, die einzelnen 
Zellen bieten Grölsenunterschiede dar, wie wir dies nur kennen bei 
blasigen Myceldegeneratiomen und nicht bei den dauerhafteren, fast gleich 
^olsen Sporen. 

In Blutserumkulturen kann man, wenn man Präparate aus der 
Mitte des Nährbodens herstellt, nur Mycel nachweisen. An Minimal- 
kulturen sieht man die Sporen zu 10,8 fi bis 13,5 ih kugeligen oder un- 
regehnftisigen Gebilden anschwellen, aus denen meist mehrere 4 bis 5,4 ^ 
breite Mycelschläuche auskeimen. Die Hyphen schon kurz nach der 
Yerzweigong deutlich septiert. Nach mehrfachen Verästelungen sieht 
man in regelmäisigen Abständen aus Haupt- und Nebenästen knopfartige 
Ausstülpungen aus der Wandung der Hyphenzellen auftreten, welche, sich 
veigrölsernd, zu einer 10,8 ^a grofsen ovalen, einfach konturirten, mit einem 
kurzen sehr dünnen Stiel der Hjrphenzelle anhaftenden Spore entwickeln. 
Die Bildung dieser Luftsporen treten an Haupt- und Nebenästen in sehr 
greiser Zahl auf. Vom sechsten oder achten Tage an treten kugelige 
Schwellungen der Hyphenzellen auf, teils einfach, teils mehrere hinter- 
einander, oft zu zwanzig und mehr, wodurch die Bildungen an rosenkranz- 
fännige Früchte erinnern. Eine auftnerksame weitere Beobachtung lälst 
aber erkennen, dais wir es nur mit Degenerationen der Hyphenzellen zu 
tbon haben. Die Minimalkulturen haben ebenfalls sehr ausgesprochen 
eine radiäre Ausbreitung, wie wir dies des näheren bei den Agarkulturen 

beschrieben haben. 

(Schlafs folgt.) 



32 



Derfammlutigeti. 



Societe Frangaise de Dermatologie et de Syphiligraphie. 

Sitzung vom 8. Dezember 1892. 
(Originalbericht von Louis Wickham- Paris.) 

Eenault stellt eine Kranke mit Ulcus dumm der rechten Halsseite vor; 
es ist an dieser ungewohnten Stelle durch einen Kufs hervorgerufen, der die Haut 
etwas verletzte. Das Interessanteste bei diesem Fall ist aber, dafs die dazugehörige 
entzündete Drüse sich nicht in der Unterkiefergegend, sondern seitlich am Halse, 
genau unterhalb des Schankers befand/ so dafs letzterer um die ganze Dicke der 
Drüse über die Umgebung hervorragte. 

QuiNQUAUB stellte einen Fall von Lupus sclerosus serpiginosus vor, der die 
ganze rechte Hinterbacke, den rechten Oberschenkel und einen Teil der linken 
Hinterbacke bedeckte. Diese gewaltige Plaque war in der Mitte durchweg vernarbt, 
während an der Peripherie eine Reihe tiefgreifender Geschwüre safs. Es handelte 
sich dabei um diejenige Varietät von Lupus, zu der sich an Bein und Fufs sehr 
häufig Elephantiasis hinzugesellt. 

QüiNQUAUD und KicoLLE haben in einer beträchtlichen Anzahl von Syphilis- 
fällexi die Milz untersucht und dabei gefunden, dafs dieses Organ während dea 
sekundären Stadiums immer etwas geschwollen ist. Diese Hypertrophie ist dagegen 
im tertiären Stadium nicht mehr nachweisbar. 

Es folgt darauf eine Vorstellung zweier sehr schöner Fälle von Mycosii 
fongoides durch Hallopeau. 

Hal]>opeau und Phülpin: Über einen Fall von Mycosis fungoides mit massiver 
Gangrän und Blofslegung von Knochen. Die Verfasser haben eine Statistik sämtlicher 
Fälle von Mycosis fungoides aufgestellt, die in den letzten 38 Jahren in Saint -Louis 
zur Behandlung kamen. Es scheint, als ob ihre Zahl in den letzten Jahren nicht 
unwesentlich, zugenommen habe, l^ine neue Beobachtung veranlafst sie, folgende 
Sätze aufzustellen: 

1. Die Ulzerationen der mykotischen Neubildungen können infolge von Massen- 
gangrän ihres Gewebes zu stände kommen. 

2. Sie können, wie das Gillet, Vidal und Bbocq beobachtet haben, das Skelett 
blbfslegen. 

<5. Sie können sich durch Weitergehen des sie umgebenden Wulstes und durch 
gleichzeitige brandige Zerstörung seines innern Teiles weiter ausdehnen. 

4. Die entzündete Fläche rings um diese Neubildungen kann aus einem tief 
dunkelroten Gürtel von mehreren Centimetem Breite bestehen; die Haut ist in diesem 
ganzen Umfange verdickt und ödematös. 

5. Die Diagnose wird hauptsächlich durch die Anwesenheit anderer, noch nicht 
zerfallener mykotischer Neubildungen ermöglicht, die sich ihr charakteristisches 
pathognomonisches Aussehen bewahrt haben, 

6. Auch die Beschaffenheit des Wulstes, der die Geschwüre umgiebt, seine An- 
ordnung zu einem geschlossenen Kreis oder zu Ereisfragmenten, die vollkommene 
Begelmäfsigkeit seines äufseren und inneren Randes, sowie sein excentrisches Wachsen 
mit gleichzeitigem Brandigwerden seines inneren Teiles — dies alles ist gleichfalls 
für die mykotischen Neubildungen bezeichnend. 



33 

7. Das Fehlen von Pruritus und Drüsenschwellung erleichtert eine Trennung 
der Ton vornherein mykotischen Formen von den erythematösen und Mischformen. 

8. Die Obliteration der Gefäfse durch Proliferation des Endothels und durch 
Thrombose erklärt den tiefgreifenden und ausgedehnten brandigen Zerfall, der diesen 
Formen zukommt. 

Hallopsaü und Jeanselme: Über einen Fall von Mycosis fimgoides mit Sitz 
am Gaumen und weitausgedehnter Sklerosierung der Haut. Es handelte sich um 
einen ausgesprochenen Fall von Mycosis d'Alibert, der sich durch seine Ausdehnung, 
die blaurote Verfärbung und das Zusammenfliefsen der mykotischen Tumoren aus- 
zeichnete. Eine dieser Geschwülste von der Grofse einer Haselnufs safs auf der 
Mandel. Eine derartige Lokalisation ist bis jetzt noch nicht veröffentlicht, wenn man 
nicht einen Fall von Sarkomatose hierhernimmt, den einer der beiden Autoren ohne 
genügenden Beweis für Mykosis erklärt hat. — Aufserdem ist noch fast die ganze 
Haut skleroüsch verhärtet, und an dieser Verhärtung beteiligt sich auch das Unter- 
haatzellgewebe, so dals es sich nicht nur um eine einfache Verdickung wie bei den 
erythematösen Formen handelt. Ein Geschwür am Rücken ist von dem charakte- 
ristiflchen Wulst umgeben. — Die mikroskopische Untersuchung eines kleinen Geeichts- 
tomors ergab : 

Das Vorhandensein eines Reticulum in der Cutis, dessen Maschen mit Zellen 
angefüllt waren, die entweder rund oder durch gegenseitigen Druck polygonal 
erschienen. Durch eine beträchtliche Erweiterung der kleinen Geföfse erklärt sich die 
blaurote Verfärbung der Neubildungen, und indem zahlreiche andere Gefafschen durch 
Endothelwacherung obturiert werden, kommen der geschwürige und brandige Zerfall 
za stände, den man stellenweise an einzelnen Geschwülsten beobachtet. 

Die Sitzung schlofs mit der folgenden epochemachenden Mitteilung: 

Zambaco-Pacha : Über die Lepra in der Bretagne. Als Zambago zuerst von 
der Krankheit Panaris analgetica oder Maladie de Morvan las, kam ihm der 
Gedanke, ob es sich dabei nicht um Lepra handeln könne, da er in Eonstantinopel 
Fälle von Lepra beobachtet hatte, die vollkommen der MoavANschen Krankheit glichen. 
Aber auch die Syringomyelie erschien ihm wie eine Zwillingsschwester der Lepra, 
denn in einer Reihe von Leprafallen hatte er das hervorragendste Symptom der 
Syringomyelie, die dissoziierte Sensibilität, beobachtet Er teilte seine Ge- 
danken Herrn Prof. Patres in Bordeaux mit, und wirklich ermittelte dieser auf 
bakteriologrischem Wege Lepra in einem Falle, den er für Syringomyelie gehalten hatte. 

Darauf hat nun Zambago, um über die Natur der MoavAKschen Krankheit ins 
Beine zu kommen, eine eingehende und ausgedehnte Forschung in der ganzen Bretagne 
angestellt Die Ergebnisse dieser Untersuchung teilte er in der letzten Sitzung mit 
and erläuterte sie gleichzeitig durch zahlreiche Photographien von Patienten aus der 
Bretagne. Er kommt dabei zu folgenden Schlüssen: 

1. Die Lepra ist sicher und ziemlich verbreitet in der Bretagne vorhanden. 

2. Sie tritt in allen ihren Formen auf. Zambago hat wirkliche Lepra tuberculosa, 
Lepra ulcerosa et mutilans, Lepra msu;ulosa und Lepra anaesthetica gesehen; ferner 
unzweifelhafte Fälle von Lepra, in denen, wie bei der Syringomyelie, die Sensibilität 
dissoziert war. 

3. Die Formen, die MoavANsche Krankheit oder Panaris analgetica genannt 
werden, sind Leprafälle. 

Zum Schlufs bemerkt Zambago, dafs ganz sicher manche bizarre Formen, deren 
Diagnose bislang noch nicht möglich war, nichts anderes als Varietäten der Lepra 
nnd. Er rechnet hierher manche, angeblich auf Ernährungsstörungen beruhende 

Monatshefte XVI. 3 



34 

ülzerationen, einzelne Formen von Sklerodermie — er kennt Fälle von Lepra, die 
vollkommen das Bild von Sklerodermie darbieten — von Syringomyelie u. s. w, 

Damaoh scheint also die Lepra einen viel gröisem Umfang za haben, als man 
bis jetzt annahm, und bislang wenig gekannte anormale Formen nnd Varietäten zu 
enthalten. 

Besnier zollt der ZAMBACOschen Arbeit seine vollste Anerkennung, spricht aber 
gleichzeitig sein Bedauern aus, dafs Z. auch nicht in einem einzigen seiner bretonisohen 
Fälle den HANSENschen Bacillus gefunden habe. Ein einziger derartiger Befund würde 
genügen. Der Nachweis des HAKSENschen Bacillus sei aber unerläßlich. 

(Übersetzt von Dr. J. TÜRKHEIM-Hambarg.) 



Die Suggestionstherapie bei krankhaften Erscheinungen des Ctoschlechts- 
sinnes mit besonderer Berücksichtigung der konträren Sezualempflndung, tod 

Dr. A. Freiherm von Sghbenck-Notzing. Stuttgart, Ferdinand Bnke. Die Erfolge der 
Suggestion bei sexueller Hyperästhesie, Anästhesie (Impotenz), Parästhesie werden 
unter Gitierung zahlreicher Krankheitsgeschichten genau mitgeteilt und sehr gepriesen. 
Denjenigen, die diesem Thema Interesse entgegenbringen, kann die Lektüre des um- 
fangreichen Buches nur empfohlen werden. Jessner-Königsberg i. Fr. 

Pathologie und Therapie der Hautkrankheiten, von M. Kaposi. 4. Aufl., 
erste Hälfte. Wien und Leipzig 1893. (ürban und Schwarzenberg.) Von dem 
KAFOSischen Lehrbuche ist nunmehr die IV. Auflage der im Jahre 1887 erschienenen 
dritten gefolgt, und zwar ist bis jetzt die erste Hälfte herausgekommen, während die 
zweite noch im Laufe des Jahres folgen dürfte. 

Auch diese Auflage ist in mannig&cher Weise vermehrt und umgearbeitet, 
wenn sich auch im grofsen und ganzen, was Einteilung etc. anbelangt, das Werk 
nicht wesentlich verändert hat. 

Entsprechend der gerade in den letzten Jahren bedeutend angewachsenen 
Litteratur unseres Spezialgebietes, finden wir eine ausgiebige Berücksichtigung aller 
neueren Arbeiten, nicht minder geschieht in hervorragendem Mafse der* in neuerer 
und neuester Zeit eingeführten und empfohlenen Medikamente Erwähnung. Dals 
infolgedessen manches Kapitel gänzlich verändert erscheint, ist wohl kein Wunder; 
so z. B. hat das vom Molluscum contagiosum nach den neueren Arbeiten eine gans 
andere Bearbeitung erfahren. 

In jedem Falle wird diese neue Auflage des bewährten Lehrbuches von jedem 
freudig begrüfst und gern gelesen werden. 

Die untadelhafte Ausstattung, was Papier, Druck, und Abbildungen, die auch 
um einige vermehrt sind, zu erwähnen, erscheint fast überflüssig, doch möge dies 
noch lobend hervorgehoben werden. JP. Hahn-Bremen, 



35 



Jltitetlntt0en aus ber fitteratur. 

Pharmakologisches. 

Die essigsanre Thonerde und deren Verordnung, von Theodor Münsberger. 
[Prag, med, Wochenschr. 1892. No. 33.) Verfasser hebt mit Rücksicht auf die öster- 
reichische Pharmokopoe hervor, dafs 12,5 des offizinellen Lq. alum. acet. entsprechen 
1,0 trockener essigsanrer Thonerde und dafs man bei der Verschreibang also, um den 
Prozentgehalt genau zu normieren, stets daran denken mufs, dafs eine 1 Voige Lösung 
von essigsaurer Thonerde gleicht ist 

Lq, alum, €icet, 12,5 

Aq, destillat 87,5. 

Jessner-Königsberg i. Fr, 

Über die Ungiftigkeit der Dermatols, von E. Glaeser. (Berl, Uin. Wochenschr. 
1892. No. 41.) Den von Weismüller publizierten Fall von einer angeblichen Vergiftung 
mit Dermatol kann man sich nur daher erklären, dafs das Dermatol, wahrscheinlich 
mit Arsen, verunreinigt war. Bei dem ausgedehnten Gebrauche des Mittels in 
Breslau seit nunmehr 1V< Jahren war einmal Icterus, ein zweites Mal Diarrhoe be* 
otMchtet. Beide Affektionen aber gingen — trotz fortgesetzter Dermatolbehandlmig 
— nach wenigen Tagen vorüber. Vor kurzem erfolgte ein tödlicher Ausgang eines 
Falles von ausgedehnter Verbrennung (Abth. des Herrn Dr. Bibonbr daselbst), bei 
dem der Verdacht auf Dermatolvergiftung bestand. Verfasser hat nun Stfieke von 
Dann, Nieren, Leber und Milz untersucht, aber nirgends hat er Schwarzfärbuiig der 
Epithelien oder eine Schwärzung der Lyroph- und Blutgefafse in der Darmschleimhaut 
Dtchweisen können. L, Hoffmann-Berlin, 

Die Elrankenheiler-Seifen; ein Beitrag zur Kenntnis der medilLamentösen 
Seifen, von Dr. Pasgbkis. (Fharmac. Post 1892. No. 20. Deutsche Medizin, Ztg. 1892. 
No. 71). Die Erankenheiler-Seifen werden in drei Nummern abgegeben, als Jodsodaseife 
No. 1 und No. 2 und als verstärkte Quellsalzseife No. 3. Keine der drei Seifen enthält 
Jod; sie sind nur etwas parfümierte, wenig alkalische Eokosnufsölsodaseifen. Eine 
Seife mit 0,1% freiem, kohlensaurem Alkali erfüllt denselben Zweck, ist aber billiger. 

Jessner-Rönigsberg i, Pr, 

Das wirksame Prinaip der Nessel haben Oddi und Lomoitaw untersucht 
mittelst eines wässerigen Extraktes der gemeinen Nessel. Bei Fröschen fanden sie 
Paralyse centralen Ursprungs, Verlangsamung der Herzthätigkeit mit schliefslichem 
Stillstand in Diastole. Bei künstlicher Cirkulation durch die Gefafse isolierter Organe er- 
zeugt es eine mächtige, vasokonstriktorische Wirkung, die noch stärker wird, wenn vorher 
Antipyrin durch das Organ cirkulierte. Ein aus der Pflanze isolierter krystallisierter 
Körper tötet Frösche in der Dosis von 0,01. (La Biforma rnedica, 12. April 1892. 
Deutsche Meäizin.-Ztg, 1892, No. 63.) Jessner-Königsberg »'. Pr. 

Pharmakologisclie Untersnchnngen ttber Saloplien, ein neues SaUcyls&nre- 

derivat, von Dr. W. Siebel. {Therapeut. Monatshefte 1892, No. 1.) Salophen ist Salicyl- 

säureacetylparamidophenoläther und soll besonders das Salol ersetzen. Die Formel 

lautet: 

OH 

3* 



36 

Der Gehalt an Salicylsäure beträgt 50,9 °/o; es stellt kleinste weifse, krysiallinische 
Blättchen dar und ist in Wasser fast ganz unlöslich, löst sich leicht in Alkali, Al- 
kohol, Äther, ist geruch* und geschmacklos. Der Pankreassaft besorgt die Spaltung 
im Organismus. — Die Giftigkeit des Salophens ist erheblich geringer als diejenige 
des Salols; die Giftwirkung wird durch die abgespaltene Salicylsäure, nicht durch den 
Acetylparamidophenolrest herbeigeführt. — Die Prüfung durch Güttmann ergab keine 
unangenehme Nebenwirkung. Jessner-Königsberg i. Pr. 

Die QüeckBÜbenrerdampfimg ans Quecksilbersalben, von Prof. Eckksl. 
{Münch. med. Wochenschr. 1892. 2.) Erwärmte Luft wurde durch einen ganz niedrigen 
geschlossenen Kasten geleitet, dessen Boden mit grauer Salbe bedeckt war; das 
Qaecksilber wurde durch konzentrierte Salpetersäure absorbiert, welche von Glaswolle 
in langen Absorptionsröhren aufgezogen war. In 1 ccm Luft wurden 10 — 18 mg 
Quecksilber gefunden ; es ist also eine gewisse Verdunstung nachweisbar und die Auf- 
nahme von Qaecksilber durch die Atmung bei der Inunktionskur nicht bedeutungslos. 

Jessner-Königsberg i. Pr. 

Wasserstoifsnperozyd als therapeutisches und diagnostisches Mittel 
von Stüter. (TherapeuHc gazette 92, No. 3. Deutseihe Medizinal.-Ztg. 1892, No. 63). 
Verfasser kommt zu folgenden Schlüssen: 

1. Eine genügend starke Lösung von Wasserstoffsupei'oyyd ist ein sicheres, 
antibakterielles Mittel. 

2. Durch Oxydation zersetzt es schnell Eiter, diphtheritische Mem- 
branen etc. 

3. Es desodoriert hochgradig, reinigt, ohne zu reizen. 

4. Durch seine Fähigkeit, in eine Gegend mit Verdacht auf Eiter injiziert, 
bei Gegenwart von Eiter eine sofortige Anschwellung zu bewirken, 
besitzt es diagnotischen Wert. 

Jess^ier-Königsberg L Pr. 
Eine neue Administrationsmethode für Jodkalium, von D. BbtsonDelavan. 
CMedic. Bicord 40. 91. 22. Deutsche Mediz.-Ztg. 1892, No. 19.) Peptonisierte Milch 
deckt in dem Verhältnis 0,5 : 120 den Geschmack von Jodkalium und verhindert die 
Jodintoxikation. Sherry kann als Stimulans zugesetzt werden. Man nimmt 5 Tropfen 
einer gesättigten Jodkaliumlösung (=0,3 Jodkalium), 15 Tropfen Pepsinessenz, einen 
Theelöffel Sherry, 60,0 warme Milch, mischt alles und stellt es kalt. Die Milch darf 
nicht zu heifs Sein, sonst verliert das Pepsin seine Kraft. Nach bald eintretender 
Gerinnung ist die Mischung für den Gebrauch fertig. Man kann es auch folgender- 
mafsen verschreiben: 

Solutio saturata Kalii jodati 96,0. 
Pepsinessenz 30,0. 

Vinum Xerense 120,0. 

MDS. 1 Theelöffel auf 4 Efslöffel Milch ; nach Vorschrift. 

Jessner-Kimigsberg i. I*r. 

Toiletten- und medizinische Seifen, von J. V. Shoemaker. {Med. Buü., 
Vol. XIV., No. 5. Mai 1892.) Verfasser giebt eine ziemlich umfassende Liste von 
medizinischen Seifen und deren Indikationen und bespricht auch die gewöhnlichen 
Waschseifen, und namentlich einige Verfälschungen, welche häufiger bei denselben 
vorkommen. Philippi-NieJteim. 

Ober pulverförmige medizinische Seifen und einige neue medizinische 
Stttckseifen, von P. J. Eichhoff. {Therap. Monatsh. 1892. No. 10.; Aufser den über- 
fetteten Seifen, welche Verfasser bei der Behandlung der Hautkrankheiten von den 



37 

Seifen für die besten hält, hat er noch folgende neutrale und alkalische herstellen 
lassen: 

1. neutrale und alkalische Chininseife, 2. neutrale und alkalische Kreolinseife, 
3. neutrale Mentholseife, 4. neutrale und alkalische Schwefel-Eamphor-Perubalsamseife, 
5. neutrale und alkalische Ichthyol-Teerseife, 6. neutrale Menthol- und Eukalyptol- 
seife, 7. neutrale Benzoe seife, 8. neutrale und alkalische Fichtennadelex traktseife, 9. 
neutrale und alkalische Thiolseifen. Der Procentgehalt ist derselbe, wie bei den ent' 
sprechenden überfetteten Seifen. Die Herstellung der neutralen Sorten ist die, dafs 
die indizierten Medikamente der neutralen, nicht • überfetteten Grundseife zugesetzt 
werden, die der alkalischen die, dals dieser neutralen Grundseife zunächst durch 
Zasatz von 5% einer Mischung von Kalium carbonicum und Natr. carbon. zu gleichen 
Teilen alkalische Beschaffenheit gegeben und dann erst das Medikament zugesetzt 
wird. Weitere neuere medizinische Stückseifen sind 1. eine Lysolbimmsteinseife (Lysol 
\0% Bimmsiein 30/1^, Seife 60%) als Desinfektionsseife für Ärzte; 2. eine einfache 
Lysolseife (Lysol 10%, Seife 90%) in überfetteter, neutraler und alkalischer Form, 
auch als desinfizierend, ferner gegen Pruritus universalis und localis und gegen alle 
parasitären Affektionen der Haut; 3. Kantharidinseife (Kantharidin 0,2%, Seife 99,8%); 
in neutraler und überfetteter Form, als Haarseife, wenn die Haarwurzeln noch nicht 
zerstört sind, und bei Alopecie; 4. Teerseife (Pix liqnida 10%, Seife 90%) in neu- 
traler, überfetteter und alkalischer Form; 5. überfettete Quecksilberseife (Hydrarg. 
5%, Lanolin &%, Grundseife 90%), zu antisyphilitischen Kuren, indem das Hg. 
besser resorbiert wird, femer zum Zerteilen von Entzündungen, besonders Lymph- 
angitiden oder zum Resorbieren von Exsudaten, aufserdem zur Vertreibung der 
Filzläuse, der Kopfläuse und anderer Parasiten; 6. Rotterinseife (Retterin 5%, Grundseife 
%%) in neutraler und überfetteter Grundform als Desinfektionsseife und bei ver- 
schiedenen parasitären Hautleiden. Femer hat er eine hygienische Toilettenseife und 
eine hygienische Rasierseife darstellen lassen, zu denen nur reizlose Medikamente 
zufiresetzt werden. Was nun die pul verförmigen Seifen anbetrifft, so hat sie Verfasser 
deshalb darstellen lassen, weil 1. jedes trockene Medikament darin absolut haltbar 
ist und sich nicht zersetzt, 2. weniger davon verbraucht wird, 3. die Dosierung eine 
genaue sein kann und 4. die Sauberkeit und leichtere Transportfähigkeit eine viel 
gröfsere ist, als bei den Stüokseifen. Sie sind das Ideal der medizinischen Seifen 
und stellen sich vermöge ihrer absoluten Trockenheit im Gebrauch viel billiger. Die 
Herstellung ist folgende: Es wird zunächst aus reinem Rindstalg und Natronlauge eine 
nptrale Seife durch Sieden bereitet, diese dann getrocknet und absolut wasserfrei 
gemacht und zu Pulver verrieben und gesiebt. Dieses neutrale Seifenpulver, das von 
blendend weifser Farbe ist, ist sehr hygroskopisch, mufs daher verschlossen aufbewahrt 
werden und bildet die Ghrundlage für alle Sorten von Pulverseifen. Die überfettete 
Gmndpulverseife wird dargestellt, indem der neutralen festen Seife ein Gemisch von 
2% Ölsäure und 3% Lanolin zugesetzt und dann innig gemischt wird. Das Ganze 
lasse man dann als Pulver trocknen und verreiben. Die alkalische Grundpulverseife 
wird verfertigt, indem der neutralen eine Mischung von 2,5% Kalium carbonum und 2,5% 
Natr. carbon. zu 5% innig beigemischt wird. Die Benutzung der Pulverseifen 
geschieht so, dafs man das mit einem Mafs abgemessene Pulver in die Hand nimmt 
und dann anfeuchtet, oder man schüttet es auf die angefeuchtete Hand. Man kann 
Waschhandschuhe oder Waschlappen benutzen oder man kann sie auch mit einem 
Pinsel zum Schäumen bringen und so auf jede Stelle des Körpers applizieren. 

L. Hoffmann- BerUn. 



38 

Chronische Infektionskrankheiten. 

a) Lepra. 

Über die Erkrankung peripherer Nerven bei Lepra anaesthetica, von Prof. 
C. Dehio. {St. Petersb. Woch, 1890, No. 48. Beutsclie Medizin.Ztg. 1892, No. 19). Dehio 
stellt ebenso wie jüngst Gerlach fest, dafs die Hautveränderungeu bei der Lepra 
anaesthetica nicht als trophische Veränderungen aufzufassen sind, sondern durch primäre 
pathologische Veränderungen in der Haut selbst. Von dieser aus verbreitet sieh die 
lepröse Degeneration längs dem Nerven nach aufwärts; es ist also die Neuritis zuerst 
eine ascendierende, eine sekundäre, ausgehend von den Hautnerven. Nur die ver- 
schiedenen Zweige sind durch absteigende Degeneration atrophisch gew^orden. 

Jessner-Königsherg i. Fr, 

Leprose im Mittelalter. Die Leprakranken waren im Mittelalter gezwungen, 
eine besondere Gewandung zu tragen. Dieselbe bestand aus einer Tunica oder 
Mantel, von den Franzosen „housse'' oder „esclavin" genannt; dieser war grau oder 
schwarz. Ein bisweilen scharlachroter Hut oder eine Haube kam noch hinzu. Sie 
durften tragen einen Quersack, einen Brotkorb und die Klapper (crecelle), durch die 
sie ihre Annäherung ankündigten. Nach Beschlufs eines Konzils im Jahre 1330 
muTsten die Leprösen ein Abzeichen tragen, das in der genannten Klapper und einem 
weifsen, um den Hals geschlagenen Tuche bestand. Die Brüder eines Asyls für Le- 
pröse mufsten nach einer Verordnung von 1529 auf der linken Brustseite ein L von 
rotem Tuche tragen, da sie wegen der häufigen Berührung mit den Kranken eine 
Übertragung vermitteln konnten. — Die Beschränkung in Bezug auf Kleidung hatten 
die Leprösen mit den Juden gemeinsam. Solamen est miseris etc. (The Lancet^ 
Deutseihe Medizinal- Ztg, 1892, No. 19). Jessner- Königsberg i. Pr. 

Lepra und Impfungen. Hcxri Foürmer teilt im Joum, d. mal cut et syph, 
1892, S. 353, auszüglich einen Brief von Dr. Süzor aus Port -Louis mit, der einige 
interessante Beobachtungen über Lepra enthält. So war bei einem Indier, der seit 
10 Jahren an der anästhetischen Form der Lepra litt, die Krankheit nach einer 
Variola zum Stillstand gekommen, und die Besserung hält nun bereits vier Jahre an. 
Andere Lepröse haben freilich die Variola ohne nennenswerte Einwirkung auf ihr 
Grundleiden durchgemacht. Ein Dr. Poupinel auf der Insel Saint Maurice hat durch 
Impfungen mit KocHsrher Lymphe (0,003, zweimal wöchentlich, drei Monate lang:) 
bei zwei Leprösen, die an der tuberkulösen Form litten, wesentliche Besserung erzielt 
Diese Versuche sollen noch fortgesetzt werden. Türkh^'m-Hamburg. 

Aus dem Journal of the Leprosy Investigation Commiitee No. 4. 

Herausgegeben von P. v. Abraham. 

Eine Untersuchung über die Frage von der Übertragbarkeit der Lepra 
▼ermittelst der Vaccination, von B. Rak£ und G. A. Buckmaster. 
Es sind bereits einige Beobachtungen veröffentlicht worden, welche auf die 
Möglichkeit der Übertragung des Virus Leprae bei der Kuhpockenimpfung hinzudeuten 
scheinen ; doch sind diese Fälle nicht ganz einwandfrei, da sie alle in Lepragegenden 
vorkommen und somit die Möglichkeit einer anderweiten Ansteckung nicht aus- 
geschlossen war. Verfasser haben nun im Almora Asylum 87 Leprakranke geimpft, 
und zwar 40 derselben mit Erfolg; von diesen hatten 34 Lepra anaesthetica, 5 Lepra 
mixta und 1 hatte Lepra tuberosa. Bei 14 war an einer normalen Hautstelle geimpft 
worden, bei 13 an einer anästhetischen, bei 1 an einer tuberösen Partie, und bei 12 
zeigte die Haut der Impfstelle verminderte Empfindlichkeit; bei 31 der mit Erfolg 



39 

geimpften Patienten waren die Vaccinebläschen normal, bei den anderen 9 fanden sich 
gewisse Unr^elmäfsigkeiien. Es wurden 93 Deckglaspräparate angefertigt, doch fanden 
sich niemals anzweifelhafte Bacillen darin. Bei einem Fall, wo die Bläschen auf tuberös 
entarteter Haut erzeugt waren, fanden sich verdächtig aussehende Stäbchen, welche 
sich mit Fuchsin färbten, und andere ähnliche waren bei einem Falle, wo auf an- 
ästhetischer Haut geimpft worden war, zu konstatieren. 

Femer wird auf die Thatsache hingewiesen , daiJs in Gegenden , wo gerade sich 
die meisten Aussätzigen finden, so Birma und Kumaon, das Impfen sehr wenig geübt 
wird, und die meisten Leprakranken Pockennarben aufweisen. Auch im Leprahospital 
auf Trinidad erwiesen sich 16*/o der Insassen als gar nicht oder nur ungenügend 
geimpft. Nimmt man hierzu den Umstand, dafs unzweifelbare Fälle der Inokulation 
mit Lepra noch nicht konstatiert sind, und dafs andererseits diese Krankheit bei 
Kindern unter 6 Jahren, von denen doch nur die Lymphe entnommen wird, niemals 
(?Bef.) beobachtet worden ist, so erscheint die Gefahr einer Übertragung der Lepra 
aaf dem W^e der Vaccination als fast geradezu ausgeschlossen. 

Lepra und Vaccination in Britisli Guyana, von Dr. Castor. 

Vor der Royal-Commission on Vaccination hatte ein gewisser Herr Tebb ver- 
schiedene Behauptungen aufgestellt, welche darauf hinzielten, die Kuhpockenimpfung 
för die Verbreitung der Lepra verantwortlich zu machen. Castor, der früher Leiter 
des Leprahospitals in British GKiyana war, bringt überzeugende Beweise dafür, dafs 
wenigstens für diese Kolonie diese Ansicht ganz unhaltbar ist. Ohne uns weiter mit 
den vielen tendenziösen und gröblichen Entstellungen des Herrn Tebb weiter aufzu- 
halten, sei hier nur erwähnt, dafs die Zunahme der Zahl der Leprakranken daselbst 
nicht zum kleinsten Teil auf Einwanderung bereits erkrankter Personen beruht. An 
einem gevriasen Tage befanden sich im Leprahospital unter 339 Patienten nicht 
weniger als 188 Eingewanderte ; die meisten derselben (133) stammten aus Ostindien. 
Übrigens könne man die Hospitalsstatistiken im allgemeinen nicht als Mafsstab für 
die Ausbreitung des Leidens im Volke nehmen, denn soziale Mifsstände, ein kalter 
Winter oder dgl. veranlassen viele Leute, sich aufnehmen zu lassen, die sonst sicher zu 
Hause bleiben würden. Dafs die Furcht .vor Ansteckung mit Lepra nicht die Ursache 
ist, weshalb das geringe Volk sich der Impfung entzieht, geht daraus hervor, dais die 
geringen Stände ganz ungesoheut mit Leprakranken umgehen, ihnen Sachen abkaufen, 
sie in ihren Wohnungen aufnehmen u. s. w. Die bekannten Beobachtungen einer 
Entwickelang von Lepra nach dem Impfen, welche von Professor Gairdk£r und von 
Dr. HiLLis publiziert worden sind, hält C. nicht für beweiskräftig, da die Möglichkeit 
anderweiter Infektion nicht genügend ausgeschlossen sei. Schliefslich hebt Verfasser 
hervor, dafs in genannter Kolonie nur importierte Lymphe zum Impfen verwendet 
wird und sonüt bei Beobachtung der üblichen Kautelen die Infektionsgefahr eine 
ganz minimale sein mufs. 

Der angebUche Zusammenhang zwischen Impfong nnd Lepra, von P. S. Abraham. 
Nach einem beim internationalen Hygiene-Kongrefs 1891 gehaltenen Vortrag. 
Die Möglichkeit einer Übertragung des Aussatzes durch Impfen ist a priori 
mefat ausgeschlossen, und der Gegenstand hat bereits seit geraumer Zeit die Auf- 
merksamkeit ärztlicher Beobachter auf sich gelenkt. Trotzdem sind Beobachtungen, 
die fSr diese Auffassung sprechen könnten, nur in ganz geringer Anzahl beigebracht 
worden, und selbst die gewichtigsten derselben, die Fälle von Gaibdker und Hillis) 
sind nicht einwandsfrei. Dagegen hat in Skandinavien, wo das Impfen seit vielen 
Jahren obligatorisch durchgeführt worden ist, die Anzahl der Leprakranken ab- 
genommen, und in China ist in denjenigen Gebieten, welche am meisten von dieser 



40 

Krankheit heimgesucht sind , das Impfen gerade am allerwenigsten ausgeübt 
worden. 

Allerdings sei es in Lepragegenden besonders nötig, beim Impfen mit allen 
Kautelen zu verfahren, und mit Becht werde jetzt auf Hawaii das Abimpfen von 
einem Kinde zum anderen vermieden. Aber das Impfen an sich als bedeutsames 
3Iittel zur Ausbreitung der Lepra zu bezeichnen sei blühender Unsinn (arrant 
nonsense). 

Lepra und Impftn, von R. Pringle. (Brit nied. Joum. 19. Septbr. 1891). 
Verfasser hat während 20 Jahren die Ausführung der Impfung in Indien, in der 
Gegend zwischen Ganges und Jumna, Mesopotamien genapnt, zu leiten gehabt. Die 
Bevölkerung in diesem Teile beträgt über 10 Millionen; es kommen auf die Quadrat- 
meile etwa 500 Einwohner, und die Zahl der Geburten beträgt zwischen 50 und 60 
pro Tausend. In der Zeit vom Jahre 1864 bis 1884 hat P. ohne Unterbrechung stets 
Lymphe aus einer Gegend, Firri oder Ghurwal genannt, erhalten. Diese Gegend, im 
Himalayagebirge gelegen, enthält endemisch sehr zahlreiche Leprakranke. Trotzdem 
hat Verfasser in der ganzen Zeit niemals in eigener oder fremder Praxis einen Fall 
kennen gelernt, bei dem die Entstehung der Lepra auf Übertragung durch Impfen 
zurückgeführt werden konnte, obgleich die Zahl der auf diese Weise Geimpften 
sicherlich mindestens zwei Millionen betragen mufs. (Vide auch das folgende Beferat). 

Fernere Bemerkung über Lepra und Vaccination, 
von Beaven Bake und G. A. Buckmaster. (Nach Schlnfs der Bedaktion.) 
Aus Ergänzung zu den Bemerkungen von B. Pringle (S. ) teilen Verfasser 

folgende Zahlen, die sich aus dem offiziellen Oensus ergeben, noch mit: in den Jahren 
1867 bis 1872 ergab die Einschätzung zwischen 20 und 30 Leprakranken pro 10000 
Einwohner in der Gebirgsgegend Ghurwal, wo die Lymphe für die Impfungen ent- 
nommen wurde ; im Jahre 1881 dagegen war das Verhältnis auf 10 bis 20 pro 10000 
gefallen. In der Ebene zwischen Ganges und Jnmna fanden sich in ersterem Zeitraam 
1 bis 5 Leprakranke pro 10000 Einwohner, aufser in Etat mit 5 bis 10 pro 10000. 
Hier aber ist im Laufe der Jahre die Zahl der Aussätzigen zurückgegangen, so dals 
im Jahre 1881 das Verhältnis im ganzen Flufsgebiet nur 1 bis 5 pro 10000 betrag. 
Demnach hat die Zahl der Leprakranken trotz der angeblichen Gefahr der Über 
tragnng durch Impfen nicht nur nicht zugenommen, sondern in manchen Teilen eine 
deutliche Verminderung erfahren. PhiUppi-Nieheim» 

b. Tuberkulose. 

Über das Vorkommen von Eiweifs im Harn bei tuberkulösen Er- 
krankungen, von Max Kahane. {Wien. med. Wochemchr. 1892. No. 30 £F.) Ve^ 
fasser kommt bei seinen Untersuchungen zu folgenden Schlüssen. 1. Nukleinsubstanzen 
sind im Harne von Phthisikem ein häufig zu konstatierender Befund, auch wenn 
Zeichen von Cystitis fehlen. 2. Die Intensität der Nukleinreaktionen ist nach den 
verschiedenen Fällen und auch im Einzelfalle schwankend. 3. Schwere Fälle scheinen 
eine stärkere Nnkleinausscheidung zu zeigen, Larynx- und Darmerkrankungen manchmal 
mit ihr zusammenzuhängen. 4. Neben Albuminal- ist eine Nakleoalbuminalreaktion 
häufig. 5. Der Nnkleinausscheidung scheint eine hohe prognostische Bedeutung zu- 
zukommen. Bei rasch letal verlaufenden Fällen fand sich eine bis zum Tode zu- 
nehmende Nnkleinausscheidung. Jessner- Königsberg i. Pr, 

Über die chemotaktischen Wirkungen des Tuberkulins und über die 
Beinzucht beweglicher Bakterien auf chemotaktischem Wege, von B. Kluge. 



41 

{Pharm. Cefitralbl 1892. No. 2. Deutsche Med.-Ztg. 1892. No. 19.) Mittelst Kapillar- 
rohrchen, die mit l7oiger Tuberkulin! ößuiig gefüllt waren, kontite Verfasser feststellen, 
daffl das Tuberkulin auf verschiedene Bakterien chemotaktisch wirkt, und zwar nicht 
auf alle gleich stark, so daljs man durch die Chemotaxis es in der Hand hat, von den 
verschiedenen Bakterien mehr oder weniger in den Eapillarröhrchen anzusammeln und 
dann durch Plattenkulturen zu isolieren. Für Cholera- und Typhusbacillen ist die 
Methode praktisch verwertbar, für letztere seien besonders Röhrchen mit Eartofifelsaft 
zu empfehlen. — Fjür die therapeutische Verwendung des Tuberkulins kommt die 
chemotaktische Wirkung des letzteren insofern zur Geltung, als das Tuberkulin wahr- 
scheinlich die Tuberkeibacillen in die Blutbahn lockt; gehen diese im Blute unter, 
erfolgt Heilung, im entgegengesetzten Falle Weiterverbreitung des Prozesses. Ein 
Anhaltepunkt dafür, was geschehen wird, haben wir nicht, folglich ist der Effekt der 
Tuberkulinanwendung ein unsicherer. Jessner- Königsberg i. Fr. 

Einige Besnltate bei Verwendung von Tuberkulin und dessen Modifika- 
tionen im Adirondack Cottage Sanatorium, von E. L. Trudeaü. (Med. News, 
10. Septbr. 1892.) Verfasser ist der Ansicht, dafs wir im Tuberkulin und seinen 
Derivaten ein immerhin beachtenswertes Hülfsmittel bei Behandlung der Tuberkulose, 
namentlich der Lunge, besitzen. Von den dreizehn unter den günstigsten hygienischen 
Verhältnissen mit Tuberkulin behandelten Fällen, von denen vier späte Stadien und 
drei sehr hochgradig entwickelte Typen darstellten, wurden drei, wie es scheint, 
vollständig geheilt; bei dreien wurde Stillstand des Erankheitsprozesses konstatiert, 
hei dreien Besserung und bei vieren fortschreitende Verschlimmerung, Von den von 
HrxTER angegebenen Modifikationen ergab B. die besten Hesultate. Im ganzen seien 
die Resultate entschieden besser, als diejenigen, welche Verfasser sonst bei blofs 
liygienischer und symptomatischer Behandlung erzielt hat. Philippi-Nieheim, 

Die toxisclien Produkte des Tuberkelbacillus, von S. M. Pruddex. {New 
Yiyrk Med, Journ. 10. Septbr. 1892.) Vor einiger Zeit hatte Verfasser gefunden, dafs 
die Einführung von abgestorbenen Tuberkeibacillen in die Ohrenvene, sowie in die 
Trachea von Kaninchen eine Keihe von pathologischen Vorgängen, welche einige 
Ähnlichkeit mit tuberkulösen Herden darbieten, zur Folge hatten. Es fehlen aber dabei 
die käsige Entartung, und P. hat jetzt eine Reihe von Versuchen angestellt, um zu 
antersuchen, ob die Einverleibung von Tuberkulin gleichzeitig mit den toten Bacillen 
oder später einen Einflafs ausübe. Das Resultat war total ne^^ativ. . 

Philippi- Nieheim. 

Über die Behandlung des Lupus vulgaris, von Prof. Jarisch. (CentraM, f, 
Therap. 1890. No. 8.) Verfasser verfährt folgendermafsen : Excochleation alles kranken 
Gewebes in der Narkose, dann Auflegen von 10%ger Pyrogallussalbe, 3 — 5 Tage lang, 
hia die Schabefläche gequollen, mifsfarbig, matsch geworden ist. Unter Jodoforra- 
bestreuung und lOVoiger Borsalbe soll dann die Benarbung erfolgen. Nach vier bis 
fünf Wochen Wiederholung der ganzen Prozedur. Um entstellende Narben zu ver- 
hüten, griff J. zu den TniERsCHschen Transplantationen, eventuell, nachdem er vorher 
die Auslöffelung zwei- bis dreimal in Zwischenräumen von je einer Woche wiederholt. 
Die Resultate sind sehr günstig. — Auf Schleimhäuten sah J. die besten Erfolge von 
monatelang fortgesetzter Bepinselung mit Jodtinktur. Innere Behandlung darf 
natürlich nicht vernachlässigt werden. Jessner- Königsberg i. Pr. 

c. Syphilis. 

Die Syphilisforschung im Jahre 1891, von Julius Heller. {Der ärztliche 
Praktiker. 1892, No. 31.) Eine orientierende Übersicht über die Ergebnisse der zahl- 



10—12 täglich 
nach der Mahlzeit. 



42 

reichen Arbeiten über Syphilis im Jahre 1891 bildet den Inhalt der Arbeit, soweit 
dieselben nicht rein praktischer Natur sind. Es ist sehr dankenswert, dafs der Arzt 
durch solche Ubersichtsartikel auch über theoretische und klinische Forschungen aa 
£ait gehalten wird. Jeamer-Konigsherg i.Pr, 

Zur Behandlung der Sypl^Si ^on M. v. Zeissl. {AUg. Wien, med. Ztg. 
1892.) Die kurze Gesamtdarstellung, die der Ver&sser von der Behandlung 
der Syphilis als Direktive für den praktischen Arzt giebt, ist getragen von 
den bekannten Grundsätzen der ZEissLschen Schule , die alle therapeutische 
Polypragmasie bei der Syphilis verwirft. Der Verfasser verwirft die Abortivkur, ist 
entschiedener Gegner der Präventivkur, die die Erkrankung des Gentralnervensyttenis 
begünstigt, er giebt Antiluetica, besonders Quecksilber erst, wenn die syphilitischen 
Erscheinungen ihren Höhepunkt überschritten haben, aufser wenn schwere Organ- 
erkrankungen oder lieftige Kopfschmerzen ein rascheres Eingreifen indizieren. Von 
Jodpräparaten, die er zur Anwendung bei den Frühformen der Syphilis empfiehlt, 
hält er für zweckmäfsig Jodkalium und Jodnatrium in Milch oder folgende Pillen: 

Kai. jodat. 

Natr. jodat. m 8,0 

Amnion, jodat. 4,0 

Extr. et. pulv. Gentian. ää 

q. s. Mf. pilul. No. 200 
Gegen syphilitische Neuralgien ist 0,5 — 1,0 Jodoform pro die in Pillen sehr 
wirksam. Als Clysma (Köbner) oder subkutan kann Jod auch gegeben werden, und 
sollen nach Neumann besonders subkutane Jodoforminjektionen günstige Resultate in 
Bezug auf Recidive geben. Auch jodhaltige Quellen zu Badekuren sind von Vorteil 
Eine Anzahl Kranke, die nur mit Jod behandelt ist, ist dauernd gesund geblieben. 
Yer&sser bespricht dann die verschiedenen Formen der Quecksilberanwendung, wobei 
er wie fast alle die Inunktionskur obenanstellt. Hervorheben möchte ich nur die 
Empfehlung des QüixQUAUDschen Kalomelpflasters : 

Cahmel 1000,0 ^ , . . , , 

mnpl.diachyl.mOfi \ ^^^ ^^^^^^^^ gestrichen, so dafs jeder Quadrat- 
01 ricini 300 I centimeter 1,6 Kalomel enthält. 

Von den Ausführungen über die Lokalbehandlung sei folgendes hier erwähnt: 
Bei tiefem Zerfall und Gangränescenz des Primäraffektes verwendet Z.: 

Arg. nitr. 0,03—0,5 1 Einige Tropfen auf das Geschwür geträufelt und 
Bals. 40 fi / in 2 ^/o Karbolwasser getauchte Watte aufgelegt. 

Bei zerfallenen Papeln an der Schleimhaut: Arg. nitr. oder Tanninglycerin 
(5 : 20) oder Jodglycerin (Jod. pur. 0,05, Kai. jodat. 0,5, Glycerin 10,0) oder Sublimat 
0,2, Spirit. vin rectif., Aq. fönt. dest. äa 5,0 (vorsichtig!); an behaarten Teilen Bepinseln 
miit Aq. chlor, und Aufstreuen von Kalomel, oder am Kopf tüchtig einölen, dann Ab- 
seifen mit Spirit. saponatus kalinus, abspülen, abtrocknen und Präzipitatsalbe einreiben. 
— Nach einer kurzen Besprechung der Nebenwirkungen der Antisyphilitica erörtert 
Verfasser noch die Dauer der Syphilisbehandlung, wobei er sich seinen sonstigen 
Ansichten gemäfs gegen die FouRNiERSche chemisch-intermittierende Behandlung 
erklärt. Jessner Königsberg t . iV. 

Zar Therapie der Syphilis mit Merkurialien nebst Bemerkimgen ttber 
Nephritis bei Luetikem, von Eduard Land. (Ceniralbl f. d. gesamte TherapU. 
1892. 1.) Bei Merkurialkuren ist nicht nur auf die Mundaffektionen, sondern auch auf 
Enteritis und vor allem Nephritis sehr zu achten, wobei man aber zu bedeuten hat, 
dafs die Nephritis auch eine direkte Folge der Lues sein kann und dann gerade die 



43 

Tonichtige Anwendung des Quecksilbers indiziert. Plötzlich bei einem Syphilitiker 
auftretende Albuminurie mit schmutzig-blutigem, blutzylinder- und ;Eelldetritu8hal tigern 
Uiin kann vielleicht, wie Welaxder meint, auf den Zerfall eines Gumma in den 
Nieren hinweisen. — Verfasser tritt dann erneut für das Oleum cinereum ein, das sich 
ihm bei ausgedehntester Anwendung als gefahrlos erwiesen habe. Mit scharfen 
Worten zeiht er Kaposi der direkten Unwahrheit, da bei dem von ihm gemeldeten 
Todesfall nicht angegeben, dafs eine Injektion gemacht worden sei, sondern eine Reihe 
von Injektionen mit ganz übermälsiger Überschreitung der erlaubten Dosis. Lang 
injiziert 0,05ccmdes507o Ol. cinereum, bei gröfseren Dosen verteilt er dieselben auf 
mehrere Stellen. Stets werden die Injektionen tief in die Kückenmuskulatur gemacht. 
8—10 Dosen zu 0,05 genügen. Die Wirkung ist vielleicht nicht eine so schnelle wie 
bei anderen Präparaten, aber eine nachhaltigere. Selbstverständlich ist, dafs das 
Oleam cinereum in der gewünschten Konzentration stets genau verschrieben und oft 
erneuert werden mufs. Jessner- Königsberg i, Pr, 

Über SyphiliBbehandlang mittelst des elektrischen Zweizellenbades, von 

Kroxield, (Wien. med. Wochenschr, 1891. No. 30 und 31.) Verfasser prüfte im 
Anschlnfs an seine Untersuchungen über die Ausscheidung des auf verschiedenen 
Wegen einverleibten Quecksilbers auch das elektrische Zweizellenbad. Er benutzte 
das von Gärtner angegebene, mit einem Diaphragma versehene, welches ermöglicht, 
daJs der ganze Strom gleichmäfsig verteilt durch den Körper geht; es wurden 
gewöhnlich 12 g Sublimat d^n Bade zugesetzt und 15 Minuten der normale, 15 Minuten 
der gewendete Strom gebraucht. Die Ausscheidung des Hg erfolgt nicht schubweise, 
sondern gleichmäfsig und mit der Verabreichung parallel ; die Gröfse der Ausscheidung 
ist unabhängig von der zugeführten Hg-Menge und steigt mit derselben ; sie schwankt 
taglich zwischen 0,003 und 0,015. Albumen trat im Laufe der Behandlung im Urin 
nicht auf, auch fehlte Polyurie meistens, wohl aber wurde Stomatitis beobachtet. 
Die kurativen Erfolge waren auch zufriedenstellend; die Methode wirkte verläfslich, 
rasch und elegant. Hecidive kamen bei der kurzen Zeit seit Entlassung nicht zur 
Beobachtung. F. Hafm- Bremen. 

Über die Excision des harten Schankers, von 0. Horowitz. (Wien. med. 
Presse. 1892. No. 9.) Verfasser wendet sich gegen die in neuerer Zeit wieder vielfach 
empfohlene und geübte Excision des Primäraffektes zur Coupierung der Syphilis. 
Wenn die Sklerose auftritt, so ist auch schon Virus in den Kreislauf gelangt, da es 
keineswegs nur im Lymphstrom verschleppt wird. Die zweite Inkubation bedeutet 
nur, da£s 3 — 6 Wochen vergehen, bis durch Infiltration der betreffenden Stellen mit 
Bandzellen die Eruption des Exanthems erfolgt; die Überladung mit Gift ist schon 
viel früher vollzogen. Aus der Selbstimpfung mit hartem Schanker im frühen Stadium 
folgert Verfasser, dafs zu der Zeit das Gewebe noch nicht völlig mit Virus gesättigt 
ift; auch fand Tarnowsky eine charakteristische Reizbarkeit, der syphilitschen Gewebe, 
auf kleine Verletzungen mit Induration zu reagieren. Die Excisiousresultate sprechen 
ferner gegen die praktische Bedeutung der Operation. Die Fälle, wo keine Sekun- 
daria folgte, erklärt Verfasser ohne weiteres als nicht echte Sklerosen : es gäbe harte 
Geschwüre, denen überhaupt köine Syphilis folge. Viele Sklerosen lassen sich wegen 
ihres Sitzes an der Eichel, in der Harnröhre, an den Lippen überhaupt nicht exci- 
dieren. Endlich werden häufig im Becken gelegene Lymphdrüsen von den Lymph- 
gefafsen des Penis aus infiziert, die man dann nicht tasten kann, so dafs das Virus 
nicht total entfernt werden kann. Viele, auch per primam geheilte Operationsnarben 
indurieren und zerfallen nachträglich, da man die Grenzen der Induration nicht ab- 
tasten kann, vielmehr mikroskopisch weit über die tastbaren Grenzen der Induration 



44 

hinaus kleinzellige Infiltration den Blutgefäfsen entlang findet. Unterbindung der 
Lymphgefäfse am Penis hat gar keinen Zweck, da es deren eine ganze Menge giebt. 
von denen man gelegentlich eins als geschwollenen, verhärteten Strang fühlen kann. 

Indem Verfasser nochmals hervorhebt, dafs er eine Propagation des syphilitischen 
Giftes durch die Blutgefafse annimmt, spricht er sich gegen die Excision des 
Schankers aus, die nur den einen Zweck hat, den Körper von einer vergifteten 
Wunde zu befreien ; man soll daher breit excidieren, Kauterisation mit dem Glüheisen 
und Ätzmitteln sei verwerflich. 

(Wenn diese theoretischen Überlegungen auch noch so überzeugend klingen, so 
wird doch jeder in der Praxis gewifs bei irgendwie günstigem Sitz die einfache 
kleine, unter Cocain ganz schmerzlose Operation der Excision vornehmen, zumal die 
positiven Resultate nach neueren Untersuchungen doch vielleicht nicht so ganz 
schlechte sind. Referent.) F. Hahn-Bremen, 

Syphilis des Auges, von Conrad Fboehlich. {Der ärztliche Praktiker 1892. 31.) 
Eine kurze Wiedergabe der bekannten syphilitischen Augenerkrankungea für den 
Praktiker. Die Keratitis parenchymatosa, Augenmuskellähmungen, Iritis, Chorioiditis 
werden besprochen, therapeutische Merkurialisation in Verbindung mit Schwitzen, 
am besten durch Natr. salicyl. empfohlen. Jessner-Königsberg i. Fr. 

Über Lues laryngis im Kindesalter, von Hermann Strauss. (Archiv f. 
Kinderheük, 1892, Band XIV, Heft V.; AUgein, med. Centiralztg, 1892. No. 69.) Ver- 
fasser berichtet drei Fälle von hereditärer Syphilis des Kehlkopfes: 

1. 7 Jahre altes Mädchen, schwerhörig, heiser; Rhinopharyngitis catarrfaalis. 
Höckrige Infiltration der Epiglottis, einen Monat später Ulcera an der Uvula und 
dem Rande der £piglottis. 

2. 12 Jahre altes Mädchen, seit 8 Jahren heiser, seit 2 Jahren Stridor beim 
Athmen. Hochgradige Schwellung der Epiglottis; grofse UIceration der hinteren 
Larynxwand, übergreifend auf beide Taschenbänder, mit grauweilsem Sekret bedeckt; 
granulierende Ränder, Stimmbänder in grofse, dicke Wülste verwandelt; Matter 
luetisch. 

3. 12 Jahre alter Knabe, seit Vs Jahre Stechen im Halse, Schluckbeschwerden, 
belegte Stimme, leichter Stridor. Totale Schwellung des Larynx; multiple papilläre 
Geschwüre an der Epiglottis. Grofse Granulationsgeschwulst am rechten Aryknorpel; 
beide Aryknorpel stark geschwollen, asymmetrisch. Das linke Lig. aryepiglotticum mit 
multiplen Granulationen bedeckt. Besserung nach Jodkalium und Ungt. einer. 

Von den bekannten Fällen sind nur einige als zweifellos luetisch bezeichnet; 
lues hereditf^a tarda ist nur in einem Falle feststehend. — Stets waren VeranderungeD 
an der Epiglottis, meist als Perichondritis, die zur Neurose und Granulationsbildong 
führte. Von der Epiglottis geht der Prozefs gewöhnlich auf die anderen Theile aber, 
verschont aber meistens die Stimmbänder. Das Befallensein der 'Epiglottis ist bei 
Kindern pathognomonisch. papilläre Wucherungen, diffuse Schwellungen deuten auch 
auf Lues. — Prognose wie es scheint schlechter als bei Erwachsenen. 

Jessner-Kanigsberg i Fr. 

Endocarditis verrucosa in der Frühperiode der Syphilis, von Engel-Redil-bs. 
• Festschrift für Medizinalrat Dr. Ludwig Mbyer in Göttingen. (Münch, med. Wochenschr. 
1892, Nr. 31.) Zwei Fälle von der typischen verrukösen Endocarditis mit EmboiieD 
werden mitgeteilt, die ausgesprochene Zeichen vou Syphilis zeigten, an Gelenk- 
rheumatismus gelitten hatten. Die syphililischen Erscheinungen gehörten der kondy- 
lomatösen Form an und waren Recidive. 

Verfasser halt den Zusammenhang der Syphilis mit dem Herzleiden für erwiesen; 



45 

io einer ahfiTallendeü Enge deb Aortenrohres sieht er ein prädisponierendes Moment. 
{Ob nicht der vorhanden gewesene Gelenkrheumatismus allein zur Erklärung genügt ? 
Der Eeferent,) Jessner- Königsberg i. Pr. 

Die syphilitischen Erkrankniigeii des Auges, von Leopold Grossmavn (Wiener 
Klioik, Februar 1892.) Bei der Wichtigkeit der syphilitischen Augenleiden ist die von 
ij. gegebene ausführliche Darstellung derselben sehr willkommen zu heifsen, zumal 
sie zum grofsen Teil auf eigenen Erfahrungen basiert. Es sei daher dieses Heft zu 
«ingehender Lektüre dringend empfohlen. Genauere' Wiedergabe des reichen Inhalts 
würde den einem Heferate zugemessenen Raum überschreiten. 

Jessner- Königsberg i. Pr. 

Himsyphilis und Dementia paxalytLca, von 0. Binswanger. Festschrift für 
Medizinalrat Dr. Ludwig Meyeb in Göttingen. {Münch. med. Wochenschr. 1892. 
Nr. 31.) B. kommt zu folgenden Schlüssen: Bei der Eirnsyphilis findet sich eine 
^effektive Störung^, die der hypochondrischen Stimmungsanomalie am nächsten 
kommt, bei der Dementia paralytica eine qualitative Störung des aus den körperlichen 
and geistigen Veränderungen zufliefsenden Stimmungsinhalts, der Verlust von Urteil 
und Selbstkritik, durch die tiefgreifende intellektuelle Zerrüttung erklärlich. Die 
Stimmungsanomalie der Hirnsyphilitiker kann im Prodromalstadium der Paralyse vor- 
kommen. 

Der Zusammenhang von Dementia und Syphilis ist nicht zu leugnen; letztere 
resp. deren Toxine spielt dabei dieselbe Rolle wie andere Intoxikationen (Alkohol, 
Tabak, Blei) oder Gifte, die von Infektionskrankheiten (Typhus, Diphtheritis etc.) 
herrnhren. 

Eine klinische Scheidung einer syphilitischen Paralyse und einer nicht syphili- 
tischen ist nicht berechtigt. Jessner-Königsberg i. Pi'. 

Blntsemminjektionen gegen Syphilis, von Arthur Eollmank. {Dtsch. med. 
Wodienschr. Nr. 36. 1892.) In Bezug auf Tommasolis Versuche mit Lammblutserum- 
Injektionen bei Syphilis bemerkt Verfasser, dafs er schon im Dezember 1890 und im 
Janaar 1891 ähnliche Versuche, aber mit negativem Erfolge angestellt hat. Tommasoli 
verwandte zwar zu seinen Injektionen ausschliefslich Serum vom Lamm, K. hat 
solches vom Hammel, Kalb, Hund und Kaninchen benutzt. Mit Serum der von 
ToKHAsoLi benutzten Tierart hat er nur in einem einzigen Falle und dabei auch nicht 
mit derartig grofsen Dosen und nicht so häufig injiziert. Bei diesem Fall verglich 
er die Wirkung der Seruminjektionen und der merkuriellen Therapie miteinander. 
Der Vergleich sprach zu Gunsten der letzteren. Nach Beschreibung der drei beob- 
achteten Fälle ergaben sich folgende Resultate: Fall I. bekam während einer Woche, 
sehr bald nach der Induration des Primärafifektes, zusammen 5 Injektionen von im 
ganzen 9,25 ccm Hundeserum und 5 ccm Kaninchenserum. Die letzte Injektion fand 
26 Tage vor dem. Ausbruch der Boseola statt. Trotzdem mufste die sofort beim 
Auftreten der Boseola begonnene kräftige Schmierkur 40 Tage lang fortgesetzt 
werden, bevor die luetischen Erscheinungen verschwunden waren. Nach 3 Monaten 
Recidiv eines papulösen Syphilids. Der Patient von Fall IL bekam vor dem Aus- 
bruch der sekundären Erscheinungen zusammen 6 Injektionen von im ganzen 3 ccm 
Kalbserum, 14 ccm Hundeserum und 6 com Kaninchenserum, verteilt übei* eine 
Zeit von 11 Tagen die letzte Injektion 9 Tage vor dem Erscheinen der Roseola. 
Nach einer über einen Monat ohne Pause durchgeführten Schmierkur von täglich 5 g Molli- 
num cinereum waren die luetischen Erscheinungen immer noch nicht ganz geschwunden. 
Nach einem halben Jahr Becidiv. Bei einer Patientin von Fall III. (sekundäre Lues, etwa 
ein Jahr nach der Infektion) waren naoh zusammen 10 Injektionen von im ganzen 7 ccm 



46 

sterilisiertem und 18 ccm gewöhnlichem Hammelserum innerhalb 17 Tagen die Kondylofme 
sowohl als die Leistendrüsenpackete vollkommen stabil geblieben. 3 Tage nach der 
letzten Injektion interne Sublimatbehandlung, die schon in 9 Tagen eine Besserang 
erzeugte. Zwei darauf innerhalb von B Tagen vorgenommene Einspritzungen von 8 ccm 
Ealbserum und 2,5 ccm Hundesernm beschleunigten diese Heilung durchaus nicht 
in irgendwie merklicher Weise. Diese erfolgte erst nach einer gründlichen Schmier- 
kur. Eine günstige Beeinflussung der Syphilis durch die Seruminjektionen war also 
in diesen 3 Fällen nicht wahrnehmbar. X. Soffmann'BerUn, 

Über die Vererbung der Syphilis durcli die Mutter, von Thomas W.Nunx 
{The Lancet 26. Dezbr. 1891. Deutsche Med.-Ztg. 1892. No. 55.) Von den Kranken- 
geschichten sei hier die eine erwähnt: Grofsmutter zeigt alte Psoriasis palmaris und 
schankröses Geschwür an einem Zeigefinger; die Tochter zeigt Zeichen hereditärer 
Syphilis (Mangel der Augenbrauen und Wimpern, Defekte der Schneidezähne; der 
Mann der Tochter gesund ; beider Kind, also das Enkelkind, hereditär syphilitisch. — 
Verfasser nimmt nun an: alte Syphilis der Grofsmutter und Beinfektion derselben 
wahrscheinlich vom Enkelkind aus, dessen Lues er als eine in dritter Generation 
vererbte auffafst. An Kühnheit lassen diese Annahmen nichts zu wünschen übrig. 

Jesmer- Königsberg ». Fr, 

Immunität der Mutter bei hereditärer Syphilie yon Seiten des Vaters» 
von DiDAY. (Internat, klin. Rundschau, 1892. No. 3. DtscJie MedL-Ztg. 1882. No. 55.) 
Die Mutter eines vom Vater her syphilitischen Kindes kann im zweiten oder dritten 
Monat der Gravidität syphilitische Erscheinungen zeigen ohne Primärsymptom« Fnr 
gewöhnlich ist sie immun, ohne Syphilis zu haben, und zwar ist die Immunisiemug 
bedingt durch die auf dem Wege des Blutes erfolgende wiederholte Inokulation eines 
„verdünnten Fluidum" während der Gravidität, analog den PASTEURschen Immuniaie- 
rungsversuchen. Jessner- Königsberg i. Fr* 

Betrachtungen über die Diagnose der hereditären Syphilis, von D. Dvbaxte. 
(Archivio italiano cUo pediatria, 1891. Deutsche Med.-Ztg, 1892. No. 55.) Die ersten 
Zeichen hereditärer Syphilis sind in den ersten beiden Monaten zu finden: vor allem 
sehr frühzeitig Rhinitis, später Hautveränderungen besonders an Palma manus und 
Planta pedis, deren Haut gespannt, glänzend, häufig Eruptionen und epitheliale Ab- 
schilferung zeigt. Noch später Ausschläge an Genitalien und am Mund. Psendo- 
paralysen, wahrscheinlich Läsionen des neuromuskulären Systems, sind besonders 
interessant und charakteristisch. Die Periostitiden und Osteo-Periostitiden besonden 
der Gelenkköpfe der Eöhrenknoohen sind, hervorzuheben; Drüsenafifektionen sind 
selten. Der Erfolg merkurieller Behandlung giebt ein diagnostisches Kriterium. 

Jessner- Königsberg i. Fr. 

Spät auftretende hereditäre Syphilis der Knochen, von G. G. Davis. 
(New York Med. Joum. April 1892. No. 55.) 

1. Vater syphilitisch, Mutter fünfmal abortiert; von 13 Geschwistern 9 frnb 
gestorben. Vor acht Jahren fiel der jetzt 15jährige Patient auf die linke Tibia; es 
trat Schmerz und Schwellung des Beines auf. Zur Zeit der Untersuchung eine stark 
verdickte linke Tibia, vorn ein oberflächliches Ulcus; das linke Bein um 5 cm langer 
als das rechte ; sekundäre Verkrümmung der Wirbelsäule. Rechts die Fibula, seitdem 
sie vor drei Jahren ein Steinwurf getroffen, verdickt. Patient etwas nervös, schlecht 
genährt; hohe, unregelmäfsige Temperatur, die in 12 Stunden um 57o C wechsln 
konnte. — Jodeisen, Sublimat, Jodkalium; unbedeutende Besserung. 

2. Ein Knabe von 14 Jahren leidet seit 6 Jahren an schmerzhaften Affektionen 
der Vorderarmknochen Unterschenkel und Füfse, die eine fusiforme Verdickung zeigen. 



47 

3. Knabe Ton 11 Jahren leidet seit 5 Jahren an Schmerzen in Armen und 
Beiaen; an allen schmerzhaften Qliedmafsen deformierende 7erdickungen. Vater giebi 
nur Gonorrhoe zu. Zwei Geschwister von 14 — 16 Jahren gesund, 3 frühzeitig ge- 
storben. Antisyphilitische Behandlung giebt gute Besultate. 

4. Knabe von 13 Jahren bekam vor 4 Jahren Schmerzen im rechten, ein Jahr 
spater im linken Knöchel; die schmerzhaften Teile schwollen an. Die rechte Tibia 
um 1 cm langer als die linke. Anamnestsch keine Syphilis zu eruieren. Jodkalium 
bringt Heilung. , Jessner- Königsberg i, Pr, 

Begressive Emälirungsstöningen. 

Ober den Favns, klinische, mykologische und histologische Untersuchungen, 
von V. UiBELU. (Giornale itcU. d. Mal, ven. e t2. pelle; fasc. II, III, 1892.) Verfasser 
behandelt den Gegenstand unter Zugrundelegung von 7 Krankheitsgeschichten eigener 
Beobachtung und leitet seine Arbeit ein mit einer Betrachtung über den sogenannten 
Favas herpeticus. (Quikckeb a-Pilz.) Diese Bezeichnung für diejenige Favusfonn, 
welche mit dem Herpes tonsurans gewisse Ähnlichkeiten zeigt, sollte nach M.'s Ansicht 
ans der Nomenklatur vollständig gestrichen werden. — Nach den verschiedenen 
klinischen Formen, unter denen sich der Favus präsentiert, lassen sich aufber dem 
Favus vulgaris oder scutularis unterscheiden: 1. Favus maculosus oder erythemato- 
pityriasicus; 2. Favus erythemato-squamosus, marginatus; 3. Favus squamosus und 
papalo-squamosus abortivus; 4. Favus erythemato - vesiculosus circinatus. Während 
nun nach Quinckes Angaben der Favus herpeticus (a-Pilz) ausschliefslich die un- 
behaarten Körperregionen, der Favus vulgaris (ß und y) die Kopfhaut befallen sollte,. 
äoTsert sich M. dahin, dafs die Verschiedenheit des klinischen Bildes nicht auf einer 
Pilzverschiedenheit beruht, dieselbe sei vielmehr die Folge der differenten Reaktion 
der betreffenden Hautstelle gegen die Pilzinvasion. Entwickelt sich nämlich der 
Pilz nur ganz oberflächlich, so wird sich die erythematöse Form entwickeln, vermag 
er aber an circumskripter Stelle mehr in die Tiefe zu wirken (in natürlichen Krypten, 
z. B. den Haarfolikeln, auf Substanzdefekten etc.)) so wird es zur Ausbildung eine» 
Scutnlums kommen. Es kommt ferner hierbei die Beschaffenheit der Haut selbst 
und ihre individuelle Besistenzfähigkeit in Betracht. Es repräsentieren die erythema- 
tosen Erscheinungen der parasitären Hautaffektionen die Beaktionsweise der Haut 
gegen den Beiz der Pilzinvasion. Diese Reaktion trachtet naturgemäfs nach der 
spontanen Abheilung des Prozesses. Tritt sie nun nicht oder nur mangelhaft ein, um 
80 sicherer erfolgt das ungestörte Fortschreiten der Pilz Vegetation, d. h. die Ausbildung 
des Scutulums. 

Mit dieser Anschauungsweise steht auch vollkommen im Einklänge der bakterio- 
logische Befund. Entgegen den Mitteilungen anderer Forscher, wie Quincke (3 Pilze), 
Elsbnberg (2), Kral (6)^ Uxna und Frank (3), konnte nämlich M. auf den verschiedenen 
Nährboden (Agar, Blutserum, Gelatine, Kartoffel) immer nur einen und denselben 
Pilz züchten, und zwar in Form von aus konzentrischen Ringen bestehenden, bis 6 cm 
im Durchmesser zählenden Scheiben, welche, wenn sich zugleich mehrere von ein 
und derselben Ausdehnung auf demselben Boden entwickelten, untereinander nicht 
verschmolzen. 

Morphologisch präsentiert sich der Pilz in seinen Kulturen unter den ver- 
schiedenen Ansichten, je nachdem sich die Kultur in einem jüngeren oder älteren 
Entwickelungsstadium befindet, oder je nachdem man einen mehr central oder mehr 
peripher gelegenen Teil des Rasens untersucht. 

In seiner elementaren Gestalt stellt das Scutulum da, wo es sich nach allen 
Seiten frei entwickeln kann, d. h. an der trichterförmigen Vertiefung der Follikel- 



^ 



48 

mündung, ein sphärisches Gebilde dar. An demselben läfst sich nach der WEiOERTschen 
Färbemethode ein leicht tingibler centraler und ein den Farbstoff in geringerem 
Grade aufnehmender peripherer Teil unterscheiden. In letzterem verlaufen die Uycel- 
föden in viel regelmäfsigerer, radiärer Form. Das Ganze umgiebt eine körnige Zone, 
in welcher sich die letzten Verzweigungen der periphern Teile der Kolonie verlieren. 
Diese Köruerzone wird gebildet von den den Überresten der Zellen des Stratum 
granulosum Malpighi. Bei VergrÖfserung des Scutulums findet sich dieselbe immer 
wieder, ebenso lassen sich die jüngsten peripheren Schichten des Scutulums in Form 
konzentrischer' Hinge erkennen. 

Hinsichtlich der Topographie der Pilz Vegetation im Haare selbst konnte M. 
mit Sicherheit ti achweisen, dafs sich das Mycel in der Hindensubstanz ausbreitet. 
Der Pilz dringt am Infundibulum, wo die üppigste Vegetation stattfindet; in das 
Haar hinein und verbreitet sich von hier nach obeü und unten dem Haare entlang; 
in letzterer Richtung nimmt es ungefähr die Vs des Schaftes ein, ohne jemals den 
Bulbus selbst oder die äuljsere Wurzelscheide zu ergreifen. 

Unter den Veränderungen der vom Favus befallenen Haut finden sich konstant: 
1. eine Alteration der elastischen Fasern, welche gröfstenteils verschwunden, oder an 
den Stellen, wo die Haut atrophisch geworden, hypertrophisch sind; 2. das Fehlen 
von Talgdrüsen; 3. reiche Epithelproliferation an Stellen, wo das Bete nicht von 
aufliegenden Scutula komprimiert wird. — In das Derma selbst dringt der Pilz nie 
ein. Die Hautätrophie, welche im Gefolge des Favus beobachtet wird, mufs als eine 
Druckerscheinung (S'on Seiten der Scutula) betrachtet werden. 

Bezüglich des Ausgangs der Affektion bemerkt M., dafs die Haut erat dann in 
einen für die Entwickelung des Pilzes untaug^chen Zustand tritt^ wenn diesem infolge 
der Atrophie und Sklerose, sowie des Gefäfsmangels im Derma der günstige Nährboden 
genommen, oder wenn er auf der absolut glatt und gleichmäfsig gewordenen Epidermis 
keine Stelle mehr findet, wo er sich festsetzen kann. 

Der Nagel zeigt bei Favus folgende Veränderungen: 

1. In Epidermis und Derma des Nagelbettes finden sich dieselben Erscheinungen 
entzündlicher Beaktion, wie die favösen Hautstellen anderer Eörperregionen. 

2. Der Nagel selbst behält seine normale Dicke; die scheinbare Verdickung am 
freien Bande, sowie an den seitlichen Partien beiniht auf Zwischenlagerung von Hom- 
substanz zwischen Nagelbett und Nagel. 

3. Diese Hornsubstanz ist eine der Prädilektionsstellen für die Fortsetzung des 
Pilzes. Eine andere Prädilektionsstelle ist die Nagelsubstanz selbst, jedoch nur ihre 
oberflächliche Schicht. 

4. Der Pilz dringt weder in die Epithelschicht noch in das Derma des Nagel- 
bettes. C. Müller- Freiburg (Schweiz). 

Über Myxödem, von Kraepelin. (Deutsch. Arch. f. Min. Medicin, 49. Bd., 1892, 
Heft 6.) Verfasser beschreibt zwei neue Fälle und berichtet weiter über den bereits 
früher von ihm veröffentlichten. Zwei derselben waren sehr ähnlich: sie zeigten 
Sinnestäuschungen» Empfindlichkeit gegen Gehöreindrücke, Beizbarkeit, psychische 
Erregung, Erhöhung der mechanischen Muskelerregbarkeit, Auslösung von Zuckungen 
bei Beklopfen der N. ulnares, subjektives Kältegefühl, die Infiltrationen schwanden mit 
Abnahme des Körpergewichts. In allen dreien fanden sich Parästhesien, Steigerung 
der Patellarreflexe, Tremor, Erhöhung des elektrischen Leitungswideratandes, Stumpfheit 
und Benommenheit und vor allem die Ablagerungen in der Haut; die Schilddrüse 
fehlte. Bei dem zweiten Fall schwankte Verfasser lange in der Diagnose, bis die 
Blutuntersuchung dieselbe festigte. 



49 

£• fand sich nämlich in allen eine Yergrölserunff des Durchmessers der roten 
Blatkörperclien, ohne Änderung des Hämoglobingehalts oder des Zahlenverhältnisses 
der roten und weifsen Zellen. Femer ist das spezifische Gewicht des Blutes und des 
Senuns erhöht, die Trockenrückstände sind schwerer als in der Norm; der spektro- 
photometrische Extinktionskoeffizient ist eben&lls yergröfsert. Der Fibringehalt ist 
herabgesetzt. In dem klinisch abweichenden Falle ist das relative Gewicht der roten 
Blatkörperchen vermindert, das des Serums erhöht, in den beiden umgekehrt. Ver- 
fasser möchte diesen zweiten Fall als ein früheres Stadium ansehen, bei dem die 
roten Zellen an Zahl abgenommen haben, dafür aber gröfser und reicher an Trocken* 
snbstanz geworden sind, während sie später kleiner und wässeriger werden. 

Jedenfidls spielt die Schilddruse bei der Blutemeuemng eine gewisse Rolle, und 
der Ausfall dieser Funktion führt zu einer tiefgreifenden Ernährungsstörung, besonders 
in der Jugend. 

Einen vierten Fall, auch ein Weib, beschreibt Verfasser anhangsweise, er gehört 
wahrscheinlich auch hierher, wennschon die Blutuntersuchung nicht gemacht werden 
konnte. Hier fehlte das Kältegefühl und die Steigerung der Patellarreflexe (wie bei 
Cachexia stmmipriva). Dagegen traten tetanische Anfälle und Collapse auf. 

F, Hahn-Bremen. 
Bin Fall von Myxödem nnd OeisteBBtönmg, behandelt mit Injektionen 
▼on Schilddrttsenextrakt, von E. C. Carter. {Rit. med, Joum, 16. April 1892.) 
Eine 43jährige Frau, die wegen Aufregungszustände , Verfolgungswahn und anderer 
ausgesprochenen Erscheinungen von Geistesstörung in einer Anstalt untergebracht 
war, hatte seit 4 Jahren oder länger Symptome von typischem Myxödem dargeboten. 
Sie wurde nach dem Vorgang von Mürrjit u. a. drei und einen halben Monat lang 
mit regelmälsigen Einspritzungen eines Extraktes der Schilddrüse von Schweinen 
behandelt. Körperlich war eine auffällige Besserung zu konstatieren, und geistig war 
die Kranke ebenfalls, wenn auch nicht in so hohem Grade, gebessert. 

PhiUppi'Nieheim, 
Zwei Fälle Ton Xeroderma pigmentoanm , von G. Murphy. (Med. News. 
16. April 1892.) Dieselben betreffen einen 10jährigen Knaben und seine 6jährige 
Schwester. Bei ersterem hatte die Affektion im dritten Monat nach gelindem Fieber 
in Gestalt von minimalen Bläschen mit nachfolgender Pigmentierung begonnen ; später 
traten warzenartige, pigmentierte Gebilde an verschiedenen Teilen des Körpers und 
namentlich am Gesicht hervor. Dieselben lösten sich teils spontan, teils durch Ein 
Wirkung von Traumen mehr oder weniger ab. Auch jetzt treten zeitweilig neue 
Tumoren hervor. Die Augen sind stark beteiligt gewesen und das Sehvermögen 
rechts ist verloren. Das Mädchen zeigte ähnliche Erscheinungen. 

Phüippi-Nieheim, 

Sin Fall von trockener Gangrän, von H. J. Daogett. (Brit. med, Journ. 
23. April 1892.) Eine 35jährige, unverheiratete Person hatte seit etwa 5 Wochen 
an intensiven Kopfschmerzen, gelindem Fieber, etwas Schmerz in der linken Schulter 
und Brust, sowie seit einigen Tagen an einer schwärzlich-bläulichen Verförbung des 
rediten Fufses krank gelegen. Die Gangrän breitete sich langsam weiter aus und 
demarkierte sich ziemlich genau am Symeschen Schnitt. Der Fufs wurde eben überm 
Sprunggelenk amputiert. Blutung nur höchst wenig. Heilung unter tonisierender 
Behandlung vollständig. Der Fall ist ungewöhnlich und nicht leicht zu erklären. 

Phüippi-Nieheim, 

Die Behandlnng von Beingeschwliren, von S. S. K. Morton. (New York 
med. Joum. 2. Juli 1892.) Beim gewöhnlichen Ulcus cmris legt M. nach vorheriger 
Desinfektion und Beinigung einige Streifen LiSTBRschen Protective Silks auf, alsdann 

MonaUliefte. XVI. 4 



1 



50 

6 oder 8 Lagen angefeuchteter Gaze (mit IVeo Sablimatlösung) und eine Oazebinde 
zur Befestigung. Letztere wird nicht mit Renversös angelegrt, sondern nach der fib* 
liehen Befestigung am Fufse laust man sie am Unterschenkel laufen, wie sie will; sie 
wiüdet sich dann von selbst ganz platt dem Beine an. Verbandwechsel alle 34 bii 
48 Stünden. Sehr nützlich zur Reinigung der Geschwüre ist ein Spray mit H|0,. 
Eine Beschleunigung der Uberhäutung kann man oft dadurch erzielen, dafs man von 
der durch die Sublimatverbände desinfizierten Haut vorsichtig eine Portion Epithel- 
zellen abkratzt und auf die granulierende Flache streut. Dieselben wachsen dann oft 
aufs Schönste weiter. Zur Ablösung von Gangränfetzen bedient sich Verfasser mit 
bestem Erfolg des Aufstreuens von Papoid (vegetabilischem Pepsin) in minimalen 
Hengeo. Man läfst das Mittel nur 24 Stunden lang einwirken. Bei Eintritt ?on 
Entzündung selbst septischer Art erwies sich eine Ichthyolsalbe (20 : 80) mit Lanolin 
als höchst wirksam. PhiHppi'Nieheim. 

Sekretionsanomalien. 

Ö-egen HyperUdroBe and SchweiTsfUTse : 

1. Naphtol 5,0 

Glyzerin. 10,0 

Spirit, vin. 100,0 

Damit werden die betreffenden Teile täglich 2 mal gewaschen, darauf mit Amylom 
gepiidert« 



Waschungen mit: 



2. Sol. Köln hypermang. 1,0—5,0 : 500,0. 



3. Tale] 


40,0 


Bismut. aitbnitr. 


45,0 


Kala hypermang. 


3,0 


Natr. salicyl 


2,0 



4. Äq. coloniens, 120,0 

Tinct Beüad. 25,0 

MDS. 2 — 3 mal täglich einreiben. 

Türkheim-Hamburg. 
HemihyperhidroslB.craciata, von Bauer. (Dtsch. Med.-Ztg. 1892. No.52.) 
Ein 36jähriger Mann zeigt seit seinem 14. Jahre nur rechts eine Hypersekretion des 
Schweifses von der Achsel zur Leistenbeuge ; an den Extremitäten dieselbe Encheinong 
links, besonders an der linken Wade. Sensibilität etc. normal, Reflex erhalten, nur 
Pupillen stets ungleich. — Zuweilen fallt dem Patienten das Sprechen schwer; er 
leidet an Kopfschmerzen. Auf Pilokarpin keine Reaktion. — . In der Diskussion 
bemerkt Jolly, dafs in Fällen von halbseitiger Hyperidrosis auf Pilokarpin beide 
Seiten gleich geschwitzt hätten; besonders geben Affektionen am Halse Veranlassung 
SU halbseitigem Schwitzen. Jessner-Königsberg i. Fr. 

Behandloxig von SchweiTshänden. {La medecine moderne. No. 33. ÄUg. med. 
Centralztg. 1892. No. 77. 

Dreimal täglich einreiben mit 

Äcid. boric. 5,0 

Borax. 

Äcid. salicyl. a 15,0 

Alkohol. 30,0. 

J essner-Königsberg i. Fr. 



51 



Pathologie und Therapie des Xlrogenitalapparatea. 



Die Entwickelungsgeschichte der fokalen venerischen Krankheiten, von 

6. F. Ltdston. {Adresses and Essays. F. £lein & Co., Chicago.) Verfasser stellt die 
Ansicht auf, daTs der weiche Schanker und die Gonorrhoe keine spezifischen Krank- 
heitseinheiten seien, sondern dafs ' dieselben blofs besondere Modifikationen anderer, 
veniger bösartiger Giflstofie darstellen. Die Gonorhoe falst er als ein^ durch 
besondere Umstände yerschlimmerte Urethritis auf, den Schanker als eine nur 
graduell von irgend einem beliebigen Geschwür der Genitalien verschiedene Afit^ktion 
an! Aach sei das Virus bei beiden ähnlicher Art, und was das Wichtigste ist, 4^- 
selbe kann unter geeigneten UmstäijLden de novo sich erzeugen. Diese auch von 
Taylor und Bumstsad vertretene Ansicht begründet L. durch verschiedene B^ol^ach- 
langen, deren Bedeutung nicht ohn^ weiteres von d^ Hand zu weisen ist. 

Philippi- Nieheim. 

Bntfemnng eines vier Zoll langen GUasstabes ana der Blase, vpn T. M. 
ToDD. {Occ. med. Journ. August 1892.) Der 49jähnge Patient hatte sich den 
Kolben einer Glasspritze bis in die Blase eingeführt und dann ofifenbar abgebrochen. 
Der steckengebliebene, vi^r Zoll lange Rest wurde dann durch einen Einschnitt in 
die Pars bulbosa entfernt. Derselbe steckte im Blasenhalse fest. Teilung. 

PhiUppirNieheim. 

Poly^^n der ml^nnliclien Harxurökr^, von Goldenberg. (New Yark Med. 
Journ, 9. Mai 1891.) Ein 45 Jahre alter Mann, der nie an Gonorrhoe gelitten hatte, 
erkrankte an plötzlicher fiarnverhaltupg ; es wurde innere und äufsere Urethroiomie 
^remacht, die Wunde heilte normal. Heilung in sechs Wochen. Patient sollte nun 
sondiert werden, da der Strahl noch dünn war und eiteriger Ausflufs bestand; keiine 
Gonokokken. Sonde No. 14 (englisch) passierte, machte aber Schmerzen und Blutung. 
Die endoskopische Untersuchung zeigte einen halbbohnengrofsen Tumor, nahe dem 
Bulbus, mit breitem Stiel und von roter Farbe. Er wurde entfernt und erwies sich 
ak bestehend aus wenig sellreich^m durchsichtigen Gewebe, an anderen Stellen 
(farülärem Gewebe, mit zahkeichen Bundzellen und Blutgefafsen ; der Tumor war von 
^iaer Kapsel von Plattenepithel umgeben* 

In einem zweiten Fall handelt es sich um einen jungen Mann mit eiterigem 
Ansflufs, der verschiedene spitze Kondylome am Praeputium und am Orificium extemnm 
QXfthrae hatt^. Im Endoi|kop sah man in der Fossa navicularis drei warzige Wuohe- 
rangen, schmerzhaft und leicht blutend. Sie wurden entfernt und erwiesen ^ioh als 
spitze Eond>;lome. 

In der Litteratur fand G. aufser Fällen von Papillomen (cf. Obebläkjdeb) nur 
^en yon Nevberqer beschriebenen Fall, der ^eich seinem ersten als fibron(\atöa 
anzusehen ist Er h&lt die Papillom^ für viel häufiger, als im allgemeinen fi^ij^ 
fommen wird, während die Fibrome, ausgehend vom submukösen Gewebe, selten 8\n<i 
Die Gonorrhoe in allen Fällen als Ursache verantwortlich zu machen, i^t nach 
G.'s ^ieinvLixg ungerechtfertigt. 

Die Symptome eines solchen endourethralen Tumors sind im allgemeinen die 
einer Striktur, jedoch verschieden je nach Gröfse und Sitz. Verfasser betont die 
Notwendigkeit der endoskopischen Untersuchung, für die er einen Tubus, Beflektor 
ond eine gute Lichtquelle als ausreichend erachtet, während das von Oberländer 
verlangte Elektroendoskop entbehrlich ist. Die Untersuchung mufs eben einfach und 
rasch gemacht werden können. F, Hahn-Bremen. 

PeBfarlnm occlnsiinw in der Qatnblase. Mitgeteilt von Lohnstein. (Dtsch. 
Med.-Ztg. 1892. No. 52.) Als Ursache fines eiterigen Blasenkatarrhs bei ^inerjun$2;eu 

4* 



52 

Dame erwies sich ein Pessarium occlasi^am, das ihr von ihrem Liebhaber vor dem 
Coitas in die Blase statt in die Vagina gebracht war. Da der Liebhaber augen- 
scheinlich beim Coitus geschickter in der Auffindung der Vagina war, hatte die 
Patiientin die Blasenbeschwerden zu tragen, ohne der gefürchteten Gravidität ent- 
gangen zu sein. Jessner-Königsberg i. Pr. 

Zur Therapie der üreterfisteln, von Arie Getl. (ßammlung klinischer Vor- 
träge, begründet von R. von Volkbiann, neue Folge, No. 37.) Es handelt sich um einen 
Fall von linksseitiger fistula uretero- vaginalis; rechtsseitiger fistula uretero-uterint ; 
doppelseitigem Einrils der cervix uteri, ruptura completa septi perinei, nach einer 
schweren Zangenentbindung entstanden. Verfasser schildert, wie ihm die Beseitigung 
der linksseitigen Uretero- Vaginal-Fistel gelungen ist, indem er eine Vesico- Vaginal- 
fistel unterhalb der Ureterenfistel anlegte und dann beide Fistel durch einen Kanal 
verband, den er durch Umschneidung und Vereinigung der umgebenden Vaginal- 
schleimhaut herstellte, die dadurch also zur Vesikalsohleimhaut gemacht wurde. Der 
Urin konnte nun durch diesen Kanal direkt in die Blase abfliefsen. Wo die Operation 
ausführbar ist, ist sie natürlich der Occlusio vaginae vorzuziehen. 

Jessner-Königsberg i. Pr. 

Bemerkungen zn J. Links Vorschlag zur Entfernung yon Tumoren ans 
der männlichen Harnblase, von 0. Zuckerkandl. {Wien. Min, Wochenschr. 1892. 
No. 28.) In Übereinstimmung mit v. Dittel wendet sich Z. gegen den Vorschlsg 
Lines, die männliche Harnblase auf sakralem Wege, nach Enukleation des Steifsbeini 
und unter Umgehung des Kectum, operativ^ besonders zur Entfernung der Tumoren 
am Blasengrunde, in Angriff zu nehmen. Z. betont die vorzüglichen Resultate der 
Sectio alta und hebt ihre Vorteile gegenüber der vorgeschlagenen Operation heryor. 
Letztere sei auch nicht neu, da v. Dittel bei der Prostatectomia lateralis in gleicher 
Weise vorgegangen sei. Jessner-Königsberg i. Pr. 

Zur Kasuistik der Hamröhrenverletzungen. KontusionsYerletzung der 
Harnröhre; gefahrdrohende Blutung, Urethrotomia externa in der Tierten 
Woche nach der Verletzung. Heilungi von A. Greussiko. (Prag. med. Wochensdir. 
1892. No. 22.) Der Titel giebt den Inhalt genügend wieder. 

Jessner-Königsberg i. Pr. 

Die akute Oystitis, poliklinischer Vortrag von Verhoogen. (La PolicUnique. 
1892. No. 6.) Vortragender bespricht hier allein die gonorrhoische Cystitis. Bezüglicb 
der Therapie haben sich ihm während des akuten Stadiums am besten bewährt: Rahe, 
feuchte Etnpackungen, laue Sitzbäder, Narcotica; eventuell Katheterismus; Milchdiät. 
Nach dem akuten Stadium: Ausspülungen von Urethra posterior und Blase mit 
Lösungen von Argentum nitricum (0,5 — 1 Voo und mehr), welche mittelst NELiTONschen 
Kathetern (mit Glyzerin bestrichen) in Quantitäten von 100 — 150 g mehrmals langsam 
eingespritzt werden. Erfolgt nach ca. 10 Ausspülungen nicht vollständige Heilang, 
so sieht Verfasser von weiteren vorläufig ab und lafst den Patienten wieder eine 
Zeit lang ruhen. C. MüUer-Freiburg (Schweis). 

Oystinurie, von W. Smith. (Transact. of the Boyal Äcad. of Med. in Irland, 
1881, Dublin by J. Falconer.) Verfasser hat bei einem Knaben, der an Herpes ton- 
surans litt, zufällig Oystinurie beobachtet; nach Aussage der Mutter setzte der Uiin 
seit längerer Zeit einen grau-grünen Bodensatz ab und .^seigte einen eigentümlichen 
Geruch; Verfasser konnte mikroskopisch einige Male Oystinkrystalle nachweisen; 
später waren sie verschwunden, ohne dais eine besondere Therapie eingeleitet war 
die Gesundheit des Kindes war durchaus nicht alteriert. 



53 

Cystin ist ein Produkt der Eiweifsverdauung; es findet sich in seltenen Fällen 
im normalen Urin von Menschen und Hunden. Cystein ist wahrscheinlich ein Vor- 
fiafer des Cystins; dies steht in keiner Beziehung zur Harnsäure. Cystinurie findet 
sich häufig kombiniert mit dem Auftreten von Diaminen im Urin, wie Kadaverin 
oder Pntrescin. Normale Urine oder Faeces enthalten nie derartige Diamine. Oysti- 
narie kann jahrelang bestehen, ohne die Gesundheit zu schädigen. Cystinurie und 
Diaminorie haben wahrscheinlich Mikroorganismen als Urheber; daher hat die 
Therapie die Indikation, den Darm zu desinfizieren. ¥. Hafm-Bremeti, 



Gonorrhoe und Komplikationen. 

Zur Therapie der EpididsrmitiB acnta. Von Rörig jun. (Therap. MmaUh. 
No. 9. 1892.) Seit vier Jahren bedient sich Verfasser bei der Behandlung der Nebenhodeu- 
entznndung zur festen Einwickelung ausschliefslich der Grummibinde und ist mit dem 
Erfolge sehr zufrieden. Er benutzt 2 m lange und 5 cm breite Gummibinden, die 
80 gewickelt sein müssen, dais die Stoff bänder nach innen liegen, um nachher durch 
eine Schleife die Bindentouren halten zu können. Beim Anlegen umfafst er das 
entzündete Organ von unten her so, dafs der Nebenhoden nur leise oder gar nicht 
berührt wird und schafft durch 2 — 3 Touren oberhalb desselben, die er während des 
Anlegens mit den Fingerspitzen fixiert, sowohl einen Halt für die folgenden Touren, 
wie einen Schutz gegen das Herausschlüpfen des Hodens, nähert sich dann bei den 
folgenden Touren bald von der einen, bald von der anderen Seite der Peripherie, 
nach Umständen Renverses bildend, um so der ganzen Bandage ein festes, gleich- 
mäisig komprimierendes Gefüge zu geben. Den unteren Pol läfst er frei, um an der 
allfallig bläulichen VerHirbung sehen zu können, ob die Einwickelung zu fest war. 
Der Verband wird nach 2 — 3 Tagen gewechselt, um Druckstellen der Haut recht- 
zeitig berücksichtigen zu können. Unter diesem Verbände kann der Patient seiner 
Beschäftigung nachgehen. L. Hoffmann-Berlin. 

Eine elastische Salbenspritze znr Selbstbehandlung der Gonorrhoea poste- 
rior, von Paul Seliger. (Der ärztl. Praktiker No. 11, 1892.) In des Verfassers Gegend 
mvSB unter den Landleuten die chronische (Gonorrhoe wohl epidemisch resp. 
endemisch auftreten, weil es notwendig ist, den Patienten die lokale Behandlung der 
Gonorrhoe mittelst Instrumenten selbst zu überlassen. Die vom Verfasser konstruierte 
Salbenspritze besteht aus einem cylindrischen Hohlbougie, das an der Spitze eine 
Öffnung hat. In diesem Bougie wird ein Asbeststempel an einer Fischbeinstange 
aaf und nieder bewegt. Geladen wird dies kleinkalibrige Gewehr mit UNNAscher 
erwärmter Salbensondenmasse , nachdem man das Instrument selbst in warmem 
Wasser erwärmt hat. 

(Bei Besprechung der UNNAschen Salbensonden führt der Verfasser gegen die- 
selbe das Abstreifen der Salbenmasse beim Durchführen durch die Striktur an. Von 
diesem nur in der Phantasie einiger Kollegen lebenden Irrtume kann man sich doch 
sofort überzeugen, wenn man die durch die Striktur durchgeführte Salbensonde sofort 
wieder herauszieht. Es müfste dann, wenn die Salbenmasse von der Sonde durcn 
die Verengerung abgestreift wäre, der die Striktur passierte Teil der Sonde von der 
Salbe befreit sein, was jedoch mir noch niemals passiert ist.) 

P. Taenzer-Bremen. 

Über gonorrhoische Erkrankung der Mnndschleimhant bei Neugeborenen, 
▼on Dr. RosI^'SKI. (Arch. f, Gehurtsh, u. Gyn. 1892, Bd. XXII.) Das neuerdings 



54 

vom Verfasser bebandelte Tbema^ weist einen Zuwacbs von zwei auf fünf Falle 
dieser Erkrankung auf. Neu in dieser Arbeit ist, dafs Verfasser die Fälle nicht 
bebandelt bat, und die Heilung bereits am dritten Tage .begonnen baben soll and 
scbnell (spätestens in wenig Woeben) beendet war. 

Eine Narbenbildung trat niubt ein. 

(Es macht dieser Aufsatz nicht den Eindruck, als ob es sich pm eine wirkliche 
Gonorrhoe des Mundes, sondern um irgend eine andere soorähnliche Mmidafie^KÜon 
gehandelt habe. Referent.) P. Taenzer-^^emen. 

Die ürogenitalblennorrhoe (Gonorrhoe) der kleinen Mädchen, von Dr. 
Gohex-Brach. (Deutsch. Med, Wochenschr. No. 32.) Die Vulvovaginitis der kleinen 
Mädchen stellt einen entzündlichen Vorgang im Bereiche der kindlichen weiblichen 
Genitalien dar, welcher einen eiterigen oder schleimig-eitrigen Ausflufs zur Folge 
hat. Verfasser beobachtete innerhalb 15 Monaten 21 Kinder mit derartigen Leiden 
im Alter von 2— 10 Jahren. In allen Fällen liefsen sich in grofser Zahl typische, 
in Bundzellen gelagerte Gonokokkenhaufen nachweisen, so dafs man an der echt 
gonorrhoischen Natur dieser Erkrankung nicht mehr zweifeln kann. Die Übertragung 
der Affektion hatte entweder durch indirekte Ansteckung stattgefunden oder war auch 
wohl durch geschlechtliche Vergewaltigung zu stände gekommen. AU typischer, 
geradezu pathognomonischer Sitz der gonorrhoischen Entzündung erwies sich die 
wegen der oberflächlichen Lage ihrer aufseren Mündung einer Infektion besonders 
zugängliche Harnröhre. Drückte xnan vom Anus und Perineum aus nach vom oben, 
so kam aus der aufseren Harnröhrenmünd^ng ein mehr oder weniger betrachtlicher 
Eitertropfen zum Vorschein, der fast ausschliefslich Gonokokken enthielt. Die Vi^gioa 
kam als Quelle der Eiterung nicht in Betracht, für . die Dauer des Aaaflnsaes gab 
gewöhnlich der Bestand der Urethritis den Ausschlag. Ob überhaupt die Bat* 
Zündungen der Vagina spezifisch gonorrhoischer Natur w^ren oder nur einen 
Macerationseffekt darstellten, liefs sich nicht klar entscheiden. Sicher ist, ^b die 
spezifische Beteiligung der Vagina und Vulva mit zunehmendem Lebensalter so sehr 
zurücktrat, dafs die Bezeichnung „Vulvovaginitis*' für solche Fälle unzati^end 
erscheint. Ein Fortschreiten des Prozesses nach dem Cervikalkanal und weiterhin 
nach den Tuben und dem Peritoneum wurde nie mit Sicherheit beobachtet, und mag 
die UYsacbe hierfür in dem festen Schlüsse des aufseren Muttermundes zu suchen sein. 
Wegen d,er Seltenheit dieser Ausbreitung ist die Prognose der Gonorrhoe bei kleinen 
llädcben wesentlich günstiger, als nach Eintritt der Pubertät. Die das ganze Krank- 
heitsbild beherrschende Urethritis pflegt innerhalb einiger Monate spontan abzuheikn. 
Alle örtlichen therapeutischen Eingriffe sind unzweckmäfsig; es genügen: ein&cbe 
Beinhaltung der Genitalien und Bettruhe bei allenfallsigem innerlichen Gebrauch von 
Balsamicis. L. Hoffmann-BerUn, 



^ S. Referat Manatsh, XU, pag. 82. 



Der Kollodiomwatteverband und seine Verwendung zn oberfl&clüieliea 
nnd fr^renden Verbänden und zur Beffstifung von V^rweiU^tliet^» ^^^ 

Ph. Biedert. (Der ärztliche Praitiker. 1892. No. 280 W^n^ man beim Auf Illingen 



00 

TOn EoUoditim auf die Haut immer eine dünne Watteschicht mit anpinselt, dann 
erhalt man eine sehr fest haftende Decke, die bei Benutzung von Collodium elasticum 
anch far Teile, die viel bewegt werden, sich eignet. B. empfiehlt die ausgiebige Be- 
natzong dieses Verbandes für kleino Wunden, eventuell nachdem dieselbe vorher mit 
etvM Protektiv bedeckt 'sind; besonders an den Händen ist dieselben praktisch und 
bequem. Will man auf einer kleinen Stelle einen antiseptischen pRiESSNiTzschen 
Verband {applizieren (beginnendes Erysipel, Paäaritien, Furunkel, multiple Hautabscesse 
der kleinen Kinder, Verbrennungen, Hundebifs etc.) will man immobilisierende Ver- 
bände anlegen, dann ist der Eollodiumwattcverband dazu geeignet. 

Besonders nützlich erweist er sich aber zur Fixation von Verweilkathetern, 
indem man einen Faden an denselben anknotet und dann, am besten oben und unten 
am Penis, die Fadenenden durch wiederholt aufgetragene EoUodiumwatteschichten 
befestigt; diese Schichten dürfen an jeder Stelle nicht mehr als V« — Va der Circum- 
fercDz des Penis einnehmen. Einige Fälle illustrieren die Einfachheit und Nützlich- 
keit des Verfahrens. (Ref hat das Auftragen von Kollodium, Auflegen ganz dünner 
Wfttteschichten und Anpinseln derselben als Verband bei kleinen Verletzungen, 
liseären Wunden — so z. B. nach Exzision einer Hautfalte aus dem unteren Augen' 
lide — seit zehn Jahren zur vollsten Zufriedenheit angewendet.) 

Jessner- Königsberg i, Pr. 

Besünuntuig des GteschleclitB bei der Zeugung, von D. E. Keefe. (New 
York Med. J<ntm.y 2. Juli 92.) Nach einer kurzen Kritisierung verschiedener, von 
anderen Autoren (Terry, Gourier u. a.) aufgestellter Theorien giebt Verfasser seine 
auf Beobachtung von 311 Fällen gegründeten Hypothesen. Dieselben zielen darauf 
hin, dafs bei der Zeugung der kräftigere Teil den Ausschlag giebt und ein dem 
seinigen entgegengesetztes Geschlecht' hervorruft; ist also der Mann kräftiger als die 
f nia, so entsteht ein Mädchen und umgekehrt. Der Begriff ^kräftig^ ist dabei 
mtärUch in weitestem Sinne aufzufassen. Seine 311 Fälle hat K. nach diesem 
Prinzip eingeteilt, und zwar 126 als gleich, 117 Fälle mit Überwiegen des Mannes 
ond 68 mit Überwiegen der Frau, Bei der ersten Gruppe war die Verteilung von 
männlichen und weiblichen Kindern fast gleich: bei der zweiten ergaben sich 25 V« 
Enaben und 75% Mädchen, bei der dritten 9^% männliche und 7% weibliche 
Nachkommenschaft. Dementsprechend mufs die Lebensweise, falls männliche Kinder 
gewünscht werden, auf Stärkung der Frau und Verminderung der Kraft des Mannes 
abzielen. « Phüippi-Nieheim. 

ttittellungen über den Stand der Merkurialkrankheit in den Spiegel- 
belegen zu Fürth, von Wollnkr. {Münch. med. Woch., 1892, No. 30.) Verfasser 
konstatiert, dafs seit l^/i Jahren unter den Arbeitern in der Spiegelindustrie kein 
Fall von Merkurialismus vorgekommen sei; dabei sind jetzt meist Arbeiter thätig, 
die schon seit Jahren in dem Geschäft sind ; der Grund liegt in den besseren Erwerbs- 
Terhältnissen, die eine bessere Ernährung bei kürzerer Arbeitszeit gestatten. Die im 
Sommer grö&ere Verdunstung des Hg führt nicht zur Erkrankung, da im Winter in 
den letzten Jahren bedeutend mehr an Merkurialismus litten, ebensowenig die mangelnde 
Ventilation im Winter, denn die Fenster werden nie geschlossen ; die nicht so fern 
liegenden Gründe will Verfasser später mitteilen. Vorläufig protestiert er gegen 
Neuerungen der Aufsichtsbehörde, die dem Arbeitgeber Kosten verursachen und so 
den Verdienst drücken, wie Verlegen der Belege nach Norden und künstliche 
Ventilation. F. Hahn-Bretnen. 

Die Taubenzecke als Parasit des Menschen, von K. Alt. (Münch. med. Woch., 
1892, No. 30.) Schon im Anfang unseres Jahrhunderts wurden von Reisenden Ver- 



56 

giftuDgen nach Bifs einer in Persien vorkommenden Zecke beschrieben. Der deatache 
Vetter dieses Tieres, die Taubenzecke, Argus reflexus, entwickelt gelegentlich ähnliche 
Bösartigkeit. 

Aufser von anderen beobachteten Fällen teilt Verfasser eine eigene Erfahmog 
mit: ein kräftiger gesunder Herr wurde zum fünften Male nach dem Bils eines Tieres 
von einer allgemeinen roseartigen Schwellung der Haut befallen, die Augenlider 
waren bis zur Unförmlichkeit geschwollen, gleichzeitig bestand Atemnot, Herzklopfen, 
Benommenheit; nach etwa einer Stunde besserte sich der Zustand unter profuser 
Schweiüssekretion, um sich nach 10—15 Stunden allmählich zu verlieren. Patient 
war „etwas nervös**, es bestand Urticaria factitia; Insektenstiche rufen im übrigen 
nur starke Quaddeln hervor. 

Der Attentäter erwies sich als Taubenzecke, die in einem vermauerten Tauben- 
schlag sich fanden. 

Bei Verfasser und mehreren anderen rief der Bilis keine besonderen Erscheinungen 
hervor, bei einem Manne mit Urticaria ein allgemeines Erythem. 

In dem zerriebenen Extrakt der Tiere lielsen sich keine Alkaloide nachweisen; 
er gab aber dem Ereuzottergift analoge Beaktionen mit Phosphorwolfram- und 
Molybdänsäure (Toxalbumine). 

Die Therapie hat vor allem prophylaktisch der oft geföhrlichen Vergiftung 
vorzubeugen; vermauerte Taubenschläge müssen gereinigt, event. neu bevölkert 
werden, da das Tier seine naturgemäfse Nahrung vorzieht. Während des Anfalles: 
Opium, Bromkalium. F. Hahn- Bremen, 

Über das falsche Lymphextravasat, von A. Paltauf. iPrag. med. Wochensckr. 
1892. No. 33.) Das von Qussbkbaüer beschriebene „Lymphextravasat" entsteht in 
Stellen mit grolsen LymphgefaJsen (Oberschenkel, Unterschenkel, untere Baucb* 
gegend etc.) besonders nach tangentialen Verletzungen zwischen Haut und Easeie, 
selten im Bereiche der Muskeln; es ist durch successives Entstehen und Wachstum, 
serösen, gelblichen, wässrigen, nicht gerinnenden Inhalt gekennzeichnet, der durch 
Beimengung von Blut allerdings eine rötliche Farbe annehmen kann. Anders ist es 
mit den von gerichtsärztlicher Seite beschriebenen sogenannten Lymphorrhagien, die 
centrale Blutergüsse umgeben, durch Stich und Stofs entstehen. Nach Ver&ssers 
Untersuchungsergebnissen sind letztere von den eigentlichen Lymphextravasaten ganz 
yerschieden, vielmehr stellt die seröse Infiltration in der Umgebung der Blutgerinnssl 
nur die Folge der Blutgerinnung dar und kann in gleicher Weise am Lebenden wie 
an der Leiche durch die Koagulation gerinnungsfähigen Blutes bewirkt werden. Es 
ist also nur eine ödematÖse Durchtränkung, die sehr häufig ist und nicht als Beweis 
einer vitalen Reaktion gelten kann. Im Gegenteil kann das Fehlen dieser Infiltration 
in der Umgebung von Blutgerinnseln vielleicht eine Fortsetzung des Lebens nach dem 
Trauma voraussetzen lassen, da dann eine Resorption stattgefunden haben mufs. 

Jessner-Königsberg t*. IV. 

Über Wimperbildnng, von J. Hirschbero. (Centralbl f. prakt. Äugenheükmde. 
Mai 1892. Ällg. med, CentrcUztg, 1892. No. 67.) Verfasser hat, um dem plastisch 
gebildeten Lide Wimpern zu geben, den untern Schnitt des dazu verwendeten Stim- 
lappens mitten durch die Braue geführt, so dafs die Haare derselben später die Stelle 
der Wiropern einnehmen. Jessner-Königsherg t. Fr, 



Po]iirt0liefie fk |!taMifdie petmatologit 



BaDd XVI. N2i 2. 15. Januar 1893. 



Aus Dr. Unnas dermatologischem Laboratorium zu Hamburg. 

Die bisher bekannten nenn Favusarten. 

Von 

Dr. Nbbbe und Dr. Unna. 

(Schlufs.) 

4. Achorion dikroon. 

a) Makroskopisch. 

lOVo Fleischpeptongelatine. Stichkultur bei Zimmer- 
temperatur. Nach acht bis zehn Tagen ist erst das Wachstum des 
Pilzes zu konstatieren durch Ausstrahlungen eines Randmycels. Die 
Enlhir entwickelt sich auf der Oberfläche der Gelatine und erreicht nach 
drei Wochen eine Ausdehnung von 8 mm Länge und 4 mm Breite; die 
Oberfläche weifslich bestäubt. Die Gelatine in der nächsten Umgebung 
des Rasens verflüssigt und leicht gelblich verfärbt. Die Unterfläche der 
auf der verflüssigten Gelatine schwimmenden Pilzdecke ist gelblioh-weifs. 
Von der Unterfläche des Rasens tauchen 2 mm lange dichte Mycelfäden 
in die Gelatine ein. Nach sechs Wochen ist fast die ganze Gelatine ver* 
flüssigt und hellgelb ver&rbt. Die auf der Gelatine schwimmende weifs- 
Hohe bestäubte Pilzdecke ist faltig. Von der Peripherie der Pilzdecke 
hat sich eine 2 bis 3 mm breite Zone nach der Unterfiäche zu um- 
gekrempelt, diese taucht deshalb 1 bis 2 mm weit in die Gelatine hinein. 

2—4% Agarkulturen bei 37® C. Der Beginn des Wachstums 
ist erst nach mehreren Tagen zu beobachten. Auch die Entwickelung 
der einzelnen Herde geht stets langsam vor sich. Niemals kommt es im 
Verlaufe des Impfstriches zur Entwickelung eines zusammenhängenden 
Rasens, sondern ' es bilden sich immer zahlreiche, zerstreute Herde, welche 
höchstens ErbsengröJGse erreichen, mit centralem dickem, grau-weifeem luft- 
myoellosem Polster und schmalem, 2 bis 2V2 nim breitem weils bestäubtem 
Randsaum. In den Nährboden wächst der Pilz ebenfalls langsam hinein 
mittelst eines strahligen Mycels. Der Durchmesser der Ausbreitung des 
Nährbodenpilzes überragt an Breite den des Oberflächenpilzes. Die 

Monatshefte XVI. 5 



68 

Unterfläche der einzelnen Herde ist im Centmm ziemlich dnnkel ge!b- 
brftunlich. Erst nach 2Vs bis 4 Wochen hat der Nährbodenpilz die 
Agarschjcht 4 bis 5 mm tief durchsetzt. 

Kartoffelknltnren bei 37^ C. Der Pilz entwickelt sich aaf 
Kartoffel nur schlecht und dann nur spärlich. Von den sieben Impfiuigen 
von frischen und älteren Kulturen entnommenem Pilzmaterial zeigte sich 
nur zweimal ein positives Lnpfresultat. Erst nach neun Tagen ist über- 
haupt ein Wachstum des Pilzes auf der Kartoffeloberfiäche zu kon- 
statieren. Nach 18 Tagen haben sich zahlreiche kleinste, höchstens Ins 
stecknadelkopfgrofse, etwas über der Oberfläche der Kartoffel prominierende 
Herde gebildet, welche genau den Farbenton der Kartoffel annehmen. 
Absolut keine Entwickelung von Luftmycel. 

Blutserumkultupen bei 37^ 0. Am vierten Tage treten im 
Laufe des Impfstriches zahlreiche kleinste Herde auf, deren Oentmm, 
knopfförmig erhaben, etwas den Nährboden überragen. Die zahlreichen 
einzelnen Herde bleiben isoUoe^^^gUj^bi^ei Tendenz zur Konfluens. 
Die Kolonien entwickeln /f&^ m 4m uäcU^^ Tagen etwas weiter und 
erreichen einen Durchmefifl^ ^S^üi^/* bis^ i^\ Das über den Nab- 
boden hervorragende Centrum <ttH8rOj^ffiP der zahlreichen Kolonien ist 
graugelb bis grauweifs. Z^FEntwickelung eines fiiffcmycels kommt es nicht 
Das stecknadelkopfgrofse iS^^ijam ^L-ff^^^^^miev Vs bis 1 mm breiten 
'Randzone umgeben. Im N$£rbocren — Bleiben die einzelnen Kolonien 
ebenfalls sehr scharf begrenzt und wachsen etwa IV2 mm in denselben 
hinein mit einem strahlig angeordneten Mycel. Das Blutserum wird naeh 
zwei bis drei Wochen stark verflüssigt, aber nicht verftUrbt. Nach zwei 
bis drei Wochen haben die einzelnen Herde wohl etwas an Grölse zu- 
genommen, im ganzen aber behalten sie die beschriebenen Charaktere bei. 

b) Mikroskopisch. 

In Agarkulturen keimt aus der 10 bis 12 /if grofsen, rundlichen, 
ovalen Spore ein 5 hia 4 fjt breites Mycel aus. Das sich verästelnde 
Mycel ist meist 4 bis 5 /if breit, deutlich septiert. Einzelne Hyphenzellen 
können anschwellen bis zu 20 bis 30 f* grofsen ovalen Gebilden mit fein- 
kömigem, ungefärbtem Inhalt. Diese Anschwellung der Hyphenzellen 
hat nichts Gemeinsames mit der Blasenbildung bei Achorion cysticum etc., 
sondern ist ein bei Trichophyton und bei Schimmelpilzen häufig ^ 
beobachtendes Vorkommnis. Die Seitenäste teilen sich sehr oft gabelig 
2 — 15 — 20 mal, so dafe einfache Gabelungen entstehen oder auch geweih- 
ähnliche Bildungen. 'Diese geweihähnlichen Mycelgabelungen treten oft in 
der Peripherie der Kulturen in grolser Massenhaftigkeit auf. In sechs 
bis acht Tage alten Kulturen treten in dem Mycelverlauf kurzgliedrige 
Septierungen auf; die einzelnen Zellen bilden sich um zu rundlichen, 
ovalen, 10,8 fi breiten und 1B,5 ft langen Früchten. Dies geschieht in 



59 

sehr regelmäüsiger Weise an den Hauptftsten, sowie an den einÜEich 
gabeligen nnd geweihähnlichen Nebenästen, so daJs wir vielfach sich vei- 
Eweigende, rosenkranzförmig aneinandergereihte Sporenketten vor nns 
haben. Öfters tritt die Fruchtbildung auf, bevor es zur Entwickelung 
der Gkibelungen des Myoels kommt ; in diesen Fällen fehlen die Gabelungen 
und geweihähnlichen Myoelverzweigungen. 

Der Rasen der Kartoffelkulturen besteht aus 12 bis 15 fi grofen, 
randlichen, ovalen, stark glänzenden, mit feinkörnigem, aber durchsichtigem 
Inlialt versehenen Zellen. Zwischen diesen die Hauptmasse des Rasens 
bildenden Zellen Mycel 3 bis 5,4 fi breit, deutlich septiert ; im Verlaufe 
desMycels zuweilen auch endständige, 14 bis IS fjb Mycelansch wellungen, 
aber nur in geringer Anzahl. Nach vier Wochen sind die Zellen zu 
feinkörnigen Massen zerfallen, die Zellenkonturen undeutlich, zum Teil 
fehlend. Zwischen den zerfallenen Zellen noch wohlerhaltenes Mycel 
rerlaufend. Gebilde, welche als Früchte angesprochen werden könnten, 
nirgends vorhanden. 

In Blutserumkulturen gehen von^ den 5,4 /i» dicken, deutlich 
fixierten Hauptästen in sehr kurzen Abständen spitzwinkelig Seitenäste 
ab, welche nach kurzem Verlauf^ meist .schon nach Bildung von ein bia 
zwei Zellen, sich gabeli^' teilen. Die Haupt-' Und Seitenäste, ebenso wie 
die gabeligen Enden zeigen söhon am dritten oder vierten Tage eine sehr 
koizgliedrige Septierung. Die *so entstandenen Zellen schwellen zu ovalen, 
nmdlichen, 5,4 bis 8,1 fjt grofsen, einfach konturierten Früchten an. 
Infolge dieser reichlichen Fruchtbildung gewähren die Herde mikroskopisch 
einen höchst charakteristischen und eigenartigen Anblick: die gleichsam 
an Haupt- und Nebenästchen aufgereihten Früchte haben gro&e Ähnlich- 
keit mit der warzentragenden Sternkoralle (Madrepora verrucosa). 

5. Achorion akromegalicum. 
a) Makroskopisch. 

10% Fleischpeptongelatine. Stichkultur bei Zimmer- 
temperatur. Nach acht bis zwölf Tagen beginnt die Mycelausstrahlung 
Tom Rande des Impfpartikelchens. Nach 18 Tagen ist die Gelatine 1 cm 
boch verflüssigt. Auf dem Boden der verflüssigten Gelatine liegen 
mehrere pfefferkomgrofse Herde. Nach 30 Tagen ist die Gelatine 15 mm 
boch verflüssigt, aber nicht verfärbt. Die einzelnen Pilzherde haben etwas 
an Grölse zugenommen. Das Centrum der einzelnen Herde etwa Stecknadel« 
kopfgrofs gelblich; das Centrum umgeben von einem lockeren, farblosen 
Mycelgefiecht. Nach sechs Wochen ist die ganze Gelatine verflüssigt. 
Eine Verfärbung derselben ist nicht zu konstatieren. 

2 bis 4% Agarkulturen bei 37^ Schon am zweiten Tage ent- 
stehen im Laufe des Impfstriches kleinste weifse halbkugelig, über den 



5* 



60 

Nährboden sich erhebende Kolonien. In den nächsten Tagen vergröbeni 
sich die einzelnen Herde nnr langsam, zeigen keine Tendenz, zu kon- 
flnieren, und erreichen nach acht Tagen Pfefferkorn- bis LinsengrOlse. 
Die VergröDserang der einzelnen Herde findet in der Weise statt, dab 
ron der Peripherie des centralen schneeweifsen Polsters ans radiär an- 
geordnet farbloses Mycel ausstrahlt. Diese Ausstrahlung beträgt tägliob 
etwa V2 bis 1 mm; es entsteht also stets ein sehr schmaler Bandaaum. 
Die einzelnen Kolonien bilden halbkugelige, über den Nährboden Bioh 
erhebende, rundliche oder ovale, mit schneeweilsem, kurzem, dichtem 
Luftmycel bedeckte Rasen, ünterfläche gelb. Das Wachstum des Pilzee 
in den Nährboden ist stets ein scharf abgesetztes und langsames; höchstens 
kommt es bei mehrere Wochen alten Kulturen vor, dafs Myoel- 
Verzweigungen in mehr diffuser Weise den Nährboden durchsetzen. Dieses 
Scharfabgesetztsein des Pilzes im Nährboden erklärt sich mikroskopisch 
dadurch, dafs die dicht gelagerten Mycelausläufer kolbig angeschwollen 
vordringen oder auch distalwärts die bekannten, gewöhnlichen Veräste- 
lungen bilden. Die für diesen Pilz beschriebenen charakteristischen 
Waohstumsverhältnisse fanden sich stets in grofser Begelmäfsigkeit bei 
allen angelegten Kulturen vor. 

Kartoffelkulturen bei 37^ C. Am zweiten bis dritten Tage 
treten zahlreiche kleinste und gröfsere, runde halbkugelig über den Nähr- 
boden sich erhebende, scharf abgesetzte, mit grau-weilsem Mycel besetate 
Herde auf. Am vierten Tage nehmen die einzelnen Herde an Gröfse za, 
verschmelzen miteinander und bilden eine zusammenhängende, fast die 
ganze Oberfläche der Kartoffel bedeckende Pilzdecke. Die Farbe des 
Rasens ist stets ein blendendes Weifs. Diese weifse Farbe wird 
bedingt durch das kurze, aber sehr dichte Luftmycel. Die Oberfläche 
sieht glatt und glänzend aus und erinnert sehr an einen weilsen Zuckergofs. 
In einigen Kulturen war die Entwickelung des Luftmycels eine spAr- 
liebere, die Oberfläche verlor deshalb den schneeweifsen Farbenton und nahm 
eine Beschaffenheit an, welche ähnlich war der von Achorion demergens. 
In älteren Kulturen war die weiise Farbe nicht mehr so charakteristisch, 
vielmehr nahm die Oberfläche einen mehr schmutzig-gelblichen Farbenton 
an. Die blendend weiJse, an Zuckerguis erinnernde Farbennuance halten 
wir in den ersten Tagen für charakteristisch, weil wir dieselbe niemals 
bei den anderen Achorionarten in so schöner Weise wahrgenommen 
haben. 

Blutserumkulturen bei 37^ C. Nach zwei Tagen ist dtt 
Wachstum des Pilzes im Verlaufe des ganzen Impfstricdi^es wahrnehmbar. 
Nach vier Tagen bildet der Oberflächenrasen etwas über den Nährboden 
erhabene, luftmycellose, grau-weilsliche, geleeartige, unregelmäfsige Herde 
mit 3 mm breitem Randsaum auf der Oberfläche des Nährbodens. Nach 



/ 



61 

aebt Tagen hat der Oberfiächenrasen eine Breite von 6 mm erreicht. 
Das Wachstum in den Nährhoden strahlig, aher scharf abgesetzt, nicht so 
diffus und rasch, wie etwa bei Achorion euthythrix. Blutserum etwas 
rerflüssigt. Nach mehreren Wochen bleibt der Oberflächenrasen genau 
wie am achten Tage. In den Nährboden wächst der Pilz etwas tiefer 
hioeio, so dals das scharf im Nährboden sich absetzende Wachstum nicht 
mehr so deutlich erkennbar ist. 

b) Mikroskopisch. 

In Agarkulturen keimt aus einer JOySjt^grofsen Zelle (Spore?) ein 2yöfjb 
breites, reichlich sich verästelndes, geschlängelt verlaufendes Mycel aus. 
Hie und da kommt es zur Bildung von Seitenästchen, welche kolbig 
endigen. Die kolbigen Enden schwellen zu kleineren, 2,7 fi greisen bis 
30 ji* Blasen an. Die kleinen Blasen enthalten homogenen, die größeren 
einen gelben feinkörnigen Inhalt. In den verschiedensten Stadien der 
Entwickelung tritt aus einem RiJs an der Kapsel der Inhalt heraus und 
liegt als mehr homogene durchsichtige oder gelbe Masse neben der meist 
zusammenschrumpfenden Blase. Diese Blasenbildung kommt auch 
wand- und mittelständig vor. Es ist aber für diesen Pilz charakteristisch, 
dab diese Blasenbildung nicht bei allen Züchtungsversuchen erhalten 
werden konnte. Am dritten oder vierten Tage kommt es zur Bildung 
YOD SeitenästcheU; welche in 2 — 12 — 20fache Gabelungen sich teilen (sog. 
kronleuchter- oder geweihähnliche Gebilde). Diese Bildungen traten stets 
in allen Kulturen regelmäfsig und in sehr gro&er Zahl auf. 

Die aus einer Spore gezüchteten Pilzrasen erreichen nach acht Tagen 
eine Gröfse von 2 — 5 mm. 

Der Rasen der Kartoffelkulturen besteht aus rundlichen, ovalen 
Zellen von. 2 — 3 — 15 — 18 fi Gröfse und darüber. Konturen der Zellen 
nndeutlich. Zwischen den Zellen zartes Mycel verlaufend. 

In Blutserumkulturen kommt es nur zur Bildung eines ge- 
schlängelt verlaufenden Myoels, ohne Blasen oder Endgabelungen. Mycel 
deutlich septiert. Eine Fruchtbildung ist auch in diesem Nährboden 
nirgends wahrnehmbar. Etwa vom zehnten Tage an treten in dem Mycel 
blasige Degenerationsformen auf. 

6. Achorion demergens. 

a) Makroskopisch. 
10% Fleisohpeptongelatine. Stichkultur bei Zimmer- 
temperatur. Nach acht bis zwölf Tagen die beginnende Mycelentwickeluug 
bemerkbar. Nach 18 Tagen ist die Gelatine bereits 8 mm hoch verflüssigt. 
Auf dem Boden der verflüssigten und nicht verfärbten Gelatine ein 
pfefferkomgro&er Pilzrasen liegend, mit gelblich- weifsem, dichterem Centrum. 
Kaeh 30 Tagen ist die Gelatine lö mm hoch verflüssigt. Der Pilzrasen 



62 

linsengrois. Nach sechs Wochen ist die ganze Gelatine verfltlssigt. Auf 
dem Boden des Impfröhrchens liegen mehrere linsengrolse Herde. Eine 
Verfärhnng der Gelatine findet nicht statt. 

2 — 4% Agarkulturen hei 37* C. Von dem Impfpartikelchen 
beginnt am zweiten Tage das Mycelwachstnm. Es entwickelt sich in den 
nächsten Tagen ein gran-weiiüses, halbkugelig über dem Nährboden er- 
habenes, hie und da aber auch ein mehr bröckeliges, grau-gelbes, Infi- 
mycelloses, centrales Polster, welches nach acht Tagen etwa Linsengröbe 
erreicht. Von diesem Gentium strahlt, schon am dritten Tage beginnend, 
ein fast immer radiär angeordnetes farbloses Mycel auf die Oberfläche des 
Nährbodens aus. Diese Ausläufer erreichen nach acht Tagen fast die 
Wände des Reagenzglases. Diese Bandzone kann öfters an den dem 
centralen Polster zunächstgelegenen Teilen . mit kurzem, aber dichtem, 
weifsem Luftmycel bedeckt sein; zu einem eigentlichen Zonen- 
wachstum, wie wir es bei Achorion radians beobachtet haben , kommt eg 
aber niemals. Das Tiefenwachstum beginnt bereits am zweiten Tage; 
meistens bilden sich dicht zusammenlagernde und fast senkrecht absteigende 
Hyphen; niemals zeigen die Bodenhyphen die Tendenz, einen so exqui- 
siten horizontalen Verlauf anzunehmen, wie wir es für Achorion cysticnm 
charakteristisch beschreiben werden. Infolge dieses fast senkrechten Hinab- 
wachsens ist die Differenz des Durchmessers der Ausbreitung auf der 
Oberfläche und im Nährboden nur eine geringe. In einigen Kulturen 
nahm die Ausstrahlung einen moosartigen Oharakter an. In einigeo 
Kulturen war das senkrechte Hinabwachsen nicht sehr ausgesprochen. 

Kartoffelkulturen bei 37^ C. Nach zwei Tagen sehr zahlreiche 
kleinste bis stecknadelkopfgrofse, grau-weifslich isolierte Herdchen, die 
Oberfläche der Kartoffel bedeckend. Am vierten Tage ist die ganze 
Oberfläche der Ejirtoffel bedeckt mit einer zusammenhängenden Pilzdecke, 
welche aus Stecknadelkopf- bis pfefferkorngrofsen Rasenkolonien 
zusammengeflossen ist. Das Luftmycel kann ganz fehlen; der Rasen 
von grünlich-grau- weiiser Farbe erinnert dann an rohes Marzipan; ist 
die Entwickelung eines Luftmycels eine stärkere, so erscheint der Raseo 
mehr weifslich; hie und da das Luftmycel grobfaserig; der Rasen erinnert 
dann an Achorion radians, obwohl die Faltung der Oberfläche wegen der 
im ganzen kleinen Herdbildungen nicht eine so grobe zu sein pflegt. Wir 
können deshalb nicht behaupten, dafs der Rasen dieses Pilzes auf Kartoffel 
charakteristische und stets wiederzuerkennende Merkmale bietet, obwolil 
öfters die an rohes Marzipan erinnernde Farbennuance in den ersten Tagen 
ein gutes Kriterium abzugeben schien. 

Blutserumkulturen bei 37 ®C. Nach zwei Tagen ist im Verlaufe 
des Impfstriches eine allseitige herdweise Entwickelung des Pilzes sa 
konstatieren. Nach vier Tagen bildet der Oberflächenrasen über den 



63 

Nährboden erhabene, 2 — 3 mm breite, unregelmäfsig geformte, luftmycellose 
graagelbliche, geleeartige Mafisen mit 2 mm breiter, auf der Oberfläche 
des Nährbodens sich ausbreitender Randzone. Das Nährbodenmycel hat 
eine Tiefe von 2 — 3 mm erreicht und ist strahlig angeordnet. Nach 
acht Tagen hat der Oberflächenrasen an Breite zugenommen ; absolut kein 
Lnftmycel. Die Ausstrahlungen des Nährbodenmycels sind sehr dicht und 
mehr senkrecht nach abwärts verlaufend. Die Ausläufer haben noch nicht 
den Boden des Blutserums erreicht. Blutserum etwas verflüssigt. Nach 
zwölf Tagen ist das Blutserum sehr stark verflüssigt, aber nicht verfärbt. 
Weitere Veränderungen in dem Wachstum des Pilzes sind nicht be- 
merkbar. 

b) Mikroskopisch. 

Dieser Pilz entwickelt inAgarkulturen sich ebenfalls aus einer 10,8 fjL 
g[rolisen Zelle (Spore?). Der Pilz hat grofse Ähnlichkeit mit Achorion cysticum. 
Das Mycel ist aber ein kräftigeres, meist ein 3,5 — 4,5 [i breites, während bei 
Achorion cysticum das Mycel meist 2,5 jii breit zu sein pflegt. Die end-, 
mittel^ und wandständigen Blasen kommen auch in grofser Zahl, wenn auch 
nicht so frühzeitig wie bei Achorion cysticum vor, so dals es oft erst zur Ent- 
wickelung eines Mycels kommt, bevor die Blasenbildung auftritt. Für 
die Bildung der geweihähnlichen Mycelverästelungen gilt dasselbe, wie für 
Achorion cysticum. 

Die aus der Spore (?) gezüchteten Herde sind stets gröfser als diejenigen 
Ton Achorion cysticum: kleinste, aber auch gröfsere nach acht Tagen bis 
za 5 — 8 fi grofse Kolooiei) ; Unterfläche schmutzig-braun. 

In Karte ff elkulturen wird der Basen gebildet durch 2 — ä bis 
18 jtt grofse und gröfsere ovale kugelige Zellen. Zwischen den 
Zellen nur ein zartes Mycel. Hie und da den Endblasen ähnliche 
Gebilde. 

In Blutserumkulturen kommt es nur zur Entwickelung eines 
deutlich septierten, etwas geschlängelt verlaufenden, meist 2 — 2,5 f^ breiten 
Mycels. Die Hauptäste etwas stärker. Fruchtbildungen waren nicht 
nachweisbar. Nach drei Wochen waren an dem Mycel noch keine De- 
generationserscheinungen aufgetreten. 

7. Achorion cysticum. 

a) Makroskopisch. 
lOVo Fleischpeptongelatine. Stichkulturen bei Zimmer- 
temperatur. Nach acht bis zehn Tagen ist die beginnende Randaus- 
strahlung sichtbar. Nach 18 Tagen ist die im Nährboden wachsende 
Pilzmasse zu einem 4 mm grofsen Herd ausgewachsen mit einer dichteren 
centralen Partie und einer lockereren, IV^ inm breiten Bandzone. Der 
Basen 1 mm unter der Oberfläche der nicht-verflüssigten Gelatine liegend. 



64 

Nach 30 Tagen ist die Gelatine 5 mm hoch trichterförmig verflüssigt. 
Auf dem Boden des unten engen Trichters liegt die etwa linsengre&e 
Kultur. Gelatine nicht verfärbt. Selbst nach acht Wochen ist die 
Gelatine noch nicht ganz verflüssigt. Auf dem Boden der verflüssigten 
Grelatine liegt die kleinkirschengroise, aus farblos locker sieh verflechtendem 
Mycel bestehende Pilzmasse. Gelatine absolut nie ge&rbt. 

2 bis 4% Agarkulturen bei 37^ C. Der Beginn des Mycel- 
wachstums bereits am zweiten Tage makroskopisch sichtbar, die Ober 
fläche grau-weilslich bestäubt aussehend. In den folgenden Tagen breitet 
sich der Pilz auf der Oberfläche in sehr dünner, grau-weifslicher Lage 
aus, oder aber es entwickelt sich ein flaches, weifsliches Polster mit spär- 
lichem Luftmycel, oder es kommt zur Bildung eines unregelmäCsig ge- 
stalteten grau-gelblichen, bröckeligen, luftmycellosen Polsters. Von der 
Peripherie des centralen Polsters strahlt ein mehr geschlängelt verlaufendes, 
nur selten radiär angeordnetes, farbloses Mycel auf die Oberfläche des 
Nährbodens aus. Nach acht Tagen erreicht das Polster Linsengrölse ; der 
Durchmesser der ganzen Oberflächenkolonie 10 — 12 mm. Die Unterfläehe 
des Pilzes ist gelblich. Vom dritten bis vierten Tage an findet ein sehr 
energisches Tiefen Wachstum statt. Das Tiefenwachstum ist nicht bei allen 
Kulturen konstant; bei vielen Kulturen hatte dasselbe einen exquisit 
moosartigen Charakter, bei anderen strahlte das Mycel in mehr diffiiser 
Weise in den Nährboden aus, und dann stets mit der Tendenz, dals die 
Ausläufer vom Centrum aus einen mehr horizontalen Verlauf einhielten. 
Die Ausbreitung im Nährboden übertraf deshalb diejenige auf der Ober- 
fläche erheblich. 

Kartoffelkulturen bei 37® C. Nach zwei bis drei Tagen er- 
scheinen kleinste graue Kolonien; am vierten Tage ist die Kartofiel- 
Oberfläche bedeckt mit stecknadelkopfgroisem und gröfserem, unregelmälsig 
geformtem, IV2 mm über dem Nährboden erhabenem, zum Teil zusammen- 
geflossenem schneeweifsen Rasen. Die schneeweifse Form bedingt 
durch kurzes, aber dichtes, weifses Luftmycel; der Basen macht den 
Eindruck eines weiisen Plüsches. Vom fünften bis sechsten Tage ist die 
ganze Oberfläche bedeckt mit einem weiisen, grob gefalteten, 2 mm hohen, 
eine zusammenhängende Decke bildenden Rasen. Bei einzelnen Kulturen 
ist die weilse Farbe des Rasens nicht so ausgesprochen, wenn das Luft- 
mycel ein spärlicheres ist. Der Rasen nimmt dann einen mehr grau- 
weiislichen Farbenton an; diese Farbennuance auch bei älteren Kultaren 
vorherrschend, wenn das Mycel seine weiise Eigenfarbe einbüfst. 

Blutserumkulturen bei 37® C. Im Verlaufe des Impfistriohe« 
ist am zweiten Tage die Pilzentwickelung zu beobachten. Nach vier 
Tagen hat sich längs des Impfstriches ein luftmycelloser, 2 mm breiter, 
etwas den Nährboden überragender Oberflächenraseu gebildet, von welehem 



65 

eine 4 mm breite Randzone sieb auf der Oberfläcbe des Näbrbodens 
aosbreitet. In den Näbrboden verbreitet sich der Pilz sehr rasch dicht- 
sbahlig; die Strahlen nehmen einen mehr horizontalen Verlauf an und 
erreicheD schon nach sechs bis acht Tagen die gegenüberliegenden Wan- 
dungen des Glases. Nach acht Tagen ist die Oberfläche des Rasens mit 
veüsem, kurzem Mycel bedeckt, so dafs dieselbe weiislich bestäubt aussieht, 
filntsemm nur wenig verflüssigt. Verflüssigung des Blutserums tritt erst 
sack 18 Tagen ein. In dem Wachstum des Pilzes wird nach dem achten 
Tage keine Veränderung mehr beobachtet. 

b) Mikroskopisch. 
Aus einer 10,8 /i groisen Zelle (Spore?) keimt inAgarkulturen ein 4,0 f* 
breites Mycel. Nach Bildung mehrerer flypheuzellen treten kleine, spitz- 
winkelig verlaufende Seitenäste mit kolbigen Enden auf; die Endkolben 
schwellen am zweiten Tage zu Endblasen auf, welche die verschiedensten 
Grö&en erreichen, von 2,7 bis zu 30 ^a. Inhalt der kleineren Blasen gleich- 
mäfsig durchsichtig, der der gröiseren gelb, feingekörnte Massen aufweisend. 
In den verschiedensten Entwickelungsstadien platzen diese Blasen und 
entleeren ihren homogenen, resp. gelben Inhalt. Die gelben Massen lagern 
sich neben die meist zusammenschrumpfende Blase. Wandständig und 
anch im Verlaufe des Mycels treten die gleichen Bildungen auf. Das 
Mycel ist durchschnittlich 2,5 fi breit, reichlich verästelt und geschlängelt 
yerlaufend. Die end-, mittel- und wandständige Blasenbildung tritt in so 
enormer Menge und so frühzeitig, wie bei keinem der anderen Pilze, auf. 
Am sechsten bis achten Tage, oft erst in späteren Tagen, in einigen 
Fällen auch fehlend, entspringen mehr an peripheren ABtchen spitz- 
winkeUg kleine Seitenästchen, welche sich bald 2 — 10 — 20fach gabelig 
teilen, wodurch kronleuchter- und geweihähnliche Gebilde entstehen. Nach 
Tollendeter Kronleuchterbildung entwickeln sich die Enden der Gabelung 
ZQ einem einfachen, langen, septierten oder auch mit Seitenästchen ver- 
sehenen Mycel. 

Die von der Spore (?) aus gezüchteten Herde sind meist klein, 
erreichen fast niemals einen Durohmesser von 2 mm. ünterfläche meist 
hellgelblieh. 

In Kartoffelkulturen ist der ganze Rasen zusammengesetzt aus 
kngeligen Zellen der verschiedensten Gröfsen, von 2 — 3 (a bis zu 15 — 18 i^ 
und darüber. Die Konturen der Zellen nicht scharf. Zwischen diesen 
Zellen sieht man auch Gebilde mit feinkörnigem, gelbem Inhalt, welche 
mit den Endblasen auf Agarkulturen identisch sind. Zwischen diesen 
Zellen zartes, 2,5 f* breites, deutlich septiertes Mycel. Nach vier Wochen 
sind die Konturen der Zellen noch undeutlicher. 

In Blutserumkulturen entwickelt sich etwas geschlängelt ver- 
lufeodes Mycel von 2,7 /i Dicke. An den Hyphen der sogenannten 



66 

Minimalkultaren (kleinsten, ans einer Spore sich entwickelnden Herde) 
sieht man an Haupt- und Nebenästen in grolser Anzahl ovale, kugelige, 
homogene, 8 ^ grofse, ohne Stiel den Hyphen ansitzende Zellen, welche wir 
wohl als Früchte anzusprechen berechtigt sind. Sie gleichen in Form und 
Anordnung den bei Achorion euthythrix auf Agarkulturen beschriebenen 
Luftfrüchten. Diese Fruchtbildungen beobachtet man vom dritten bis 
sechsten Tage. Vom sechsten Tage an schwellen die Hyphenzellen 
einzeln, oft aber streckweise hintereinander zu ovalen und kugeligen 
Gebilden an, so dafs man im Zweifel ist, ob man es mit Bildungen, ähn- 
lich den rosenkranzförmigen Früchten zu thun hat. Ein genaueres Studium, 
besonders in den späteren Tagen, klärt uns auf, denn durch ihre unregel- 
mälsigen Formen geben sie sich als einfache Degenerationszustände der 
Hyphenzellen zu erkennen. 

8. Achorion moniliforme. 

a) Makroskopisch. 

10% Fleischpeptongelatine. Stichkultur bei Zimmer- 
temperatur. Nach zwei Tagen beginnt von dem Impfbröckelchen aus 
ein zartes Mycel auszustrahlen. In den ersten Wochen nur Tiefen Wachstum; 
nach acht Tagen ist der Rasen 3 mm grofs; in den Nährboden findet 
eine dichte Mycelausstrahlung statt, welche 1 Vs mm eintaucht. Nach drei 
Wochen hat der Pilz eine Ausdehnung von 9 mm Gröfse erreicht; das 
Tiefen Wachstum 37^ mm; die Oberfläche des Rasens ist in einigen 
Kulturen weiislich bestäubt, in einigen kommt es absolut nicht zu irgend 
welcher Mycelentwickelung auf der Oberfläche. Die Ausstrahlungen 
nahmen nicht den von Kral beschriebenen charakteristischen, moosartigen 
Charakter an, auch bildete der Oberflächenrasen nicht die auf Agarkulturen 
beobachteten grau-gelblichen Faltungen. Nach vier Wochen beginnt die 
Verflüssigung der Gelatine. Nach sechs Wochen ist fast die ganze 
Gelatine verflüssigt und hellchromgelb verfärbt; auf dem Boden der 
verflüssigten Gelatine schwimmt der unregelmälsig gefaltete Pilzrasen. 

2 — 4Vo Agarkulturen bei 37^0. Nach zwei Tagen beginnt die 
Pilzentwickelung mit einer dichten Ausstrahlung des Mycels in den Näll^ 
boden. Auf der Oberfläche bildet der Pilz in den nächsten Tagen eine 
grau-gelbes, oft feucht glänzendes, luftmycelloses, manchmal auch durch 
spärliches Mycel grau-weils bestäubtes, meist flaches, in einigen Fällen siob 
in unregelmäfsigen F&dtungen über den Nährboden erhebendes Centrum, 
von welchem oft peripherisch eine 4 mm breite, schmale Randzone farb- 
losen Mycels ausstrahlt. In den Nährboden wächst der Pilz etwas rasoher, 
als Achorion dikroon, bedeutend langsamer, als alle übrigen Favuspike, 
selbst langsamer, als der ibm sehr ähnliche Achorion tarsiferon; der in den 
ersten Tagen 3 mm tief in den Nährboden hineingewachsene Pilz ont- 



67 

seodet etwa vom achten Tage an moosartige Fortsätze, welche nach zehn bis 

vienehn Tagen die gegenüberliegenden Wandungen des Röhrchens er- 

reiehen. Diese moosartigen Emissionen kommen sehr oft znr Ansbildnng, 

aber nicht immer ; in einigen Kulturen bleibt das Wachstum, so wie es 

oaek acht Tagen zu sein pflegt, d. h. der Pibs bleibt im Nährboden scharf 

abgesetzt, 3— 4 mm in den Nährboden eintauchend; in anderen Kulturen 

entwickelt sich von der ünterfläche des Pilzrasens ein nach allen Seiten 

seh ausbreitendes, strahlig angeordnetes Mycel ohne jegliche Andeutung 

der nach Kjull charakteristischen und niemals fehlenden moosartigen Aus- 

bnfer. Bei den Kulturen, bei welchen das Tiefenwachstum am be- 

sdirftnktesten bleibt, entwickelt sich der mycellose Oberflächenrasen zu 

hohen unregelmäisigen, grau-gelben Faltungen. 

Kartoffelkulturen bei 37^ C. Nach zwei Tagen haben sich 
xahlreiche kleinste (einzelne pfefiFerkomgrofse), grau-weiisliche Herde ge- 
bildet. Nach neun Tagen sind die Kolonien zusammengeflossen zu einem 
anregelmäüdg geformten, 2 — 3 /a hohen, senkrecht emporsteigenden grau' 
gelhen Rasen. Nur einzelne Teile des Rasens sind mit zartem weifsem, 
kurzem Mycel bedeckt. Nach 18 Tagen sind die charakteristischen, 
onregelmälsig gefalteten, grau-gelben Rasen noch weiter entwickelt ; stellen- 
veise erreichen die Faltungen eine Höhe von 5 mm. Das Höhenwachstum 
nimmt in älteren Kulturen noch zu. Diese charakteristische Rasenbildung 
bnd sich auf allen angelegten Kulturen. 

Blutserumkulturen bei 37^ C. Nach 24 Stunden ist 
vom Impfstriche aus Mycelausstrahlung sichtbar. Nach fünf Tagen ist 
an der Oberfläche ein unregelmäfsiger konvexer, grau-gelber, luftmycelloser 
Basen entstanden. Von demselben strahlt auf die Oberfläche des Nähr- 
bodens eine radiär angeordnete, aus farblosem Mycel bestehende Randzone 
aus. In dem Nährboden hat sich der Pilz 2 mm tief entwickelt. Blut- 
serum nicht verfärbt, nicht verflüssigt. Nach acht Tagen hat sich der 
Oberflächenrasen etwas vergröisert ; in den Nährboden hat ein energisches 
Tiefenwachstum stattgefunden. Die Peripherie des Nährbodenrasens hat 
moosartigen Charakter angenommen. Eine weitere Entwicklung findet 
nicht statt. Nur ist nach 14 Tagen eine geringe Verflüssigung wahr- 
nehmbar. 

b) Mikroskopisch. 
In Agarkulturen keimt die ausgesäte Spore nach vier Stunden 
aus und treibt in zwölf Stunden einen Keimschlauch. Nach zwei Tagen 
ist ans dem Keim ein vollkommenes, deutlich septiertes, recht- und spitz- 
winkelig sich verzweigendes Mycel entstanden ; die von den Haupthyphen 
abgehenden Seitenhyphen zeigen nach drei Tagen kolbige Endanschwellungen 
^d gabelige Enden. Die kolbigen Enden schwellen zu rundlichen ovalen 
Blasen an und lassen einen feinkörnigen gelben Inhalt erkennen. Diese > 



68 

gelben Massen treten sehr oft ans und bleiben neben der Blase liegen. 
Die Enden schwellen aber nicht immer zu Blasen an ; oft bilden sich die 
gelben Massen auch in den kolbigen Endanschwellungen und entleeren 
ihren Inhalt aus diesen. Am dritten und vierten Tage ist die Bildung 
dieser kolbigen Endschwellungen, resp. Endblasen mit gelber Masse eine 
sehr reichliche. Aber nicht nur endständig, sondern auch im Verlauf des 
Mycels kann eine Hjrphenzelle kugelig anschwellen und dieselben gelben 
Massen enthalten und entleeren. Öfters kommt es auch nur zu einer 
Ausstülpung einer Wand einer Hyphenzelle, in welchem dann ebenfalls 
diese gelben Massen sich befinden. Die einfachen gabeligen Enden teilen 
sich oft in 10 — 12 bis 20 Gabelungen; es entstehen dann geweih- 
ähnliche Gebilde. Vom fünften Tage an beginnt an zahlreichen Mycelhyphea 
eine kurzgliedrige Septierung aufzutreten. Die einzellen Zellen formen 
sich um zu rundlich ovalen, doppelt konturierten Früchten; es entstehen 
zahlreiche, rosenkranzförmig aneinandergereihte und sich vielfach ver- 
zweigende Ketten von Früchten. Sobald die Fruchtbildung beginnt, tritt 
die Bildung von Endanschwellungen und Endblasen mehr in den 
Hintergrund. 

In Kartoffelkulturen besteht der ganze Rasen aus 12 — 14 ju, 
meist 12,5 — 13,0 fi greisen, doppelt konturierten Zellen mit gelbem 
Inhalt. Diese Zellen sind meist rosenkranzförmig aneinandergereiht und 
gleichen den rosenkranzförmigen Früchten auf Agarkulturen, nur sind 
diese Bildungen etwas gröfser. An den Bandpartien sieht man ebenfalls 
aneinandergereihte, 2,5—3,0 fi rundliche Gebilde, welche wir als jüngere, 
eben in der Bildung begriffene Früchte ansprechen möchten. Mycel nur 
spärlich. Nach vier Wochen waren diese Bildungen noch konstant und 
ebenso scharf, wie nach acht Tagen. Degenerationsvorgänge : feinkörniger 
Zerfall, Auftreibungen etc. waren nicht vorhanden. 

In Blut Serumkulturen finden sich wellig verlaufende Hyphen 
vor, mit meist einfachen Gabelungen. Die Enden der Hyphen abgerundet. 
Hie und da mittel- und endständige Blasen mit gelben Massen gefällt, 
teilweise auch die gelben Massen durch einen Kapselrils ausgetreten. Die 
moosartigen Ausläufer enthalten diese Bildungen in reichlichen Mengen 
neben gabeligen Enden und geweihähnlichen Verzweigungen. Das Vor- 
handensein dieser Bildungen: end- und mittelständiger Blasen, gabeliger 
Enden und geweihähnlicher Mycelverästelungen, bedingt makroskopisch 
das moosartige Aussehen. Selbst in älteren Kulturen kam es nieht znr 
Bildung rosenkranzförmig aneinandergereihter Früchte. !Nach acht bis 
vierzehn Tagen traten blasige Degenerationszustände der Hyphenzellen 
auf, welche sich gegenüber den Früchten durch ihre wechselnde Gröüse 
und ihr unregelmälsiges Auftreten im Verlauf eines Mycel&dens zu er- 
kennen gaben. 



69 

9. Achorion tarsiferon. 
a) Makroskopiach. 

10% Fleischpeptongelatine. Stichkulturen bei Zimmer- 
temperatur. Nach zwei Tagen beginnt ein eben wahrnehmbares Rand- 
nycel Ton dem Imp^artikelchen auszustrahlen. Nach acht Tagen hat 
der Pilzrasen, welcher sich im Nährboden selbst ausbreitet, eine Aus- 
dehnung von 4 mm erreicht; die Ausstrahlung in die Tiefe der Gelatine 
beträgt 2 mm. Nach drei Wochen ist die Grelatine 1 cm hoch verflässigt ; 
nicht ver&rbt; auf dem Boden der verflüssigten Gelatine schwimmt der 
äberlinsengrolse, aus grau - weifsem Mycel bestehende Pilzrasen. Nach 
sechs Wochen ist die ganze Gelatine verflüssigt und hell-chromgelb 
verAirbt; der auf dem Boden schwimmende Pilzrasen stellt eine unregel- 
fflftfeig gefaltete, 8 mm grolse Platte dar. 

2 — 4Vo Agarkulturen bei 37^ C. Bereits nach zwei Tagen ist 
von dem Impfpartikelchen aus das Wachstum des Pilzes auf und in den 
Nährboden hinein wahrzunehmen. Auf der Oberfläche kommt es in den 
nichsten Tagen zur Entwickelung eines dünnen, fast farblosen Überzuges; 
liei einigen Kulturen bildet sich ein mehr grünliches, bei anderen mehr 
weilslich bestäubtes, flaches Polster aus. Die centraleren Parthien dieses 
Polsters 1 — 2 mm über dem Nährboden erhaben. Nach acht Tagen hat 
der Oberflächenrasen des Pilzes die Wände des Röhrchens erreicht. Eine 
Faltnng des Rasens, wie wir dieselbe bei Achorion moniliforme beobachten 
konnten, besonders wenn das Tiefenwachstum ein beschränktes war, 
koimte bei sehr zahlreichen Kulturen dieses Pilzes niemals konstatiert 
werden. In den Nährboden wächst der Pilz in den ersten Tagen 2 — 3 mm 
hinein, ohne jedoch in allen Fällen so scharf abgesetzt zu sein, wie bei 
Achorion moniliforme. Von der Unterfläche des Rasens breitet sich der 
Pilz nach vier bis sechs Tagen strahlig in den Nährboden hinein aus. 
Das strahlige Wachstum geht sehr rasch von statten, so dafs meist schon 
Mch acht Tagen die ganze Decke des Agars von den Hyphen durchsetzt 
ZQ. sein pflegt. In einigen Kulturen war ein ausgesprochener moosartiger 
Charakter vorhanden, jedoch bildet diese Art des Wachstums bei diesem 
Pilz die Ausnahme, während dieselbe bei Achorion moniliforme eine sehr 
häufige ist. 

Kartoffel kulturen bei 37^ C. Am zweiten Tage treten auf der 
ganzen Oberfläche der Kartoffel zahlreiche kleinste, meist kegelförmige 
Herdchen auf, die Basis des Kegels von der Farbe der Kartoffel, die 
Spitze des Kegels weilslich bestäubt. Am dritten Tage wurden dieselben 
wohl etwas gröfser, veränderten sich aber auch in den folgenden Tagen 
irar wenig. Die Herde blieben isoliert und zeigten keine Tendenz, zu 
konfluieren. Fünfmal erhielten wir bei unseren Impfungen stets dasselbe 
Bild. Zweimal wich die Bildung des Rasens von der beschriebenen ab: 



70 

die einzelnen Herde wurden gröüser, konfluierten und bildeten einen an- 
regelmäfsig gefalteten, zusammenhängenden, IVs — 2 mm den Nfthrboden 
überragenden, mit spärlichem Luftmycel bedeckten, grünlich-grauen Basen, 
der nach zwei bis drei Wochen einen mehr f^lblichen Farbenton annahm. 
Der Rasen glich dem von Achorion radians, jedoch fehlte die grobe 
Faserung der Oberfläche. Bei allen Rasen konnte aber niemals, selbst 
nicht bei mehrere Monaten alten die Neigung nachgewiesen werden, die 
fdr Achorion moniliforme charakteristischen, hohen, steil abfallenden, an- 
regelmäfsigen Faltungen zu bilden. 

Blutserumkulturen bei 37^ G. Nach 24 Stunden ist die be- 
ginnende Mycelausstrahlung sichtbar. Nach fünf Tagen bildet der Ober 
flächenrasen eine grau-gelbe, geleeartige, unregelmäisige, sich 2 — 3 nun 
über den Nährboden erhebende Masse, von deren Rande auf die Ober- 
fläche eine 4 mm breite, aus farblosem Mycel bestehende Zone ausstrabli 
Die Ausbreitung des Pilzes in den Nährboden bleibt strahlig, so dab die 
Kultur, von der Unterfläche gesehen, einen wolkigen Charakter annimmt 
Nach acht Tagen hat sich die Oberfläche noch etwas entwickelt, die Breite 
des geleeartigen Rasens beträgt 6 — 8 mm. Im Nährboden haben die strab- 
ligen Ausläufer des Mycels allseitig den Boden des Impfröhrchens erreicbt 
Blutserum etwas verflüssigt. Eine Weiterentwickelung tritt nicht ein. 

b) Mikroskopisch. 

In Agarkulturen keimt aus der 10 fi grofsen Spore ein 5,4^ 
breites und sich vielfach verästelndes Mycel aus, deren periphere nnd 
Seitenäste ein etwas kleineres Kaliber zeigen. Am dritten Tage beginnt 
die Septierung des Mycels. Es treten an den Haupthjrphen kleine Seiten- 
ästchen auf, welche kolbig enden; während die zu dem kolbigen Ende 
gehörende Hyphe auswächst, schwillt das kolbige Ende kugelig an nnd 
bildet endständige Blasen. Diese Endbliasen sind 2 — 3 fi grols, ver 
gröfsem sich aber bis zu 30 fi grofsen Blasen. Diese verschieden greisen 
Blasen sind am vierten Tage noch deutlich zu sehen. Der Inhalt der 
Blasen ist bei den jüngeren und kleineren homogen, bei den älteren und 
gröiseren fein gekörnt, exquisit gelb. Meistenteils platzt die Endblase 
und entleert ihren Inhalt. Die gelbe Masse liegt dann der oft, aber 
nicht immer zusammenklappenden Endblase seitlich an. Neben den auf 
langen Stielen aufsitzenden Blasen sieht man auch solche mit kurzem 
Stiele, oft so kurz, dafs die Blase einer Hyphe direkt anliegt; aulserdem 
kann auch eine Hyphenzelle im Verlaufe des Mycels zu gleich grofsen 
Blasen mit demselben Inhalt anschwellen, so dals wir von einer mittel- 
ständigen Blase sprechen können. Die Blasen mit kurzem Stiel, die 
wandständigen und die mittelständigen Blasen können platzen und ihren 
Inhalt entleeren. Das Platzen der Blasen und die Entleerung ihres 
Inhaltes tritt bei den kleinsten wie den gröüsten Blasen auf; bei den 



71 

kleinsten ist der Inhalt noch nicht so exqnisit gelb ge&rbt. Diese Blasen- 
bildnngen treten am dritten und vierten Tage in nngehenren Mengen auf. 
Am vierten Tage treten an denselben Ästchen, an welchen die Ästchen 
mit Endblasen sich bilden, aber immer mehr peripher gelegen Seiten- 
Sste auf, welche ebenfalls kolbig anschwellen. Aber das kolbige Ende 
bekommt auf der Höhe eine sich immer mehr vertiefende sattelförmige 
Einsenkung; es entstehen gabelige Enden. Dieser Prozefs der Gabelung 
wiederholt sich bei der Weiterentwickelung an den einzelnen Zinken der 
Grabel und auch an den neu entstandenen Gabelenden, so dalis die schon 
80 oft beschriebenen kronleuchter- oder geweihähnlichen Gebilde mit 
10 — 30 und mehr Verzweigungen entstehen. Die Enden der fertigen 
Kronleuchter wachsen dann zu langen Mycelästchen aus. Bei den 
jfingereUy meist aus zwei, auch wohl bei den aus vier und sechs Endigungen 
bestehenden Gabelungen kann die Endzelle sich kolbig, selbst blasig auf« 
treiben, einen ähnlichen gelben Inhalt aufweisen, wie bei den endständigen 
Blasen. Die kolbige oder blasige Endzelle platzt und entleert ihren 
Inhalt als gelbe, feingekömte Masse, genau wie wir dies bei den end-^ 
wand- und mittelständigen Blasen beschrieben haben. Diese zu krön- 
leuchter- oder geweihähnlichen führenden Mycelgabelimgen werden am 
yierten und fünften Tage in sehr grofser Zahl angetroffen. Am sechsten 
bis achten Tage treten an vielen Hyphen kurzgliedrige Septierungen auf; 
die einzelnen Zellen schwellen zu kugelig oder ovalen, 10 fi grofsen, 
doppelt konturierten, mit gelbem Inhalt versehenen Früchten an. Es 
entstehen rosenkranzförmig aneinandergereihte und sich verzweigende 
Ketten von Früchten. Neben diesen Früchten kommt es aber im Nähr- 
boden zu eigentümlichen Bildungen, wie wir sie bei keinem der bisher 
beschriebenen Favuspilze gefanden haben. Es bilden nämlich die Hyphen 
im Nährboden an zahlreichen Stellen durch kurze Septierung und rasch 
anfeinanderfolgende Abgabe dicht gelagert bleibender Aste eigentümliche 
knotenförmige Fruchtstände, welche eine frappante Ähnlichkeit mit dem 
Skelett eines menschlichen Fufses, vom Tarsus ab gerechnet, haben; die 
dem Metatarsus entsprechenden, kurz septierten Zellenreihen wickeln sich 
auf und verschlingen sich untereinander, wodurch die Knötchenbildung 
bedingt wird. Bei den jüngsten Gebilden ist aber der Vergleich mit 
einem Tarsus ein sehr gut gewählter. Diese Bildungen sieht man in den 
minimalen Kulturen ebensogut, wie in den gefärbten Schnittpräparaten. 
Die letzteren besonders eignen sich sehr zur Demonstration dieser eigen- 
artigen Fruchtbildungen. 

In Kartoffelkulturen ist der Rasen zusammengesetzt aus rundlichen, 
eiförmigen, homogenen und doppelt konturierten, meist rosenkranzfbrmig 
angeordneten, 12 — 14 fi greisen Früchten. Von den Hauptketten gehen 
Seitenketten spitzwinkelig ab, welche letztere ebenfalls mehrfach Nebenäste 



72 

aussenden. Zwischen den zahlreichen Früchten nur spärliches, zartj 
Mycel. Die Früchte erhalten sich mehrere Wochen, ohne dafs Degeq 
rationsprozesse an ihnen nachzuweisen wären. 

In Blutserumkulturen verläuft das meist 2,7 fA breite, r^lmäb 
septierte Mycel geschlängelt. Die Hyphenenden kolbig verdickt, 5,4 
breit. Hie und da, im ganzen jedoch nur sehr vereinzelt: Blasenbildung! 
mit gelben Massen. Auch hier zeigt das Mycel die Tendenz, sehr frft 
zeitig blasige Degenerationen eiozugehen , schon vom zehnten Ta| 
ab. Kosenkranzförmig angeordnete Früchte konnten nicht nachgewiesi 
werden. 



Bemerkungen xur Alopecie der Keratosis pilaris. 

Vortrag, gehalten auf dem II. Internationalen Dermatologischen Kongresse in Wi« 

Von 

L. Brocq, 

Paris. 

Durch die Untersuchungen von Erasmus Wilson, Tilburt Fo 
Tasnzbr, Besnier und Doton und namentlich auch durch meine Ar' 
über die Keratosis pilaris — erschienen Januar -März 1890 — ist es 
wiesen, dals es sich bei der Keratosis pilaris, oder Liehen pilaris, odi 
Xerodermia pilaris, um eine äufserst langsam verlaufende Krankh' 
handelt. Dieselbe besteht namentlich in einer chronischen Entzünd 
der Haar-Talg-Follikel. Diese Entzündung macht sich durch kleine ro 
Papeln rings um die Härchen auf den Extremitäten erkennbar und em 
Bchliefslich mit einer vollkommenen Narbenatrophie des Follikels 
gründlicher Zerstörung der Haarpapille. Wie man sieht, ist dieser Eni 
haarungsvorgang ein endgültiger. 

Die Keratosis pilaris des Körpers, der Extremitäten, des Gesieki 
ist uns jetzt in ihrem Verlauf und ihren Symptomen genügend bekannt 
und wegen des Schwunds der Augenbrauen im Verfolg dieser Krankhei 
mit dessen verschiedenen Formen wir ja auch hinlänglich vertraut sind,« 
verweise ich auf meine früheren Arbeiten. Dagegen ist unsere Kenntnis 
der Keratosis pilaris des behaarten Kopfes erst eine ganz oberflächliche. 
Deshalb möchte ich gerade für diesen G-egenstand Ihre Aufmerksamkeit 
in Anspruch nehmen. 



73 

. Als bekannt darf ich dabei voraussetzen, dafs die Keratosis pilaris 
Kopfes die verscbiedensten Formen annehmen kann. Wir müssen 
daher Yon vornherein verschiedene Gruppen von Fällen unterscheiden. 

1. In den Fällen von Aplasia moniliformis (Bbhrend, Hallo- 
PEÄü), vonNodositas pilorum, von Nodose Hair, handelt es sich 
meistens um Kinder, seltener um junge Leute (Fall von W. G. Smith) 
oder Erwachsene, deren Haare sehr kurz und gekräuselt sind. Sie weisen in 
gleichpiäisigem Wechsel Anschwellungen und Einschnürungen auf, gleich- 
sam als beständen sie aus lauter Spindeln, die mit den Enden aneinander- 
gelegt sind. Aufserdem ist aber jedes Haar an seinem Grunde von *einem 
kleinen, roten, miliaren Knötchen umgeben, das in allen Punkten mit den 
eharakteristischen Elementen der Keratosis pilaris übereinstimmt. Auch 
finden sich am Sitz dieser Keratosis pilaris noch sonstige Veränderungen, 
die eine bestimmte Diagnose dieses Leidens gestatten. Diese Ver- 
ilttderangen der Kopfhaare sind des weiteren erblich, richtiger, sind bei 
der ganzen Familie zu treffen (familiales), wie die Keratosis pilaris selber; 
über diesen Punkt ist gar kein Zweifel mehr möglich. 

Nun wäre es aber verkehrt, in allen Fällen, in denen die Haare 
derartig gekräuselt sind, auf eine Keratosis pilaris zu schliefsen. Es mag 
sieh ja in Wirklichkeit so verhalten, ist aber noch keinesfalls erwiesen. 
Umgekehrt kommen solche rosenkranzartige Haare sicher nicht bei jeder 
Keratosis pilaris des Kopfes vor. 

2. In eine zweite Gruppe gehören alle diejenigen, verhältnismäfsig 
häufigen Fälle, die ich namentlich bei Erwachsenen zwischen 20 und 50 
Jahren beobachtet habe und bei denen es sich auf den ersten Blick um 
jene Form zu handeln scheint, die wir als Alopecia seborrhoica zu be- 
zeichnen pflegen. Bei genauerem Zusehen findet man aber, dais die Kopf- 
haut mit weifslichen Stellen besetzt ist^ mit einer Art kleiner, nach Form 
und Gröise unregelmälsiger Plaques, die teils frei stehen, teils ineiuander- 
fliefsen. In vorgeschrittenen und stark ausgesprochenen Fällen bilden sie 
ein den ganzen Schädel bedeckendes Netz, das zuweilen, we^in auch fast 
immer nur in bescheidenem Mafse, die Schläfengegend in Mitleidenschaft 
zieht. Die Haut an den betreffenden Stellen ist bald mehr, bald weniger 
matt-weiis, ein wenig eingesunken, wie atrophiert und narbig. Sind die 
PIaqaes im ganzen weniger narbig, so entdeckt man zuweilen auf ihrer 
Oberfläche kleine matt-glänzende Pünktchen, die den Narben der Keratosis 
pilaris der Extremitäten völlig ähneln. In der Nachbarschaft dieser völlig 
bhlen Plaques gewahrt man andere, unregelmäfsige Stellen oder Streifen, 
woselbst die Haut fast normal oder blafs-rot gefärbt ist und die mit 
kleinen hellroten Papeln besetzt sind. Die Papeln umschlielsen je ein 
Haar und befinden sich in den verschiedensten Entwickelungsperioden. 
Die Haare sind brüchig, zart und augenscheinlich atrophiert, soweit sie 

MonaUhefte XVI. 6 



74 

aiLS den Papeln hervorwachsen ; daneben finden sich aber zwischen den 
kahlen Stellen fast immer Haare, die in jeder Beziehung normal, oder 
wenigstens fast normal, scheinen. Sie sind bald mehr, bald weniger zahl- 
reich und bilden stärkere oder dünnere Büschel, je nach dem Ghrade der 
Krankheit.. 

Das Wesentliche dieser Varietät von Alopecia besteht also einerseits 
in dem Ausgang, der zur mehr oder weniger deutlich ausgesprochenen 
narbigen Atrophie der Haut führt, andererseits in dem Yorhandensein 
unregelmäfsiger, kahler Stellen, die hie und da wiederum mit Gruppen 
anscheinend gesunder Haare abwechseln. Fälschlich wird diese Variatftt 
für eine Alopecia seborrhoica gehalten; ich bin aber keinen Augenblick 
im Zweifel, dafs sie trotz der meistens vorhandenen pityriasisaitig« 
Abschuppung, ja, selbst trotzdem eine Hyperidrose der befallenen Teile 
nicht ganz selten ist, doch zu der Keratosis pilaris zu- rechnen sei. Nur 
mufs man hier eben zwei Formen unterscheiden: bei der einen besteht 
keine eigentliche Seborrhoe, bei der anderen ist sie dagegen in hohem 
Mafse vorhanden. 

3. An diesen zweiten Typus schliefsen sich nun diejenigen Fälle an, 
die Taenzbr als Ulerythema ophryogenes beschrieben hat. Hier bilden 
sich rings um die Haare kleine rote Papeln; infolgedessen fallen erstere 
aus; und es entstehen auf diese Weise kahle Stellen von Linsen- bis 
Kirschengrölse, die narbig aussehen, etwas eingesunken, weifs, glänzend, 
glatt sind. Die übrigbleibenden Haare stehen als kleine Büschel zwischen 
den Plaques. Allmählich er weitem sich die kahlen Stellen und bilden 
schliefslich grofse, glatte, unregelmäfsig umränderte Flächen. Hie und 
da finden sich auf diesen, einem Sieb nicht unähnlichen Flächen noch 
einzelne Haare, deren gelockerte Follikel, wie bei der Cutis anserina, 
kegelförmig hervorragen und von der Umgebung durch einen schmalen 
hyperämischen Saum getrennt sind. Die Haarbüschel bestehen aus 2 bis 6 
Haaren, die so dicht aneinanderstehen, dals es den Anschein hat, als 
entsprängen sie alle aus einer Follikularöffnung. (Tabnzer). 

Man darf wohl die Frage auf werfen, ob diese wichtigen Veränderungen, 
die bald kleinere, bald gröfsere G-ebiete betreffen — es handelt sich 
nämlich immer nur um eine oder mehrere greise kahle Platten; daa 
Auftreten vieler kleiner, über den ganzen Kopf verteilter Stellen ist 
bislang noch nicht beobachtet — thatsächlich nur der Keratosis pilaris 
zur Last fallen, oder ob hier noch ein anderer krankhafter Vorgang mit- 
wirkt. Eine bestimmte Antwort lälst sich hierauf zur Zeit nicht erteilen, 
jedoch scheinen die Veränderungen im engsten Zusammenhang mit der 
Keratosis pilaris zu stehen. Die Leute, bei denen sie beobachtet wurden, 
litten alle im höchsten Grade an der Keratosis. So fehlten ihnen z. B. 
die Augenbrauen. Aufserdem aber ist es schwer, die klinischen Ähnlich- 



75 

keiten zwischen der zweiten nnd dritten Varietät in Bezug auf Aussehen 
und Verlauf zu verkennen, und zwar scheint die dritte Varietät einer 
vorgeschrittenen Form des atrophischen Vemarbungsprozesses zu ent- 
sprechen. 

4. Im Gregensatz hierzu steht die vierte Varietät, bei der der krank- 
hafte Vorgang nur so gering ausgeprägt ist, dals er sich kaum erkennen 
läfct. Die Veränderungen, die wir hier zu verzeichnen haben, können 
sobon in frühester Jugend auftreten; sie machen sich aber zuweilen auch 
eist zwischen 15 und 25 Jahren bemerkbar. 

a. In den ersten Lebensjahren kommen diese Veränderungen nur in 
Verbindung mit einer Ichthyose der Hautdecken, die bald mehr, bald 
weniger stark ausgeprägt ist, und mit einer ausgesprochenen Keratosis 
pflaris der Extremitäten vor. Die Haare sii^d fast immer trocken. Die 
Kopfhaare unterliegen mehrfachen Veränderungen. Unter ihnen ist wohl 
am aufblligsten eine verschieden starke pityriasisartige Abschuppung, 
die bald fester der Kopfhaut anhaftet, bald lockerer sitzt, bald sehr 
trocken, bald wiederum stark seborrhoisch ist, letzteres namentlich in der 
Mitte des Schädels und wenn man den Kopf nicht fleifsig wäscht. Hier 
und da auf dem Kopf, und nicht selten auch an den Schläfen, bemerkt 
man kleine haarlose Stellen; dieselben bestehen anfangs aus kleinen 
Plaques, deren glatte Haut atrophisch, narbig und ein wenig eingesunken 
erscheint. Die Kranken verspüren daselbst keine lästige Empfindung von 
Brennen, Jucken u. s. w., trotzdem man in der Umgebung rötliche Streifen 
wahrnimmt, die zum Vergleich mit den Elementen des Eczema seborrhoicum 
circinatum der Kopfhaut herausfordern. Sie deuten auf das Vorhanden- 
sein eines entzündlichen Vorganges hin. Ursprünglich sind diese ent- 
haarten Stellen mit kleinsten Öffnungen versehen, aus denen übrigens 
niebt das winzigste Härchen hervorlugt. Umgeben sind die Plaques von 
dünnen, leicht gekräuselten Haaren, die aber keinerlei Einschnürungen 
aufweisen und sich ganz leicht ausziehen lassen. Daneben finden sich 
aber noch andere Haare, die im Gegensatz hierzu sich in Bezug auf 
Festigkeit, Länge und Dicke ihr normales Verhalten bewahrt haben. 

b. Beim Erwachsenen kennzeichnet sich die in Rede stehende Form 
der Keratosis pilaris durch einen fast ununterbrochenen Ausfall von 
Haaren, welchen Haarschwund man gewöhnlich als Alopecia seborrhoica 
oder auch als Alopecia praematura idiopathica bezeichnet. Diese Form 
kommt im Alter von 15 — 30 Jahren bekanntlich sehr häufig vor. Unter- 
sucht man in diesbezüglichen Fällen die Kopfhaut etwas genauer, so findet 
man, dafs die Alopecie durch kleine Plaques verursacht wird,* die an 
Form und Gröfse äufserst unregelmälsig sind, teils ineinanderfliefsen, teils 
nicht, matt weiis, eingesunken erscheinen, auch ein wenig narbig, freilich 
nicht ganz so stark, wie bei der zweiten und dritten Varietflt. In ihrer 



76 

Umgebung befinden sich, ebenso wie bei den Kindern, Haare von ver- 
schiedener Stärke, deren manche sich von normalen Haaren nicht unter- 
scheiden. Auch hier besteht bald nur eine trockene Abschuppung, bald 
bildet sich eine echte seborrhoische Kruste über den ganzen Kopf. 
Letzteres Vorkommen macht es erklärlich, dafs man derartige Fälle 
einfach als Alopecia seborrhoica bezeichnet hat. 

Nun habe ich aber überall im Verein mit dieser Form eine Keratosis 
pilaris der Extremitäten und bisweilen auch der Augenbrauen angetroffen. 
Diese Keratosis pilaris der Gliedmaisen bestand aber nicht mehr in den 
bekannten roten Knötchen rings um die einzelnen Haare. Die Krankheit 
hatte hier vielmehr meist schon ihr Ende erreicht; es scheint nämlich, 
dals die Keratosis in diesen Fällen viel schneller verläuft und die Zer- 
störung der Haare viel gründlicher besorgt. Will man also sicher gehen, 
ob es sich wirklich um eine Keratosis pilaris handle, so mufs man bei 
den betrefiPenden Patienten auf junge Härchen, sowie auf weifse, ein- 
gesunkene, punktförmige Narben an der Hinterfläche des Ober- und Unter- 
arms fahnden. Die völlige Enthaarung dieser Teile läfst sicher auf das 
Vorhandensein der Keratosis schliefsen. 

Es scheint indessen auf den ersten Blick nicht ganz leicht, diese 
Varietät der Alopecie der Kopfhaut zu einer einfachen Keratosis pilaris 
zu stempeln ; denn das charakteristische papulöse Element mit seinem cen- 
tralen Haar scheint hier ganz zu fehlen. Wie wir jedoch eben gesehen 
haben, werden auch bei dieser Varietät kleine rote Streifen beobachtet, 
die auf einen Entzündungsvorgang hindeuten, einen Entzündungsvorgang, 
der die Haare zerstört und demnach wohl identisch ist z. B. mit dem 
Vorgang der Keratosis pilaris des Bartes oder der Augenbrauen. (Vergl. 
meine Abhandlung aus dem Jahre 1892; Ännäl. de Derm, et de Sypk). 
Und bilden nicht, trotz der eben erhobenen Einwände, gerade diese Form 
der Alopecie,« diese Anordnung in kleinen, narbigen Lichtungen, dieser 
langsam fortschreitende Verlauf mit ungleichmäfsiger Ausbreitung, dieses 
regelmäfsige Zusammentreffen mit Keratosis pilaris der Extremitäten 
ebensoviele gewichtige Gründe dafür, daCs die Keratosis pilaris, wenn 
auch nicht die einzige« so doch eine der Ursachen für das Zustande- 
kommen dieser Varietät abgiebt? 

Es ist nun aber auch leicht einzusehen, warum die Keratosis pilaris 
in der überwiegenden Mehrheit der Fälle auf der Kopfhaut nicht die 
bekannten Papeln mit dem centralen Haar erzeugt. Letztere kommen 
auüser in den Fällen der beiden oben genannten Gruppen nur noch unter 
äulserst' seltenen Umständen zur Beobachtung, und es Heise sich hieraus 
zur Not noch eine fünfte Gruppe bilden. Bei manchen Personen nämlich 
mit Keratosis pilaris der Extremitäten, deren Haare aus irgend welchen 
anderen Ursachen während längerer Zeit ausgehen, entstehen zuweilen 



77 

rings um die neugebildeten jungen Flaumhaare auf dem Kopf die Papeln 
der Keratosis pilaris. Einen derartigen Fall habe ich noch erst kürzlich 
wieder bei einem jungen Mädchen mit etwas Seborrhoe beobachtet, die 
seit mehr als sechs Jahren an Älopecie litt. 

Sicher ist also, dafs die Keratosis pilaris auf der Kopfhaut in der 
pathognomonischen Form von Papeln mit centralem Haar vorkommt; es 
scheint aber, dafs dieses Vorkommen immer nur an bestimmte, noch wenig 
gekannte Bedingungen gebunden sei. Die Papeln z. B. bilden sich hier 
nur um feine Haare mit oberflächlicher Wurzel; und das ist leicht 
begreiflich^ denn da der Entzündungsprozefs der Keratosis pilaris nur ein 
sehr begrenzter und schwacher ist, so kann er bei tie&itzender Haarpapille 
nicht so bald zur Oberfläche gelangen. Je länger er aber andauert und 
die gesunden Haare durch zarte, oberflächlich sitzende Härchen verdrängt, 
um so mehr hat er Gelegenheit, sich in der Form von unregelmäfsiger 
Röte oder von hellroten Elnötchen rings um die Haare bemerklich zu 
machen. 

Andererseits lehrt uns auch die Pathologie der Augenbrauen, dafs 
die charakteristischen Plaques, die ein ausgesprochen narbiges Aussehen 
haben, im Verlauf der Keratosis pilaris zu stände kommen, ohne dafs 
man vorher etwas anderes als geringe Hautröte oder kleinste Knötchen 
rings um die Haare wahrnimmt. 

Nun liegt mir nichts femer, als die verschiedenen Formen des Haar- 
schwunds, die Alopecia praematura idiopathica, die Alopecia der Seborrhoea 
sicca, auf die Keratosis pilaris zurückführen zu wollen. Ich behaupte 
nnr, dais letztere thatsächlich bei manchen Formen von Haarschwund 
eioe Rolle spielt. Wieweit diese Bolle geht, bleibe späteren ünter- 
sachungen vorbehalten. Dals derartige Untersuchungen mit den gröJsten 
Schwierigkeiten verknüpft sind, will ich hier wenigstens erwähnt haben. 

Denkbar wäre es, dals bei manchen Personen die Keratosis pilaris 
anf einen anderen Prozels aufgepfropft wird, nachdem die Haare bereits 
locker und dünn geworden sind. Durch diese Hypothese würde unter 
anderem auch die Thatsache erklärt, dafs man bei solcher Form der 
Älopecie häufiger als bei der Alopecia seborrhoica pura groJse, anscheinend 
gesunde Haare zwischen den kahlen Stellen verstreut findet. Es wäre 
anzunehmen, dais die Keratose die völlig entwickelten Haare verschont 
und nur diejenigen angriffe, deren Papillen oberflächlicher liegen, so dafs 
auf diese Weise die eigentümliclve Älopecie in Form von Lichtungen zu 
stände käme, mit Erhaltung einzelner gesunder Haare zwischen den kahlen 
Pkques. — Wie man sieht, ist dies mit geringen Abweichungen dieselbe 
Hypothese, die Taenzer zur Erklärung seiner eigenartigen Form von 
Älopecie, dem Ulerythema ophryogenes, aufstellt; selbige ist, wie wir 
weiter oben gesehen haben, mit meiner dritten Varietät identisch. 



78 

SchlieMich lassen sich also für die Keratosis pilaris der Kopfhaut 
folgende zwei Hypothesen aufstellen: Entweder der keratotiache Prozefe 
besteht von vornherein rings um die tiefliegenden Papillen der gesunden 
Haare, er tritt aber erst in die Erscheinung, nachdem die gesunden 
Haare von zarteren Härchen mit oberflächlicher Papille verdrängt sind; 
nach dieser A.uffassung würde die Keratosis pilaris allein zur -Erzeugung 
des Haarschwunds genügen, — oder der keratotische Prozefs gesellt sieb 
zu einer anderen Haarkrankheit hinzu, nachdem letztere die Haare bereits 
verändert und die tiefliegenden Haarpapillen durch oberflächliche ersetzt hat. 

(Übergctit von Dr. J. TORKHEIM-Hambar^.) 



Syphilitische Plaques. V 

Von 

A. Ravogli, M. D.. 

Cincinnati. 

Plaques muqueuses, Condyloma planum, Papula humida, Pustula 
foetida etc. können zweifelsohne als der am meisten oharakteristisehe 
Ausschlag bei der Syphilis bezeichnet werden; in allen Stadien dieses 
Leidens, von den frühesten bis zu den spätesten, finden wir diese Art von 
Ausschlag, sei es nun für sich allein oder als Begleiterscheinung bei 
anderen syphilitischen Läsionen. Ich habe immer eine Abneigang gehabt 
gegen die chronologische Einteilung der syphilitischen Symptome in 
primäre, sekundäre, tertiäre etc., denn ich fand immer, daDs dieselbe zur 
Entstehung von irrigen Ansichten bei den Studenten Anlafs gab. Die 
RrcoRBSche Unterscheidung der frühen und späten Syphilis dagegen ent- 
spricht den von Virghow aufgestellten Anschauungen und findet auch in 
dem lokalen pathologischen Vorgang eine bessere Erklärung. Die frohen 
Symptome sind durch die Neigung zu entzündlichen Erscheinungen 
gekennzeichnet, die späteren Läsionen durch die Neigung zu Hyper- 
trophien, Infiltration und Neoplasma. 

Alle Formen von syphilitischem Hautausschlag zeigen eine gewisse 
Ähnlichkeit mit anderen, gewöhnlichen Hautaffektionen; die syphilitische 
Roseola hat etwas Ähnlichkeit mit manchen Exanthemen, der papulöse 
Ausschlag ähnelt der gewöhnlichen Psoriasis u. s. w. Aus diesem Grunde 

' Dieser Vortrag war für den Internationalen Kongrefs in Wien bestimmt. 



79 

haben manche Autoren die syphilitischen Läsionen im Anschlaüs an die 
WiLiAKsohe Terminologie als Liehen syphiliticus, Acne syphilitica etc. 
bezeichnet. 

Die Plaque muqueuse ist so eigentümlich, dafs es sehr schwierig ist, 
dieselbe mit irgend einem anderen Ausschlag zusammenzubringen, und 
wenn wir dieselbe finden, so ist das Vorhandensein der Syphilis keinem 
Zweifel mehr unterworfen. Diese Läsionen sind in hohem Grade kon- 
iagiös, und ich glaube, daCs die meisten SyphilisfS&lle häufiger durch diese 
besondere Form übertragen werden als durch den harten Schanker. 
Andere syphilitische Ausschläge, mögen sie nun trocken oder feucht sein, 
übertragen die Syphilis im gewöhnlichen Verlaufe nicht. Das von den 
Plaques muqueuses ausgeschiedene Virus erzeugt, auf ein nicht syphi- 
litisches Lidiyiduum übertragen, einen harten Schanker. Bei zwei Fällen 
Yon Schanker des Mundes habe ich die Personen, von denen das Virus 
herstammte, gesehen, und bei beiden fand ich Schleimpapeln der Lippen. 
Ich bin daher der Meinung, dafs die breiten Kondylome bei ihrem Träger 
sieh als Plaques muqueuses wiedererzeugen, bei einem nicht syphilitischen 
Individuum dagegen einen harten Schanker, die einzige Form der initialen 
Syphilis, hervorrufen. 

Wir sehen fast bei jedem Falle von Syphilis Schleimhautplaques, 
welehe manchmal bei der ersten Entwickelung konstitutioneller Symptome 
oder auch während der sogenannten sekundären Periode erscheinen, und 
nicht ganz selten sieht man sie während des späten Stadiums oder der 
Tertiärperiode auftreten. 

Die Schleimpapel findet sich sowohl auf der Schleimhaut als auch 
auf der Haut, aber ihr Aussehen ist ein so eigentümliches, da& sie mit 
keiner anderen Läsion der Syphilis verwechselt werden kann. Sie äufsert 
sich zunächst als ein runder oder ovaler roter Fleck von variabler Qröfse, 
die zwischen einer halben Erbse und einem Vierteldollar oder mehr 
schwankt. Diese Gebilde sind scharf umschrieben, haben abgerundete 
Ränder und sind ein wenig erhaben; dabei findet sich ein spärliches, 
seröseitriges Sekret unter der Epidermis; wenn die Affektion auf der 
Schleimhaut lokalisiert ist, so löst sich das Epithel bald auf und hinter- 
IflM eine ulzerierte Fläche von graulich-weifser Farbe und mit einer 
flüssigen, serösen Absonderung. Das Aussehen der Kondylome zeigt je 
nach der befallenen anatomischen Gegend gewisse Verschiedenheiten. Als 
eine ulzerierte, mit Vegetationen bedeckte Fläche sieht man sie auf den 
Sehleimhäuten und auf der ELaut in der Umgebung des Anus, an der 
Enm^nitalfurche, unter der Achsel, wo die unausgesetzte Schweifs- 
Sekretion zusammen mit dem abgesonderten Serum sie feucht erhält und 
die Entwickelung von Borken verhindert. 

Wenn sie aber z. B. im Gesicht auftreten und das Sekret eintrocknet, 



HO 

■ 

80 dals sich eine* Art Borke bildet, die in den runden Rändern der 
Plaque eingeschlossen verbleibt, dann haben diese Gebilde eine Bescihaffen- 
heit, welche eine Verwechselung mit Impetigo möglich erscheinen Iftfet 
An anderen Stellen, wo die Epidermis hart und resistent ist, wie z. B. 
an der Palma manus und an der Fufssohle, da kann das Serum nicht 
aussickern, sondern es wird wieder resorbiert, so dafs eine Desquamation 
der Epidermis die Folge ist. Die Plaques verschwinden langsam bei all- 
gemeiner Behandlung und mit gröfserer Schnelligkeit bei lokalen Majs- 
regeln; niemals aber bleibt irgend eine Narbe zurück, obgleich manchmal 
eine gewisse Pigmentablagerung zurückbleibt, welche einige Zeit bestehen 
bleibt, um dann allmählich zu verschwänden. 

Wir glauben nicht, dals die Plaques muqueuses mit Papeln in eine 
Reihe gestellt werden können, und es ist in der That der von Basskbav 
angewandte Name Papula humida nicht richtig gewählt, da wit wissen, 
dafs eine Papel niemals secerniert und niemals mit einer Borke besetzt ist. 

Die Ansicht, dafs jeder papulöse Ausschlag wegen der Zartheit der 
Haut und deren Maceration infolge der fortdauernden Schweifssekretion 
in eine feuchte Papel oder Plaque muqueuse übergehe, ist nicht eigent- 
lich richtig. Ich mufs sagen, dafs meiner Erfahrung nach es viele Fälle 
v^on konfluentem, papulösem Syphilid giebt ohne irgend welche mnköee 
Flecke auf der Haut, und andererseits habe ich Kondylome auf der flaut 
der Labia maiora, des Skrotum, Anus, der Achselhöhle, Mammae etc. | 
ohne gleichzeitiges Vorhandensein irgend eines papulösen Syphilids ge* 
sehen. 

Es unterliegt k&inem Zweifel, dals der syphilitische Prozefs bei jeder 
primären Verletzung seine Neigung zum Hypertrophieren dokumentiert, 
aber sein Verlauf und Ende weichen wesentlich von dem gewöhnlichen 
papulösen Ausschlag ab. Ich kann meine Zustimmung nicht dazu geben, 
dafs die Schleimpapeln mit den gewöhnlichen Papeln in dieselbe Gruppe 
zusammengestellt werden ; ich möchte vielmehr der Ansicht von Lsgendre 
und Bazin zustimmen, dals die Plaques muqueuses einen eigentümlichen 
und charakteristischen Ausschlag d^r Syphilis darstellen und nicht mit 
irgend einer anderen gewöhnlichen Form zusammengestellt werden können. 

Wie oben bereits erwähnt wurde, befällt das breite Kondylom die 
Schleimhäute und die Haut am häufigsten in der Nähe der natürlichen 
Orificien oder an Stellen, wo die Haut in sich selbst zusammengefaltet 
ist und daher der Maceration durch überreichliche Schweifssekretion aus- 
gesetzt ist. Die Epithelbedeckung der Plaques geht leicht verloren und 
hinterläfst dann eine ulzerierte Fläche mit kleinen, wuchernden Grianu- 
lationen von graulich-fleischfarbenem Aussehen. Die Plaque fühlt sich 
weich an und secerniert eine schleimig-seröse Flüssigkeit von unange- 
nehmem, fadem Geruch. Diese Flüssigkeit hat eine so intensiv reizende 



81 

Beschaffenheit, daXs sie den Patienten ein lebhaftes Jucken an der Ober- 
flflehe der Plaques sowie auf der umgebenden Haut verursacht. Syphi- 
litische Ausschläge sind sonst kaum von Juckreiz begleitet, und wir können 
wohl sagen, daJs die syphilitische Plaque der einzige mit Pruritus ver- 
bundene Ausschlag ist. 

Manchmal kOnnen die ^Kondylome auch mit einer diphtherischen 
Schicht bedeckt sein, wodurch sie ein kreideartiges Aussehen erhalten; zu 
anderen Zeiten nehmen die Granulationen eine wuchernde Beschaffenheit 
an, so dafs die Plaques ein unebenes, warziges Aussehen bekommen. 
Diese hypertrophierende Eigenschaft ist in manchen Fällen so prononziert, 
dafs ein enormes Wachstum der affizierten Teile die Folge ist. In der 
Umgebung des Anus, an den Mundwinkeln nimmt die Plaque das Aus- 
sehen von Shagaden an, und man kann dann nur durch Auseinander- 
halten der Schleimhautfalten die wahre Natur der ulzerierten Plaques 
erkennen. Das Vorhandensein derselben an diesen Stellen macht die 
Ausführung der betreffenden physiologischen Funktionen schmerzhaft. 
Diese Läsionen haben ihre Prädilektionsstellen und treten häufiger an der 
einen als an der anderen Stelle auf; Reizung der Haut und der Schleim- 
häute ist sehr oft die Ursache des Wiedereintretens der Plaques. Ich 
habe Patienten gehabt, welche stets frei blieben von Plaques in der 
Mundhöhle, so lange sie sich des Tabaks enthielten, die aber sofort dai'an 
zu leiden hatten, wenn sie anfingen, Tabak zu rauchen oder zu kauen. 

Nach Bassebaü, Dayasse und Deyillb sollen sich Kondylome 
häufiger in der Umgebung des Anus, auf den gro&en und kleinen Labien 
der Vulva, auf der oberen, vorderen und Innenfläche der Oberschenkel, 
auf dem Präputium und auf der 61ans oder der retroglandulären Furche 
entwickeln, sowie auf dem Skrotum und auf den Brüsten bei den Frauen. 
Nach der Genitoanalgegend kommen dann die Nasenöffiiung, der Sulcus 
nasolabialis, die Mundwinkel und die Tonsillen, sowie auch manchmal die 
hintere Wand des Pharynx. Femer hat man Plaques auch auf der 
Concha gefunden und auf dem Processus mastoides, an den Axillargegenden, 
auf dem Nabel und zwischen den Zehen und Fingern. 

Um mir nach meinen eigenen Beobachtungen eine Idee von der 
Häufigkeit der syphilitischen Plaques zu bilden, habe ich meine Auf- 
zeichnungen aus der Privatpraxis der letzten sechs Jahre durchgesehen. 
Ich fand im ganzen 216 syphilitische Patienten verzeichnet; 159 der- 
selben waren Männer, 51 Weiber und 6 Säuglinge. 

Es war meine Absicht gewesen, nachzuforschen, wie oft die Kon« 
dylome in den verachiedencn Stadien der Syphilis auftreten. Zu diesem 
Zwecke trennte ich die Fälle von früher Syphilis (Sekundärstadium) von 
denen der späten Lues (tertiäres Stadium). Frühe Syphilis: 116, späte 
Syphilis: 94; Syphilis congenita: 6. 



82 

Plaques muqueuses fanden sich während der ersten Stadien der 
Syphilis bei 103 von den 116 Kranken und in 24 von den 94 Patienten 
im späten Stadium. Es geht daraus hervor, dafs die Schleimpapeln im 
Anfangsstadium häufiger anzutreffen sind als in den späten Stadien der 
Syphilis. 

Die mit Vorliebe von den Plaques ergriffenen anatomischen Regionen 
kann ich folgendermafsen einteilen: 
Im Sekundärstadium: 

Lippen 38 

Anus 11 

Zunge 11 

Labia maj. et min 12 

Mund 6 

Mandeln und Gaumen 5 

Skrotum 5 

Schenkelbeuge 4 

Präputium und Glans 3 

Larynx (Stimmbänder) 2 

Pharynx 1 

Hand (zwischen den Fingern). 1 

Fufs (zwischen den Zehen). . 2 

unter der Brust 1 

Axilla 1 

Gesicht . 1. 

Im Tertiärstadium fanden sich die Plaques auf dem 

Gaumen 6 

Zunge 5 

Nasenlöcher 5 

Concha auricul 2 

Lippen 2 

Skrotum 2 

Anus 2. 

Bei den sechs Fällen von Syphilis congenita fanden sich Plaques 
nur zweimal und zwar in der Umgebung der Genitalien und in der 
Inguinalfurche. 

Viele Autoren behaupten, dafs das weibliche Geschlecht hHafiger 
Schleimpapeln acquiriere als das männliche. In meiner kleinen Statistik 
finde ich, dafs das Geschlecht keinen Einflufs auf die Entwiokelung der- 
selben ausübt, denn es ergiebt sich, dafs von den 163 Männern 59 im 
frühen Stadium und 8 im späten Stadium Plaques aufwiesen, während 
unter den 51 Weibern 18 im frühen Stadium und 3 im späten dieselben 
darboten. 



83 

Aus dieser Darlegung ist mit Leichtigkeit zu entn^men, dafs Schleim- 
papeln im sekundären Stadium der Syphilis sehr häufig vorkommen, 
während in der späten Periode ihr Auftreten seltener ist. Hiwin liegt 
min auch der Grund, weshalb die S]rphilis im späten Stadium nach Ab- 
lauf des Seknndärstadiums nicht so leicht übertragen wird wie im Anfang, 
wo die Plaques jeden Augenblick hervortreten können. 

Ein sehr eigentümlicher Fall von frühzeitigem Ausbruch von Plaques 
rnuqueuses, die gleichzeitig an mehreren Teilen des Körpers auftraten, ist 
mir noch kürzlich begegnet, und da der Fall einige interessante Momente 
darbietet, will ich mir die Freiheit nehmen, denselben ausführlich l^ier 
mitzuteilen. 

M. y., Italiener, 30 Jahre alt, Mann von Mittelgröfse, kräftigem 
Körperbau, dunklem Teint und dunklem Haar, hatte sich stets einer 
gaten Gesundheit erfreut. Am 15. Juni dieses Jahres hatte er mit einer 
Fran geschlechtlichen Umgang gehabt, doch hatte er diesen Umstand 
beinahe vergessen, als er am 15. Juli auf der retroglanduläi*en Furche ein 
Greschwür bemerkte, welches nach wenigen Tagen hart wurde. Es wurde 
keine eigentliche Medikation angewandt auieer einem Pulver, welches er 
von einem Bekannten erhielt, und das er lokal applizierte. Ich vermute, 
dals dies Kalomel war. Nach ungefkhr einem Monat war das Ulcus 
gebeilt, aber der Mann befand sich nicht wohl, und er bemerkte einige 
kleine Geschwüre auf der Kopfschwarte. Ich fragte ihn, ob er rote, 
Flecke auf seiner Haut gesehen habe, was er aber verneinte; indessen 
kann die Entwickelung der Roseola so gering gewesen sein, dafs sie ganz 
unbemerkt blieb. 

Anfangs September bemerkte er einige Erhebungen auf der Stirn, 
dem Kinn, dem Halse und an einigen anderen Teilen seines Körpers. 
Dies veranlagte ihn, ärztliche Hülfe nachzusuchen. Der Mann sah etwas 
abgemagert und anämisch aus und zeigte die blasse Farbe, wie sie dem 
ersten. Stadium der konstitutionellen Symptome der Syphilis eigen ist. 
Die Erhebungen auf der Stirn w(iren 13 oder 14 an der Zahl; sie er- 
strecken sich über die Glabella herunter und sind nichts anderes als Kon- 
dylome. Der Ausschlag kann nicht als irgend eine andere Art von 
Syphiloderma diagnostiziert werden, denn es sind keine Papeln, keine 
Pusteln noch auch ein Tuberkelausschlag. Die Läsionen bestehen s^us 
warzigen Erhebungen auf der normalen Haut und haben eine dunkle, 
scbmntzige Färbung; an Gröfse variieren sie zwischen einer halben Erbse 
und einem amerikanischen Dime. An der Peripherie sind sie hart und 
kaben scharf abgeschnittene Ränder und eine etwas papilläre Beschaffenheit 
in der Mitte. Einige andere zeigen kleine, harte Borken zwischen den 
Papillen eingeschlossen, und wiederum andere sind etwas ulzeriert. Eine 
weitere Gruppe der gleichen Plaques, fünf oder sechs an der Zahl, fand 



84 

sich unter dem Kinn und auf dem Halse; sie variierten an Gröfse 
zwischen einem Dirne und einem Yierteldollar. 

Ferner fanden sich grofse muköse Plaques bei ihm auf der Glutäal- 
gegend, und zwei grofse Läsionen von fast Halbdollargröise fanden sieh 
auf der Hautfalte in der Nähe der Analregion. Andere Plaques waren 
auf dem Skrotum und auf der medialen Fläche der Oberschenkel zer- 
streut, während mehrere andere sich auf den Inguinalfalten vorfandeu. 
Zwei kleine Plaques waren auch auf den Lippen lokalisiert. 

Was bei diesem Falle besonders auffällt, ist, dafs die Hautoberfläcbe 
vollständig rein war, und weder ein Roseolenausschlag noch Papeln za 
entdecken waren. Die Nacken- imd Leistendrüsen waren hart und 
geschwollen. Im Bachen war kaum eine Andeutung eines Eryfchema 

faucium zu sehen. 

■ 

Ich habe diesen Fall angeführt zum Beweise für meine Behauptung, \ 
dafs die syphilitische Plaque nicht eine eigentliche Papel ist imd mit . 
dem papulösen Ausschlag nichts zu thun hat. Dieselbe kann auch ohne ^ 
jeden anderen syphilitischen Ausschlag vorkommen und kann audererseib | 
einen Ausbruch von S3rphilitischen Roseolen, Papeln oder Pusteln kom- - 
plizieren. 

Um die pathologisch-anatomischen Läsionen der Plaques muqueuaes 
zu illustrieren, habe ich unterm Mikroskop einen Schnitt durch eine solche, j 
. die ich von dem eben erwähnten Patienten entnommen habe, eingelegt 
Das erste, was unsere Aufmerksamkeit erregt, ist eine zellige Infiltration 
des Korium in der Umgebung der Papillen und in deren feinem Stroma. 
Diese Infiltration erstreckt sich bis in die oberflächlichen Schichten des 
subkutanen Zellgewebes. Man sieht runde Zellen, die nur einen Kern 
enthalten, an Grröise den Lymphzellen gleichen, welche bei einfacher 
Dermatitis zwischen den Fasern des Bindegewebes eingeschlossen zn 
beobachten sind. Die Papillen sind sowohl der Länge als der Breite 
nach enorm vergröfsert. An den vorgelegten Präparaten sieht man ein 
kolossales Netz von vergröfserten Kapillaren, und an einigen derselben, 
welche quer durchschnitten sind, sieht man die Adventitia enorm verdickt 
infolge der Zunahme der Bindegewebskörperchen und durch die Infi!- 
trationszellen zwischen dem Fasergewebe. Sie sehen femer eine verdickte 
Epidermis und eine Zerstörung der oberflächlichen Schichten, infolge 
deren die Zellen als Detritus aufgelöst sind. 

Plaques muqueuses erscheinen manchmal in akuter Weise, aber 
gewöhnlich nehmen sie einen chronischen Yerlauf eben so wie die anderen 
Symptome der Syphilis. Läfst man sie unbehandelt, so bleiben sie monate- 
lang bestehen, aber bei Anwendung zweckmäisiger Mittel wird ihre Dauer 
wesentlich abgekürzt. Das diphtherische Stadium der Plaques, während 
dessen die Oberfläche mit nekrotischem Gewebe bedeckt ist, leistet den 



85 

slArksten und hartnäckigsten Widerstand. Die Heilung beginnt im 
Centram und erstreckt sich dann allmählich bis auf die Peripherie unter 
Hinterlassung einer kupferig gefärbten Stelle, welche langsam wieder ver- 
schwindet. 

Es ist nicht nötig, noch hervorzuheben, dafs eine allgemeine anti- 
sjpliilitische Behandlung das wichtigste Moment für die Heilung dieser 
Lasionen bildet, aber eine gut angepafste lokale Therapie ist auch erfor- 
derlich, um den Patienten Linderung zu verschaffen und das Verschwinden 
dieser widerlichen Komplikation zu beschleunigen. Vor allen Dingen ist 
gTötsie Reinlichkeit anzuempfehlen, und es müssen deshalb die sich 
berührenden Hautflächen aus einander gebracht werden. Bicord empfahl, 
die Plaques täglich zweimal mit Kochsalzlösung zu waschen und alsdann 
die Oberfläche mit Kalomel zu bestreuen und Charpie zwischen die sich 
berührenden Teile zu legen. 

Meiner Erfahrung nach habe ich die Anwendung von Emplastrum 
flydrargyri sehr nützlich gefunden namentlich für die Plaques in der 
Umgebung der Vulva und des Anus, wenn sie Neigung zum Hyper- 
trophieren bekunden. Ich pflege die Oberfläche mit einer Lösung von 
Karbolsäure abwaschen zu lassen oder mit einer 1 Voo Lösung von Su- 
blimat und bedecke alsdann die Oberfläche mit dem auf einem Stückchen 
Zeug gestrichenen Pflaster, welches ich jeden Tag zweimal erneuern lasse. 

Manchmal sind die Plaques so resistent, dafs sie die Anwendung von 
Causticis erforderlich machen. In dem Falle von Plaques an der Achsel- 
gegend habe ich Salpetersäure angewandt, was zu einei; Umwandlung der 
warzigen, secemierenden Fläche in eine escharaartige Kruste führt. 
Letztere fällt nach einigen Tagen ab und hinterlälst eine granulierende 
Fläche, welche bald abheilt. 

Eine Lösung von salpetersaurem Hg-Oxyd ist auch ein sehr nütz* 
liebes Mittel, und ich habe es mit vorzüglichem Erfolg bei hartnäckigen 
Fällen von Plaques an den Lippen, der Zunge, dem Munde, den Ton- 
sillen und bei zwei Fällen von Kondylomen an den Stimmbändern 
angewandt. 

Ferner ist eine Höllensteinlösung in der Stärke von 6 — 8% bei den 
gewöhnlichen Fällen von Plaques an den Lippen, der Zunge und dem 
Anas nützlich. Mit einem kleinen Wattetampon, den ich in die Lösung 
tauche, berühre ich die Plaques jeden zweiten Tag und schreibe dem 
Patienten vor, seinen Mund alle drei bis vier Stunden mit einer Borax- 
lösang auszuspülen. 

Aus dem Dargelegten möchte ich nun folgende Schlufsfolgerungen 
ziehen: 

a) Die Plaque muqueuse ist eine für Syphilis charakteristische 
Läsion. 



L 



86 

b) Dieselbe tritt gewöhnlieh während der frühen Stadien der aypbi- 
ütisehen Infektion auf. 

o) Sie kehrt auch im Spätstadium der Syphilis, jedoch nicht so 
hänfig wieder. 

d) Während der gummösen Periode der Lues findet sie sich niemals. 

e) Plaques muqueusee sind hochgradig kontagiös und bilden die 
gefährlichsten Läsionen für die Übertragung der Syphilis. 

f) In den späten Stadien ist die Syphilis wegen des Verschwindem 
gerade dieser Kondylome auf dem gewöhnlichen Wege nicht mehr über- 
tragbar. 

(Übenetzt yon Dr. PlllLiPPl-NieheLm.) 



VerfatnmUngen. 



Dennatologisehe Vereinigung su Berlin. 

(Originalbericht von L. HoFFMAKN-Berlin.) 

Sitzung vom 1. November 1892. 

Vorsitzender: Herr Lassar. Schriftführer: Herr Saalfeld. 

1. Herr Lewik: Fall Ton Psoriasis erosa. Das sechs Wochen alte Kind, du 
Herr Li vorstellte, stammt von einer syphilitischen Mutter, die am 10. Augoat d. J. 
auf der geburtshülflichen Station aufgenommen wurde, und bei der man verw^iedeoe 
syphilitische Affektionen, wie Condylomata lata ad linguam, Rhagaden etc., &Bd. Nach 
der Entbindung, die 14 Tage zu früh erfolgte, wurde sie auf die syphilitische Ab- 
teilung verlegt. Das Kind zeigte bei der Oeburt und in den ersten Wochen keine 
Erscheinungen von Lues, litt aber an Intertrigo. Es wurden prophylaktisch sechs Sublimat- 
bäder gegeben, und danach trat ein dem Eczema squamosum gleichendes Exanthem, 
das L. als Psoriasis erosa (weil es beim Abschuppen nicht blutete, sondern mehr 
Erosionen glich) bezeichnen möchte. Auch hier zeigt sich wieder die alte Erfahrung, 
dafs erst nach Behandlung mit Hg-Präparaten die Syphilis hervortritt. 

Herr Lassar fragt, ob entzündliche Erscheinungen vorhergegangen sind, oder 
ob die Form gleich so bestanden hat;' er würde glauben, dafs es sich um ein 
lymphatisches intertriginöses Ekzem mit squamösem Ausgange handle, indem bei 
vielen Hautkrankheiten sich der pathologische Prozefs in den Lymphbahnen weiter 
verbreitet. 

Herr Lewim erwidert, dafs er Hautkrankheiten mit Lymphgefafserkrankangen 
nicht kenne, wohl aber Erkrankungen der Lymphgefafse ; er fordert für die Theorie 
der lymphatischen Verbreitung der Hautki^ankheiten Beweise durch entsprechende 
pathologische Präparate. 

2. Herr Lewtn: Fall von Psoriasis linguae syphilitica. Der vorgestellte 
Patient, der nach einer Sklerose an Roseola etc. gelitten hat, zeigt jetzt Psoriasis 
plantaris und palmaris, aul'serdem Condylomata lata an den Tonsillen und eine 
Psoriasis linguae, die L. bis jetzt noch nicht beobachtet hat und die selbst in dem 
MiKULiczscben Atlas nicht gezeichnet ist. Auf der grau belegten Zunge findet sich 
eine grofse Anzahl roter, glatter, d. h. papillenloser Flecke. Die Entwickelung der- 



87 

leftw beginnt mit der Bildung einer hyperämischen roten Stelle aaf dem Zungen- 
neken, die von grau erscheinendem Epithel umgeben ist. AUmShHch verfettet dM 
i^el des Oentrums, wird grau und undurchsichtig, während die Umgebung mehr 
gerötet erscheint. Sohliefslich wird das verfettete Epithel abgestofsen, und eine tief- 
rote Stelle erscheint inmitten der blaTsrotüchen Zunge. 

Herr Joseph hiUt die Psoriasis lingnalis für identisch mit der Leukoplacia buccalis. 
Letstere ist ein klinisches Krankheitsbild, charakterisiert durch die Bildung weiÜMr 
fMke auf der Zunge. Diese Leukoplakie steht mit der Syphilis in keinem Zusammen- 
hinge, er hat sie nur bei Bauchem beobachtet. Im spateren Stadium der Syphilis 
konmen an der Zunge wohl Defekte mit Narbenbildungen vor. Auch an dem vor- 
gsitellten Falle könne er nur Substanzverhist mit Epithelverlast an der Zunge 
konstatieren, die er aber keineswegs als Psoriasis bexeichnen möchte. 

Herr Bosbhthal glaubt seinerseits an den ätiologischen Zusammenhang von 
Leukoplakie und Syphilis. Bei dem vorgestellten Patienten handelt es sich seiner 
Meinung nach um einen einftushen Epithelverlust und nicht uin Narbenbildnng. 

Herr fioFFMAim hält die Affektion der Zunge auch nicht für Leukoplacia. Br 
tnimere sich^ einen Fall beobachtet zu haben, bei dem unter bedeutenden Fieber^ 
enoheinungen Blasen auf der Zunge sich bildeten, die eine seröse Flüssigkeit ent- 
kieken, dann platzten, und nachdem dann auch das Epithel der Blasen sich ab- 
gestofsen hatte, zeigte sich derselbe Zustand, wie bei diesem Patienten, nämlich runde 
oder ovale rote Flecke, die deutlich erkennen liefsen, dafs das Epithel an diesen 
Stellen fehlte. Er hatte damals die Diagnose auf Pemphigus linguae gestellt und wäre 
geneigt, auch diesen Fall dahin zu rechnen, wenn er etwas Näheres über den Beginn 
des Leidens erfahren könnte. Der Patient giebt selbst an, dais es zuerst Blasen 
gewesen waren, und dafür spricht auch der jetzige Befund, indem er auf einen 
Sokstanzverlnst hinweist. 

Herr Lewin schliefst sich der Ansicht Rosenthals an, er wolle ja nicht den 
Prozefs Psoriasis nennen, aber er weils keinen anderen Ausdruck dafür. Diese Affektion 
ist aber syphilitisch, indem die Epitheltrübnngen allein schon syphilitisch sind. Erb 
hat in einer jüngst erschienenen Arbeit nachgewiesen, dafs die sogenannten Epithel- 
trobongen der Hundschleimhaut in 60 — 7b^/o bei Syphilitischen, in 30% bei Rauchern 
vorkommen. Was die Blasenbildung auf der Zunge anbetrifft, so glaubt er, dais, da 
das Epithel der Zunge fest au&itzt, eine Abhebung derselben nicht möglich wäre. 

3. Herr Lbwdt: Fall von Acne pigmentosa. Der voxigestellte Patient, der 
wegen einer Gonorrhoe und Hodenentzündung auf der Abteilung der Gharite auf- 
genommen wurde, zeigte, dafs sein Rücken mit Aknepusteln und tief braun pigmentierten 
Fleeken vollkoihinen bedeckt war. Unzweifelhaft sind die einzelnen Akne-Efflorescenzen 
mit Hinterlassung einer grofsen Menge Pigment geheilt. Nach . Analogie der Urticaria 
pigmentosa kann man von einer Acne pigmentosa sprechen. Über die Pathogenese 
dieser Erkrankung fehle jede Hypothese. 

4. Herr Lewik: Seltener Fall Yon Pityriasis punctata. Der Patient zeigt 
sof dem Rücken braun gefärbte, teils in der Haut liegende, teils über das Hautniveau 
prominierende, leicht abkratzbare Gebilde. Die Affektion ist von einer Reihe von 
Anten für Liehen ruber und Liehen scropholosorum gehalten worden. Er hält die 
Gebilde für Warzen, die man mit dem Nagel entfernen kann. Die mikroskopische 
Untersuchung hat bis jetzt keinen Pilz ergeben. 

Herr Ledbrmakn hat den Kranken eine Zeitlang behandelt und mit Rücksicht 
auf die damals vorhandene beträchtliche Seborrhoe des ganzen Körpers die Diagnose: 
Verrucae seborrhoicae gestellt. 

5. Herr Rosbvthal: Erankenvorstellung. Der Patient, bei welchem sehr 



88 

bald nach einer Infektion sich ein pustulo-tubero-alceröses Syphilid entwickelte, 
zeigten an den Stellen, wo die syphilitischen Prozesse safaen, starke dunkelbraane 
Pigmente, besonders an den ünterextremi täten, an den Oberextremitäten sehr wenig, 
am Stamme fast gar nicht. 

6. Herr Ledermank demonstriert makroskopische und mikroskopische 
Präparate des Hodens eines Mannes, den er schon früher der Gesellschaft vor- 
gestellt hatte und bei dem nach Abscedierung des Hodens die Diagnose zweifelhaft 
war, ob es sich um eine syphilitische Gummabildung des Hodens oder eine gonorrhoische 
Epidydimitis mit Ausgang in Eiterung handelte, oder ob Tuberkulose vorlag. Herr 
Karkwsky machte, da man nur Tuberkulose annehmen konnte, die doppelseitige 
Kastration, und dabei zeigte es sich, dafs es sich wirklich um eine tuberkulöse 
Epididymitis handelte. Es fanden sich verkäste Tuberkel mit Eitersäcken vor. 

Herr Heller empfiehlt zur Sicherstellung der Diagnose das Tuberkulin. 

Herr Earewsky glaubt, dafs das Tuberkulin nicht notwendig sei zur Stellnog 
der Diagnose; er habe in sechs Fällen im Anschlufs an Gonorrhoe Hodentuberkuloie 
beobachtet. Vier sind nach einer Gonorrhoe erkrankt, es bilden sich perlschnurartige 
Yenlickungen, die dann abscedieren; er habe nie beobachtet, dafs gonorrhoische oder 
syphilitische Hodenentzündungen abscedieren. Von grofser Bedeutung für die Diagnose 
ist das Verhalten der Prostata, welche frühzeitig mit an Tuberkulose erkrankt, wobei 
man dann bei der Untersuchung derselben, die eine Seite atrophisch, die andere 
pyramidenartig zugespitzt findet. 

Herr Lewin rät, nicht immer gleich zur Exstirpation der Hoden zu Schreiten; 
in vielen Fällen wird sie keinen Erfolg mehr haben, da die Patienten zu spät in die 
Behandlung des Arztes kommen und allgemeine Tuberkulose schon bestehen durfte. 
Die Gonorrhoe sei auch nicht immer die Veranlassung zur Entwickelung der 
Tuberkulose des Nebenhodens. Bei allen seinen Fällen, die er beobachtet hat, konnte 
er Prostataanschwellungen konstatieren. In zwei Fällen pflanzte sich die Tuberkulose 
von der Prostata auf die Blase, Nieren und Lungen fort. A.bscesse bei gonorrhoischer 
Epididymitis hat er zwei gesehen. 

7. Herr Peter: Über eztragenitale Syplülisiiifektion. Wohl in keinem 
ärztlichen Wirkungungskreise fehlt es an Erfahrungen, dafs sich syphilitische 
Erscheinungen ohne nachweisbaren Zusammenhang mit einer initialen Manifestation 
entwickelt haben. Manche dieser Fälle mögen deshalb unerklärt bleiben, weil sich 
die Eingangswege des Giftes in den menschlichen Organismus nicht ausschliefslich 
an die der Natur der Sache nach bevorzugten Kontaktorte ansghliefsen. Andererseits 
ist bis jetzt mit Sicherheit kein anderer Übertragungsmodus bekannt, als in Form 
direkten persönlichen Überganges. Da manche dieser Vorkommnisse der ärztlichen 
Beobachtung entgehen und sich bei zweifelhaften Erscheinungen unschwer eine irrige 
Deutung einschleichen kann, ist es gewifs geboten, immer von neuem darauf hinzuweisen, 
dafs die Syphilis in Bezug auf ihre Anfangserscheinnngen die verschiedensten 
Angrififspunkte besitzt. Initialaffekte an ungewöhnlichen Orten gehören aber nicht zo 
den seltenen Erscheinungen. So hat Vortragender in den ersten neun Monaten des 
laufenden Jahres in der öffentlichen Sprechstunde des Herrn Lassar Gelegenheit gehabt, 
nicht weniger als 20 einschlägige Fälle zu beobachten, d. h. im Durchschnitt alle 
14 Tage mindestens einen. Eine derartige Beobachtung fordert immerhin auf, die 
Aufmerksamkeit der Ärzte auf die Gefahr zu lenken, welche die Syphilitiker für ihre 
Familie und für die Gesellschaft in sich bengen. So sind von den beobachteten Fällen 
nur zwei Mundschanker durch perverse Sexualbefriedigung entstanden, alle anderen 
lassen sich teils auf Küsse, teils auf Infektion beim Basieren oder auf zuföllige Wunden, 
die durch das syphilitische Gift erkrankter Familienmitglieder verunreinigt worden, 



89 

zarackfohreii. Auf diese Weise syphilitisch erkrankt fand er 11 Männer, 5 Frauen, 
4 Kinder, and zwar safs der Primäraffekt an der Unterlippe achtmal, an der Oberlippe 
Yiermal, am Kinn zweimal, ferner je einmal an der Wange, Hals, Finger, Tonsille 
und Zongengrund. Dazu kommt die Sklerose auf der rechten grofsen Schamlippe 
eines elf Monate alten Kindes, dessen Windeln der mit Syphilis behaftet^ Vater als 
Handtuch benutzt hatte. Was die Konfiguration anlangt, so zeigte der Schanker auf 
der Tonsille und dem Zungengrunde eine etwa markstückgrofse ulcerierte Stelle mit 
mäfsiger Sekretion, die gegen die Umgebung durch einen infiltrierten Rand abgegrenzt 
war. Die Syphilisschanker schwankten von Erbsen- bis Markstückgrofse und stellten 
teils mit schmutziger Borke bedeckte Papeln, teils indurierte Ulcerationen auf 
schüsselfönnigem braunrot glänzendem Grunde dar, während der Schanker der äufseren 
Haut die kreisrunde Form zeigte, wie man sie auf der Haut des Penis zu sehen 
gewöhnt ist. Die regionäre Drüsenschwellung war in allen Fällen deutlich ausgesprochen; 
die Cervikaldrüsen waren in einigen Fällen in grofse harte, indolente Tumoren um- 
gewandelt. Das Exanthem war in sieben Fällen makulös, in neun Fällen papulös, in 
zwei Fällen makulopapulös, und in sieben Fällen war kein Exanthem vorhanden, doch 
betrifft einer derselben ein Kind, bei dem der Beginn der Lippensklerose fast ein 
.Jahr zurückliegt und das damals die Masern durchgemacht hat. Da nach Angabe 
der Mutter dieselben ohne Bronchitis und Conjunctivitis verlaufen sind, liegt es nahe, 
an eine Verwechselung mit Roseola zu denken. Von schweren Komplikationen kam 
es in einem Falle zu Iritis ; sonst war der Verlauf ein normaler und durchaus nicht 
schwerer, als nach genitaler Infektion. Besonderes Interesse scheinen die Fälle nach- 
gewiesener Initialaffekte bei Kindern darzubieten, da gerade diese leicht übersehlen 
and verwechselt werden können. Solche Kinder sind es wohl meistens, die, wenn sie 
herangewachsen, mit Erscheinungen von Spätsyphilis zur Beobachtung gelangen 
unter der Rubrik Lues hereditaria tarda geführt werden. Aus alledem geht zur 
Genüge hervor, dafs man in dieser Beziehung auf die Prophylaxe mehr wird 
Rücksicht nehmen, und ist es Aufgabe des Arztes, die infizierten Personen auf die 
Folgen durch Küssen, Berührung, Gebrauch derselben Gegenstände aufmerksam zu 
machen. 

Im ärztlichen Lokalverein zu Nürnberg stellt Epstein, den 19. Mai 
1892, vor: 

1. Zwei Fälle von Tuberculosis verrucosa cutis. Der erste, 32 Jahre alt, seit 
1886 an Phthise leidend, zeigtauf der Dorsalseite des Metakarpophalangealgelenkes des 
linken Daumens einen serpiginösen Herd, der nach einer Verbrennung vor zwei Jahren 
sich entwickelt hat. Im zweiten Falle, bei einer 69jährigen, sonst gesunden Frau, 
ist der Prozefs an der Dorsalseite des Mittelfingei's ohne nachweisbare Infektionsquelle 
entstanden. (Die Diagnose in diesem Falle scheint nicht sicher.) 

2. Einen Fall von Liehen planus bei einem 50jährigen Elfenbeingraveur, seit 
1891 auf Handteller, Dorsalseite des Metakarpophalangealgelenkes, Penis und Scrotum 
bestehend. Jessner- Königsberg i, I*r. 



MonitBhefte XVI. 



90 



Archiv für Dermatologie und Syphilis. 
Jahrgang 1892. Heft V. 

1, Beitrag zur Kenntnis der Sklerodermie, von Max Wolters. 

Verfasser wirft zunächst einen historischen Rückblick auf die diesbezügliche Litteratur. 
Die Bezeichnung Sklerodermie ist zuerst von Gintbac im Jahre 1847 in die Nomen- 
klatur eingeführt worden. Thirial war der erste, der im Jahre 1845 die Affektion 
unter dem Namen „Sclereme des adultes*' genau beschrieb. Es steht jedoch 
festydaCs die Krankheit auch schon den Alten, so Hippokratbs, Galen u. a., bekannt 
war. Letzterer beispielsweise versteht unter dem Namen cityyaxng eine Art ti^^' 
schliefsung der Hautporen, wodurch die Stoffe nicht mehr entleert werden können. Die 
innere Wärme erlischt, und der Körper mufs absterben. Derartige Patienten sind 
leicht erkennbar durch die wei&e Färbung, die Härte und Dicke der Haut. Bei 
angestrengten Übungen erhitzen sie sich leicht, schwitzen aber nicht, etc. Eine Reihe 
von Publikationen späterer Autoren, wie Alibbrt, Cazanova, Henke u. a., blieb zumeist 
unbeachtet, bis Thibial durch sein Sclereme des adultes wieder die Aufmerksamkdt 
auf die Affektion lenkte , welche Forget (1847) als Krankheit sui generis feststellte. 

Was die Ätiologie betrifft, so stimmen alle Autoren darin überein, dafs vor- 
wiegend Frauen von der Krankheit befallen werden. Dementsprechend wird die 
Affektion vielfach mit Menstruationsanomalien in Zusammenhang gebracht. Das 
Alter wie die Beschäftigung der Patienten spielen keine wesentliche Bolle. Ein 
Einflufs der Jahreszeit und des Klimas wird von den einen Autoren behauptet^ 
von anderen bestritten. Erkältung wird häufig als Ik'sache der Krankheit an- 
gegeben. Aus zahlreichen Beispielen geht hervor, dafs die Affektion in direktem 
Anschlüsse an Temperatur-Schwankungen entstehen kann, besonders wenn der vorher 
stark erhitzte Körper plötzlich und andauernd feuchter Kälte ausgesetzt wird. Häufig 
gehen dem Beginne der Krankheit Muskel- und Gelenkschmerzen voran. Als ver- 
anlassende Konstitutionsanomalien werden in der Litteratur angeführt: Skrophulose. 
Chlorose und Anämie, Morbus Brightii, allgemeine Kachexie, Herzfehler u. a. Als 
„Nachkrankheif* kann Sklerodermie entstehen nach akuten Infektionskrankheiten: 
Malaria, Scarlatina, besonders auch nach Pneumonie, Erysipel. Nach Traumen, nach 
heftigen Gemütsbewegungen hat man Sklerodermie sich entwickeln sehen. Die Ver- 
mutung Hoppe-Seylers, dafs Mikroorganismen die Veranlasser der Krankheit seien, 
hat sich bis jetzt nicht bestätigt. 

Bezüglich der Symptomatologie gehen die Meinungen der Autoren auseinander. 
Die einen unterscheiden nach dem Alter ein Scl'erema neonatorum und adul- 
torum, die anderen schliefsen das erstere von der Sklerodermie überhaupt aus und 
halten beide Krankheiten für ganz differente Prozesse. Verfasser neigt zur Ansieht 
derjenigen Autoren, welche die Identität der Prozesse annehmen. Ebenso wie bei 
den Neugeborenen kann auch bei Erwachsenen die Erkrankung an den unteren 
Extremitäten beginnen, mit Ödemen einhergehen, eine Herabsetzung der Temperatur 
an den befallenen Stellen und eine Alteration in der Hautsekretion herbeiführen. 

Auch die bei Erwachsenen selbst an inneren Organen beobachteten Gefafs- 
alterationen sprechen für die Identität des Prozesses. Man wird daher mit Ausnrz 



91 

lonehmen können, dafs es sich bei den Neugeborenen um einen akuten, wegen der 
geringen Widerstandstahigkeit derselben rasch zum Tode führenden, bei den Er- 
ffgchsenen um einen mehr chronisch verlaufenden und schliefslich zur Schrumpfung 
fahrenden I^rozeXs handelt. 

Prodrom als ymptome, die der Krankheit konstant vorangehen, werden in 
der Litteratur wenig erwähnt. Häufig klagen die Patienten über Jucken, über 
flitze und Kälte, Prickeln, Stechen, Ameisenlaufen, letzteres bei den an 
den Extremitäten lokalisierten Formen, dann auch über nearalgische Sehmerzen. 

Nach diesen, kürzere oder längere Zeit andauernden Prodromalsymptomen beginnt 
der eigentliche Prozefs, von dem man drei Stadien unterscheiden kann: 

1. das des Odems, 

2. das der Sklerose, 

3. das der Atrophie. 

Nicht alle Stadien kommen zur Wahrnehmung oder zur Kenntnis des Arztes; dies 
plt namentlich vom ersten Stadium. 

Bezüglich der Lokalisation und der Weiterentwickelung der Sklerodermie 
ist ein feststehender Typus nicht zu erkennen. Die Krankheit kann an dem oberen 
Korperabschnitte, vornehmlich an den Armen, beginnen, aber auch an den unteren 
Extremitäten, wie dies aus zahlreichen Beispielen hervorgeht, ihren Ausgang nehmen. 
Die Krankheit kann auf einzelne Stellen beschränkt bleiben oder universell werden, 
demnach unterscheidet man eine Sclerodermia circumscripta und eine 
Selerodermia universalis oder diffusa. — 

Die mannigfachen Pigmentationen, welche als Folge von Cirkulationsstömngen 
seitens der Kehrzahl der Autoren angesehen werden, sind nicht gerade für die 
Krankheit pathognomonisoh. 

Was die Sekretion betrifft, so kann dieselbe in den beiden ersten Stadien normal 
oder im Stadium des Odems sogar gesteigert sein, während das Stadium atrophicum 
dieselbe herabsetzen oder völlig aufheben wird. 

Die Talgdrüsensekretion scheint in einzelnen Fällen gestört zu sein. Köbner 
beispielsweise sah eine Akne auf der sklerodermischen Haut auftreten. 

Die Sensibilität ist zumeist erhalten. Vereinzelt werden Fälle erwähnt, bei denen 
die Sensibilität gesteigert oder herabgesetzt war. 

Die Angaben über die Temperatur sind in der Litteratur sehr spärlich. Eine 
Srhöhung der Körperwärme wird von einzelnen Autoren für das akute und 
progrediente Stadium angegeben, während die folgenden Stadien normale oder 
snbnormale Temperaturen zeigen. 

Im Qefolge der Krankheit sind Ulcerationen, Blasen- und Pustelbildung, Erythem, 
Zona, Lnpetigo, Ecthyma, Ekzem, Urticaria, Liehen tropious, Morbus Addisonii und 
▼or allem Erysipel beobachtet worden. Von den einen werden diese Begleit- 
erscheinungen als zufallige, von den anderen als integrierende Bestandteile der 
Allgemeinerkrankung angesehen. 

Die inneren Organe sind mehr oder weniger von der Sklerodermie in Mit- 
leidenschaft gezogen. 

Die mehr prodromalen Symptome des Kopfschmerzes, der Migräne, des Juckens, 
der Neuralgien sprechen dafür, dafs die Krankheit wahrscheinlich von dem Nerven* 
■ystem au^eht. Die starke Alteration der Hautdecke ist nicht ohne Einfiafs auf die 
Stellung der Qelenke und die Funktion der Glieder. Ball hat jedoch nachgewiesen, 
daCs die besonders bei Sklerodaktylie auftretenden Kontrakturen nicht auf die Härte 
Qnd Retraktion der Haut, sondern auf eine Retraktion der Muskulatur zurückzuführen 



92 

seien. Aus zahlreichen Beispielen anderer Autoren geht hervor, dafs bei der 
Sklerodermie z>veifeilo)i die Maskalatur in Mitleidenschaft gesogen ist 

Verfasser nimmt zwei yerschiedeur Alterationen in der Hnsknlatnr an. Entweder 
geht der Prozefs von der Haut und dem Unterhantzellgewebe auf die Fascien und 
die darunterliegende Muskulatur über, dann entsteht mehr eine perimuskolire 
Veränderung, später vielleicht auch eine intramuskuläre. Oder die Muskeln werden 
primär befallen, der ProzeDs ist meist intramuskulär, während die Haut über des 
erkrankten Stellen völlig intakt sein kann. Auf diese V^eise erklären 8i<^ die 
rheumatischen Schmerzen, die bei Sklerodermie auftreten. 

Verfasser teilt im folgenden die Krankengeschichte zweier Fälle mit, die in der 
Bonner Klinik beobachtet worden sind. 

n. Beiträge zur Pathologie der Psoriasis, von Joseph Schütz. Verfiuser hat in 
den letzten Jahren 100 Fälle aus seiner Privatpraxis einer eingehenden Beobaohtang 
imterzogen und sich Aufzeichnungen über dieselben gemacht. 

Von diesen 100 Patienten gehörten 66 dem männlichen, 34 dem weiblichen 
Geschlechte an. Die Mehrzahl der Fälle (95) stand bei Beginn der Krankheit zwischen 
dem 9. bis 24. Lebensjahre. Die Psoriasis tritt also in den Eutwickelungfsjahren, 
zur Zeit des Wachstums des Skeletts und der Muskulatur, auf. 

Heredität lieis sich in 28 Fällen nachweisen. Ein Überspringen der Psoriaiii 
von den Grofseltern auf die Enkel beobachtete Verfasser nie. 

In allen Fällen ohne Ausnahme bestand eine relativ starke Behaarung des Kopfes, 
wie des Körpers, wobei die dunkelbraune Farbe des Haares die vorherrschende wtr. 
Rotes Haar war bei keinem Falle vorhanden. 

Im allgemeinen waren die Patienten gesunde, kräftige Personen. 

Was die Lokalisation betrifiPt, so kennt die Psoriasis keine Stellen, an denen 
sie nicht gelegentlich aufträte, fiecidive kehren sich nicht streng an die Lokalisation 
früherer Ausbrüche; wo aber dieselben Stellen wiederholentlich befallen werden, ist 
die Psoriasis sehr hartnäckig. Die Ausbreitung ist meist symmetrisch. 

Fufssohlen und Handteller, obere Augenlider, Schleimhäute waren stets frei von 
Psoriasis. Verfasser unterzieht besonders die Psoriasis unguium einer eingehenden 
Betrachtung. Unter den 100 Fällen fand Sch. 11 mal Pporiasis unguium. Die primara 
Erkrankung der Nägel wird in den Lehrbüchern, wie auch selbst in der Litteratnr 
mit keinem Worte erwähnt. Verfasser glaubt nach seinen Beobachtungen, streng 
zwischen der primären Nagelerkrankung durch Psoriasis und der sekundären 
Mitbeteiligung des Nagels bei Psoriasis unterscheiden zu müssen; erstere ist sli 
Psoriasis der Nagelmatrix (Psoriasis unguium im eigentlichen Sinne), letztere als 
eine Erkrankung der Nagelplatte infolge einer im Nagelbette aufgetretenen Psoriasit 
anzusehen. — Verfasser bespricht im folgenden eingehend das klinische, wie 
pathologisch-anatomische Bild der primären Psoriasis unguium» sodann 
auch die Histologie excidierter Hautstückchen von Psoriasispatienten. Von 
besonderem Interesse war bei der mikroskopischen Untersuchung der Befund dei 
elastischen Gewebes. Verfasser bediente sich zur Färbung desselben einer 
eigenen Methode. Die Härtung geschah im FLEHHiNGsohen Gemisch. Zur elektiven 
Färbung der elastischen Fasern wurden zwei Raum teile kalt gesättigter, wässeriger 
Pikrinsäurelösung mit 1 Raumteil Karboliuchsinlösung in ein Rea^jensglas gebracht, 
geschüttelt und in ein Schälchen gegossen. Das entstandene Gemisch ist schmutzige 
dunkelgrün. Sofort nach der Mischung wird der zu färbende Schnitt mittelst Spatels 
aus dem Spiritus in die Farbflotte übertragen. Der Schnitt verweilt etwa 5 Minuten 
auf der Oberfläche der Farblösung, die nicht mehr geschüttelt werden darf; sodann 
wird derselbe wiederholentlich in Wasser ausgewaschen und hierauf ganz kurz in 



93 

absolatem Alkohol entwässert; sodann Aufhellung in Cedemöl und Einbettung in 
Kanadabalsam. Die mikroskopische Untersuchung zeigt deutlich, daHs das elastische 
Organ der Haut bei Psoriasis, wie die Zellen selbst zu einer vermehrten Ent Wickelung 
gelangt ist. 

Was die Prognose betrifiPb, so war dieselbe bei denjenigen Fällen am 
günstigsten, welche noch nicht behandelt waren, oder nur wenige Recidive durch- 
gemacht hatten. 

Therapeutisch wirkten bei richtiger Auswahl die alten Mittel Arsen, Teer, 
Chrysarobin, Pyrogallussäure am besten. Arsen leistete ohne äufsere Behandlung, 
namentlich beim primären Ausbruch von Psoriasis, gute Dienste. In zwei Fällen half, 
nachdem die anderen Mittel versagten, die von Lang und die Psoriasistherapie 
eingeführte Rufigallussäure. — Bei zwei Patienten mit universeller Psoriasis trat beim 
Aufenthalt im Höhenklima (während der Ferienzeit) spontane Heilang ein. 

Am Schlüsse der vorliegenden Arbeit werden die wesentlichsten Punkte noch 
einmal hervorgehoben. C. Berliner Aachen. 

In seinem kUnisclieii, statistisclien und therapeutischen Berichte über die 
im „Spitale der Unheilbaren** in Neapel behandelten Kranken (letztes Vierteljahr 
1891) erwähnt Obo Mario (Gaz. delle Cliniche, No. 14 — 15, 1892) die Kesultate seiner 
antilnetischen Therapie mittelst subkutanen Injektionen von Hydrargyrum thymolo- 
aceticum. Dasselbe kam unter 152 Fällen von Lues in verschiedenen Stadien 
61 mal zur Anwendung, und zwar in Dosen von 0,075 (in Yaselinöl) in 8- bis 10- 
tagigen Intervallen. Im Mittel waren zur Heilung 3 bis 4 Injektionen notwendig. 
Das Medikament bewährte sich sowohl in den früheren, als in den späteren Stadien 
der Erkrankung ; 6mal blieb es ohne jede Wirkung. Dem Ealomel soll es vorzuziehen 
sein wegen seines minimalen lokalen Reizes (niemals Abscesse). Andererseits mufs 
seine Darreichung wegen der relativ häufigen Provokation von Stomatitis (30%) genau 
nberwacht werden. Bezüglich des Dermatols in der Dermatotherapie kommt 0. 
znm Schlüsse, dafs es in seiner Wirkung dem Jodoform bedeutend nachstehe bei 
ausgedehnten chronischen, torpiden Geschwüren, jedoch gute Dienste leisten könne 
bei kleineren, gut granulierenden Ulcerationen. 

Unter den Hautaffektionen (25 Fälle) figuriert 1. ein Fall von tuberkulo-ulcerösem 
Lupus der Nase, welcher sehr vorteilhaft mit Besorcin behandelt wurde ; die Patientin 
starb jedoch kurze Zeit danach an Lungentuberkulose; 2. ein Fall von multiplem, 
idiopathischen Pigmentsarkom, welcher durch subkutane Injektionen von Solutio 
FowLERi gebessert wurde. C. Mütter- Freiburg (Schweiz). 

Zur Ätiologie der OystitiB, von J. Sgunitzlbr. (Wien und Leipzig 1892, 
Wilhelm Braumüller.) Verfasser hat unter Wbiohsblbaüms Leitung 25 Fälle von Cystitis 
genau untersucht; in 24 war der Uiin ammoniakatisch, in einem sauer, doch fand 
sich bei diesem keine Tuberkulose : 15 mal fand sich nur eine Bakterienart, lOmal 
waren 2 oder mehr Arten vertreten; am häufigsten, 17 mal, fand sich ein Bacillus, 
den er für identisch mit dem Proteus Haüsbr ansieht; zu einem genauen Referat 
eignet sich die umfangreiche und interessante Arbeit wenig; es empfiehlt sich, die 
zahlreichen Versuche, die Verfasser mit den von ihm gezüchteten Bakterien anstellte, 
md die Schlüsse, die er daraus auf die Ätiologie der Cystitis zieht, im Original 
nachzulesen. F. Hahn-Bremen. 



94 



Ütttteiinnsen ans ber £ttteratttr. 

Anatomie nnd Physiologie der Haut. 

Die Hautperspiration bei Kindern im physiologischen und pathologisehen 
Zustande (bei Scharlach und NiereneritzünduDg), von D. Ssokolow. {Archiv f. Kinder- 
heilk. Band XIV. Heft 5. No. 12. Allg. med. Centralztg. 1892. No. 67.) Verfesser prüfte 
die Menge des perspirierenden Wassers mittelst eines auf den Leib des Kindes gesetztes 
Apparates nach Bestimmung des Feuchtigkeitsgehalts der Luft, des Luftdruckes, der 
Temperatur und des Gewichtes des Patienten. 250 Bestimmungen an 35 gesundet; 
Kindern ergaben: Die Hautperspiration ist umgekehrt proportional den reLativeo 
Feuchtigkeitsprozessen in der Luft und direkt proportional den Temperatur 
Veränderungen. — Der atmosphärische Druck scheint keinen merklichen EinflnTi 
auf die Perspiration auszuüben. — Die Perspiration ist um so geringer, je älter du 
Kind ist. — Nach dem Mittagessen, nach Genufs heifser Getränke steigt die Per- 
spiration; sie sinkt bei Zunahme der Körpertemperatur infolge der erhöhten Wärme- 
abgabe. — Firnissen der Haut (Vaselin) vermindert die Perspiration. — 

Beim Scharlach wurden 300 Untersuchungen bei 30 Kindern vorgenommen 
Die Hautperspiration ist beim Scharlach vermindert, und zwar am meisten, weui 
Albuminurie besteht; die Ödeme an sich machen keine Änderung; dieselbe nimmt 
aber ab vor und während des urämischen Anfalls. Ganz langsam nur kehrt die 
Perspiration zur Norm zurück. Die Verminderung wird nicht durch die Hyperämie 
der Haut, sondern durch Anomalien in der Thätigkeit der Hautdrüsen bewirkt. 

Verfasser ist geneigt, die Albuminurie durch die Abnahme der Hautthätigkeit 
nnd dadurch bedingte Betention reizender Stoffe zu erklären. 

Der Schlufs, den Verfasser aus diesen Untersuchungen zieht, geht dahin, die 
Hautperspiration der Scharlachkranken anzuregen; warme, trockene Luft soll durch 
heifse Wärmflaschen und heifse Sandsäcke erzielt werden, heifae Bäder (SC* B.), 
warme Milch als Getränk sollen verabreicht werden. Nur bei sehr hoher Temperatur 
kann man von der strengen Handhabung dieser Maisnahmen absehen. 

Jessner-Königs^g i. Fr, 

Über den Hantsinn, von M. Dessoir. {Arch. /. Amt u. Fhysioly Phjiiol. 
Abtlg., 1892, Heft III u. IV.) Die ausführliche, von originellen und wertvollen Unter 
Buchungen reiche und scharf kritisch gehaltene Arbeit zerfallt in zwei Abschnitte: 
einen allgemeinen, mehr philosophisch-psychologisch gehaltenen Teil über die 
Lehre von den Empfindungen überhaupt: 

(1. Begriff der Empfindung; 2. Gesetz der spezifischen Energie; 3. „ Objekt! vienmg" 
von Wahrnehmungen; 4. Einteilung der Wahrnehmungen), der nur sohwer im Aus- 
züge wiederzugeben und daher besser im Originale nachzulesen ist, und einen 

2. speziellen Teil über den Temperatursinn, dessen Hauptpunkte wir hier 
möglichst kurz und nur referierend vorführen wollen. 

I. Stellung des Temperatursinnes. Verfasser weist schon aus theoretischen 
Gründen, die HsBZKKsche Lehre, der Temperatursinn zerfalle in zwei Sinne, Wirme- 
und Kältesinn, als unlogisch zurück und hält dafür, dafs Wärme- und Kälteropfindnng 
als Qualitäten eines und desselben Sinnes aufgefafst werden müssen. Dieser An- 
schauung stehen aber vor allem die Befunde von Blix, Goldscheideb und Donaldsoit 
gegenüber, die sogar von spezifischen Kälte- und Wärmenerven sprechen, dmrch deren 



95 

Beizung, mag dieselbe thermiscb, chemisch oder mechanisch sein, mag dieselbe am 
Eodorgane oder in der Kontinuität des Nervenstammes erfolgen, bei den einen stets 
Kälte, bei den anderen stets Wärme empfanden wird. — Nach sorgialügen, von 
GoLDSCHEiDSB persönlich vorher kontrollierten Versuchen, konnte Verfasser die Gold- 
scHEiDEEschen Besultate bei flächenhafter und punktförmiger Beizung der Haut nicht 
bestätigen. An 16 Versuchspersonen stellte Verfasser die QoLDSCHEiDERschen Versuche au/ 
Temperaturpunkte an, ohne zu entsprechenden Besultaten zu gelangen. — Um die 
Frage nach der modalen Natur allfälliger Temperatur wahmehmung(;n zu entscheiden, 
versuchte Verfasser die Nerven unmittelbar zu reizen. Doch weder durch Messingstifte, die 
er sorgfältig in die Haut einbohrte und dadurch noch die verschiedenen Schichten 
mechanisch und auch elektrisch reizte, noch durch subkutane Injektionen von warmem 
und kaltem Wasser gelang es ihm, die Nerven zu Temperaturempfiudungen anzuregen. 
(Immerhin ziemlich rohe und unsichere Versuche. D. Kef.) Aus diesen negativen 
Versucharesnltaten folgerte Verfasser, dafs der Endapparat des Temperatursinnes 
ein einheitlicher ist und in unmittelbarer Abhängigkeit zur Art des 
Reizes steht. Also auch das Experiment spricht für die Identität von Wärme- und 
Kältesinn I — Wärme- und Kälteempfindung denkt sich V. als einen chemischen 
Molekularvorgang, indem z. B. bei Kälteempfindung, wodurch die Hautwärme durch 
Abgabe nach aufsen sinkt, der Endapparat sich ausdehnt, dadurch einen ganz be- 
stimmten Reiz auf den Nerv ausübt, der durch „indifferente Nervendrähte an die 
Gentralatation gemeldet wird^*. Ein analoger andersartiger Beiz gelangt bei Wärme- 
empfindung zum Centrum. — Eine Beihe weiterer Versuche liefs folgende Sätze 
bestätigen: 1. Schwache bis mäfsig starke Beize erregen Lustgefühle; 2. dauernde 
Temperatnrreize werden abwechselnd bald sehr deutlich, bald verschwommen em- 
pfanden; 3. von mehreren aufeinanderfolgenden gleichen Temperaturen werden die 
ersten gleichmäfsig, die folgenden verstärkt, die letzten abgeschwächt empfunden. — 
Versuche über elektrische Beizung der Nerven in ihrem Verlaufe fielön 
anentschieden aus; der gröisere Teil der Versuchspersonen hatte hierbei keine 
Temperaturempfind u ng. 

n. Untersuchung des Temperatursinnes an sich, a) Anatomisches 
Zar Erforschung der Temperaturempfindungen mulsten vor allem die peripheren 
Sinneswerkzeuge histologisch untersucht werden. Schiff spricht die ganze Haut 
ab thätigen, temperaturempfindenden Apparat an ; wahrscheinlicher aber ist, dafs die 
Temperatnrempfindung an besondere Terminalorgane gebunden ist. Soviel Forscher 
danach gesucht haben, so widersprechend und unsicher sind auch die Besultate; 
aach die GoLDscHEiDERschen Untersuchungen sind nicht einwandsfrei. Da sich Verfasser 
mit keinem der gemachten Befunde einverstanden erklären konnte, so suchte Verfasser 
durch eigene Untersuchungen das Problem zu lösen. Es mufsten solche Hautstellen 
durchforscht und mit physiologisch vollständig funktionierenden Flächen verglichen 
werden, an denen alle Hautempfindungen, mit Ausnahme der Temperaturempfindungen, 
sich auslösen liefsen. Auf experimentellem Wege fand Verfasser, dafs vom menschlichen 
Körper die respiratorische Schleimhaut der Nase, dann der Oesophagus von der Gegend 
des Bingknorpels bis zum Magen abwärts, sowie Zahnpulpanerv für Temperaturreize 
unempfindlich war. Auch die Eichel verhielt sich gegen Temperaturen gänzlich 
indifferent, während nach Circumcision „Anklänge von Temperaturempfiudungen*^ 
vorzukommen schienen. — Die histologischen Untersuchungen sind noch nicht beendet, 
doch scheint sicher zu sein (Osmium- und Goldmethode), dafs in der Glans penis die 
•ogenannten freien Endigungen von Tomsa fehlen. — 

b) Pathologisches. Die einzig von Hebzen gemachten Versuche über den Ort 
de8 Temperatursinnes in Bückenmark und Hirn und dessen aus einem einzigen Katzen- 



96 

Versuche gezogenen fünf Schlafsfolgerungen hält Verfasser mit Goldschbidbr teils den Tfaai- 
sachen überhaupt nicht entsprechend, teils nicht hinlänglich begründet. Verfasser stellte 
auf sehr einfache und geistreiche Weise experimentell fest, dafs (bei Hunden) der 
Gyrus symoides des Grofshims der Sitz der Temperaturempfindungen ist. — Die bei 
Hirn- und Rückenmarksleiden gefundenen Sensibilitäts- und Temperaturstörongen sind 
80 widersprechend, die Schwierigkeiten, mittelst Sektion nur die normale Beschaffen, 
heit bestimmter Regionen festzustellen, so schwierig, dafs man sich einstweilen eines 
Urteils enthalten mufs. — In Bezug der von Weber, Schiff etc. behaupteten Thermo- 
anästhesie bei Narben fand Verfasser bei 8 Personen, dafs bei Mangel der Epidermis weder 
Wärme noch Kälte gespürt wurde; lag jedoch noch Epidermis auf, so bestand eine 
mehr oder weniger grofse Temperaturempfindlichkeit! — Die Befunde Nothkigblb, 
Ebbs etc., dafs nach längerer Einwirkung von Wärme oder Kälte auf die Haut die 
Temperaturempfindlichkeit herabgesetzt wird, konnte Verfasser nach eigenen Versuches 
bestätigen. Blutfülle setzt die Empfindung herab; Anämie erhöht sie: stimmt also mit 
Alsbero überein. — Einen Einflufs der galvanischen Elektrizität auf Temperatur- 
empfindung mufs Verfasser nach gemachten Versuchen verneinen. — Einen deutlickoi 
Einflufs übt innerliche und äufserliche Anwendung bestimmter Medikamente ans. 

Menthol erzeugt (extern) Kältehyperanästhesie, Kokain macht die Schleimhant 
für Druck und Schmerz anästhetisch, ohne ihre Wärme- und Kälteempfindlichkeit 
herabzufletzen. Umgekehrt tritt bei Injektion von Kokain zuerst die Unempfindlichkeit 
für strahlende, etwas später für Berührungstemperatur, zuletzt für elektrische und schmen- 
hafte Reize ein. — Analog ist der Einflufs einer Morphiuminjektion. — Kalium bromatom 
und Chloralhydrat verursachen nur eine Herabsetzung der Temperaturempfindung, 
bei Koflein und Cognac geht der Abnahme eine Zunahme voran. Durch Sinapismen 
wird (wie Nothnagel schon berichtet) Tast- und Schmerzempfindlichkeit an der 
gereizten Stelle erhöbt. -— Aus diesen pathologischen Fällen läfst sich der SchloJf 
ziehen, dafs der Temperatursinn in einem bestimmten Umfange unabhängig Ton des 
übrigen Sensibilitätsmodalitäten ist und am nächsten dem Schmerz steht. Die Unter- 
suchung an Narben und Senfpflastern zeigt die Temperatur empfindung an die 
tieferen Schichten der Epidermis gebunden. 

c) Physiolojjfisches. Bemerkenswert ist der gegenüber den seitlichen Partien 
stumpfere Temperatursinn der Medianlinie des Körpers. Die Temperaturempfindlichkeit 
der linken Körperseite ist gröfser als die der rechten Seite. Die Untersachnngi- 
resultate des Verfassers über die Temperaturempfindlichkeit an verschiedenen Hautstellen 
decken sich mit denen von Nothnagel und Pollitzer, die Temperaturempfindnngs- 
kreise mit denen GoLDSCHEinERs. Bestimmung der Grenzen des Temperatnrsinnes. 
d. h. der Temperaturgrenzen, wo Schmerzen eintraten, ergab eine am Rücken, gegen- 
über dem Oberarm erhöhte, d. h. die schmerzhaften Temperaturgrenzen lagen am 
Rücken weiter auseinander. Empfindungsstärken sind ziemlich proportional den 
Reizgröfsen, d. h. ein doppelt so grofses auf die Haut gelegtes Eisstück löst auch in 
doppelt so kurzer Zeit Schmerz aus. Am schlechtesten ist dasTcmperaturunterscheidongs- 
vermögen bei Temperatur zwischen — 3 bis -|-14® C. und +37 bis +48* C, besser 
zwischen + 15 bis + 26<> C. und + 33 bis + 36« C, am feinsten zwischen + 27 
bis + 32<» C. 

in. Verhältnis des Temperatursinnes zu der Berührungs- und 
Schmerzempfindung. Vermittelst komplizierter Versuche und Apparate, die Verfiuser 
eingehend beschreibt, stellt Verfasser folgende Sätze fest: Vergröfserung der Reizflache hat 
Verkürzung der Druckreaktion zur Folge. Eine Prüfung der Empfindlichkeit ver- 
ohiedener Körperstellen kam zum überraschenden Resultate, dafs zuerst Nacken, dann 
Stirn, Zunge, Oberarm und erst dann die Fingerspitze (Zeigefinger) auf Tasteropfindong 



97 

reagierte. — Die Topographie des an Beakiionen mefsbaren Wärme- und Kältesinnes 
stimmt mit der Ooldscheide Rachen überein. 

Unter IV, Theorie des Temperatursinnes, fafst Verfasser noch kurz die 
fiesQltate seiner eingehenden und umfassenden Untersuchungen zusammen. Eine 
eingehende Kritik dieser wertvollen Arbeit verspart sich Heferent auf eine andere Stelle. 

Heufs-Zürich, 

Ist Keratin, speziell das Mark von Hystriz, ein Glutinbildner? von 
0. LiERREiCH. {Arch. f. mikrosk. Änat, ßd. 40, Heft 2.) Durch Vorversuche stellte 
zunächst L. fest, dafs reines Keratin (entfettetes Kuhhom) auch nach 30 stündigem 
Kochen keine Leimreaktion gab, also kein Gluti a oder Chondrin lieferte. — Das 
Ihrk der Stacheln von Hystrix, auf gleiche Weise behandelt, verhielt sich ebenso 
(es wurde durch Sublimat wie das Keratin überhaupt geföllt), woraus L. schliefst, 
dafs „das Mark von Hystrixstacheln wohl Glutinbildung durch das Gelatinieren der 
erhaltenen Lösungen vortäuscht, dafs dasselbe in Wirklichkeit sich nicht in Glutin 
umsetzt, sondern keratiner Natur ist, also der Epidermis angehört". 

HeufS'Zürich, 

Über die Verhomung. Vortrag von Prof. Zander in der biologischen Ge- 
sellschaft zu Königsberg i. Pr., den 7. November 1892. Der Vortragende berichtet 
kuic seine bekannten Ansichten über die Frage der Verhornung und das Verhältnis 
des Keratohyalins zum Eleidin. t)er bemerkenswerteste Punkt ist, dafs Z. die Kerato- 
hyalin körn eben schon als Keratin ansieht, die Verhornung im Innern der Zelle von 
der Umgebung des Kernes aus vor sich gehen läfst. Betreffs des Eleidius ändert 
Z. seine früher ausgesprochene Ansicht, dafs es identisch ist mit dem Hyaloplasma, 
dahin, daCs es doch eine schon metamorphosierte Substanz ist, die nicht einfach mit 
mit dem Zellsaft identifiziert werden kann. — In der Diskussion hebt Jbssner hervor, 
da& es doch Autoren giebt, die die Ansicht des Vortragenden nicht teilen, und die, 
ÜVNA an der Spitze, besonders auf Grund der Verdauungsmethoden, die Verhornung 
Dor im Zellmantel vor sich gehen lassen. Das Keratohyalin ist nach diesen Autoren 
kein Keratin, sondern ein Degenerationsprodukt dos Eiweifs, dessen Entstehung parallel 
geht der Hornbildung. Prof. Zander, unterstützt von Prof. Stibda, weisen diese 
Ansicht von der Hand: die Verdauungsmethode ist nicht mafsgebend, und die 
histologische Methoden von Unna nach ihrem Dafürhalten zu mangelhaft, als dafs sie 
BerncksichtiguDg finden könnten. 

(Ohne die Zweifel an dem .Werte der Verdauungsmethode als ganz ungerechtfertigt 
zu halten, glaube ich doch, dafs die einfache Behauptung: „die Methoden des Vertreters 
der. gegenteiligen Ansicht sind nicht malsgebend^, keine Widerlegung einer Ansicht sind. 
Der Referent.) Jeasner-Königsherg i. Pr. 

Spinalganglien des Kaninchens, von J. Gaule. {Centratblatt für Physiologie, 
No. 11. 1892.) — Verfasser hat durch Verletzungen der Halsganglien des Sympathious 
(meist des IV.) mittelst Kauterisation oder Einstich, nach vorhergegangener sub- 
periostaler Loslösung desselben, beim Kaninchen eine Beihe von Störungen hervor- 
gebracht, von denen diejenigen, die auf die Haut Bezug haben in punktförmigen Hämorrha- 
gien, fleckenartigen Sugillationen und Blasenbildungen bestanden (unter 40 Experimenten 
siebenmal). Diese Erscheinungen traten bereits ein bei Verletzung nur eines Ganglions, 
steigerten sich aber (Bildung telangiektatischer Maler), wenn sich die Operation auf 
deren mehrere oder auf zwei symmetrische ausdehnte, und dauerten dann in letzterem 
Falle auch länger an. " C Müüer- Freiburg (Schwein). 



98 

Chronisohe Infektionskrankheiten. 

a) Lepra, 

m 

Die Lepra im transkaukasischen Gehiete, von J. J. Paktjuckow. Riutki^ 
medicina 1891, No. 8. Deutsche MedizinaJrZtg. 1892, No. 19). Im traDskaukasischen 
Qebiet finden sich neben mehr vereinzelten Fällen zwei Kreise, in denen die Lepn 
endemisch ist ; der swanetische und karsische Kreis. In ersterem leben die Kranken 
streng isoliert in den Höhlen der ingurischen Berge; in letzterem zum Teil zerstreut 
unter der Bevölkerung. Besonders nimmt die Lepra tuberosa oft ungeheure Dimen- 
sionen an; nicht selten ist auch die sogenannte Vitiligo vorhanden. 

Jessner- Königsberg i, iV. 

In Bogota (Südamerika) ist Agua de Dios in Kolumbien das Dorf der Lepn- 
kranken; dasselbe liegt 400 m über dem Meeresspiegel und gilt als sehr gesond. 
520 Kranke, Vs der Ortseingesessenen, sind in dem Dorfe und verkehren mit den 
Gesunden ungehindert, heiraten vielfach mit denselben. Ansteckung soll dabei nicbt 
erfolgt sein, wohl aber sind die Kinder aus solchen Ehen nahezu alle leprös. 

Jessner Königsberg i. 1¥. 

Aus dem Journal of the Leprosy Investigation Commiitee No. 4. 

Herausgegeben von P. S. Abraham. 

Bericht ttber Lepra in Neu Süd Wales. 

Vom Sekretär des Gesundheitsrates in Sydney (dd. 13. Mai 1891). 

Einzelne Fälle von Lepra unter den Einwohnern europäischer Abstammung in 
der Kolonie sind bereits im Anfang der siebziger Jahre beobachtet worden, aber ei 
ist erst in letzter Zeit eine wesentliche Zunahme des Leidens konstatiert worden. 
Infolgedessen ist im Jahre 1890 durch Beschlufs des Kolonialparlamentes ein Geaetx 
zum Zwecke der zwangsweisen Isolierung aller Leprakranken erlassen worden. Ei 
ist auch obligatorische Anzeigepflicht eingeführt worden ; ein besonderes Leprabotpital 
ist in Little Bay eingerichtet worden, und der Gesundheitsrat hat die Befugnis, Lepra' 
kranke in diesem Lazarett oder in ihren eigenen Wohnungen, je nach ihrem Ont^ 
dünken, zu internieren. Bisher wurden Leprakranke im Goast Hospital, Little Bay, 
verpflegt; von 1883 bis 1891 sind 26 Fälle dort aufgenommen worden, von denen 10 
gestorben sind. In den übrigen australischen Kolonien scheint das Leiden du 
sporadisch vorzukommen. Seit dem Inkrafttreten des Gesetzes sind aber bereits 4 
neue Fälle in Neu Süd Wales konstatiert worden. Von den 15 jetzt in Little Bay 
lebenden Leprakranken sind der Abstammung nach 8 Chinesen, 6 Europäer und 
1 Javaneser. 

Lepra in den russischen Ostseeprovinzen, von P. Hellat. 

Auf Grund seiner dreijährigen Nachforschungen schätzt H. die Zahl der Lepn- 
kranken in dieser Gegend auf etwa 2Vo der Gesamtbevölkerung. Dieses 
überraschende Ergebnis hat denn auch die Regierung veranlafst, der Frage näher la 
treten, und es sind Schritte geschehen, um in Dorpat, Riga und auf der Insel Ösel 
Lepraheime zu errichten. Verfasser erwartet von diesen Mafsregeln die besten Erfolgt 
da er fest überzeugt ist, dafs die Krankheit sich nur durch Infektion fortpflanst- 
Diese seine Ansicht stützt er durch folgende schwerwiegende Gründe: 1. Das endemische 
Vorkommen der Krankheit an manchen Stellen, die sich von leprafreien Gebieten 
klimatisch, topographisch, hygienisch oder durch die sozialen Verhältnisse unter- 
scheiden ; 2. die schnelle Vermehrung bei Freiheit des Verkehrs und die Verminderoog 
bei Ergreifung von Isolierungsmafsregeln ; 3. das regelmäüsige Vorkommen des 
Bacillus, wenigstens bei der tuberösen Form; 4. klinische Erfahrungen, wie die 



99 

folgende: ein aus einer leprafreien Gegend stammender junger Mann wird zum 
Kflitair eingezogen und in eine Lepragegend versetzt; er erkrankt nach zwei Jabren 
iD Lepra tuberosa, kehrt nach Hause, wo er bei seiner Mutter wohnt, die ihrerseits 
oich zwei Jahren an Lepra anaesthetica erkrankt ; 5. Nahrung, Klima, Wohnungs- 
fcrhlltnisse haben keinen Einflufs auf die Entstehung des Leidens ; 6. Dnreinlichkeit 
tragt zur Verbreitung desselben bei ; 7. auf Erblichkeit kann dasselbe nicht beruhen, 
unter anderem geht dies aus der Thatsache hervor, dafs Verfasser die Krankheit 
zweimal bei Leuten in den Siebzigern sich hat entwickeln sehen. 

Das Leprahospital in Bio de Janeiro, von A. Lima. 
Bereits seit ungefähr der Mitte des vorigen Jahrhunderts besteht in Rio Janeiro 
ein Leprahospital, welches jetzt im stände ist, 200 Kranke aufzunehmen; indessen 
erreicht die Zahl der Insassen niemals diese Höhe, sondern schwankt zwischen 35 
ond 86. Augenblicklich beträgt dieselbe 66, von denen 46 Männer und 20 Frauen 
und. Das Alter der im Laufe der Zeit aufgenommenen 1812 Kranken variierte 
iwisohen 3 und 85 Jahren. Die meisten der Fälle fielen ins 18. bis 50. Jahr, ein 
Umstand, der an sich gegen die Lehre der Heredität des Leidens spricht. Verfasser 
glaubt entschieden an die Kontagiosität der Lepra und erwähnt unter anderem, dafs 
ein Koch in der Anstalt, der 38 Jahre ganz gesund geblieben war, schliefslich doch 
die Krankheit in typischer Form acquirierte. Ebenso entwickelte sich dieselbe bei 
einem 30jährigen, hereditär nicht belasteten Brasilianer, der im Hospital acht Jahre 
bei Tische aufgewartet hatte. Besonders lehrreich ist folgende Beobachtung: Ein 
Biepaar, in Brasilien geboren, aber von Abstammung Deutsche, hatte fünf Kinder ; 
die ersten beiden unter denselben waren gesund, das dritte erkrankte mit drei Jahren 
in Lepra, blieb aber im Hause; innerhalb sechs Jahren erkrankten die beiden jüngsten 
£inder, und erst zwölf Jahre nach ihrer Verheiratung acquirierte die Mutter ebenfallg 
dis Leiden. Nach weiteren vier Jahren erkrankte auch der Gatte, der bis dorthin 
gesund geblieben war, auch an Aussatz. 

Als häufigste Todesursachen nennt Lima Erkrankungen der inneren Organe, 
Dsmenth'ch die lepröse Phthise, lepröse Hepatitis, Nephritis und Enteritis. Er habe 
in zahlreichen Fällen bei den Autopsien durch mikroskopische Untersuchung die 
Diagnose bestätigt und glaubt, dafs der visceralen Lepra eine viel gröfsere Bedeutung 
nikommen dürfte, als man bisher geglaubt hat. 

Was schliefslich die Therapie betrifft, so giebt er zunächst Acid. gynocardio.^ 
das Öl der Oynocardia odorata nebst Karbolsäure, und bei fieberhaften Erscheinungen 
Salicylsäure. Femer erwiesen sich Einreibungen mit Ichthyol, Chrysarobin und Pyro- 
gallossäure nützlich. Gröfsere lepröse Tumoren wurden mit Einreibungen mit 
Soblimatvaaelin erfolgreich behandelt oder nöthigenfalls mit dem Thermokauter von 
Pacqvelin. Alle Versuche, den Aussatz der inneren Organe zu behandeln, hatten 
nur eine palliative Wirkung. 

b. Tuberkulose. 

Fkdobow hat erfolgreiche Versuche gemacht, den Haut-Lupas mit Olüorsink- 
Siospritzilllgeil zu behandeln. Er bediente sich dazu einer lOprozentigen Lösung. 
Die einzelnen Herde wurden durch Kokain-Umschläge zuerst möglichst analgetisch 
gemacht und alsdann in ihre Umgebung je nach der Gröfse des Heerdes 2 — 4 Ein- 
ipritznngen von je '/s pRAVAz-Spritze obiger Lösung gemacht, so dafs auf jede Ein- 
ipritzung 0.005 Zinkchlorat kamen. In ei nerSitzungwurden höchstens 10 Einspritzungen 
Mttgeführt; die nächste Sitzung folgte immer erst nach acht Tagen, in der Zwischen- 
zeit Glycerinumschläge. Im Anfang ziemlich heftige Schmerzen. Heilung in 14 bis 20 
Tagen. (Jaum. des. mal, cut et syph. 1892. S. 473.) Türkheim- Hamburg. 



100 

Heilnng eines tuberkulösen Drüsenknotens durch die sklerogene 
LANNELONOUEsclie Methode, von Moncorvo. {Journal des mal, cut et syph. 189S. 
S.457J Ein auf Phthise stark verdächtiges, sohlecht genährtes 11 jähriges Mädchen hatte 
neben anderen Leiden — Lues congenita; Malaria — in der linken Unterkiefergegend 
eine eiförmige Drüsengeschwulst von 6 cm im längsten Durohmesser; dieselbe foUto 
sich etwas hart an, hatte glatte Oberfläche, war mit der Haut nicht verwachsen ond 
bereitete dem Kinde keine Schmerzen. 

Nachdem das Kind von seiner Malaria geheilt war, erhielt es monatelang iifi&xk 
0.1 — 0.4 Aristol innerlich, im ganzen 44 g. Indessen wurde der Tumor dadorck 
nicht beeinflufst. Nun entschloss sich M. zu dem LANNBLONOüsschen Verfahren and 
spritzte dem Kinde am 1. Oktober in der Peripherie der Geschwulst 4 Tropfen eiMr 
Lösung von Zinkchlorat 2.0 : Aq. dest., 40.0 ein. Diese Einspritzung wurde am 5., 8. 
und 13. wiederholt. Der Tumor wurde danach eine Zeit lang recht schmerzhift. 
Zwischen dem 28. Oktober und 11. November 2 weitere Einspritzungen von je STropfea. 
Am 11. und 26. November je eine Einspritzung mit einer stärkeren Lösung. Der schoi 
ziemlich geschrumpfte Tumor fing nun an, sich in 2 Teile zu teilen. — M. sah jetxt 
von jedem weiteren örtlichen Eingriff ab ; die Geschwulst verkleinerte sich zuseheodi, 
spaltete sich in drei Teilchen, die am 15. März nur noch als drei kleine Knötchen a 
fühlen sind. Türkheim-Hamburg. 

Tuberkulin und die lebende Zelle. (Eine Untersuchung über die Frage, wie beidendi 
gegenseitig unterstützen im Kampfegegen Tuberkulose.) Von C.DENisoN.(Mad.N6to«.17.Sepi 
1892.) Verfasser hat während der letzten 15 Monate 48 Pälle von Tuberkulose mitTubor 
kulin behandelt und kommt zu dem Resultate, dafs bei Auswahl geeigneter Fälle, wo 
die Krankheit nicht bereits zu weit vorgeschritten ist, und bei passender Neben- 
behandlung mittelst guter Nahrung, frischer Luft, reichlicher Bewegung im Freia 
und Lungengymnastik, die Erfolge nichts zu wünschen übrig lassen. Die Modifiktr 
tionen von Klebs und Hunter hält er für un zweck mäfsig. Man müsse mit den 
kleinsten Dosen anfangen und nicht zu schnell steigern, überhaupt die Behandlan^ 
nicht übereilen. 13 von den Fällen mit einer Behandlungsdauer von 37^ MonttM 
im Durchschnitt hält er für völlig geheilt. Bei den übrigen Kranken sind die 
Resultate, zum Teil auch aus äufseren Gründen, zum Teil auch aus sehr einleachteo- 
den anderen Ursachen, nicht so günstig. Verfasser bespricht auch ziemlich ausführlich die 
klinischen Erscheinungen bei der Behandlung und die physiologischen und anatoraiscbea 
Erscheinungen. Pkilippi-Nteheim. 

c. Syphäis. 

Zur Frage der Ezcision der Initialsklerose, von Dr. Gerber. {Thera^. 
Monatsh, 1892. No. 10.) Am 17. Dezember 1890 konsultierte den Verfasser ein Kandidat 
der Medizin, der am IL Dezember eine Paeila publica coitiert hatte, von der er an 
nächsten Tage gehört hatte, dafs sie im Besitze einer floriden Lues sei. Eine kleine 
Rhagade, wie solche sich auch öfters an dem inneren Blatte seines Präputiums gezeigt» 
habe er auch am Morgen nach diesem Coitus bemerkt, mit dem Lapisstift gebeift 
and dann mit Jodoformkoliodium bestrichen. Nichtsdestoweniger verlangte er die 
Ezcision. Trotz genauester, auch mit der Lupe vorgenommener Besichtigung ■■ 
ganzen Penis konnte Verfasser nichts auch nur im entferntesten Verdächtiges entr 
decken. Die kleine Rhagade war verheilt; dennoch wurde die Präputialhaut an der 
Stelle der vermeintlichen Laesio continui mit der Pinzette angehoben und ein aehr 
ausgiebiges Stück mit der Schere abgetragen, dann vernäht. Die Wunde heilte ptf 
primam und blieb weich. Auch an keiner anderen Stelle zeigte sich in den nächatan 



101 

Wochen eine Indaration. Ende März erkrankte Patient mit leichtem Fieber an einer 
tjpiichen Roseola. 

In einem anderen Falle handelte es sich um eine Induration bei einem 18jährigen 
Kidchen an der Oberlippe, die als einfache Rhagade mit einem Schorf bedeckt sich 
danteilte. Die Ränder waren etwas kallös, aber nicht härter, als man dies bei den 
sogenannten zersprungenen Lippen häufig sieht. Die Rhagade wurde mit einem 
kleinen Keilschnitt umschnitten, die Wunde vernäht. Sie heilte glatt, doch bildete 
lieh eine kleine, nicht ganz linsengrofse, wenig deutliche, aber doch unleugbare Yer- 
blrtang. Zugleich zeigten sich Drüsen am Halse; drei Wochen später Roseola. 

L. Ho ff mann- Berlin, 

über ParafünemboUe der Lungen bei intramasknUren QnecksUberlnjek- 

tionen, von A. Blasohko. (jBer/. Ä;/tn. WocJienschr. 1892. No. 41.) Der erste Kranke hatte 
nach der ersten Einspritzung (Hydrargum salicylicum und Paraffinum liquidum) gewisses 
Angstgefühl mit Hustenreiz, welche schnell nachliefsen. In der Nacht Stiche in der 
rechten Seite, angestrengte Atmung. Die Schmerzen verringerten sich am Tage, 
worden nachts stärker. Am nächsten Tage bestand geringe cyanotische Gesichts- 
farbe, rechte Brusthälfle beteiligt sich an der Atmung nicht, Zwischenrippen räume 
eingezogen. Atmung oberflächlich 25 — 30. Vorn von der vierten Rippe bis zur 
Leber etwas gedämpft tympanitischer Schall, kein Atmungsgeräusch, hinten abge- 
schwächtes Vesikuläratmen. Am Herzen nichts Abnormes. Sputum ziemlich reichlich, 
schleimig, Blutstreifen. Der Zustand besserte sich, und nach 8 Tagen Heilung. In 
ahnlicber Weise verliefen noch zwei andere Fälle. Diese Erscheinungen lassen sich 
wohl nur durch die Annahme einer Einwanderung von flüssigem Paraffin mit Hg in 
die Lungen erklären, indem wahrscheinlich eine Uuskelvene angestochen wurde. Der 
Zwischenfall ist an und für sich kein so bedenklicher, dafs er verhindern sollte, die 
Behandlung der Syphilis mit unlöslichen Quecksilbersalzen, die ein so grofser Gewinn 
iit, völlig fahren zu lassen. L. Hoffinann Berlin. 

Über die Beziehiing der Syphilis zur Osteoarthropathie hypertrophiante 
imeiixniqne, von Heikkich Schmidt. {Münch. med. Wochenschr. 1892. No. 36.) Die 
kolbige Verdickung der Endphalangen von Fingern und Zehen bei Lungen- und 
Herzleiden sind früher nur mit Stauung in Verbindung gebracht. E. Bambbrobr bat 
bei Bronchiektasen und erworbenen Herzkrankheiten neben den Troromelschlägel- 
fingern symmetrisch, besonders an den peripherischen Enden von Unterschenkel und 
Vorderarmen auftretende Knotenauftreibungen, bedingt durch ossifizierende Periostitis, 
beobachtet und als Ursache Stofie angenommen, die sich in den Bronchien bilden, 
ohne das experimentell beweisen zu können ; die Trommelschlägelfinger bei congenitalem 
Herzleiden führten auch auf Stauung zurück. Pierre Marie hat die Frage eingehend 
«tadiert und diese Veränderungen scharf getrennt von der Akromegalie; die kolbige 
Verdickung von Fingern und Zehen, die Verbreiterung und Krümmung der Nägel, 
die Papageienschnabeln ähneln, bilden das Charakteristische des von Marie als 
Osteoarthropathie hypertrophiante pneumique bezeichneten Leidens, bei dem dann 
noch Schwellungen am Fufs- und Handgelenk, den benachbarten Teilen des Vorder* 
annes und Unterschenkels, zuweilen am Sternum, Clavicula, Rippen, auftreten, eine 
Kyphose und Kyphoskoliose der unteren Brust- und der Lendenwirbel sich ent- 
wickeln können. Marie führt die Veränderungen auch zurück auf Anomalien der 
Atmnngsorgane, die zur Bildung irgend welcher Toxine führt. — Verfasser führt 
einen selbst beobachteten Fall an, in dem die Syphilis, wie auch der Erfolg der Kur 
ergab, die genannten Veränderungen bewirkt hat: 48jährige Frau mit kolbigeu 
Nagelgliedem, Handgelenk geschwollen, Ellenbogen öderoatÖs; alles ging zurück nach 
Jodkalium. — Diese Folge der Syphilis ist nicht identisch mit der Dactylitis 



102 

syphilitica; einen ähnlichen Fall hat Verfasser nur von G. Smirnoff veroffentUolit 
gefanden. Ob eine individuelle Disposition oder nervöse Einflüsse dabei mitsprechen, 
läfst Verfasser dahingestellt. (Ob bei der Frau der vorausgegangene Gelenkrheo- 
matismus keine Bedeutung hatte? D. Referent.) Jessner-Königsberg i. iV. 

Der akute Jodismus und seine Gefahr in der Syphilisbehandlusg, von 

Dr. Ernbst Finger. (Wieti. med. Wochenschr. 1892. No. 36 ff.) Die weniger häufigen 
Erscheinungen des akuten Jodismus, dessen Kenntnis ja besonders bei der Therapie 
der Syphilis von gröfster Wichtigkeit ist, widmet Finger einen ausfuhrlichen Artikel : 
Die häufige Conjunctivitis kann von einem starken Ödem der Augenlider begleitet 
sein; es kann dabei auch zu Blutaustritten in der Lidhaut ebenso, wie unter der 
Gonjunctiva kommen. Der Jodschnupfen kann zu einer starken Rötung und An- 
schwellung der Nase führen. Das ganze Gesicht kann hochg^dig odematös in- 
schwellen, wobei die Haut bald blafs bleibt, bald cyanotisch wird. Eine Stomatitü 
und Linguitis kann starke Schwellungen in Pharynx, an der Epiglottis, an der Zange, 
den Lippen, zuweilen auch Ecchymosenbildung bedingen. Die Speicheldrüsen können 
bedeutend an Gröfse zunehmen, der Katarrh sich auf die Luftwege fortpflanzen. 
Seitens des Centralnervensystems können heftige Störungen eintreten : Der Kopf- 
schmerz wird sehr intensiv, kann zu Erbrechen, Schwindelanfällen fähren, den 
sogenannten Jodrausch zur Folge haben, Gedankenflucht, Schwere der Qlieder, 
Schlafsucht, selbst Koma und Delirien. Schwere vasomotorische Erscheinungen, 
VagusparalysCy Herzlähmung ist beobachtet. Neuralgien und Parästhesien in den 
Gesichtsnerven (Zahnschmerz!), aber auch in anderen Nerven, findet man in der 
Litteratur angegeben. Hyperästhesie der Retina, Myosis, Mydriasis kann Jod be- 
wirken. — Die genannten Erscheinungen cerebraler Natur können sogar lebem- 
gefahrlich werden. — Ein Teil der Erscheinungen ist wohl durch die Wirkung des 
frei werdenden Jods erklärlich; für den Modus des Freiwerdens ist in neoerer 
Zeit die Hypothese aufgestellt, dafs salpetrigsaure Salze durch Kohlensäure befEhigt 
werden, das Jod aus den Jodiden frei zu machen. Die nervösen Symptome deuten 
Ehruoh und Oppenheimer als Reflexneurosen durch Reizung nasaler Trigeminni- 
fasern. F. will diese Ansicht nicht für alle Fälle acceptieren, da diese Symptome 
nicht mit der Ooryza parallel gehen und auch zu sehr an Hyperaemia cerebri e^ 
innem, die experimentell nach Jodzufuhr nachgewiesen ist. Diese Hyperämie kann 
bei bestehenden Veränderungen im Urin sogar gefahrlich werden, wie Verfasser an 
zwei, wie mir scheint allerdings nicht ganz einwandsfreien Fällen beweist. Deshalb 
soll man mit dem Gebrauche des Jods bei Erkrankungen im Schädel vorsichtig sein. 
Das wirkungsvollste Mittel gegen diese Intoxikationen ist die Darreichung dei 
Jodkaliums in Milch. Rochmann empfiehlt, salpeterhaltige Nahrung zu meiden ; Milch, 
Fleisch und Weifsbrot sind zu empfehlen. — Von Aubert ist Extractum belladonnae 
0,01 pro 1,0 Jodkalium gerühmt. Auch gleichzeitige Darreichung von Bromkalinm 
mildert die Intoxikationserscheinungen. Sind diese eingetreten, so ist nach Wallacb 
Chinin 0,15 — 0,2 zu geben, nach Ehrlich: 

Äcid. sulfomlic. 4,0—6,0 

Äq. dest 150,0 

Natr. hicarbon. 3,0 — 4,0 

auf einmal zu nehmen. Das Mittel ist teuer. Wirksam ist Natrium bicarbonicom 
5,0—6,0 im Beginn des Anfalles. Auch Antipyrin war bei cerebralen Erscheinungen 
von Erfolg. Jessner-Königsberg i. IV. 

Ghegen syphilitische Alopecie und die Syphiliden der Kopf hant empfiehlt 
Riekma : 



103 

Hydrarg. praecipit. alb. 4,0 
Sublimat 0,2 

Vaselin 

Lanolin b 20»0 

Ol. rosar. aeüi. gtts. V. 
Ds. Vor dem Einreiben mit einer Lösung von Natrium bicarbonicum waschen. 
{La cronica med. 30. April. 1892. Deutsche Med.-Ztg. 1892. No. 20.) 

Jessner-Königsherg i, Pr. 
Emige Mittel, nm der Ansbreitimg der Syphilis entgegenzutreten, von 
C. W. Allen. {New York Med. Jour, 17. Sept. 1892). Bei diesem Vortrag hat Ver- 
fasser speziell die amerikanischen Verhältnisse im Auge, die in der That ungünstiger 
als die unsrigen zu sein scheinen. Um das gewünschte Ziel zu erreichen, empfiehlt er, 
erstens das Publikum im allgemeinen über Wesen, Ausbreitungsweise und Gefahren 
der Krankheit zu belehren; ferner die angehenden Ärzte gründlich, namentlich in Bezug 
auf die Diagnose, praktisch zu unterrichten; drittens die nachdrückliche Anwendung 
resp. Neuschaffung von Gesetzen, um erkrankten Personen möglichst die Gelegenheit 
za entziehen, andere, gesunde anzustecken. PhUippi-Nieheim. 



Lokale Infektionskranklieiten 
a. der Oberhaut. 

Über die Behandlung der aknten Ekzeme, von Carl Hbrx heimer. (Zeitschr. 
f. änU. Landpraxis. 1892. 4.) Verfasser g^ebt eine klare Darstellung der üblichen 
Behandlung der akuten Ekzeme mit besonderer Berücksichtigung der Bedürfnisse des 
praktischen Arztes. Jessner- Königsberg i, Pr. 

COironiBches Ekzem. (Münch. med. Wochenschr. 1892. No. 3.) Lanara {Biforma 
\9ied.) empfiehlt gegen chronisches Ekzem einmal täglich Entfernung der Krusten 
I durch grüne Seife, hierauf Fomentationen mit einer Mischung von : 

Tinct. filic, mar. alkohol. 30,0 
Alkohol. recHficat. 15,0 

Tinct. Myrrhae 

Pulv. Op. u 4,0. 

Es entsteht leichte Irritation, der Heilung folgt. Jessner- Königsberg i. Pr. 

Pathologie und Therapie des Ekzems, von Dr. L. Török (Klinikai fäzetek. 
Budapest 1892 September. Autoreferat.) In dieser Abhandlung, welche haupt* 
sächlich für den ärztlichen Praktiker bestimmt ist, trachtet T. einen kurzen Überblick 
aber den gegenwärtigen Stand der Pathologie und Therapie des Ekzems zu bieten. 
Es wird vor allem auf die Schwierigkeit hingewiesen, eine befriedigende Definition 
der Ekzemkrankheit zu geben. Statt derselben begnügt sich T. bis auf weiteres 
mit einer Definition der ekzematösen Hautläsion. Dieselbe wird aufgefafst als eine 
entzündliche Veränderung der Oberhaut, welche mit seröser und kleinzelliger In- 
filtratioD einhergeht. Gleichzeitig ruft sie eine so geartete Anomalie der Stachelschicht 
und in der Folge auch der Hornschicht hervor, dafs sich die erstere zu Bläschen 
Terflüssigt, an deren Stelle sich die Bildung normaler Stachel- und Hornschicht schwer 
wieder einstellt. Falls sich aber die Stachelschicht wieder gebildet hat, so ist 
dieselbe eine krankhaft veränderte und produziert eine anormale, in kleineren oder 
grolseren Lamellen sich loslösende Hornschicht. T. fafst diese beiden, die ekzematöse 
Anomalie der Epidermis ausmachenden Prozesse (die Akeratose und Parakeratose) unter 
den gemeinsamen Namen Dyskeratose zusammen. 



104 

Den ekzematösen Hautläsionen schliefsen sich Prozesse von verschiedener patho- 
logischer Bedeutung an, welche vordem als Ekzeme zusamroengefafst wurden. Es ist 
daher bei dem gegenwärtigen Stande unserer Kenntnisse geboten, an Stelle der Ekzem- 
kran kheit eine Ekzem gruppe zu unterscheiden. Die Aufgabe der derraatologischen 
Forschung bildet es, aus dieser Gruppe die selbständigen Prozesse auszuscheiden. 
Der in dieser Richtung arbeitenden Forschung ist es schon gelungen, eine Anzahl 
von Prozessen zu eliminieren. Diese werden von T. in einem besonderen Abschnitte 
besprochen. Bei anderen ist die endgültige Entscheidung noch nicht erfolgt; diese 
werden von T. provisorisch in der Ekzem gruppe belassen und die Gründe be- 
sprochen, welche für oder wider ihre Anerkennung als besondere, selbständige 
Krankheitsprozesse angeführt werden können. 

Die mit ekzematösen Hautläsionen einhergehenden Prozesse — also kurz du 
Ekzem — sind chronische Prozesse. Die Chronizität wird entweder dadurch bedingt, 
dafs die einzelnen heftigeren Ekzemeruptionen in loco oder auf zerstreuten Pankten 
der Hautoberfläche recidivieren, oder dafs der ekzematöse Prozess in die Nachbir 
Schaft weiterkriecht, oder dafs er sich mit weniger vehementen Symptomen ausbildet, 
an der Stelle seines Auftretens verharrt oder von hier sich weiter verbreitet Ein 
akutes Ekzem giebt es eigentlich nicht, doch ist mit Rücksicht auf die mit akuten 
Symptomen einhergehenden Anfänge, Nachschübe und Recidive die Beschreibung 
eines solchen zweckmäfsig. Von diesen heftigen Eruptionen eigentlich chronischer ' 
Prozesse sind aber die artifiziellen Dermatitiden wohl zu unterscheiden, welche Ton j 
Kaposi gerade als Typus des Ekzems vorgeführt werden. Diese nehmen unter ge- j 
wohnlichen Verhältnissen einen akuten Verlauf. Hier sehen wir ein Beispiel dafür, ' 
dafs die blofse äufsere Ähnlichkeit, die ekzematöse Hautläsion, welche die ahnten, 
artifiziellen Dermatitiden mit einzelnen Stadien chronischer ekzematöser Prozesse • 
teilen, genügte, um Prozesse verschiedener Bedeutung zu einer Krankheitsform zu ' 
vereinigen. Wir sehen, dafs dasselbe ätiologische Moment, ein äufseres Reizmittel, 
je nach Grad und Dauer seiner Einwirkung und je nach dem Zustande der Hant, 
einmal ein kurzdauerndes Erythem hervorruft, welches spurlos verschwindet, ein 
anderes Mal tritt darauf eine papulo-vesikulöse Hautveränderung auf, welche ebenfall« 
abheilt, es können bei noch stärkerer Einwirkung endlich grofse Blasen etc. und 
endlich Nekrosen entstehen. Es geht nicht an, die eben erwähnte papulo-vesikulÖse 
Hautveränderung aus der Gruppe der durch dieselbe Ursache hervorgerufenen Pro- 
zesse herauszureifsen und dieselbe, blofs auf Grund der äufseren Ähnlichkeit mit 
einzelnen Stadien der chronischen ekzematösen Prozesse, mit den letzteren zu 
vereinigen. Die artifiziellen Dermatitiden bilden eine weh lumschri ebene Gruppe, 
welche T. provisorisch noch in der Klasse des akuten Ekzems beläfst. Aus diesen 
können durch Einwirkung äufserer Einflüsse oder gewisser disponierender Momente 
chronische, ekzematöse Veränderungen, ein chronisches (typisches!) Ekzem entstehen. 
Es wird noch kurz erwähnt, dafs gewisse Symptome die klinische Diagnose „arti 
fizielle Dermatitis" ermöglichen. 

Es folgt nun eine kurze Beschreibung der klinischen Symptome des chronischen 
Ekzems (eigentlich der Prozesse, welche mit ekzematösen Hautläsionen einhergehen). 
Es wird nochmals kurz darauf hingewiesen, dafs die heftigeren Anfänge, Nachschübe 
und Recidive des „chronischen Ekzems" das ganze „akute Ekzem" ausmachen. Darauf 
werden die sich mehr schleichend entwickelnden ekzematösen Veränderungen und 
die chronische Ekzemplaque beschrieben. T. wendet sich hierauf zu denjenigen Pro- 
zessen, welche als Arten des Eczema beschrieben worden sind. Er giebt vor allem 
eine gedrängte Beschreibung des Eczema seborrhoicum nach Unna. Von den drei 
Formen, welche Unka unterscheidet, sieht T. bei der schuppenden Form keinen 



105 

engeren ZuBammenhan^ zwischen der letzteren und den übrigen zwei Formen, noch 
mit den übrigen ekzematösen Prozessen überhaupt. Dafs sich die schuppende Form 
neben den anderen häufig vorfindet^ hat seinen Grund in dem umstände, dafs sie 
überhaupt eine sehr häufige Erkrankung ist und dafs sie zu gewissen ekzematösen 
Haatveränderungen prädisponiert. Die zweite krustöse Form ist als eine wohl- 
charakterisierte Dermatose anzuerkennen und demzufolge aus der Ekzemgruppe 
heraaszuheben. Statt des Namens Eczema empfiehlt sich der von Neisser vorge* 
«chlagene „Mycosis". Verschiedene vordem als Psoriasis der Beugeflächen, Seborrhoea 
corporis, Eczema (Mycosis flexurarum) angeführte Prozesse sind hier mit den von Unna 
beschriebenen Formen zu einer wohlgefügten Gruppe vereinigt. Die dritte Form hält 
T. mit Neisskr für eine 31iscbinfektion, zumeist. mit Impetigo. 

Den von Unna beschriebenen Ekzemmikroorganismus kann T. nicht aln 
Krankheitserreger des Eczema seborrhoicum anerkennen. - Derselbe^ ruft Bläschen- 
eraptionen hervor, wahrend doch Unna selbst .hervorhebt, dafs das Eczema 
seborrhoicum keine Bläschen- verursacht, ja sogar, dafs es in mit Nässen einher- 
gebenden Fällen an typischem Aussehen verliert. Die von Unna mitgeteilten 
Differenzen zwischen den Impetigobläschen und seinen Impfbläschen erscheinen T. 
zu subtil, um ausschliefsen zu können, dals der fragliche Mikroorganismus nicht doch 
die Ursache einer impetiginösen Komplikation sei. 

Es folgt hierauf die kurze Beschreibung des Eczema lymphaticorum, nervosum, 
folliculorum, des von Bbocq unterschiedenen, recidivierenden, erysipelatoiden Ekzems 
und des Eczema cannele et craquele der Arthritiker. Das Studium dieser Formen hat 
Doeh kaum begonnen, ein definitives Urteil über dieselben ist derzeit ganz unmöglich. 
Beim Eczema papulosum — dem Liehen simplex acutus der Franzosen — sind die 
Untersuchungen noch nicht so weit gediehen, dafs eine scharfe Abscheidung von den 
übrigen ekzematösen Prozessen heute schon durchführbar wäre. Zwischen der 
Intertrigo und der Mycosis seborrhoica scheint ein enger Zusammenhang zu bestehen. 
Alle die genannten Prozesse werden zum weiteren Studium in der Ekzem gruppe 
gelassen. 

Nach einer Beschreibung der ekzematösen Hautläsionen nach ihrem Sitze (Lo- 
kali^aiionen des Ekzems), wendet sich T. zu denjenigen Prozessen, welche aus der 
£kzi*mgruppe ausgeschieden wurden. Ihre Beschreibung wurde in die Abhandlung 
aQfgfuonimen mit Hücksiclit darauf, dafs der Praktiker dieselben noch im Kapitel 
de« Ekzems sucht. Diese sind die Impetigo, die Paget sehe Krankheit, die Dysidrosis 
oder Cbeirupoitipholyx, der Liehen simplex chronicus der Franzosen, gewisse Kera* 
totlfriitien, die Miliaria miira et alba ^Eczema sudoraie oder Sudamen der Wiener), 
das Eczema marginatum. Beim Liehen simplex chronicus werden auch die sekundären 
Lichenifikationen (insbesondere Lichenifikation des Ekzems) nach Brocq und Jacqcet 
berührt. Das Eczema marginatum wird nicht als homogener Krankheitsprozess an- 
erkannt. Die Trichophytie, das Erythrasma, die Pityriasis versicolor, die Mycosis 
seborrhoica, die Intertrigo und der Liehen simplex chronicus rufen teilweise durch 
die Lokalisation bedingte, ähnliche Krankheitsbilder hervor, welche als Eczema margi- 
natum zosammeogefafst wurden. 

Im Kapitel der Ätiologie des Ekzems berührt der Verfasser kurz den Standpunkt 
der Wiener Schule, welche ein durch äufsere Reize hervorgerufenes idiopathisches 
und ein unter gewissen konstitutionellen Verhältnissen ebenfalls durch äufsere Mo- 
mente hervorgerufenes symptomatisches Ekzem unterscheidet. Er kennzeichnet dann 
den Standpunkt Nüissers, welcher, der Wiener Schule folgend, eine eigentliche, 
primäre Ursache des Ekzems, sodann prädisponierende (konstitutionelle und lokale) 
Momente, und endlich die Chronizität bedingende Verhältnisse anerkennt. So verlehlt 
Monatshefte XVI. ^ 



106 



es abor ist, das Ekzem als wohloharakterisierte Krankheitsindividualität auCEaüuien, 
ebenso unmöglich ist es, heute eine einheitliche Ätiologie der hier in Betracht 
kommenden Prozesse begründen oder dieselben auf einander ähnliche ätiologische 
Momente zurückführen zu wollen. Die Verschiedenheit der Erankheitsbilder, des 
Verlaufes und auch der von NfiissEB angeführten, die Entwickelung des Ekzems he- 
einflussenden Umstände deuten darauf hin, dafs wir es hier mit auch ätiologisch zom 
Teile grundverschiedenen Prozessen zu thun haben. Es ist ja auch schon gelangen, 
eine Anzahl solcher Prozesse zu unterscheiden und aus der Ekzemgruppe tu eli- 
minieren. 

T. kann Nbisser nicht folgen, wenn letzterer eine enge Verwandtschaft dei 
„chronischen Ekzems" mit den artifiziellen Dermatitiden annimmt, weil die letzteren 
in das chronische Ekzem übergehen können. Die artifiziellen Dermatitiden nehmen 
gewöhnlich einen akuten Verlauf. Und doch könnten in allen diesen Fällen gewisse, 
die Chronizität bedingende, von Nbisser angeführte Momente, mit Ausnahme der 
konstitutionellen, auf den Verlauf der Dermatitis Einflufs nehmen. Dies sind die 
äufseren Einflüsse (wiederholte mechanische, thermische» chemische Reize, Mikro- 
organismen, das Eratzen etc.). Es ist unleugbar, dafs die eben angeführten Einflösse 
die Chronizität bedingen können. Trotzdem sehen wir die meisten artifizielleo 
Dermatitiden einen akuten Verlauf nehmen. Wir können daher diesen äafsereo 
Einflüssen keinen allzuweiten Spielraum in der Bedingung des chronischen Verltufei 
zusprechen. Bei den meisten in chronisch-ekzematiforme Prozesse ausartenden artifizieDen 
Dermatitiden, sowie bei einem Teile der chronisch-ekzematiformen Prozesse selbst — 
(und in diesem Falle decken sich die beiden) — scheinen es die von Neisseb aDg^ 
führten, — wahrscheinlich auch noch andere, zur Zeit noch unbekannte — um 
Ekzem und zum chronischen Verlauf in gleicher Weise prädisponierenden, kon- 
stitutionellen, oder von dem Zustande der Haut bedingten Momente zu sein, weldu 
die Chronizität verursachen. D. h., es giebt Verhältnisse, unter welchen die Frt- 
disposition zu ekzematoiden Hautveränderungen, welche einen chronischen Verltof 
nehmen, vorhanden ist. Unter diesen Verhältnissen bedarf es nur eines auslosendei 
Momentes, damit der Krankheitsprozefs auf der Hautoberfläche debütiere. In dem 
Falle, welcher uns beschäftigt, ist also der Reiz, welcher die artifizielle Dermatitis 
hervorruft, oder die letztere selbst — bei bestehender Prädisposition — das auslösende 
Moment. In der Mehrzahl der Fälle jedoch bleibt uns das letztere unbekannt Bei 
dem Standpunkt, welchen T. der Ekzemgruppe gegenüber einnimmt, hält er natoriidi 
diese Auffnssung nur bei einem Teile der ekzematösen Prozesse für berechtigt. Bei 
anderen sind es gewifs Mikrophyten, welche die Ursache derselben abgeben. Es bildet 
unsere weitere Aufgabe, die in der Ekzemgruppe zusammengefafsten Prozesse nteh 
jeder Richtung zu studieren, um endlich die Frage der Ätiologie des Ekzems, welche 
eigentlich die Ätiologie von einander verschiedener Prozesse in sich £Bk£st, zu ent* 
scheiden. Dann wird es auch an der Zeit sein, an die Stelle des alten Ekzembegrifies 
einen neuen zu setzen. 

Was die Anatomie des Ekzems anbelangt, so sind hier die Untersuchungen von 
neuem aufzunehmen. Wir können uns nicht mehr mit den stereotypen Beschrei- 
bungen der Ekzempapeln, -bläschen etc. begnügen. Manche Aufklärung ist von einer 
vergleichenden Anatomie der verschiedenen ekzematösen Prozesse zu erwarten, welche 
die Entwickelung derselben berücksichtigt. Denn, wenn auch einzelne Stadien der 
selben wenig oder gar nicht voneinander difierieren, so wird gewifs bei manchen 
Prozessen der histologische Entwickelungsgang, vom ersten Auftreten bis zu den 
höchsten Veränderungen verfolgt, wichtige Difierenzen aufdecken. 

Es wird noch kurz die Diagnose und Prognose des Ekzems berührt und dann 



107 

zur Therapie übergegangen. Hier wird vorausgeschickt, dafs die Wahl des Mittels 
und damit der Erfolg der Behandlang oft von der näheren Bestimmung der Ekzem- 
art abhängt, dafs aber häufig gewisse Symptome (z. B. das Nässen, starke Hörn 
Khichtverdickung so sehr in dem Vordergrande stehen ^ dafs wir gezwungen sind, von 
der sozusagen kausalen Behandlung fürs erste abzusehen und die Beseitigung dieser 
Symptome in Angriff zu nehmen. Es folgt nun die Beschreibung der Methoden, 
welche bei der Therapie des Ekzems in Anwendung kommen (Bäder, Umschläge, 
Waschwasser^ Puder, Pasten, Salben etc. etc.); sodann wird die Behandlung des 
akuten Ekzems — eigentlich der akuteren Symptome der ekzematösen Prozesse — 
besprochen und in einem kurzen Anhange der Therapie der artifiziellen Dermatitiden 
gedacht. Nach Besprechung der für die Therapie des chronischen Ekzems mafsgebenden 
Gesichtspunkte wird an die Behandlung der verschiedenen Ekzemarten (Eczema sebor- 
rhoicum lymphaticorum etc.) geschritten und endlich die Therapie des Ekzems nach 
seinen Lokalisationen dargelegt. Mit einem kurzen Abrifs der Therapie jener 
Prozesse, welche aus der Ekzemgrüppe eliminiert wurden (Impetigo, Dysidrosis, 
P^GSTsche Krankheit etc.), schliefst die Abhandlung. 

b. der Cutis, 

Zwei Fälle von MycoBis fangoides, von L. Philipfson. (Unnas Klinik. 
Berl hlm, Wochenschr. Nr. 39. 1892.) Bei einer 36jährigen Patientin traten in der Mitte 
des Jahres 1888 auf der rechten Ellenbogenbeuge und rechten Schulter rote juckende 
Stellen auf. Gleiche Flecke erschienen im Laufe des Jahres auch an anderen Stellen 
des Körpers, am Rumpf, an den Beinen, am linken Arm, welche dann wieder ver- 
Bchwanden, um an anderen Stellen von neuem aufzutreten. Der Ausschlag belästigte 
erst die Patientin, als im Herbst 1890 die Böte und das Jucken auch im Gesicht 
tuftrat ; es fielen die Haare des Kopfes aus, die Gesichtshaut schuppte leicht. Gegen 
Oktober 1891 verschwanden die Flecke im Gesicht vollständig, kehrten dann aber 
wieder. Seit Ostern 1891 hatten sich auf dem Körper kleine Knoten gebildet, zuers 
einer im Nacken, welcher nicht juckte, der aber abschuppte und näfste. Ein gleicher 
Knoten an der rechten Hüfte verging, andere an der unteren Bauchgegend blieben 
bestehen. Ende 1891 bemerkte Patientin auch rasch auftretende Knötchen an der 
rechten Schulter, in den Achselhöhlen, an der linken Halsseite und an verschiedenen 
Stellen des Bumpfes. Allgemeinbefinden gut. Der Status im Januar 1892 ergab im 
Gesicht ein fleckiges, leicht schuppendes Erythem. Kleinere und gröfsere unregel- 
mäfsige rote Flecke überziehen das ganze Gesicht und lassen nur die Nasengegend 
frei. Die Röte ist wegzudrücken und hinterläfst eine gelbliche Färbung; die Schüppchen 
sind kleienförmig, dünn, weifs. Auf der linken Wange besteht eine rotbraune, derb 
anzufühlende Papel. Kopfhaar sehr gelichtet, so dafs man das Erythem deutlich 
erkennen kann. Am Nacken und Halse finden sich hellbraune Pigmentflecke und 
braunrote Papeln. Papeln zeigen sich am linken unteren Kieferrand, am Sternocleido. 
Auf dem Rumpfe findet man die gleichen Veränderungen in verschiedenen Stadien 
der Entwickelung und Rückbildung, so dafs die Haut hier ein geflecktes Aussehen 
erhält. Die gröfsten Knoten sind in der Kreuzbeingegend, am Gesäfs, in den Hüft- 
gegenden, in der Taille und in der seitlichen unteren Bauchgegend. In den Achsel- 
höhlen bestehen flache, braunrote, weiche, etwas erhabene Wulste. Die oberen 
Extremitäten, deren Streckseiten und äufseren Hälften der Beugeseiten befallen sind, 
haben das Aussehen eines chronischen Ekzems mit einzelnen Knötchen. Therapie: 
Innerlich Arsenik, äufserlich Resorcin nnd Chrysarobin in Salben- und Pflasterform. 
An£)erdem 5 — 107» wäfsrige Resorcinlösung zu Dunstumschlägen für die Nacht. Der 
zweite Fall, der eine 60jährige Frau betraf, zeigte ebensolche Veränderungen der 

8* 



108 

Haut. Während eiuci- uiujälirigen Beobachtungszeit veränderte sich die Hautdecke 
derart, dafs, während die roten Flecke bestehen blieben, die Infiltrate und Knoten 
zum Teil zurückgingen, zum Teil sich stärker entwickelten, die letzteren zum Teil 
ulzerierten. Gegen Ende des Jahres traten schubweise zahlreiche neue Knoten über 
den ganzen Körper zerstreut auf. Die Infiltrate im Gesicht wurden sehr derb und 
verliehen ihm den Ausdruck einer Facies leprosa. Unter Fiebererscheinungen bildete 
sich am rechten Unterkiefer ein grofser Abscefs, die Körperkräfte verfielen schnell, 
und die Patientin ging pyämisch zu Grunde. Die histologische Untersuchung der 
Haut mit ekzemähnlichen Flecken, sowie der Papeln und Knoten ergaben, dafs man 
zwei Stadien der Krankheit unterscheiden kann; im ersten findet eine Hypertrophie des 
Epithels und eine Neubildung von Bindegewebszellen statt, in dem zweiten ist das 
Epithel passiv, während die Zellneubildung im Bindegewebe weitergeht. Die Mycosis 
fungoides gehört, anatomisch betrachtet, zu den Granulationsgeschwülsten, die von den 
Bindegewebszellen und nicht von den Leukocyten abzuleiten sind; ihr Sitz ist aber 
oberflächlich in den obersten Cutisschichten und breitet sich flächenhaft aus. Die 
ausgebildeten Tumoren bieten das Bild rasch wachsender Bindegewebsneubildungen 
zelliger Natur dar. L. Hoffmann-Ikrfin. 

Über Filaria Bancrofti Cobbold, von v. Lixstow. ( Ceutralbl /'. liakl. u. Faros. 
1892. Bd. XII. No. 2 und 3.) Verfasser untersuchte Präparate eines Falles von 
Filariose, die ihm aus Brasilien zugesandt waren. Die sogenannte Filaria sanguinii 
hominis ist die Embryonalform der Filaria Bancrofti ; sie ist im Durchschnitt 0,29 mm 
lang und 0,009mm breit; der Körper enthält zahlreiche Kerne, eine Querringelwng 
liefs sich nicht nachweisen, manche Exemplare hatten eine hyaline Hülle, vielleicht 
ein persistierendes Chorium. Die Filarien werden nur nachts im Blute gefunden; im 
Wachen ist der Tonus der Hautkapillaren, aus denen man das Blut zur Untersnchnng 
entnimmt, zu grofs, so dafs sie nicht hindurch können; man schätzt ihre Menge auf 
auf 30 — 40 Millionen in einem Kranken. Nachts saugen Moskitos sie mit dem 
Blute auf; teils werden sie von den Mücken verdaut, teils durchbohren sie die Darmwand 
und entwickeln sich dann zur Larvenform, indem sie in die Breite wachsen und 
einen sichelförmigen Anhang, das Schwanzende, tragen. Stirbt die Mücke, so werden 
die Larven frei und geraten ins Wasser; hier entwickelt sich die Geschlechtsfonn, 
das Männchen ca. 83, das Weibchen 155 mm lang. Die Eier w^erden dann mit dem 
Trinkwasser in den Menschen gelangen. Die Geschlechtsform kann bis 30 Jahre leben. 

Der Parasit ist sehr häufig, in Südchina soll ihn jeder zehnte Mensch behe^ 
bergen. Die Eier rufen Embolien in den Lymphgefäfsen hervor und es tritt früher 
oder, später sogenannte Elephantiasis arabum auf, die unter Ohylurie, Hämaturie, 
Abscefsbildung häufig zum Tode führt F. Hahn- Bremen. 



Berichtigung. 

Lies Seite 9 dieses Bandes (Heft 1) Zeile 22 von oben statt Ampbigonie 
Parthenogenese. 



P0iiat0l|rfte fk |!taktifd|e Pematologit 

Band XVI. N2; 3. 1. Februar 1893. 



Aus Dr. ÜKKA8 dermatologischem Laboratorium zu Hamburg. 

Zur Färbung der RotzbacUlen in Hantknoten 
und überhaupt schwierig färbbarer Bacillen, welche weder jod- noch 

säurefest sind« 

Von 
P. G. UNNA. 

Da ioh in letzter Zeit Botzknoten der Haut zu untersuchen hatte, ver- 
sachte ich auTser den bisher gebräuchlichen Methoden noch eine Beihe 
tnderer, welche sich mir zur Färbung von solchen Bacillen bewährt hatten, 
die nicht im mindesten säurefest oder jodfest sind, wie z. B. die Bacillen 
des weichen Schankers. Ich erreichte mit denselben ganz hübsche 
Färbungen, welche einen ungeahnten Beichtum der Hautknoten an Botz- 
bsMnllen aufdeckten. 

In der Vermutung, dafs meine Besultate anderen Forschern, welche 
sich mit der Darstellung schwer färbbarer Organismen innerhalb der Ge- 
webe beschäftigen, vielleicht willkommen sein dürften, will ich dieselben 
liier kurz mitteilen und beziehe mich dabei zunächst auf die Verhältnisse 
des Rotzknotens, obgleich, wie gesagt, die hier obwaltenden Umstände 
auch bei anderen Objekten, also allgemeiner, in Betracht kommen. 

Die Schwierigkeit, die bekannten LOFFLERschen Bacillen innerhalb 
des Hautgewebes zu &rben, beruht nicht allein auf der geringen Fixation 
dee hierfdr besten Farbstoffes, des Methylenblaues, auf der Bacillensub- 
^taii2, sondern ebensosehr auf dem ungewöhnlich greisen Beichtum des 
die Rotzbacillen enthaltenden nekrotischen Gewebes an Kernchromatin. 
Da dieses bei allen Färbungsarten sich stärker &rbt und die Farbe besser 
&dert als die Bacillen, so ist, wenn die Entfärbung des „Bacillenhinter- 
gnindes'^ einigermafsen gut sein soll, die Färbung dieser selbst bereits in 
nnerwünschter Weise geschwächt. Dieser störende Faktor des Kemreich- 
te würde wegfallen, wenn man den Kernen eine gute Kontrastfärbung, 
besonders eine rote, geben könnte. Aber hier kommt der dritte er- 
schwerende Faktor in Betracht, dafs dieselben Bacillen gewöhnlich auch 

Monatihefte XVI. 9 



110 

f 

ungemein empfindlich gegen eine nachträgliche Kontrast&rbung sind, 
während eine vorhergehende kontrastierende Kernflärbnng nur dazu fülut. 
die Kerne zweimal, d. h. um so stärker zu tiogieren. 

In allen solchen schwierigen Fällen haben sich mir drei Malsnahmen 
bewährt, die zusammengenommen eine Art Methode bilden für die 
Färbung von solchen Bacillen in stark chromatinhaltigen Ge- 
weben (auch im Eiter), die weder säure- noch jodfest sind. 

Die wichtigste MaJlsnahme ist eine Vorbereitung der Schnitte 
eigener Art, welche die nachträgliche Fixation des Farbstoffes auf den 
Bacillen ungemein erleichtert. Sie besteht in der Antrocknung der 
Schnitte auf dem Objektträger. Die ungefärbten Schnitte werden, am 
besten aus Alkohol, auf den Objektträger übertragen, mit Wasser bedeckt, 
mittelst Löschpapier sogleich wieder abgetrocknet und an der Luft der 
weiteren Eintrocknung überlassen, was in */* — V« Minute vollendet ist. 
Dann wird auf dem Objektträger gefärbt ; bei der Entfärbung wird der 
wieder gelockerte Schnitt gewöhnlich heruntergespült und wie gewöhnlich 
weiter behandelt. 

Wie man sieht, ist diese Trockenmethode nur eine Vorbereitung dw 
ungefärbten Schnittes, welche eine neue, gröisere Differenz zwischen Gewebe 
und Bacillen hervorbringt. 

Die zweite Maiänahme betrifft die Beschaffenheit des Ent- 
färbungsmittels, welches so zu wählen ist, dais durch dasselbe das 
Ohromatin der Kerne mehr entfärbt wird, als die Bacillensubstanz. Als 
solches hat sich mir in erster Linie die ^61ycerinäthermischung^>* 
io zMveiter die Arsensäure (1%) bewährt. 

Als einen dritten, die definitive Färbung begünstigenden Faktor 
betrachte ich die von Kühne empfohlene Aufhellung der Schnitte in 
Terpentinöl (Oleum terebinthinum rectificatissimum) , wodurch die 
Bacillenfärbung (allerdings auch das Kemchromatin) kräftiger hervortritt 
und die — meist trübe — Zwischenzusbstanz vollkommen angeheilt 
wird. Dieser Faktor kommt also nur bei den einfachen, nicht bei Doppel- 
färbungen, wesentlich in Betracht. 

Bei Beobachtung dieser Malsregeln gelingt eine starke, distinkte Färbung 
der Bacillen vom tinktoriellen Charakter der Rotzbacillen und der Ketten- 
bacillen des weichen Schankers leicht. Schwierig ist aber auch dann 
noch die Doppelfärbung derselben, besonders deshalb, weil die normalen 
und degenerierten Intercellularsubstanzen sich in besonders guter Weise 
nur mit sauren Farbstoffen tingieren lassen, und man somit vor der ganz 
allgemeinen Schwierigkeit steht, saure und basische Farbstoffe nebenein- 
ander im Gewebe zur richtigen Geltung zu bringen. Nirgends ist diese 



* Vorrätig bei SchuchardtGörlitz. 



111 

Schwierigl^eit mehr fülilbar, als bei den Hautknoten des Rotzes, weil die 
degenerierten, nekrotischen Herde, die sogenannten Botzabscesse, auch 
saure Farben nur schwierig annehmen nnd deshalb der Hintergrund der 
Bacillen intensiver als gewöhnlich ge&rbt werden mois. Darunter leidet 
dann gewöhnlich die Bacillen&rbnng, nnd es bedarf besonderer MaiSsnahmen, 
nm die heterogenen Substanzen gleichmäfsig gut zur Darstellung zu 
bringen. 

Ich beschränke mich unter den vielen möglichen Gegenfärbungen 
auf die Besprechung der mittelst Säurefuchsins, da sie mir die be- 
friedigendsten Resultate zu geben scheint, um die rote Farbe als Kon- 
trastfarbe gehörig zur Geltung zu bringen, ist es natürlich notwendig, die 
gesamte Färbung in einer sauren Lösung abzuschliefsen, ohne dafs diese 
die Bacillen wieder entfärbt, unter den schwachen Säuren, die diesem 
doppelten Postulate geniigen, haben sich mir nur die Arsen säure und 
Gerbsäure bewährt. Beide sind nicht gleichwertig, denn während die 
eistere die Kerne besser entfärbt, fixiert die letztere den Farbstoff besser 
auf den Bacillen. Danach wird man im Einzelfalle die Entscheidung zu 
treffen haben. 

Die Doppelfärbung mit Hülfe der Arsensäure bedarf einer ganz be- 
sonders starken Yorfärbung in Säurefuchsin. Man läfst die Schnitte eine 
ganze Nacht in einer starken (l7o) Lösung, spült sie in Wasser ab, 
bringt sie in die alkalische Methylenblaulösung etwa ^A Stunde, wo die 
rote Farbe vollkommen verschwindet und der blauen Platz macht. Die 
wiederum in Wasser abgespülten Schnitte kommen dann ganz kurz, 
höchstens 10 Sekunden, in eine l%ige Arsensäurelösung, wo sie Blau 
abgeben und sich wieder rötlich färben, dann in absoluten Alkohol, wo 
m Rot verlieren, endlich in Öl und Balsam. Die Bacillen sind blau- grau 
aaf blalsrotem Grund, die Kerne gut entfärbt. 

Die Doppelfärbung mit Hülfe der Gerbsäure ist eine Schnellfärbung 
nnd verdient deswegen und wegen der Brillanz der Färbung für Rotz- 
Präparate den Vorzug. Für ihre Ausführung ist eine Beobachtung von 
Herrn Colhoun, Präparator meines Laboratoriums, sehr wichtig geworden. 
Es ist ja bekannt und wird von der Färberei im greisen allgemein benutzt, 
dals man die Gewebe bei Anwendung saurer Farbstoffe mit Vorteil gleich 
j,im sauren Bade^ färben kann; d. h. anstatt die Brillanz der Färbung 
durch nachträgliche Behandlung mit Säuren zu erzielen, setzt man die 
SäTiren gleich den Farblösungen zu. Es hat dieser Zusatz denselben 
Sinn und Effekt, wie der Zusatz mancher Alkalien zu den Lösungen 
basischer Farbstoffe. Herr Oolhoun beobachtete nun, dals der Zusatz 
Ton Tannin zur Lösung von Säurefuchsin nicht blofs die Färbung der 
Intercellularsubstanz in der genannten Weise verbesserte, sondern zugleich 
einer vorangehenden Methylenblaufärbung weniger nachteilig war, als die 



112 

einfache Lösung von Sänrefachsin. loh fand dann auch wirklich, dats 
durch nachträgliche Behandlung der Methylenblaupräparate mit einer 
Tannin-Säurefuchsinlösung die Rotzbasillen auffallend geschont wurden. 

Die Ausführung dieser ausgezeichneten Doppelfärbung geschieht so, 
dals die wie sonst angetrockneten und mit Methylenblau (10 Minuten) ge- 
übten Präparate auf eine Viertelstunde in eine Mischung einer l%igen 
Säurefuchsinlösung mit einer konzentrierten wässerigen Tanninlösnng 
(1:2 aq.) zu gleichen Teilen kommen und dann durch absoluten Alkohol 
in Öl und Balsam gebracht werden. 

Ich empfehle mithin schliefslich zwei einfache und zwei Doppel- 
färbungen. ' Ehe ich die Formeln derselben schliefslich zusammenstelle, 
will ich aber noch bemerken, dafs die Methylenblaulösung stets maximal 
stark sein mufs, also die starke LöFFLSBsche oder KüHNBsche oder meine 
komponierte Lösung, die man kurz vor dem Gebrauch mit Anilinwasser 
zu gleichen Teilen mischt. Natürlich dürfen die Präparate auch nur in 
Alkohol gehärtet sein. 

A. Einfache Färbungen. 

1. Antrocknen der Schnitte, Methylenblau ^ Stunde, Abspülen in 
Wasser, wobei der Schnitt abgelöst wird, Glycerinäthermischung einige 
Sekunden, darauf in Wasser, und dieser Turnus einige Male wiederholt, 
sorgfältige Abspülung in Wasser, absoluter Alkohol, Terpentinöl, Balsam. 

2. Antrocknung und Methylenblauf^bung wie oben, Arsensänie 
(1%) 6 — 10 Sekunden, Abspülung in Wasser, absoluter Alkohol, Terpentinöl, 
Balsam. 

B. Doppelfärbungen. 

3. Säurefuchsin (1%) eine Nacht, Abspülen in Wasser, Antrocknen, 
Methylenblau V* Stunde, Arsensäure (1%) 5 — 10 Sekunden, Wasser, 
Alkohol, Bergamottöl, Balsam. 

4. Antrocknen, Methylenblau 10 Minuten, Wasser, Mischung von 
konzentrierter wässeriger Tanninlösung und l%iger Säurefuchsin lösung zn 
gleichen Teilen 15 Minuten, Alcohol absolutus, Bergamottöl, Balsam. 



' Die Verwendung der GlyoerinäthenniBchunf? zur Entfärbung bei Doppel- 
farbungen ist möglioh, aber nicht so empfehlenswert, da sie den sauren Farbstoff 
nicht wieder kräftigt, wie Arsensäure und Gerbsäure. 



113 



Kurze Hitteiltmg über eine histologische Untersuchnngsmethode. 

Von 

Norman Walker, M. D., P. R. C. P., 

Assistant Physician Royal Infirmary Edinburgh, 
Assistant Lectnrer on Pathological Anatomy at Surgeon's Hall. 

Die Paiaffinmethode wird, so viel ich weifs, in Deutschland nicht 
viel angewandt^, nnd ich kann das durchaus nicht erstaunlich finden, 
wenn ich zurückdenke an die vielen langen Stunden, welche ich 
dort damit verbracht habe, mittelst eines JüNGschen Mikrotoms Schnitte 
anzufertigen, sie dann einzeln mit einem Haarpinsel glatt auszubreiten 
und auf ein mit Nelkenöl, Kollodium oder anderen mehr oder minder 
durchsichtigen Medien versehenes Deckglas zu übertragen. 

Es wird darum ein kurzer Bericht darüber, wie die Paraffinmethode 
von den an dieser Anstalt arbeitenden Forschern angewandt wird, viel- 
leicht nicht uninteressant, und, wie ich zu hoffen wage, den zahlreichen 
deutschen Forschem auch nützlich sein. 

Dals die Schnitte, welche man mit dieser Methode erhält, die voll- 
kommensten sind, wird von niemand bestritten werden, und die Lang- 
wierigkeit der Herstellung ist der einzige Grund, weshalb man sich der- 
selben nicht allgemeiner bedient. 

Das ganze Geheimnis, worauf der Erfolg beruht, besteht in der voll- 
ständigen Entwässerung der Präparate; bei Hautschnitten scheint dies viel 
schwerer zu bewerkstelligen zu sein, als bei den inneren Organen, denn 
bei den letzteren habe ich niemals die geringste Schwierigkeit bei An- 
fertigung der Präparate gefunden. 

Der verwendete absolute Alkohol mufs wenigstens dreimal erneuert 
werden; die Präparate werden niemals zu hart. 

Betreffs der Flüssigkeit, welche hierauf den nächsten Schritt in der 
Behandlung darstellt, sind die Ansichten sehr geteilt. Ich persönlich 
balte diese Frage für keine besonders wichtige. Von Nelken- and Ber- 
gamottöl bin ich wieder zurückgekommen, weil ich finde, dafs dieselben 
ein Mürbewerden der Schnitte verursachen; dagegen gebrauche ich pro- 
miscue Terpentinöl, Chloroform, Benzol, Naphtha oder Toluol und möchte 
Yon diesen das letzte Mittel für das beste erachten. 

Ich lasse nun die Präparate 24 Stunden in dem einen oder anderen 
dieser Mittel liegen und erwärme vor der Übertragung ins Paraffin bis 



^ Es sind wohl nur die pathologfisch-anatomischen Institute gemeint. Anm. d. Red. 



114 

zum Schmelzpunkte des betreffenden Paraffins, das ich gerade gebrauchen 
will. Ich nehme im Winter 48® und im Sommer 51®. Je nach der 
Gröfse bleiben die Schnitte je 6 bis 24 Stunden im Paraffinbade. Dann 
wird eine kleine Form aus Papier angefertigt und mit geschmolzenem 
Paraffin gefüllt, wohinein die Präparate mit einer erwärmten Pincette 
je nach Bedarf eingelegt werden. 

Nach dem Abkühlen entferne ich das Papier und befestige das 
Paraffinklötzchen auf einer Metallscheibe, welche ihrerseits sich auf 
dem Mikrotom festschrauben läist. 

Hier ist allgemein das Caaibridge JEIogkeb Mikrotom im Gebrauch; 
dasselbe arbeitet mechanisch, und wenn der Paraffinklotz so zuredit- 
geschnitten ist, dafs die Ränder einander genau parallel sind, so schiebt 
beim Schneiden jeder neue Schnitt den vorhergehenden vor sich her, so 
da£9 eine lange Reihe von (vollkommen glatten) Serienschnitten dadurch 
entsteht. Dabei hat man kein Umkrempeln, und man kann in einer 
Minute wenigstens sechzig Schnitte von 5 fi und darüber anfertigen. 

Ich breite dieselben nun in einer langen Reihe auf einem Papier- 
streifen aus und gehe dann dazu über, sie auf den Objektträgern zu 
befestigen. 

Jeder, der mit Paraffin gearbeitet hat, kennt diese mühsame Auf- 
gabe, die Schnitte auszubreiten und sie zum Anhaften an das Kollodium, 
oder was man sonst für ein fixierendes Mittel genommen hat, zu bewegen; 
man wird darum mit Befriedigung davon Kenntnis nehmen, dafs diese 
Prozedur jetzt nicht mehr nötig ist. 

Wir verdanken den hier in Anwendung kommenden Plan der Er- 
findungsgabe von Dr. Gullard, einem der Sekundärärzte des hiesigen 
Krankenhauses; das Verfahren ist folgendes: Man nimmt eine Schüssel 
mit heifsem Wasser, dessen Temperatur nur ganz wenig unter dem 
Schmelzpunkt des Paraffins liegt, und läfst die Präparate auf dasselbe 
fallen. Nach Verlauf von einer sehr kurzen Zeit sind diese dann voll- 
ständig glatt geworden, und man kann sie dann aufheben, indem man 
den Objektträger unter sie schiebt und dann aus dem Wasser heraushebt. 
Sie werden darauf in Serien geordnet (die Objektträger können numeriert 
sein) und über Nacht in den Brütofen gelegt bei einer Temperatur 
von 30 ^ 

Das Paraffin wird dann mit Benzol aufgelöst, letzteres mit Alkohol 
abgewaschen, und dieser wiederum mit Wasser; man findet dann, dals 
die Schnitte so fest am Glase anhaften, dafs man sie unter den vollen 
Strom eines Wasserhahns halten kann, ohne dafs das Präparat den 
geringsten Schaden erleidet. Dann kann man sie natürlich nach Belieben 
förben. 

Ich habe eine geringfügige Modifikation von Dr. Gullards Methode 



115 

voTgezogeo, indem ich meine Schnitte anf den Deckgläschen befestige, 
anstatt auf den Objektträgem, da ich finde, dafs sie sich auf diese Weise 
besser behandeln lassen. 

Sobald diese Methode besser bekannt sein wird, wird sie eine sehr 
weite Verbreitung finden, denn die damit erzielten Präparate sind schöner 
als irgend welche, die ich je gesehen habe. 

Das Austrocknen im Brütofen während einer Nacht ist ein höchst 
notwendiger Bestandteil des Vorgangs; denn falls sie nicht vollständig 
ausgetrocknet sind, so lösen sich die Präparate beim Waschen mit Wasser 
vom G-lase wieder ab. 

(übersetzt von Dr. PHiLippi-Kieheim.) 



Über die Entstehung der tertiären Syphilis. 

Ein klinischer Vortrag. 

Von 
Dr. A. Haslund, 

Oberarzt des städtischen Hospitals in Kopenhagen. 

Meine Herren, der Ihnen hier vorzustellende Patient ist ein 60jähriger 
Mann, der in jeder Beziehung rüstig, kräftig and gut genährt ist. Sein 
Leiden besteht in einer Anomalie der Haut, denn, wie Sie sehen, es 
erstreckt sich ein narbenartiger Ausschlag von der oberen, äuiseren Fläche 
des Armes über die linke Schulter und den oberen Teil der Brust nach 
der rechten Schulter hin. Diese adhärente Narbe hat ein etwas mar- 
moriertes Aussehen; weifsliche Flecke wechseln mit bräunlichen Pigmen- 
tiemngen ab, und die vorhandenen Einziehungen sind von variierender 
Tiefe. Sie sehen und Sie fühlen auch, dals nur die oberen Schichten 
der Haut ergrifiPen worden sind. Die Bänder der Narbe sind überall 
konvex, bilden aber keine ununterbrochene Kurvenlinie, sondern sie 
sind vielmehr aus einer Reihe von kleineren Kreissegmenten, die sich am 
Bande hinziehen, zusammengesetzt ; eine Ausnahme hiervon bildet nur die 
Stelle auf dem linken Oberarm und der linken Schulter. Sie finden hier 
^e Anzahl ziemlich eng gesäter Erhebungen von der Gröise etwa einer 
^bse, teils in Gestalt von gelblichbraunen Krusten, teils von bräunlich- 
sten, schuppenden, infiltrierten Erhebungen ; wenn wir eine Borke ablösen, 
80 sehen wir, dafs dieselbe eine in der Mitte ulzerierte Erhebung bedeckt, 
^d diese Ulzeration ist immer tief, kraterförmig und enthält in der Tiefe 



116 

I 

ein wenig Eiter. Die gesohwärigen Stellen sind ein wenig empfindlich, 
die Erhebungen dagegen nicht. Die ganze übrige Haut und die Schleim- 
hänte sind intakt, und die Drüsen sind nicht geschwollen. 

Die Diagnose dieses Hautleidens kann gar nicht zweifelhaft sein. 
Dasselbe ist ein so charakteristisches, serpiginöses Syphilid der Haut, dals 
man den Mann nicht einmal auszufragen braucht, um seine Krankheit zn 
diagnostizieren und die Therapie anzugeben. Es ist gar kein Zweifd 
möglich, dafs dieser Mann in einer früheren Periode seines Lebens mit 
Syphilis infiziert gewesen ist. Lasignature de la Syphilis wurde diese 
Form der tertiären Syphilis von Ricord genannt, und in der That, « 
giebt keine andere Hautanomalie, welche diese Form annimmt und eineo 
solchen Typus darbietet. 

Er sagt aus, dafs er nie irgend eine Krankheit gehabt habe und ist 
sich nicht bewufst, jemals an Syphilis gelitten zu haben; er giebt einige 
venerische Affektionen in der früheren Jugend zu, sowie auch das Vor- 
handensein von Geschwüren an den Genitalien, doch seien diese StönmgeD 
höchst geringfügig gewesen, und er habe niemals irgendeine antisyphilitische 
Kur durchgemacht. Die vorliegende Hautkrankheit begann im Jahre 1875, 
als er mit positivem Resultat wieder geimpft worden war. Die Pusteln 
nahmen einen normalen Verlauf, aber in ihrer nächsten Nähe schössen 
Protuberanzen hervor, welche vereiterten und kreisrunde Geschwüre bildeten, 
die dann ihrerseits Jahre hindurch stetig zunahmen; die alten Geschwüre 
heilten ab, während neue Protuberanzen in ihrer Umgebung hervortraten. 
Patient hat niemals ärztliche Hülfe nachgesucht, da er keine Schmerzen 
hatte; noch auch ist er jemals am Arbeiten verhindert gewesen. 

Ich werde später auf diesen Patienten zurückkommen, und ich 
werde Ihnen noch einige andere Fälle zeigen ; erst aber will ich ein paar 
Bemerkungen über tertiäre Syphilis im allgemeinen machen, sowohl in 
Bezug auf die Wichtigkeit derselben, ihre Häufigkeit, Ursachen, als aaol 
betreffs einiger anderer Punkte, welche in den Lehrbüchern meistens nicbt 
hervorgehoben werden. 

Unter tertiärer Syphilis verstehen wir bekanntlich diejenigen 
ÄuCserungen des Leidens, welche (im Gegensatz zu dem sekundären Ans- 
schlag) sich kennzeichnen durch die Ablagerung sjrphilitisoher Produkte 
in der Tiefe der Haut oder der Schleimhäute, in den inneren Organen, 
im Nervensystem, den Knochen, Blutgefäfsen oder Muskeln, und welche, 
abgesehen von den verschiedenen makroskopischen Formen, die sie an- 
nehmen können, darin übereinstimmen, dafs sie keine Neigung zu Rück- 
bildung zeigen, sondern durch Gangränbildung und Ulzerationen oder 
dureh Organisierung zu fibrösem Gewebe dauernde Veränderungen hinter- 
lassen, welche ihrerseits in Gestalt von Narben oder Ghwebskontraktoren 
je nach ihrer Lokalität zu mehr oder weniger ernsten Störungen führen» 



117 

Der Ausdruck ^tertiär^ ist allerdings nicht ganz genau und führt 
aach nach unserer heutigen Kenntnis der Syphilispathologie sogar 
möglicherweise zu Mifsverständnissen, aber derselbe hat den Vorzug, ein 
durch das Alter geheiligter Name zu sein, und jedermann weifs, was 
damit gemeint wird, während alle Versuche, die yon Zeit zu Zeit gemacht 
worden sind, um die Scheidewand zwischen sekundärer und tertiärer 
Syphilis zu zerstören, vergeblich gewesen sind. Der beste und logischste 
Vorschlag ist derjenige von Leloir, welcher für eine Einteilung aller 
syphilitischen Erscheinungen in syphilomes r^solutifs und syphilomes 
non r^solutifs plädiert; aber trotzdem die durch diese Nomenklatur 
verkörperte Idee eine ausgezeichnete zu nennen ist, so wird es jedenfalls 
lange dauern, bis dieselbe endgültig acceptiert wird, wenn sie überhaupt 
jemals allgemein gebraucht werden sollte. 

Der Name tertiäre Syphilis wurde zuerst von Kicord gebraucht, 
der nach Ausführung von mehr als fünfzehnhundert Impfversuchen im 
Hdpital du Midi in Paris während der Jahre 1831—1837 sämtliche 
bislang gültige Ansichten über die Ätiologie und Pathologie der venerischen 
Krankheiten umstürzte. Er trennte die Gonorrhoe von der Syphilis, er 
bewies das Vorhandensein von Schankem der Harnröhre und teilte die 
Syphilis in drei Stadien ein: das primäre, sekundäre und tertiäre, für 
deren jedes er ausgesprochene charakteristische Merkmale und Symptome 
angab. 

Das primäre Geschwür (der weiche Schanker, wie wir es jetzt 
nennen) konnte wiederholt auf den betreffenden Kranken oder auf ein 
anderes Individuum übergeimpft werden und ergab immer einen charak- 
teristischen Schanker, dessen Sekret während des Stadiums der ülzeration 
einimpfbar ist, was während des Reparationsstadiums nicht der Fall ist. 
Wenn das Sekret unter die Epidermis eingeführt wird, so entsteht eine 
Pustel, welche sich zu einem Geschwür ausbildet; wenn das Sekret auf 
eine Solutio continui appliziert wird, so erhalten wir eine ülzeration; 
wenn es in einen Lymphkanal oder in eine Drüse gelangt, so erhalten 
wir einen A bsceis. Meistenteils führt der Schanker zu einem absoedierenden 
Bubo, und der Eiter des letzteren kann oft durch Überimpfung einen 
Schanker erzeugen. 

Wenn der Schanker induriert wird — d. h. wenn seine Basis hart 
und knorpelartig wird — , so ist uns damit der Beweis gegeben, dais das 
syphilitische Virus vom Organismus absorbiert worden ist. Nach einer 
gewissen Inkubationszeit von variabler Dauer treten die konstitutionellen 
Symptome auf der Haut, den Schleimhäuten oder an anderen Organen 
wie dem Auge oder dem Hoden hervor. Dies ist sekundäre Syphilis, 
welche weder kontagiös noch überimpfbar ist, dagegen auf die Nach- 
kommenschaft übertragen werden kann. 



118 

Lange Zeit nach der Infektion treten die „tertiären" Läaionen an 
den inneren Organen hervor, am Nervensystem und in den Knochen. 
Während dieses Stadiums ist die Krankheit weder kontagiös, noch auf die 
Nachkommenschaft übertragbar. 

Sie sehen, meine Berren, dais diese primäre Ansicht Ricobds nicht 
mit unseren Ideen von der Pathologie der Syphilis übereinstimmt, und 
Bjcobd selbst sah sich genötigt, viele seiner Ideen zu modifizieren. 80 
mufste er, durch die Experimejite anderer überzeugt, zwei Arten von 
Schankem anerkennen, den „weichen^ und den „harten^, von denen der 
erstere kaum irgend etwas mit Syphilis zu thun hatte, und er war genötigt, 
zuzugeben, dais die Sjrphilis während des sekundären Stadiums kontagiös 
sei. Seine primäre Syphilis hat demnach nichts mit Syphilis zu thas. 
und gegenwärtig haben wir nichts dementsprechendes, denn das Stadium, 
während dessen sich nur ein indurierter Schanker mit oder ohne Drüsen* 
Schwellungen findet, wird von uns, sowie den meisten Syphilidologen nicht 
als Syphilis angesehen, sondern als ein Symptom, auf welches in der Mehr- 
zahl der Fälle diese Krankheit folgen wird. Die Syphilis rechnet man 
nur vom Beginn der konstitutionellen Symptome an, und demgemäls be- 
ginnen wir mit der Allgemeinbehandlung erst beim Erscheinen dieses 
Stadiums. Die Bezeichnungen sekundäre und tertiäre Syphilis jedoch 
mit den charakteristischen, von Ricord präzisierten Symptomen sind 
heutzutage, allerdings mit gewissen Modifikationen betre£E3 des sekundären 
Stadiums, auf der ganzen Welt im Gebrauch und werden, wie bereits 
hervorgehoben, von jedermann verstanden. 

Das tertiäre Stadium ist nach Ricord durch das Auftreten von 
^schweren ^ Erscheinungen gekennzeichnet und wird gewöhnlich ftür das 
ernsteste gehalten, da ein derartiges Leiden auch zum Tode führen kann. 
Diese Ansicht ist aber nur teilweise richtig, denn die Gefahr ist gam 
durch die Lokalität der Läsionen bestimmt. Eine sjrphilitische Läsion im 
Zentralnervensystem oder an einigen der gröiseren Blutge&ise kann einen 
tötlichen Verlauf nehmen, während eine derartige Läsion in der Haut 
ohne irgend welche andere Folgen als die Entwickelung von Narben ver- 
laufen kann; bei dem einen Fall erfordert die Krankheit eine energische 
Behandlung, wenn man ihren Verlauf aufhalten will, während bei' dem 
anderen man Patienten finden kann, welche seit zehn, zwanzig Jahren an 
tertiären Läsionen der Haut gelitten haben, ohne daüs ihre Arbeitskraft 
vermindert oder ihre physische Gesundheit beeinträchtigt worden wäre; 
und wenn sie dann endlich sich einer Behandlung unterwerfen, so ver- 
schwinden die Symptome in auffallend kurzer Zeit. 

Thatsache ist, dals man die tertiäre Syphilis ansehen mufs als eine 
lokale Affektion, welche den Charakter einer infektiösen Krankheit ver- 
loren hat, als etwas von der sekundären Syphilis ganz verschiedenes, die 



119 

hfiafig, namentlich bei den ^schwereren ^ Ausschlägen, zu einer totalen Diu'ch- 
senehiing des Körpers mit dem Virus führt, so dafs das Blut und die meisten 
anderen Gewebe befähigt werden, die Infektion zu übertragen ; die in dieser 
Periode geborenen Kinder weisen entweder schon bei der Geburt Zeichen 
der Syphilis auf, oder sie entwickeln dieselben bald nachher. Bei dem 
tertiären Stadium yerhält sich dieses anders; nunmehr ist das Sekret der 
^hilitischen Läsionen nicht einimpfbar, und die Kinder sind bei der 
Geburt nicht mit dem Leiden behaftet. Somit ist die tertiäre Syphilis 
keineswegs eine Krankheit, die für das Gemeinwesen gefährlich wäre; was 
die Gefahr für das betreffende Individuum selbst betrifft, so hängt dieselbe, 
wie wir gesehen haben, absolut davon ab, welcher Teil gerade ergriffen 
ist. Wenn die Krankheit sich auf Gewebe oder Organe wirft, deren 
Funktionen für den Organismus von sehr greiser Bedeutung sind, so ent- 
steht manchmal Siechtum oder Tod, aber bei einer grofsen Anzahl von 
Fillen bleibt die Affektion auf den Ort ihrer Lokalisierung beschränkt. 
Die syphilitische Kachexie, welche sich manchmal mit den tertiären 
Symptomen einstellt und den Tod des betreffenden Individuums herbei- 
fohren kann, läfst sich oft auch auf andere, nicht-syphilitische, pathologische 
Zustände im Körper zurückführen, obgleich natürlich ein derartiger Zu- 
stand auch auf dem Vorhandensein syphilitischer Produkte in denjenigen 
Organen, deren Funktion zur richtigen Erhaltung des Körpers notwendig 
ist, beruhen kann. 

Ist es unbedingt nötig, dafs jedermann, der Syphilis 
akquiriert hat, auch das tertiäre Stadium durchmachen 
rnnfs? Keineswegs; von den sogenannten tertiären Symptomen wird 
nur die Minderzahl befallen. Wie viele davon verschont bleiben« kann 
aus naheliegenden Gründen nicht mit Genauigkeit angegeben werden, da 
«6 für den Arzt unmöglich ist, alle seine Patienten ihr ganzes Leben 
hindurch zu verfolgen; und selbst wenn dieses auch möglich wäre, so 
würde die Frage immer für jeden einzelnen Fall offen bleiben: „Wenn 
die erkrankte Person lange genug gelebt hätte, würde sie nicht zu irgend 
einer Zeit einen tertiären Ausschlag entwickelt haben?" Man kann 
aber leidlich zuverlässige Statistiken erhalten, wenn man die Gesamt- 
summe aller Sjrphilisfälle mit der Anzahl der in einem gro&en Hospital 
oder in der Privatprazis behandelten tertiären. Fällen vergleicht ; freilich 
kann dies der wirklichen HäuiBgkeit des Leidens nicht genau entsprechen, 
aber wenn die Zahlen grois sind, so kann der Irrtum kein so sehr erheb- 
lioher sein. Der Prozentsatz wird wahrscheinlich ein wenig zu hoch 
ausfallen, denn es muis zugegeben werdeui dafs die tertiären Symptome 
wegen ihres mehr chronischen Verlaufs und ihres Sitzes die Kranken 
^W veranlassen werden, ärztliche Hülfe nachzusuchen als die sekundäre 
Syphilis mit ihren oftmals transi torischen und milden Erscheinungen. 



120 

Sie können oft Leute mit ausgesprochenen tertiären Symptomen finden, 
die keine Idee haben, dafs sie jemals an sekundärer S3^hili8 gelitten 
haben. 

Solche Statistiken giebt es mehrere, die alle, wie Sie finden werden, 
ziemlich übereinstimmende Resultate ergeben. Bx)IiLBT fand, dals Ton 
einer groüsen Anzahl syphilitischer Fälle, die in der Antiquaille zu Lyon 
behandelt wurden, 16 von 100 tertiär waren; Mauriac meint, dab in 
Paris der Prozentsatz zu 5 — 15 — 20 angesetzt werden kann, wobei die 
niedrigeren Zahlen sich auf Privatpatienten, die höheren auf Personen, 
die während des sekundären Stadiums in Hospitälern behandelt wurden, 
sich beziehen. Vajda fand in einem Zeitraum von 10 Jahren zwischen 
6 und 8 Prozent tertiäre Fälle unter den syphilitischen Patienten des 
allgemeinen Krankenhauses in Wien. 

Ich habe die Krankengeschichten der von mir auf der vierten 
Abteilung des städtischen Hospitals in Kopenhagen während der Jahie 
1882 — 92 behandelten Syphilisfälle durchgesehen, und ich finde, daüs die- 
selben 6364 an der Zahl sind; unter diesen waren 791 tertiär Sypld- 
litische, was einen Prozentsatz von 12,4 ergiebt. BetrefiGs des Verhältnisses 
der Männer zu den Weibern ist nur ein sehr geringer Unterschied zo 
konstatieren, von den 6364 FäUen waren 3490 Männer, unter denen 
454 tertiär ergrififen waren, was einen Prozentsatz von 13 ergiebt; die 
Weiber waren 2874 an der Zahl mit 337 tertiären Fällen, also 
11,7 von 100. 

Sie sehen also, diese Berechnungen stimmen ziemlich genau und 
beweisen, wie gesagt, dafs der Prozentsatz nicht sehr hoch ist. 

Ist es nun möglich, bei den einzelnen Fällen im voraus 
zu erkennen, ob sich tertiäre Erscheinungen einstellen 
werden oder nicht? Nach den Symptomen der Krankheit ist es 
nicht möglich zu urteilen. Aussehen, Lokalisierung, Ausdehnung oder 
Verlauf des primären Schankers geben kaum irgendwelchen Anhaltspunkt 
betreffs der Art des nachfolgenden, sekundären Stadiums, ob dasselbe 
milde oder bösartig, von kurzer oder von langer Dauer sein wird. Noch 
weniger labt sich voraussagen, ob irgendwelche tertiären Läsionen sich 
einstellen werden; letztere erscheinen oft eben so deutlich ausgesprochen 
nach einem ganz unbedeutenden Primärgeschwür mit sehr geringer Indu 
ration und nachfolgendem milden, kurzdauernden, sekundären Stadium 
wie bei den Fällen, wo der Schanker grofs, ulzeriert und von langer 
Dauer war. Noch auch giebt die kürzere oder längere Dauer der 
Drüsenschwellung irgendwelchen Aufschluls in dieser Beziehung, obgleich 
man dies früher allerdings angenommen hat. 

Andererseits werden wir aber sehen, dafs bei dem Individuum selbst 
sich Verhältnisse finden, die eine sehr grofse Hülfe zur Beantwortung 



121 

dieser Frage gewähren, und dafs bei einem späteren Stadinm der Krank- 
heit wir durch Kenntnisnahme der Lebensweise des Betreffenden während 
des vorherigen Teils der Affektion sowie der Therapie der letzteren bis 
2a dieser Periode im stände sind, mit einiger Sicherheit den weiteren 
Verlauf zu prognostizieren. Wir müssen indessen uns stets ver- 
gegenwärtigen, dais die Syphilis eine Infektionskrankheit ist, und 
obgleich wir bisher das Virus oder den Bacillus derselben noch 
nicht sicher kennen, so stimmt sie mit anderen Infektionskrankheiten 
darin überein, dafs die Intensität des Leidens in direktem Verhältnis zu 
der Stärke und der Quantität des eingeführten „Giftes^ steht und anderer- 
seils von der Art des Bodens, auf den es eingeimpft ist, abhängt. Dafs 
das syphilitische Gift verschiedene Stärkegrade haben kann, und dafs 
es ähnlich wie Bacillenkulturen abgeschwächt werden kann, ist durch 
das Studium der kongenitalen Syphilis erwiesen. Es kann beinahe 
als ausnahmsloses Gesetz angenommen werden, dafs die kongenitale 
Syphilis geringere und weniger ernste Symptome hervorruft, wenn 
blofs eines der Eltern daran leidet; dais sie hingegen leichter letal 
und rapider verläuft , wenn die Konzeption während der Ent- 
wickelung des aktiven Stadiums bei einem der Eltern stattfindet, als 
während einer Latenzperiode; und femer, daJs je längere Zeit seit der 
Infektion der Eltern verflossen ist, desto grölser und stärker das Kind bei 
der Geburt ist, und desto leichter die Symptome verschwinden werden; 
endlich hat eine rationelle Behandlung der Eltern vor Eintritt der 
Emp&ngnis und der Mutter während der Gravidität einen entschieden 
günstigen EinfluJB auf die Gesundheit des Kindes. 

Die Stärke des „Virus" scheint von grölserer Wichtigkeit zu sein 
als die Art des Bodens, auf den es übertragen wird; wir haben aber 
leider kein Mittel, um den Grad der Virulenz zu messen. Sie werden 
finden, dafs die von einer und derselben Frau innerhalb eines kurzen 
Zeitraums auf mehrere Männer übertragene Infektion bei allen einen sehr 
schweren Verlauf nehmen kann, abgesehen von den Verschiedenheiten in 
der Konstitution der einzelnen Männer; andererseits sieht man aber auch, 
▼ie dieselbe Frau auf eine Anzahl von Männern eine Syphilis überträgt, 
die in Bezug auf ihren Grad und Intensität die gröfsten Verschieden- 
heiten aufweist; bei einigen Fällen kann man nachweisen, dafs bei den 
Männern, die schwer ergriffen werden, es sich um Konstitutionen handelt, 
die durch irgendwelche vergangene oder gegenwärtige Allgemeinerkrankung 
geschwächt worden sind; während wir bei anderen Fällen eingestehen 
müssen, dafs wir über die Ursachen der Malignität des Leidens vollständig 
im Dunklen sind. 

Was den Zeitpunkt der Erscheinung der tertiären Syphilis 
nach der Infektion betrifft, so variiert derselbe bekanntlich mehr oder 



122 

weniger; tertiäre Fälle sind nicht immer „späte" Fälle; es giebt Bei- 
spiele, dafs derartige Erscheinungen bereits wenige Monate nach dem 
Acquirieren der Krankheit auftreten. Nicht selten hingegen finden wir, 
dalB die tertiäre Syphilis erst viele Jahre nach der Infektion sich einstellt; 
bei einigen Fällen können sogar dreifsig oder vierzig Jahre oder noch 
mehr zwischen den beiden Perioden vergehen, und Patienten, welche bei- 
nahe vergessen haben, dafs sie einmal einen Schanker hatten, sind sehr 
überrascht, wenn sie erfahren, dafs das Geschwür im Rachen oder die 
Exostose auf dem Schienbein, wegen derer sie den Arzt konsultieren, in 
direkter Beziehung stehen mit einem unbedeutenden Schanker oder einer 
milden Syphilis, die sie in ihrer Jugend durchgemacht haben. Unter 
den Statistiken des berühmten Syphilidologen Foürnier, die Bezug haben 
auf tertiäre Fälle seiner eigenen persönlichen Beobachtung, finden Sie 
unter 2395 Fällen einige, welche 52, 54 und 55 Jahre nach dar 
Infektion eintraten. Die meisten Fälle von diesen Statistiken jedoeb 
kommen im dritten Jahre vor, und beinahe ebensoviele im vierten und 
zweiten Jahr, so dafe nach seiner Zusammenstellung dieses Triennium cUe 
bevorzugte Zeit für die Entwickelung der tertiären Syphilis ist Vom 
zehnten und elften Jahre nach der Infektion ab findet eine allmählielie 
Abnahme der Zahl der Fälle bis zum vierzigsten Jahre statt. Wie oben 
angegeben, treten nur ganz ausnahmsweise nach diesem Zeitpunkt 
Symptome hervor. 

Bei meinen 791 Fällen von tertiärer Syphilis stimmt das Datam 
des Eintretens dieser Symptome ziemlich genau mit den FouRNiBRscben 
Angaben überein, indem die grofse Mehrzahl innerhalb der ersten vier 
Jahre nach der Infektion sich einstellte. Bei Männern ist das eiste 
Auftreten bis zum zwölften Jahre nichts ungewöhnliches, aber später 
findet es weniger häufig statt. Bei Frauen hingegen scheint die Häufig- 
keit bereits jenseits des sechsten Jahres beträchtlich abzunehmen. In 
meinen Hospitalstatistiken habe ich nicht einen einzigen Fall, bei welchem 
mehr als 30 oder 31 Jahre zwischen der Infektion und dem Ausbraeb 
der tertiären Syphilis verflossen wären; aber aus meiner Privatpraxis kenne 
ich einige Fälle, bei denen 40 Jahre und noch mehr zwischen den zwei 
Stadien gelegen haben. 

Um mir womöglich eine bestimmtere Idee von den Ursachen der 
tertiären Syphilis und deren Wichtigkeit zu verschaffen, habe ich 
meine 791 Fälle in drei Klassen eingeteilt, nämlich: 

A. Diejenigen Syphilis&Ue, die vorher nicht spezifisch behandelt 
worden sind. 

B. Diejenigen, bei denen eine Behandlung im sekundären Stadium 
vorgenommen worden ist, aber mangelhaft ausgeführt wurde, sei es, dab 



123 

sie Ton za kurzer Dauer war oder zu spät im Verlaufe der Krankheit 
angefaDgen wurde. 

C. Patienten, welche früher durch mehrmalige Anwendung von Queck- 
silber und Ton Jodkalium oder Dekokt von Sarsaparilla zweckmälsig 
behandelt worden sind. 

Auf diese drei Rubriken verteilen sich die Fälle folgender- 

malsen: 

In der Gruppe A 111 Männer, 120 Frauen. 

„ B284 „ 177 „ 

j» » » C 59 ,, 40 „ 

Zusammen 454 Männer, 337 Frauen. 

Demnach finden sich unter 791 Fällen von tertiärer Syphilis 395 
Männer und 297 Frauen, die entweder in keiner Weise vorher wegen 
Syphilis behandelt worden sind, oder die nur eine unzureichende 
Behandlung in einem früheren Stadium des Leidens durchgemacht haben. 

Ich bin deshalb der Ansicht, dafs der Mangel einer richtigen 
Quecksilberkur im zweiten Stadium tler Syphilis die wich' 
tigste und häufigste Ursache der Entwickelung von tertiären 
Symptomen abgiebt. 

So müssen wir denn bei der Gruppe C, welche 99 Personen 
nmfalst, uns nach anderen Ursachen umsehen, welche zur Entwickelung 
tertiärer Symptome prädisponieren können. Durch ein sorgfältiges Studium 
dieser Fälle und bei Berücksichtigung der Gesundheit des Individuums, 
der Geschichte und des Verlaufs des Syphilisanfalls, sowie ferner der von 
dem Patienten befolgten Lebensweise während der Attacke, der äufseren 
Umstände, unter denen er sich befand, und der Art, in der er während 
der früheren Stadien behandelt wurde, kam ich zu dem Resultat, daJs 
neben der oben angegebenen Ursache, deren Wichtigkeit nicht genügend 
hervorgehoben werden kann, ich auch die folgenden anführen mufs : — 
chronischer Alkoholismus; das gleichzeitige Vorhandensein anderer chro- 
nischer oder infektiöser Krankheiten; Infizierung im höheren Alter; 
Zustände, welche die Widerstandsfähigkeit des Organismus herabsetzen, 
z. B. Sorgen; die aus anderen Breitengraden eingeführte Infektion; vor- 
hergehende oder nachfolgende Infektion mit Malaria oder irgend einem 
anderen klimatischen Fieber, Idiosynkrasie oder Intoleranz des Individuums 
gegen Quecksilber. 

Unter den 99 Personen der Gruppe C finden sich nur 24 
(12 Männer und 12 Frauen), bei denen ich eine plausible Ursache für ihr 
Befallenwerden mit tertiären Symptomen nicht anzugeben wüfste. Die 
Kranken sind durchweg junge oder mäfsig alte Leute von anscheinend 
gesunder Konstitution; es ist nicht bekannt, dafs sie sich irgendwelchen 
Excessen hingegeben hätten, und ihre äufseren Lebensverhältnisse sind 



/ 



124 

weder schlecht noch ungesund gewesen. Sie sind alle im frühen Stadium 
behandelt worden und haben verschiedene, oft auch viele Kuren mit 
Quecksilber durchgemacht. Es bleibt demnach nur die eine Frage zu 
beantworten, ob die Art der merkuriellen Behandlung, welcher sie sich 
unterzogen haben^ bei diesen Fällen die richtige und zweckmälsigste war. 
Die Inunktionskur ist die Methode der Anwendung, welche stets gebraucht 
wurde, und die hier die übliche ist, und obgleich ich im allgemeinen 
diese Methode für die wirksamste halte, so darf man nicht vergessen, dals 
es Individuen giebt, für welche dieselbe nicht passend ist; die Hauptsache 
bei dieser Behandlung ist, dafs die Salbe in die Mündungen der Follikel 
eingerieben wird; aber es giebt Leute, deren Follikel so klein und eng 
sind, daiB dies nicht geschehen kann oder zum wenigsten sehr schwierig 
ist; denn wo der Patient eine dünne, zarte und trockene Haut hat, wird 
man nie durch das Einreiben der Salbe eine trockene Beschaffenheit der 
Haut erzeugen, was bei dieser Behandlungsmethode das Wesentliche ist. 
Femer überlassen wir es hier zu Lande den Patienten, die Behandlung 
selbst auszuführen; aus verschiedenen Gründen ist es nicht möglich, dies 
anders einzurichten. Obgleich nun diese Einreibung einigermaJsen unter 
Beaufsichtigung stattfindet, so ist es nicht immer möglich, sich zu über- 
zeugen, daüs jeder Kranke die Behandlung in wirksamer Weise und 
während einer geeigneten Zeitdauer d. h. 20 bis 25 Minuten ausführt. 
Auch sind viele Patienten in den früheren Stadien auDserhalb des Kranken- 
hauses behandelt worden, was die Therapie noch um so unsicherer macht; 
femer begehen die Arzte im allgemeinen den Irrtum, dafs sie ihre 
Kranken nicht genügend über die Art und Weise, wie die Behandlung 
stattfinden soll, unterrichten, noch auch beobachten sie die Wirkung resp. 
den Mangel an Wirkung des Quecksilbers sorgfältig genug. Es genügt 
nicht, ein Rezept für graue Salbe aufzuschreiben und den Kranken zn 
sagen, dafs sie abends beim Zubettgehn sich damit einreiben sollen; es 
müssen vielmehr die minutiösesten Vorschriften gegeben werden, und man 
muis darauf achten, dafs dieselben auch sorgfältig ausgeführt werden; 
geschieht dies nicht, dann können Sie sicher sein, dafs der Kranke irgend 
etwas verkehrt machen wird; man thut gut, anzunehmen, dafs der Betreffende 
in jeder Hinsicht unwissend sei. Ich glaube deshalb, dafs bei diesen 
24 Patienten oder wenigstens bei einigen unter ihnen die früheren Queck- 
silberkuren nicht in der richtigen Art und Weise ausgeführt worden sind, 
oder auch, dafs die vorgeschriebene Methode nicht für den jeweiligen Fall 
der passendste war. 

Da, wie ich bereits hervorhob, die Folgen der tertiären Syphilis je 
nach der Lokalisierung der Läsionen so erheblich variieren, so ist es nicht 
ohne Interesse, die Häufigkeit, mit welcher hier zu Lande die verschiedenen 
Organe befallen werden, festzustellen. 



125 

Ich gestatte mir zunächst, ihre Aufmerksamkeit auf die hier vor- 
gelegte Liste hinzuweisen; dieselbe drückt in Zahlen die Häufigkeit aus, 
mit der die verschiedenen Organe bei den 454 Männern mit tertiärer 
Syphilis erkrankten, unter Beibehaltung der oben angeführten drei 

Klassen: 



Llste^I. — Männer. 




Die Haut und das subkutane (fibröse) Gewebe 

Die Haat und die Schleimhäute 

Die Haut, die Schleimhäute und das Knochensystem 
Die flaut, die Schleimhäute und das Nervensystem . . 

Die Haut und das Knochensystem 

Die Haut und das Nervensystem 

Die Haut, das Knochen- und Nervensystem 

Die Haut und innere Organe 

Die Haut, das Kuochensystem und innere Organe . . . 

Die Schleimhäute 

Die Schleimhäute und das Knochensystem 

Die Schleimhäute und das Nervensystem 

Die Schleimhäute und innere Organe 

Die Schleimhäute, das Knochensystem und innere 

Orgaue 

Dia Kuochensystem 

Ds8 Knochensystem und innere Organe 

Du Nervensystem (einschliefslich der Sinnesorgane). 

Das Nerven- und Knochensystem 

Das Nervensystem und innere Organe 

Innere Organe 

Zusammen . . . 



Zu- 
sammen 



38 


83 


23 


6 


11 


4 


3 

1 
7 


3 


— 


18 


1 


5 


7 


2 


2 


1 


— 


4 


9 


1 


7 


6 
12 


5 


7 


3 


5 


— 


1 


— 


— 


2 


1 


7 


1 
26 


3 


1 


4 


— 


21 


83 


13 


1 


5 


— 


— 


1 


1 


1 


8 


— 


111 


284 


59 



144 

21 

6 

1 

26 

14 

3 

14 

6 

24 

15 

1 

3 

1 
36 
5 
117 
6 
2 
9 



454 



Hieraus geht hervor, dafs die Haut 235 mal affiziert war; Abb 
Nervensystem 144 mal; das Knochensystem 104 mal; die 
Schleimhäute 72 mal, inuere Organe 40 mal. 

Dies war das Ergebnis bei den Männern. Wenden wir uns nun zu 
der anderen, die Weiber betreffenden Liste: 

VonsUhefte XVI. 10 



126 



Liste n. — Frauen. 



A 



B 



Zu- 
sammen 



Die Haut und das subkutane (fibröse) Gewebe 

Die Haut und die Schleimhäute 

Die Haut, die Schleimhäute und das Enochensystem 

Die Haut, Schleimhäute, das Knochen- und das Nerven- 
system 

Die Haut, Schleimhäute, das Enochensystem und 
innere Organe 

Die Haut und das Enochensystem 

Die Haut, das Enochen- und das Nervensystem 

Die Haut, das Enochensystem und innere Organe . . . 

Die Haut und das Nervensystem 

Die Schleimhäute 

Die Schleimhäute und das Enochensystem 

Die Schleimhäute, das Enochen- und das Nervensystem 

Die Schleimhäute und das Nervensystem 

Die Schleimhäute, das Enochensystem und innere 
Organe 

Das Enochensystem 

Das Enochensystem und innere Organe 

Das Nervensystem (einschliefslich der Sinnesorgane). 

Das Nerven- und das Enochensystem 

Zusammen . . . 



44 
9 
2 



1 

15 
1 
1 
3 
7 
3 
1 
1 



19 

2 

10 



120 



72 

12 

3 



1 

18 
2 

2 
15 
8 
1 
1 

1 
13 

1 
25 

2 



177 



15 
5 

4 



5 
1 

1 
3 



2 

4 



40 



131 

26 

9 

I 

2 

38 
4 
1 
6 
25 
11 
2 

1 

34 
3 

3» 
2 



337 



Wir sehen also die Haut 218 mal, das KnocheDsystem 108 mal, 
die Schleimhäute 79 mal, das Nervensystem 56 mal und innere 
Organe 7 mal hefallen werden. 

. Somit zeigte es sich, dais hei uns zu Lande die Haut der am 
häufigsten von der tertiären Syphilis befallene Teil ist (im ganzen 45^ 
mal), während das Knoohensystem und die Schleimhäute hei Frauen etwas 
häufiger affiziert sind als bei Männern ; bemerkenswert ist aber der Unter- 
schied in der Häufigkeit des Befallenwerdens des Nervensystems und der 
inneren Organe bei den beiden Geschlechtem; dieselben sind, wie es 
sich ergiebt, bei Männern bedeutend häufiger der Sitz tertiärer Symptome 
als bei Frauen. Ich hege keinen Zweifel, dafs dieses eine Folge von 
Alkoholismus ist, der ja bei Männern viel häufiger vorkommt als bei 
Frauen. 

Für beide Geschlechter zusammen stellt sich die Häufigkeit der 
Lokalisation der Läsionen folgendermalsen dar: 

Die Haut 453 mal, das Knochensystem 212 mal, das Nerven- 



127 

System 200 mal, die Schleimliätite 151 mal, innere Organe 
47 mal. 

Der Umstand, dafis die Haut so häufig affiziert ist — mehr als zwei- 
mal so oft wie irgend ein anderes Organ — , giebt die Erklärung dafür, daf s 
die tertiäre Syphilis bei uns zu Lande meistenteils in milder 
Form auftritt, indem das Leiden selten Kraftrerluste, Arbeitsun&higkeit 
oder den Tod zur Folge hat. 

loh habe wiederholt den Ausdruck „hier zu Lande ^ gebraucht, und 
Sie dürften demnach zu der Frage berechtigt sein: Variiert die tertiäre 
Syphilis je nach den verschiedenen Ländern? Ich glaube, daiSs dem so 
ist, denn ich bin der Meinung, dais die Gewohnheiten eines Volkes, seine 
Lebensweise und der Grad der Zivilisation einigen Einfluis auf den Ver- 
lauf einer Krankheit wie die Syphilis auszuüben im stände sind. Der 
Bildungsgrad des Volkes und der Ärzte selbst ist eine höchst wichtige 
Sache, denn, wie ich bereits gezeigt habe, ist die unzureichende Be- 
handlung oder der Mangel jeglicher Therapie während der früheren 
Stadien eine der häufigsten Ursachen der Entstehung der tertiären Syphilis. 
Aus diesem Grunde werden das „ Jütländische Syphilid'', die ^Norwegische 
RadoByge**, die „Faleadina Istriens*', die „Scotch Sibbens*', Namen, die 
msprünglich auf syphilitische Tertiärformen angewandt wurden, immer 
nltener, je weiter die Zivilisation fortschreitet, und je besser man die 
Behandlung der Syphilis verstehen lernt. Die Statistiken über die 
Lokalisierung der tertiären Lues, wie ich sie Ihnen habe geben können, 
sind allerdings nicht groüs an Zahl; es stehen uns aber noch andere zu 
Gebote, und nach diesen stimmt die Häufigkeit der tertiären Erscheinungen 
ziemlich genau in allen den verschiedenen Ländern überein, und die 
Schwere des Leidens hängt gänzlich von der Lokalisation dieser 
Ersoheinungen ab. Solche Statistiken führen aber häufig irre, und der 
Unterschied der Häufigkeit des Ergriffenseins der einzelnen Organe, der 
Äoh manchmal in den verschiedenen Tabellen findet, mag durch Ursachen 
bedingt sein, die nicht ohne weiteres sich feststellen lassen. Als Beispiel 
will ich die obenerwähnten, vorzüglichen Statistiken Fourniers heraus- 
greifen. Hier finden wir das Nervensystem am häufigsten ergriffen, 
denn von 3429 Fällen hatte das Leiden bei 1085 diesen Teil ergriffen. 

Wie sollen wir nun diesen greisen unterschied erklären? Ich glaube, 
ienelbe beruht hauptsächlich darauf, dafs unser Material je aus ver- 
Bohiedenen Quellen stammte. Während nämlich meine Beobachtungen 
sich auf Hospitalskranke, also im wesentlichen auf den Arbeiterstand und 
die unteren Schichten der Oesellschaft beziehen, sind die FoURNiERschen 
Zahlen aus seiner Privatpraxis geschöpft, welche vermutlich Personen der 
böheren Klassen und der wohlhabenderen Gesellschaft umfaiste. Bei den 
letzteren ist das Nervensystem entschieden stärker „abgenutzt. Bei den 



128 

Leuten aus dem Arbeiterstande besteht die tägliche Beschäftigung aus 
körperlicher Anstrengung, bei den höheren Gesellschaftsklassen aus geistiger 
Arbeit; diese allein macht die betreffenden Personen mehr zu Siönmgen 
des Nervensystems geneigt Die gewöhnlichen Reizmittel des Nerven- 
systems femer, Alkohol, Tabak und Narcotica, werden vermutlich von den 
höheren Gesellschaftsklassen vielleicht nicht in gröiseren Quantitäten, aber 
doch in einer mehr konzentrierten und nachteiligen Form gebraucht. 

Diese Überlegungen fuhren nun naturgemäfs zu der Frage: Wissen 
wir denn, warum die tertiäre Syphilis bei den verschiedenen 
Individuen verschiedene Organe befällt? Können wir den 
G'rund angeben, weshalb die tertiäre Syphilis sich gerade 
an einer gegebenen Stelle lokalisiert? Die Antwort hierauf lautet, 
dais dies in vielen Fällen uns vollständig unerklärlich ist, daCs wir aber 
durch gründliches Nachforschen nicht nur in Bezug auf den Verlauf der 
Krankheit, sondern auch betreffs des ganzen Lebens und der Yerhältiiifle 
der Patienten manchmal im stände sind, teils einleuchtende Gründe, teils 
wenigstens Vermutungen oder Möglichkeiten aufzudecken, welche dann, je 
häufiger sie sich finden, eine desto gröfsere Bedeutung gewinnen werden. 

Ich will das Ergebnis meiner Untersuchungen und Beobaohtongen 
nach dieser Bichtung hin hier mitteilen. 

Bekanntlich giebt es Individuen, bei denen durch das ganze Stadium 
der sekundären Syphilis hindurch die Läsionen auf die Haut beschrftflkt 
bleiben, während bei anderen ausschliefslich die Schleimhäute beteiligt 
sind; so viele Becidive auch immer diese Personen durchmachen mögen 
stets bleiben die Läsionen auf die nämlichen Organe beschränkt. Die 
Haut resp. die Schleimhäute scheinen bei diesen Kranken ein Loona 
minoris resistentiae zu sein. Wenn nun solche Patienten tertUie 
Syphilis entwickeln, so werden wir sehen, dafs in diesem Stadium genide 
dieselben Teile afßziert sind. Haben denn in solchen Fällen die Haut 
und die Schleimhäute noch ihre mangelhafte Widerstandsfähigkeit b^ 
behalten? Es ist dieses möglich, aber ich möchte lieber glauben, dais da 
andere Ursachen im Spiele sind. Man kann nämlich auch annehmen, dab 
nach den vorhergehenden Attacken an gewissen Stellen eine Ablageinsg 
des Giftes zurückgeblieben ist, und dais aus bestimmten Gründen dasselbe 
von neuem in Thätigkeit versetzt worden ist. Sehr zu Gunsten dieser 
Auffassung spricht die NEUMANNsche Untersuchung von Hautteilen, weldie 
lange vorher Sitz eines syphilitischen Ausschlags gewesen waren nad 
welche makroskopisch zwar vollständig normal aussahen, aber bei mikro* 
skopischer Untersuchung unzweifelhaft pathologische Veränderungen auf- 
wiesen. Der Umstand, dafs man tertiäre Symptome bei manchen Patienten 
sich genau an denselben Stellen entwickeln sieht, wo die sekundfirea 
Läsionen gesessen hatten, ist ein weiterer Beweis für die Richtigkeit dieser 



129 

Ansicht So habe ich Fälle gesehen, bei denen genau an derselben Stelle 
auf der Znnge oder im Rachen, wo früher recidivierende Papeln gesessen 
hatten, sich Gumniata einstellten. Femer habe ich in den noch schwach 
pigmentierten Narben nach einem papnlopustulösen Syphilid, das viele 
Jahre früher bestanden hatte, Hautgnmmata auftreten sehen, und am 
Knochensystem sieht man periostale G-ummata accurat an derselben Stelle 
hervortreten, wo während des frühen sekundären Stadiums eine geringe 
periostale Verdickung oder Empfindlichkeit zu konstatieren war. Ein 
Beispiel, welches auch die Richtigkeit dieser Annahme sehr wesentlich 
bestätigt, ist der sogenannte Chan er e redux, wovon ich mich freue 
Ihnen ein Beispiel zeigen zu können. 

Sie sehen hier einen 37jährigen Arbeiter, der vor zehn Jahren mehrmals wegen 
dnes gelinden sekundären Aasschlags in diesem Hospital behandelt worden ist; er 
kttte einen harten Schanker im Sulous coronarius, allgemeine Drüsenentzündung und 
Micolae; das zweite Mal fanden sich auch Papeln um den Anus und Beseelen. Seit 
jener Zeit hat er, wie er sagt, gar keine Zeichen der Krankheit wahrgenommen. 
Ungel&hr vor einem Monat entdeckte er an genau derselben Stelle, wo der erste 
Schtnker gesessen hatte, eine geringe Geschwürsbildung, die nachher zunahm. Er 
hielt dieselbe für ganz belanglos, da er sicher war, dafs er sich nicht infiziert haben 
koonta; er ist verheiratet und hat nur mit seiner Frau Umgang gehabt. Da das 
Geschwär aber zunahm, so suchte er nun hier im Hospital ärztliche Hülfe nach. 

Sie sehen jetzt auf der linken Seite des Sulcus coronarius ein tiefes Geschwür 
TOQ der Grofse eines Nnfskemes mit eiterbedecktem Grunde und ziemlich scharf ab- 
geschnittenen Rändern. Dasselbe ist in der Mitte einer beträchtlichen Erhöhung 
gelegen, die man leicht sehen und wegen ihrer Härte und der Schärfe der Ränder 
Dodi leichter fühlen kaan ; dasselbe ist fast so grofs wie eine dänische Krone und 
entreckt sich bis tief ins Corpus cavernosum hinein. Es finden sich weder Drusen- 
Bchwellang in der Leiste noch andere Anzeichen der Syphilis. Er sagt selbst aus» 
daifl der erste Schanker vollständig verschwunden war, und die früheren Aufzeichnungen 
ober seinen Fall bestätigen seine Angabe. 

Somit finden Sie, dals hier eine typische, ulzerierte, tertiäre Läsion 
sich auf dem Sitze des alten Schankers entwickelt hat, und wir müssen 
demnach vermuten, dals trotz der allem Anscheine nach vollkommenen 
fleilnng des Schankers ein Virus zurtlckblieb , das aus irgendwelcher 
Ursache wieder zur Aktivität entfacht wurde. Später im Semester werden 
Sie sehen, dafs die zur Heilung der ülzeration und zum Vertreiben der 
Induration angewandte Therapie diejenige seio wird, welche wir gewöhn- 
licli bei tertiären Fällen anwenden, und dafs das Leiden den Charakter 
einer rein lokalen Affektion ohne spätere Allgemeinerscheinungen bei- 
behalten wird. Ein derartiger Chancre redux wird oft irrtümlicher- 
weise für einen indurierten, ulzerierten Schanker gehalten ; die Anamnese, 
das Fehlen der Drüsenschwellungen, das Ausbleiben von sekundären 
Symptomen sollten das Vorkommen derartiger Irrtümer verhindern, deren 
Bedeutung Sie leicht genug einsehen werden. 

Auliser dieser Neigung gewisser Produkte, in den Geweben nach dem 



130 

Verschwinden der früheren syphilitisohen Erscheinungen zu verbleiben, 
scheinen andere, nicht-syphilitische, pathologische Zustände die Lokali- 
siernng der tertiären Symptome zu beinflussen. So scheint eine yorherige 
tuberkulöse Affektion der Haut, der Schleimhäute oder der Knochen nur 
Entwickelung tertiär-syphilitischer Läsionen in den betreffenden Oeweben 
und an genau denselben Stellen zu prädisponieren. Wenn ein Patient 
mit irgend einem Leiden des Centraineryensystems, z. B. Epilepsie, 
Syphilis acquiriert und dieselbe nicht frühzeitig geheilt wird, so hat er 
alle Aussicht, an einer syphilitischen Affektion des Gehirns zu erkranken. 
Wiederum finden Sie oft, dafs eine syphilitische Sarcocele auf eine 
gonorrhoische Epididymitis folgt. 

Hereditäre Disposition scheint jedenfalls auch die Lokali- 
sation der tertiären Syphilis zu bestimmen ; dies äuJsert sich am deQ^ 
liebsten beim Neryensystem ; hier kann man fast mit Bestimmtheit das 
Schicksal eines Patienten, falls er das tertiäre Stadium erreichen sollte, 
yorhersagen. 

Schliefslich will ich die Rolle, welche Traumen bei der tertiftreo 
Syphilis spielen, erwähnen; dieselbe ist meines Eraohtens eine sehr groise 
und wahrscheinlich sogar eine noch gröfsere, als gewöhnlich angenommen 
wird. Ich glaube nicht, dafs eine einzelne Verletzung oder eine Reibe 
yon Verletzungen das Entstehen einer tertiär-syphilitischen Läsion an 
irgend einer gegebenen Stelle bedingen kann, aber ich glaube, dals in 
yielen Fällen ein Trauma das yeranlassende Moment ist, das ^^Etwaa", 
welches das Gift zur Thätigkeit anfacht, wenn es zufälligerweise eine 
Stelle findet, wo letzteres abgelagert ist. 

Dm auf unseren Patienten zurückzukommen : Ich bin überzeugt, dafa 
das Impfen die Ursache des Wiederauftretens der syphilitischen Erscbei* 
nungen, die so yiele Jahre hindurch latent gewesen sind, abgegeben bat 
Ich yermute, dafs an dieser Stelle, welche so oft Sitz eines sekundären 
Ausschlags ist, ein Vinis in der Haut abgelagert worden ist und dab 
dasselbe durch die entzündlichen Vorgänge des Impfens in ein. Stadium 
der Aktivität übergeführt worden ist. Ich bin der Ansicht, dafs der 
Grund, weshalb dieses Virus noch nach so vielen Jahren bestehen 
geblieben ist, darin liegt, dafs während des sekundären Stadiums keine 
Behandlung instituiert wurde. 

Ich kann Ihnen einen anderen Patienten zeigen, bei dem das Impfen 

auf ähnliche Weise gewirkt hat. 

Es handelt sich um einen untersetzten, aber gut entwickelten, zwölQabiig0& 
Knaben; der Nasenrücken ist nur wenig eingedrückt; zwei Schneidezähne des Ober 
kiefers, sowie alle vier Schneidezähne nebst den beiden Augenzähnen des Unterkiefers 
haben vorne tiefe, quer verlaufende Furchen. Die Augen sind normal, das Gehör 
intakt. Sein Aussehen läfst kongenitale Syphilis vermuten, und dies wird bestätigt 
durch den Umstand, dalB sein Vater hier im Hospital mehrmals wegen Syphilis in 



131 

Behandlang gewesen ist. Es wird jedoch angegeben, dafs er keine syphilitischen Er- 
nheinimgen darbot, bis er sechs oder sieben Jahre alt war. Alsdann wurde er geimpft, 
and spater entwickelte er eine Hantaffektion, die von den Impfpasteln ausging und 
stetig zonahm. Einige Jahre später kamen ähnliche Läsionen anf dem rechten Ell- 
bogen und am rechten Bein znm Vorschein. 

Auf der lateralen Seite des linken Oberarms sehen Sie an der Stelle, wo das 
Impfen gewöhnlich vorgenommen wird, eine etwa kartenblattgrofse Fläche, welche 
nnregelmälsig yemarbt ist, wobei die Narben offenbar aus den 'dicht gestellten, erbsen- 
groisen Geschwüren hervorgegangen sind; aniserhalb dieser Narbe sieht man viele 
Ntrben von ähnlichem Aussehen ; auf der Oberfläche der Narbe und namentlich längs 
d«m Bande derselben sehen Sie etwa zehn kupferfarbene, ungefiüir erbsengrofse 
Knotehen; einige derselben sind mit Schüppchen, andere mit Borken bedeckt. Auf 
dem rechten Arm, gerade unterhalb des Ellenbogens, finden Sie eine kleinere (Gruppe 
TOn Narben ähnlicher Art mit einigen frischen Knötchen am Rande, und auf der 
Yorderfläche des rechten Unterschenkels finden Sie noch eine aus fünf Narben 
bestehende Gknppe; hier aber finden sich keine Knötchen. Somit ist hier die erste 
lision durch das Impfen bedingt worden, während die anderen auf Traumen zurück- 
geführt werden müssen, und sie sind jedenfalls auf Stellen lokalisiert, die häufig 
aolaeren Gewalten ausgesetzt sind. 

Ich mnrs Sie ferner aufmerksam machen auf die Häufigkeit, mi^ 
welcher Traumen 2a periostalen Gammata Anlafs geben; warum 
sollten diese denn sonst sich am häufigsten gerade an denjenigen Knochen 
finden, welche subkutan gelegen und demnach am leichtesten Verletzungen 
aiugesetzt sind? Namentlich an den prominenten Teilen des Stirnbeins, 
des Stemums, der Clayicula, dem hinteren Rande der Dlna und der 
Yorderen Kante der Tibia finden wir eben am häufigsten diese Läsionen. 
Am Bein, wo man häufig kutane und subkutane Gummata findet, müssen 
wir aufser auf Traumen auch Gewicht legen auf den durch die venöse 
Dilatation und Stase gesetzten Reiz in den Geweben, welche Erscheinungen 
an dieser Stelle so häufig zu konstatieren sind. Doch kann dieses aller- 
dings nur als ein prädisponierendes Moment angeführt werden. 

Gummata der Zunge und der Hoden wird man bei sorgfältiger Unter- 
sachung oft auf irgend eine Verletzung zurückführen können. 

Hier zeige ich Ihnen einen Mann mit doppelter Sarcocele und einer anderen 
tertiiren Erscheinung am Gesicht. Beide Affektionen sind offenbar durch Traumen 
in die Erscheinung gerufen worden. Er ist ein Arbeitsmann, 28 Jahre alt, von 
•Ikobolischem Aussehen. Er wurde im Jahre 1883 infiziert, liefs sich aber erst ein 
Jahr spater behandeln und zwar nur ein einziges Mal. Im Jahre 1885 erlitt er einen 
schweren Schlag gegen das Skrotum; die Hoden schwollen an, aber die Anschwellung 
gbg dann wieder zurück. Von Zeit zu Zeit haben sie indessen eine Volumszunahme 
«kennen lassen. Vor zwei Monaten wurde er „an Mund und Nase" von einem Pferd 
K^itolsen. Nachher enstand das Nasenleiden. 

Der rechte Hode ist von Enteneigröfse, hart und schwer, aber nicht empfindlich, 
init zahlreichen Unebenheiten besetzt. Sowohl der Hoden selbst, als auch der Neben- 
hoden sind ergriffen. Der linke Testis ist von der Grofse eines Hühnereies und ähnlich 
^ der rechte. 

Auf dem unteren Teile der Nase und der angrenzenden Hälfte der Oberlippe 



132 

sehen Sie eine tiefe, geschwürige Fläche mit erhabenen Rändern; fast das gant« 
Septum eartilagineum ist verloren gegangen, und die Ulzeration erstreckt sich nodi 
eine ganze Strecke weit in die Nase hinein. 

Ich bin der Meinung, daTs die Lokalisation der Läsionen bei diesem 
Falle jedenfalls durch die erlittenen Verletzungen bedingt ist, und dafe 
der Grund der Entwickelung einer tertiären Syphilis in der sehr mangel- 
haften Behandlung während der ersten Perioden des Leidens und in seinem 
Alkoholismus zu suchen ist. Mit Bezug auf die Sarcocele ist zu erwähnen, 

dafs er niemals Gonorrhoe gehabt hat. 

Zum Schlafs will ich Ihnen noch einen Fall von tertiärer Syphilis der Htot 
zeigen, bei dem die den Ausbruch bedingende Verletzung einigermafsen seltsam ist 
Der Patient ist ein 37j ähriger Kellner, Potator, der im Jahre 1874 an Syphilis 
erkrankte und damals hier im Hospital mit fünfzig Einreibungen behandelt wurde. 
Er meint, dafs er seitdem keinen Ausschlag gehabt hat, und jedenfalls ist er seitdem 
nicht wieder wegen Lues behandelt worden. Jetzt sehen Sie auf der linken Ingmnsl- 
gegend eine unregelmäfsige, pigmentierte Narbe etwa von der Gröfse zweier Htnd- 
teller, von einer Reihe von Erhebungen eingefafst (deren jede etwa die Grofse einer 
Erbse hat, und welche miteinander konfluieren) und auch von tiefen, scharf ub- 
schriebenen und zum Teil mit Borken bedeckten Geschwüren. Diese Narbe erstree^ 
sich nach der Schamgegend hin und zum Teil bis auf das Porsum penis, sowie eine 
beträchtliche Strecke weit auf die vordere und äufsere Fläche des Oberschenkek. 
Diese Afifektion fing etwa vor vier Monaten an mit einer wunden Stelle auf der 
Vorderfläche des linken Oberschenkels, der linken Hosentasche entsprechend, in der 
er immer seine Schlüssel und loses Geld trägt. Die Wunde wallte nicht heilen; ne 
wurde fortwährend durch den Inhalt seiner Tasche gereizt und vergröfserte sid 
fortwährend, obgleich die zentralen Teile bald abzuheilen anfingen. 

Sie werden finden, dals dies in jeder Beziehung mit der HautaffektioD 
an dem ersten Ihnen vorgestellten Patienten zu vergleichen ist. C'est 
la signature de la Syphilis. 

(übersetzt tod Dr. PHiLiPPi-Kieheim.) 



Aus den Verhandlungen des Z. internationalen medisiniselien Kongresses 

9U Berlin, August 1890. 

Herausgegeben vom Redaktions-Eomitee, Berlin 1891. 

Aus den Verhandlungen des obigen Kongresses haben folgende dermatologisebes 
Interesse : 

Sektion für Anatomie. 

PoiRiEB: Anatomie des Nebenhodens, das „Vas du rete^, Spermaeystss. 

Vortragender fand in etwa der Hälfte der von ihm untersuchten Fälle ein „Vts 
du rete^, ein blindes Anhängsel, welches sich hinter dem letzten der Vasa efferestii 
vom Bete abzweigt. Die Spermacysten werden meist als Retentionscysten angesehen, 
doch sind sie dies in einer sehr grofsen Zahl der Fälle nicht^ denn es kommen 



133 

Cjsten in der Serosa zwischen Epididymis und Testikel vor, die mit den Samen - 
gingen gar nichts zn thun haben, sondern ihre Entstehung der anatomischen Ent- 
wickelang der Serosa an dieser Stelle im Laufe des Wachstums des Menschen ver' 

dsnken. 

Ssmon: Über die morphologische Bedentnng der ümiere in ihrem Ver- 
Ultnis zur Vomiere und Nebenniere nnd ttber ihre Verbindong mit dem 
Oaütalsystem. 

Die Untersuchungen wurden an Ichthyophis glntinosos angestellt, der die best- 
I tiagebildete Vomiere besitzt. Dieselbe hat ein MALPiOHisches Eörperchen, wie die 
I Umiere; dies ist ein Divertikel der Leibeshöhle. Die Urnierenkanälchen stellen die 
^ iweite Generation der Vomiere dar; der nicht nervöse Teil der Nebenniere ist der 
1 distale Abschnitt des MALPioHischen Eörperchens der Vomiere. Auch die Keimdrüse 
i liegt in dem Divertikel, das bei Bildung des MALPioHischen Körpers der Vomiere 
l abgeschnürt wird. 

I Die Wasserausscheidung ist die hauptsachliche Funktion der MALPioHischen 

[ £örperchen, doch ist anfangs die übrige Leibeshöhle hiervon nicht ausgeschlossen. 

Kkibel: Znr Entwickelongsgeschichte der Harnblase. 

^ K. leitet nach seinen Untersuchungen an allantoislosen Kaninchen auch für den 

' mit einem dürftigen Allantoisrudiment ausgestatteten Menschen die Entstehung der 
Harablase aus der Kloake ab. Der AUantoisgang spielt wahrscheinlich keine bedeu- 
^ tende Bolle bei der Bildung der Harnblase. So finden auch gewisse Mifsbildungen 
' (Kommunikation zwischen Darm und Blase, Bauchblasenspalte) ihre leichte Erklärung. 

Sektion für allgemeine Pathologie und pathologische Anatomie. 

Siegenbeck vax Heukblom: Intracellulftre (Gebilde bei OarcinonL 

Verfasser hat ca. 200 Carcinome mannigfachster Art auf die von anderen Autoren 

beschriebenen Zelleinschlüsse hin untersucht. Er fand grofse runde Kugeln, intra- 
! cellulär liegend, von protoplasmatischem Inhalt, oft mit kernartigem Körper. Diese 
i grofaen Kugeln finden sich bald reichlich, bald spärlich, reichlich besonders bei 

Metastasen im Blutgefafssystem. 

In allen Tumoren, auch in denen, welche jene grofsen Kugeln nicht zeigten, 
! &Dden sich ^kleine Kügelchen^ von verschiedener Dimension, die auch Lbergänge 
, za den grofsen aufwiesen. Auch andersgeartete kleine Kügelchen finden sich, die 

das Licht stark brechen und den Kern der Zelle platt drücken. Femer trifft man 
! zwischen den Epithelien Gebilde an, die allgemein als Leukooyten mit fragmentiertem 

Kern gedeutet werden. Vortragender möchte sie gern für etwas anderes ansehen, 
j kann aber keinen Beweis dafür erbringen. Endlich finden sich lichtbrechende, 

tropfenformige Körper, einzeln und in Massen, zuweilen auch eztracellulär. 
I Die Fragen nach der Natur dieser Gebilde und nach ihrer Bedeutung für die 

. atypische Epithelformation oder die Malignität will Verfasser nicht erörtern. 

Kusner: Bedentnng gewisser pathologischer epidermoidaler Bildungen, 
[ welche mit Psorospermien Terwechselt werden könnten. 

Vortragender fand sowohl in Oaroinomen, als auch in epidermoiden Bildungen 
rein entzündlichen Charakters Bildungen vor, die er nicht als Psorospermien ansehen 
möchte. Entweder kann es sich um eine anormale Keratinisation handeln, oder um 
ebe abnorme Karyokinese. 

In der Diskussion weist Marchand auf die Ähnlichkeit dieser Gebilde mit den 
von Neissbr für Parasiten erklärten MoUuscumkörperchen hin. Er hält sie mehr für 
siiwn degenerativen Vorgang. Auch Stbikhaus spricht sich gegen die parasitäre 
Ntttur ans. Entweder sind es Produkte der kolloiden Degeneration, oder es sind 



134 

Zellen» die schüeselförmig in einer anderen liegen; noch andere sind eingewanderte 
Leukocyten. Firkbt hat häufig Anhäufungen von kleinen Elementen gesehen, die er 
für zerfallene Leukocyten (wie Klebs) hält; auch fand er in ähnlichen Fällen grofie 
homogene Elemente; ob eine Beziehung zwischen beiden (Parasiten und SpOTen) 
besteht, wagt er nicht zu behaupten« 

Ghiabi: Über die Genese der Atheromcysten. 

Auf Grund der Untersuchungen, die Vortragender an einem Fall von über den 
ganzen Körper ausgebreiteter Atheromcystenbildung anstellen konnte, wies er nach, 
dafs eine ganze Keihe der Atherome als Betentionscysten anzusehen sind ; sie werden 
bis etwa nufsgrofs und gehen häufiger von Haarhälgen als von Talgdrüsen va: 
charakteristisch ist der atrophische Haarbalggrund als Anhang der Cyste; sie bedtcen 
eine zarte, innen glatte, mit abgeplatteten Epidermiszellen bedeckte Wandung. Eine 
andere Gruppe ist zweifelsohne als Dermoidcysten anzusehen; sie waren oft recht 
grofs, hatten eine dickere Wandung, die stellenweise Papillen und geschichtete 
Epidermis mit Bete und Stratum granulosum aufwiesen. Zwischen ihnen und hoher 
organisierten Dermoiden, deren Wand aus Haut mit allen Anhangsgebilden bestuid, 
fanden sich viele Übergänge; bemerkenswert ist ihre häufig „fissurale" Lage. 

Franke stimmt im allgemeinen mit Ghiabi überein, unterscheidet aber zwischen 
Epidermoiden und Dermoiden, indem er Papillenbildung allein nicht als Charakter 
isticum der Dermoide ansieht. 

Pawlowskt: Ätiologie und Pathologie des Bhinoskleroms. 

Vortragender hat drei Fälle von Bhinosklerom bakteriologisch untersucht. £r 
schildert die Kulturen des FaiTsoHschen Bacillus. Meerschweinchen und Kaninchen, 
intraperitoneal damit geimpft, starben an Peritonitis mycotica. In Schnitten fanden 
sich Bacillen in den Lymphräumen und in Zellen. Auch in der vorderen Augen- 
kammer von Kaninchen wucherten die Bacillen. Später degenerieren sie und ver- 
wandeln sich in hyaline Kügelchen. Damit hat P. erwiesen, dafs die Bacillen dii 
ätiologische Moment des Bhinoskleroms sind. Auch an Schnitten von Bhinosklerom 
konnte P. den Übergang der Bacillen in hyaline Substanz beobachten. 

FiBEBT fand ähnliche hyaline Substanz bei Mycosis fungoides und in Lymph- 
drüsen tumoren. 

Pawlowskt erwähnt, dafs das Bhinosklerom besonders reich an hyaliner Sah 
stanz ist; im übrigen sind die Autoren sich weder über den Begriff „hyalin" noch 
über die Beaktionen der Substanz einig. 

Bab^s meint, dafs nicht alle hyaline Substanz beim Bhinosklerom aus deo 
Bacillen sich bilde; einige Bacillen begünstigen die hyaline Degeneration, die nun 
unter anderem auch bei Syphilis findet. 

Sektion für innere Medizin. 
Ebstein und Nicolaieb demonstrierten durch Fütterung von Oxamid beim Hunde 
erzeugte, aus Oxamid bestehende Hamkonkremente. 

VAK Tibnhoven: Die Behandlung der Enuresis nocturna bei Kindern. 
Vortragender geht von der Überlegung aus, dais bei gefüllter Blase der Sphinkter 
den Urin nicht zurückhalten kann, einige Tropfen treten in die Pars prostatica über, 
und von da aus wird reflektorisch der Detrusor angeregt. Bei Enuresis geschieht 
die Durchnässung meist in den ersten Stunden des Schlafes, weil dieser dann noch 
weniger tief, die Beflexthätigkeit noch rege ist. Wird nun durch BeckenhochlageroDg 
das Orificium intemum urethrae höher gelegt und somit dem Drucke des Urins in den 
ersten Stunden entzogen, so fallt dies Moment fort, und die Kinder werden von dem 
lästigen Übel befreit. Vortragender hat so 14 Fälle behandelt und genau beobachtet, 
nur einer recidivierte zeitweilig. Die Durchschnittsdauer der Behandlung betrog 



135 

42 Tage. Auffallend ist, dafs 13 von den 14 Fällen Knaben betrafen. Die Hoch- 
lageroBg wurde in der Weise bewerkstelligt, dais man einen flolzrahmen unter das 
vordere Ende (Fufs? Ref.) des Bettes stellen liefs, so dafs letzteres einen Winkel von 
höchstens 45^ mit dem Horizont bildete. 

O&o: Über Myxoedem. 

Vortragender beschränkt sich in seinem Referate auf die weniger bekannten 
Paukte: Männer werden im Verhältnis von 1:10 befallen; Heredität spielt wahr- 
seheinlich eine Rolle, die Symptome wechseln zeitweilig in ihrer Intensität; die 
Thyreoidea ist häufig im Anfang vergrölsert; Hämorrhagien bilden ein geföhrliches 
Symptom. Die Thyreoidea ist degeneriert, in den übrigen Organen findet sich Ver- 
mehrung des Bindegewebes. Gachexia strumipriva, sporadischer und endemischer 
Kretinismus, auch operatives Myxoedem bei Tieren haben dieselbe Ätiologie : verlorene 
Fonktionsf&higkeit der Schilddrüse. 

Behandlung: intern und klimatisch; zu versuchen ist die Einpflanzung von 
tierischem Sohilddrüsengewebe. 

MosLEB als Korreferent hebt Ords Verdienste um die Myxoedemfrage hervor. 
Cachexia strumipriva und Myxoedem sind identisch; in den Fällen, wo nach Eropf- 
ezstiipation Myxoedem ausbleibt, ist eine accessorische Drüse vorhanden. Die lang- 
same Entartung des Schilddrüsengewebes bedingt den chronischen Verlauf des 
Myxoedems. 

Hassan Mahmud: Beobachtimgen ttber die aegTptisclie Beule. 

Diese vom Vortragenden 1873 zuerst beschriebene Krankheit unterscheidet sich 
bedeutend von der Aleppo - Biskra- etc. Beule. Sie erscheint zur Zeit der Über- 
schwemmung des Nils und verläuft sehr chronisch (bis 13 Jahre). — Es erscheint 
eine Papel, ähnlich einem Furunkel; in der Umgegend treten mehrere auf, die sich 
ober die erstere erheben, teilweise vereitern; die umgebende Haut verdickt sich; die 
üierung geht nicht tief, die Vemarbung beginnt von der Peripherie. Vortragender 
teilt einen Fall eines jungen Mädchens mit, die elf Beulen hatte. Als Behandlung 
haben sich Ätzmittel (Wiener Ätzpulver) vollkommen bewährt. 

(Fortsetzung folgt.) 



Ttaitö pratique, thöoriane et thörapentiqne de la Bcrophulo-tubercalose de 
U pean et des nrnqueusefl a^iacentes (Lupus et Tuberculoses qui s'y rattachent, 
▼on H. Lbloib. Paris, L. Battaille et Co., 1892.) In diesem umfangreichen Quartbande 
(^ Seiten), welchem 15 Tafeln in Chromolithographie und Phototypie, sowie 30 Holz- 
nhnitte beigefügt sind, giebt Verfasser eine ausführliche Monographie aller auf der 
Haut und den angrenzenden Schleimhäuten vorkommenden Formen von Tuberkulose. 
In Anlage und Ausführung stellt dieses Werk ein Pendant zu seinem im Jahre 1886 
«nchienenen Lehrbuche über Lepra vor, welches in seiner umfassenden Darstellung 
^em lang gefühlten Bedürfnis entgegenkam. Wenn heutzutage die Tuberkulose der 
Hsnt erschöpfend abgehandelt werden soll, so ist man berechtigt, an ein solches Lehr- 
^ch ganz andere, gröfsere Anforderungen zu stellen,^ als an eines über Lepra. Bei 
dieser Krankheit sind in jeder Hinsicht noch so viele Lücken in unserem Wissen 
sunfallen, dafs eine eingehende Beschreibung fremder und eigener Erfahr angen zur 
Zeit genügen mufs; daher ist Verfassers Leprawerk noch immer das beste und um- 



136 

fassendste. Die Taberkalose dagegen ist, dank den Fortschritten in der ätiologischen 
Erkenntnis, nach allen Richtungen so ausgiebig bearbeitet worden, dafs ein Lehrbodi 
mehr als eine rein deskriptive Darstellung bieten mufs, es muIlB den Stoff modscn 
naturwissenschaftlich bearbeiten. Die klinische Beobachtung, die pathologisdie 
Anatomie, die Histologie, die Bakteriologie, das Experiment — sie dürfen nidit mehr 
als ebensoviele selbständige Kapitel nebeneinandergestellt werden, sondern sie mossen 
miteinander organisch verbunden werden. Und das hat Verfasser in vorliegendem 
Werke gethan. Wohl kein anderer war auch so geeignet dazu, als er, dessen grolse 
Erfahrung in Hauttuberkulose den Lesern ans den zahlreichen Publikationen desselhsn 
Autors über verschiedene neue Lupusformen, über die Histologie des Lupus, über den 
Tuberkelbacillus und die Eitererreger bei Lupus, über die Lnpfversuche mit Lapus- 
gewebe und über die Therapie bekannt sein werden. Welche Verdienste Verftaer 
sich durch seine vielseitigen Untersuchungen über Hauttuberkulose erworben hat, 
erhellt schon aus einer kurzen Übersicht über die zum Teil im Original, zum Teil 
im Beferat wiedergegebenen Arbeiten des Verfassers in dieser Zeitschrift; zu einv 
vollen Würdigung derselben gelangt man aber erst beim Lesen seines Werkes, in 
welchem er nicht allein die gesamte fremde, umfangreiche Litterator eingdiend 
berücksichtigt, sondern auch seine eigenen 14jährigen Erfahrungen über diesen Ge- 
genstand an der Hand von Statistiken, Krankengeschichten, von histologischen und 
experimentellen Untersuchungen niederlegt. — Nach dieser allgemeinen CharaktensÜk 
des Werkes kann es die Aufgabe des Eeferenten nur sein, auf einzelne Thatsaehen, 
Beobachtungen, Auseinandersetzungen, Ansichten des Verfassers aufmerksam n 
machen, welche voraussichtlich nicht allgemein bekannt sind, und die auch, losgeloit 
aus dem Ganzen, verständlich sind. Zur besseren Übersicht folgt hier die Oruppieraq; 
des Inhaltes: I. Symptomatologie; II. Komplikationen; III. pathologische Anatomie; 
IV. Eixperimentaluntersuchung ; V. Ätiologie und Pathogenese; VI. DiagnoM; 
Vn. Prognose; VIII. Behandlung. 

Ad I. Verfasser hat bekanntlich zuerst darauf aufmerksam gemacht, dafs der 
Lupus aufser durch interstitielle Resorption oder durch Ulceration auch durch eine 
fibröse Umwandlung ausheilen kann. Aufser dem pathologischen Interesse hit 
diese klinische Beobachtung noch insofern Wert, als eine zuerst von Verfasser and 
ViDAL besprochene Varietät des Lupus existiert, wo die fibröse Umwandlung nur eine 
besondere Art der Lupusentwickelung und nicht ein Vernarbungsprozefs ist, namlidi 
der Lupus scl6reux. Dieser Unterschied ist hier in Deutschland so unbekannt ge- 
wesen, dafs man während der Tuberkulin-Ara von einer Beaktion der Lnpusnarben, 
selbst sehr alter, sprach, und in diesem Phänomen einen neuen Beweis dafür erblickte, 
welch empfindliches Reagens das Tuberkulin wäre. Vom Verfasser ist jedoch bereiii 
längst nachgewiesen, dafs diese scheinbaren Narben noch echtes Lupusgewebe wä 
inokulablen Tuberkelbacillen enthalten, und dadurch ist jene Reaktion leicht ver 
ständlich. Über diese Form wird weiter unten gesprochen, hier nur einige Worte 
über die selten vorkommende Ausheilung des Lupus durch fibröse Umwandlung, b 
diesem Falle nimmt der Lupus allmählich an Konsistenz zu, während sein Volumen 
sich vermindert und seine Farbe allmählich ins Livide übergeht; später, wenn dt» 
Gewebe vollständig sklerosiert ist, findet sich eine derbe, weifse Narbe, welche >ioh 
häufig in ein Keloid umwandelt. — Verfasser, welcher den Lupus als durch den 
Tuberkelbacillus verursacht anerkennt, fafst die ätiologische Seite so scharf, daß ^ 
die Frage sich vorlegt, ob nicht als notwendige Folge der Invasion des Bacillas in 
der Haut einzig und allein die Bildung von Lupusgewebe aufzufassen ist, und ob roM 
alle Entzündungen und Eiterungen als Komplikationen, welche von anderen 
Mikroorganismen oder von anderen äufseren Einflüssen abhängen, zu betrachten siod. 



137 

Far eine solche AnfTasBung spricht, dafs einerseits die nicht- ulcerierenden Lupusfälle 
in ihrem Oewebe keine Eiterkokken beherbergen, dieselben sich dagegen in allen 
oloerierenden, und zwar an Zahl entsprechend dem Grade des t'rozesses, vorfinden, 
und dafs andererseits eine energisch eingeleitete antünpÖse Behandlung in manchen 
RQlen, anstatt vorhandene Ulcerationen zu beseitigen, dieselbe nur noch mehr an- 
ftchen kann nnd durch eine antiphlogistische Behandlang zu ersetzen ist. Wir sehen 
hier, wie die ätiologische Erkenntnis es erlaubt, ganz neue klinische und therapeutische 
Fragen zu stellen, die einer experimentellen Beantwortung zugänglich sind. — Von 
den ulcerierenden Lupusformen beschreibt Verfasser zwei, die in Deutschland 
wenig bekannt sind. Die eine wird von Bxskibr als tuberculo-gommeux be- 
idchnet Sie ist dadurch charakterisiert, dafs sich kein gewöhnliches Lupnsknötchen 
biidet, sondern ein roter, schnell erweichender, mit dicker rotbrauner, rupia-ähnlioher 
Knute sich bedeckender Knoten; derselbe ist von einem ödematösen, lividen Hof 
amgeben ; hebt man die Kruste ab, so gewahrt man eine tiefe, mit schlechten Granu - 
Iflüonen bedeckte Gesohwursfläohe. Diese Ulceration dringt schnell in die Tiefe vor 
and kann in kurzer Zeit den Nasenflügel, die Lipi)en, Augenlider etc. perforieren- 
Bei einer anderen Form ist und bleibt die Ulceration eine sehr oberflächliche» 
venn auch der Lupusherd die Cutis tiefer infiltriert. Das Geschwur ist von glatter 
Oberfläche, im Niveau der Umgebung, oder leicht erhaben, glänzend, gelb-grau und 
ihnelt einem Geschwür nach einem Vesikator. Der Grund ist weich und läfst den 
Sondenknopf tiefer eindringen, als man glaubt Wenn man das Geschwür mit den 
Fingern zusammendruckt, so läfst sich eine dünne zähe Kruste abheben. Werden 
diese Geschwüre nicht tief zerstört, so recidivieren sie sehr leicht. (Derartige Ge- 
Mhwüre sind entschieden häufiger, als man nach den Litteraturangaben schliefsen 
dirf. In Deutschland haben sie erst durch ihre Eigenschaft, auch auf Tuberkulin zu 
reagieren, die Aufinerksamkeit auf sich gelenkt. Ref.) — Aufser den seltenen Formen 
von Lupus, wo eine kolloide oder myzomatöse Umwandlung stattfindet, ist von 
LiLoiR und ViDAL zusammen eine Varietät aufgestellt worden, der Lupus solöreux, 
wofu auch die Tuberculosis verrucosa cutis und der Leichentuberkel ge- 
hören. Diese Abart des gewöhnlichen Lupus entwickelt sich aus harten, umschriebenen, 
weinroten Knötchen, welche meistens zu einer mehr oder weniger groÜBcn Gruppe 
vereinigt sind. Ihre Oberfläche ist von einer trockenen, zerklüfteten, grauen Hom- 
schicbt bedeckt, welche dem Lupusherd warzenartiges Aussehen verleiht. Infolge der 
starren, hypertrophischen Hornschicht bilden sich leicht tiefe Rhagaden, welche zur 
Bildung von Blutkrusten und nach Ansiedelung von Eiterkokken zur Eiterung Ver- 
anlassung geben. Auf diese Weise entsteht das Bild der Tuberculosis verrucosa cutis. 
In anderen Fällen, wo ebenfalls das typische Lupnsknötchen fehlt, stellt sich der 
Lnpus sclSreux als mehr oder weniger grofse (bis handtellergrofse) Scheibe dar, welche 
leicht über das gesunde Niveau erhaben, von fast glatter Oberfläche und von einer 
glSneenden, mitunter auch sehr fein abschuppenden Hornschicht bedeckt ist Erst 
beim Zusammenpressen zwischen den Fingern merkt man, dafs die Neubildung weit 
in die Tiefe, bis in die Subcutis, reicht. Diese Lupusart findet sich hauptsächlich an 
den Extremitäten und besonders an der Dorsalseite ihrer Enden. — Der Lupus 
▼ttlgaris erythematoides, bei dem die kleinen Knötchen durch die Böte verdeckt 
Qttd nnd der durch seinen Sitz im Gesicht und seine Form an Lupus erythematosus 
erinnert, hat in Frankreich, wo besonders von Besnibr die tuberkulöse Natur des 
letzteren behauptet wird, insofern eine grofse theoretische Bedeutung, als er für ein 
Hittelding zwischen beiden Krankheiten gehalten wird. Durch seine experimentellen 
Untersuchungen gelangte Verfasser zum Schlüsse, dafs eine solche Verwandtschaft 
uoht zu erweisen ist. — Der Lupus kann, wenn keine Kunsthülfe eintritt, das ganze 



138 

Leben hindurch fortschreiten, jedoch in verschiedener Intensität, die wocheih, 
monate-, jahrelang sich sehr verringern kann und mitunter mit den Jahreszeiten 
wechselt. Bei Greisen ist der Lupus entschieden von milderer Form, und die 
Ülcerationen sind nie so tiefgreifend. Er ist meistens plan, und seine Knötchen sitien in 
einem mehr oder .weniger sklerosierten Gewebe. Auch Spontanheilungen kommen 
vor. In den übrigen Altersklassen können Monate und Jahre dauernde Pausen in 
der Ent Wickelung des Lupus vorkommen, aber früher oder später treten doch wieder 
Kecidive ein, wenn nicht ein therapeutischer Eingriff geschieht — Was die Aus- 
breitung des Lupus betrifft^ so citiert Verfasser einen Fall, wo bei einem jangeo 
Menschen nicht weniger als 110 isolierte Herde bestanden. Dieser und ähnliche ElUe 
bieten ein hohes pathogenetisches Interesse dar und möchten vom Verfasser fSr die 
Theorie ihres hämatogenen Entstehens verwertet werden. — Den Beginn des Lapoi 
auf der Schleimhaut, und zwar ausschlieMich der Nasenschleimhaut, konnte 
Verfasser bei 312 Fällen 21 mal konstatieren, glaubt aber auch, dafs der primäre 
Lupus der Schleimhaut nur wegen der geringen subjektiven Erscheinungen weniger 
zur Kenntnis des Arztes kommt. Ebenso wie auf der Haut kann der Lupus aneh 
auf den Schleimhäuten eine fibröse Metamorphose eingehen. Der Knoten nimmt 
alsdann eine livide Färbung an, wird derber, sein Volumen verringert sich, bis sieh 
schlieMich ein blasser, fibröser, wenig erhabener Knoten vorfindet. Verfasser beschreibt 
seine verschiedenen A b arten des Lupus auch hier und erwähnt, dafs der primäre Lop« 
scl6reuz auf der Schleimhaut häufiger ist, als auf der äufseren Haut. — Einen FUl 
von echtem Lupus der Zunge hat Verfasser bekanntlich im IntemaHonaien Atlas sdUm 
HcMtkrankheiien publiziert (1889); aufser diesen sind nur drei sichere Fälle beobachtet 
worden. — Verfasser weist auf die grofse Schwierigkeit hin, die Tuberkulose der 
Schleimhaut vom Lupus in vielen Fällen zu unterscheiden, w^en der klinisch so 
wenig differenten Eigenschaften. — In dem Kapitel „Komplikationen^ besprieht 
Verfasser die im Anschlufs an den Lupus auftretenden lokalen und allgemeinen 
Prozesse, welche von ihm in verschiedenen Arbeiten studiert sind und die dank seines 
bakteriologischen Untersuchungen soweit klargestellt sind, dafs ihre klinische Be- 
deutung richtig erkannt werden kann und die therapeutischen Maisnahmen richtig 
geleitet werden können. Es sind nämlich die in der Umgebung eines Lupus aof- 
tretenden entzündlichen Ödeme, Lymphangitiden, erysipelahnlichen Schwellungen oft 
nicht als direkte Folgeerscheinungen des durch den KocHSchen Bacillus verursachteo 
Lupus zu betrachten, sondern vielmehr als Mischinfektion mit Eiter- und Streptokokken. 
Die Beteiligung des Lymphgefäfssjstems ist von grofser Bedeutung fiir die Ausbreitung 
des Lupus derart, dafs sich im Anschluß an eine Lymphangitis neue Eiiötchen in 
der Umgebung des alten Herdes entwickeln. Unter Umständen beobachtet man, and 
zwar gerade an den Extremitäten, den Verlauf eines Lymphgcfaüses auf der flaot 
markiert durch mehrere in der Bichtung der Längsachse des Gliedes angeordnete 
tuberkulöse Gummen, welche wieder den Ausgangspunkt für neue Lupusherde abgeben. 
Auf dem Wege der Lymphgefäfse kann das tuberkulöse Virus in die nächstgelagenen 
Lymphdrüsen gelangen und zur echten Tuberkulose dieser Organe führen, wie Ver^ 
fasser histologisch und experimentell erwiesen hat. Diese Lymphdrüsenerkrankung 
mufs natürlich scharf getrennt werden von den primären, sogenannten skrophulosen 
Drusen und den einfach entzündlichen Lymphadenitiden. Jene tuberkulöse Lymph- 
drüsenerkrankung im Anschlufs an Lupus ist für Verfasser von so grofser Bedeutung, 
dafs er sie gegebenen Falls sehr energisch durch lokale Mittel, Jodoformäther-Iigektion 
oder Operation, behandelt. — Unter den zufalligen Komplikationen des Lupus ist dis 
echte Erysipel zu fürchten, welches ebenso, wie alle Mittel, welche eine starke 
Beizung ohne Zerstörung des Lupus hervorrufen, nur zur Ausbreitung desselben 



139 

beitragen. In gleicher Weise sind auoh die £iterkokken zu ftirchteD, wie bereits 
oben erwähnt. Besonders möge hier die Entwickelang von Geschwüren in Lupns- 
narben erwähnt werden, welche Verfasser sehr klar darstellt. Die Geschwüre können 
in Anschlufs an Rhagaden, welche durch Narbenzag entstehen, sich ausbilden und 
wegen ihres torpiden Charakters und ihrer schweren Heilbarkeit für Lupasrecidire 
in Narben gehalten werden. Nur eine antisuppuratiye Therapie ist angezeigt, während 
jede energische antilupöse Behandlung nur Verschlimmerung bewirkt. Bei unreinen 
bdiyidaen beobachtet man auf frischen ausgeheilten Lupusnarben mitunter das Auf- 
treten Yon kleinen Pusteln und von Impetigines, welche bald zu einer mehr oder 
weniger tiefen Geschwürsbildung fahren, und die ebenfalls nur antisuppurativ behandelt 
werden dürfen. — Aus dem Kapitel „Anatomie^ mögen folgende Thatsachen an- 
gefahrt werden. Verüasser konstatiert, dafs die Lupusknötchen sowohl in den ober- 
flichliohen, wie den tiefen Outisschichten sich zu entwickeln beginnen können, und spricht 
dftzu die Vermatung aus, dafs der jeweilige Sitz möglicherweise von dem Infektions- 
modos der Haut mit dem Tuberkelbacillus abhängig ist. (In dieser Hinsicht wäre es 
doeh gerade sehr wichtig gewesen, etwaige Unterschiede zu konstatieren zwischen dem 
Sitze der Knötchen bei dem allerersten Befallenwerden der Haut von Lupus und bei 
spaterem Auftreten in der Umgebung des primären Herdes. Bef.) Aufser in den 
Riesenzellen hat Verfasser Bacillen auch aufs erhalb derselben in den yer- 
Bcbiedensten Teilen der Neubildung gefunden. Er hat ferner die Beobachtung ge- 
macht, dafs in Serienschnitten die bacillenhaltigen Schnitte häufig direkt auf- 
einanderfolgen. In diesen Zellen fand Verfasser mitunter bis zu yier und fünf Bacillen. 
Was die Zahl der Bacillen, welche bei GewebsYeränderungen, wie Ulceration, Eiterung, 
Koagnlationsnekrose des Lupus, gefunden wird, anbetrifft, so liefs sich keine Belation 
beraosfinden. Nichtulcerierte Fälle von Lupus wiesen eine relativ grofse Zahl auf 
und ulcerierende dagegen eine geringe. Verfasser hält jene Gewebsveränderungen 
daher für abhängig von anderen noch hinzukommenden pathogenen Mikro- 
organismen, wie Strepto-, Staphylokokken etc. Auch Verfasser ist es nicht ge- 
langen, aus Lupusmaterial Beinkulturen von Tuberkelbacillen herzustellen, so dafs die 
KooBBche Impfung noch bisher die einzige derartige bleibt. — Die Impfversuche, 
welche Verfasser mit Material von Lupus und anderen tuberkulösen Affektionen der 
Haat gemacht hat, sind bisher so zerstreut publiziert worden, dafs es sehr dankenswert 
ist, jetzt eine zusammenfassende Darstellung derselben erhalten zu haben. Bei der 
Wichtigkeit des Gegenstandes ist es wohl angezeigt, etwas ausführlicher darüber zu 
referieren. Zu den Inokulationen werden nur junge (4—5 Monate alte) Meer- 
schweinchen und Kaninchen benutzt. Das zu verimpfende Lupusknötchen sei noch 
frisch, noch in der Entwickelung begriffen, nicht behandelt, wenn möglich nicht 
oiceriert. Es mufs grois sein, etwa halbbohnengrofjB, und mufs tief ezstirpiert sein. 
Verfasser verwendet hauptsächlich zwei Impfmethoden, und zwar die Impfung in 
die vordere Augenkammer bei dem Kaninchen mittelst der Operation wie bei Iridektomie, 
uid zweitens die intraperitoneale Impfung bei dem Meerschweinchen. Letztere Methode 
bat Verfiisser in vorteilhafter Weise folgendei*mafsen modifiziert : er öffnet die Bauch- 
hohle mit einem ^/t cm grofsen Schnitt, zieht mit der Pincette ein 1 — 2 cm grofses 
Stack des Peritoneums heraus, macht mit einer Sonde eine Tasche in dem subkutanen 
Giewebe eines der Wundränder, schiebt in die Tiefe der Tasche den Lupusknoten 
hinein, so dafs er sich ca. 1 cm von dem Wundrand befindet, schliefst die Muskel- 
ö&ang durch zwei oder drei Nähte, fixiert das herausgesogene Stück Peritoneum 
durch Nähte an den Knoten, das Ganze wiederum an die Bauohhaut und schliefst 
endlich die Hautwunde. Diese heilt sehr schnell. Es entwickelt sich die lokale 
l^herkulose im Verlaufe von sechs Wochen bis drei Monaten, je nach dem Gehalt 



140 

des Impfmaterials an Bacillen. Stirbt das Impftier nicht im Verlaufe dieser Zeit, lo 
mufs es getötet werden, da sonst die Tuberkelknoten des Meerschweinebens fibro« 
entarten. An die erste Impfung schliefst Verfasser gewöhnlich Serienimpfnngen nadi 
der Methode von Hifpolytb Martin an, und zwar in der Weise, dafs er tou dem 
tuberkulös gewordenen Auge des Kaninchens oder von den tubericolös gewordenen 
Organen des Meerschweinchens Material in die Bauchhöhle eines Meerschweincheoi 
bringt ; von letzterem , nachdem es tuberkulös geworden, in ein zweites n. s. w. 
Gewöhnlich bleibt Verfasser bei der vierten Impfung stehen. Die Tiere werden um 
so schneller tuberkulös, je mehr man sich yon der ersten Impfung entfernt, trotidai 
dauert die Tuberkulisation bei den Tieren der zweiten Serie 2 — 3 Monate, bei den- 
jenigen der dritten Serie zwei Monate und den der vierten Serie noch immer ae^ 
Wochen; es ist eben der Bacillengehalt der durch Lupus tuberkulös gewordenen 
Eingeweide ein sehr geringer. Nur die beiden angeführten Organe (das Kaninclwn- 
äuge und die Peritonealhöhle des Meerschweinchens) eignen sich zur Verimpfdng dei 
Lupus, wiihrend die Subontis, welche sich sonst zur Gewinnung von Badllen sii 
tuberkulösen Geweben vorzüglich eignet, für den Lupus untauglich ist Selbst die 
tuberkulösen Organe von Meerschweinchen, welche durch intraperitoneale Impfin|f 
mit Lupus infiziert sind, sind nicht im stände, bei der Überimpfung in die Sabcntis 
von anderen Meerschweinchen Tuberkulose zu erzeugen. Es ergiebt sich ans alledem, 
dals zwischen Lupus und der gewöhnlichen Tuberkulose in experimenteller Hinsichi 
d. h. in Bezug auf die Virulenz, der bei beiden vorkommenden Tuberkelbacillen ein 
sehr wesentlicher Unterschied existiert, welcher jedoch nach der Meinung des Ver 
fassers nur quantitativer, nicht qualitativer Art ist. — Die Pathogenese dn 
Lupus, welche durch das Experiment noch nicht aufgeklärt werden kann, ist augen- 
blicklich nur durch klinische Beobachtungen zu verfolgen, welche Verfasser in ein- 
gehender Weise dazu benutzt. Während die Heredität und der hämatogene ürspnmf 
des Lupus noch nicht erwiesen sind, ist als feststehende Thatsache die Entstehung 
desselben durch direkte Übertragung und durch Weiterverbreitung des tnberkuloeeo 
Virus von tiefer gelegenen tuberkulösen Herden aus zu betrachten. Bei dem enten 
Entstehungsmodus entwickelt sich zumeist der Lupus sderosus papillomatosus (Tnber- 
culosis cutis verrucosa), während bei dem zweiten Modus meistens das typische Lapu- 
knötchen zur Entwickelung gelangt. Trotzdem finden sich letzere auch bei direkter, 
äufserer Übertragung, besonders im Gesicht, und ist die papillomatöse Form auch bei 
dem zweiten Entstehungsmodus beobachtet worden. Die direkte Übertragung tnber 
kulöser Produkte kann von dem tuberkulösen Träger des Lupus selbst herrühren oder, 
was am häufigsten ist, von anderen Tuberkulösen oder von tuberkulösen Tieren; die 
näheren Umstände bei der Überimpfung entgehen einem allerdings in den meieteii 
Fällen, aber trotzdem mehren sich von Jahr zu Jahr genaue diesbezügliche Beob- 
achtungen. Entsteht der Lupus von tieferen tuberkulösen Herden aus, so sind » 
tuberkulöse Lymphdrüsen oder (Pommes sorophuleuses oder tuberkulöse Knocken- und 
Geleukaffektionen oder endlich auch einmal tuberkulöse Eingeweide, von welchen sni 
das Virus in die Haut gelangt. — Im Kapitel „Therapie" interessiert uns die vom 
Verfasser nicht allein in der Hospitalspraxis, sondern auch in der Poliklinik und der 
Privatpraxis angewandte „gemischte'' Behandlungsmethode des Lupus, bei welcher er 
die mechanische mit der medikamentösen regelmäÜBig verbindet Er rühmt ihr hanpt- 
sächlich die Schnelligkeit des Erfolges nach. In möglichst schnell aufeinanderfolgenden 
Sitzungen wird das lupöse Gewebe mit dem scharfen Löffel entfernt und darauf die 
Beste durch verschiedene Gaustica zerstört: Quecksilbeijodid, Milchsäure, Gfalonink, 
Pyrogallol in Form von Salben oder Lösungen. Dabei wird die Granulationsbüdong 
in bekannter Weise überwacht und für lupöse Granulationen der Argentum nitriemB' 



141 

Stift verwendet. Zwischendurch bei jedem Verbandwechsel Beinigung der Wunde 
nit Sublimat and Bestreuen mit Jodoform. Zur Verbesserung der Narbe folgen 
Bg-PflasterMund Skarifikationen. Für die in der Narbe auftretenden Recidive wird 
der Galvano- oder Thermokauter in Verwendung gezogen. 

X. Fhüippson- Hamburg, 



Die MikTOorgaliiamen der Mundhöhle, von Dr. med. et. phil. W. D. Miller. 
(Kit 134 Abbildungen im Texte und 18 Photogrammen. Zweite umgearbeitete und 
itark erweiterte Auflage. Leipzig, Georg Thieme. 1892.) Unter diesem Titel liegt 
«BS ein Werk vor, dessen erste Auflage im Jahre 1889 erschien. Die Thatsaohe, dafs 
neh innerhalb vier Jahren eine zweite Auflage dieses Buches notwendig machte, spricht 
fSr den wissenschaftlichen Wert der darin enthaltenen Forschungen. Der auf dem 
Gebiete der bakteriologischen Forschung rühmlichst bekannte Verfasser hat durch 
du Erscheinen seiner Untersuchungen geradezu eine Lücke in der Litteratur aus- 
gefoUt und vielfach Anregung zu den innerhalb der letzten vier Jahre erschienenen 
Pablikationen auf diesem Gebiete gegeben. - 

In systematischer Zusammenstellung des vorhandenen Materials behandelt Ver- 
ÜMer in den elf Kapiteln seines Buches folgende Gegenstände : 

1. Kurzer Umrifs der Morphologie und Biologie der Bakterien; 

2. die im Munde vorhandenen Nährstoffe für Bakterien; 

3. die Entwickelung der Lehre von den Mikroorganismen der Mundhohle; 

4. die Mundbakterien als Gärungserreger; 

5. Wirkung der Gärungsprodukte auf verschiedene Gebiete der Mundhöhle; 

6. eigene Untersuchung über die Caries der Zähne; 

7. Ursache der Zahncaries; 

8. Asepsis und Antisepsis in der Zahnheilkunde; 

9. die Mundhöhle als Träger von toxisch wirkenden Stoffen und von parasitären 
Krankheitserregern ; 

10. Eingangspforten der pathogenen Mundbakterien; 

11. eigene anschliefsende Bemerkungen über die Sprofs-, Schimmel- und 
Schleimpilze. 

Gegenüber der ersten Auflage haben namentlich die Kapitel 8 und 10 bedeutende 
. Erweiterung erfahren. Die beigegebenen Photogramme sind bis auf Figg. 9, lö und 14 
scharf und übersichtlich. 

Trotz der vorzüglichen Ausstattung und starken Erweiterung des Werkes hat der 
Terleger desselben gegenüber der ersten Auflage einen ermäfsigten Preis eintreten 
lusen, um es möglichst weiten Kreisen zugänglich zu machen. 

The Beady-Beferenee Handbook of Diseases of the Skln, von G. T. Jackson. 
(Philadelphia, Lea Brothers & Co. 1892. 553 S.}. Die Schwierigkeiten, welche 
och einer systematischen Einteilung der Hautkrankheiten entgegenstellen, hat Ver- 
&ner hier vermieden, indem er ohne jede Klassifizierung seinen Stoff in alphabetischer 
Beihenfolge vorführt. Dieser Plan hat unleugbar manche Vorzüge, daneben aber auch 
nsnche Nachteile. Um mit den ersteren zu beginnen, so mufs man entschieden zu- 
geben, dafs für den Studenten, sowie auch für den Arzt, dem etwa bei der Lektüre 
an unbekannter Name oder Ausdruck begegnet, die Orientierung eine ungemein 
niche und leichte ist. Dabei enthält das Bach eine reiche Fülle von Synonyma, 
nicht nur in englischer, sondern auch in anderen Sprachen, namentlich deutsch und 
französisch, wie man sie sonst kaum irgendwo findet. Die beigegebenen Abbildungen 
nnd teils Originale, teiU alte Freunde nach den besten Autoren. Die einzelnen Ab- 

Monatshefte XVI. H 



142 

bandlnngen sind zwar kur2, enthalten aber eine zur Orientierung hinreichende Du** 
legnng der Hauptmomente einer jeden Affektion, da Verfasser sich bemüht hat. Mir 
feststehende Thatsaohen mitzuteilen, und jede Kontroverse sorgfältig vermieden hit 
Ätiologie ist knapp bebandelt, dagegen ist besonderes Gewicht auf Diagnose mA 
Therapie gelegt Letztere Rubrik enthält auch die neuesten Präparate des letzten 
Jahres. Somit wäre das Buch durchaus brauchbar und empfehlenswert. Der Haopi- 
Vorwurf, den man dagegen erheben kann, ist der, dafs die Lektüre desselben ungemein 
ermüdend wirkt, ähnlich wie ein Konversationslexikon. Auf wenigen Seiten werden 
z. B. besprochen: Röteln, Sarkom, Scabies, Scarlatina, Sclerema Neonatormn, 
Skleroderm, Skrophuloderm u. s, w. Aus so disjectis membris poetae sich ohne die 
sorgende Nachhülfe des Lehrers eine Idee der Gesamtdermatologie zu bilden, doHte 
selbst dem eifrigsten Schüler nicht gelingen; und wir möchten den Ausspruch des 
Verfassers, dafs der Studierende sein Gehirn mit der Klassifizierung der Dermatosen 
nicht zu beschweren braucht, nicht ohne weiteres unterschreiben. Wir glauben auch 
nicht, dafs dieses Buch die vorhandenen Textbücher als überflüssig beseitigen wird, 
dagegen wird es bestimmt infolge seiner aufserordentlichen Reichhaltigkeit, seiner 
klaren Darlegung und leichten Übersicht eine weite Verbreitung finden, namenÜidi, 
da es in vielen Fallen kurz und bündig Auskunft giebt, wo andere Werke versagen. 

PhiUppi- Nieheim, 



ÜtttteiluKgeit aus )er £ttteratur. 

Allgemeine Pathologie und Therapie. 

Beiträge zur Streptokokkenfrage, von Dr. von Lingelshbim. {Zeitschr. f, Hy- 
giene und Infektionskrankheiten 1892, Heft 3.) Mit Material, das Verfasser Patientei 
mit Angina, puerperaler Sepsis etc. entnommen hat, stellt er verschiedene Unter- 
suchungen über die Streptokokken an, die hier kurz wiedergegeben seien: Einen 
passenden Nährboden für dieselben stellte er her durch stärkere Alkalisierung der 
Bouillon ; dieses ist schwierig wegen der dabei eintretenden Trübung derselben. Diesem 
Übelstand konnte Verfasser abhelfen durch Erhöhung des Peptongehalts ; natürlich bsi 
diese wie die Alkalisierung gewisse Grenzen. Am günstigsten war eine Nährbooilloo, 
die auf 1 Ltr. Fleischwasser 5,0 Kochsalz, 15,0—20,0 Pepton, 20,0 Traubenzucker enthielt, 
und deren Alkalescenz zwischen 15 und 20 com Normallauge betrug. Auf diesem 
Boden gedeihen zahlreiche andere Bakterien und besonders die Staphylokokken nur 
schlecht. Eonstante Unterschiede zwischen den Streptokokken verschiedener Herkonft 
liefsen sich in Bezug auf die Wachstumsverhältnisse weder kulturell noch mikro- 
skopisch feststellen. Für die verschiedenen Krankheitsbilder ist der Grad 
der Virulenz, die allgemeine und lokale Disposition mafsgebend. Ver 
suche an Kaninchen beweisen es. So läfst sich bei diesen auch 
durch Streptokokken, die nicht von Erysipel stammten, bei oberfläch» 
lieber Impfung bei starker Virulenz am Ohr Erysipel erzeugen; diese« 
gelingt auch bei geringer Viru lenz, wenn man vorher Kreislaufstörungen 
etwa durch Umlegung eines Heftpflasterstreifens an dem Ohre herfor« 
ruft. — Als Unterscheidungsmerkmal der Streptokokken will Verfasser den QrU 
ihrer Virulenz gelten lassen, und er selbst trennt drei Grade von Virulenz, je nach 
der Wirkung der subkutan applizierten Bouillonkulturen auf weifse Mause. 

Jessner-Köniffsberff i, Pr, 



143 

Henschliclie LsFinplie, von Dr. Makoant. {Buüet, gin. de therap. 1891, No. 18. 
Wien. Min. Wochensckr^ 1892, No. 32; MenBcbliche Lympho ist aus einer Vesicator- 
bisse g;enommene Flüssigkeii, die vor dem Gebrauch mehrmals unter 70^ sterilioi^, 
in einem hermetisch yerschlossenen, dunklen Flaschchen aufbewahrt und eventuell/ 
om Gerinnung zu verhüten, mit konzentrierter Kochsalzlösung gemengt wird. Sie soll 
eabkntan appliziert, bei chronischen örtlichen Erkrankungen überraschende Erfolge 
geben. Ein lange vergeblich behandeltes Fufsgeschwür, ein Geschwür an dem 
Amputationsstumpfe eines Diabetikers, eine enorm geschwollene Drüse, 
eine beginnende Lungentuberkulose sollen durch diese Lymphe schnell geheilt 
sein. — (Man soll zwar heutzutage über die Bedeutung der Blutflüssigkeit niemals, 
den Kopf schütteln, aber ein Fragezeichen wird bei diesen Erfolgen wohl nicht un- 
aagebracht sein.) Jessner- Königsberg i, Pr. 

Ein Vorschlag zur Gesundlieitspflege der Soldaten, von Dr. A. Helleb. 
[Itttemat klin. Bundschau 1892, No. 39.) Verfasser schlägt in sehr rationeller Weise 
vor: erstens regelmafsige Besichtigung von Füfsen, Händen, Hals (Furunkel!), Ohren 
vorzunehmen, um etwaige krankhafte Veränderungen zeitig zu erkennen ; zweitens die. 
Soldaten mit Seife und Handtuch auszurüsten, damit sie den Gesetzen der Eeinlicbkeit 
genügen können. Jessner- Königsberg i. Pr. 

Über das Blntsernm prädisponierter Tiere, von Roger. (Societe de Biologie 
:u Paris. 30. Juli 1892. Allg. med. CentraUtg. 1892, No. 72.) Verfasser prüfte den 
EinfluÜB des Blutserums von den für die Streptokokkeninfektion prädisponierten Tieren 
auf die Virulenz der Streptokoken, um zu sehen, ob analog der Vernichtung der 
Virulenz durch das Blutserum immunisierter Tiere hier der umgekehrte Fall eintritt^ 
In der Tbat steigerte das Blutserum prädisponierter Tiere die Virulenz sehr erheb- 
lich, ohne nennenswerte Wachstumsunterschiede zu bewirken. 

Jessnei'Königsberg i. Pr. 

Die Fortschritte in der Dermatologie, Revue von Georg Arnhetm. (Der 
ärzU. Praktiker, 1892, No. 29.) Verfasser giebt eine hübsche Übersicht über die neueren 
Arbeiten auf dem Gebiete der Dermatologie mit relativ ausführlicher Wiedergabe der 
theoretischen Arbeiten. Eine eingehendere Berücksichtigung der praktischen Fragen 
hatte vielleicht dem Zwecke des Blattes mehr entsprochen. Jessner- Königsberg i. Pr. 

Die vermeintlichen Schlnmmerzellen und ihre Beziehungen zu den Eiter- 
köiperchen, cellularpathologische Bemerkungen von C. Weigert. (Deutsch, med. 
Wochenschrift, 1892, No. 29—31.) Die GRAWiTZsche Theorie von der Bedeutung der 
Intercellularsubstanz für die Entzündung, der Bildung von Zellen aus derselben hat 
einen wahren Sturm in der Litteratur erregt. Zuerst kamen die Schüler Strickers 
und wiesen mit Erfolg nach, dafs Stricker dasselbe schon früher gelehrt und 
beschrieben, nur dafs er die Intercellularsubstanz als „lebende Materie" bezeichnet, 
die sich zu Zellen zurückverwandeln könne, während G. sie als „Schlummerzellen'' 
bezeichnet, ohne aber die Zellnatur derselben nachgewiesen, Kerne und Protoplasma 
gesehen zu haben. Durch die Wahl dieses Ausdrucks hat G. aber seine Theorie im 
Einklang zu erhalten gesucht mit der Oellularpathologie seines grofsen Lehrers ; dieses 
^cellularpathologische Mäntelchen" der GKAWiTzschen Theorie zu nehmen, ist vor- 
nehmlich der Zweck der mit rücksichtsloser Schärfe geschriebenen geistreichen und 
logischen Ausführungen von Weigert. Es ist hier nicht der Raum, um genauer 
diesen zu folgen, aber jedem, der in dieser wichtigen Frage klar sehen will, sei die 
Lektüre derselben angelegentlichst empfohlen. Jessner- Königsberg i. Pr. 

11* 



144 

Zur Frage der Herkunft der Eiterkörperchen, Antwort auf einige Bemer- 
kungen des Herrn P. QS.AWITZ, von F. Mabghand. (Deutsch, med. Woch., 1892, 
No.. S4.) Eine der vielen Erwiderungen, die Grawitz durch seine SchlammenEellen heranf- 
l^eBcbworen hat! Die Yorwürfe, die G. einer Arbeit von Babdenhbüeb „über dk 
histologischen Vorgänge bei durch Terpentin hervorgerufenen Entzündungen im 
ünterhautzellgewebe"' macht, werden von M. widerlegt und gleichzeitig för die 
Bedeutung der Wanderzellen gegenüber den unsichtbaren Schlammerzellen eine Lante 
eingelegt. Jessner- Königsberg t. Pr. 

XJntersuchungsergebnisse betreffend den Streptococcus longus, von Stabsarzt 
Dr. Behring. {CentraJbl. f. Bakteriol. u. Farasitenk., 1892, No. 6.) Bei der Unter- 
suchung darüber, ob die verschiedenen Gruppen des vom Verfasser, von Sikoblsteik, 
Knobr u. a. beschriebenen Streptococcus longus nur Spielarten derselben Art von 
Streptokokken sind, oder ob diesen Gruppen konstante, spezifische Differenzen zu- 
kommen, kamen B. und Enorr zu folgendem interessanten Ergebnisse: Ein Tier, 
^welches gegen denjenigen Streptococcus immun geworden ist, der 
ür dasselbe am meisten virulent ist, ist auch immun gegen alle 
anderen Arten Streptokokken. Von der Immunisierung der Pferde gegen den 
Streptococcus der Pferdepneumonie verspricht sich der Verfasser ein Heilserum gegen 
diejenigen Krankheiten zu gewinnen, die beim Menschen durch Streptokokken erzeofft 
werden. Möge es ihm gelingen ! Jessner- Königsberg i. Pr. 

Über das bakterielle VerÜalten des Thiophendijodid, von Eduard Sfieolkr. 
(CentraXbl. f. Bakteriol. u. Parasitenk., 1892, No. 6.) Auf Grund einer gröfseren Versucht- 
reihe kommt der Verfasser zu dem Schlüsse, dafs dem Thiophendijodid entwickelangs- 
hemmende Eigenschaften zukommen, die besonders bei den T^phusbacillen, Milzbrand- 
bacillen, den Gholeravibrionen, dem Streptococcus pyogenes, weniger beim St^phylo- 
coccus aureus, am wenigsten beim Micrococcus prodigiosus zur Geltung kommen. 
Da Schimmelpilzansiedelungen die Kulturen nicht störten, ist vielleicht auch das 
Thiophendijodid den Hyphomyceten nicht zuträglich. Auf Wunden ist die anti- 
bakterielle Wirkung gröfser, ähnlich wie beim Jodoform, mit dem das Thiophen- 
dijodid auch die Abspaltung von Jod im Organismus gemeinsam habe, wenn aacb 
dieselbe nur langsam und im geringen Mafse erfolgt. Den schwachen, angenehm 
aromatischen Geruch hat das Thiophendijodid vor dem Jodoform voraus. 

Jessner- König f^>erg i, Pr. 

Die antibakterielle Wirkung der Alezine, von E. H. Hankin. (Bril med.- 
Jou/m. Oct. 1. 1892.) Der von Büchner nachgewiesene, bakterientötende Einflols 
des normalen Blutserums ist von H. durch frühere Experimente auf das Vorhandensein 
gewisser Proteide, der Alexine, zurückgeführt worden. Von der Beobachtung ans 
gehend, dafs Tiere, welche durch Blitzschlag getötet wurden, auffallig rasch der Ver- 
wesung anheimfallen, versuchte er nun zu erforschen, ob das Durchleiten elektrischer 
IFunken durch seröse Flüssigkeiten denselben die Fähigkeit der Keimvemichtnng 
benimmt. Es wurde ein alkoholischer Auszug von frischen Milzen von Hunden und 
Kaninchen angefertigt, filtriert, der Bückstand mit Natriumsulfat ausgezogen, alkali* 
siert, filtriert, mit NaCl versetzt und nach längerem Stehen und weiteren Manipala- 
tionen in zwei gleiche Teile geteilt. Durch den einen Teil liefs H. einige starke 
Funken einer Influenzmaschine hindurchschlagen. Es fand sich nach Impfung mit 
Anthraxbazillen, dafs die mit Elektrizität behandelte Lösung vollständig ihre keim- 
tötenden Eigenschaften verloren hatte. Die Platten waren nach einer Stunde dicht 
mit Kolonien besetzt, während auf der nicht elektrisierten Lösung die eingeimpften 
Bazillen im Laufe dieser Zeit fast alle vernichtet waren. Die ausfuhrlich mitgeteilten, 



146 

zahlreichen und mannigfachen Experimente lassen keinen Zweifel an der Richtigkeit 
dieser Beobachtungen zu, und es ist der Schlufs gerechtfertigt, dafs im Blutserum 
Bestandteile (Alexine) vorhanden sind, welche die Fähigkeit besitzen, Bakterien 
(wenigstens Bacillus anthracis) zum Absterben zu bringen, und welche ihrerseits durch 
den elektrischen Funken zerstört werden. PhilippuNieheim, 

Die Verwendnng des Safts der Brennessel gegen Blntungen nnd Hant- 
kzankheiten,' von Dubar. (Joum, d. mal. cut. et syph, 1892. S. 383.) D. hat bei 
Blathosten, bei Nasen- und Darmblutungen, bei Metrorrhagien den Saft der Brennesse), 
alle Stunden einen ETslöflel voll, erfolgreich angewandt. Auch einzelne Haut- 
krankheiten, wie Herpes, £kzem, Akne, Sommersprossen, werden nach Bouohardat 
günstig von dem Mittel beeinflufiit. Türkheim-Hamburg. 

Der Harnstoff des Blntes bei Hantkrankheiten, von Butte. (Referiert aus 
BuU. de Ja Pöliclinique de Paris, Januar 1892, in Joum. d. mal. cut. et syph. 1892. 
S. 377 ) Nachdem Qüinquaüd der Nachweis gelungen war, dafs beim Hunde der 
Harnstoff im Blut während der Hautentzündungen vermehrt sei, hat Butte solches nun 
auch fär den Menschen nachgewiesen. Er fand bei verschiedenen Hautkrankheiten 
bis zu 0.133 7o Harnstoff im Blut (gegen 0.016—0.02 Vo im Normalen). Ist dieser ver- 
mehrte Harnstoff die Ursache oder die Folge der Hauterkrankung? B. läfst beide 
Möglichkeiten zu und erwartet von weitern Untersuchungen und Beobachtungen eine 
Lösung dieser Frage. Türkheim-Hamburg. 

Über Salophen nnd dessen therapeutische Verwendnng, von Joseph 
Fröhlich. {Wien, med. Woch., 1892, 25—28.) Salophen ist eine neue, dem Salol 
ähnliche Verbindung von Salicylsäure mit Phenol; chemisch führt es den zierlichen 
Namen: Salicylsäureacetylparamidophenoläther, oder kürzer Acetylparamidsalol ; seine 
Formel ist: 

C.H.<g?oC.H.N<HoCH.- 

Es enthält 50,9 7o Salicylsäure, stellt kleine krystallinische Blättchen dar, ist geruoh- 
Qnd geschmacklos, in kaltem Wasser gar nicht, in heifsem etwas löslich, dagegen 
leicht löslich in Äther und Alkohol. Nachdem Siebel die sehr geringe Giftigkeit 
nachgewiesen, Güttmann gute Erfolge von der Anwendung des Salophen berichtet, 
unterzog der Verfasser dasselbe einer Prüfung, die zu folgenden Ergebnissen führte: 
Bei akutem Gelenkrheumatismus wirkt Salophen in Dosen von 4,0-^6,0 täglich 
gnt, Fieber, Schmerz und Schwellung schwinden schnell; Recidive und Endocarditis 
Terhindert es nicht. Bei chronischem Gelenkrheumatismus ist das Resultat weniger 
günstig. — Als Antifebrile liefs das Salophen vollkommen im Stich, als Antisepticum 
nnd Desinficiens versuchte es Verfasser an nur wenigen^ uumafsgeblichen Fällen. — 
Vom Hagen wird es stets anstandslos vertragen, unangenehme Nebenwirkungen will 
Verfasser nicht beobachtet haben, giebt aber selbst an, dafs einmal lästige Schweifse, 
einmal Eingenommensein des Kopfes, Schwindel und Ohrensausen, wenn auch schnell 
Toräbergehend, wahrgenommen habe. Jessner- Königsberg •*. Pr. 

Alnmnol, ein nenes Adstringo-Antisepticnm, von R. Heikz und A. Liebreoht. 
{Berl klm. Wochenachr, No. 46.) Das Alumnol ist eine Verbindung des Aluminiums 
mit Naphtolsulfosäuren und enthält 50% Aluminium und 15% Schwefel; es ist ein 
feines, weiüses, »nicht hygroskopisches Pulver, das schon in kaltem Wasser und 
Glycerin leicht löslich ist. In Äther unlöslich. Es besitzt reduzierende Eigenschaften 
•and dringt leicht in die Tiefe der Gewebe ein. Die antiseptische Wirkung wurde 



146 

an Bakterien kulturen festgestellt. Es soll nun bei Hautkrankheiten sowohl gegen 
.frische Entsündungen, als auch — wegen seiner Tiefenwirkung — bei chroniidien 
Enisündungen, Infiltrationen der Haut etc. günstig wirken. Für den Dermatologen 
ist es besonders wertvoll, dafs das Alumnol sich in die verschiedensten, sehr haad- 
liehen Arzneiformen bringen läfst. Besonders bewährte sich AlumnolpflastermuU und 
Alumnolfirnifs. Der letztere, auf die kranke Fläche gestrichen, trocknet in kürzester 
Zeit ein und bildet so den einfachsten und für Arzt wie Patienten angenehmsten 
Schutzverband. Für chronisch infiltrierte, entzündliche Zustände sind hohe Kon- 
zentrationen (10, 20 — 60%) zu wählen. Nach Choxzen ist das Alumnol ein geradezs 
spezifisch wirkendes Mittel bei Gonorrhoe der Männer; derselbe liefs 3 — 4 mal t&glich 
6 com 1 — 2% wässeriger AlumnoUösung in die Harnröhre injicieren. Nach 3 — 6 Tagen 
waren die Gonokokken dauernd verschwunden. Nach deren Verschwinden hat man, 
um Beizung der Schleimhaut zu vermeiden, die Injektionen auf nur eine täglich 
herabzusetzen, bezw. die Einspritznngsflüssigkeit zu verdünnen. Die Wirkung war 
eine so sichere, dafs, wenn der Erfolg ausblieb und die Gonokokkenhaufen nicbt 
schwanden, jedesmal Periurethritis, .paraurethrale Gänge etc. nachgewiesen wurden. 

L, Hoffmann- JBerUn. 
Über den Gebrauch des Schwefels bei Hautkrankheiten, von Dr. Zadgcl 
(Le BuüeUn medkal 1891. No. 100. Deutsch. Medizin, Ztg. 1892. No. 71.) 
Bei Akne und Eczema seborrhoicnm: 

Lact, sulfur. 2,5 

üng. Zinc. benzoati oder 

VaseUn. flav. 30,0. 

Gegen Seborrhoea furforacea: 

Lact. sulfuT. 2,0 

Ol. amygd. dulc. 
Glycerin. a 90 

DS. Vor dem Gebrauch umzuschüttein. 
Gegen Hyperidrosis : 



Lact. stUfur. 2,0 oder 


Lact, sulfur. 


8,0 


Pulv. Ärrow-root 16,0 


Atih. sulfwr. 




Acid. salicyl. $ 0,5 


Alcohol rect. 


iü 60,0 


Bei Acne rosacea: 






Lact, sulfuris 






Alcölwl camphorat. 






Glycerin. 






Aq. rosac. 


a 10.0. 





DS. Vor dem Gebrauch umzuschüttela. — Abends Gesiebt 
und Nase befeuchten. Jesmer- Königsberg i. Pr. 

Angioneurosen. 

Ein Fall von Magengeschwür und Purpura haemorrhagiea, von Dr. M. 

HoLLBvoBT. (Archivea midieales Beiges 1892, 3.) Bei einem 18jährigen Soldaten be- 
standen nach dem Essen zunehmende Gastralgien, Schmerzhaftigkeit des Epigastrium 
auf Druck, Erbrechen. Blutbrechen, blutige Stühle und Nierenblutungen kamen mehr 
auf Rechnung der Purpura haemorrhagica, Auf der Haut Ecchymosen und Ecchymome, 
besonders an den Unterschenkeln. Bei Auftreten der Hautblutungen Besserung der 
Magen-, Darm- und Nierenblutungen. Heilung nach 5 Monaten. (Die Existenz d» 
Magengeschwüres ist nicht erwiesen; Schmerzen, Erbrechen und ähnliches können aucb 
ohne Geschwür bei Dyspepsie und Blutungen infolge von Purpura vorkommen; 



147 

S^merzhaftigkeit auf Druck im Epigastrium beweist uicbts; da« VorkaudenBein eines 
iweifelloBeik Tumors am Magen wird nicht angegeben. Deshalb kann man hiuter 
idss Magengeschwür ein Fragezeichen setzen. D. £ef.) 

Jessißer- Königsberg i. JFV. 

Über Brytbromelalgley von Prof. Dr. Gerhardt. {Deutsche med. Wochensehr. 
No. 39. 1892.) Die 44 jährige Patientin, deren Eltern an Lungentuberkulose gestorben sein 
soIleD) und welche seit 10 Jahren an Schwindel, an Migräne und Flimmern vor den 
Aogen litt, bekam plötzlich am 21. März in der Nacht so heftige Schmerzen in den 
Fingern und Zehen, dafs sie nicht allein davon geweckt, sondern sogar ohnmächtig 
daraber wurde. Es trat auch Erbrechen und Kopfschmerz ein. Die Hände sind rot 
gesehwoUen, sie schwitzen leicht; ebenso ist die Patientin am Kopf zu Schweifsen 
geneigt Sie zeigt an beiden Händen und beiden Füfsen eine auffallende Röte und 
malsige Verdickung der End- und Mittelphalangen. Die Teile fühlen sich heifs an 
und sind öfters mit Sehweifstropfen bedeckt und zeigen zeitweise ein sehr gespanntes 
glänzendes Aussehen. Man sah einzelne erweiterte Venen. Das Nagelbett erschien 
gelbrot. An diesen geschwollenen Teilen war eine entschiedene Steigerung der 
Scbmerzempfindlichkeit vorhanden. Sie hält zumeist die Finger in halber Beuge- 
steUang, indem jede Bewegung schmerzhaft ist. Die Tastempfindung ist im grofsen 
ganzen erhalten. Die Haut der Oberarme ist schlaff und zeigt mäfsige Abschuppung- 
In der Knöchelgegend etwas Odem. Die Zähne schlecht, foetor ex ore, kloine Ero. 
donen am Zahnfleisch. Urin enthält Spuren von Albumen und wenige Hyalincylinder 
neben Plattenepithelien. Innere Organe intakt. Die Ätiologie der Erythromelalgie 
floU in Kälteeinwirkung (wie bei Matrosen etc.) auf die Oliedmafsen beruhen, ferner 
werden stärkere Anstrengungen der Gliedmafsen, vorausgegangene Schwäcbezustände, 
Nervosismus und Syphilis als Ursachen angegeben. Die Krankheit kommt in der 
Hehrzahl bei Männern zwischen dem 28. — 40. Lebensjahre vor. Therapeutisch haben 
Jodkalium, Arsen, Galvanisation der Wirbelsäule und galvanische Bäder keinen Erfolg 
gehabt Die Schmerzbafbigkeit liefs bei wiederholter Anwendung von Antipyrin 
etwas nach. L. Hoffmann-Berlin, 

Über Erythromelalgie, von Prof. Sknatob; 1 Fall Ton Erythromelalgie, von 
Prof. Bbbkhardt. {Berh klin. Wochenschr., No. 45.) In beiden veröfiFentlichten Fällen 
baadelt es sich in dem ersten um einen 44jährigen Mann, in dem zweiten um eine 
50jfilirige Frau, bei denen zuerst neuralgische Schmerzen an den Händen und Fü£aen 
auftraten, zu denen sich eine erythematöse Rötung und Anschwellung gesellte. 
Auf den geröteten Stellen zeigten sich im Verlauf der Aifektion rötliche Knötchen, 
Ton denen einzelne wieder verschwanden, um neuen an anderen Stellen Platz lu 
■achen. L. Hoffmann-BerUn, 

Oircomskriptes tranBitoriBcheg'Cangio-neurotiBches) ödem, von M. A. Stabr. 
(New • York Med. Joum, 17. Sept. 92), Nach einer kurzen Schilderung der be- 
kannten klinischen Erscheinungen berichtet Verfasser ziemlich eingehend über drei 
Ton ihm selbst beobachtete Fälle. Dieselben betrafen sämtlich Frauen im Alter von 
je 28, 37 und 54 Jahren. Der Einflufs der Kälte in der Erzeugung des Zustandet 
wir bei allen deutlich ausgesprochen, aber sonstige prädisponierende Momente waren 
unncher. Affiziert waren bei der ersten Patientin nur die rechte Hälfte des Gesichts, 
bei der dritten die Finger der linken Hand und bei der zweiten beliebige Körperteile, 
die gerade der Einwirkung der Kälte ausgesetzt werden. Die harte Schwellung, Ver* 
firbnng, Schmerzhaftigkeit, Funktionsstörung waren in charakteristischer Weise 
tttwickelt. Therapie erfolglos aufser bei No. 1, wo Massage günstig wirkte. 

Pkilippi- Nieheim. 



148 

Zwei Fälle von hämorrhagischer Urticaria von W. A. Wills. (The Lmeet, 
Juni 1890.) Bei zwei Patienten, von denen der eine nach aoht Wochen geheilt wurde, 
der andere nach drei Wochen starb, trat an den Extremitäten, dem Rumpfe, in 
Gesicht ein -wie Urticaria aussehendes Exanthem auf; jedoch stellten sich in den 
einzelnen Quaddeln kleine Blutungen eiu. Die Quaddeln erschienen stets schubweiie 
unter Temperaturerhöhung. Blutungen aus dem Zahnfleisch, den Lungen subperioital 
folgten. Die Sektion des Patienten ergab auch Blutungen in der Herzmusknlator and 
der Mitralklappe, sowie frische Wucherungen rings um die Mitralis und dieTricuspi- 
dalis. — Starke Anschwellungen der Oelenke begleiteten das Krunkheitsbild. — 
Verfasser hält das Leiden für eine Infektionskrankheit und wirft die Frage auf, ob si 
nicht denkbar ist, dafs die Typhusbacillen, die gleichzeitig bei dem Bmder des einen 
Patienten einen Typhus auslösten, sich bei diesem selbst als Urticaria haemorrhsgict 
äufsern könnten. Jessner-Königsberg i. iV. 

Hämophilie, von J. L. Watkins. (Neto York- med. Joum. Aug. 13. 1892.) En 
Gljähriger, kräftiger Herr, der mit Ausnahme eines im zwölften Lebensjahre darch- 
gemachten Bheumatismus stets gesund gewesen war, fing in seinem neunundvierzigsten 
Jahre an, Symptome der Hämophilie in Gestalt von andauernder und intensiver 
Epistaxis darzubieten. Mit gewissen Intermissionen hielt das Bluten bis zur Ein- 
leitung einer besonderen, vum Verfasser angegebenen Behandlungsweise im Jahft 
1890 an. Auf Grund von sorgfältigen Blutuntersuchuhgen ist Verfasser zu dem 
Resultate gekommen, dafs das Wesen der Hämophilie in einer verminderten Gerinnbar 
keit des Blutes infolge einer Verminderung der darin enthaltenen Kelksalze bestellt 
Dementsprechend verordnete er das Trinken von Aqua caicis, sowie die Darreicbiing 
von Ealksalzen nebst einer tonisierenden Behandlung mit Eisen, Strychnin und Phosphor 
säure, Die Blutung, welche während der letzten acht Monate mit gröfster Kegelmarsij^ 
keit jeden Morgen eintrat, war im Laufe einer Woche vollständig beseitigt. Die 
weiteren Einzelheiten dieser interessanten Abhandlung, namentlich die Bemerkungen 
über den Chemismus des Blutes übersteigen den Rahmen eines Referates. 

Fhüippi- Nieheim, 

Porpnra haemoxThagica, von 6. K. Rachford. {Med, News, Okt. 15. 1892.) 
Bericht über zwei Fälle : I. Ein neunjähriges Kind, Idiot, zeigte sich eines Moi^ns nicht 
ganz wohl ; bei der Untersuchung fanden sich in ziemlicher Anzahl grofse, dunkelblaue, 
hämorrhagische Flecke auf dem Abdomen; Tod nach 24 Stunden. Aus den Schleim- 
häuten hatte keine Blutung stattgefunden. Ee herrschte zu dieser Zeit in der Familie 
Diphtherie, doch war hiervon bei diesem Falle nichts zu konstatieren. II. Bei dem 
zweiten Falle, Knabe von sieben Jahren, war die Entwickelung der Purpuraflecke in der 
Haut kompliziert mit anhaltender Epistaxis von fast sechstägiger Dauer. Am Ende dieser 
Zeit fand sich der Hämoglobingehalt des Blutes auf V« des Normalen reduziert; die 
roten Blutkörperchen auf 1 800 000 pro ccm vermindert. Letztere vermehrten eich 
im Verlaufe der Heilung viel schneller als das Hämoglobin. Philippi-Nitheim, 

• Über eine Varietät Yon Angioneurose, welche Plaques eraengt, die duiek 
Alopecie, Ischämie, Anästhesie, Achromatose und Pigmentflecke chank- 
terisiert sind, von H. Hallopeau. [Franz. Ges. f, Derm, u, Syph. 4. April 1891. 
Jja Sem, med, No. 17. 1891.) Die Gharakteristica der Krankheit sind: Auftreten 
von symmetrisch gelegenen, verstreuten Plaques, in deren Gebiet das Pigment 
schwindet, Haare ausfallen, Sensibilität abnimmt, Nadelstiche nicht mehr bluten« 
Anfangs sind es nur atrophische Streifen, die später zu Plaques werden, welche eine 
stärker pigmentierte Zone umgiebt. Rückgang der Veränderungen sind möglich, so daJi 
Farbe etc. wieder normal werden. Auf dem Kopfe entstehen Bilder, wie bei Alopecia areats; 



149 

huriose oder mit einigen abgebrochenen Haaren oder neu aufspriefsenden pigmentloeen 
Hatren bedeckte Stellen, die aber nicht rund, sondern vieleckig sind, nicht elfenbeinartig 
ausehen, im Zustand von Ischämie und Anästhesie sich befinden. Die von Vikoknt 
and Vailulbd bei Alopecia areata gefundenen Parasiten findet man bei diesen FälleH 
nickt. Verfasser &fBt das Leiden als eine Angioneurose auf, als einen Krampf der 
Vaiomotoren. Beizung der Haut mit geeigneten Flüssigkeiten, elektrische Bäder 
biingen Besserung, so dafs die Plaques spurlos verschwinden. — (Kann der Krampf 
der Vasomotoren auch die Achromatose und den Haarausfall erklären? Der Beferent.) 

Jessner-Königsberg t. Fr. 

Elbie noch nicht beschriebene Abart von hereditärem ödem, von W. F. Milabt. 
[New York med. Joum. No. 6. 1892.) Bei einem 36 jährigen, grofs gewachsenen, ge- 
sunden Geistlichen konstatierte Verfasser bei Gelegenheit einer Untersuchung för 
Lebensversicherung ein deutlich ausgesprochenes Ödem beider Unterschenkel, das 
nach Angabe des Applikanten seit seiner Geburt bestanden hatte, sich mit dem 
Wachstum des übrigen Körpers proportional ausgebreitet, aber niemals irgend welche 
Beschwerden verursacht hatte. Die Haut an dieser Stelle leicht rosig angehaucht, mit 
mehreren erbsengrofsen, weifsen Flecken; deutliche, zehn Minuten wenigstens an- 
haltende Dellenbildung auf Druck. Die Familiengeschichte konnte durch sechs 
Generationen hindurch verfolgt werden. Unter 97 Mitgliedern dieses Stammbaumes 
zeigten (resp. zeigen noch) 22, also 23%, dieselbe Deformität. Bei allen bestand eine 
merkwürdige Übereinstimmung des pathologischen Befundes. Bemerkenswert ist die 
■^ groÜBe Beständigkeit des Zustandes. Heilung kam bei allen 23 mit einer einzigen Aus- 
nahme niemals vor ; letztere verhielt sich folgendermafden : Bei einem Vetter des 
Patienten schwoll bd Eintritt der Pubertät der eine Hoden so stark an, dals dessen 
Entfernung geboten erschien; gleichzeitig mit dieser Zunahme des Testikels ging der 
bia dahin verdickte Fafs zur Norm zurück. 

Von angioneurotischem Ödem unterscheidet sich die Afifektion: 1. daroh das 
mit zwei Ausnahmen stets kongenitale Eintreten; 2. die Lokalisation an den unteren 
Extremitäten; 3. das dauernde Vorhandensein des Odems; 4. das Fehlen von kour 
komitierenden Allgemeinstörungen. Die Diagnose mufs also vorläufig in suspenso bleiben. 

PJiilippi'Nieheim. 

Ein dnrch Arnikatinktur bedingtes artifizielles Erythem, von Dubois- 
HiTEiriTH. (La Pöliclinique, No. 15.) Bei einer 50jährigen Frau entstand zweimal 

' bei Anwendung von Amikaumschlägen wegen Verstauchungen ein intensives, bullös* 
erysipeUtöses Exanthem mit Ödem, Pusteln etc. Das eine Mal erforderte die Heilung 
volle sechs Wochen. Wahrscheinlich sind derartige Amikaerytheme häufiger, als man 
glaabt. Dafs wenigstens dieses Mittel an manchen Orten viel (und wohl zu viel) an- 

. gewandt wird, beweist der Umstand, dafs ein einziges Droguengeschäft in Boston 

' jährlich zwischen 2 und 3000 Pfund (!) dieser Blüten verkauft. Einige Anhalts* 
pankte, welche den Verdacht auf eine derartige Ätiologie rege machen können, sowie 

\ die Therapie werden auch besprochen. Phüippi-Nieheim. 

* 

I 

Bei Urticaria mit heftigem Jacken empfiehlt Quikqaud. 

Acid. boric. 30,0 

Hydrarg. chhrat, 5,0 

Aq, desL 180,0 
HDS. Ausserlich. 

Nach Dr. Stbbn dagegen soll Jodkalium ein gutes Heilmittel sein (5,0:200,0 
3 mal täglich ein Efslöffel). (Münch, med. Wochenschrift No. 40. 1891.) 



150 

Zur Kasuistik der Qangrän infolge Ton Eczema Intertrigo, tod Halpbrv 
(Aüg. Wim. Centr.'Ztg. 1892. No.3.) Bei einem 2V« jährigen Knaben, der seit Mheiter 
Kindheit an recidivierender Urticaria litt, bestanden an den sich berührenden Haut- 
flachen im Angalus peno-scrotalis zwei tiefe, steilrandige Substanz verloste, die mit einem 
diphtheritischen Belag bedeckt sind ; die Ingninaldräven waren geschwollen. Die Unter- 
scheidung von Ulcera moUia war schwierig. Die Behandlung bestand in Auflegen 
Yon in dünne Kalium causticum- Lösung getauchte Watte, die mit Salicylpflasterstreifen 
befestigt wurde ; Heilung in 14 Tagen. Jessner- Königsberg i, iV. 

Zur Kenntnis des Antipyrinexanthems, von Prof. Dr. Möller. {Therap. 
Monatshefte, No. 11). Verfasser bemerkte nach dem Gebrauch von 1,0 Antipyrin am 
nächsten Morgen eine Anschwellung der Fingergelenke, auf welchen sich, ebenso wie 
auf dem Handrücken ein Erythem entwickelt hat. Auch die Lippen, die Nasen- 
öffnung, der Gehörgang, die Conjunctiva waren gerötet und geschwollen, etwas 
schmerzhaft. Auch auf der Haut des Scrotums und auf der Glans penis entstanden 
scharf umschriebene Erytheme. Dieselben schwanden am 3. — 4. Tage. Dieselben 
Erscheinungen stellten sich später nach einem nochmaligen Gebrauch von Antipyrin eis 

L, Hofftnann-Berlin, 

Traumatische EntzünduDgen. 

Behandlung der Verbrennungen mit Thiel, von Dr. Bidder. (Langenb. M<m. 
1892, No. 30.) Verbrennungen ersten und zweiten Grades werden mit einer 
Lösung von 

Rp. Thioli liquidi 
Äq. dtst B 
eingepinselt und mit einer dicken Schicht nichtentfetteter Watte bedeckt. Etwaig« 
Blasen dürfen nicht geöffnet oder abgetragen werden. Unter diesem Verbände sollen 
die Schmerzen schnell nachlassen und sich bald relatives Wohlbefinden einstellen; 
der Blaseninhalt wird resorbiert oder trocknet ein. Verbandabnahme nach 8 Tagen, 
wo gewöhnlich alles schon geheilt ist. 

Auch bei Verbrennungen dritten Grades soll sich das Thiol bewährt haben. 

P. Tctenzer-Bremen, 

Zur Behandlung der Verbrennung im Kindesalter, von Hofrat Wertheimbxr 
(Münch. med. Wochenschr. 1892. No. 81.) Einigung mit lauwarmem Borwasser und 
Auflegen von mehrfacher Schicht hydrophiler Gaze, getränkt mit 

Aq. Calcia 

Ol. lin. ää 50,0 

Thgmol. 0,05-01 

In der zweiten Woche statt dessen 

Bisniuth. subnitr. 9,0 

Acid. boric. 4,5 

Lanolin, 70.0 

Ol oliv. 20,0. 

Innerlich: Wenn kein Kollaps, keine Somnolenz besteht, bei Kindern über zwei. 
Jahren kleine Mengen Morphium oder Chloralhydrat. Wichtig sind Excitantien: 
Thee mit Cognac, Tokayer, Champagner. — Ein Fall illustriert die Behandlung. 

Jessner Königsberg i. Pr. 

Die Behandlung der Fissura ani, von L. H. Adlbb. {Med, News, 15. Okt- 
1892.) Die Behandlung der Analfissur kann eine palliative oder eine operative sein' 



151 

Erstere bestellt in der Anwendung^ von Klystieren yon warmem Wasser oder Leinsamen- 
ao^uis, des Abends zu geben, sowie der Einfübrung von Suppositorien von: Extr. 
beliadonn. 0.01—0.03, Cocain, mar. 0.015—1.03, Ol. theobrom. 0.6, oder auch der An- 
wendung folgender Salbe: Extr. conii 7.0, Ol. ricin. 10.5, Ungt. lanolin q. s. ad 
57.0 S. Fünf Minuten resp. (Formel I) eine halbe Stunde vor dem Stuhlgang zu ge- 
brauchen. Zur Heilung der Fissuren gentigt es oft, sie unter Eokainisierung mit einer 
•tarken Argent. nitrit. Losung (0.6—1.8 auf 28.0 Aq. dest.) täglich oder alle zwei 
Tage zu betupfen. Andere Mittel, Quecksilbernitrat, rauchende Salpetersäure, Karbol- 
flsore, Kupfervitriol, haben sich als nicht so nützlich erwiesen. In manchen Fällen 
genagt es auch, unter Kokain ein gröfseres Bougie aus Wachs oder Talg täglich ein 
xufohren. 

Nützlich ist ferner die häufige Anwendung einer Salbe aus: Hydrarg. subchlor. 
0.25, Pulv. opii, Extr. beliadonn. ää 0.12, Ungt. sambuc. 3.5. Oder auch: Plumb. 
»cetic. 0.6, Pulv. calamin. 1.2, Zinkoxydat 0.6, Adip. benzoat. 15.0. Von den opera- 
tiven Behandlungsweisen empfiehlt A. am meisten diejenige der Incision der Fissur 
nebst darauffolgender Dilatation der Sphinkteren in der Äthernarkose. 

Philipp i- Nieheim. 

Ein seltener Fall von Jodezanthem, von Gustav Kämpfer. {Centralbl /. 
Hin. Med. 6. 1890.) Nach Verbrauch von 80,0 Jodkalium bekam eine 42jährige- 
Frau unter Steigerung der Korpertemperatur ein Exanthem in Gestalt derber, um 
schriebener, auf Druck schmerzhafter Infiltrate an den unteren Extremitäten und am 
Gesafs, über denen die Haut gespannt und gerötet war. Die gröfsten Infiltrate, von 
dem Umfange eines Fünfmarkstückes, safsen am rechten Trochanter, an der Hinter- 
seite des rechten Oberschenkels und über dem rechten Glutaeus; kleinere, ähnlich den 
Knoten bei Erythema nodosum, waren an den unteren Extremitäten zerstreut. Alles 
schwand nach Aussetzen des Mittels, um nach erneuter Verabreichung wieder zu 
ancheinen. Bei der Applikation des Jodkalium per rectum erhielt man kein besseres 
Resultat, eher noch ein schlechteres subjektives Befinden des Patienten. 

Jesmer- Königsberg i. Fr. 



Neurotische Entzündungen. 

Behandlung des Herpes der Genitalien, von Monin. (Joum. de med. de 
^ris. 1892. 25.) Wenn die Haut trocken ist, Vaselineinreibung, sonst Waschung mit 
IVoo Karbol Wasser und Pudern mit dem BESNiERschen Gemenge: 

Foudre de riz 100 ^ 

Tannin 5 

Bismulhum sahcyUcum 1 
Präventivbehandlung: 1. zweimal wöchentlich kalte Dusche von dreifsig Sekunden auf 
^ie Lenden Wirbelsäule ; 2. glando präputiale Waschung morgens und abends mit 
aromatischem Wein; 3. strenge Hygiene, eheliche Treue; Enthaltsamkeit während 
der Eruptionen nöthig. Jesaner-Königsherg i. Fr. 

Zoster femoralis mit Drüsenschwellung, von Dr. G. Fatichi. (Lo Sperimentale 
5. April 1892. Deutsche Medizin, Ztg. 1892. 79). Bei einem 12jährigen Knaben entstand 
nach vorausgegangenen Parästhesien ein Zoster im Bereiche des Nervus internus femoralis 
cxternus anterior. Ein Teil der Bläschen ulcerierte, in anderen kam es zu Hämorrhagien. 
^« Drüsen in der Leistengegend waren geschwollen und schmerzhaft. Als die Blasen 
«chon austrockneten, traten Masern auf. — Die Drüsenschwellung erklärt Fatichi für 
^ine sekundäre. (Im Prodromalstadium von Masern habe ich oft Drüsenschwellungen 



152 

gesehen ; die Drüsen werden also wohl auch in diesem Falle schon als Prodrom« dtir 
Masern aufzufassen sein. D. B.ef.) Jeasner-Köniffsberg t. Pr, 

Symptome, Verlauf und Therapie des Herpetismus von H. Lakcekiuz. 
(La Bulletin niedical 7, Novbr. 1891. Deutsche Medizinal-Zeitung 1892. No. 71). Herpö» 
tismus ist nauh Verfasser eine vasomotorische und trophische Neurose, die eis 
charakteristisches Erankheitsbild giebt ohne bestimmte pathologisch-anatomische Btiit. 
Gewöhnlich sind hereditär nervös belastete Personen ergriffen. In früher Jugend 
Prurigo-, Urticaria-, ja purpuraähnliche Exantheme ; heftiges Jucken. Bei eintretender 
Laryngitis leicht Spasmus glottidis, bei Fieber Neigung zu Konvulsionen. In der 
Pubertät Steigerung der Kefiexerregbarkeit : Inkontinenz, Pollutionen ; vasomotorisciis 
Störungen: Nasenbluten, Hämorrhoiden, Blutharnen. Später Blepharitis ciliaris, An- 
gina granulosa, Acne vulgaris, Migräne, Dyspepie mit Sodbrennen und Flstoleoz^ 
trübe Stimmung. Dann folgen trophische Störungen an Nägeln und Zehen, Pitjriioi 
capitis, unaufhaltsame Alopecia areata. Gegen Ende der zwanziger Jahre beginnt di» 
Verdauung zu leiden; Diarrhoe oder hartnäckige Verstopfung. Die Kranken, froher 
mager, fangen an, fett zu werden, wonach leicht Diabetes folgt. Im Alter too 
40—45 Jahren Arthritis, Umwandlung der Knorpel in Knoten^ Osteophytenbildang, 
dann Emphysem, Bronchitis ; zehn Jahre später Arteriosklerose. — Für die Diagno» 
ist bezeichnend, dafs die Hautafifektion symmetrisch und pruriginös ist, die Gelenk?»- 
änderungen ohne akute Veränderungen einhergehen, die Arteriosklerose eine allge* 
meine ist. Prognose nicht ungünstig. 

(Es mufste doch wohl eine gewisse Reihe von über 60 Jahre sich erstreckend» 
Krankheitsgeschichten beigebracht werden, um dieses Mixtum compositum tos 
Krankheitserscheinungen als zusammenhörig zu demonstrieren und unter einen Begriff 
„Herpetismus" zu subsumieren. Der Referent.) Jessner- Königsberg i. Pr. 

Zur Behandlung des Zoster ophthalmicuB von Bodrsoige. (La Biforma fMÜ» 
1892. No. 168. Deutsche Medizinal Ztg. 1892. No. 90). Bestreuen der erkrankten SteQl 
nach vorheriger Reinigung mit Borsäurelösung mit : Bismuth. subnitr., Amyl. pulvenL 
s 4,0, Jodol oder Aristol 0,5; darüber Watte oder Gummidecke. Gegen di* 
Schmerzen Morphium und Chloral; gegen Komplikationen seitens der Cornea und 
Iris konstanter Strom von 4 — 6 M. A. Jessner-Kanigsberg t. iV. 

Klinische Untersuchungen über die Prurigo Hebba, von E. Ehlers. (Am^ 
diskt medicinskt Arkiv. No. 24. 1892.) Verfasser verfügt über ein Material v« 
207 Fällen. Mit Hülfe desselben war es ihm möglich, einen Beitrag zu liefern ztf 
Entscheidung einiger streitiger Punkte der Prurigofrage. 

1. Im Einklänge mit der Ansicht Bebras fand E., dafs die Krankheit im 2. bii 
7. AUersjahre beginnt. 

2. Entgegen den Mitteilungen von Hebra und Kaposi glaubt Verfasser, daüi die 
Affektion eher im Sommer denn im Winter recrudesciere. 

3. Sie kommt in allen Schichten der Bevölkerung gleich häufig vor. 

4. Heredität scheint eine Rolle zu spielen. 

5. Die Krankheit ist heilbar. Es läfst sich keine scharfe Grenze ziehen zwischeo 
Prurigo mitis und gravis ; konstitutionelle Verhältnisse sind hierbei allein maXsgebeni 

6. Der Pruritus stellt das primäre, das papulöse Exanthem ein sekandarei 
Symptom vor, wie auch Hebra jun. und Auspitz angeben. 

Bei der Therapie sind Bäder (mit oder ohne medikamentösen Zusatz) umst 
gänglich notwendig. E. hat mit denselben auch, besonders wenn verbunden mH 
nachfolgenden Einreibungen von 10 7o igen Naphtolsalben, ausgezeichnete Besultote fs 
verzeichnen gehabt. C, MiiUer» Freiburg (Schweig). 



153 



Akute Exantheme. 



Zur Frage der Identität von Varicellen und Pocken, von Dr. M. Freter. 
(Zeitschrift für Hygiene und Infektümskrankh, 1892. No. 3). Da die Identität von 
Ttricellen und Variola noch immer yon manchen verteidigt wird, unternahm es Ver- 
{mer, durch das Experiment die Frage zu entscheiden. Er impfte ein Kalb mit dem 
Inhalte der Varicellenbläschen, ohne eine weitere Reaktion, als eine geringe Hautröte 
fo deu Impfistellen. Acht Tage darauf impfte er dasselbe Kalb mit. vollem Erfolge 
nit als wirksam erprobter Vaccine. Dieses Experiment, wie die Tbatsache, dafs. man 
Kiader, die soeben Varicellen gehabt, stets mit positivem Erfolge der Impfung unter- 
aeht, sprechen mit Bestimmtheit gegen die Identität der genannten Krankheiten. 

Jessner-Königsberg t. IV. 

Die Sterblichkeit an Variola in der Ortschaft Pudsey vor hundert Jahren, 
TOT W. L. HuNTEB. {Brit med. Joum. Aug. 27. 1892.) Der Pfarrer von Pudsey in 
4er Grafschaft Yorkshire hat während der Jahre 1777—^1813 eine Liste geführt über 
Name, Alter, Geschlecht und mutmafsliche Todesursache der in seiner Diöcese 
beerdigten Personen. In diesen 37 Jahren wurde 239 mal als Todesursache Variola 
feneichnet. Die Gesamtzahl der Beerdigungen betrug 1743. Bei 597 derselben ist 
«tterdings die Todesursache nicht angegeben. Es mag also die Anzahl der Pockenfalle 
vohl eher grölser als kleiner gewesen sein, selbst wenn die Möglichkeit irriger Diagnosen 
in Betracht gezogen wird. Die Ortschaft zahlte in jenen Jahren etwa 4200 Einwohner, 
lod die Liste umfafst jedenfalls kaum die Hälfte der Gestorbenen, da audere Kirch- 
ii5fe auTser diesem auch benutzt wurden. Es berechnet sich die Variolasterblichkeit 
n diesem gesund gelegenen kleinen Orte in den 37 Jahren auf durchschnittlich 
aisdestens dVoo der Einwohner jährlich, und dieser Satz steigt in dem schlimmsten 
Jahre auf mindestens 23Voo der Lebenden. Als nächst häufigste Diagnose ist Schwind- 
lacht mit 173 Todesfällen in der Liste verzeichnet. Derartige Zahlen aus dieser 
vielieicbt nicht ganz irrtumfreien, aber jedenfalls ganz tendenzlosen Aufzeichnung 
tollten genügen, um selbst die rabiatesten Impfgegner zu überzeugen. 

Philippi- Nieheim. 

Variola- Vaccine, von Ch. Haccius, Gen^ve et Paris. 18J>2. Ausführliche Be- 
lefareibung eigener und fremder Untersuchungen über den Zusammenhang zwischen 
äer Vaccine und der Variola und überzeugender Beweis, dafs die Vaccine durch 
Überimpfen von Variola auf Rinder erzeugt wird (cf. auch diese Zettschrift, Bd. XV. 
Ho. 6. S. 310 u. 311). Philippi-Nieheim 

Um die Narbenbildnng bei Pocken zu verhindern, empfiehlt Haktge (Jotmt, 
i» fnd. cut. et syph, 1892. S. 473) für leichtere Fälle kühle Kompressen und für die 
•chwereren Formen neben lauwarmen Bädern folgende Salbe: 

Üngt. ein. 10,0 

Sapon. kalin. 20,0 

Glycerin. pun 40,0 

Bei beginnender Salivation ist diese Salbe sofort wegzulassen. 

Türkheim-Hamburg, 
UntersnclLimgen über das anantitative Verhalten der Blutkörperchen bei 
Tttiola and ihren Komplikationen, von Richard Pick. (Prager med. WochenscJir, 
1^. No. 40.) Pie Schlüsse des Verfassers sind folgende : 

Die Blatteminfektion im engeren Sinne bewirkt keine Leukocytose, dieselbe 
^t im Ernptionsstadium. 

Die sekundäre Infektion des Suppurationsstadiums mit Eitermikroorganismen 
hingegen erzeugt Leukocytenvermehrung, und ebenso die durch Sekundärinfektion 



154 

späterhin hervorgebrachten Komplikationen. In Fallen mit letalem Ausgang fehlt die 
Leukocytose; welche Bolle hierbei der Pneumonie zufallt, die in unseren Fallen 
meist die unmittelbare Todesursache war, mag dahingestellt sein. 

Eine ausführliche Darstellung folgt im Archiv für Dermatologie tmd Syphüis. 

Jessner-Königsherg i. iV. 

Mitteilung über eine zufällige Vaccination von einem Pocken-Patieittai, 
von Bentzch. (Hospitais Tidende. 1891. 30. Deutsche Med.-Ztg. 1891. 100.) B. impft« 
am 1. April in Ajaccio ein 7« Jahr ciltes Kind und sich mit Lymphe ans Parii. Dt 
am 6. April einer der Hotelgäste Variola bekam, impfte B. von seinen und des KincJM 
Pusteln 25 Personen. Am 8. April bekam das Kind ein universelles Exanthem toi 
stecknadelkopfgrofsen Vesikeln auf roten, unregelmäfsigen, nicht erhöhten Flecken 
bei einer Temperatur von 40^. Es entwickelte sich dann eine vollständige Variola. 
Von den 20 Personen, die von dem Kinde abgeimpft worden, ging die VacciDe in 
der Hälfte der Fälle auf; aber bei keinem trat Variola auf. Von den fünf Personen, 
die von B. abgeimpfb waren, ging die Vaccine 2 mal auf; einer bekam am 3. April 
nach mehrtägigem leichten Fieber Brustschmerzen, Nasenbluten und ein leichtei 
Pockenexanthem, ohne dafe es zur Pustelbildung kam. Jessner-Königsherg t. Pr. 



Progressive Ernährungsstöningen. 

Über Erythromelalgie^ von Gerhardt. Dtsch. Med.'Ztg. 1892. No. 52.) D» 
Paralysie vasomotrice des extremit^s oder Erythromelalgie entsteht be- 
sonders bei viel der Kälte, stärkeren Anstrengungen ausgesetzten oder nenroMi 
Menschen; häufiger bei dO~40jährigen Männern als bei Frauen. Zuerst Schmeiii 
der bei Berührung und in der Wärme sehr gesteigert wird, so dafs die Patienten da 
Sommer fürchten; meistens die unteren Extremitäten, seltener auch die oberen, ui 
seltensten diese allein ergriffen. Die Haut ist lebhaft gerötet, leicht geschwollen. Ii 
den meisten Fällen fplgt einem Schwinden der Erscheinungen ein heftiges BecidiT, 
wie das Leiden überhaupt ein sehr hartnäckiges ist. Diese Neurose ist eine tsn* 
motorische, von denen 6. unterscheidet die angiospastische Form, die angioparalytisclM 
Form und eine Form ohne Innervation der Gefäfse. (? d. Kef.) — Steigung des Körper 
gewichts bringt Besserung; Jodkalium, Arsen, Galvanisation haben keinen Erfolg; geget 
die Schmerzen ist Antipyrin zu empfehlen. G. stellt einen Fall vor: 44jähriget 
Schneider, stets schwächlich, viel von Verdauungsstörungen heimgesucht, zweimal toi 
Blutbrechen ; zeitweilig reichliche Harnentleerung. Seit 10 Jahren zeitweise zu An^ 
fallen sich steigender Schwindel; Migräne; unregelmäfsiger Puls. Den 21. März plöt^ 
lieh sehr heftige Schmerzen an Fingern und Zehen; Erbrechen; Kopfschmerz. Seitp 
dem Schmerzhaftigkeit der Hände, die rot geschwollen sind, leicht schwitzen ; letzten 
Neigung auch am Kopf. Frei ist der linke Daumen. Die Teile fühlten sich heÜi 
an, sahen zeitweise gespannt, glänzend aus. Einzelne Venen erweitert; Nagelbett 
gelbrot; Hyperalgesie. — Finger in halber Beugestellung; Sensibilität etwa« ve^ 
mindert. Etwas Alburaen im Harn. Jessner- Königsberg f. Pr. 

Das Angiokeratom, von V. Mibelu. (Giorn. ital. d. m. ven. e deUa pdk^ 
Fase. II. 1891,) — Seit dem Erscheinen seiner ersten Arbeit über die AffektioOi 
welche er als Angiokeratom bezeichnete, hat M. die Litteratur genauer durchgesehea 
und gefunden, dafs mehrere Fälle, welche unter verschiedenen Benennungen toi 
DuBREUiLH (als verrues telangiectasiques) und Fox (als Lymphangiectasis of the handi 
and feet) publiziert wurden, als Angiokeratoma aufzufassen sein. In der vorliegende! 



165 

Arbeit werden nun diese Fälle, vier an der Zahl, zusammengestellt und kritisch be- 
hiodelt Was zunächst denjenigen von Dubkeuilh (Armalea de la FolicUnique de 
BwdeauXy Januar 1889) anlangt, so hat M. entgegen der Ansicht des genannten* 
Aaton, welcher,, wie bei der Verruca communis, eine primäre Hypertrophie der. 
Plipillen mit sekundärer Entwickelung ron Gefäfsdilatationen, niemals Papillenhyper- 
trophie konstatieren können. Bezüglich der drei Fälle von Fox {lUustr. Medical News, 
Joni 1889) hat Török, welcher Gelegenheit hatte, die Foxseben Präparate selbst zu 
ontenachen, hinlänglich nachgewiesen, dafs es sich dabei nicht um Lymph-, sondern 
om Blatgefafsdilatationen gehandelt hat. 

Aufser diesen vier, sowie einem vom Verfasser früher publizierten {Criam, iial, 
ielk mal ven. e della pelle, Septbr. 1889) werden nun noch zehn neue mitgeteilt, die 
inzwiscKen zur Beobachtung gelangten. Hierzu gehören: 1 Fall von Prikglb (Török, 
Mvnaish. f, prakt Dermal., Bd. XI, Heft 11), 2 Fälle von Bertarblli, 1 von 
Bardüzzi, 6 (Geschwister) vom Verfasser; letztere 9 noch nicht publiziert. Über 
das klinische Bild der Affektion dürfte aus den verschiedenen Publikationen Ge- 
nogendes bekannt sein. 

Ver&sser bespricht dann die Differentialdiagnose zwischen Angiokeratom und 
Lymphangiom. Dieselben zeigen zwar in einigen Punkten gewisse Übereinstimmung 
(Anfbeten bei jüngeren Individuen, Betroffensein der die Efflorescenzen umgebenden 
Haut etc.), unterscheiden sich aber in vielfacher Beziehung: Fürs erste trägt das 
IpnphaDgiomatische Element im Beginne an der Spitze ein bläschen- und ampullen* 
artiges Gebilde, welches Lymphe enthält (wenigstens zum weitaus gröfsten Teile); beim 
Angfiokeratom fehlen dagegen dieselben gänzlich, und die rötlichen initialen Flecke 
iohren Blut. Während femer die einzelnen Efflorescenzen des Lymphangioma 
Neigung zum Konfluieren zeigen, bleiben diejenigen des Angiokeratoma isoliert, ähnlich 
wie bei der gewöhnlichen Warze. Des weiteren sind beim Angiokeratom allein die 
Handracken, höchstens noch die FüDse von der Affektion befallen ; beim Lymphangioma 
hingegen sieht man verschiedene Eörpergegenden zugleich befallen. 

Ätiologisch wurde das Angiokeratom mit früherer Anwesenheit von Perniones in 
Zusammenhang gebracht. Dieser Ansicht kann Verfasser auf Grund seiner Erfahrungen 
sieht beipflichten, glaubt vielmehr, die Ursache sowohl der Perniones als des Angio- 
keratoms sei in einer kongenitalen abnormen anatomischen Disposition des kutanen 
Geßfssystems zu suchen. 

Verfasser hat auch die Histologie seines Angiokeratoms eingehend studiert. 
Er giebt in diesem Sinne einen Vergleich zwischen demselben und dem Lymphangiom, 
vobei er zu dem Schlüsse kommt, dafs beide Affektionen einander nahe verwandte 
Prozesse bilden, dafs beide auf Grund derselben anatomischen Architektur und 
histologischen Struktur aufgebaut sind, wenn auch das letztere mehr einen lymphati- 
schen, ersterer mehr einen bluthaltigen Tumor darstellt. Beim Angiokeratom handelt 
es sich 1. um eine Dilatation der präexistierenden Blutgefafse (beim Lymphangiom 
Toroehmlich um eine solche der Lymphgefäfse, doch auch in geringerem Mafse der 
Blutgefafse); 2. um Neubildung von solchen (im Sinne einer Angioblastose) mit nach- 
träglicher Dilatation; 3. um Neubildung von Bluträumen, zum Teil auch vonLymph- 
räomen. 

Die sekundären Erscheinungen (Alteration von Cutis und Epidermis) sind beim 
Lymphangiom zu den regressiven Prozessen zu zählen, indem infolge der starken 
Kompression eine Atrophie des umgebenden Gewebes entsteht. Beim Angiokeratom 
hingegen geht mit der Gefafsneubildung eine hochgradige Hypertrophie der Epidermis 
in allen ihren Strata einher; der sekundäre Prozefs ist demnach hier ein pro- 
pessiver. 



U^.. 



156 

Bezüglich der Nomenklatur hält M. nach dem Vorbilde Unnas für du Fibro- 
keratom an der Bezeichnung Angiokeratom fest, halt es jedoch für müfsig, sich ia 
langer Diskussion darüber zu ergehen, ob die Affektion besser als Keratoaogiomt 
denn als Angiokeratoma zu benennen sei. C Müüer'Freümrg (Schweu), 



)Dtrfd|iebettffi. 

Dr. UNNAS dermatologische Preisanfgabe 

für das Jahr 1893. 

Da der Preis für die Aufgabe des yorigen Jahres nicht erteilt werden 
konnte, so wird dieselbe für dieses Jahr noch einmal ausgeschrieben. 
Der Preis beträgt dieses Mal das Doppelte des vorigen, d.h. iL (00. 
Die Preisaufgabe für dieses Jahr lautet also: 

Schwand und Degeneration des elastischen Gewebes der Haut 
unter verschiedenen pathologischen Verhältnissen. 

Bewerbung ist unbeschränkt. Die Arbeit ist bis Anfang December 189} 
bei der Verlagsbuchhandlung Leopold Voss, Hamburg, Hohe Bleichen, 
einzureichen. Die Herren Prof. Klbbs und Hoter haben auch für 
dieses Jahr es gütigst übernommen, die einlaufenden Arbeiten zu prüfen* 
G-enauere Bedingungen und Mitteilungen über die Preisaufgabe sind von 
genanntem Verlage zu beziehen. 



p0itat0||(jle fut IltaMifdie Prmatoloiitt 



Band XVI. N2i 4. 15. Februar 1893. 



(Aus der Klinik für Dermatologie und Syphilis der Universität in Turin.) 

tber die histologischen Veränderungen der syphilitischen Alopecie 
und ihr Verhältnis zu den Veränderungen der Alopecia areata. 

Von 

Prof. S. GlOVANNINI. 
(Mit Tafel I u. IL) 

Mit dieser Publikation beabsichtige ich die Resultate bekannt zu 
geben von Untersucbungen, die ich unternahm, um festzustellen: 1. welches 
iie histologiscben Veränderungen der syphilitischen Alopecie siad; 2. 
welche Analogien und Differenzen bestehen zwischen den histologischen 
Yeräoderangen dieser Alopecie und den schon von mir beschriebenen der 
Alopecia areata.' 

Die syphilitische Alopecieform, die ich zum Gegenstand meiner 
Cntersuchungen gemacht und von der allein hier die Rede ist, ist jene, 
die sich im sekundären Stadium der Syphilis unabhängig von irgend- 
welcher sichtbaren Läsion der Haut einzustellen pflegt und die ge- 
wöhnlich als diathesische oder primitive bezeichnet wird. Es sind schon 
einige Jahre her, dafs ich meine histologischen Untersuchungen betreffs 
dieser Alopecie begonnen habe, und einige der erhaltenen Resultate habe 
ich auch in zwei vorläufigen Mitteilungen bekannt gegeben^; aber da es 
mit einigen Schwierigkeiten verknüpft war, ein passendes und genügendes 
Cntersuchungsmaterial zusammenzubringen, ist es mir jetzt erst möglich, 
die definitiven Resultate meiner Untersuchungen zu veröffentlichen. 

Die blofs auf die ausgefallenen Haare sich beschränkende mikro- 
skopische Untersuchung hatte uns bezüglich des hier in Rede stehenden 
Gegenstandes bisher nur sehr unvollständige Kenntnisse verschafft. Was 



' GioYAKNiNi, Eecherches sur Thistologie pathologique de la pelade (in ÄnruUes 
ie darmatologie et de syphiUgrapkU. 1891. pag. 921). 

* Giov ANNIKI. Aloune ricercbe intorno alle alterazioni anatomo-patologiche della 
alopecia areata e dell' alopecia sifilitica (in Atti del XII. Congresso deW associazione 
««iwa italiana tenuto in Pavia nel Settembre, 1887. vol. II. pag. 376). Idem. Delle 
«Iterazioni anatomo-patologiche di una forma di alopecia sifilitica. Bologna. 1888. 

MoDAtshefte XVI. 12 



158 

ihr bezüglich der histologischen Veränderungen bei syphilitischer Alopecie 
ins klare zu setzen gelang, beschränkt sich wesentlich darauf; dals bei 
diesem Leiden die Haare zuweilen eine mehr oder weniger atrophische 
Wurzel aufweisen. Was die Vergleichungsversuche zwischen den Ver- 
änderungen der Haare bei Alopecia syphilitica und jenen bei Alopecia 
areata betrifft, so führten dieselben, obgleich von tüchtigen Forschem an- 
gestellt, doch zu sehr ungleichen Resultaten. Während so Darier* zq 
dem Schlüsse gelangt, dais „1 alopecie syphilitique se rapproche beanoonp 
plus de r alopecie des fiövres ou de l'örysip^le que de celle de la pelade" 
meinen Besnier und Doyon* im Gegenteil, dafs das syphilitische Haar 
„präsente beaucoup d'analogie avec celui de la pelade^. 

In der Hoffnung, da£s es mir gelingen würde, die Verändemngen 
der syphilitischen Alopecie genauer kennen zu lernen, als es bisher die 
einfache Untersuchung der isolierten Haare gestattete, nahm ich meine 
Untersuchungen direkt an der vom Lebenden ausgeschnittenen Haut vor. 
Im ganzen waren es 24 Hautstücke, die ich zum Gegenstande meiner 
Untersuchung machen konnte, alle der Kopfhaut von ebensovielen an 
syphilitischer Alopecie leidenden Individuen entnommen. Von diesen 
waren 16 weiblichen und 8 männnlichen Geschlechts ; 19 hatten ein Alter 
von siebzehn bis dreifsig, 4 ein Alter von dreifsig bis vierzig Jahren, und 
ein Individuum stand im sechzigsten Lebensjahre. Bei 20 von dieden 
Individuen war das Initialsyphilom vor einer zwischen 27« Monaten und 
einem Jahre schwankenden Zeit aufgetreten; bei den anderen 4 waren 
es die ersten Monate des zweiten Jahres nach der Infektion. Die Alopecie 
variierte dem Grade nach sehr bei den verachiedenen Individuen. In 
fünf Fällen handelte es sich um schwere syphilitische Alopecieformen; das 
flaar war nämlich stark gelichtet, und es befanden sich hier und dort 
mehr oder weniger ausgedehnte haarlose Flächen. In allen anderen 
Fällen waren die Haare hier und dort stärker gelichtet, in verschiedenem 
Mafse, ohne dafs dadurch jedoch irgendwie nennenswerte haarlose Flächen 
gebildet wurden. Der Haarausfall war von den verschiedenen Individuen 
seit verschieden langer Zeit bemerkt worden: 23 hatten ihn seit einer 
zwischen wenigen Tagen und sechs Monaten schwankenden Zeit bemerkt; 
in einem Falle nur bestand der Haarausfall seit etwa einem Jahre. In 
einigen Fällen war die Alopecie augenscheinlich im Fortschreiten be- 
griffen, während sie in anderen Fällen, im Gegentheil, nicht weiter 
fortzuschreiten schien. Wie man sieht, befanden sich die von mir stu- 



' Darier, Sur Texaraen microscopique des cbeveax dans l'alop^cie sjphilitiqoe 
(in Annales de dermatologie et de syphiligraphie, 1889. pag. 198). 

^ Besnier et Doyok, Notes et additions aux Legons sur les tnaladies de ia peM 
'Je Kaposi, 2eme edition fran^aise. 1891. pag. 179. 



159 

dierten Alopecien in den verschiedensten Zuständen hinsichtlich des Grrades 
und der Daner. 

Die Mehrzahl der Individuen bot auf der Kopfhaut aufser der Alo- 
pecia keine andere ELrankheitserscheinung dar; die übrigen hatten hier 
und dort spezifische Impetigokrusten. In diesem letzteren Falle war ich 
daianf bedacht, die Haut fem von denselben auszuschneiden, d. h. dort, 
wo sie keine wahrnehmbare Veränderung darbot. 

Bei der Präparation der Haut und bei der Untersuchung der Haare 
befolgte ich die bei meinen früheren Arbeiten angewendete und bereits 
bekannte Methode.^ 

Gehen wir nun zu den Resultaten der mikroskopischen Untersuchung 
aber. 

Was bei der Untersuchung der von syphilitischer Alopecie betrofienen 
Cutis am meisten in die Augen fällt, ist das Vorhandensein eines peri- 
vaskulären Leukocyten - Exsudats, welches vorzugsweise die Haarfollikel 
an ihrem unteren Teile befällt. Es handelt sich um Leukocyten, die mit 
einem einzigen runden, ovalen oder andersgestalteten, bald schwach ge- 
erbten und granulösen, bald mehr oder weniger intensiv gefärbten und 
keine Granulationen erkennen lassenden Kern versehen sind. Selten werden 
diese Kerne in Mitose befindlich angetroffen. 

An dem unteren Teile der Haarfollikel zeigt sich dieses Zellenexsudat, 
in den einzelnen Fällen, in verschiedener Ausdehnung und verschieden 
verteilt. 

Auf den Querschnitten der Follikel betrachtet, zeigt sich hier in der 
That das Exsudat bald nur auf einer Seite des Haarfollikels (Taf. I, 
Fig. 1, 3), bald diesen zum grö&ten Teil oder auch vollständig um- 
schlie&end (Taf. I, Fig. 2, Taf. 11, 1, 3). In diesem letzteren Falle ist 
das Exsudat selten überall von gleicher Ausdehnung, sondern findet sich 
Forwiegend entweder auf einer Seite des Haarfollikels oder auf zwei 
meistens entgegengesetzten Seiten. In den Fällen schwerer syphilitischer 
Alopecie findet man, im Zusammenhang mit dem Leukocyten- Exsudat, 
nicht selten die Gefi^fse, und besonders die venösen, in augenfälliger 
Weise erweitert. Im atretischen Teil des Haarfollikels zeigt sich das 
Exsudat in Form eines Knotens, der denselben ganz oder nur zum Teil 
nmgiebt (Taf. II, Fig. 2). 

Auf den Längsschnitten der Haarfollikel betrachtet, sieht man das 
Leukocyten- Exsudat nur in seltenen Fällen auf die Höhe des bulbären 



' GioYANNiKi, Snllo svilappo normale e sopra alcune alterazioni dei peli umani 
(in Atti della B. Accadetnia meäica dt Borna, XIII. 1886—87. Serie II. vol. III — und 
yierie^ahresschrift f. Dermatologie u. Syphüis. 1887. pag. 1049). — Idem, Sur la k6rar 
tinisation da poil et leg alterations des foiliculeft causees par l'epilation (in Archives de 
Mogiede van Beneden. Vol. X. 1890. pag. 609.) 

12* 



lecf 

Teiles des Follikels beschränkt. Vielmelir findet sich gewöhnlich das 
Exsudat vom Boden des Follikels mehr oder weniger in die Höhe aus- 
gedehnt, so dafs es mitunter den Boden der Talgdrüsen erreicht. Nur in 
einem Falle habe ich den bulbären Teil des Haarfollikels gänzlich frei 
von Infiltration beobachtet, während diese sodann gleich über dem bul- 
bären Teil anfing. Eine Ausdehnung des Exsudats unterhalb des Haar- 
foUikelbodens beobachtet man nur bei einigen Follikeln, welche noch 
ihren atretischen Teil bewahrt haben, und hier erscheint letzterer entweder 
nur in einem Teil seiner Länge oder in seiner ganzen Ausdehnung mit 
Leukocyten infiltriert. 

Die Stelle der gröfsten Ausdehnung des Zellenexsudats befindet sick 
zuweilen beim bulbären Teil des Haarfollikels, häufiger jedoch oberhalb 
desselben. Von diesem Punkte nimmt das Exsudat, sowohl nach unten 
wie nach oben hin, allmählich ab. Dort, wo das Zellenexsudat gedrängter 
und ausgedehnter ist, bildet es sozusagen Knoten, bei denen sein Vor- 
walten um die Gefäise herum nicht immer erkennbar ist; aber je mehr 
die Exsudatmenge abnimmt, tritt sein perivaskulärer Sitz immer deutlicher 
hervor. 

Da das Leukocyten-Exsudat den 6e&fsen folgt, nimmt es notwendiger- 
weise in grölserer oder geringerer Ausdehnung das Bindegewebe der 
inneren Haarbalgscheide ein. Nach aufsen haben die infiltrierten Leuko- 
cyten nur ausnahmsweise die Grenzen dieses Bindegewebes überschritten; 
aber nach innen sind die Grenzen in mehreren Fällen überschritten, und 
die Leukocyten finden sich, wenn auch stets nur in geringer Zahl, zwischen 
den im Haarfollikel enthaltenen Epithelzellen eingewandert. 

Selten trifft man Leukocyten in der Papille an, und wenn dies der 
Fall, sind sie stets in ganz geringer Zahl. Nie aber findet man Leuko- 
cyten zwischen den unmittelbar um diese herumliegenden Zellen des 
Haares. 

Gewöhnlich findet sich das Leukocyten-Exaudat auf den unteren Teil 
der Haarfollikel beschränkt, welcher, wie bekannt, auch der ge&fsreichste 
Teil des Follikels ist; doch wird in den Fällen schwerer sjrphilitischer 
Alopecie auch der obere Teil des Haarfollikels zuweilen von der Exsu- 
dation betrofien. In der That trifft man mitunter einen mehr oder 
weniger ausgedehnten Leukocytenhaufen in jenem Teil des Haarfollikels 
an, an welchem sich die Hebemuskeln inserieren. Zuweilen ist es aber 
der oberste Teil des Haarfollikels, in der Nähe der Talgdrüsenmündung, 
wo eine leichte Leukocyteninfiltration stattgefunden hat. 

Das in Rede stehende Exsudat wird sowohl in den noch das Haar 
in ihrem Innern enthaltenden, als in den des Haares beraubten und sich 
in einem mehr oder weniger vorgeschrittenen Stadium der Atrophie be- 
findenden Haarfollikeln angetroffen. Die an dem oberen Teil der Cutis 



161 

YorbandeneQ Follikel des Flaumbaares sind ziemlich häufig ebenfalls Sitz 
einer der oben beschriebenen ähnlichen Lenkocyteninfiltration. 

Die Zahl der infiltrierten Haarfollikel variiert sehr, je nachdem es 

sich nm eine mehr oder weniger schwere Alopecie handelt. Bei den 

schwersten Alopecieformen werden derartige Haarfollikel in grofser Zahl 

angetroffen. Bei den leichtesten Alopecieformen hingegen sind die in- 

1 filtrierten Haarfollikel in so geringer Zahl, dafs man in den meisten 

Fällen in einem ganzen Hantstückchen nur einen oder zwei solche findet. 

Die tiefen interfollikulären Gefäfse der Haut sind gewöhnlich frei 

?on dem in Rede stehenden Exsudat, und nur in zwei Fällen schwerer 

I Alopecie fand sich eines dieser Gefäfse auf kurzer Strecke von einer 

I gröisereD Zahl Leukocyten umgeben. Häufiger dagegen werden die an 

\ der Oberfläche der Haut liegenden interfollikulären Gefäfse infiltriert an- 

[ getroffen; doch ist die Infiltration hier konstant eine sehr geringe. 

I Bei den Gefälsen der Schweifsdrüsenknäuel wird nur selten, und 

[ einzig und allein in den Fällen schwerer syphilitischer Alopecie ein aus- 

r gedehutes Zellenezsudat angetroffen. Der Ausführungsgang dieser Drüsen 

zeigt auch manchmal, aber nur in der Nähe der Hautoberfläche, ein 

. solches Exsudat in mäfsigem Grade. 

Bei schwerer syphilitischer Alopecie sind auch die den Körper der 
Talgdrüsen versorgenden Ge&fse mitunter von einer kleinen Zahl Leuko- 
cyten umgeben. 

In einem Falle schwerer Alopecie sieht man auch die einen Nerven- 
. stamm begleitenden Gefäise auf kurzer Strecke von einer mittelgrofsen 
Zahl Leukocyten umgeben. 

Im Grunde genommen trifft man also bei der syphilitischen Alopecie 

als hauptsächlichste Veränderung einen dem bei anderen Manifestationen 

dieser Infektion vorhandenen ähnlichen Entzündungsprozefs an. Da dieser 

: Prozefs hauptsächlich die Haarfollikel an deren unterem Teile befällt, und 

l nnr in sekundärer Weise den übrigen Teil der Cutis, so kann er als 

: Folliculitis pilaris profunda bezeichnet werden. 

Auch bei der Alopecia areata beobachtet man, wie meine Unter- 
I snchungen gezeigt haben, bei der histologischen Untersuchung eine 
i Veränderung, die als eine Entzündung des unteren Teiles des Haar- 
I foUikels betrachtet werden kann, und wenn wir, in Verfolgung der 
Aufgabe, die wir uns gestellt haben, einen genauen Vergleich vornehmen 
bezüglich des Verhaltens des Entzündungsprozesses bei dieser Alopecie 
tmd bei der syphilitischen Alopecie, werden wir finden, dafs im allge- 
meinen die gröfste Ähnlichkeit zwischen beiden Alopecien existiert. Bei 
der einen und der anderen haben die Leukocyten die gleichen Merkmale, sind 
annähernd auf die gleiche Weise in den Haarfollikeln und im übrigen 
Teil der Haut verteilt und veranlassen in diesen Teilen Infiltrationen von 



162 

fast der gleichen Ausdehnung. Handelt es sich um schwere syphilitische 
Alopecie, so ist auch die Zahl der infiltrierten Haarfollikel bei der syphili- 
tischen Alopecie ebensogroJs, wie bei der Alopecia areata. 

Nur bezüglich einiger Einzelheiten des Prozesses gewahrt man einige 
Unterschiede zwischen der einen und der anderen Alopecie. So wurde 
die bedeutende Erweiterung der Gefäfse, die mitunter bei der syphilitischen 
Alopecie anzutreffen ist, nie bei der Alopecia areata beobachtet. Bei der 
ersteren dieser Alopecien wurde die gröüste Ausdehnung des Infiltrats an 
dem unteren Teil der Haarfollikel, in der Mehrzahl der Fälle oberhalb 
des bulbären Teiles vorhanden gefunden, während sie bei der zweiten 
häufiger beim bulbären Teile selbst beobachtet wird. Bei der syphilitischen 
Alopecie ist die Papille viel weniger häufig von der Leukocyten-Exsudation 
betroffen, als bei der Alopecia areata, und jedenfalls nie in so schwerer 
Weise, als bei dieser letzteren. Infolgedessen wurden bei der syphihti- 
schen Alopecie die um die Papille herumliegenden Zellen des Haares in 
keinem Falle so stark mit Leukocyten infiltriert angetroffen, wie dies mit- 
unter bei der Alopecia areata beobachtet wurde. Endlich wurde bei den 
schwersten syphilitischen Alopecieformen einige wenige Male, sei es der 
Knäuel der Schweifsdrüsen, sei es der Körper der Talgdrüsen, von der 
Exsudation betroffen gefunden, während bei der Alopecia areata diese 
Teile immer frei von Exsudat angetroffen wurden. Wie man sieht, be- 
stehen zwischen der bei der syphilitischen Alopecie und der bei der 
Alopecia areata vorhandenen Leukocyten-Infiltration mehr Nebenumst&nde 
betreffende, als wesentliche Unterschiede, Unterschiede, die gewifs nicht 
als sichere Grundlage dienen könnten für eine anatomische Differential- 
diagnose. 

Betrachten wir jetzt den Zustand der in den infiltrierten Follikeb 
enthaltenen Haare selbst. 

Bei der syphilitischen Alopecie sind diese Haare, genau so wie bei 
der Alopecia areata, einer Reihe von Veränderungen unterworfen, welche 
ihrer Natur und Beständigkeit nach als der in den Haarfollikeln vor- 
handenen Leukocyten-Infiltration nachfolgende betrachtet werden müssen, 
und welche offenbar das Ausfallen derselben herbeiführen. 

Bei der syphilitischen Alopecie findet man bei den besagten Haaren 
vor allem Degenerationsveränderungen der Zellen. In der Matrix des 
Haares und in der Matrix der inneren Wurzelscheide erscheinen die 
Zellen mit weniger granulösem und weniger intensiv gefärbtem Kern als 
im normalen Zustande, und mitunter sind sie offenbar in Auflösung be- 
griffen. In der Zona* lucida sind sie nicht selten unregelmäßig 

• Anm. d. Red. Diese und die folgenden Bezeichnungen rühren von den eigen- 
tümlichen Farbennuancen her, welche die verschiedenen Haarbestandteile bei der 
Färbemethode Giovanninis annehmen. Vgl. Bd. 13. pag. 109. 



163 

angeordnet, weniger hell und mit weniger deutlicher Kontur als normal, 
und hier und dort auch mehr oder weniger Yolbtändig zerstört. In der 
Zona fusoa nehmen die Zellen, je nachdem in ihnen die Degeneration 
mehr oder weniger vorgeschritten ist, eine dunklere Färbung an als 
normal, bis zum tiefsten Schwarz. 

Die dieser Zellendegeneration unterworfenen Haare weisen auch ver- 
schiedene andere Veränderungen auf. Diese bestehen in Veränderungen 
der Form ihres Halses, in Verminderung oder gänzlichem Verschwinden 
des Pigments in ihrem Innern, in Vermindei-ung der Zahl der Mitosen 
in ihrer und in der Matrix der inneren Wurzelscheide, sowie in der 
ftufseren Wurzelscheide. Die Zona viridis ist bei ihnen nur schwach 
angedeutet oder ganz verschwunden; die Zona plasmatriz zeigt statt 
einer intensiv schwarzen eine mehr oder weniger helle bläuliche Färbung ; 
die Zona praecorticalis zeigt eine weniger intensive violett rote 
Ffirbang als normal. Auch in den einzelnen Schichten des dem Halse 
entsprechenden Teiles der inneren Wurzelscheide findet man häufig die 
Zona viridis nicht mehr angedeutet. 

Alle diese verschiedenen Veränderungen finden im allgemeinen ihr 
Gegenstück in den bei der Alopecia areata angetrofi'enen, welche in 
ihrer Gesamtheit als regressive Veränderungen der Haare bezeichnet 
worden sind. So finden sich auch die verschiedenen Haartypen, die, je 
nach dem gröfseren oder geringeren Fortschritt dieser Veränderungen, 
bei dieser letzteren Alopecie unterschieden worden sind, zum Teil bei der 
syphilitischen Alopecie wieder. 

Um in dieser Hinsicht einen näheren Vergleich zu ziehen, treffen 
wir hei der syphilitischen Alopecie Haare an, die den bei der Alopecia 
areata beschriebenen Haaren mit regressiven Veränderungen ersten Grades 
entsprechen. In der Matrix dieser Haare und in jener ihrer inneren 
Worzelscheide finden sich die Mitosen auf ein bis drei Viertel ihrer 
normalen Zahl reduziert. In ihnen weisen die Zellen der Zona 
Incida und der Zona fusoa Zeichen beginnender Degeneration auf, 
lind die dieser letzteren Zone lassen nicht selten schwarze Granula- 
tionen erkennen. Der Hals des Haares ist mehr oder weniger verkürzt, 
und auf den Längsschnitten zeigt sich seine Kontur mehr oder weniger 
annös. Das Pigment ist entweder gänzlich verschwunden oder hat an 
Menge mehr oder weniger abgenommen. In diesem letzteren Falle findet 
M sich meistens auf die Peripherie des Haares beschränkt, zeigt sich 
weniger intensiv gefärbt und weniger deutlich granulös als gewöhnlich 
ind wie in Auflösung begriffen. In der Mehrzahl der Fälle erscheint 
die Papille verkürzt und mit dickerem Halse als normal. Der Follikel 
zeigt in seinem dem Hals des Haares entsprechenden Teil nicht selten 
8wne Kontur leicht sinuös. 



164 

Bei den die obenerwähnten regressiven Veränderungen scbon mehr 
oder weniger deutlicli aufweisenden Haaren der syphilitischen Alopecia 
trifft man ziemlich häufig in dem unteren Teile des Halses hier und 
dort vollständig degenerierte und offenbar in Auflösung begriffene Zellen 
an; in der Zona fusca beobachtet man ebenfalls Strecken von intensiv 
schwarzer Färbung, ein Zeichen von vollständiger Degeneration. In keinem 
Falle aber beobachtet man jene mehr oder weniger ausgedehnten Herd» 
vollständiger Zellendegeneration, oder jene Höhlen, die bei der Alopecia 
areata das hauptsächlichste Kennzeichen der Haare mit regressiven Ver- 
änderungen zweiten Grades bilden. 

Nicht selten beobachtet man bei den in Rede stehenden Haaren 
Veränderungen, die den bei der Alopecia areata beschriebenen regressiven 
Veränderungen dritten Grades ähnlich sind. Man kann nämlich nicht 
mehr den Haarkolben und einen Teil des Halses, in den der Kolben sich 
fortsetzt, imterscheiden, ebenso nicht den diesen zerstörten Teilen ent- 
sprechenden Abschnitt der inneren Wurzelscheide. Die Mitosen am 
Grunde der Haarfollikel sind in diesen Fällen an Zahl äufserst reduziert, 
indem man deren nur noch zwei bis sieben findet. In der äufseren 
Wurzelscheide sind sie deshalb an Zahl bedeutend geringer als normal. 
Im übrigen Teil des Halses wird gar kein Pigment mehr angetroffen. 
Jedoch findet man bei der syphilitischen Alopecie zum Unterschied von 
dem, was man bei der Alopecia areata beobachtet, die Zerstörung nie aof 
den ganzen unteren Teil des Halses ausgedehnt. Aufserdem zeigt sich 
bei der syphilitischen Alopecie der übrige Teil des Halses in keinem 
Falle in seiner ganzen Ausdehnung vollständig degeneriert, ja nicht einmal 
bedeutend verdünnt, wie man dies zuweilen bei der Alopecia areata beob- 
achtet. Doch zeigt bei der ersteren dieser Alopecien der übrige Teil 
der inneren Wurzelscheide innerhalb der infiltrierten Haarfollikel an 
einigen Stellen deutliche Zeichen von Zellendegeneration, besonders unten; 
aber in keinem Falle erscheint er an irgend einer Stelle verdünnt oder 
zerstört, wie wir dies eben bei der Alopecia areata beobachtet haben. 

In einer geringen Zahl von Haarfollikeln, die an ihrem unteren 
Teile mit Leukocyten infiltriert sind, trifft man auch Haare an, bei denen 
vom Halse entweder keine Spur mehr vorhanden oder nur noch ein ganx 
kurzer, gänzlich degenerierter Stumpf übrig geblieben ist. Am Grunde 
des Haarfollikels findet man in diesen Fällen entweder gar keine oder 
nicht mehr als zwei in Karyokinese begriffene Zellen. Was die innere 
Wurzelscheide betrifft, so findet man dieselbe in verschiedenem Zustande. 
In einigen Fällen beobachtet man noch einen mehr oder weniger be- 
deutenden Teil ihres dem Halse entsprechenden Abschnittes, entweder in 
auf dem FoUikelboden zerstreute Fragmente reduziert (Taf. I, Fig. 3), 
oder noch die Überreste des Halses umgebend (Taf. II, Fig. 1). In 



165 

aoderen Fällen ist nicht nur keine Spur mehr von diesem Wnrzelscheiden- 
teile vorhanden, sondern es ist anch auf einer mehr oder weniger grolsen 
Strecke der verhornte Teil der Wurzelscheide zeretört. Fast ebensolohe 
Haare mit Zerstörung des Halses und der inneren Wurzelscheide trifit 
man allerdings auch hei der Alopecia areata an; nur dafs der Follikel, 
während er bei dieser in solchen Fällen zuweilen noch weit gefunden 
wurde, bei der syphilitischen Alopecie beständig einen mehr oder weniger 
Torgeschrittenen Atrophiegrad darbietet. 

Bei der syphilitischen Alopecie werden, wie bei der Alopecia areata, 
anch des Haares beraubte und in einem mehr oder weniger vorgeschrittenen 
Atrophiezustand sich befindende Follikel angetroffen. Während man 
jedoch bei letzterer, in Fällen, in denen das Leiden schon seit Jahren 
fortbestaud, die Atrophie die physiologischen Grenzen überschreiten sah, 
ist dieses bei ersterer nie beobachtet worden. 

Bei der syphilitischen Alopecie findet man zuweilen Haarfollikel^ 
welche die erste Anlage des Haarkeims, oder den Haarkeim selbst, oder 
das Haar in seinen ersten Entwickelungsphasen, oder das Haar mit in 
Binde umgewandeltem, aber noch mehr oder weniger jungem Schaft ent- 
halten; doch kann man an den in diesen verschiedenen EntwVckeluugs- 
pbasen sich befindenden Haaren, die gewöhnlich in Follikeln ohne oder 
nnr mit ganz leichter Leukocyten-Infiltration an ihrem unteren Teile ent- 
halten sind, keine Veränderung wahrnehmen. Nicht so bei der Alopecia 
areata, bei welcher die Begenerationshaare, da die Infiltration in die be- 
treffenden Follikel fortdauert, sich mehr oder weniger verändert zeigen. 

Bei der syphilitischen Alopecie werden ferner verschiedene andere 
Veränderungen nicht beobachtet, die bei der Alopecia areata wahrzunehmen 
sind, wie die Trichorrhexis, das Vorhandensein eines breiteren Markes in 
den Haaren als normal, das Vorhandensein von Hohlräumen zwischen 
der Matrix des Haares und der inneren Wurzelscheide und der FoUikel- 
wand. 

Aus dem, was wir oben über die Veränderungen der Haare selbst 
bei der syphilitischen Alopecie gesagt haben, geht also hervor, dafs die- 
selben zum grofsen Teil den bei der Alopecia areata stattfindenden Ver- 
änderungen ähnlich sind. Die wichtigsten unterschiede, die zwischen 
den beiden Alopecien bestehen, würden sich im Grrunde genommen darauf 
beschränken, dafs bei der syphilitischen Alopecie die Zellendegeneration 
in der Haarwurzel nicht immer in der gleichen Weise verteilt und aus- 
gedehnt ist, wie bei der Alopecia areata, und dafs bei der ersteren die 
Wnrzel sich nicht in so bedeutendem Grade verdünnt, wie zuweilen bei 
4er letzteren. Unterschiede dieser Art können sicherlich nicht als wesent- 
liche betrachtet werden. Andere Umstände, wie z. B. der, dafs bei der 
syphilitischen Alopecie kein einer die physiologischen Grenzen über- 



166 

schrei tenden, Atrophie unterworfener Haarfollikel und keine veränderten 
Regenerationshaare gefunden wurden, können noch viel weniger als die 
ersteren als wesentliche Unterschiede zwischen den VeränderuDgen der 
Haare hei den beiden Alopecien gelten, da sie offenbar in beiden Fällen 
an die verschiedene Dauer des Krankheitsprozesses gebunden sind. 
Kurz zusammengefafst, erhellt aus dieser Untersuchung folgendes: 

1. Bei der sekundär-syphilitischen Alopecie ist in der Haut, ohne 
klinische Veränderung derselben, ein Entzündungsprozefs vorhanden, der 
vorzugsweise die Follikel an deren unterem Teile befallt (Folliculitis 
pilaris profunda). Infolge dieses Prozesses finden in den Haaren re* 
gressive Veränderungen statt, welche deren Ausfallen herbeiführen. 

2. Vom histologischen Gesichtspunkte aus bietet die Haarfollikelentzün- 
dung der syphilitischen Alopecie, ihrem Sitze und ihrer Ausdehnung nach, 
grofse Ähnlichkeit mit jener der Alopecia areata dar. Auch die Ver- 
änderungen, die in einem und dem anderen Falle infolge der Haar- 
foUikelentzündung in den Haaren stattfinden, sind zum grofsen Teil die 
gleichen. 

Wie man sieht, haben diese histologischen Untersuchungen einige 
nützliche Resultate ergeben. Sie bringen zum ersten Male positive Klarheit 
über die Ursache des Haarausfalls, der bei der in Rede stehenden syphi- 
litischen Alopecie stattfindet, und der bisher, wie bekannt, den verschie- 
densten hypothetischen Ursachen, wie der Anämie, der Schwächung des 
Organismus u. s. w., zugeschrieben wurde. Indem sie ferner erkennen 
lassen, wie eine sicherlich durch ein im Blut cirkulierendes Virus ver- 
ursachte Alopecie, wie es die syphilitische ist, von anatomischen Ver- 
änderungen begleitet wird, die wesentlich mit den der Alopecia areata 
identisch sind, zwingen sie uns zu der Annahme, dafs auch diese letztere 
Alopecie durch ein im Blut cirkulierendes, natürlich von dem der Syphilis 
verschiedenes pathogenes Agens verursacht werde. In dieser Hinsicht 
würden also die vorliegenden Untersuchungen dem Studium der bisher 
so dunklen Ätiologie der Alopecia areata ganz neue Wege erschliefsen. 

Zur Erläuterung der Tafeln. 
Alle Photogramme dieser Tafeln stammen von bei 200facher YergrofseniDg ge- 
machten mikroskopischen Aufnahmen von Originalpräparaten. Sie stellen Querschnitte 
von den bei syphilitischer Alopecie in der Kopfhaut angetroffenen Haarfollikeln dar. 

Tafel I. 

Photogr. 1. Zeigt den unteren Teil eines Follikels, welcher auf einer Seite eine 
Leukocyteninfiltration von mittelmäfsiger Ausdehnung darbietet. 

Photogr. 2, Zeigt einen Pollikel, welcher auf der Höhe des obersten Drittel« 
der Zona fusca des Haares sich von einer bedeutenden Leukocjteninfiltration fftst 
ganz umgeben findet. 



167 

Fhotogr. 3. Zeigt den Grund eines Follikels, welcher auf einer Seite eine gpanz 
leichte Leukocyteninfiltration darbietet; im Innern dieses Follikels sieht man das 
Haar nicht mehr, sondern nur Fragmente der inneren Wurzelscheide. 

Tafel n 

Fhotogr. 1. Zeigt einen Follikel der ringsherum von einer kleinen Zahl Leuko- 
zyten infiltriert ist. In seinem Innern gewahrt man das obere Eude des Halses 
Tom Haare und den entsprechenden Abschnitt der inneren Wurzelscheide yerändert 
ind in Auflösung begriffen. Drei Schnitte unterhalb dieser war keine Spur mehr 
?on diesen Teilen anzutreffen. 

Fhotogr. 2. Zeigt den atretischen Teil eines in Atrophie befindlichen Follikels 
an dessen oberstem Drittel, der ganz von Leukocyten infiltriert ist. 

Fhotogr. 3. Zeigt den Grund eines des Haares beraubten und in vorgeschrittener 
Atrophie sich befindenden Follikels, der ringsherum bedeutend mit Leukocyten 
iofiltriert ist. 



))erfatttiitlitn$en. 



Moskauer Venerologische nnd Dermatologisclie Gesellschaft. 

(Originalbericht von Alfred Lanz • Moskau.) 

Sitzung vom 27. März 1892. 

1. Prof. PosF£i.ow stellte einen Kranken (19 Jahre alt) mit Asphyxia localis 
eztremltatnm BATNAUD vor. Patient ist Landwirt und stammt aus einer Familie, 
in der sämtliche Glieder, mit Ausnahme der Mutter des Patienten, Neuropatheu sind. 
Aach die Brüder des Vaters sind es. Die ältere Schwester des Patienten litt an 
lokaler Asphyxie der Hände und starb als psychisch Kranke. Seine zweite Schwester, 
die noch lebt, leidet an Epilepsie und ist eine vollständige Idiotin. Vor ungefähr 
iwei Jahren bemerkte Patient nach einer starken Geisteserschütterung, dafs anfangs 
die Hände, dann aber auch die Nase blau wurden, und wenn diese blaue Farbe auch 
btiweilen schwächer wurde, so schwand sie doch nie ganz. Bei jeder Aufregung 
stei)|rert sie sich und läfst wieder nach, sobald Patient sich beruhigt. Diese Ver- 
inderang der Hautfarbe ist durchaus unabhängig von der äufseren Temperatur. 
Bisweilen stellen sich beschleunigter Herzschlag und Schwermut ein. Der gegen- 
wirtige Zustand des Patienten ist folgender: 

Er ist von mittlerer Gröfse, mager, leidet an hartnäckiger Verstopfung und ist 
lehr nervös. Beide Hände haben eine intensiv blaurote Farbe und sind leicht runzlig. 
Die Haut ist nicht atrophisch, die Temperatur derselben ist herabgesetzt, wobei 
Patient die Empfindung hat, als ob die Hände kalt und feucht wären. Die blaue 
Farbe wird schwächer bei Druck und besonders bei Reibung, doch nur für kurze Zeit. 
Die Nägel sind nicht verändert. Sämtliche Arten der Sensibilität sind vollständig 
I erhalten, auch für thermische Reize. Legt Patient die Hände in warmes Wasser 
I (32—36^, so geht die blaurote Farbe in eine ziegelrote über, und der Kranke empfindet 
Stechen in den Fingerspitzen, welches beim Baden in heifser Badestube auch in den 
Zehen auftritt, wo aber auch bei mehrmaliger Untersuchung kein Zeichen von 
^•hyxie nachzuweisen waren. Die Nase ist blau, doch ist die blaue Farbe hier 
weniger intensiv als an den Händen. Aufser Abnormitäten in der psychischen Sphäre 



168 

und erblicher Neurasthenie sind keine Veränderungen, weder des Nervensystems noch 
der inneren Organe, nachweisbar. 

Der Vortragende erwähnte, dafs die lokale Asphyxie der Extremitäten Euent im 
Jahre 1862 von Maurice Raynaud unter dem Namen Asphyxie locale ou gangr^ne 
symmetrique des extrcmites, und später von Weiss unter der Benennung neuropars- 
lytische Asphyxie beschrieben worden ist. Weiss nimmt an, dafs bei diesem Leiden 
das vasomotorische Centrum entweder auf reflektorischem Wege, oder durch psychische 
Erregung, oder endlich automatisch aus uns unbekannten Gründen leicht in den 
Zustand der Hypertonie versetzt wird. Folge hiervon sind dann übermälsige Erregang 
der Vasomotoren und Geföfskrampf. Bei Kontraktion der Arterien nimmt die Hast 
leichenartiges Aussehen an, während bei Venenkraropf lokale Cyanose eintritt Je 
nach Intensität des Processes unterscheidet man : Syncope localis, Asphyxia localis und 
Gangraena symmetrica. 

2. Dr. Lanz stellte eine 29 Jahre alte Patientin vor, mit Dermatitis diihtt 
ex nsu opii. Die Dermatitis erstreckte sich über die ganze Haut Oberfläche und wir 
von starker Abschuppung begleitet, wobei die Epidermis sich von Händen und Fälsen 
in zusammenhängenden Stücken, in Form von Handschuhen und Pantoffeln, ablöste. 
Die Diagnose wurde durch mehrmalige Anwendung des Medikamentes bestätigt 
Erscheint ausführlich in dieser Zeitschrift) 

'6. Dr. TscHERNOGUBow sprach über Therapie des Lnpns vnlgaris. Seit Ende 
Oktober 1891 begann der Vortragende auf Vorschlag Prof. Pospblows, Lupöse» 
die vorher erfolglos mit Tuberkulin behandelt waren, galvanokaustisch zu behandek. 
Er benutzte dazu einen BECKERschen Apparat mit zwei Elementen und bediente sich 
eines Brenners, wie er bei Augenoperationen gebraucht wird. Punktförmige Kauteri- 
sationen wurden in einem Abstand von 2 — 3 mm ausgeführt, wobei auch die gesund» 
Haut oder Schleimhaut bis auf 1 — 2 mm mit ergriffen wurde. Zwar nennen die 
Franzosen das galvanokaustische Verfahren eine Methode non sanglante; doch konnte 
der Vortragende öfters reichliches Bluten beobachten. Nachdem er die Vorrög» 
einer solchen Behandlung des Lupus vulgaris dargelegt hatte, stellte er einen Patienten 
vor, bei dem während der Behandlung mit KocHschem Tuberkulin Inpöse Enotea 
am oberen Augenlide aufgetreten waren; die Entfernung dieser Knoten vermittelst 
anderer Kaustika oder mit dem scharfen Löffel hätte leicht zu Ektropium geführt 
Die Kausterisation hingegen hat nur eine kleine punktförmige Narbe zurückgelassen, 
die die Bewegungen und das Ausseben des Augenlides durchaus nicht verändert hii 

4. Dr. Pbiklonski referierte über zwei Fälle von syphilitisclier ErkrankoBf 
der Gelenke, unter Vorführung einer Patientin. 

Sitzung am 29. April 1892. 
1. Dr. Mansurow stellte eine Patientin mit Liehen ruber acnminatiis vor. 
Der Liehen ruber acuminatus bildet ein sehr seltenes Hautleiden, und auch in der 
Litteratur sind wenig Fälle bekannt. Dieser Umstand, meint Vortragender, sei bedingt 
durch die ungenügende Beschreibung dieser Krankheit, infolge der Schwierigkeit 
der Diagnose. Eine charakteristische Darstellung findet sich nur in BÄRENsrauvos 
Atlas. Ausführlich beschrieben hat den Liehen ruber zuerst Hebra, und galt er for 
unheilbar, bis man anfing, nach dem Vorgange Körners Arsenik innerlich anzuwenden. 
Wie gering ergründet der Liehen ruber noch heute ist, kann man ersehen ans den 
Debatten über diese Krankheit auf dem Dermatologenkongrefs in Paris 1889. Nach- 
dem Vortragender auf die Merkmale des Liehen ruber acuminatus hingewiesen hatte^ 
führte er die Patientin vor. Im Interesse der differentiellen Diagnose des Lichea 
ruber acuminatus Hebrae und des Liehen ruber planus Wilsoni stellte Dr. Sabolotikt 
einen Mann mit typischem Liehen planus vor. 



169 

2. Dr. TscHSRNOGUBOw demonstrierte einen Fall von Perifollicnlitis cutanea 
«oni^omerata. Diese seltene und bisweilen fär die Diagnose sehr schwierige Krankheit 
hatte der Vortragende dreimal Gelegenheit zu beobachten. (Im MyASSNiTZKYschen 
Hosp. 1886 — 1892). Nach seinen Beobachtungen bilden sich am Bumpfe und an den 
Extremitäten runde oder ovale (mitunter bis zu 10 cm im Durchmesser) Plaques; 
<üe8e stellen entweder eine flache Geschwulst mit durchschimmernden Eiterbläschen 
dar, aus welcher auf Druck mehrere Tropfen Eiter (wie durch ein Sieb) an die 
Überfläche treten, oder in einem späteren Entwickelungsstadium und unter besonders 
günstigen Bedingungen nehmen die Plaques papillomatösen Charakter und ring- 
förmige Gestalt an. Nach Verlauf einiger Zeit (IV* Wochen) bedecken sich diese 
BilduDgen gewöhnlich mit einer dicken Borke, welche nach Abfallen nur Pigmen- 
tation, selten eine weiche, oberflächliche Narbe zurückläfst. Was die Aetiologie der 
Krankheit anbetrifft, so liefs sich im ersten und dritten Falle, die Entstehung der 
Foliikulitis unzweifelhaft auf innerlichen Gebrauch von Jodkalium zurückfuhren, was 
l)esoDder8 beim dritten Falle durch wiederholte Anwendung dieses Mittels festgestellt 
werden konnte. Die mikroskopische Untersuchung der Haut zeigt, dafs bei diesem 
Leiden die Entzündung der Haarfollikel und Talgdrüsen sich über das perifollikuläre 
Gewebe ausdehnt und so ein grofseres Stück Haut in Mitleidenschaft zieht, wobei die 
papillomatöse Gestalt durch Wucherung der Papillarschicht bedingt wird. Zum 
Scfalals zeigte der Vortragende sowohl den Patienten selbst, als auch mikroskopische 
Präparate der ausgeschnittenen Hantstückohen. 

3. Dr. UsTiNow demonstrierte einen Fall von Lepra anaesthetica maculosa. 
Patient ist 50 Jahre alt, Bauer des Moskauschen Gouvernements. Er wurde bereits 
im Jahre 1890 in die hiesige Klinik für Hautkranke aufgenommen und befindet sich 
gegenwärtig wieder in der Klinik* des Dr. Mansurow. Obgleich dieser Fall schon 
einmal beschrieben ist (s. Meed, Odoyp, 1890), sieht Vortragender in den im Verlauf 
der Krankheit eingetretenen Veränderungen Grund genug, den Patienten nochmals 
Torzuführen. Aus des Kranken Vergangenheit ist folgendes bekannt: Geboren ist er 
im Hoskikuscben Gouvernement, welches er niemals verlassen hat, ist verheiratet, 
seine drei Kinder sind in frühem Alter gestorben; er arbeitet seit 7 Jahren in einer 
Seidenweberei und kennt entschieden niemand, der eine ähnliche Krankheit hätte; 
bis 1866 war er gesund. Damals erkältete er sich, fShlte Schmerzen in der Brust 
imd in den Fingern, später auch im Gesicht, am Rumpf und an den oberen Extremi- 
täten, wobei rote Flecken, von denen einige abschuppten, an den Händen erschienen; 
«pater stellte sich an diesen Stellen Anästhesie ein, welche ihn hinderte, weiter in der 
Fabrik zu arbeiten, und er begann zu betteln. Gegenwärtig haben sich die anästhe- 
tischen Flecken bedeutend erweitert und sind stellweise ineinander übergegangen. 
Die Haut im Bereiche der Flecken ist trocken, schwitzt nicht, Cutis anserina kann 
nur an vereinzelten Stellen hervorgerufen werden. Thermische Reize und Schmerz 
werden an den kranken Stellen nicht empfunden, während die übrigen Arten der 
Sennbilität teils ganz erhalten, teils mehr oder weniger herabgesetzt sind. Die 
Thermoanästhesie und Analgesie sind so stark ausgedrückt, dafs Patient Nadelstiche 
nicht empfindet und Temperaturdifferenzen zwischen -f- 10 und + 54^ nicht unter- 
scheidet. Die elektrokutane Sensibilität ist an den afficierten Stellen nur herabgesetzt. 
Die elektrische Erregbarkeit (sowohl gegen galvanischen, wie auch faradischen Strom) 
^er MM. interossei ihid der Muskeln des Hypothenar der linken Hand und der Plantar- 
muskeln ist ebenfalls herabgesetzt. Der N. medianus und ulnaris sind verdickt, jedoch 
nicht knotig. In vielen Muskeln wurde idiomuskuläre Kontraktion beobachtet. Die 
mneren Organe sind normal. In einigen an Lebenden excidierten Hautstückchen 
&nd Dr. Massow Leprabacillen. 



170 

Aus den Verliaiidluiigen des X. internatioiialen medizinischen KonsraeMs 

zn Berlin, Angust 1890. 

Herausgegeben vom Redaktions-Komitee, Berlin 1819. 

(Schlufs.) 

Sektion für Kinderheilkunde. 

Eben: Über Skorbut. 

Vortragender sah sieben Kinder von gut situierten Eitern am Skorbut erkrankt; äe 
hatten Knochenauftreibungen an den langen Röhrenknochen, vor allem des Unier- 
Schenkels, auch an den Kiefern; diese Auftreibung betraf stets die der Epiphyseih 
grenze benachbarte Diaphysengegend; wie die Probeincision zeigte, wurde sie bedingt 
durch einen Blutergufs (wie in Barlows Fällen), zwischen Knochen und Perioct; 
Gelenke waren intakt, Zahnfleischaffektion bestand sechsmal mit Blutung und Foetor, 
Hämorrhagien in der Haut wurden zweimal gesehen. Die Kinder waren meist mit 
kondensierter Milch ernährt und hatten Darmkatarrhe durchgemacht. In allen KlleD 
trat vollkommene Genesung unter antiskorbu tischer Diät ein. Nebenbei Rubestellnn; 
der betreffenden Extremitäten und küble Umschläge. 

Hedbner hat einen analogen Fall beobachtet; das betreffende Kind, dessen Eltern 
in glänzenden Verhältnissen leben, war mit NssTLSschem Kindermehl genährt. 

Sektion für Chirurgie. 
BoTTiNi: Ober radikale Behandlung der auf Hypertrophie der Prostate 
beruhenden Isehurie. 

B. empfiehlt die von ihm konstruierten galvanokaustischen Apparate. Zun 
Stromgeben benutzt er einen Accumulator, der sehr kräftig ist. Das Instrument nm 
Absengen eines Prostatalappens hat die Form eines MERciBRschen Katheters, das xom 
Durchschneiden die des MaRCiERschen Inciseur. Für Kühlung ist durch einen Wmet- 
Strom gesorgt. Die Erfolge sind glänzend: unter 57 Fällen 2 Todesfälle nnd 
32 Heilungen, 11 Besserungen. 

Mao Gill und Bruce Clarke betonen die Wichtigkeit der Sectio suprapnbici, 
die allein das Hemmnis zu sehen und zu fühlen gestattet. 

Küster weist auf Dittels Prostatectomia lateralis hin, die er zweimal an 
Lebenden mit gutem Erfolge ausgeführt hat. 

Newmaüv: 20jährige Erfahrung in der Behandlung der Harnröhrenstriktum 
mit Elektrolyse. 

Vortragender empfiehlt die Katalyse mittelst der Kathode zur Erweichung nnd 
Dehnung von Strikturen; seine Elektroden sind mit einem eiförmigen oder eiohel* 
förmigen Knopfe versehen, welcher gegen die Striktur angedrückt wird. Für eng« 
Strikturen wird eine dünne Fischbeinsonde eingelegt und auf derselben eine HoU* 
rinnenelektrode vorgeschoben, um so falsche Wege zu vermeiden. Auch eine Kom- 
binationselektrode (mit Katheter zum gleichzeitigen Ausspülen der Blase) hat N. anr 
gegeben. Er lobt die Methode als schmerzlos, ungefährlich und sicher. Ist die Striktur 
einmal geheilt, so ist der Patient vor Becidiven sicher. 

Lewsohiv: Über die geographische Verteilung der Steinkrankheit ia 
BuTeland. 

L. stellt auf Grund eines Materials von 60000 Steinkranken, von denen sr 
30000 benutzen konnte, fest, dafs die Lithiasis in Rufsland dem kindlichen und 
jugendlichen Alter der Mehrzahl nach angehört, und dafs die Krankheit in EuIsltDd 
sehr ungleichmäfsig verteilt ist; in einigen Gouvernements tritt sie endemisch nn£ 
Ein ganzer Komplex von Bedingungen macht die Ursache der Lithiasis aus: dis 
Rasse, Nahrungs weise der Säuglinge etc. Im Anschluis daran empfiehlt Kusvni die 



171 

Lithotripsie und Litholapaxie mit nachfolgender Aussaugung der Fragmente mit dem 
fiiGELOWschen Eracaator als die typische Operation auch im jagendlichen Alter. 
Abetaios hat nach verschiedenen Methoden operiert, früher meist mit dem lateralen 
Perinealschnitt, zieht aber auch die Lithotripsie dieser Methode vor. 

Bokithaüft: Über die Histogenese der Tuberkulose der männlichen. 
GMclüechtsdrttse. 

Untersacht man tuberkulöse Hoden, so findet man, dafs das fibröse Tuberkel- 
knötchen meist im Centmm einen mit käsigen Massen erfüllten Samengang enthält, 
wahrend die benachbarten Samengänge einfach komprimiert sind. B. erklärt die» 
dinas, daüs die Tuberkel sich aus kleinsten Blutextravasaten entwickeln. So erklärt 
lieh aach, weshalb die Genitaltuberkulose, eben den Blutgefäfsen folgend, so lange 
einseitig bleibt; auch wirft dies Verhalten auf das Verhältnis des vorausgehenden 
Tnnmas zu vielen Infektionen, Gelenktuberkulose, Osteomyelitis etc.: die kleinen 
durch das Trauma gesetzten Extravasate geben eben einen günstigen Nährboden für 
die zufällig dahin gelangten Bakterien. 

Fort: Lineare Elektrolyse in der Bebandlnng der Hamröhrenstriktnren. 

F. verwirft die Elektrolyse mit knopfförmigen Instrumenten, da sie leicht 
Recidive mache. Er empfiehlt sein (des öfteren in diesen Heften beschriebenes) Ver- 
fahren als ungefährlich, schmerzlos und gegen Recidive sicherstellend ; er hat bis jetzt 
700 Fälle operiert. Auch Strikturen des Oesophagus geben manchmal unverhoffte 
Besserungen nach dieser Methode. 

A. Kolucank: ElektroendoBkopie der Hamrölure und die Prophylaxe der 
Striktor. 

K. empfiehlt das OBEBLÄNDKRsche Instrument zur Erkennung der pathologischen 
Prozesse in der Harnröhre, vor allem der beginnenden Striktur ; diese kann dann mit 
Sonden und dem Dilatator leicht geheilt werden. Zugleich erläutert er seinen photo- 
endoskopischen Apparat. 

RuBio empfiehlt bei der Ampntatio penis, durch Umwickeln eine halbe Erek- 
tion herzustellen, da so die Schnittführung besser gelingt, als im schlaffen Zustande. 
Um Verengerungen des vorderen Urethralendes vorzabeugen, empfiehlt er, den Penis 
an der unteren Fläche zu spalten. 

Le Fort: Behandlung der Hamröhrenstriktnren durch Dilatation. 

Lb f. empfiehlt zur Strikturbehandlung seine (ebenfalls schon öfter in dieser 
Zeitschrift beschriebene) Methode als die allein seligmachende: es wird eine Verweil- 
Bonde für 24 Stunden eingelegt, die eine Eotzündung und dadurch Erweichung der 
Striktor herbeiführt, so dafs man direkt dicke Sonden einführen kann. 

Aretaios hat eine kolossale Elephantiasis scroti durch Operation geheilt, der 
abf^esetzte Tumor wog 32 kg. Heilung etc. Die Elephantiasis hatte sich im Anschlufs 
an eine Perforation der Urethra nach Katheterismus entwickelt. 

GuARCH spricht über vier Fälle von Naevus pigmentosus piliferus, die durch 
Excision uod nachfolgende Transplantation nach Thiersch geheilt wurden. Es mufs 
das ganze Corium entfernt werden, da in ihm das Pigment Beinen Hauptsitz hat. 
Safs der Naevus auf Wange oder Lippe, so dais eine unregelmäfsige Wundfläche 
entsteht, so mufs man das Aufschief sen von Granulationen abwarten und auf diese 
transplantieren , damit die Narbe ebener wird. Etwa aufschiefsende Haare sind 
elektrolytisch zu beseitigen. 

Deskos: Indikationen zur Lithotripsie. 

Seitdem die Antisepsis ihre Triumphe feiert, ist die Steinzertrümmerung zu 
einer verhältnismäfsig leichten, ungefährlichen und dabei sicheren Operation geworden. 
Alter, Gröfse des Steines etc. bilden kaum eine Eontraindikation ; nur die Härte 



172 

hindert zuweilen; die begleitende Cystitis schwindet meist nach Entfernung des 
Steines; bei alten Fällen ist es aber zu einer interstitiellen Cystitis gekommen^ dii 
Schmerzen bleiben auch nach der Zertrümmerung: da hilft nur der Schnitt mit 
nachfolgender Drainage. 

Albjlrran: Bolle der Psorospermien bei der Entwickelung der Epitheliome 
nnd über gewisse Epitheliome der Blase. 

Vortragender hat in drei Fällen in der Blase Psorospermien nachgewiesen, die 
er für die Ursache der Carcinome hält^ da man sie sowohl in proliferierenden Epithol- 
massen, wie in Carcinomen findet, wenn auch der strikte Beweis noch nicht 
erbracht ist. 

Gritti: Über die Besultate des perinealen Hamblasenschnittes mit dei 
GBiTTischen Instrumenten. 

Der Instrumentenapparat besteht aus einer Stahlsonde mit MERCiEB-KrämmiiDg, 
die auf der Seite der Knickung eine Hohlrinne hat. Diese wird eingeführt, um 180* 
gedreht und nach vorn gezogen; so wird Blasenhals festgehakt und nach vorn ge 
zogen. Nun geht der Operateur mit einem spitzen Bistouri direkt durchs Perineam 
bis zur Rinne des Katheters und schiebt dasselbe bis zum Winkel vor. Der Stan 
folgt mit einer der gebräuchlichen Zangen. Gritti gab der Operation den Namen: 
Oystotomie ä jour; sie ist in Italien 30 mal mit 10 Vo Mortalität ausgeführt. 

Sektion für Neurologie und Psychiatrie. 

Althaus: Behandlung der Syphilis des Nervensystems. 

A. empfiehlt 1. prophylaktisch: £:(cision des Schankers und dreimonatliche 
energische Quecksilberbehandlung, sodann Kräftigung des Nervensystems, da er m 
59,9 Vo seiner Fälle „nervöse Anlage^ fand; 2. bei bestehender Syphilis des Nerren* 
Systems lange fortgesetzte Behandlung mit subkutanen Einspritzungen von „Karbol- 
QuecksilberCrSme'^ (Hg wird mit Lanolin verrieben und dazu Karbolöl gemischt) 
Nebenbei KJ, Tonica, konstanter Strom etc. 

Mabie und Makinesco: Pathologische Anatomie der Akromegalie. 

Die Autoren unterscheiden zwischen Akromegalie und „Osteoarthropathie hyper- 
trophiante pneumique". Erstere hat gewisse, ihr eigentümliche pathologische Ver 
änderungen, die besonders das Bindegewebe betreffen. Dasselbe ist in der Haut ver- 
dickt, auch die Gefafse, die kleinen Nerven, die Nervenendkörperchen, die Haot- 
drüsen weisen Verdickungen ihrer Hüllen auf. Die Bestandteile des Knochens sind 
hypertrophisch, die Osteogenese weist Veränderungen auf. In den Schleimhäuten md 
die Veränderungen weniger ausgesprochen. Im Gehirn besteht ebenfalls Hyperplasie 
der Glia; die Glandula pituitaria ist im Zustande der einfachen hyperplastischen 
Vergrösferung. 

Sektion für Hygiene. 

Sehr interessant sind die Referate von Thirt und Kaposi über dil 
Prostitutionsfrage. 

In eingehender Weise sprechen sich beide für Reglementierung der Prostitotioo 
aus und fassen ihre Ansichten am Schluls in einer Reihe von Thesen zusammen, von 
denen die Kaposis vielleicht noch umfassender sind, als die Thirys. Beide empfeUeo 
die Bordelle, exakte ärztliche Untersuchung, thunlichste Unterdrückung der geheimen 
Prostitution, methodische Überwachung der männlichen Bevölkerung, soweit angängig» 
(Armee, Fabrikarbeiter etc.) In der Diskussion schlägt Neisser vor, die KontroU- 
Untersuchung umfassender und exakter zu gestalten, als meist gebräuchlich. 
PippiNGSKöLD (Finnland) ist Gegner der vom Staate geduldeten Prostitntion, er 
empfiehlt, zur Eindämmung der Syphilis alle infizierten oder verdächtigen Personen 
aufmerksam zu überwachen. 



173 

DftTSDALB ist aach gegen Reglementierung und für scharfe Bestrafung mit 
<^fangms aller derjenigen, die wissentlich die syphilitische Ansteckung verbreiten. 
HuiziNGA will vor allem die „exce^siven Geschlechtstriebe" gezügelt wissen, daher 
4arf die Prostitution nicht geduldet werden, da sie einigermafsen suggestiv den 
Geschlechtstrieb fördert. Felix ist für Begelung der Prostitution, aber gegen Bordelle, 
durch die manch unschuldiges Mädchen der Korruption in die Arme geführt werde. 
NiüiLANN ist für Bordelle, vor allem aber für sorgfältige Überwachung und Behandlung 
4er Infizierten während zweier Jahre (während des kondylomatösen Stadiums). Cbocq 
kommt im Schlufswort zu der Ansicht, dafs man die Prostitution nicht unterdrücken 
kann, dafs sie die Hauptquelle der Syphilis ist, und dafs man sie daher thunlichst 
«indämmen und überwachen muis, wie auch Thiry und Kaposi vorgeschlagen haben. 
Er schlägt die Resolution vor, der Kongreis erachte die Listenführung, Überwachung 
und periodische ärztliche Untersuchung der Prostituierten für notwendig, um die 
3jphilis einzuschränken. Die Abteilung lehnt aber die Abstimmung in Hinblick auf 
die Statuten ab. 

Sektion für medizinische Geographie und Klimatologie. 

Pbxklharing: Über Beri-Beri. 

Trotz der verschiedenen Ursachen, die man für die Krankheit verantwortlich 
gemacht hat (Nahrung, Feuchtigkeit, Trinkwasser etc.) bleibt auffallend, dafs Beri-Beri 
in den Gegenden der Tropen, wo die Krankheit herrscht, an bestimmte Gebäude, 
Landstriche gebunden zu sein scheint; Referent hält sie daher für kontagiös, wenn 
aach eine Übertragung von einem Menschen auf den anderen noch nicht sicher 
konstatiert ist. P. hat denn auch im Blute Beri-Beri-Kranker einen Micrococcus 
gefanden und gezüchtet, der bei wiederholter Einimpfung (dies ist wichtig, da auch 
Menschen erst nach längerem Aufenthalte in infizierten Gegenden befallen werden) bei 
Tieren eine multiple Entartung peripherer Nerven hervorruft. Die Therapie ist 
dankbar; vor allem hat man den Erkrankten in eine von der Krankheit freie Gegend 
2\i bringen, daneben gute Ernährung etc. Auch Desinfektion der infizierten Gebäude, 
Schiffe, bezw. Drainieren des Bodens ist zu versuchen. Der Korreferent Wbbnioh 
balt die verschiedenen Beri-Beri Kokken- etc. Arten für identisch. Er weist der 
iudiyidnellen Disposition einen grofsen Einflufs zu, da meist nur kräftige Männer 
erkranken. Therapeutisch verspricht er sich am meisten von Verbesserung der Diät 
«nd Veränderung des Klimas. 

Ed. Akniko: Über Lepra. 

Der anderweitig veröffentlichte Vortrag erklärt die Lepra entschieden für 
kontagiös, verursacht durch den von Hansen und Neissbr entdeckten Bacillus; wenn 
das Kttlturverfahren erst entdeckt und die Impfung gelungen ist, wird man klarer 
liierin sehen; A. hält Lepra nicht für hereditär; dafs die Krankheit häufig in Familien 
vorkommt, erklärt sich aus der frühzeitigen Infektion. 

Jonathan Hutchinson bricht dagegen eine Lanze für seine Fischtheorie: Die 
römisch-katholische Kirche mit ihren Fasttagen und Fischspeisen hat die Krankheit 
nber Europa verbreitet. In Neu-Seeland bestand die Krankheit bei der Entdeckung 
und nahm in dem Mafse ab, als die Einwohner vom Fischessen zur Fleisch- und 
Komnahrung übergingen. Auch auf den Sandwichinseln bestand sie bei der 
Entdeckung, sie wurde nur verheimlicht, nahm dann aber bedeutend zu, als die 
^^esen einwanderten und ihre Fischspeisen mitbrachten. Ähnliches hat man am 
Kap der guten Hoffnung beobachtet. 

Hirsch referiert Beavbn Bakbs Vortrag: Beobachtungen und Versuche über 
'«üe Ätiologie des Aussatzes. (Berl. klin. Woch. 1891, No. 2.) 

Hirsch hält die Lepra nicht für unbedingt kontagiös, da sie immer nur auf 

Monatshefte XYI. 13 



174 

einzelne, oft kleine Herde beschränkt sei und mit Vorliebe bestimmte Rassen befalle; 
er möchte die Erblichkeit nicht aufgeben. Petersen und Dehio fahren FfiUe ans 
den russischen Ostseeprovinzen an, die nur durch Eontagiosität sich erklären. Akvbq 
meint, in alten Zeiten könne auf den Sandwichinseln keine Lepra bestanden baben, 
da man an Leichen in Felsengräbern keine Spur davon gefunden habe. Er fordtit 
auf, die Lepraforschung von dem Standpunkte aus, dafs der Bacillus der Infektioiii> 
träger sei, fortzusetzen. Hibsgh will auch keineswegs die Existenz oder Wirksamktit 
des Bacillus geleugnet haben, er will nur die anderen ätiologischen Faktoren tadi 
berücksichtigt wissen; dazu soll die epidemiologisohe Forschung dienen. 

Sektion für gerichtliche Medizin. 

Eratter: Über die Verwertbarkeit des Gonokokkenbef^ndes für die 
gerichtliche Medizin. 

Die Gonokokken gehören zu den bestgekannten Spaltpilzen und sind ein 
konstanter Befund aller gonorrhoischen Schleimhauterkrankungen. Vortragender nh 
zwei Fälle von Kindern, die infolge geschlechtlicher Attentate gonorrhoisch erkrankt 
waren. Der Thäter hatte auch Gonorrhoe. Er schlieCBt daher, dafs die Entscheidang, 
ob eine nach Stuprum auftretende blennorrhagische Entzündung traumatisch oder 
infektiös sei, nur durch die bakteriologische Untersuchung erbracht werden könne; 
der positive Ausfall derselben spreche für geschlechtliches Attentat, der negstive 
nicht dagegen. Man kann die Gonokokken auch noch in angetrocknetem Trippereiter 
nach langer Zeit nachweisen. 

Ungar erinnert an die Epidemie von Vnlvo -Vaginitis kleiner Mädchen im 
Hamburger Erankenhause, deren Ätiologie nicht aufgeklärt wurde* 

Mittbkzweig konnte in drei Fällen Gonokokken bei dem Stuprator und seineB 
Opfer nachweisen. 

RiSEL teilt folgenden Fall mit: Ein Mann wurde beschuldigt, ein kleinei 
Mädchen milsbraucht zu haben, welches Blennorrhoe der Vulva hatte ; in dem Sekret 
seiner Harnröhre fanden sich keine Gonokokken, wohl aber litten beide Eltern in 
heftiger Gonorrhoe. 

LiTTHAüEB möchte glauben, dafs die gonorrhoische Infektion auch durch Lsft^ 
Übertragung stattfinden kann. F. Hahn-Bremm. 



Archiv /'. Dermatologie m. Syphilis. Heft VI. 1892. 

I. Ein Fall von multiplen EnäueldrUsengeschwülsten nnter dem Bild« 
eines Naevus verrucosus unius lateris, von Walthkr Petersek. 

Es handelt sich im vorliegenden Falle um eine 20jährige Patientin, deren Btten 
und Geschwister gesund sind. Hereditäre Belastung liegt nicht vor. Die Affektioo 
besteht seit der Geburt der Patientin und ist wesentlich charakterisiert durch erbten* 
bis' kirschgrofse, derbe, papilläre Geschwülstchen, deren Oberfläche vielfach nloeriert 
und mit hochroten Granulationen bedeckt ist. Ergriffen ist hauptsächlich die rechte 
Eörperhälfte. Frei sind Eumpf und Arme; am stärksten befallen ist die hintere 
Fläche des rechten Beines. Hier ist in einem 10—15 cm breiten, etwa 30 cm IaDg«n, 
von der Spina posterior inferior beginnenden und sich schräg nach abwärts fort- 
setzenden Streifen die Haut dicht besät mit kleinen und kleinsten derben Emchen, 



175 

welche an vielen Stellen konfluierend flache, rauhe Erhabenheiten mit unregelmäfsigem 
Bande bilden. 

Was die histologische Beschaffenheit der Tumoren betrifft, so zeigen 
dieselben einen ausgesprochen adenomartigen Bau. Die Geschwulstbildung 
jA, wie dies aus dem mikroskopischen Befunde mit Sicherheit hervorgeht, von dem / 
Knioeidrnsenapparate ausgegangen. Dafür spricht der Typus der Kanäle, welche nach 
ZeQform und Zellanordnung, Membrana propria, Cuticula und Lumen den Drüsen- 
sufahrnngsgängen durchaus ähnlich sind und an einzelnen Stellen direkt mit diesen 
in Verbindung stehen, femer das häufige Auftreten von Cylinderepithel, endlich das 
Fehlen jedes Zusammenhanges mit Talgdrüsen, Blut- oder Lymphgefäfsen. — Die 
fttbologischen Veränderungen sind nicht von den bereits fertig gebildeten Drusen 
imgegangen, sondern stehen nach der Ansicht des Verfassers mit der Entwiokelung 
der Knäneldrüsen in engem Zusammenhange. Der entwiokelungsgeschicht liehe Vor- 
ging der Enäueldrüsenbildung (Hineinwachsen zapfenförmiger Epithelfortsätze ins 
Ooiiam, später Bildung eines Lumen, Aufrollung des unteren Endes etc.) hat aller 
Wahrscheinlichkeit nach eine starke Störung erfahren. 

Von besonderem Interesse war bei dem mikroskopischen Befunde die auffallend 
poise Menge von Mastzellen, namentlich im subcutanen Fettgewebe. 

Verfasser zieht im folgenden vergleichshalber analoge Fälle aus der Litteratur 
heran and würdigt dieselben einer kritischen Besprechung. 

BÄBE17SPRU90 war der erste, der die Aufmerksamkeit auf den Naevus nnius 
hteris lenkte. Seitdem ist die diesbezügliche Litteratur stark angewachsen, ohne dafs 
der Ziuammenhang der Naevi mit Erkrankungen des Nervensystems zweifellos fest- 
gestellt wäre. Der Zusammenhang des Naevus mit dem VoiGTSchen Liniensystem 
war in dem vorliegenden Falle unverkennbar. 

Weiterhin bespricht Verfasser die Diagnose des Falles, für die er vergleichsweise 
die beschriebenen Falle von Knäueldrüsenerkrankungen aus der Litteratur erwähnt. 
Du Material ist, was sicher beobachtete FäUe von Knäueldrüsengeschwülsten 
hetrifil, nur sehr gering; einen dem seinigen genau entsprechenden Fall konnte 
Verfaaser in der ihm zugänglichen Litteratur nicht auffinden. 

n. Beitrag zur JodkaUnmtlierapie der Psoriasis, von Dr. med. Hillbbrand. 

Verfasser bespricht die Erfahrungen, die andere Autoren, so Haslund, Ouütb- 
LDTGS, MoLESNBS, Eblbbs u. s., mit der Anwendung des Jodkaliums bei Psoriasis 
gemaoht haben. — Haslukd hat an 60 Fällen das Mittel mit meist günstigem Erfolge 
erprobt. Er begann die Kur mit 2 g pro die, stieg schnell bis zu einer Tagesdosis 
Ton 10 g, setzte täglich 2 g hinzu und gelangte zu bis dahin nie gegebenen Dosen. 

Im folgenden werden die von Haslund behandelten Fälle nach Jjebensalter der 
I^itienten, nach der Dauer der Behandlung, den Maximaldosen pro die, der Gesamt- 
Beoge des Jodkaliums während der Behandlung tabellarisch zusammengestellt. Den 
Tabellen ist zu entnehmen, dafs Kinder zur Heilung der Psoriasis mit Jodkalium 
Üogere Zeit und entsprechend mehr Jodkalium nötig haben, als Erwachsene. Verfasser 
«iÜ nun feststellen, ob hierbei die Dauer der Ausscheidung des Jodkaliums eine 
KoUe spielt, und ob dieselbe bei Kindern und alten Leuten wesentlich anders ist, 
ili bei Erwachsenen zwischen 20 und 50 Jahren. Zu diesem Zwecke verabreichte er 
üner Anzahl von Kindern und Erwachsenen zuerst vermittelst der PRAVAZschen Spritse, 
i^ter, da dies ohne Einflufs auf die Dauer der Ausscheidung war, per ob immer die 
gleiche Dosis, und zwar anfangs ein 1 ccm einer wässerigen Jodkaliumlösung (7,6 ; 100) 
Der Urin wurde Öfters, zumal gegen Ende der Beaktion, auf seinen Jodgehalt 
^aalitativ geprüft, und der Zeitpunkt, wo die Reaktion ganz aufhörte, notiert. Als 

13* 



176 

Reagens wurde stets frisch bereiteter Stärkekleister unter Zusatz einer Spar Ton 
salpetrigsaurem Kalium und etwas Schwefelsäure .benutzt. 

Das Besultat dieser Untersuchungen war, dafs die Ausscheidung des JodkAlinms 
bei Kindern, obgleich sie nicht ihrem Alter entsprechende kleinere Dosen, sondern 
dieselben Dosen wie Erwachsene erhielten, dennoch nicht wesentlich später beendet 
war. Weit später war die Ausscheidung bei alten Leuten beendet. Verfasser schlielit 
daraus, dafs man bei Kindern wohl gröfsere Vorsicht beobachten müsse, aU bei 
Erwachsenen, ohne dafs es nötig wäre, mit den Dosen sehr erheblich herunter 
zugehen. Bei alten Leuten jedoch sei grofse Vorsicht erforderlich. 

III. Beitrag zur Kenntnis der Sklerodermie, von Max Wolters. (Fortsetzang.^ 

Die Kesultate der mikroskopischen Untersuchungen an Hautstuckei 
eines Falles von circumskripter und eines Falles von diffuser Sklerodermie zei^n 
eine absolute Übereinstimmung. — Die ganze Epidermis ist gegen die Norm Ter. 
schmälert, so vor allem das Stratum corneum, das sich deutlich gegen das Stratnm 
Malpighii abhebt. Die Elemente des Rete sind von kubischer Gestalt mit schonen 
deutlichen Kernen. Die unterste Schicht, die des Cylinderepithels, setzt sieh dnrch 
ihre auffallend braun-gelbe Pigmentierung scharf gegen das Corium ab, ohne dab eine 
Volumenzunahme der Elemente zu konstatieren ist. Das Pigment liegt in grolaeren 
und kleineren Kömchen in den Zellen. 

Das Corium ist im ganzen verbreitert. Die Papillen sind nicht tibenil 
gleichmäfsig ausgebildet; zumeist sind sie flacher als normal und zeigen sich vielfach 
zerklüftet. Auf ganzen Strecken fehlten die Papillen vollständig, Corium und Bete 
stiefsen in gerader Linie zusammen. Das Corium war von zahllosen elastischen Fasen 
durchsetzt, die eine Vermehrung sowohl ihrer Zahl wie ihres Volumens erfahren m 
haben schienen. Die bindegewebigen Elemente des Coriums zeigten sich vermehrt, 
das Fettgewebe war überall atrophisch. — Die Haare sind intakt und weisen in 
ihren Scheiden ziemlich viel Pigment auf. 

Die glatten Muskelfasern sind verbreitert, aber nicht infiltriert. — Anden 
Gefäfsen ist die Adventitia beinahe völlig verschwunden, oder sie ist an einer Stelle 
noch erhalten und zeigt deutliche Wucherungen ihrer Elemente mit zahlreichen 
Rudimenten elastischer Fasern. Vor allem ist die Media durch das Eindringen fremd« 
und Hineinwachsen frischgebildeter, bindegewebiger Elemente stark alteriert In 
ähnlicher Weise nimmt die Intima an den Veränderungen teil, wobei das stark 
gewucherte Endothel das Lumen mehr oder weniger, stellenweise bis zu völligen 
Verschlusse, verengert und auf diese Weise die Cirkulation beeinflufst. — Die Unter 
suchung der Hautnerven hat zu bemerkenswerten Befunden nicht geführt. 

Verfasser bespricht im folgenden sehr ausführlich die histologischen Befunde, 
welche zahlreiche neuere und ältere Autoren an Fällen von Sklerodermie gemacht 
haben. 

Was die Pathogenese und die Natur der Erkrankung betrifft, so sind je 
nach den klinischen Beobachtungen und pathologisch-anatomischen Befunden der 
Autoren zahlreiche, verschiedene Theorien aufgestellt werden. 

Hebra, Kaposi u. a. legen das Hauptgewicht auf das Vorkommen der jugend- 
lichen Bindegewebszellen in den perivaskulären Lymphscheiden und in den Interstitien 
Der Prozefs sollte eine Lymphstauung sein, bedingt durch abnorme Beschaffenheit 
der allgemeinen Ernährung. 

Am meisten Anhänger hat die Ansicht gefunden, dafs es sich um eine 
Erkrankung des Nervensystems, insbesondere um eine Trophoneurose 
handle. — Forget und mit ihm eine Beihe von Autoren, wie Lagrange, Bnnh 
FLEISCH, BiRCH-HiRscHFELD u. R., glaubte, dafs die Natur der Sklerodermie in einer 



177 

langBameti Entzimdung des Coriums bestehe mit Ausgang in Verhärtung und Yer- 
künuDg des Oewebes. 

W. falst seine pathologisch-anatomischen Befunde noch einmal zusammen und 
gelangt dazu, auf Grund derselben die Sklerodermie, ebenso wie dies Easmussek, Heller 
a.a. gethan haben, zunächst für eine interstitielle Entzündung anzusehen, die 
goTser der Haut auch Muskulatur und Intestina mitergreifen kann und sich deshalb ' 
eigeotlicb als eine Allgemeinerkrankung erweist. 

Die Prognose der Sklerodermie ist im allgemeinen ungünstig, wenn auch 
Heilangen gemeldet werden, oder der Prozefs sich über Jahre hinaus erstrecken kann. 
Der Exitus erfolgt meistens unter den mannigfachsten, nicht direkt mit dem Prozeüs 
in Verbindung stehenden Afifektionen wie: Vitium cordis, Phthisis, Emphysem, Anämie, 
Pleuritis, Diarrhoe, Morbus Brightii etc. 

Die Behandlung ist zum Teil symptomatisch, zum Teil allgemein, je nach der 
Anf&asung, welche die verschiedenen Autoren von dem Prozesse hatten. Thirial 
gachte die Menstruations-Anomalien zu beseitigen. Es wurden empfohlen Jodkalium, 
Chinin, Eisen, Natrium salicylicum, Arsen, Tonica aller Art. 

Nicht gar sehr selten erzielten einige Autoren Erfolge. Da indessen auch, wie 
Kaposi und Lang hervorheben, Spontanheilungen vorkommen, so bleibt es immerhin 
fraglich, ob der Erfolg den Mitteln allein zugeschrieben werden darf. 

Anfserlich wurden Bäder, Einreibungen mit Salben empfohlen, wodurch eine 
Erweichung und bessere Einfettung der Epidermis erzielt werden sollte. Curzio und 
Arkiko erreichten durch Unguentum cinereum eine wesentliche Besserung. Bei den 
Salbenapplikationen wirkt wahrscheinlich auch die dabei ausgeübte Massage günstig 
ein; dies gilt namentlich von frischen Fällen. Von günstigem Einflüsse ist die 
Elektrizität, sowohl als induzierter wie konstanter Strom. 

C. Berliner-Äaclieih 

CasuiBtiaue et diagnostic photographiane des maladies d« la pean, von 

TAX Harbn-Noman. (Haarlem, de Erven F. Böhm. 1892.) Die vorliegende dritte 
Liefemng dieses viel versprechenden Werkes enthält die sechs Nummern: Erythema 
ezsadativum multiforme, Herpes facialis, Pityriasis pilaris, Prurigo, Ichthyosis und 
Pediculosis corporis. Die Photogramme sind sämtlich durch saubere und charakteristische 
Ansfohrung ausgezeichnet und veranschaulichen die betreffenden Affektionen, wie man 
es ohne Nachhülfe von Farben nicht besser leisten kann. Die betreffenden klinischen 
Fille sind ausgewählt paradigmatischer Art und bieten also nichts Ungewöhnliches 
oder Erwähnenswertes dar; der übrige Text enthält eine präzise, aber anschauliche 
Darlegung der Symptomatologie der betreffenden Krankheiten, und namentlich die 
Differentialdiagnostik wird eingehend berücksichtigt. Hoffentlich folgen die auf 
im ganzen 60 Tafeln berechneten übrigen Lieferungen in Bälde den bis jetzt er- 
schienenen nach. Fhüippi'Nieheim, 

Lehrbncli der Hautkrankheiten, von M. Joseph. (Leipzig bei G. Thieme, 
1892.) Um dem Praktiker eine notwendige Orientierung über die Hautkrankheiten 
zu geben, hat Joseph das vorliegende Werkchen geschrieben, gleichsam als Ergänzung 
ta den umfassenden Werken Kaposis etc. Die Form ist knapp. Vor allem ist Diagnose 
und Therapie, wie es dem Zwecke des Buches entspricht, eingehend besprochen; im 
allgemeinen kann man das Buch als eine ganz angenehme Bereicherung der vor- 
handenen reichhaltigen Sammlung von Lehrbüchern der Hautkrankheiten betrachten, 
xamal es die neuesten Forschungen und Publikationen berücksichtigt. Was ins 
Kapitel der inneren Medizin oder Chirurgie schlägt (Furunkel, Erysipel, Morbillen, 
Scharlach etc.), ist übergangen, um den Umfang zu beschränken. Einzelne Ausstellungen 



1 



178 

sind zu machen : dafs gegenüber dem Erythema „multiforme^ gerade die „Polymorphie* 
der luetischen Symptome differential-diagnostisch besonders wichtig ist, ist schwer 
einzusehen. Dafs die im übrigen vorzügliche erste Photogravüre von Lepra eine 
„Facies leonina'^ sein soll, sagt uns der Text, sonst würde es wohl mancher nicht 
glauben, sondern das Porträt für das eines Falles von Fleckenlepra halten. 

F. JSahfi'SrefMti. 

Ordinationsfonneln aus der Bsrpliilis-Abteilniig von E. Lang. (Wien 
Josef §afaf. 1892.) Die zweite unveränderte Auflage der LANcschen Rezepte dfirfte 
manchem willkommen sein, besonders jüngeren Kollegen und solchen, die auf dem 
Spezialgebiete weniger bewandert sind. F. Hahn-Bremen, 



Ütitteilungen aus ber £itteratttr. 

Pharmakologisches . 

Alunmol ist ein antiseptischer, adstringierender, in die Tiefe wirkender Korper, 
von Heinz entdeckt. Chemisch ist es ein sulfosaures Aluminiumsalz; es ist weifs bii 
rötlich, nicht hygroskopisch, löst sich in Wasser leicht, fällt Eiweifs, löst sich aber 
im Überschufs davon wieder. Auch in Salben, Pflastern, Firnissen ist es zu verwenden. 
Anwendung kann es finden: bei Oonorrhoe, l7o bei Männern, 2 — 6^o Stäbchen bei 
Endometritis; stärkere Konzentrationen ätzen wie Chlorzink. Abscesse sind mit V^ bb 
iVoiger Lösung auszuspülen. Beiersdobff hat Pflastermulle mit Alumnol verfertigt, die 
bei entzündlichen Hauterkrankungen, 1>ei chronischen Infiltrationen zu versncbeo 
wären. In der Otiatrie ist es brauchbar, da es sich in dem Sekret leicht löst nnd 
daher keine Eiterretention bewirken kann. F. Hahn-Bremen, 

Über das Said im Organismus von P. Cobnbt. (Progres medical No. 4i 
1892.) Aus dem Resultate von Experimenten, welche Verfasser an 10 Hunden angestellt, 
geht hervor, dafs: 1. die Zersetzung des Salols zunächst im Dünndarme stattfindet, 
wo bereits ^/s Stunde nach der Einführung in den Magen (mittelst Sohlundsonde) 
Salicylsäure nachweisbar ist; 2. im Magen 2 oder 3 Stunden nach der Einführong 
des Salols (2—3 g) noch vorkommt; 3. keine vollständige Zersetzung des Salols 
stattfindet, indem sofehes in den Faeces nachgewiesen wird. 

C. Müller-Freiburg (Schweiz), 

Zur Wirkung des Lysols, von Cad^ac und Qüinard. (Province medicak, 
23. April 1892). 

1. Lysol wirkt antibakteriell kräftiger, als Karbolsäure, Kreolin etc. 

2. Lysol wirkt antiseptisch nicht so kräftig, wie die genannten Mittel. 

3. Lysol wirkt nur in Lösungen, die irritierend und kaustischen Grades sein 
könuen. 

4. Lysol nimmt in der Chirurgie keine hohe Stelle ein, kann aber in der ProphyU» 
von Epidemien mit Erfolg verwendet werden. 

5. Zur Desinfektion von Aborten, Schiffen etc. ist Lysol zweckmäfsig. 

6. Lysol ist leicht löslich und billig. 

Jessner-Königaberg i. Pr. 



179 

Kamphoid. ein Kollodinmersatz : 

Kampfer Kampfer 

Alkohol u 20,0 AUohol absolu2(dfi 

Pyroocylin 1,0 Pyroxi/lin 1,0 

(Kollodiumwolle) Jodoform 4,0 

Für Jodoform ist es sehr praktisch, da es den Gerach verdeckt. Das Kamphoid 
trocknet auf der Haut schnell zu einer elastischen Decke. 

Zur Beseitigang des GtemclieB von Jodoform, Kreosot und Gnajakol von 
den Händen sind Waschungen von Leinsamenmehl zu empfehlen. Nach Jodoform 
riechende Gegenstände wäscht man in Teerwasser, dem etwas Wintergrünöl zugesetzt 
ist. Hit Kaffeepulver bestreute Kreosotpillen riechen nicht unangenehm. Nach Kreosot 
und Gnajakol riechende Räume werden dadurch desodoriert, dafs man Kaffee darin 
brennt. (Deutsche Mediz.-Zeit) Jessner- Königsberg %. P. 

Jodoformium desodoratnm stellt man nach der Niederländischen Pharmakopoe her : 

Jodoform 197,0 

Äcid, carhol. 1,0 

Ol. Menth, piper. 2,0. 

Jodpräparate reicht man nach Man nan am besten mit einem Zusatz von Syrupus 

communis (Melissesirup), der den Geschmack der Jodsalze am besten deckt. {Deutsche 

Medi£.-Zeit No. 61. 1892.) Jessner- Königsberg t. Pr. 

Versnche mit TnbercnlinamKooHn bei Bindern zu diagnostiselien Zwecken, 

Ton A. Eber. ( Centralbl f Bdkteriol u. ParasUenk. 1 892. Nr. 9 u. 10.) Bei 247 Versuchs- 
tieren hatten Tuberkulininjektionen 216 mal = 87,45 7o ein im Sinne der Tuberkulin- 
wirknng positives, dl mal = 12,55 ^/o ein negatives Ergebnis. Dieses ist also ein für 
Tuberkulin sehr günstiges und nutzbringendes, wenn man bedenkt, dafs die Mehrzahl 
der bei der Schlachtung als tuberkulös gefundenen Tiere bei Lebzeiten keine Zeichen 
von Erkrankung zeigt. Dosis: 0,4-0,5; Injektionsstelle: Seitenteile des Halses. Die 
Beaktion trat meistens nach 6—18 Stunden ein und dauerte 3 — 12 Stunden. 

Jessner-Königsberg i. Pr, 

Über dieWirkong des KooHschen Tuberkulins auf gesunde Tiere (Kaninchen), 

Ton F. Geisslbb. (Wratsch. No. 21. 1891.) Nach zehntäglicher Injektion zu 0,04 fand 
Verfasser folgendes: In der Leber Hyperämie und stellenweise parenchymatöse De- 
generation; im Herzen trübe Schwellung, kömige Degeneration der Muskeln und 
Hyperamie ; in den Nieren die Glomeruli hyperämisch, trübe Schwellung der Epithelien 
der HarnkanälGhen ; in der Milz Hyperämie. Also auch bei den gegen Tuberkulin sehr 
wenig empfindlichen Tieren treten Veränderungen auf, wie nach Zuführung anderer 
Oilte. — Prophylaktisch hatte die Tuberkulinin jektion keine Bedeutung; die injizierten 
md zwei Wochen später tuberkulös infizierten Kaninchen erkrankten ebenso, wie 
nicht vorher injizierte. Jessner-Königsberg t. JV. 

Versuche mit Tuberkulin bei Krankheiten der Binder, von Tomh aso Guida. 
(LaBif .med.No AI 11.42. lSd2.) Verfasser zieht auf Grund einer kleinen Anzahl von 
^en die Schlüsse, dafs das Tuberkulin ein diagnostisches Kriterium in zweifelhaften 
^iUen liefern kann, obgleich die Beaktion bei lokaler Tuberkulose nicht konstant ist« 
Jedenfalls verdient das Tuberkulin noch weitere Studien. 

Jessner-Königsberg i. Pr, 

Eigener, schwerer Fall von Jodoformintozikation, von P. Näcke. (Berl. kl, 
FooiNo.7.1892.) Ein Exanthem an den Genitalien und dem Oberschenkel wurde mit 
Jodoform bestreut; 8 — 10 Tage später tiefe Bewufstseinstörung, welche vier Tage anhielt. 



180 

Die Erinnerangsbilder waren geschwunden, eine Art Paraphasie bestand, der 
GemüiszuBtand war ein sehr wechselnder, Gedächtnis und Intelligenz blieben noch 
lange geschwächt, neurasthenische Beschwerden, und besonders Agrypnie, hypochon- 
drische Stimmung schwanden erst nach einer Kur mit Hydrotherapie, Massage eic. 
Sobald Patient das Bewufstsein wieder erhalten hatte, empfand er den ihm sehr 
unangenehmen Jodoformgeschmack und Geruch. Jessner-Königsberg i. Pr. 

Intoxikation dnrch Fenibalsam, von Lohaus. {BerlklWoch.lüo.ßAS^i.) Ein 
sechs Tage altes Eind starb unter Erscheinungen einer Gastroenteritis: grau-dfinner 
Stuhl, gemischt mit bräunlichem Schleim, Cyanose, zäher, schmutzig-brauner Schleim 
▼on eigentümlichem ätherischen Geruch im Munde, Pupillen eng. Das gante 
Erankheitsbild erinnerte an eine Intoxikation, und als das Gift wurde Pembalttm 
ermittelt, mit dem die Mutter sich die wunden Brustwarzen bestrich. — Sektion wurde 
nicht gestattet. — (Zweifellos ist der Fall wohl nicht. Der Keferent.) 

Jessner-Königsberg t. Pr. 

Über den Giftigkeitsgrad des QueckBilberozycyanttr, von H. Ficisd. 
{La France med. "So. 12ASd2.) Statt Hydrargyrum tannicum 0,05 hatte der Apotheker 
einer Kranken Oxycyanquecksilber gegeben, die davon vom 20. Januar bis 4. Febnar 
regelmäfsig die genannte Dosis einnahm, ohne, abgesehen von leichten Queck8ilbe^ 
intoxikationserscheinungen, irgend welche Beschwerden zu haben. 

Jessfi er- Königsberg i. JV. 

Eine letal verlaufene akute Quecksilbervergiftung, entstanden dnrek 
Einreibung von grauer Salbe, von Sagkur. [Allerheiligen -Hospital in Bresiao.) 
(Berl. klin. Woch.)'So. 25. 1892.) Eine Stunde nach einer von einem Arzte vorgenommenen 
Einreibung von grauer Salbe in tiefe Rhagaden der Hand und des Vorderarmes bei 
einem Dienstmädchen erkrankte dasselbe und starb sechs Tage später unter den 
Erscheinungen einer Intoxicatio mercurialis acuta: Übelbefinden, Tenesmus, Albumi- 
nurie, später Anurie, unaufhörliche blutige Durchfälle, kleine Geschwüre am Zungen- 
rand. Die Sektion ergab: im Dickdarm das Bild schwerster Dysenterie, parenchj- 
matöse Nephritis, keilförmige anämische Herde an der Oberfläche der Leber. 

Es ist der Tod nach einer Einreibung mit einem erbsengrofsen Stuck grauer 
Salbe sehr auffallend, und nur durch eine Idiosyncrasie, bestehende Anämie, und eise 
von den Rhagaden ausgehende, beginnende Sepsis zu erklären; der Arzt hatte nämlicb 
die graue Salbe wegen des Verdachtes einer Lymphangitis eingerieben. 

Jessner-Königsberg i. Pr. 

Bas Schwefelzinkliydrat in der Dermatologie, von T. Petrilll ((Tmvu. 
Ital. MalaU, Vener. e deOa PeUe. Ann. XXYIII, Faso, m.) Das Sohwefelzinkhydrat 
(ZnS|H,0) wird dargestellt, indem man einen Strom von Schwefelwasaerstoffgas durok 
eine Lösung von Zinkacetat leitet; durch Austrocknen desselben bei einer Temperatnr 
von 100^ erhält man es als ein weifses Pulver. Verfasser hat es nach dem Vorgang 
von Prof. Bardüzzi namentlich bei chronischem und akutem Ekzem innerlich und 
äufserlich angewandt und sehr befriedigende Resultate erhalten. Die innerlicbea 
Gaben betrugen nicht mehr als ein Gramm pro die ; oft genügte auch die äuiserliche 
Anwendung in Salbenform vollständig. Einen Übergang des Mittels in die Korper 
Sekretionen hat Verfasser durch den Nachweis von H,S im Urin, dem Speichel osd 
dem Schweifse nicht mit Bestimmtheit konstatieren können, doch mag dieser HUb* 
erfolg durch die Kleinheit der angewandten Dosen bedingt sein. Überhaupt soll diese 
Mitteilung nicht ein endgültiges Urteil darstellen, sondern nur zu weiteren Versuchen 
mit diesem viel versprechenden Mittel anregen. PkHippi^Nieheim. 



181 

üngflnstige Wirknng von Gallacetophenon, von W. D. James. (Brit. Joum, 
Dem., November 1892.) Bei einem erwachsenen Psoriasiskranken hatte eine 107oige 
Qallacetophenonsalbe bei 14tägiger Anwendung eine ziemlich günstige Wirkung 
gehabt; nach 4 wöchentlichem Aussetzen wurde, da die Läsionen nicht ganz geheilt 
v&ren, eine 10% ige ätherische Lösung und eine 5% ige Salbe mit dem gereinigten^ 
pulverigen Medikament verschrieben. Vier Stunden nach der Anwendung (31. Mai 1892) 
trat ein unerträgliches Brennen an allen Stellen, sowohl an den mit der Salbe als an 
den mit der Lösung behandelten, hervor, und bald darauf war unter heftigen ent- 
zündlichen Erscheinungen die Haut an den betreffenden Stellen blasenartig abgehoben. 
Die Heilung der akutesten Erscheinung erforderte trotz geeigneter Behandlung etwa 
14 Tage, und die Überreste seien zur Zeit der Publikation noch nicht ganz ver- 
Khwunden. Philippi-Nieheim. 

Die Anwendimg der Seifen in der Dermatologie, von Emil Schwarz. (Wien. 
kUn, Wochensckr. 1890. 40/41.) Folgende Indikationen stellt Verfasser für die Seifen- 
uiwendong auf: 1. Ansammlung von Sekreten und Betention derselben in den Drusen. 
2. Zn geringe Thätigkeit der Drüsen zur Ausübung eines Beizes. 3. Auch entzündliche 
Exsadation mit Bläschenbildung zur Lösung der Horndecke und Erleichterung des 
Sekretabflusses. 4. Chronische Entzündungen zur Oberführung derselben in akute. 
5. Infektiöse Hauterkrankungen zur Abstofsung der infizierten Partien. 6. Fälle, wo 
Antisepsis nötig ist. 

Als Znsatzmittel empfiehlt Verfasser: 1. Antiseptica: Naphtol 57» mit Kreosot 
5% (impetiginöses Ekzem). Eeratolytica mit nebenbei antiseptischer Wirkung: 
Teer, Schwefelteer, Salicyl-Besorcin, alle 5Vo (chronisches Ekzem, Acne rosacea^ 
chronische Infiltration etc.). 3. Spezifica: Quecksilber (Sublimat 5,0, Glycerin 25,0, 
Seifen 100). Jessner-Königsberg i, Pr. 

Über pnlverfönnige medizinische Seifen und einige neue mediziniselie 
Stfickseifen, von P. J. Eighhoff in Elberfeld. (Therap, MonaUh. No. 11.) Fortsetzung. 
Die Pulverseifungen sind folgendermafsen zusammengesetzt: 

1. Salicylaäure-Pulverseife : Acid. salicyl. h% 

Pulverseife 95 „ 

Dieselbe kann als neutrale und als überfettete Seife dargestellt werden. Indikation 
dieser Seife: Alle Erkrankungen, welche eine dermatolytische Behandlung erfordern, 
ilso dicke Epidermisauflagerungen bei Psoriasis, Schwielen* und Hühneraugenbildung. 

2. Salicylsäure-Besorcin-Pul verseife: Ädd, salicyl. f>% 

Besorcin 5 „ 

Pulverseife 90 „ 

miils trocken gehalten werden, Indikationen wie oben; E. empfiehlt sie auch gegen 

beginnende Seborrhoe des Kopfes mit Defluvium capillorum. 

3. Salicylsäure-Schwefel-Pulverseife: Acid. salicyl. b% 

Sulfur depur. 5„ 

Pulverseife 90 „ 

Indikationen : chronisches Ekzem, Psoriasis, parasitäres Ekzem, sämtliche Mykosen der 

Haut, Acne vulgaris, Acne rosaoea, Seborrhoea capitis. 

4. Salicylsäure-Besorcin-Schwefel-Pulverseife: Acid. salicyl. fi% 

Besorcin 5 „ 

Sulfur depur. 5„ 

Pulverseife 85 „ 



182 

5. Schwefel-Pulverseife : Sulfur depur, 10 J 

Pulverseife 90, 
wird in allen drei Formen hergestellt. Die alkalische Form dieser Seife besonder! 
wirksam bei Psoriasis nnd Akne. Ferner bei verschiedenen Formen von Eksemen, 
bei Sycosis und Scabies. 

6. Camphor- Schwefel-Pulverseife: Camphor ''2% 

Sulfur depur. 5^ 

Pulverseife 93, 

Indikationen: Akne, Psoriasis, Mykosen der Haut, Rosacea, Frostbeulen, Hand-, Fofs- 

und Achselschweifs. 

7. Perubalsara-Pulverseife : Bals. peruv. aapon. 10% 

Pulverseife 90 „ 
Indikation: Scabies, alle leichten parasitären Krankheiten der Haut, bei schlecht 
heilenden Geschwüren. 

8. Oamphor-Schwefel-Perubalsam-Pulverseife: Camphor 2J 

Sulfur depur. 5, 

Bals. per UV. sapon, 10 „ 

Pulverseife 83, 

Indikation: Acne vulgaris, Eomedonen, Psoriasis, Impetigo contagiosa, alle anderen 

Mykosen, Ekzeme und Scabies. 

9. Naphtol-SchwefelPulverseife : ß-Naphtol 5} 

Sulfur depur. b„ 

Pulverseife 90, 
Indikation: Akne, Psorictsis, Scabies etc. 

10. Naphtol-Pulverseife : fl-Naphtol 51 

Pulverseife 95« 
Bei den leichten A£fektionen obiger Art. 

11. Camphor-Pul verseif e : Camphor 5$ 

Pulverseife 95, 
Indikation: Pruritus, Frost. Die neutrale Form ist eine gute Zahnseife. 

12. Borax-Pulverseife: Boracis b% 

Pulverseife 95» 
Indikation: Ekzem, Intertrigo, bei Schweifsen, Erythemen etc. 

13. Thymol-Pulverseife: Thymol SJÜ 

Pulverseife 98 „ 
Hygienische Seife bei Franen und Kindern. 

14. Benzoe-Pulverseife : Benzoe 3% 

Pulverseife 97,, 
Indikation: leichte Ekzemfalle, Acne rosacea etc. 

15. Bimsstein-Pulverseife: Bimsstein 20) 

Pulverseife 80 „ 
Reinigungsmittel der Haut. 

16. Chlorkalk Pulverseife : Chlorkalk lOX ! 

i 

Pulverseife 90j, ! 
Desinfektionsseife; ferner bei Lupus, syphilitischen Qeschwüren und all^n Mykosen. | 

17. Jod-Pulverseife: Jod. pur. 2X 1 

Pulverseife 98 „ 

nur in überfetteter Form. Indikationen: Kropf, parasitäre Hautkrankheiten und 
syphilitische Geschwüre. 



183 

18. Aristol-Pulveneife : Aristol 2^ 

Pulverseife 98 „ 

Dar überfettet. Indikation: wie bei der Jodseife. 

19. Europhen-Pnlverseife : Europhen 2% 

Pulverseife 98 „ 

aberfettet. Indikation: wie bei den beiden letzten, besonders beim Ulcus molle. 

20. Chinin-Pal verseife: Chin. sulfur. 2% 

Pulverseife 98 „ 

Indikation: Pityriasis versicolor und Intertrigo. 

21. Chrysarobin- Pul verseife: Chrysarob. 10% 

Pulverseife 90 „ 

Indikation: bekannt. 

22. Pyrogallol-Pul verseife: Pyrogallol b% 

Pulverseife 95 „ 

Indikation: bekannt. E. empfiehlt sie noch bei Lupus. 

23. Jodoform-Pulverseife: Jodoform 3% 

Pulverseife 97 „ 

Indikation: alle geschwürigen Prozesse, Kropf, Scrophuloderma und Lupus. 

24. Jodol Pulverseife: Jodol 3% 

Pulverseife 97 „ 

Indikation: wie bei Jod- und Jodoformseife. 

25. Henthol-Pulverseife: Menthol 5% 

Pulverseife 95 „ 

Indikation: alle Hautkrankheiten, die auf nervöser Basis beruhen, wie Pruritus. 

26. Salol-Pulverseife: Sahl b% 

Pulverseife 96 „ 

Indikation: Parasitäre Ekzeme, Psoriasis, Favus, Herpes tonsurans, Sycosis parasitaria, 
Pityriasi» versicolor, Impetigo contagiosa etc. 

27. Snblimat-Chlornatrium-Pulverseife: Sublimat 2% 
I CMomatr. 1 „ 

Pulverseife 97 „ 

I es soll ein haltbares Präparat sein, doch mufs es gut verschlossen aufbewahrt werden. 
Die Indikationen sind wohl bekannt. 

28. Tannin-Pulverseife: Äcid. fann, 5% 

Pulverseife 95„ 

Indikation: Chronische parasitäre Ekzeme mit starker Qeföfserweiterung, Psoriasis, 
Intertrigo, Eczema marginatum, Impetigo contagiosa, Acne vulgaris und Rosacea. 

29. Thiol-Pulverseife : Thiol siec, 6% 

Pulverseife 95 „ 

Indikation: Rosacea, Acne vulgaris, Acne varioliformis, Furunkel, Ekzeme, Intertrigo, 
£rythraama, Erythema nodosum und Purpura. 

30. Naphtalin-Pul verseife : Naphtaiin h% 

Pulverseife 95 „ 

Specificum gegen Mykosen. 

31. Cantharidin-Pulverseife : Caniharidin 0,2% 

Pulverseife 99,8,, 

nur in überfetteter Form und als Reizmittel für Haarwuchs. 

L. Hoffmann-Berlin, 



184 

Chronische Infektionskrankheiten. 

a) Lepra. 

Einige Bemerkungen znr patlLologisclien Anatomie der Lepra, von Bkitu 
Rake. (Guys Hospital Beports. Vol. XLVIII, 1891.) In diesem Berichte fafst Ver 
fasser die Ergebnisse von 109 Autopsien von Lepraleichen zusammen und giebt in 
einem tabellarischen Anhang die hauptsächlichen Resultate der betreffenden Sektiom- 
protokolie. Am meisten Interesse gewähren dabei die zum Nachweise von Lepn- 
bacillen ausgeführten Untersuchungen der inneren Organe. Am häufigsten worden 
dieselben in den Leistendrüsen, der Leber, dem Kehlkopf, N. medianus, Milz nuh- 
gewiesen. In der Lunge und den Nieren fanden sie sich nur bei 18 resp. 9% der 
daraufhin untersuchten Fälle. Zum Teil liegt dies aber sicher an der Schwierigkeit 
der Durchmusterung so grofser Organe. Bemerkenswert ist dabei, dals, wie Couil 
und Babes auch konstatiert haben, Organe, wie Niere, Leber etc. relativ oft BaciUeii 
enthalten, ohne erkennbare mikroskopische Veränderungen. Von allen pathologisdien 
Befunden waren Erkrankungen der Nieren (35 mal) und Lungentuberkulose (33 mal) bei 
weitem am häufigsten vertreten. Andere Läsionen werden 82 aufgezahlt. — Die» 
Arbeit enthält noch einige frühere Mitteilungen des Verfassers über denselben Ge- 
genstand; es ist aber sehr willkommen, dieses reiche statistische Material in einer 
einzigen Abhandlung kritisch geordnet beisammen zu haben. FkäippuNidiem. 

Blutuntersncliüngen bei der Lepra, von Joseph Winiabski. (St. Feiert, mti. 
Wochenschr, No. 39. 1892.) Verfasser kommt auf Grund seiner Untersuchungen ta 
dem Schlüsse, dafs, solange die Lepra noch nicht tiefgehende Veränderungen im 
Organismus bewirkt hat, die Blutzusammensetzung sich nicht wesentlich verändert, 
und auch bei den verschiedenen Formen keine Unterschiede hienn bestehen. Bei 
vorgeschrittenen Fällen nimmt die Zahl der roten Blutkörperchen ebenso wie der 
Hämoglobingehalt, letzterer aber relativ weniger ab, so dafs das einzelne Blutkörperchen 
doch noch hämoglobinreicher ist, als in der Norm. In den schwersten Fällen nehmen 
rote Blutkörperchen und Hämoglobingehalt sehr erheblich ab, ähnlich wie bei der 
pemiciösen Anämie. Die weilsen Blutkörperchen halten sich im allgemeinen auf der 
Norm; die mehrkemigen Leukocyten überwiegen bedeutend. — Die Oröfee der 
roten Blutkörperchen war im Allgemeinen normal. Jessner-Königsberg i. iV. 

Aus dem Journal of the Leprosy Investigaiion Committee No. 4. 

Herausgegeben von P. S. Abraham. 

Lepra und Tuberknlose. 
Prof. Damaschino^ fand bei der Autopsie einer Lepraleiche ähnliche Verhältaine 
an den Lungen, wie bei Tuberkulose, nämliche Exkavationen und graue und gelbe 
Granulationen. Unter dem Mikroskop fanden sich eine grofse Anzahl kurzer Bacillen, 
welche sich mit der ZisHLschen Methode färben liefsen und in jeder Beziehung den 
in der Haut etc. nachgewiesenen Leprabacillen ähnlich waren. Audserdem wurden 
isolierte und in Gruppen angeordnete Bacillen gefunden, welche denen der Tuberkoloae 
ähnlich waren . Impfung von Stückchen des Lungengewebes ergab bei Meerschweinchen Tod 
an Tuberkulose, während Impfungen der Haut ein negatives Resultat ergaben. — Dr. 0. 
Thibieroe, in Ann. de Derm. ebSyph. Sept. 1891. Pag. 742. — (S. auch Beferat Bd. IVi 
Pag. 412.) 



^ Documents pour servir k l'etude anatomo-pathologique de la l^pre. Afdt 
de mid. ea^>er, März 1891. Paris. P. 213. 



185 

Die Taberkulinbehandlnng der Lepra, von G. F. Donovan. 

Verfasser hat drei Fälle mit Injektionen von Tuberkulin bebandelt. Die Kur 
wurde drei Monate lang fortgesetzt und ergab bei allen drei Patienten eine Zunahme 
des Körpergewichtes und Besserung des subjektiven und allgemeinen Befindens. Eine 
^wisse lokale Beaktion war als Folge der Injektionen gleich nachher zu konstatieren, 
doch hielt dieselbe nicht an, und einen Monat nach dem Aussetzen der Behandlung 
wsren die leprösen Symptome in statu quo antea. Die Patienten waren alle Männer 
im Alter von 21, 33 und 17 Jahren ; ein Mulatte, ein Weiiser und ein Neger; es 
handelte sich bei zweien um tuberöse, bei einem um gemischte Lepra. 

P. Ferrari hat acht Fälle von tuberöser Lepra mit Tuberkulin behandelt, doch 
fiiid die Resultate nicht derartig, dafs man zu weiteren Versuchen gerade ermuntert 
wild. Teils waren die dabei eintretenden Begleiterscheinungen ziemlich bedrohlicher 
Art, teils auch konnte überhaupt keine Beaktion erzielt werden. Dr. F. ist der 
Ansicht, dafs eine direkte, heilsame Beeinflussung der Lepra durch Tuberkulin nicht 
erzielt werden kann, doch hat es wohl einen gewissen Einflufs auf torpides Gewebe. 
Bemerkenswert war aber namentlich der Ausbruch neuer Tuberkel während der reaktio- 
fkSren Fieberparoxysmen. 

Andere Fälle von Abraham, Cheyne, Phillips lassen noch keine bestimmten 
Flüsse zu. 

Lepra und Syringomyelie, von G. Thi«i^rge.' 

£s wird folgender Fall ausfuhrlich besprochen: Ein 45j ähriger Mann war 1883 
als Soldat nach Tonkin gekommen, wo er 18 Monate nach seiner Ankunft trophische 
Störaogen in Gestalt von Blasen, die an beiden Fufssohlen gleichzeitig auftraten, und 
eine Huskelsch wache im rechten Arme bemerkte. Ausferdem machte er Dysenterie, 
Malaria und Cholera durch. Im Juli 1886 wurde er als dienstuntauglich entlassen 
nnd ist seitdem in verschiedenen französischen Hospitälern behandelt worden. Leloir 
diagnostizierte Lepra im Jahre 1889 und gab Ol. Chaulmoograe mit günstigem Erfolg. 
Von anderen hervorragenden Ärzten ist der Fall für Syringomyelie erklärt worden; 
liierfar spricht allerdings die absolute Thermoanästhesie, namentlich da die krank- 
haften Gebiete nicht der Nervenverteilung entsprechen. Dagegen ist die Diagnose 
Lepra gesichert durch die doppelseitige Paralyse des Orbicularis palpebralis, sowie 
namentlich die Verdickung des Ulnarnerven unterhalb des Ellenbogens. Auf die anderen 
%inptome hier noch einzugehen verbietet der Mangel an Raum. Th. glaubt, dafs die 
TOQ Leloir, Hardt und Besnier mutmafslich angegebene Zahl der Leprösen in Paris 
(60—100) nicht zu hoch gegriffen sei. Viele Fälle dürften wohl unter falscher Diagnose 
neb in Behandlung befinden. 

Im Anschlufs an diesen Bericht erklärt Zambaco-Pacha in Konstantinopel die 
HoRVANsche Krankheit, Syringomyelie und die Lepra anaesthetica (DANiELSENsche 
Krankheit) alle für identisch und will dies durch Autopsien jetzt nachweisen. 

Einen dem TniBiEROEschen ähnlichen Fall schildert P. A. Mobrow unter der 
Überschrift: „The Diagnosis ofLeprosy, especially the differentiation of the anaesthetic 
form from Sjrringomyelie" im Joum. cutan, and genitour. dis. Jan. 1890. Bei dem 
20jährigen Kranken blieben die Symptome jahrelang auf die eine Körperhälfte 
beschränkt, und die Diagnose bot grofse Schwierigkeiten dar. 

Auch ist von Hutchinson derselbe Gegenstand im Brit med. Joum. behandelt 
worden. 



' LÄpre anesth^ique et Syringomyelie. — Gaz, Hebdom. de Paris. April 1891, 
ond Bevue med. pharm. Mai 1891. 



186 

Angebliche Lepra bei niederen' Tieren. 

Der Herausgeber des Journals bemerkt hierzu, daHs bei den mitgeteilton Füleii 
von Lepra bei Mäusen, Schweinen, Hühnern, Putern, Enten etc. es sich wahncheiiilidi 
um Tuberkulose gehandelt haben werde. Den DAUBLEBsohen Mitteilungen gegenüber 
verhält er sich sehr skeptisch, ebenso betreffs dessen Berichten von der Übertngimg 
der Lepra durch Impfen. Fatber berichtet, dafs er in Indien auch Enten ohne Fä6e 
habe herumhumpeln sehen; die Glieder waren einfach infolge zu festen ZusanuBen 
schnürens, als die Tiere auf den Markt gebracht wurden, abgestorben. R. K. Qvild 
hat aus Südafrika die Bälge einiger, angeblich lepröser, Enten zur Untersuchung «&• 
geschickt. Im getrockneten Zustand war auch bei der mikroskopischen Untersuchnng 
nichts Lepröses zu konstatieren. 

b. Tuberkulose, 

Behandlung des Lnpus, von Tinzi. (Med. chir. Rundschau. 1892. Heft 21.) 
Verfasser hat ein 12jähriges Mädchen mit tiefen buckeligen Geschwuren an Armen 
und Beinen (näheres zur Stützung der Diagnose „Lupus" bringt die Mitteilung nicht) 
von chlorotischem Aussehen mit Mattonis Moorsalzbädern, Syr. ferr. jodat., PjokUmis 
und Jodtinktur geheilt. F. Hahn-Bremen. 

Lysol gegen Lupns, von Leslie Philipps. (Brit. med. Joum. 12. September 1891. 
Nach Entfernung der Krusten wird das auf etwas um eine Sonde gewickelte Watte 
gestrichene und angetrocknete Lysol auf die Fläche täglich oder seltener appliziert 
Eine zu häufige Anwendung ist wegen der sich bildenden Hantkruste und Einriiie 
nicht ratsam. Bötung und geringes Odem folgt gewöhnlich der Anwendung im 
Lysols unmittelbar. Nach einigen Tagen ist die Narbe glatt, weich, nahezu wie die 
gesunde Haut gefärbt. Der Schmerz ist anfangs heftig, schwindet aber niek 
2—8 Stunden. Jessn^- Königsberg i. Pr. 

Behandlnng des Lupus und der chirurgischen Formen der Tuberknloie 
mit Tuberkulin-KoOH, von Lodovico Gokazza und Tullio Meneghelll {Rivist reuet 
No. I. 1892.) Die Verfasser kommen zu folgenden Schlüssen : Die Lungenkranken laigei 
stets örtliche und allgemeine Beaktion; die günstige Wirkung ist der Heftigkeit de^ 
selben proportional und nach den ersten Injektionen am deutlichsten. In keinen 
Falle vollständige Heilung nach Tuberkulin allein, aber doch in einigen stabile Yer 
änderungen, wie sie mit anderen Mitteln nicht erreicht waren. Die Erfolge bei 
chirurgischen, tubeikulÖsen Formen (Gonitis) sind sehr gering. — Albuminurie lod 
andere krankhafte Erscheinungen finden sich in seltenen Fällen nach der Tuberknlift- 
an Wendung, meistens bessern sich aber Appetit und Allgemeinbefinden. — Unentschieden 
ist die diagnostische Bedeutung bei tuberkulösen Drüsen. 

Jessner-Königsberg i. Pr, 

Vorläufige Mitteilung über eine kombinierte Tnberkulin-Tuberkuloeidii: 
behandlnng, von C. Spengler (Deutsch, med. Wochenschr. 1892. No. 14.) Um die 
entzündungerregende Wirkung des Tuberkulins bei der Anwendung des Tuberkuloddiof 
nicht ganz zu entbehren, hat Verfasser minimale Mengen des ersteren, Vm — ViMiDft 
dem letzteren hinzugefügt und dadurch bei drei Fällen von Lungentuberkulose und 
einem Fall von Lupus gute Erfolge erzielt. Nekrose der Tuberkelelemente and 
Abtötung der Tuberkel bacillen soll durch die Kombination erreicht werden ohne jede 
Gefahr. — Man wird auf Grund von gröfserem Material die Bestätigung der koSmu- 
ordentlich optimistischen Anschauungen des Verfassers abwarten müssen. 

Jessner-Königsberg i. Pr. 

Hauttuberkulose. Heilung. In der Folge Eingeweidetuberkulose. Sr- 
krankung der tracheo-bronchialen Lymphdrüsen. Nephritis, von Graitchib« 



187 

{L Union medicale, 12. Dezember 1891.) Der Titel giebt den Verlauf der Krankheit 
bei einem 7 jäbrigen Knaben wieder. Der tuberkulöse Charakter des initialen vesico- 
pratulosen Exanthems im Gesicht wurde durch Impfung von Meerschweinchen 
beviesea; sonst wäre er vielleicht nicht ganz sicher, da er unter Borvaselin anstandslos 
heilte. — Die Nephritis glaubt Verfasser, als eine durch die Wirkung der Toxica 
bedingte auffassen zu müssen, da er dieselbe Nephritis beim Kaninchen gefunden hat, 
die er durch Injektion einer sehr kleinen Menge von Bacillen gegen die Tuberkulose 
mit Erfolg geimpft haben will. Eine analoge ,, Impfung" würde also bei dem Kinde 
anzunehmen sein im Gefolge der H^uttuberkulose. — Die Krankengeschichte wie die 
daran geknüpfte Hypothese sind mir nicht ganz klar. Jessner-Königsberg i. Pr. 

0. Sgphäis. 

Horpliologisclie Veränderungen des Blutes bei Syphilis und einigen 
Dermatosen, von J. H. Rille - Wien. (Autorreferat.) Vortrag, gehalten auf dem 
U. internationalen Dermatologen-Kongrefs in Wien. Vortragender berichtet über 
vor zwei Jahren auf weil. Prof. E. Lipps Klinik (Graz) in Angriff genommene und 
seither in Wien an Herrn Prof. Neümakns Klinik fortgeführte Untersuchungen. — 
Im Anfangsstadium der Syphilis bei alleinigem Vorhandensein des Initialaffektes 
finden sich im allgemeinen keine Veränderungen der morphologischen Bestandteile 
des Blutes. Erst mit dem Auftreten des Exanthems» der allgemeinen Lymph- 
drosenschwellang ist sichtliche Zunahme der leukocytären Elemente zu konstatieren» 
und zwar: 

1. Zunahme der sogenannten Lymphocyten, und zwar beider Varietäten. 

2. Zunahme der eosinophilen Zellen, namentlich beim papulösen Exanthem. 
Ihre Anzahl geht parallel mit der Zahl und Ausbreitung der Efflorescenzen. 

3. Beträchtliche Zunahme der sogenannten Übergangsformen und der grofsen 
mononukleären Leukocyten. 

4. Nicht konstant und nur bei sehr blassen weiblichen Individuen fanden sich 
die sogenannten Myeloplaxen oder Markzellen im Sinne von Oorkil und H. F. Müllbr. 

Mit der Abnahme der Krankheitserscheinungen, resp. im Verlaufe der anti- 
laetiscben Medikationen nähern sich die Prozentverhältnisse der Leukocytenformen 
wiederum der Norm. Ganz entsprechend sind die Verhältnisse bei den Becidiven des 
aekandären Stadiums deir Syphilis. Bezüglich der tertiären Syphilis können die An- 
giben nur mit Beserve gemacht werden , einmal wegen der verhältnismäfsig geringen 
Zahl der untersuchten Fälle, wie auch wegen der Vielgestaltigkeit, die diese Periode 
des luetischen Krankheitsprozesses auszeichnet. Bei multiplen Hautgummen erscheinen 
namentlich die mononukleären Zellen und die Übergangsformen vermehrt. Loos in 
Graz fand bei Syphilis neonatorum konstant kernhaltige rote Blutkörperchen, was 
Redner bestätigen kann, doch sah er sie niemals im Blute von erwachsenen Syphilis- 
kranken. 

Bei Hautkrankheiten stehen die eosinophilen Zellen entschieden im Vorder- 
grunde des Interesses — Verhältnisse, auf die zuerst von Neussbr und Loos hin- 
gedeutet wurde. Es giebt Hauterkrankungen, bei denen die Vermehrung dieser 
£)eineiite die denkbar höchsten Grade erreicht, wie sonst bei gar keinem patholog^isohen 
Zuitande, auch nicht bei der Leukämie. Die hier in Frage kommenden Affektionen 
nnd in erster Linie das Ekzem, der Pemphigus und die Prurigo. Je aus- 
gebreiteter die Hautaffektion, um so gröfser die Anzahl der eosinophilen Zelten 
(Bczema universale, Pemphigus foliaceus, Prurigo agria). Bei einer grofsen Zahl 
linderer Hautkrankheiten waren die Besultate keine konstanten. In einigen Fällen 
^^ Psoriasis fand sich namhafte Vermehrung der in Bede stehenden Zellen, bei 



188 

anderen wiederum trotz ziemlich ausgebreiteter Erkrankung eine der Norm e&i- 
sprechende Menge. Sehr wechselnd waren auch die Resultate bei Lupus rulgarit. 
Bemerkenswert ist die nach Tuberkulininjektionen aufgetretene Vermehrung der 
eosinophilen Zellen, wo sie vorher nicht zu konstatieren gewesen. Offenbar handelt 
es sich hier um aus dem erkrankten Gewebe in die Blutbahn geschlenderte eosinoi^iile 
Zellen; dals solche in Lupusknötchen Yorkomraen, wurde ja im Vorjahre von Jadas- 
soHN mitgeteilt. Was die akutenExantheme betrifft, so fand &. bei einer Annhl 
von Variolaföllen im Stadium der Suppuration leichte Vermehrung der mono- und 
polynukleären Zellen, sowie Vermehrung der Lymphocyten; bei zwei Fällen to& 
Purpuravariolosa zahlreiche, kernhaltige, rote Blutkörperchen von normoblastischeiii 
Typus, weiter zahlreiche monouukleäre Formen und Myelnplaxen. Bei eini^ 
zwanzig MasernföUen fanden sich teils leichte Vermehrung der eosinophilen Zellea 
nebst starker Beteiligung der Lymphocyten, teils auch völlig normale VerhältnisH; 
Ton drei Scarlat inafällen ergaben zwei kaum eine Abweichung von der Norm, in 
einem dritteo, ein kleines Kind betreffenden, tödlich verlaufenen Falle bestand stärkt 
Vermehrung der eosinophilen Zellen. Konstant war in zahlreichen Fällen tob 
Erysipel die hochgradige Vermehrung der polynukleären Zellen, die nahezu gleich- 
zeitig mit dem Temperaturabfalle und dem Hautprozesse schwand. 

Was folgt nun aus diesen Befunden, und wie kann man dieselben erklären? Zu 
diesem Zwecke teilt K. seine Befunde in drei Gruppen: 1. die ganz isoliert stehende 
polynukleäre Leukocytose beim Erysipel, 2. die Eosinophilie der chronischen Derms^ 
tosen und 3. die Ergebnisse bei Syphilis. Was zunächst die ErysipelleukocytoM 
anlangt, so stellt sie eine Form der sogenannten entzündlichea Leukocytose dar, wie 
sie mehrfach für Pneumomie, Peritonitis u. s. w. angenommen wird. Sie kann tof 
zweifache Weise erklärt werden. Entweder ist es der durch das Krankheitivii« 
gesetzte Beiz, welcher primär die Vermehrung der genannten Elemente bewirkt, oder 
aber man nimmt mit Ioas an, dafs der Eutzündungsreiz nicht das Primäre ist, senden 
dafs zunächst unter Mitwirkung der Chemotaxis die Emigration der weiüsen Blutzellea 
an das kranke Gewebe und erst im Anschlüsse daran, als ein Ausdruck der Regeneration, 
•eine vermehrte Produktion von Leukocyten zu stände kommt. Was ferner die hock- 
gradige Vermehrung der eosinophilen Zellen bei chronischen Dermatosen betriflit. w 
ist sie eine so eklatante, dafs man wohl nicht anders kann, als sie in direkte Be- 
ziehung zum Hautprozesse zu setzen. Vortragender ist daher der Meinung^ da£i die 
l)esagten Zellen nicht blofs, wie Ehrlich postuliert, im Knochenmark, sondern sack 
in der Haut entstehen, und verweist diesbezüglich auf die Ansichten von Kodis aber 
die Genese der Wanderzellen in der Haut des Froschlarvenschwanzes. Bezüglich der 
Verhältnisse bei der Syphilis wirken wohl mehrere Faktoren zusammen: die Kotr 
fltebung der eosinophilen Zellen dürfte zum grofsen Teile die eben angedeutete seia, 
während die übrigen Befunde sich unschwer teils aus der Lymphdrüseureizung, teib 
jaus der allgemeinen Ernährungsstörung des Organismus ergeben. 

Über tertiär sjrpliilitiBche subkutane Lsrmphome, von Dr. Büsch. (Fiea 
med, Presse 1891). Ein 30 jähriger Araber hat eine buchweizengrolae Geschwulst wi 
Unterkiefer, nach vorn bis zum Schlüsselbein und hinten bis zum Nacken zahlrdcbe 
Lymphdrüsen fühlbar. Die Haut über der 19 Monate bestehenden Geschwulst «tf 
durch Atzmittel zerstört. Patient war vor 14 Jahren als passiver Päderast infiä«*, 
Besserung nach Quecksilberund Jodkalium. — Dann entstehen : linksseitiger Exophtbalmasi 
Facialislähmung, Sprachstörung, nächtliche Kopfschmerzen, kurz : alle Zeichen eines ia 
der linken Fossa Sylvii gelegenen syphilitischen Tumors. Durch entsprechende 
Behandlung wieder Besserung. — Verfasser berichtet, dafs in Syrien die H»nV 
Erkrankungen bei der Syphilis sehr selten sind , Rachensymptome dagegen fehlen (^^ 



189 

« 

de. Syphilis de» Gentralnervensystems ist häufig, vielleicht infolge za früher und zu 
ibreierter Anwendung von Quecksilber. Jessner-Königsberg i. Pr, 

Vorschlfige zur Beluuidliuig der Syphilis imAnfangsBtadiuiD, von A. Eichleb. 
{Med. News. 20. Aug. 1892.) Auf Grund einer . allerdings erst zweijährigen Erfahrung 
bei 15 Patienten mit initialer Syphilis empfiehlt E. aufs wärmste die Verwendung 
tiglicher Injektionen von Sublimat nach der BARTHOLowschen Formel mit Wasser 
und Glyoerin zu 0,005 des Salzes pro die. Er giebt beim ersten Auftreten von sekun- 
dären Erscheinungen einen Turnus von 12 Injektionen, setzt dann 8 Tage aus, fährt 
ibdann mit dem zweiten Turnus von 12 Injektionen fort, und nach abermaliger 
achttägiger Pause giebt er einen dritten. Bei Verwendung von feinen, etwa zwei Zoll 
lugen Nadeln, Ätherisierung der betreffenden Hautpartie, tiefem Einspritzen in die 
Moekebabstanz, Sorge für Reinhaltung des Mundes etc. waren die Resultate in jeder 
Beziehung zufriedenstellend und empfehlen die Methode, namentlich für die Privatpraxis 
sehr. Philippi' Nieheim. 

Für eine Behandlnng der SyphiliB wälirend der Schwangerscliaft tritt 
iuGiGXECR sehr entschieden ein. (Joum. des mal. cut. et syph. 1892. S. 471.) Er ist 
ein lebhafter Befürworter namentlich der örtlichen Behandlung der Kondylome. Wenn 
«ine völlige Heilung auch erst nach der Entbindung erfolgen kann, so ist es doch 
immerhin eine dankbare Aufgabe, die weitere Ausdehnung der Kondylome zu ver- 
hindeni, ihre Absonderung zu beschränken u. s. w. Zu diesem Zweck empfiehlt A. 
die Anwendung eines Puders, der aus 10 Teilen Borsäure und 20 Teilen Talcum 
besteht Türkheim' Hamburg. 

Über syphilitische Angenerkranknngen, von G^lezowski. (Referiert in Joum. 
4es mal cut. et syph. 1892. S. 387.) Verfasser hält Quecksilber-Einreibungen für das 
beite Mittel bei Syphilis. Ihre Wirkung bei Chorioiditis syphilitica ist allen anderen 
Mitteln überlegen. — Die disseminierten Atrophien der Chorioidea in der Gegend der 
Ora Berrata sind nach G. bei einfachen Atrophen der Papille infolge von Syphilis 
«der Tabes viel häufiger, als gewöhnlich angenommen wird. — In 807« der Augen- 
erkraDkungen bei Tabes ist nach G. Syphilis die Ursache, und die Krankheit infolge- 
dessen heilbar. Die chorioidealen Atrophien im Gebiete der Ora serrata lassen keinen 
Zweifel über die Natur des Leidens. Türkheim-Hamburg. 

Syphilis und Scharlach, von J. H. Heanet. (Brit. med. Joum. 1. Okt. 1892. 
£n bemerkenswerter Fall: Ein 22 jähriger Mann erkrankte plötzlich mit Erbrechen, 
flslflschmerzen und Ausschlag von scharlachartiger Beschaffenheit am Halse, dem 
Eampfe und den Extremitäten. Temperatur 40^. Patient war kürzlich wegen 
Oonorrhoe in anderweitiger Behandlung gewesen, und bei der weiteren Untersuchung 
iand sich eine kleine Narbe an der Vorhaut. — Der weitere Verlauf bestätigte die 
Diagnose der Syphilis. Philippi-Nieheim. 

Über die Anwendung der Qnecksübereinreibnngen bei der Behandlung 
to Ssrphilis, von Prof. Fournier. {Vtinion tiMicale. No. 60. 1891.) Verfasser 
verwendet bei leichten Fällen von Syphilis Quecksilber intern, sonst in Inunktionen 
oder Injektionen, welche auch bei Störungen der Verdauung, bei Kindern und 
bei gleichzeitiger Darreichung von Jodkalium vorzuziehen sind. Jede den Körper 
schwächende Mafsnahme, so das in Aachen übliche Schwitzen, sollen bei den Inunk- 
tionen vermieden werden. Duschen und Seebäder wendet F. dagegen gerne an; die 
Anwendung der Hydrotherapie ist sogar unerläfslich bei der syphilitischen Epilepsie. 
Zu der Salbe wird Axungia porci genommen ; Lanolin ist auch gut, aber theurer. Seife 

Monatshefte XVI. 14 



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erfordert längere Zeit zur Yerreibung. Die Dosis ist gewöhnlich 4,0, bei Fraoen 
weniger, bei Kindern 2 — 3,0; in dringenden Fällen (Qehimsyphilis) anch 10—12,0. 
Noch grölsere Dosen werden bei gleichzeitiger Verabreichung von Mineralwanen 
vertragen, indem ein Theil des Hg in unlösliches Schwefelquecksilber übergeführt wir! 
Die Einreibungen werden abends an möglichst wenig behaarten Teilen Yorgenommen; 
F. bevorzugt die obere Thoraxhäifte. Das Einreiben erfordert bei 4,0 */4, bei 8,0 
Va Stunde. Nach dem Einreiben werden die betreffenden Stellen mit einem in warmei 
Wasser getauchten Leinentuch bewickelt und Watte, oder besser Taffet herübergelegt; 
Befestigung mit einer Binde. Nach acht Tagen werden die Salbenreste mit Seife und 
Wasser entfernt, die Haut gepudert. Alle 2 — 3 Tage ein Bad. Im allgemeinen loQ 
eine Kur 3 — 4 Wochen dauern. Jessner- Königsberg t. iV. 

Über die energische chimrgische Intervention bei den olcerierten ÜUBmi- 
knoten, von Jakobs. (Ann. et BtUL de la soc. de med. d^Anvers. Juli-August 189L) 
Bei einem Patienten mit zahlreichen Haut- und Knochengummaten am linket 
Bein, vielen Fisteln und einem tiefen Geschwür wurde die Ausschabung ansgefolut 
und 80 Heilung unter gleichzeitiger Darreichung von 4,0 — 6,0 Jodkalium und 0,01 
Hydrargyrum jodatum erzielt, während frühere spezifische Behandlung nichts genatit 
hatte. Ein Geschwür auf dem rechten Bein, das zuerst nicht chirurgisch behandelt 
war, ebenso wie ein kleines Hautgumma heilten trotz der internen Medikationen aocb 
nicht früher, als bis sie chirurgisch in Angriff genommen wurden. 

Jessner- Königsberg i. iV. 

SjrplliliB der Nase. Demonstration im Verein für innere Medizin in Berlin, 
von Treizkl. 7. Dezember 1891. (Deutsche Med.Ztg, No. 100. 1891.) T. zeigt die 
schrecklichen Zerstörungen, die die Syphilis in der Nase anrichten kann: Ton dtf 
äufseren Nase fast nichts vorhanden; der Knorpel der äulseren Nase und des Septosa 
fehlen; ebenso die unteren Muscheln. Im Septum eine Perforation, ebenso im 
vorderen Theile des Antrum ein Loch in der Gröfse eines Pfennigs. Im rechtfOi 
Sinus der Stirnhöhle ein Sequester, in käsigen Eiter gebettet. 

Jessner-Königsberg ». iV. 

Ein Fall von hereditärer Syphilis, von Haslea. {^Medkal News. 25. Juni 18i^.} 
Verfasser beschreibt ein hereditär syphilitisches Mädchen, dessen Vater an tertiärer 
Lues (Hirnsymptome) gestorben, und dessen Mutter auch luetisch war. Im Alter toi 
12 Jahren zeigte sie Symptome von sekundärer Syphilis und wurde behandelt. Zw« 
Jahre später kam sie wieder, ganz blind, nur Lichtempfindung war noch yorhandea; 
beide Corneae waren milchweifs getrübt. Zwei Jahre allgemeiner Behandlung mit 
Jodquecksilber und heifsen Bädern führten zur vollkommenen Herstellung des Seb- 
vei^mögens; lokal war nichts an den Augen gemacht worden. F. Hahn-Bremen. 

d. McUleus. 

Über die Bedeutung des Mallein bei der präventiv-diagnostischen lai 
therapeutischen Behandlung der Botzkranken. Vorläufige Mitteilung von 
A. BoKOME und M. Vivaldi {La ri forma medica. No. 168. 1892). Mallein ist ein den 
Tuberkulin analoges Produkt aus den Botzbacillenkulturen. Die Wirkung ist bei den 
verschiedenen Tieren keine gleiche; Meerschweinchen z. B. vertragen gro&e Mengso. 
Lokal entsteht eine Verdichtung des Gewebes. — Infizierte Tiere werden daiti 
Mallein zum Teil gebessert, bei anderen beschleunigt es sogar das Ende. — 
Infizierte Pferde zeigen nach Injektionen eine fieberhafte, nach einigen Stunden ein- 
tretende Reaktion. — Immunität vermag die Einführung in refracta dosi nicht n 
bewirken, jedoch modifiziert die vor der Infektion stattgefundene Behandlnog mit 
Mallein bei Meerschweinchen, und besonders bei Ratten, das Krankheitsbüd. D» 



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den Balten in refracta dosi, in karzen Pausen zugefübrte Mallein bewirkt regressiye 
YeriDderangen im Blnte, Zerfall der roten Blutkörperchen, Herabsetzung der Gerinn- 
barkeit etc. — Botzkranke Meerschweinchen reagieren hefUg auf geringe Dosen von 
Ibllein, gesunde vertragen, wie erwähnt, grofse Mengen. Das Verhalten entspricht 
Ourem Verhalten gegenüber dem Tuberkulin. Jessner-Kömgsberg i. Pr, 



Lokale Infektionskrankheiten, 
a. der OherJutut 

Zur Gescliielite der Krätze , eine Plauderei von Cabak&s. (Jonm. des inal. cut. 
ei syph. 1892. S. 411.) In geistreicher Weise schildert uns Caban&s den langen Weg, 
den die Wissenschaft zurückgelegt hat, um zu einer Erkenntnis des wahren Wesens 
der Kratze zu gelangen. Die humoral-pathologischen Anschaungen eines Galen und 
eines Avicenna hatte man freilich schon lange verlassen und vermutete die parasitäre 
Natur der Krankheit. Aber erst nach vielen Irrtümern und Verwechslungen gelang 
% des richtigen Schuldigen habhaft zu werden, die Krätzmilbe zu erkennen. Am 
13. August 1834 zeigte sie ein korsischer Student in der Klinik von Alibbrt. Derselbe 
^ttte seine Kunst, sie einzufangen, von Schäfern in seiner Heimat gelernt. Damit 
war eine raschere Heilung der Krankheit ermöglicht und gleichzeitig auch den 
msinnigsten Theorien der Boden entzogen. Erblickten doch angesehene Arzte in der 
Scibies einen Antagonisten der Lungenschwindsucht und der Epilepsie und behaupteten 
die eine durch die andere heilen zu können F Mufste doch Napoleon I., als er nach 
dem ägyptischen Feldzug Hagenbeschwerden empfand, das Hemd eines Kratzkranken 
mziehen, um einen ehemaligen Ausschlag, den man gleichfalls für skabiös hielt, 
wieder hervorzurufen und so eine Ablenkung auf die Haut hervorzuzaubern ! 

Insofern hat Verfasser recht, wenn er zum Schlufs seiner fesselnden Abhandlung 
über die Fortschritte, die wir in der Erkenntnis dieser Krankheit gemacht haben, in 
freudige Stimmung gerät. Nur schade, dafs die Geschichte der Medizin nicht allzu- 
vielc so ruhmreiche Kapitel aufzuweisen hat! Türlduim- Hamburg. 

Über einen Fall von Pnsteln im Schlund, Bachen, Nase und Kehlkopf 

TOD AüDUBBBT. (Referiert in Joum. de mal cut. et syph. 1892. S. 384.) Nach einer 
eisgebenden Schilderung der Krankheitssymptome bei der 52jährigen Frau und einer 
erschöpfenden Besprechung der Dififerentialdiagnose kommt Verfasser zum Schlufs, 
dais es sich in seinem Fall um einen infektiösen Prozefs mit Pusteln auf der Haut 
und den Schleimhäuten handelte. Die Pusteln waren nur von kurzer Dauer. Er 
achreibt ihr Zustandekommen körperlichen Entbehrungen zu. Die Behandlung erwies 
«ich als erfolglos. Türkheim-Hamhurg. 

Ober einen seltenen Fall yon nniyersellvr Scabies (Scabies norvegica) 
berichtet Oro Mario in Gazzetta deüe diniche (No. 21. 1892). Es handelte sich um 
einen 51jährigen Koch, dessen ganze Körperoberfläche (nach wiederholten Kecidiven) 
von einem teils nässenden und krustösen, teils schuppenden Ekzeme befallen war. 
Der Fall bietet nun das Interessante, dafs nicht allein auf Rumpf und Extremitäten, 
nndem auch auf der Haut des ganzen Kopfes sehr zahlreiche Parasiten vorgefunden 
vurden. Wenn hier, so argumentiert Verfasser, die Krätzmilben als Ursache des 
Ekzems angesehen werden müssen, so wurde andererseits wiederum durch die Aus- 
dehnung desselben, zumal bei dessen Übergreifen auf den Kopf, den Parasiten der 
Wej; zur leichteren Verbreitung gebahnt. C. MüUer- Freiburg (Schweiz). 

Die Ekzeme des Säuglings- nnd Kindesalters nebst besonderer Berück 
Bichtigimg der Ätiologie nnd diätetischen Behandlung, von C. P. Rüssel. (Med. 



192 

Netßs. 3. Sept. 1892.) Verfasser bespricht namentlich das Eczema pustulosum, ven- 
culosum und seborrhoicum, ohne aber etwas wesentlich Neues vorzubringen. 

Philippi-Niehem. 

Über Eczema und Folliculitis des Vestibulum nasi von P. Tissur. {?nae 

med. beige. No. 48. 1892). T. schlägt folgende Behandlung dieses aufserst hartnäckigeo 

Leidens vor: Beseitigung des Grundleidens der Nasenschleimhaut, sehr kurzes Ab* 

scheren der Haare, Auflösen der Krusten und Borken mit lokalen Borsäureb&dern 

und -Zerstäubungen oder mit Solveol (1 Kaffeelöffel pro Liter). Darauf Einfahren 

abwechselnd in beide Nasenlöcher während 12 Stunden von Wattebäuschchen, welche 

imbibiert werden mit: 

Vaselin 10,0 

Jodoform 1,0 

Heilen die Rhagaden unter dieser Behandlung nicht, so touchiert man sie T0^ 

teilhaft mit Kampfer- Naphtol oder Lapis. Bei langer Dauer der Affektion Tee^ 

oder Ichthyolpräparate. Zur Therapie allfälliger Affektionen der äufseren Nases- 

bedeckung sollen sich Salben mit Bismuthum subnitricnm mit oder ohne Zusatz tob 

Zinkoxyd am besten eignen. C. Müller-Freiburg (Schweiz). 

Über MöLLEBsche Ghlossitis superficialis, von Ludwig Hahn. (Deutsdie mei 
Ztg. No. 65. 1892.) „ Unregelmäfsige hochrote Flecke, Verdünnung des Epithels der hy* 
perSmischen und geschwollenen Papillen, Fehlen jeden krankhaften Sekretes, keine 
Ulceration, Sitz besonders an den Bändern und der Spitze^ — das sind die Kenfi- 
zsiohen der mit unangenehmem Brennen und lebhaftem Schmerz einhergehenden 
MöLLBRschen Glossitis, die leider der Therapie sehr widersteht. Verfasser teilt eiscB 
charakteristischen Fall mit, bei dem er auch therapeutisch keine Lorbeeren ernteie. 
Bemerkenswert ist, dafs die hauptsächlich affizierte Stelle dem Sitze von ksriöseB 
Zähnen entsprach, die also wohl die Veranlassung zu dem Beizzustand gegeben haben 
können. Jessner-Kömgeberg i. i¥. 

Beliandluiig des chronischen Ekzems mit Kreolin, empfiehlt Dr. Pattksos. 
Er hat bei zwei Fällen pustulösem Ekzem der Kopfhaut sehr gute Erfolge geeeheii. 

Jessner-Königsherg i. iV, 
Ghegen Komedonen empfiehlt Blondbl: 

Magist. Bismuth. 

Acid. boric. ptilv. m 3,0 

B<id. Eatanhae pulv^ 1,0 

Gummi tragac. 2,0 

(Eif. med. No. 232. 1890.) Jessner-Königsberg i. Fr. 

Vaccine-Blepharitds, von Erich Pbiper. (Centralbl f. klin. Med. No. 37. 1891.) 
Durch zufallige Übertragung von Vaccine entstand am oberen und unteren Lidnad 
Schwellung und Bötung ; in der Mitte des Wimpersaumes drei kleine, graue BUUohen 
von ca. 3 — 4 mm Durchmesser, die den Vaccinebläschen vollkommen gleichen. Heilung 
ohne Narben. Jedenfalls hat das Kind an dem Impfstich gekratzt und den Infektioiis* 
Stoff dann auf die Augenlider gebracht. Jessner-Königsberg i. iV. 

Trichorrhexis nodosa (vorläufige Mitteilung), von M. P. Ravenel. {Med. Nevs. 
29. Okt. 1892.) Verfasser, der selber seit fünf Jahren an dieser Affektion leidet, ht 
vor kurzem bemerkt, dafs sein Basierpinsel, sowie seine Zahnbürste eine grofse 
Anzahl Haare mit den nämlichen pathologischen Veränderungen aufwiesen. Du 
Gleiche wurde auch an den Gerätschaften eines anderen an Trichorrhexis leidenden 
Patienten konstatiert. Verfasser nimmt eine parasitäre Entstehungs weise an nnd 



193 

bittet am Mitteilung etwaiger ähnlicher Beobachtungen. H. W. Stblwagok, der die 
Befände bestätigt hat, nimmt Berichte entgegen (223 South, 17th Str., Philadelphia). 

Philippi-Nieheim. 

Eine Mucorgattuig bei Bchwaraer Zunge, von Cuglinski und Hbwblks. 
[Kromka Lek. 11. 1892). Bei einem 24jährigen Weibe entstand akut (nach In- 
fluenza?) ein schwarzer Belag an der oberen Znngenfläche, bis an die Papulae 
orcamTallatae. Der glatte , feuchte, leicht abhebbare Belag besteht mikroskopisch 
liu dicken, geraden Hyphen und runden Köpfchen mit schwarzen Sporen. Morpho- 
logisch steht dieser Pilz dem Mucor rhizopodiformis nahe, doch unterscheidet 
er sich von diesem durch schwarze Farbe der Sporen, ihre ovale Form und Ent- 
wickelang, in niederen Temperaturen (nicht über 27^ C). Der Pilz ist für Kaninchen 
nicht pathogen. Der beschriebene Zungenbelag ist nach vier Tagen verschwunden. 

Die Autoren unterscheiden: 

1. eine chronische Form der schwarzen Zunge, Hyperkeratosis 
linguae (Bbosin, Schenk, Finkler) und 

2. eine akute Form, Nigrities mucorina linguae. 

Funk' Warschau, 
b. der Cutis. 

Ichthyol gegen Gesichtaeryalpel, von S. J. Badgliffb. (The therapeuHc goäHU 
16. Uai. 1892. Aüg. fned. Centralztg. 1892. 69.) Verfasser berichtet gute Erfolge von 
Ichthyol als Salbe bei Erysipelas. Jeaaner- Königsberg i. Pr. 

Die Behandlung des aesichtBeTysipels, von Ch. Talahok. (Referiert in Jaum, 
ies mal cut. et syph. 1892. S. 380). T. benutzt eine 1 Voige Lösung von Sublimat in 
Äther, die er mittelst eines Zerstäubers auf das Gesichtserysipel bringt. Eine ein 
bis zweimalige ausgiebige Anwendung dieses Mittels genügt schon in vielen Fällen. 
Andernfalls ist eine minder energische Fortsetzung angezeigt. In der Zwischenzeit 
vird das Gesicht mit Kompressen, die in Borsäurelösung getaucht sind, bedeckt. — 
Die weiteren, vom Verfasser empfohlenen Einzelheiten wolle man im Original nach- 
ksen. Türkkeim-Hamburg , 

Qegen Acne sebacea empfehlen Barthblemt und Jacques (Joum. des mal. cut 
et syph, 1892. S. 470) folgende Salbe: 

Dermatol. 2,0 

Zinc. oacyd. 5,0 

Tale. 10,0 

Vaselin. 20,0 

Lanolin 10,0. 

Jeden Abend beim Schlafengehen anzuwenden. AuXserdem hat sich der Kranke 
morgens und abends erst mit grüner Seife, darauf mit irgend einer antiseptisohen 
Losimg zu waschen, zweimal wöchentlich ein Schwefelbad zu nehmen und für regel- 

^ _ ^ ftp ^^ 

«ttfiige Öffnung zu sorgen. Türkheim-Hamburg, 

Über die TerBcliiedenen Formen der Lymphangitis, Insbesondere ttber die 
ttapnlläre Lymphangitis, von MorblLavall^e. (L'union medicale, 1. Oktober 1891. 
1- Bs giebt eine Form der partiellen Lymphangitis mit kettenförmig angeordnete n 
^Weiterungen, zwischen denen nicht immer der Lymphgefälsstrang fühlbar iat. Ver- 
I^ner nennt dieses Leiden ampulläre Lymphangitis. 

2. Mannigfache Veränderungen und Entzündungen der Lymphwege hindern 
aichi ihre Durchgängigkeit, was für die Weiterverschleppung des infizierenden Agens 
*ie fnr die Fortleitnng heilender Substanzen wichtig ist. Jessner^ Königsberg i, iV. 



194 

Über das Erythema nodosam palustre, von Mongoryo. (Gazette hd^cmaäaikt 
de Mededne et de Chirurgie. Juni 1892.) Verfasser berichtet über 4 Fälle von Erythemt 
nodosum bei Kindern im Verlaufe von Malaria. Die Efflorescenzen waren mit denen 
identisch, die man unter anderen Verhältnissen (Rheumatismus) zu finden pflegt, mi 
hielten sie sich nicht auf die bekannten Prädilektionsstellen beschränkt, sondern 
traten auch auf Gesicht, Wadengegend und Oberschenkeln auf. Die Afiektion kam, 
soweit die bisherigen Beobachtungen (26 Fälle) reichen, nur im Kindesalter Tor; ein 
einziges Mal wiederholte sie sich, nachdem sie sich im 7. Jahre zum ersten Hil 
gezeigt, im 17. nochmals. Entsprechend der Natur der Grundaffektion ist Chinin du 
souveräne Mittel gegen dieselbe. C. Müller- Freihurg (Schtoeie). 

Wundrand - Hautfaltennaht nach Ausräumung von Bubonen, von Dr. 

Zehender. {Ceniralblf. Chirurgie. 1892. No. 40). Wenn nach Ausräumung der Bubonen 
die .Todoformgazetamponade überflüssig geworden ist, soll, um ein Auseinanderweichen 
der Wundränder nach der Naht zu vermeiden, dieselbe folgendermafsen angelegt 
werden: Fortlaufende Catgutnaht der Wunde mit Öffnung für Drain- oder Jodoform- 
gazestreifen ; dann Zusammennähen von zwei Falten der Haut, die beiderseits an der 
Wunde erhoben werden. Die Faltennaht, aus Knopf und Matratzennähten bestehend, 
überlagert die Catgutnaht. Die Hüfte mufs eventuell gebeugt gehalten werden. Die 
Heilung wird dadurch um mehrere Wochen abgekürzt. 

Jessner-KörUgsberg f. Pr. 

Arthritis suppurativa des Knies im Verlaufe einer Gesichtsrose tob 

Gaillabd. (Sociite nUdicaJe des höpitaux. 17. Juni 92. Ällg. med. Ctrlztg. 1892. No. 71; 
Sehr mildes Gesichtserysipel, am sechsten Tage Schmerz im Kniegelenk, Allgemein* 
erscheinungen, am zwölften Tage Tod. Bei der Autopsie im Knie Eiter, der sich bü 
zur Hüfte gesenkt hatte ; Veränderungen in Lunge, Leber, Nieren ; sehr wenige Strepto- 
kokken, sehr viele Staphylokokken. Jessner-Königsberg t. iV. 

Über Verschwärung, Geschwüre und deren Heilung» von Dr. Guido B£ll 
{Memorabüien 36. No. 7. AUg. med. Centralzeit. 1892. No. 77.) Jede Verschwänuig, 
jede Eiterung ist nach Verfasser durch Mikrobien bedingt und mufs dementsprechend 
behandelt werden. Als eine diesem Gesichtspunkte genügende Behandlung bezeichnet 
der Verfasser das Bestreuen der Wunde mit Pepsin, „um die Mikrobien ihres Nah^ 
bodens zu berauben", und in anderen Fällen, „um die Vitabilität des Gewebes n 
heben", Kreosot resp. Jodkalium innerlich und Atzungen mit konzentrierten antis^ 
tischen Flüssigkeiten. Zur Prophylaxe der infolge von langdauemden Eiternnges 
häufig auftretenden Lungenschwindsucht (?) soll Kreosot gereicht werden; ebenso bei 
tiefliegenden Eiterungen, z. B. Psoasabscessen. Jessner-Königsberg t. Pr. 

Bakteriologische Beobachtungen über Furunkel des äusseren Qehfir- 
ganges, von Maooioba et Gradenigo. (Ann. Pasteur T. F. 1891, p. 651. Fort- 
schritte der Medizin 1892. No. 19.) In einem Furunkel des äufseren Gehörgangei 
fanden die Verfasser neben Staphylococcus pyogenes albus den Bacillus pyocyaneus, der 
auch für weifse Batten und Mause pathogen sein soll. In alten Kulturen und nsch 
vielfachen Abimpfungen sahen sie deutliche Abschwächung der Virulenz. 

Jessner-Königsberg t. Pr. 

„Barber's itch", von W. S. Gottheil. (Med. News, 24. Sept. 1892. „Barber« 
itch^ ist ein unaccurater, laienhafter Ausdruck, unter dem eigentlich alle Haute^ 
kranknngen im Bereiche der Barthaare zusammengefafst werden. Als die gewöhnlichstes 
Affektionen, am die es eich hierbei wirklich handelt, bespricht Verfasser das EkzeDt 
die Perifolliculitis barbae (oder Sycosis coccogenes und Trychophytosis barbae oder 



195 

Stcoms hyphogenes). Den Gebrauch derBezeichnang Sycosis verwirft er (mit Hecht), 
<ig dieselbe von venchiedenen Autoren in yerschiedenem Sinne gebraucht wird. Ätio- 
logie, Prophylaxe und Therapie der verschiedenen Affektionen wenden eingehend 
besprochen, ohne aber dals etwas eigentlich Neues beigebracht wird. 

PJUUppi'Nieheim. 

Zur Ätiologie aknter Zellgewebsentzttndnngen, eine Eüarbniikel-Hant- 
«pidemie durch Infektion mit tleriscliem Sekret, von Prof. Dr. Brukner. (Wien. 
K Woeh, 1891. No. 20. 21) In einem Hause sah Verfasser vier Fälle von Karbunkel 
infolge von Infektion am Euter einer Ziege; ein Fall endete tödlich. Im Eiter und 
Blat war ausschliefslich Staphylococcus pyogenes aureus und albus zu finden ; es sind 
diso zu progredienten Eiterungen die Streptokokken nicht durchaus nötig. — Eine 
groüse Anzahl von Furunkeln im Gesicht hat den Verfasser gleichzeitig veranlafst, die 
Poderquasten aus den Basierstuben bakteriologisch zu untersuchen; er fand massen- 
iiift Staphylokokken; die Notwendigkeit prophylaktischer Mafsnahmen in den 
Basierstuben ergiebt sich von selbst. Jeasner-Königsherg t. 2V. 



Progressive Ernährungsstörungen. 

Ober die Acne keloidea (Bazik); klinische, anatomo-pathologische und bak- 
teriologische Studie, von G. Mellk. {Criom. itoL du mal. ven. e de pelle. Fase. DI. 1892.) 
Ver&aser behandelt den Gegenstand unter Zugrundelegung von sechs Krankengeschichten 
eigner Beobachtung. Die mikroskopische Untersuchung der Tumoren ergab eine den 
wahren Keloiden analoge Struktur. In den ersten Stadien stellt die Affektion eine 
^erifolliculitis resp. Perivasculitis vor, welche zu einer Zerstörung der Talgdrüse 
fahrt, während der Haarfollikel selbst intakt oder doch erst spät ergriffen wird. Die 
Forschung nach Mikroorganismen ergab sowohl mikroskopisch als bakteriologisch ein 
negatives Resultat, und mufs die Ursache der Affektion auf äufsere mechanische und 
kontinuierliche Reize zurückgeführt werden. Die einzig richtige und vor Recidiven 
sehätzende Therapie ist die chirurgische, bestehend in Auskratzung der Tumoren 
(uiter Kokainanästhesie. C. MüÜer-Freiburg {Schweiz). 

Das Papillom der Petroleum-Bafflneure, von Leon Derville und Guermon- 
nn. {Joum. des sciences midie, de Lille. 1892. IV. Deutsch. Med. - Zeitg. 1892. 70.) 
Die im Rohpetroleum enthaltenen reizenden Stoffe, die zur Reinigung verwendeten 
AJkalien, die hohen Temperaturen bewirken bei den in der Petroleumraffinerie 
beschäftigten Arbeitern warzige, papillomatöse Wucherungen, ausgehend stets von 
Haarbälgen. Zuerst grau gefärbte Erhebung an einem Haarfollikel, allmählich bis zur 
^fte einer halben Kastanie wachsend und sich schwarz färbend. Das Haar ver- 
kfimmert. Zu eigentlichen Papillomen kommt es nur bei einigen Follikeln. Um die 
innktformigen schwarzen Follikel bildet sich unter Ausfallen des hornigen Centrums 
n> glatter Tumor, der sekundär rauh und zerklüftet wird. Durch fettige Degeneration 
^«r centralen Teile zeigen einzelne eine Pseudofluktuation. Neigung zu örtlichen 
Heddiven ist vorhanden. In der Tiefe häufig Epithelperlen, in allen Teilen entzünd- 
^<^he Veränderongen nachweisbar. Die Tumoren ähneln den Epithelkankroiden. 
D<voh Einreibung mit Rückständen der Petroleumdestillationen konnten die Ver- 
«ndemngen bei Tieren nicht erzeugt werden, ebensowenig durch Impfung mit 
^<^iwnl8tteilen. — Verfasser beobachteten 4 Fälle; hygienische Mafsregeln wirken 
prophylaktisch und therapeutisch. Häufige Bäder und grüne Seife sind zu empfehlen. 

Jesmer- Königsberg i. Pr. 



196 

Über die Krebsparasiten, von P. Foa. (Ceniralbl f, Bakt u. ParasUenk. im. 
No. 6.) Nach einem Überblick über die in der Litteratur enthaltenen Angaben «ber 
Krebsparasiten teilt Verfasser mit, dafs er in den krebsigen Epithelzelien KÖrptr 
gesehen hat, welche sich gut mit Hämatoxylin färben und verschiedene Konfigoratioa 
und Gröfse darbieten. Bei demselben Krebse kann man die Entwickelang von cocddien- 
lörmigen Gebilden bis zu gröiseren, differenzierten Körpern von blaschenartigeni oder 
cystischem Aussehen finden, die einen unregelmäisigenKern enthalten und derenProtoplasniA 
regelmäfsige Segmentationen zeigen. Oder die Körper können körnigen, mit Häma- 
toxylin intensiv gefärbten Inhalt haben, sich vergrölsern ; eine Lockerung der Komcbeo 
tritt ein und dann sieht man im Centrum, ein oder mehrere, sich schwach orangegelb 
färbende Körperchen. Mit Leukocyten sind diese Gebilde nicht zu verwechseln, 
Abbildungen yeranschanlichen die geschilderten Körperchen, von denen F. gUabi 
annehmen zu können, daüs sie in einem Kausalverhältnis zur Entwickelang des Krebses 
stehen. Jessner-Königsberg t. Fr. 

Über Lymphangiome der Mundhöhle, von G. 0. Samter. CAreh.f.Uiiu 
Chirurg, Bd. 2%, Deutsche Medü.-Ztg. 1892. 20.) Von fünf Lymphangiomen der Mand* 
höhle sind drei teleangiektatisch-kavemöser, eins cystischer Natur, eins war eine Ib- 
kroglossie. Vier von den Fällen waren angeboren oder in den ersten LebensmontteB 
entstanden und beruhten wahrscheinlich auf abnormer embryonaler Anlage von 
Lymphdrüsengewebe. Jessner-Königsberg i. Pr. 

Kindskopfgrofses Lipom am Vorderarme mit Beflexepllepsle, von Nicours 
VucETic. (AUg. Wien. med. Ztg. 1890. No. 45. Deutsche Mediz.-Ztg. 1892. No. 20.) Kn 
ISjähriger Knabe hatte seit seinem G.Lebensjahre eine anfangs haselnufsgrofse Geschwulst 
an der Beugeseite des linken Vorderarmes, entsprechend dem Handgelenk. Dieadbe 
wuchs, besonders nach einem leichten Trauma, bis zu KindskopfgrÖfse. In jüngster 
Zeit epileptische Krampfanfälle, die er selbst als von der Geschwulst ausgehend be- 
zeichnete. Exstirpation des tiefgehenden Lipoms. Heilung und Fortbleiben der epi- 
leptischen Insulte. Jessner-Königsberg i. iV. 

m 

Kleinzelliges Sarkom am rechten Vorderarm, von L^oy Debvillb nni 
GuERMONPREz. (Joumal des sciences mid. de LiUe 1890. No. 4. Deutsche Mediz,-Ztg. 189(K 
No. 20.) Aus einem naevus pigmentosus entwickelte sich bei einer 33 Jahre alten Dame am 
rechten Vorderarm ein kleinzelliges Hautsarkom mit grofser Schnelligkeit. Trott 
Operation Recidiv und Generalisation. Tod. Jessner-Königsberg i. JV. 

Ein enormes Fibromyom des Labiom majus, von KindskopfgrÖfse, das bis zum 
unteren Drittel des Unterschenkels herabhing, entfernte Dr. Polaillon mit Erfolg. Bb 
Fortsatz ging von dem Tumor in den Leistenkanal, weshalb eine Eröffnung der Peri- 
tonealhöhle nötig wurde. (JJ Union med. 1891. No. 124. Deutsche Mediz.-Ztg. 19S/i 
No, 20.) J essner 'Königd>erg i. Pr. 

Bin FaU Ton Caroinomatosis entis multiplex aus der Klinik des ProfesM»» 
Kaposi. {Wien.jMd.Bl 1891. No, 30. Deutsehe Meüß,- Ztg. 1892. JVb.20.) Die57 JaiM 
alte Patientin zeigt auf der Haut zahlreiche, über das Niveau erhabene, derbe, donhal' 
rote, mit schilfemder Epidermis bedeckte, schmerzlose Knoten, zum Teil iB 
Centrum zerfallend, zum Teil eiterig einschmelzend. Am Unterschenkel, Armen vmI 
Gesicht treten von einem roten Hof umgebene, bis bohnengrofse Pusteln ao^ ^ 
sich nach einiger S^eit in Knoten umwandeln. Die mikroskopische Untersuchong eisM^ 
Garcinom. — Die Knoten und Pusteln involvieren sich unter Hinterlassmig v«a 
Pigmentringen. Gebessert entlassen. Jessner-Königsberg i. Jhr, 



19T 

Über die Anwendnng des Methylvioletts zum Verband earcinomatöser 
mcerationen, von Dr. Zilgien. {Eev.med,derEsty 1891. No. 21. Deutsche Medü.'Ztg^ 
1892. No. 20.) Methylyiolett, 1 : 400, soll zu Umschlägen auf carcinomatöse Wanden 
gebraucht werden; die Lösung zersetzt sich leicht, muTs dabei in dunklen Flaschen 
gehalten und häufig erneuert werden. Flecke auf den Fingern des Arztes werden 
mit 25Vo Seifenspiritus entfernt. Die Umschläge wirken analgetisch und bessern die 
Beschaffenheit der Wunden. Jessner-Königsberg i. JV. 

Ein Fall von melanotiscliem Sarkom der Plica semilnnaris Oonjimcüvae,. 

TOD T. J. Meighan. {Glasgow Med. J. Oktob. 1892.) Der Tumor hatte bei dem 
60jährigen Manne bereits 3 — 4 Jahre bestanden, nachdem etwa 10 Jahre früher dunkle 
Stellen auf den Augenlidern bemerkt worden waren. Die Operation (Ablesung mittelst 
Schere, Naht) war völlig erfolgreich; das Hauptinteresse hierbei beruht auf dem Auf- 
treten eines pigmentierten Tumors an einer Stelle, wo normalerweise kein Pigment 
Torhanden ist. Philippi-Niehoitn. 

Fall von Melanosarkom des Augenlides, von Dr. Helfaeich. {Sitzung der 
physikaLmed. Gesellschaft zu TFiir^i4r^l891. No. 7). Eine Patientin im 23. Lebensjahre 
wurde wegen Sarkomdegeneration eines angeborenen Naevus pigmentosus an den 
linken Augenlidern mit dunklerer linksseitiger Iris und Ptosis von 13 Jahren mit 
Aafpflanzung gestielter Lappen operiert. Sie ist jetzt noch gesund. 

Jessner-Königsberg i. Pr, 

Über Sarkome der Augenlider, von Joseph Flack. (Inaugural-Dissertation» 
Königsberg i. Pr. 1892). Während das Auge und seine Umgebung eine Prädilections- 
stelle fär Sarkome sind, finden sich in der Litteratur nur 24 Fälle, in denen das 
Augenlid Sitz des primären Sarkomes war. Verfasser giebt die 24 Fälle wieder und 
fSgt einen neuen, in der Königsberger Augenklinik beobachteten, tödlich endenden 
ao. — Besonders disponiert ist das Kindesalter (Vs der Fälle), demnächst das höhere 
HAnnesalter; das obere Lid ist häufiger betroffen, als das untere. Ein Trauma wird 
oft als Ursache berichtet; ob es direkt die Geschwulst hervorruft oder nur be- 
günstigend wirkt, ist schwer zu entscheiden. Der Ausgangspunkt ist meistens die 
Übergangsfalte und die Conjunctiva tarsi; die Haut des Lides fast nur sekundär er- 
griffen. Die Sarkome bestehen meist aus Rund- oder Spindelzellen, oder aus beiden 
gemischt; zweimal waren es Cylindrome; dreimal Myxosarkome, einmal Gystosarkome ; 
sechs waren melanotische Sarkome. Letztere sind insofern also der primäre Sitz dieser 
Sark(mie; die Conjunctiva ist frei von Pigment, während die Lidhaut, wie gesagt, nur 
sekundär ergriffen wird. — Besonders an der Gonjunctiva sind die Sarkome anfangs 
baofig gestielt. Das Wachstum ist ein relativ schnelles, besonders wenn sie erst eine 
gewisse Gröüse erreicht haben ; der Allgemeinzustand bleibt dabei gut« Schmerzen 
fehlen. Die Prognose ist sehr dubiös; Recidive sind aufserordentlich häufig. 

Jessner-Königsberg t. Pr. 

Die parasitäre Theorie des Oarcinoms von Prof. Th. Bbowicz. (IV. Ver- 
sammlung polnischer Chirurgen in Krakau, Juli 1892. Ärztl Central Anzeiger. Wien 
18d2. No. 29). Nachdem der Vortragende die Arbeiten über den parasitären Ursprung 
der Carcinome einer Kritik unterzogen, giebt er die Resultate seiner eigenen gründ- 
lichen Untersuchungen. Vor allem fand er die sogenannten Plasmodien nicht in 
jedem Falle, und, wo sie vorhanden waren, waren sie an Zahl und Form sehr ver- 
Bchieden. In den jüngsten Zellen des Carcinoms, wie in den minimalen Metastasen 
fehlten die Gebilde. Weder in Bezug auf ihren Bau, noch in Bezug auf ihr Ver- 
lisUen bei der Färbung zeigten sie irgend welchen bestimmten Typus. 

Bei zahlreiehen anderen pathologischen Vorgängen konnte Verfasser ähnliche 



198 

Formationen feststellen, so bei Rhinosklerom, tuberkulösen Lymphdrüsen, Sarkomen, 
er kommt daher zu dem Schlüsse, dafs die als Protozoen betrachteten und be- 
schriebenen Gebilde nur Degenerationsprodukte der Epithelkeme und der in Zellen 
eingeschlossenen Leukocyten sind. Auch das ganze übrige Verhalten der Carcinome 
spricht gegen die parasitäre Entstehung desselben. — Es ist diese Arbeit als Warnung 
gegen die auf Grund einiger mikroskopischer Präparate gezogenen voreiligen Schlüsse 
sehr willkommen zu heifsen. Jessner-Königsherg t. Pr» 

Zur Kasuistik der Haemangiome von Dr. C. Krexk. {Prag. med. Woch, 1891. 
12. Deutsche Medizin.- Zeit 1892. No. 20). Von 63 behandelten Fällen starb nur einer, 
ein zwei Tage alter, mit Injektion von Liquor ferri sesquichlorati behandelt Die 
Exstirpation mit dem Messer war am praktischsten und gab kosmetisch die besten 
Resultate; nur in zwei Fällen, bei Tumoren in der Parotisgegend, folgte eine dauernde 
Facialisparalyse. Nachbehandlung mit Jodoform und essigsaurer Thonerde. 

Jessner-Königsberg i. Pr, 

Protozoa und Oarcinom, von S. Delepive. (Brit med. Joum, 24. Sept. 1892} 
Verfasser wendet sich gegen die von Buffer und Südakewitsch vertretene Ansicht 
von der Einwirkung von Parasiten bei der Entwicklung von Oarcinom. Er hat ein- 
gehende Untersuchungen der Psorospermose bei Kaninchen angestellt, und im Man 
1890 beschrieb er einen Fall von ausgesprochenem Leberkrebs bei einer 49jährigen 
Frau, bei dem er Parasiten entdeckt zu haben meinte. Später ist er zu der Über- 
zeugung gelangt, dafs er sich damals geirrt habe, und er ist der Ansicht, daüs die 
von R. und S. beschriebenen Gebilde, welche mit den von ihm selber beobachteten 
die gröfste Ähnlichkeit darbieten, nicht endgültig als Parasiten nachgewiesen worden sind. 

Philippi' Nieheim. 

Gestieltes Lipom am OeaäTs, von .1. Keboul. (Joum. d. mal. cut et syjih, 
1892. S. 455.) Das operierte Lipom, das R. im ärztlichen Verein zu Marseille vorstellte, 
stammte von einer 30jährigen Frau. Es hatte vor 10 Jahren zu wachsen angefangen, 
und zwar auf einem Naevus congenitalis. Zur Zeit der Operation war es faustgrofs. 
gelappt und befestigte sich mit langem Stiel auf der linken Hinterbacke, dicht neben 
der Rima ani. Es war nur lästig, machte aber keine Schmerzen. Bemerkensvert 
ist, dafs die Frau auch noch andere Naevi hatte, dais auch ihre Mutter damit be- 
haftet war, während der Vater kleine Talgcysten aufwies. — In der hieran sieb 
knüpfenden Besprechung bemerkt Perrin, dafs die gestielten Fettgeschwüllste immer 
aus angeborenen Tumoren hervorgeben, dafs ihre Träger immer noch andere 
Muttermale und Angiome aufweisen, und dafs namentlich die asiatische Rasse damit 
behaftet ist. Zuweilen erreichen die Lipome ein beträchtliches Gewicht (bis zu 12 kg). 
In einem von ihm beobachteten Fall hatte das betreffende Individuum 250 kleine 
Fettgeschwülste am Körper; Taylor berichtet über einen Fall, wo 4500 Lipome 
bestanden. £oy-Trissier hat namentlich bei Juden sehr viele Naevi beobachtet. 

Türl^^etm-Hamburg. 

Beitrag zur Statistik der Geschwülste, von Otto Rapok. (Deutsche Zeitsckr. 
f. Chemie. 30. 6. Deutscfie Med.-Ztg. 1892. No. 20.) Die Durchsicht des Materials der 
Straf sburger chirurgischen Klinik ergiebt, dafs ein Drittel aller Geschwülste sich 
aus Warzen entwickeln; von diesen verdankt der vierte Teil der Fälle Traumen 
ihren Ursprung. Am zahlreichsten sind Carcinome, dann Sarkome, dann kommen 
die anderen Geschwülste. Jessner-Königsberg i. iV. 

Über Sarkom mit sogenanntem chronischen Bttckfallfieber, von C. Pveirr 
( Virch. Arch. 126. 2. Deutsche Med.-Ztg. 1892. No. 20.) Den bekannten FaJlen von 
mit Fieber einhergehenden Sarkomen fügt Verfasser einen neuen zu, ein Sarooms 



199 

fiuoceHalare der Leber. Er sieht die Sarcomatosis an als Infektionskrankheit, die 
wahrscheinlich durch Protozoen bedingt ist. Als solche sind vielleicht kleine Plätteben 
«ufzafassen, die sich im Protoplasma fanden und sich intensiver als das übrige Plasma 
firbten. Jesjmer- Königsberg i, Pr. 

ÜberLipome, von Dr. Bland SuTTON. (Brit.med.Joum. No.l529. Deutsche Med.-Ztg , 
1892. No. 20.) Von den nach ihrem Sitz unterschiedenen sieben Arten von Lipomen 
(subkutane, snbserose, subsynoviale, submuköse, intermuskuläre, intramuskuläre, 
periostale) sitzen die subkutanen meist am Körperstamme und den oberen Extremi- 
täten. Man kann hier wieder trennen: sessile, gestielte und diffuse Lipome. Die 
ersteren findet man sowohl vereinzelt wie in grofser Anzahl, die gestielten sitzen 
meistens am Schenkel, die diffusen am Hals und am Ligamentum nuchae, und zwar 
lymmetrisch zur Mittellinie. Jessner-Königsherg i. Pr. 

Ein Fall yon Weichteil - Sarkom der oberen Extremität, von A. Jäckh. 
(Inaag.-Dissert. Freiburg 1892.) Die Dissertation bringt einen Beitrag zur Kasuistik 
der Weichteilsarkome und ist bemerkenswert wegen des ungewöhnlich langsamen 
Verlaufes. Es handelt sich um ein wahrscheinlich von der Haut des Vorderarms aus- 
gehendes Sarkom (der Fall kam erst später zur Beobachtung), das zunächst operativ 
entfernt wurde, um dann nach vier Jahren zu recidivieren. Fünf Jahre später war 
&st der ganze Vorderarm von der geschwnrig zerfallenen Neubildung ergriffen, die 
dem äulseren Aussehen nach weniger den Eindruck eines zerfallenden Tumors, als 
Tielmehr eines tuberkulösen Qeschwürs machte. Mikroskopisch erwies sie sich als 
grolszelliges Rundzellensarkom. Der Fall endete letal. Therapeutisch ist bemerkens- 
wert, dafs auch ein relativ gutartiger Verlauf an der schlieüslichen Malignität der 
Sarkome nichts zu ändern vermag, und man daher lieber frühzeitig radikal (möglichst 
hohe Absetzung der betreffenden Extremität) operieren soll. F, Hahn-Bremen. 

Zur Lehre von der Ätiologie der Leukämie, von A. Pawlowsky. (Deutsch, 
med. Wochenschr, 1892. No. 28.) Verfasser hat sowohl aus dem Blut als auch von ver- 
ichiedenen Organen, namentlich der Leber, leukämische Bacillen gewonnen und ge- 
lachtet. Er ist der Ansicht, dafs dieselben in ätiologischer Beziehung zu der Krank- 
heit stehen. Sie sind durch Einlegen in wässerige Methylenblaulösung während 
24—48 Stunden, Auswaschen in Wasser, Trocknen, Einlegen in Xylol und Kanada- 
balsam kenntlich zu machen. In Fleischbouillon mit Blutserum gelang es, Kulturen 
IQ suchten. Die Bacillen sind bedeutend kleiner, als diejenigen des Abdominaltyphus, 
haben abgerundete Ecken und enthalten in ihrer Mitte meist eine oder zwei hell- 
glünzende, sehr deutliche Sporen. Impfungen auf Kaninchen bewirkten keine weiteren 
Symptome, trotzdem die Bacillen vier Wochen im Blute derselben weiterlebten. 

Philippi- Nieheim. 

Regressive Emähnmgsstörungen. 

Zar Therapie des Haarausfalls, von H. Paschkis. {CentraJbl. f, d. ges, Therapie. 
1892. 6. Deutsche Medizinal' Ztg. 1892. No. 70.) P. unterscheidet Haarausfall durch 
Hypersekretion der Kopfhaut, Seborrhoe, und durch mangelnde Sekretion, Pityriasis. 
Im ersten Fall sind die Haare fett, glänzend, anscheinend dick ; hier sind am Platze : 
alkalische Seifen, Kaliseifengeist oder medizinische Seifen in Wasser gelöst und mit 
Soda oder Pottasche gemischt (40,0—50,0 Seife, 10,0 Soda, V« Liter Wasser); je nach 
der Empfindlichkeit der Haut mehr oder weniger intensive Anwendung. Alkohol 
löst das Fett, macht die Haut spröde. Alkohol mit Steinkohlen teerbenzin (&0 : 100 
Alkohol), 1— 3®/o Naphtolspiritus, Besorcinapiritus (Resorcin 5,0, Spiritus vin. 150,0, 



200 

Oleum Ricini 2,0); Naphtolseife, besonders Ichthyolseife und Ichthyolsalbe (10 — 20:80) 
sind zu empfehlen. — Verdünnte Mineralsänren, mit Schwämmchen eingerieben, 
können auch benutzt werden. — Nach dieser Vorbehandlung anhaltender Oebrauch 
leicht entfettender Mittel (Alkohol), von Zeit zu Zeit wieder Seifen und Alkalien; 
Tannin und Chinin, als alkoholische Tinktur oder als Pomade (Chinin, snlfor. 1,0, 
Spiritus vin. Gall. 60,0, Aqua Coloniensis 30,0 oder Tannin 1,0—5,0, Alkohol 0,5, 
Oleum amygdal. 40,0); Balsame in konzentrierter alkoholischer Lösung. MonateLug 
mufs die Behandlung fortgesetzt werden. 

Bei Haarausfall aus andern Gründen ist die Prognose schlechter. Die Haut iit 
trocken, dünn, schlaff, mit abgeschilfertem Epithel bedeckt. Besserung der Ernährung 
ist notwendig. Keine Seifen Waschungen, sondern Öle und Pomaden mit tonisierendea 
Mitteln (Chinin, Tannin, Balsam), Tinct. Cantharidarum (2,0—3,0 : 50,0) Oleum Sabinae 
(10— 15 Tropfen : 50,0 Alkohol) Tinct. Capsici etc. Die Mittel müssen fest eingerieben 
werden. Zwischenein stets Fetteinreibungen. — Bei bestehender Hyperidroms der 
Kopfhaut Faradisation mit der Massierrolle oder mit der elektrischen Hand. 

Die prämature, oft erbliche Alopecie giebt auch eine schlechte Prognose. 

Jessner- Königsberg i. P. 

Das Achorion Schönleinii ; morphologische, biologische und klinische Unter 
suchungen von A. Mariakelli (Pisa 1892. P. Salvioni). — Wieder liegt uns eine ans* 
führliche Arbeit über Favus vor, welche fast gleichzeitig mit derjenigen von Mibelu 
über denselben Gegenstand zur Publikation gelangte. Verfasser kommt darin im 
wesentlichen zu den gleichen Resultaten wie Mibellt; auch er fand bei seinen 
Kulturversuchen immer einen und denselben Pilz als Träger der favösen Erkrankung. 
Als vorteilhaftestes Nährsubstrat erwies sich ihm das GlycerinAgar (6% GHyceriB) 
mit ausgesprochener Alkalisierung. Temperaturoptimum 35*. Während Luftzutritt da» 
Wachstum befordert, übt andererseits das Licht keinen EinfluTs auf dasselbe toa 
Auch gelang es ihm vorzüglich durch Überimpfung aus den Kulturen auf Mensch 
oder Tier (Kaninchen) typischen Favus zu erzeugen. 

In therapeutischer Beziehung steht das Epilieren obenan. Von den zahlreichen 
zur Anwendung gelangten Behandlungsmethoden (worunter das Pyrogallol, Chrysarobio^ 
elektrische Diaphorese etc. etc.) hat sich keine als spezifisch oder in hervorragender 
Weise bewährt. C, Müller-Freiburg (Schweiz). 

Über die Vitiligo, von Dr. Georges Thibierge. (La semaine m^oal«! 
28. Dezember 1891. Deutsche Med^-Ztg, 1892. No. 70.) Die Vitüigo stellt wenijr 
pigmentierte, von abnorm stark pigmentierter Haut umgebene Hautstellen dar; an 
behaarten Stelleu sind auch die Haare pigmentarm und fallen zuweilen aus. Pridir 
lektionssteilen sind Handrücken, Hals und die angrenzenden Wangenteile. Am deot* 
liebsten ist die AfiTektion ausgebildet an den Genitalien. Funktionelle Störungen 
fehlen bis auf eine zuweilen vorkommende Herabsetzung der Sensibilität. 

Die Vitiligo ist eine nervöse Störung; besonders häufig kommt sie bei Syringo- 
myelie und im präataktischen Stadium der Tabes vor. Bei Leukodermie fehlt die 
Überpigmentation der Umgebnug, bei Lepra sind die pigmentarmen Flecke nicht schuf 
begrenzt, beim Morbus Addisonii sind neben anderen Allgemeinersoheinungen die 
Schleimhäute beteiligt. Bei Pigmentsyphilis sind die hellen Stellen normal pig* 
mentiert, die dunkeln sind die kranken. Zur örtlichen Therapie ist Cantharidentinktor 
oder Essigsäure (1—2:50) zu empfehlen; aufserdem Allgemeinbehandlung. 

Jessner-Königsberg u Pr. 

Zur pathologlsclieii Anatomie des Skleroderma, von Albebt Horri. 
(Manch, med. Wochenschr, 1892. No. 35.) Bei einem 34 Jahre alten Mann ent- 
wickelte sich im Laufe weniger Wochen eine wurstartige, harte Anschwellong äer 



201 

Haat längs der Vena saphena neben dem Kniegelenk, die als Skleroderma aufgefafst 
tiod excidiert wurde. Die pathologisch-anatomische Untersuchung ergab folgendes : 
Epidermis von normaler Dicke, Stratum comeum tritt an Volumen hinter dem Strat. 
Halpighii zurück, Papillen, Haare, Drfisen normal. Die bindegewebigen Wandungen 
der Drüsen und die Scheiden der subpapillären Gefäfse kleinzellig infiltriert. Das 
Bindegewebe des Corium und die elastischen Fasern zeigen nichts abnormes. Sehr 
Terindert sind die Arterien: In der Adventitia eine meist umschriebene Zellwuche- 
mog, welche die Bindegewebsbündel auseinanderdrängt, Media und Intima sind diffus 
verindert Die einzelnen Lagen der Media durch zellige Infiltration und neugebildete 
BindegewebBzellen auseinander gedrängt, die Membrana elastica interna fehlt vollständig. 
Die Intima durch nengebildetes faseriges Bindegewebe, das durch Zellen durchsetzt 
iti, verdickt; das Lumen ist dadurch bedeutend verengt, fast ganz obturiert. Im sub- 
kotanen Fettgewebe stellenweise ganz dichte zellige Infiltrationen, die sich zwischen 
die Fetttraubchen hineinschieben; stellenweise Spuren von Blutextravasaten. Nerven 
vormaL Keine Mikroorganismen. 

Der Befund gipfelt also in der Erkrankung der Hautarterien und deckt sich 
vollkommen mit den DiKKLERschen Ergebnissen. Jesmer- Königsberg »'. iV. 



praktisclie Beobachinngen ttber die Behandlung der ünter- 
tchenkelgeschwlire, von J. W. Fnrzi. (The Lancet, 11. Juni 1892. Deutsche Med.- 
2tg. 1892. No. 70.) Ausgehend von der heilenden Wirkung des Erysipels auf alte 
Unterschenkelgeschwüre hat Verfasser durch Erregung künstlicher Entzündung 
«chnelle Heilungen erzielt. Im weiteren giebt F. eine Einteilung der bisher üblichen 
Kttel, die jeglichen Interesses entbehrt. Jessner- Königsberg i. Pr. 

Zar Behandlung der Untenchenkelgeschwttre, von S. Jesskkr. (Uterap 
Monatsh. 1892 No. 10.) Verfasser empfiehlt aufs dringendste die von Unna für die Be- 
handlung der Stauungsdermatosen empfohlene Methode und wendet dann für das 
Geschwür selbst entweder Jodoform oder Kreolin oder Borwasser an. Ist das Geschwür 
vertieft, die Granulationsbildung schwach, dann streut er eine Spur Jodoform auf, 
legt direkt auf das Geschwür ein der Gröfse desselben entsprechendes Stück Pro- 
tektivsilk auf und daneben einen Bausch Verbandwatte oder Gaze. Sind nekrotische 
Oewebamassen vorhanden, dann deckt er das Ghinze noch mit Guttaperchapapier; in 
gieichmäÜBiger, feuchter Wärme stofsen sie sich schneller ab. Haben die Granula- 
tionen das Niveau der Haut erreicht oder sogar dieselbe überwuchert, dann legt er 
taf das gesäuberte Geschwür nur ein mit Bor- oder Ereolinwasser angefeuchtetes 
Stack Protektiv und darüber den Bausch Watte oder Gaze; Jodoform ist in letzteren 
Fallen stets kontraindiziert. Bei starker Sekretion kann auch Wismut oder Dermatol 
angewandt werden. Einen grofsen Wert legt Verfasser auf das direkte Bedecken des 
Geschwüres mit Protektivsilk in allen Fällen. Gegen die Ekzeme in der Umgebung 
der Geschwüre genügt schon der Zinkleim, doch kann man bei starkem Nässen die 
LissARsche Salicylpaste anwenden. Sind die Geschwüre geheilt, so mufs man, um 
Beddive zu verhüten, das Bein noch 1 Jahr lang einleimen und mit einer einköpfigen 
Guebinde einwickeln; dieser Verband braucht nur alle 14 Tage erneuert zu werden. 
Spater kann das Einleimen auch weggelassen werden, und man braucht nur eine 
Trikotschlauchbinde umzulegen. L. Hoffmann- Berlin. 

Zur Behandlung der FnfsgeBchwttre mittelst Unnas Zinkleim -Organtin- 
▼erbänden, von Oscar Rorkisch. {Wien. med. Presse, 1891. No. 45.) Die UKNAsche 
Methode hat auch dem Verfasser gute Resultate gegeben. Er übt sie folgendermafsen: 
Jodoform aufstreuen, Jodoformgaze nur auf das Geschwür auflegen. Einleimen des 
Beins und Einwickeln mit doppelköpfiger Organt in binde. — Akute Lymphangitis und 



2^02 

Phlebitis, sowie Sitz des Geschwürs in der Sprunggelenkgegend sind Kontra- 
indikationen. (Letzteres kann ich nicht zugeben; leimt man nur den ganzen Fuis 
samt der Ferse ein, so erhält man auch bei tiefsitzendem Geschwüre gute Resultate.) 

Jessner-Königsberg t. iV. 

Zur Natur und Behandlung der Tinea decalvans, von Dr. iLLurowoimL 
{Bnt. med. Journ. 22. Aug 1891. Deutsche Med.- Ztg. 1892. No. 70.) Die Tinea decalTuu 
beruht auf einem winzigen Fungus, dem „Microsporon Audouini". Die Sporen habea 
eine Länge von V&ooo — Vs^oo Zoll; die Fäden sind gering und ohne Kömchen. Zur 
Behandlung wird Karbolsäure, 4 : 60,0, tüchtig eingerieben ; danach Bepinseln mit 
Kantharidinessig und, wenn dieser nicht reizt, zweimal wöchentlich Jodtinktur. Ksdi 
Abheilung jeden Morgen Kreosotsalbe. Innerlich: verdünnte Salpetersäure, Leberthrsn; 
Strychnin oder Syrupus ferri phosphorici. Jessner-Königsherg i, Pr, 

Behandlung der Pelade (iUopecia areata) mit Jodkollodium, von R Tisox. 
(Jaum. de med. 1892. No. 17. Deutsche Med.-Ztg. 1892. No. 71.) Die Haare möglicbt 
kurz scheiden (nicht rasieren), dann Einreiben mit van SwiETSNscher Flüssigkeit und 
Applikation einer starken Schicht Jodkollodium, 1 : 30, etwas über die Grenzen der 
Plaques hinaus. Nach ca. 8 Tagen löst sich das Häntchen, dann erneutes Einreiben 
von VAN SwiETENscher Flüssigkeit, bis alle Kollodiumreste entfernt sind, und wieder 
Bepinseln mit Jodkollodium. Nach der dritten Applikation sprielsen die feinen 
Haare hervor. Jodtinktur leistet nicht dasselbe. Jessner-Königsberg i. Pr. 

Ein Fall von ganz ezcessiver Entwickelung der Hautvenen der untem 
Extremitäten und des Baucheg beobachtet von L. Derville. (Journ. des sdam 
mediccUe de Lille. 23. September. 1891.) Bei einem 30 Jahre alten Manne fanden sich 
riesige Varicen am Bauche, im ScARPASchen Dreieck, den Unterschenkeln; alle Venen 
waren erweitert, besonders auf der linken Bauchseite. Die Erweiterungen haben 
schon bei der Geburt im Anfangsstadium bestanden. Vergröfserung der Leber nnd 
Milz, Verdauungsstörungen lassen Verfasser die Veränderungen als Eollateralkreiskof 
bei aborm enger Vena portarum auffassen. Jessner-Königsberg i. Pr, 

Gruralvaricen. In Im Poltcliniquey No. 13, 1892, berichtet d*Hasnek8 über 
einen Patienten mit Varicen der unteren Extremitäten, welcher im Schenkelkanil 
eine nufsgrofse, langsam zunehmende, vollständig separierbare, weiche, unter dem 
Einflüsse der Bauchpresse stärker hervortretende Geschwulst zeigte. Die DiagnoM 
blieb unentschieden zwischen Hernia cruralis und Phlebektassie; erst bei der Operatios 
klärte sich die Situation in letzterem Sinne auf. C. Müüer-Freiburg (Schweiz), 

Behandlung von Myxödem mit Schilddrüsenextrakt, von G. R Mumut. 
{BriU med. Journ, 27. Aug. 1892.) Bericht über vier Fälle, bei denen dieie 
Behandlungsweise durchweg bedeutende Besserung herbeiführte. Die Injektionen 
wurden meistens einmal die Woche in Dosen von 1 — 1^5 com in der Gegend zwischen 
den Schulterblättern verabreicht. Es empfiehlt sich, die Einspritzung sehr langsam 
vorzunehmen (etwa fünf Minuten Zeit zu nehmen) und bei drohenden ZwischenfaUen 
(Ohnmacht, Eongestionen etc.) sofort auszusetzen. Auch soll die injizierte Stelle 
nachher nicht gerieben oder massiert werden. Auffallig ist, dafs zwei von den 
Kranken nach ihrer Entlassung, als erheblich gebessert, einige Wochen später plotelicb 
an Herzschwäche zu Grunde gingen. 

A. T. Davies teilte im Anscblufs hieran (in der Sitzung der Jahres versamminng 
der British Medical Association) eine Beobachtung mit über zwei in gleicher Weise 
günstig beeinflufste Fälle von Myxödem. Phüippi-Nieheim, 



203 

Ein Fall von Myxödem nnd Melancliolla agitatoria, behandelt mittelBt 
Iigektionen yon Sdulddrttsensaft. Heilung. Von C. Shaw. (BriL med, Joum. 
27. Aog. 1892). Eine 33jährige verheiratete Frau, Matter von vier Kindern, hatte 
im zweiten Wochenbett Zeichen der Melancholie dargeboten, hatte sich dann wieder 
erholt, war aber vor jetzt vier Jahren (1888) wieder geistig gestört geworden und 
entwickelte deutliche Symptome von Myxödem. Nachdem sich verschiedene andere 
Bebandlungsversuche als erfolglos erwiesen hatten, wurde nunmehr, vier Jahre nach 
Beginn der myxödematösen Symptome, die Injektion von Schilddrösenextrakt von 
Schafen und Bindern angewandt. Nach etwa zwei Monaten war der Erfolg in Bezug 
aaf die körperliche sowohl als auch auf die geistige Störung ein so günstiger, dafs 
Patientin als geheilt die Anstalt verlassen konnte. 

In der Diskussion über diese Mitteilung (ibid.) berichtete M. Clabkb über zwei 
Müserfolge mit dieser Behandlungs weise. Man müsse die Kur schon möglichst bei 
Keginn des Leidens anfangen. 

W. B. Bansom hat die Methode bei Morbus Basedow, aber ohne allen Erfolg» 
versucht. 

Dr. Heark hat bei drei Patienten sehr erhebliche Besserung erzielt, doch traten 
gelegentlich auch höchst beängstigende Erscheinungen hervor. 

PhiUppi - Nteheim. 

Ober einen Fall von Myxödem, von A. Napieb. {Glasgow Med. Jaum, 
Sept 1892). Die 54jährige Patientin hat seit fünf Jahren eine zunehmende diffuse 
Schwellung beinahe des ganzen Körpers bemerkt ; gleichzeitig bestanden Schmerzen 
im Rücken und den Beinen, Kältegefühl, Verminderung der Denkfähigkeit, 
Mattigkeit etc. Bei der Aufnahme in der Klinik typisches Bild von Myxödem. Nach 
einer Reihe von Injektionen von Thyreoiddrüsenextrakt von Schafen war eine ganz 
eminente Besserung zu konstatieren. Einzelne Zwischenfälle (Fieber, Kopfweh, 
Abscefsbildung) blieben ohne wesentlichen Nachteil. Philippir Nieheim. 

Zwei Fälle von Myxödem, von H. C. GoRDunsR. {NewYork. Med. Joum. 
13. Aug. 1892.) Eingehende Schilderung der klinischen Verhältnisse und bei dem 
einen, an interkurrenter Pneumonie tödlich verlaufenen Falle auch des pathologisch- 
anatomischen Befundes. Aus letzterem ist erwähnenswest, dafs der rechte Lappen 
der Schilddrüse etwa bohnengrofs war, der linke kaum sich vom umgebenden Gewebe 
unterscheiden liefs ; mikroskopisch war ein vollständiges Fehlen des eigentlichen 
Drodengewebes zu konstatieren ; dasselbe war durch Bindegewebe nebst Blutextravasaten 
ersetzt. In der Haut waren eine kleinzellige Infiltration und Schwund der Sohweifs' 
drusen die wichtigsten Anomalien. Klinisch boten beide Fälle (1. Mann 42 Jahre 
alt, 2. Mädchen 22 Jahre) deutliche Symptome des Leidens dar. Alle therapeutischen 
Versache erwiesen sich als erfolglos. Fhilippi-Nieheim. 

Der EinfluTs des NeryensystemB bei gewissen Erkrankungen der Hauty 

von A. Kavogli. (^Med. News. 27. Aug. 1892.) Folgende drei Fälle werden als 
Beispiele von dem Zusammenhang zwischen Hauterkrankungen und Störungen des 
Nervensystems näher beschrieben: 1. Lioder.mia neuritica (Maculae atrophicae) 
bei einem 22jährigen Mädchen, das mit 4 Jahren Chorea minor, mit 12 auch 
epileptische Anfalle gehabt hatte und seitdem häufig an Kopfweh und Schwindel 
leidet. 2. Leukodermia bei einer 39jährigen Frau von zarter , anämischer 
Konstitution. Dieselbe war mehrmals wegen Melancholie in ärztlicher Behandlung 
gewesen und leidet jetzt noch häufig an hysterischen Insulten, während derer die 
leukodermi sehen Flecke hervortreten. Der dritte Fall, Sklerodermie, betraf ein 



204 

8j ähriges Mädchen, das seit vier Jahren nervös aufgeregt gewesen war und viel u 
Neuralgien und heftigem Jucken der Arme und Beine gelitten hatte. 

Philippi-Nieheim, 

Gegen Hämorrhoiden empfiehlt Thomas tägliche Darmeingiefsungen von lo 
vielem, anfangs lauwarmem, später kaltem Wasser, als der Betreffende 4 — ^5 Hinatoi 
zurückhalten kann. Wenig Fleischkost, mehr Yegetabilien, nach dem Frohitöek 
Äpfel und Birnen etc. Dadurch will Verfasser dauernde Heilungen erzielt haben. 

(^The Lancet Deutsche Med.-Ztg, 1892. No. 19.) Jessner-Königsberg i Fr. 

Zur Prophylaxe und Therapie der Hämorrhoiden, von A. Kühnub. (Der 
<i/rzth Praktiker. 1892. 29.) Jede Stockung in der Pfortader kann zur Bildung voi 
Hämorrhoiden führen. Üppige Lebensweise, übermäfsige Wirkung der Bauchprene, 
sitzende Lebensweise, zugige Aborte (?) sind als direkte Ursachen zu beschuldigCB. 
Starke Körperbewegungen, wie Bergsteigen, Eeiten, Gymnastik und Sorge fSr regel- 
mäfsige Leibesöffnung bilden die Prophylaxe und Therapie. Neues enthält der 
Artikel nicht. Jessner-Königsberg t. Fr. 



Pathologie und Therapie des Urogenitalapparates. 

Verschiedene Nebenerscheinnngen bei Prostataerkranknng, von LouHsin. 
{Ännales de la PoUcUnique de Bordeaux. No. 10. 1892.) Als solche stellten sich ein bei 
«inem 20 jährigen Patienten (Alkoholiker), welcher wegen plötzlich eingetretener Urin- 
retention (infolge von Prostatakongestion) katheterisiert worden war: Prostatitis and 
Periprostatitis, Deferentitis, Funiculitis phlegmonosa und Epididymitis, Defakationi- 
Beschwerden, Proctitis; alles verbunden mit den heftigsten, nach Perineum, Abdomen 
und unteren Extremitäten ausstrahlenden Schmerzen und Eräfteverfall. Offenbar wir 
durch den Katheter eine Schleimhautverletzung der Prostatagegend entstanden, welche 
unter dem Einflüsse einer gleichzeitig bestehenden Gonorrhoe den genannten Sfcnr 
ptomenkomplex hervorgerufen hatte. C. Müller-Freibttrg (Schweu). 

In den Annales de la PoUcUnique de Bordeaux (No. 10. 1892) berichtet Dehüc4 
über 3 Fälle von Heilnng nervöser Störungen durch Oircumcision bei Kinden 
mit kongenitaler Phimosis. Diese Störungen bestanden in Muskelschwäche der 
Extremitäten, motorischer Inkoordination, Strabismus, Konvulsionen, geistiger Schwache 

C. MüUer- Freiburg {Schweiz). 

Lo UMBAU empfiehlt aufs wärmste die ürethrotomia interna bei Harnröhrei- 
-striktur als' eine höchst einfache, ungefährliche und sichere Operation besouderB in 
•den Fällen, wo die langsame Dilatation nicht zum Ziele geführt. Sie wird nach der 
Methode Guyons ausgeführt nach vorhergegangener Desinfektion durch innerliche 
Darreichung von Salol während mehrerer Tage vor der Operation und Ausspölnsg 
des Hamkanals mit Argentum-nitricum-Lösung (27oo). Der nach der Operation ein- 
geführte Dauerkatheter bleibt 48 Stunden liegen. {Annales de la PoUcUnique de Bor- 
deaux. No. 10. 1892.) C. MüllerFreiburg {Schweü). 

Ober den EinfluTs einiger edler Metalle auf die Nierensekretion, von 

€oHNSTEiN. (Archiv f. experim. Pathol. u. Pharmakol. Bd. XXX. 1892. Heft 1 und 2.) 
Verfasser stellte Versuche mit Quecksilber, Silber und Platin Verbindungen an minn- 
liehen Kaninchen an. Er wählte Verbindungen, die Eiweifs nicht fallen und injizierte 
•dieselben subkutan oder intravenös. Natriumplatinchlorid erzeugte in kleinen Oabsn 
7 mg pro Kilo Kaninchen) eine mäfsige Steigerung der Diurese; doch ist der Harn 
meist eiweifshaltig. 



205 

Silber (Chlonüber in Natrium sabsulforosiim gelöat) giebt ebenfiftlls eine mafsige 
Steigenmg, 7 — 12mg pro Kilo; grölaere Doien leisten nicbt mehr und rufen EiweiDa 
kenror. 

QaeckgUber (Kalomel in Natrium Bubaulforoeum) ruft eine ziemlich grofse und 
rtflche Steigerung hervor und schädigt die Nieren weniger als die vorigen. Bei 
groiaeren Doeen stirbt das Tier, es treten heftige Durchfalle ein. 

Verfasser hat also naohgeiviesen, daüt Kalomel (ebenso wie Pt und Ag) auch 
beim gesunden Organismus die Diurese steigert. 

^oraÜBiening der Tiere verhindert diese Steigerung, somit ist es wahrscheinlich 
«Dd Knnslattfveränderang, deren Eintritt die Chloralisierung vorbeugt, welche die 
IHuese hervorruft. Coffein erzeugte auch hier reichliche Diurese. 

Bus Verfuser die Nerven einer Niere durch, so trat die Steigerung ebenfalls 
sieht ein. % 

Den Blutdruck fand Verfasser bei geringen Mengen obiger Metalle leicht erhöht, 
doch hJUt er diese Steigerung, zumal sie nicht lange anhält, nicht für die Umache 
der ?enaehrte& Hamsekretion. 

Ebensowenig nimmt er eine direkte Epithelreisnng in den Nieren als Veran- 
lanang an, sonst dürfte die Steigerung nach Chloralisierung oder Durehreiisung des 
Nerren nicht ausbleiben; anders verhält es sich mit der Anurie bei chronischer oder 
ttirkerer Vergiftung, denn hier fand sich stets bei histologischer Untersuchung 
typische Metallnephritis. F. Hahn-Bremen, 

Weitere Mitleüiingem fiWr dM Aräo - teeoharimeter , von J. Sohütz. 
{üsneA. flaetf. Wockmachr, 1892. No. 35.) Ver&sser hat weitere Versuche mit dem 
froher von ihm angegebenen Instrumente sur quantitativen Zuckerbestimmung 
gemacht, die eon recht günstiges Resultat ergeben haben. Er vergröÜMrte die 
Flaiche (solche von 300 com Inhalt waren noch gut verwendbar, ohne unförmlich zu 
Min) Dnd konnte so Vi» V* Zucker deutlich ablesen, halbe Zehntel schätzen. Femer 
konnte bei (^eaem grolsen Aräo-Saccharimeter noch für eine 0,2Voige Zuckerlösung, 
wenn sie bei genügender Wärme vergährt wurde, ein deutlicher Skalenteil markiert 
werden. Eine 0,lVoige Lösung vergährt nicht mehr. Endlich können mit diesem 
Apparate kleinste Zuckermengen qualitativ auf das Unzweideutigste nachgewiesen 
werden. Die Hauptvorzüge des Instrumentes sind die bequeme Anwenduugsweise 
and ?or allem die Genauigkeit, die bei der früheren Anordnung der Oährungsprobe 
nie exakt ist, da Hefe an und für sich CO, entwickelt. F. Hahn-Bremen. 

Eine Haitrnadel in einer apJuinliclien Harnröhre, von Meltzer. (New York 
Med, Monatsschr, Bd. IV. 1892. No. 7.) Die Mutter des erwachsenen Menschen be- 
merkte Blutflecken in seiner Wäsche und Blut im Urin. Auf Befragen erklärte er, 
daüi beim Urinieren erst reines Blut, dann klarer Urin folge ; beim Betasten des 
Terlangerten Pnnis fühlte man eine Nadelspitze neben dem Frenulum und beim Heben 
des Penis das runde Ende an der unteren Seite der Urethra. Nun bekannte Patient, 
<lalt er sich selbst eine Haarnadel eingeführt habe. Verfasser extrahierte dieselbe 
durch Urethrotomia externa, indem er auf das runde Ende einschnitt 

Verfasser bemerkt, dais diese Lage der Haarnadel mit der Spitxe nach vorne 
typiich für diesen zu onanistischen Zwecken eingeführten Fremdkörper sei. Ist die 
^'adel durch das enge Orificium geglitten, so schnellen ihre Anne federnd auseinander 
vnd bohren sich in der Schleimhaut fest 

Ver&sser fand in der Litteratur bisher zwei einschlägige Fälle, die beide operativ 
K^ilt wurden. F. Hahn-Bremen. 

MraatHMft«. XVL 15 



206 

Nene Behelfe zur Diagnose und Therapie von ürethralerkrankungen, ?od 
Eduard Lang. (Wien. med. Wockenschr. 1892. Nr. 36.) L Beleuchtangstrichtar: 
Eine kleine Glühlampe ist an einem Trichter, der jedem Urethraltubus angefugt werden 
kann, so befestigt, dals das Licht mittelst eines Prismas in den Tubus geworfen wird. 
Leitungsschnüre und Unterbrechungsvorrichtung werden durch ein Armband am 
die linke Hand gelegt. Die Vorrichtung ist leicht und stört in keiner Weise die 
Beweglichkeit des Tubus. Zu beziehen durch W. Wolters, Wien I , Neuer Markt?. 

IL Tubuli elastici medicamentosi: Gewöhnliche Kautschuk-Draios vod 
ca. 4 mm Stärke werden mit einer Masse aus Gelatine, Glycerin und Wasser nbe^ 
zogen, der das betreffende Medikament zugesetzt ist. Diese Böhrchen werden jedes 
Tag oder seltener für 2 — 3 Minu|;en eingeführt. Nähere Mitteilungen sollen folgen. 

Jes^ner- Königsberg i. P. 

Zur Operation der Blasenscheidenfistela von der Blase aus, too 
F. Trendelbnbürq. {Deutsche med. Wockenschr. Nr. 23. AUg. med. Centraktg. 1892. 
Nr. 69.) Erster Fall: 35jährige n para mit hoher Blasenscheidenfistel. 10cm 
langer Querschnitt neben der Symphyse, quere Eröffnung der Blase, provisorischei An- 
nähen der Wundränder an die Haut. Umschneiden der Fistel und Vernähen mit in 
der Vagina geknoteten Seidenßiden und in der Blase geknoteten Eatgutfaden. Schld» 
der Blase durch LEMBBRTsche Naht nach Einlegen eines ^'fÖTmigen Drainrohn. 
Schlufs der Bauch wunde unter Drainage des prävesikalen Baumes durch eines 
Jodoformgazestreifen. 10 Tage später Entfernung des Drains; Entlassung als geheilt 
4 Wochen nach der Operation. Vs Jahr später Bauchhernie. 

Zweiter Fall: Um die Hernie zu vermeiden, keine Durchschneid ung derK 
recti, sondern Abmeifseln des oberen Bandes der Symphyse samt den inserierenden 
Sehnen. Der tiefe Sitz des Eröffnungsschnittes, eine komplizierende Scheidenurether^ 
fistei erschwerten die Operation sehr, so dafs dieselbe fünf volle Stunden dauerte. Der 
weitere Verlauf wurde durch eine Nekrose des abgemeifselten Knochenstückes Te^ 
zögert. Resultat gut. Jessner-Königsherg i. P. 

Über nicht tranmatische Perforation der Blase und ihre Folgesastlade- 
von R. Wagneb. (Archiv f. klin. Chirurg. 42. 2. Aüg. med. Centraktg. 1892. No, 69.) 
Die nicht traumatischen Perforationen der Blase können nach W. stattfinden tod 
innen durch Steine, Fremdkörper, Überfüllung oder durch primäre Erkrankungen der 
Blasen wand, Tumoren und Geschwüre, oder von aufsen durch Geschwulste in der 
Umgebung der BlasQ, Darmgeschwüre, tuberkulöse oder osteomyelitische Prozesse an 
den Beckenknochen, perforierende prävesikale und puerperale Abscesse. Verfasser 
teilt einen Fall mit von Perforation und Steinbildung im Anschlufs an Hüftgelenb- 
ankylose, bei dem allerdings der Zusammenhang dieser Leiden dem Referenten nidii 
klar erwiesen erscheint. — Aus der Litteratur hat Verfasser 16 Fälle von Perforation 
der Blasen wand infolge von Konkrementen gesammelt. Geschah diese nach der Peritoneal- 
höhle oder in das Cavum ischiorectale, so war der Tod die Begel, bei Ausbildung 
starker adhäsiver Entzündungen und Fistelbildung war die Prognose besser. — F5r 
den Zeitpunkt des Auftretens der Perforation ist vielleicht das Eintreten einer Häma- 
turie mafsgebend. Sectio alta stellt den besten therapeutischen Eingriff dar. — Falle 
von Spontanperforation von Konkrementen in den Darm, besonders nach voraoi- 
gegangener Sectio perinealis beobachtet, zählen auch in diese Rubrik. — 14 FUIe 
spontaner Blasenrupturen durch Überfüllung führt Verfasser an. — Von destruktiven 
Prozessen führt Sarkom sehr selten, Karzinom auch nicht oft zur Perforation; ebenso 
geben tuberkulöse und luetische Geschwüre selten Veranlassung dazu; von Interesse 
sind die Falle von runden Blasengeschwüren. — Relativ häufig ist die Perforation 
der Blase bei Operationen, so bei Hemiotomien durch Verletzung von Divertikeln 



207 

(2 Falle), Ovariotomien, Myomotomien. — Durch Überwanderung von Fremdkörpern 
ans dem Innern des Leibes (verschluckte Gegenstände, Entozoen etc.) ist Perforation 
der Blase beobachtet, so bei einem von Erakewbr mitgeteilten Fall: Überwanderung von 
Askariden, Steinbildung, ülzeration, Perforation, Bildung einer Vesiko-Intestinalfistel. 
— Von extraperitonealen Tumoren bewirken Gebärmutterkrebse, Ovarialcysten, 
exüvaterine Föta nach Bildung von Abszessen oft Perforationen ; den von Harri son 
Cri?ps zusammengestellten 63 Fällen fügt Verfasser noch 26 hinzu. 

Von durch Stich oder Hieb bewirkten abnormen Kommunikationen zwischen 
Darm und Blase werden 14 Fälle berichtet mit 4 Todesfällen. — Schliefslich erwähnt 
Verfasser die Verletzung der Blase durch Knochensplitter nach Knochenerkrankungen 
oder Traumen. Eine Zusammenstellung der Fälle von Darchbruch peri- oder parametri- 
tiscber Abscesse in die Blase bildet den S^hlufs der Arbeit, deren reicher Inhalt 
Mer nur angedeutet ist. Jessner- Königsberg i. P. 

Balanitis bei einem dreijährigen Kinde, von Martin Leite. (The Lancet. 
U.Mai. 1892. Allg,med, Centraletg. 1892. 69.) Verfasser berichtet über Balanitis bei 
einem 3jährigen Knaben mit schweren Folgezuständen; er nimmt eine Übertragung 
TOA einem Manne an, der häufig mit dem Kinde spielte und an einem durch chronische 
Cystitis bedingten Ausflufs (? d. Ref.) litt. Jessner-Königsherg i. Fr. 

Die Badikalbehandlung der Ürethral-Strikturen, von W. Bruce-Clarke. 
(The Lancet No. lU. of Vol. II. 1892. No. 3594. Ällg. med, Centrahtg. 1892. No. 69.) 
Verfasser tritt sehr für die grofse Bedeutung des Spasmus für die Entstehung der 
Striktaren ein, führt Fälle zur Beleuchtung an und empfiehlt, jeder Untersuchung auf 
Stiikturen ein Anästheticum vorauszuschicken. Ist der Fall frisch, dann ist Dilatation 
am Platze, besteht bereits Narbengewebe, dann leistet die Elektrolyse und die Urethro- 
tomia interna mit nachfolgender Dilatation gute Dienste, die lange fortgeführt werden 
mafs. Bei Unmöglichkeit, irgend ein Instrument durchzuführen, ist die Urethrotomia 
externa auszuführen. Jtsaner- Königsberg i. Fr, 

Die therapeutische Anwendung der Kawa-Eawa, von David Cerna. (Med. 
and swg, Beporter. 2. Mai 1891. BeuUche Med.-Ztg, 1892. No. 19.) Mit Kawa-Kawa 
wurden 4 Fälle von Gonorrhoe, 1 Cystitis, 1 Hydrops, 1 Nachtripper ge- 
liessert; 9 akute Cystitis, 2 chronische Cystitis, 6 Gonorrhoe, 1 Prostatorrhoe, 
4 Urinretention, 1 Nachtripper, 1 Urethritis mit Cystitis, 6 Inkontinenz, 1 Vaginitis 
geheilt. Es kommt der Kawa-Kawa also eine grofse Heilkraft zu. (Wenn diese eine 
weniger vielseitige wäre, würde die Skepsis vielleicht eine geringere sein. D. Beferent.) 

Jessner-Königsberg i. Fr. 

Gegen Incontinentia urinae empfiehlt William C. Krauss Extractum Ehois 
aromaticae, 5 — 20 Tropfen viermal täglich, gewöhnlich mit Glycerin. Wo Rücken- 
marksleiden bestehen, ist es nutzlos. 

{Bu,f(alo med. and Chirurg. Joum. Oktbr. 1891. Deutsche Med.-Ztg. 1892. No. 19.) 

Jessner- Königsberg i. Fr. 

Fall von BilharzioBiB, von Brault. (Lyon mid, 1891. No. 31. Deutsche 
Mtd.'Ztg. 1892. No. 91.) Bei einem Manne, der an Hämaturie etc. litt, entdeckte der 
Verfasser im Harn Eier und Embryonen von Bilharzia sanguinis. Patient hat längere 
Zeit in Süd-Tunis gelebt und giebt an, dafs dort viele Soldaten daran leiden. Das 
Vorkommen der Bilharzia war bisher nur von Aegypten, Ostafrika, Kap der guten 
Hoflfhnng, Madagaskar bekannt. Jessner- Königsberg i. Fr. 

EinVorBclilag zur Entfernung von Tumoren aus der männlichen Harnblase, 
▼on J. Link. (Wien. klin. Wochenschr. 1892. No. 27.) Nach dem Beispiel Kraskbs 

15* 



208 

und HocHEVBOOB bei der Entfernung von Mastdarm- und Uterastumoren hat Ver&ner 
an der Leiche verdacht, ob es nicht möglich sei, auf diesem Wege nach Sniferauag 
des Steifsbeins in die Blase zu gelangen. Die Operation ist ihm so leicht oad lo 
ausgiebig gelangen, dafs er die Methode, auch ohne sie am Lebenden geprüft m 
haben, warm empfiehlt. Phikppi'. 



Einige instni^mentelle VerbesserungeR auf dem Gebiete der Wftmkraiik- 
heiten, von B. Euttmer. Deutsch, med. Wochenschr. 1892. No. 41.) 1. Sonde-Niuios 
gradu6e. Um die Länge der Harnröhre und ihrer einzelnen Abschnitte bequem z& 
messen, hat K. einen N^LATON-l^atheter mit einer (fest haftenden) CentimetereinUflusg 
versehen lassen ; dieselbe beginnt genau am Auge des Katheters und läuft nach der 
Öffnung desselben zu, in die man zu iigizieren pflegt. Man mifst nun in folgender 
Weise : Nachdem man den Katheter in die Blase eingeführt hat, zieht man ihn langMun 
zurück, bis gerade noch der Harn herauströpfelt, und kann nun annehmen, daC» 
das Auge des Katheters sich am Orifidum intemnm urethrae,. d. h. am venkalea Ende 
der Urethra befinde. Durch Ablesen, wieviel Centimeter der Katheter in der Urethi» 
sich befinden, kann man die Länge der ganzen Urethra konstatieren. Bei Ein- 
spritzungen kann man dann die Länge der Pars prostatica, der Pars membranaeea vd 
der Pars anterior bestimmen. Die Bestimmung der Länge der Urethra hat nieht 
allein ein theoretisches, sondern auch ein praktisches Interesse, z. B. bei der Behsnd- 
lung der chronischen Gonorrhoe. Auch für die Wahl der Instrumente für vssikale 
Eingriffe (z. B. Lithotripsie, Cystoskopie) ist es zweckentsprechend, die Länge der 
Urethra möglichst genau zu kennen. 

2. Instillateur Guyon gradul. Auf den Instillatenr hat K., von derOÜTe 
des Instrumentes angefangen, Zahlen in Centimetem und halben Gentimetem anbringen 
lassen, um durch denselben genau im Bulbus resp. an den bezüglichen kranken Pir 
tien, die man festgestellt hat, das Medikament (Arg. nitr. Cupr. sulf.) zu deponieren 

3. Endlich hat er die bekannte, gegen sexuelle Neurasthenie, Sjiemuitorrhoe, 
Impotenz etc. oft so erfolgreich angewendete WiNTEBKiTzsche Metallsonde tu 
Gründen der lokalen Schonung in vulkanisiertem Kautschuk (gleich dem weichen 
Nelaton-Katheter) und in Gummi ausfuhren lalsen. Das Instrument aoll auch dem 
heifsen Wafser widerstehen. 

Alle drei Instrumente sind von Vergne (Paris) ausgeführt und auch bei Windler 
und LÖwy, Berlin (Dorotheenstr.) zu haben. X. Hoffmann-BerU», 



Berichtigung. 

In die Notiz über Dr. Unnas dermatologisohe Preisaufgabe für das Jahr 1893 
(s. S. 166 im letzten Heft) hat sich ein störender Druckfehler eingeschliohen. £■ 
mufs nicht heifsen Schwund und Degeneration etc., sondern: 
Schwund und Regeneration des elastischen Gewebes der Haut a(iter 
verschiedenen pathologischen Verhältnissen. 



ionatshefte f. prakf. Dermatologie. XVI. Band. Taf. 1. 






iT-.« 



Monatshefte f. prakt. Dermatologie. XVI. Band. 



Taf. II. 




'mm. 



Poitat0|eft( fnt 9takf#e Pertnatologit 



Band XVI. ^2l 5. 1. März 1893 



Die protozoenartigen Gebilde des Carcinome 
und der PAOETschen Krankheit. 

Von 

Ludwig Török, 

Budapest. 
(Mit Tafel III und IV.) 

In einem vor kurzem in diesen Blättern erschienenen Artikel^ habe 
ich folgendes über die protozoischen Carcinomparasiten der verschiedenen 
Autoren geäulsert: 

„Bedenken wir, dafs es bisher nicht gelungen ist, die fraglichen 
bcuilde zu isolieren und zu kultivieren, dals bei mehrfach versuchten 
Transplantationen von Krebsmaterial die weitere Entwickelung derselben 
ausblieb, dafs Lebenserscheinungen an ihnen noch nicht wahrgenommen 
wurden, mit Ausnahme derjenigen, bei welchen eine andere Deutung 
unabweisbar war (s. z. B. Karg), — bedenken wir also, dafs nichts anderes 
als die äufsere Ähnlichkeit gewisser Zelleinschlüsse mit einzelnen Ent- 
vickelungsformen der Protozoen die einzige Stütze der parasitären Auf- 
fassung ist, dann müssen wir immer strenger darauf dringen, dafs wir die 
uns bekannten Eigenschaften der Protozoen, sowohl was ihre Morphologie, 
als auch ihren Entwickelungsgang betrifft, auch hier ausnahmslos auffinden, 
dafs überdies in den uns vorgeführten Entwickelungsreihen kein einziges 
Stadium sich als gezwungen und in leichter Weise anders deutbar erweise, 
die Möglichkeit, dafs wir es mit andersartigen Zelleinschlüssen oder 
Degenerationsprodukten zu thun haben, wenn nicht ausgeschlossen, so 
doch nicht gut annehmbar erscheine." 

Bei der Deutung der fraglichen Carcinombefunde müssen wir dem- 
gemäfe als unsere erste Aufgabe betrachten, die Abstammung derselben 
von bekannten Zellformen oder deren Derivaten entweder auszuschliefsen, 
odet' aber nachzuweisen. Nur diejenigen Befunde, bei welchen dieser 



* Die neueren Arbeiten über die Paorospermien der Haut. Monatsh. f. prakt. 
Jkm. Bd. XV. 1892. 

MonaUhefte. XVL \Q 



210 

letztere Nachweis mifslingt, sind zu weiteren Untersucliungen in der 
Richtung verwertbar, ob wir es bei ihnen nicht etwa mit Protozoen za 
thun haben. 

Bei den Untersuchungen, über welche ich in den folgenden Zeilen 
berichte, habe ich getrachtet mir auf Grund des oben angedeuteten Kri- 
teriums ein Urteil über die fraglichen Gebilde zu bilden, d. h., ich habe 
untersucht, ob der oben angedeutete Zusammenhang zwischen denselben 
und den übrigen Elementen des Carcinoms nachweisbar sei oder nicht. 
Ich will hier vorausschicken, dafs ich diesen Zusammenhang fast aus- 
nahmslos bei meinen Befunden nachweisen konnte, dafs ich also die An- 
nahme, als hätten wir es mit Protozoen zu thun, für die von mir beob- 
achteten Gebilde zurückweisen mufs. Ich werde im Laufe meiner Ans- 
einandersetzungen den Versuch machen, meine Folgerungen auch auf 
diejenigen Befunde anderer Autoren auszudehnen, welche sich mit den 
meinigen zu decken oder zumindest denselben sehr ähnlich scheinen. 

Das Material zu meinen Untersuchungen lieferten mehrere Illoera 
rodentia des Gesichtes (Nase, Augenlid, Schläfe), Epithelialcarcinome der 
Nase, Ober-, Unterlippe, der Mandel, des Rachens, des Penis und ein 
Fall von Pagets disease der Brustdrüse. Als Fixationsflüssigkeit dienten 
die FLEMMiNGsche, DEMARBAixsche Lösung, 5% Sublimatalkohol und 
absoluter Alkohol. Zumeist wurden zweierlei Fixationen vorgenommen 
und die Schnitte miteinander verglichen. Ich habe des weiteren die 
Carcinompräparate des Budapester pathologisch -anatomischen Instituts in 
dieser Richtung untersucht und so Carcinome von verschiedenem Baue 
und aus den verschiedensten Organen des Körpers vor mir Revue passieren 
lassen. Für die Erlaubnis, die Präparatensammlung des Instituts für 
meine Untersuchungen zu benutzen, drücke ich Heri'n Prof. Gustav 
ScHEUTHAUEE meinen verbindlichsten Dank aus. Die Präparate des 
pathologisch-anatomischen Instituts waren zumeist in Alkohol, zum Teile 
in FLEMMiNGscher Lösung fixiert worden und in verschiedener Weise 
(verschiedene Karmine, Hämatoxyline, Safranin) gefärbt. Ich wende mich 
nun zu den Befunden, welche ich an Krebszellenkernen gemacht habe. 

In sehr vielen Krebsen Mit Zahl und Gröfse der Kernkörperchen 
auf. Es sind dies Krebse mit grofsen Zellen, insbesondere aber Epider- 
moidalkrebse. Bei kleinzelligen Krebsen, so z. B. bei dem Ulcus rodens, 
ist dies nicht der Fall. Bei letzterem ist die Gröfse der Nukleolen kaum 
von den der normalen Oberhautzellen verschieden, die Zahl derselben 
gewöhnlich nicht mehr als zwei. In grofszelligen Carcinomen zählt man 
häufig 3 — 4, des öfteren auch 5 und mehr Kernkörperchen, und diese 
erreichen manchmal die Gröfse ungefähr eines Drittels von einem roten 
Blutkörperchen. Sie sind rund, oval oder unregelmäfsig polyedrisch mit 
abgerundeten Winkeln. Ich glaube, dafs man blofs diese rundlichen 



211 

Formen als sichere Nnkleolen anerkennen kann. Die andersgeformten, 
balken-, Spindel-, wetzsteinförmigen etc., Chromatingebilde , welche Klbbs 
eben&lls zu. den Nnkleolen rechnete, müssen meiner Ansicht nach von 
diesen unterschieden werden. Von den eben erwähnten Gebilden soll 
noch weiter unten die Rede sein. Hier will ich blofs das eine noch 
erwähnen, dals es manchmal gelingt, die rundlichen Nukleolen anders zu 
&rben als die Chromatinbalken. In Schnitten von Pagets disease (Sub- 
limat-Fixierniig), welche mit Hämatozylin-Eosin ge&rbt waren, sah ich 
die runden Nukleolen mit rötlichem Schimmer ge&rbt, während die 
Chromatinbalken dunkelblau waren (s. Fig. 1 e e'). Um die Nukleolen 
herum bemerkt man einen hellen Hof, welcher — wie man bei gröfseren 
Exemplaren sehen kann — allmählich in eine äulsere glänzende Zone des 
stark lichtbrechenden Kemkörperchens übergeht und bei Bewegung der 
Schraube bald gröfser, bald kleiner erscheint. Viel seltener kann mau 
im Nncleolus selbst ein helles Fleckchen oder Bläschen bemerken. Beide 
letztere Phaenomena sind auch bei Nukleolen normaler Gewebe längst 
beobachtet und das erstere — der helle Hof um den Nucleolus — von 
Flsmuing^ als Lichtbrechungserscheinung von Seite des runden, glänzenden 
Kemkörperchens aufgefafst worden. 

Bei gewissen Veränderungen des Krebszellenkernes wächst der 
Nucleolus oft und erreicht die Gröfse eines halben roten Blutkörperchens, 
oder übertrifit auch dieselbe. Dies geschieht insbesondere in hydropischen 
oder verhornenden Zellen. Die chromatische Substanz des Kernes verliert 
dann vollkommen ihre Färbbarkeit, sie verschwindet, und der vergröfeerte 
Nucleolus (gewöhnlich blofe einer) befindet sich nun in dem zu einer 
hellen Blase umgewandelten Kerne. Blofs die Kemmembran behält eine^ 
Zeit lang einen geringen Grad von Färbbarkeit und erscheint dann als 
blaia gefärbter Saum des hellen Bläschens. Wie schon erwähnt, sehen wir 
in den betreflPenden Kernen keine Spur des Chromatingebälkes, in hydro- 
pischen Kernen jedoch auch oft farblose Bälkcheu und Körnchen. Bei 
weiterem Fortschreiten des Degenerationsprozesses färben sich auch die 
weiter anschwellenden Nukleolen schwächer und endlich gar nicht (s. Fig. 2). 

Die Chromat in Substanz ist in den Krebszellenkernen reichlicher ent- 
halten. Ganz besonders chromatinreich sind die Kerne grofszelliger Car- 
^ome, hauptsächlich in den Zellen der äufseren Reihen der Krebszapfen. 
Das Chromatin bildet in denselben ein unregelmäfsiges, gröberes oder 
feineres Balken- oder Netzwerk, in welchem sehr häufig neben den 
Nukleolen verschieden geformte Verdickungen des Chromatingerüstes ent- 
WBu sind. • Diese Verdickungen haben die Form mehr oder minder 
gebogener Stäbchen, oder sie sind spindelförmig, lanzenförmig, Wetzstein - 

* Zellsubstanz, Kern- und Zellteilung. 1882. S. 152. 

16* 



212 

förmig oder unregelmäfsig. Die Zahl dieser Chromatinklumpen nimmt 
unter gewissen Verhältnissen in den Zellen zu. Es verliert sich dann 
nämlich das feinere Chromatingewehe, und der etwas vergröfserte Kern ist 
mit den erwähnten Chromatinklümpchen erfüllt (s. Pig. 3). In Pig. 4 
ist ein Teil des Kernes noch mit dem normalen Gerüstwerk versehen, 
während in dem gröfseren, hellen Teile neben den Chromatinklumpen 
blofs wenige ßeste des ursprünglichen Chromatingebälkes übrig ge- 
blieben sind. 

Eine andere Kernveränderung, welche man in Carcinomen — aber 
auch in anderen Geschwülsten (s. Figg. ^ und 11) — beobachten kann, ist 
folgende: Die Balken der Ghromatinsubstanz verquollen sozusagen in- 
einander, so dafs sich der Kern in toto färbt (s. Fig. 5 a und b). An&ngs 
sieht man noch Reste des ursprünglichen Chromatingebälkes durchschimmerD 
(e. Fig. 6 a), endlich färbt sich aber der ganze Kern gleichmäfsig und 
intensiv. Bald sieht man an dem intensiv gefärbten Kerne einzelne Vor- 
buckelungen, oder hellere Furchen, oder helle Einbuchtungen (s. Fig. 5 c, 
d, e, f, g), und endlich zerfällt derselbe in viele kugel- oder spindel- 
förmige, oder unregelmäfsige Stückchen, wodurch oft ganz sporenoysten- 
artige Bilder entstehen (s. Fig. 5 h, i, k, 1, Pig. 7, Fig. 8 a, b). Manchmal 
sind diese Bruchteile noch von der blassen Kernmembran umhüllt (s.Pig.5 k), 
gewöhnlich ist aber auch von dieser nichts mehr zu sehen; auch diese 
wurde zersprengt, und die intensiv gefärbten Bruchteile liegen frei im 
Zellprotoplasma. Das letztere ist gewöhnlich in homogener Umwandlung 
begriflfen oder hydropisch manchmal auch fettig entartet und nicht färbbar. 
Sehr selten habe ich solche Zellen geplatzt und die chromatischen 
Kügelchen zwischen den benachbarten Gewebszellen liegen gesehen. Ge- 
wöhnlich büfsen aber diese Kernfragmente in den degenerierten Zellen 
an Färbbarkeitein, entweder, indem sie in toto blasser werden^ oder, indem 
in denselben, gewöhnlich excentrisch gelagerte, helle Flecken oder Bläseben 
auftreten, welche immer mehr an Umfang zunehmen, die chromatische 
Substanz auf einen schmalen Streif an ihrer Peripherie reduzieren und 
endlich das ganze Chromatinkügelchen einnehmen (s. Fig. 10 a, b, c). Der 
schmale Chromatinstreif in Fig. 10 c unten scheint anzudeuten, dals sie 
auch platzen können. Jedenfalls verflüssigen sie endlich in hydropisohen 
Zellen, entfärben sich und verschmelzen mit der übrigen Zellmasse in 
hyalinen Zellen. Durch die eben beschriebene Veränderung der Ghromatin- 
substanz entwickeln sich auch sichel oder navicellenförmige Figuren. 

Eine Abart dieser Ghromatinmetamorphose ist es, wenn ein Teil des 
Chromatins sich als wurmförmiges oder sichelförmiges Gebilde an die 
Kernwand zieht (s. Fig. 9 b, Ci Fig. 11). Auch hier kann die Kemmembran 
schwinden, und die Chromatingebilde können sich in das veränderte Zell- 
Protoplasma lagern (s. Fig. 9 b). 



213 

Bevor ich in der EeschreibuDg der KerDmetamorphosen an den 
Krebszellen fortfahre, mufs ich noch erwöhnen, dafs ähnliehe Erscheinungen, 
wie die zuletzt beschriebenen, d. h. die Bildung verschieden geformter 
und intensiv gefärbter Stücke aus dem Kemchromatin auch an Kernen 
in mitotischer Teilung aufzutreten scheinen. So glaube ich wenigstens 
jene Befunde erklären zu müssen, bei welchen die Zahl der einzelnen 
Chromatinstücke eine auffallend grofse war, und bei welchen einzelne 
sogar noch die Schleifenform behalten hatten (s. Fig. 3). Auch war es 
mir aufgefallen, dafs die Zersprengung des Kernes in eine Anzahl kleinerer 
Kugeln besonders in solchen Schnitten zu beobachten war, in welchen die 
Mitosen in gröfserer Menge vorhanden waren. 

Ich wende mich jetzt zu anderen Arten der Kernmetamorphose. Bei 
den bisherigen hatte ich den Eindruck gewonnen, dafs sich das Kem- 
chromatin vermehrt. In dieser Weise erklärte ich mir die intensive und 
diffuse Färbbarkeit der Kerne, resp. die gro&e Anzahl der sich aus dem 
Kerne bildenden, intensiv färbbaren Chromatinstücke. Bei den nun 
folgenden Formen wird der Kern blasser und zwar entweder in toto mit 
Ausnahme des intensiv gefärbten Nucleolus (dies sehen wir an verhornenden 
Krebszellen, deren Kern bläschenförmig und hell ist — s. Fig. 25), oder 
nur ein Teil des Kernes wird hell, blafs, homogen, bläschenförmig. Dieses 
Blfischen, die Vakuole, tritt zumeist an irgend einer Stelle der Kern- 
peripherie, manchmal auch an mehr central gelegenen Stellen auf und 
Tergröfsert sich allmählich, indem es den gefärbten Teil des Kernes zurück- 
drängt und komprimiert. Endlich bleibt nur ein schmaler Streifen der 
chromatischen Substanz übrig, welcher kappenformig auf der Vakuole sitzt 
(s. Fig. 1 a, b, c, d, Fig. 12 a, b). 

Ähnliche Vakuolen — und hiermit wenden wir uns zu einigen uns 
hier interessierenden Veränderungen des Zellleibes der Krebszelle — 
kommen auch im Zellprotoplasma vor (s. Fig. 13); man sieht sogar 
manchmal neben der Kemvakuole noch eine oder mehrere Vakuolen im 
Zellleib (s. Fig. 14). Gewöhnlich finden wir diese Vakuolen hell und 
leer; sie können aber verschiedene Gebilde enthalten. So können Chromatin- 
partikel, nicht ganz verflüssigte Protoplasmaflöckchen (s. Fig. 15), weifse 
nnd rote Blutzellen oder deren Derivate (Kerne, Detritus) — s. Fig. 12 d, 
Fig. 16 a, Fig. 17 a, b, Fig. 18 — in ihnen enthalten sein. In Vakuolen, 
welche sich in Riesenzellen gebildet haben, können selbst mehrere Kerne 
der letzteren Platz nehmen (s. Fig. 19). Manchmal hellt sich das Proto- 
plasma rund um den Kern herum auf, der dann in einer Vakuole enthalten 
zu sein scheint (s. Fig. 20). 

Andere Metamorphosen des Zellleibes der Krebszellen sind schon des 
öfteren umständlich beschrieben worden. So haben Kiener, Borrbl, 
fiiBBERT, NöQGERATH und andere ihre Aufmerksamkeit jener homogenen 



214 

Umwandlung der Krebszelle zugewendet, welche dieselbe zumeist inmitten 
zwiebelschalenförmig gelagerter, flacher Krebszellen erleidet. Nach meinen 
Erfahrungen geschieht diese homogene Umwandlung der Krebszelle in der 
von RiBBBRT* angegebenen Weise. 

Die „eingeschachtelte" Zelle (Ribbert) ist nicht immer von „kugel- 
schalenartig" umgeformten Krebszellen umgeben, sondern oft, wie auch 
Ribbert erwähnt, von einer protoplasmatischen Zelle umfafst. Gewöhnlich 
ist in dem letzteren Falle die umfassende Zelle bedeutend gröfser, als die 
degenerierende, zuweilen ist sie in mitotischer Teilung begriffen (s. Fig. 21). 
Die eingeschachtelte Zelle nimmt vorerst eine mehr rundliche Form an. 
zeigt auch sehr häufig einen sehr feinen Strahlenkranz, welcher später 
verschwindet, und ihr Protoplasma wird etwas glänzender. Der Glanz wird 
im weiteren Verlaufe der Degeneration intensiver, und die Färbfähigkeit 
der Zelle ändert sich, indem dieselbe in FLEMMiNGscher Lösung einen 
schmutzig-braunen Teint annimmt, durch Hämatoxylin und Safranin (dünne 
Lösungen, 24 stündige Färbung) intensiver geftlrbt wird. Diese intensivere 
Färbungsfähigkeit kann auch wieder abhanden kommen. Dabei ist die 
Krebszelle kleiner geworden, wodurch zwischen ihr und den benachbarten 
Zellen ein heller Spalt entsteht. Der Kern der Zelle verhält sich ver- 
schieden. In manchen Fällen wird er heller, seine Chromatinsubstanz 
verschwindet, und in dem hellen Bläschen, welches seine Stelle einnimmt, 
ist blofs ein gequollener Nucleolus, oder auch dieser nicht mehr sichtbar. 
Ein anderes Mal verwandelt er sich in einen homogenen, intensiv gefärbten 
Klumpen, oder er verschmilzt mit dem homogen und weniger durch- 
sichtig gewordenen Zellprotoplasma, wobei eine Zeit lang seine Konturen 
durch das Zellprotoplasma durchschimmern. 

Oft sind auch mehrere Zellen eingeschachtelt, wobei aber bloüs eine 
oder zwei von runder Form sind, während die Form der übrigen unregel- 
mäfsig, von der Lagerung gegeneinander bedingt ist (s. Fig. 22). Die 
Zellgrenzen der enge aneinandergelagerten Zellen können stark verwaöcben 
sein. An den runden Zellen des eingeschachtelten Nestes ist gewöhnlich 
ein von dem der übrigen Zellen verschiedener Grad der Degeneration 
sichtbar, am häufigsten wohl der, dafs die runden sich intensiver färben, 
oder dafs sie mit einem Strahlenkranze versehen sind, welch letzterer aber 
aus viel kürzeren und gröberen Stacheln besteht, als bei den solitär ein- 
geschachtelten Krebszellen. Zwischen den Zellen des eingeschlossenen 
Nestes sind häufig Wanderzellen mit fragmentierten Kernen sichtbar. 

Eine ähnliche Umwandlung der Krebszellen, nämlich ein Glänzend- 
werden des Zellprotoplasmas mit intensiver Tinktionsfähigkeit des homogen 
gewordenen Kernes, fanden wir auch an Krebszellen, welche zerstreut im 

' Über Einschlüsse im Epithel bei Carcinom. Deutsche med. Wochenschr. 1891. 
No. 42. S. 1179. 



215 

Krebsgewebe liegen, ohne dafs dieselben, sei es von einer groüsen Zelle 
oder Yon „kagelschalenartig^ geschichteten Zellen umgeben wären. Der 
Kern solcher Zellen kann auch in mehrere kleinere Ohromatinkngeln 
zerfallen sein oder an Tinktionsfähigkeit wieder eingebüfst haben (s. Fig. 23a). 
Aach Wanderzellen können in ähnlich veränderten Zellen Platz nehmen 
(8. Fig. 23 b). 

loh will hier nooh einige Worte von den hyalinen Klumpen (s. Fig. 24 a\ 
anfügen, welche zwischen den Krebszellen vorkommen. Ein Teil derselben 
zornindest scheint ebenfalls aus Krebszellen hervorzugehen. Dieselben 
Verden homogen, rund, oval oder auch unregelmäfsig geformt, immer 
jedoch mit ziemlich abgerundeten G-renzkonturen ; ihre Färbbarkeit ist 
sameist wenig von dem des Protoplasmas der unveränderten Krebszellen 
verschieden, ihr Kern verschwunden. In Fig. 24 b habe ich eine Zelle 
mit mitotischer Kernfignr am Anfang dieser hyalinen Umwandlung 
abgebildet. Im gewucherten Epithelüberzuge einer faustgrofsen sarkoma- 
tösen Greschwulst mit spindelförmigen Sarkomzellen des behaarten Kopfes 
babe ich ähnliche Klumpen ziemlich häufig zwischen den Epithelien liegen 
gesehen und Übergangsformen zwischen diesen und dem unveränderten 
Epithel häufiger konstatieren können. Das sarkomatöse Gewebe war zum 
Teil ebenfalls in hyaliner Umwandlung begriffen, zum Teil verkalkt. 

Ich habe schon weiter oben erwähnt, dafs weifse und rote Blutzellen 
dea Inhalt von im Zellprotoplasma enthaltenen oder aus dem Kerne ent- 
standenen Vakuolen bilden können. Dieselben können aber auch frei im 
Zellprotoplasma liegen, ohne dafs um dieselben ein heller Hof entstünde. 
(Fig. 12 e.) Bei weiCsen Blutkörperchen pflegt* es zu geschehen, dafs 
ihr Protoplasma sich vollkommen aufhellt, verflüssigt und die Färbbarkeit 
vollkommen verliert. Es gewinnt dann den Anschein, als lägen die frag- 
mentierten Kerne derselben, oder die aus den letzteren hervorgegangenen 
Chromatinpartikelchen in einer Vakuole der Krebszelle frei. (S. Fig. 12 c.) 
Verschmilzt das Protoplasma der weilsen Blutzelle mit dem der Krebs- 
eelle,dann entstehen häufig sehr schwer deutbare Bilder; man sieht nun 
intensiv gefärbte Körperchen — die Kerne der weilten Blutzellen oder 
deren Derivate — frei im Protoplasma liegen. 

Die roten Blutzellen können einzeln oder zu mehreren in einer 
Vakuole liegen; ebenso finden wir sie manchmal im Zellprotoplasma. Es ist 
nuD hervorzuheben, dals die Blutzellen manchmal, besonders in Präparaten 
ans FLBMMiNGscher Flüssigkeit, den Farbstoff (Safranin) aufnehmen können. 
Es können dann entweder die ganze rote Blutzelle, oder ihr Rand, oder 
einzelne Flecke in ihrem Innern rot gefärbt erscheinen, welche Färbungen 
leicht zu Miüsdeutungen Anlafs geben. (S. Fig. 17 a, b.) Diese Fär. 
buDgen scheinen ganz vom Zufalle abhängig zu sein. 

Ich mufs hier noch kurz erwähnen, dafs der von Klbbs „Intus- 



216 

ßusception" genaDnte, auch von Stroebe* beschriebene Prozels, wie dies schon 
von beiden genannten Autoren geschehen ist, von dem eben beschriebenen 
Eindringen der weifsen Blutkörperchen in die Krebszelle unterschieden 
werden mufs. Bei der Intussusception treten die weiüsen Blutkörperchen 
in grofser Anzahl in absterbende Krebszellen ein, die sie bald ganz 
erfüllen. Geschieht dies in vielen benachbarten Zellen, dann entsteht ein 
Netzwerk, dessen Maschenräume mit weifsen Blutkörperchen erfüllt sind. 
Auf diese Weise entstehen jene zumeist kugelrunden Herde von weiisen 
Blutkörperchen, welche in den Krebszellennestern beobachtet worden sind 
Dies sind — mit Ausnahme einiger noch später zu erwähnenden — 
die Befunde, welche ich beim Carcinom und zum Teile auch bei der 
PAGETschen Krankheit gemacht habe, und diese scheinen jenen Bildern 
zu entsprechen, welche von verschiedenen Autoren als parasitäre, tierische 
Organismen gedeutet wurden. Dafs ich nicht diese Auffassung teile, ist 
schon aus dem vorausgegangenen Texte ersichtlich. Ich habe in demselben 
— um es kurz zusammenzufassen — verschiedene Arten von Kernver- 
änderungen beschrieben, bei welchen es entweder unter Verschwinden de» 
feineren Kerngerüstes zur Bildung von verschieden geformten Chromatin- 
bälkchen kommt, oder bei welchen der Kern sich in ein intensiv und 
diflus gefärbtes Gebilde umwandelt, welches dann in eine Anzahl kleiner 
Kugeln und Klümpchen zerfällt. Ich habe des weiteren Kemverändeningen 
beschrieben, bei welchen die chromatische Substanz des Kernes gleich von 
Anfang an verschwindet, oder ein Teil des Kernes sich in ein helle» 
Bläschen umwandelt. Ich habe von gewissen Eigentümlichkeiten der 
Nukleolen der Krebszellen, ihre Grölse und Zahl anlangend, gesprochen. 
Ich habe die homogene Umwandlung der „eingeschachtelten Zellen" 
erwähnt, die Abstammung eines Teiles wenigstens der hyalinen Klumpen 
aus Krebszellen nachzuweisen getrachtet, die vakuoläre Umwandlung des 
Protoplasmas in den Krebszellen beschrieben und endlich den EinschlnJ» 
roter und weifser Blutzellen oder von deren Derivaten im Krebszellen- 
protoplasma oder in Vakuolen erwähnt. 

Veränderungen, welche den oben bei Krebszellenkemen beschriebenen 
analog sind, wurden schon früher beschrieben. Die Arbeiten, in welchen 
dies geschehen ist, hat auch schon Stboebe citiert. Pfitzner^ beschreibt 
sogenannte senile Veränderungen des Epithels, d« h. Kerndegenerationen 
bei der Verhornung, und zwar zwei Arten derselben. Die eine besteht darin, 
dafs die Substanz des Chromatins zu Grunde geht, indem dasselbe immer 
schwächer lichtbrechend und weniger färbbar wird; die andere darin, dafe 



* Celluläre Vorgänge und Erecbeinungen in Geschwülsten. Zieglers BeUräfft 
zur patholog. Anatomie etc. 1891. Bd. XI. 

* Zur pathologischen Anatomie des Zellkernes. Virchows Archiv. Bd. 103. IBoo. 
S. 275. 



217 

hanotsächlich die Form des chromatischen Kei-nhestandteiles sich ändert, 
indem das feine, komplizierte Gerüstwerk desselben zu gröberen, massiven 
Abschnitten zusammen fliefst und schliefslich in getrennte Klumpen zerfällt. 
Die letztere Form der Dekonstitution des Kernes üennt er eine „morpho- 
logische", die erstere ^chemische". ^ Dieselben Degenerationsformen als 
Altersveränderungen hat Pfitzner auch bei Leukocyten, des weiteren an 
den Epithelkemen in der Nähe von Wundrändern, die bläschenförmige, 
chemische Degeneration auch in Krebsperlen flacher Hautcarcinome 
gesehen. Wichtig für die uns beschäftigende Frage ist des weiteren die 
Beobachtung, die Pfitzner an der Salamanderblutzelle gemacht hat. Die 
Nukleolen der Salamanderblutzelle werden nämlich während der Degene- 
ration der letzteren auffallend grofs. Dies hat übrigens Pfitzner auch 
an anderen Orten mit Alters Veränderungen zusammengehen gesehen. 

Arnold^ beschrieb dieselben Veränderungen des Kernes bei den 
Leukocvten. Unter dem Namen einfacher Kernschwund erwähnt er 

■r 

diejenige Form der Degeneration des Kernes, bei welcher der letztere sich 
in ein helles Bläschen umwandelt. Diese ist manchmal mit hydropischer 
Blähung verbunden. Die zweite Form nennt er nukleare Degene- 
ration. Bei dieser kommt es zum Kernschwund unter vorangehender 
chromatischer Umordnung im Gerüste oder an der Kernwand. In 
Fig. 30, in welcher er Beispiele dieser Degenerationsform abgebildet 
hat, finden wir manche der von uns oben besprochenen Bilder und 
aniserdem noch viel mannigfaltigere. 

Von Wichtigkeit sind liier noch — wie ich glaube — die Bilder, welche 
CoBUiL® in einem Epitheliom beschreibt, wichtig, weil einzelne Figuren 
neben einem sich teilenden oder ins Ruhestadium gelangten Kern mehrere 
Chromatinklümpchen oder -Fädchen, oft von einem hellen Hofe 
umgeben zeigen, unter Verhältnissen, wo der Vergleich mit den benach- 
barten, in reger Teilung begriffenen Zellen an der Chromati nnatur dieser 
Gebilde keinen Zweifel aufkommen läfst. 

Nach dem Vergleich der von mir beschriebenen Kernveränderungen 
mit dem von Pfitzner und Arnold vorgebrachten kann wohl kein 
Zweifel darüber bestehen, dafs wir es auch bei diesen Bildern der Krebs- 
keme mit Degenerationen zu thun haben. Es bleibt also nur noch zu 



^ Za der letzteren ist meiner Meinung nach auch die „vakuoläre" Umwandluni; 
des Kernes zu rechnen, bei welcher ja auch der gröfste Teil desselben sich aufhellt 
und die chromatische Substanz auf einen immer dünneren Grenzstreifen reduziert 
wird. Auch diese Form der Altersdegeneration sehen wir schon im normalen Epithel 
der Epidermis. Es handelt sich hier wahrscheinlich, so wie bei den Vakuolen des 
Zellleibes, um eine hydropiscbe Erscheinung. 

^ Archiv f. mikrosk. Anatomie. 

^ Mode de multiplication des noyaux et des cellules dans 1 epitheliome. Joum, 
de ranatomie et de la phijsiologie etc. 1891. XXVII. No. 2. Mars-Avril. 



218 

untersuchen, inwiefern die intranukleären Befunde anderer Autoren aiif 
dieselbe Erklärung zurückzuführen sind. 

Was nun die von Thoma^ beschriebenen, später auch von Heukelom^* 
erwähnten Gebilde anbelangt, so ist darüber kaum ein Zweifel möglich, 
dafs diese nichts anderes als Pfitznbrs morphologische Dekonstitution des 
Kernes, d. h. Arnolds nukleare Degeneration darstellen. Er beschreibt 
sie als intranukleär gelegene Körperchen von runder, ovaler, unregel- 
mäfsiger oder Wetzstein artiger Form und starkem Lichtbrecliungsvennögen. 
Sie kommen einzeln oder zu 4 bis 6 in einem Kerne vor, welcher 
gewöhnlich blasenförmig und schlecht fkrbbar ist. Manchmal sah er auch 
intranukleär gelegene, feinkörnige oder homogene, stark glänzende Kugeln. 
Diese Beschreibung pafst bis hierher beinahe vollständig auf die Formen 
der nuklearen Degeneration, welche ich im vorangehenden Texte gegeben 
und auch abgebildet habe. Nun giebt aber Thoma an, dafs er an diesen 
Körpern Protoplasma und Kern, zuweilen auch ein Kernkörperchen 
gesehen habe. Ich habe nichts dergleichen gesehen, glaube aber, dafs 
sich dieser Gegensatz vielleicht durch die Erklärung beseitigen läist, dals 

■ ff 

Thoma möglicherweise den hellen Hof, der oft diese glänzenden Gebilde 
umgiebt, als zu diesen Körperchen gehörig ansah. Auch haben wir 
gesehen, dafs bei der weiteren Degeneration diese Körper an gleichmäßiger 
Färbung einbüfsen ; es treten helle Flecken in ihnen auf. Möglicherweise 
lieferten solche Bilder den Grund zu obiger Beschreibung Thomas. 
Sjöbring^^ hat neben den erwähnten Produkten der nuklearen Degeneration 
ganz gewifs auch Nukleolen als parasitäre Organismen beschrieben. Was 
die ersteren anlangt, so fand er dieselben oft in vorgeschrittener Degene- 
ration; sie färbten sich dann nur zum Teile mit Häroatoxylin, im übrigen 
mit Eosin. Dafs er aber auch Nukleolen als Parasiten beschrieben hat 
geht daraus hervor, dafs er wegen der Schwierigkeit der Onterscheidang 
zwischen diesen Gebilden und den Nukleolen das entscheidende Gewicht 
auf die KoiLstatierung eines hellen Hofes um die fraglichen Gebilde legte. 
Ich habe aber schon früher darauf hingewiesen, dafs ein solcher Hof nm 
die Nukleolen normaler Zellen schon längst beobachtet und beschrieben 
wurde. Sjöbring ist der Meinung, dafs die von ihm beobachteten intra- 
nuklearen Gebilde mit den THOMAschen identisch seien. Auch er sah 
nie einen Kern in ihnen. Ebensowenig Stroebe^^, der, so wie ich, die 
Meinung hegt, dafs die TnoMAschen Körperchen mit den Gebilden, welche 
Pfitzner und Arnold bei der Kerndegeneration beschrieben haben, 
identisch seien. Als solche — nämlich als Degeneration — beschreibt 



• Fortschritte der Medizin. 1889. 

" Centralblatt f. aUg. Path. etc. von Ziegler. 1890. S. 704. 

" Fortschntte der Medizin. 1890. Vin. 14. 8. 529. 

" L. c. 



219 

Stroebe die auch von mir erwähnten ünregelmäfeigeii, IfrötÄStein-, navi- 
cellen- oder lanzettförmigen Gebilde, welche im weiteren Verlanfe der 
Degeneration frei im Zellleibe, inmitten einer verdichteten Protoplasmazone 
zn liegen kommen. Strobbe war es sogar gelungen, neben dem degene- 
rirten Kerne in derselben Zelle auch eine karyokinetische Figur zu 
beobachten. Er geht aber später doch von dieser Erklärung ab ; zumindest 
giebt er die Möglichkeit zu, es doch mit parasitären Gebilden zu thun 
gehabt zu haben. Er hat nämlich auch eiförmige, helle Bläschen gesehen, 
welche an ihren beiden Polen durch je eine scharf rot gefärbte Schale 
von der Form einer Kugelhaube begrenzt waren. Diese lagen intranukleär, 
oder im Protoplasma, oft auch zu mehreren in einer Vakuole. Da ihm 
die Deutung dieser Gebilde als Leukocyten, oder rote Blutzellen, oder 
Degenerationsprodukte mifsglückte, versuchte er eine Erklärung derselben 
als Krebsparasiten und stellte sie nun mit den lanzettförmigen etc. 
Körperchen zu einer Entwickelungsreihe eines Parasiten zusammen. Ich 
habe schon in meinem oben citierten referierenden Artikel die Vermutung 
ausgesprochen, dafs es sich bei den zuletzt erwähnten runden Gebilden 
möglicherweise um Chromatintropfen handeln möchte, die an Färbbarkeit 
eingebüfst haben. Ich habe zur Stütze dieser Ansicht hauptsächlich die 
Befunde Steinhaus'*' angeführt, welcher intranukleäre Vakuolen mit ver. 
schieden gestaltetem Chromatininhalt beschreibt, des weiteren Befunde des- 
selben Autors, bei welchen er in protoplasmatischen Kugeln, welche im 
Zellleib lagen, Chromatininhalt von verschiedener Form konstatierte. Diese 
Chromatinkörper waren zumeist kugelig, aber auch halbmondförmig, oder 
komma-, bogen- und ringförmig, oder sie lagen an beiden Polen der 
Einschlüsse wie Kreissegmente. An diesen Chromatineinschlüssen 
bemerkte Stbinhaus Differenzen in der Färbungsintensität. Diese letztere 
Angabe führte ich zu Gunsten eioes weiteren Degenerationsvorganges 
an den Chromatinpartikelchen mit Verminderung ihrer Färbungsfähigkeit an. 
Wir haben uns im Laufe der vorausgegangenen Auseinandersetzungen 
davon überzeugt, dafs die „morphologische Dekonstitution" (Pfitznee), 
die „nukleare Degeneration** (Arnold) sowohl zur Bildung von Wetzstein-, 
Spindel- und lanzettförmigen etc., als auch kugeligen Chromatinklümpchen 
führt, dafs diese in Vakuolen des Kernes enthalten sein, oder endlich frei 
im Zellprotoplasma liegen können. Fig. 10 a, b, c zeigen des weiteren, 
wie die Chromatintropfen weitere Veränderungen eingehen, d. h., wie helle 
Flecken in ihnen auftreten. Ich kann daher heute meine vorher nur 
vermutungsweise ausgesprochene Ansicht mit gröfserer Zuversicht ver- 
treten. Ich glaube, dafs die von Stroebe beschriebenen kugeligen Gebilde 
Chromatintropfen in vorgeschrittener Degeneration sind. 



" Virchowa Archiv. 1891. Bd. CXXVI. 



220 

Ganz unzweifelhaft haben Podwyssocky und Sawtschenko ** zum 
Teil ähnliche Bilder als Grundlage ihrer Beschreibung vorgelegen. Man 
vergleiche doch ihre Figuren mit einzelnen der Gruppe 5 von unserer 
Tafel, des weiteren mit 8 b, 9 b und c. 10 a, b, c und Fig. 11. Ich 
habe in meinem schon erwähnten Artikel von den neueren Arbeiten 
über die Psorospermien der Haut der Meinung Ausdruck verliehen, dab 
die parasitären Organismen der genannten Autoren Gebilde verschiedener 
Herkunft, rote und weifse Blutkörperchen, von Mitosen abgesprengte 
Körnchen und Schleifen darstellen. Dafs selbst neben zur Ruhe gelangten 
Kernen ähnliche Chromatinkörper im Zellprotoplasma liegen können, hat 
CoRNiL nachgewiesen.^^ Solche Chromatinkörner können, wie schon 
erwähnt, von einem hellen Hofe umgeben sein. Meine Annahme ist 
daher bei dem Befunde kleinerer Chromatineinschlüsse mit oder ohne hellen 
Hof nicht leicht von der Hand zu weisen, besondei*s bei Zellen mit mitotischem 
Kerne. Ein Teil der Gebilde Podwyssockys und Sawtschenkos mag 
also wirklich solchen abgesprengten Chromatinbröckchen seinen Ursprung 
verdanken; ein anderer scheint — wie ich a. a. O. ausgeführt habe — 
roten Blutzellen zu entsprechen. Die meisten sind — wie der Vergleich 
mit meinen Figuren lehrt — nichts anderes, als Produkte der nuklearen 
Degeneration, und zwar hauptsächlich in weifsen Blutkörperchen. In meiner 
Figur 10 a sind sogar zwei Ohromatinbälkchen enthalten, welche, beinah» 
vollkommen entfärbt, an ihren Enden kernartige Körperchen zu enthalten 
scheinen, was von Podwyssocky und Sawtschenko bei ihi*en Gebilden 
deshalb mit besonderem Nachdruck hervorgehoben wurde, weil dies für 
die sichelförmigen Keime der Coccidien charakteristisch ist und auch für 
den Caryophagus Salamandrae von Steinhaus beschrieben wurde. (VergL 
diese mit Fig. 25 P. u. S.) Ich will übrigens hier nochmals darauf 
hinweisen, dafs Ebbrth^^ die Auffassung, welche Stbinhaus von dem 
fraglichen Schmarotzer des Salamanders hegt, zui'ückgewiesen hat. 

Was die „eingeschachtelten^ Zellen und diejenigen, welche sich gans 
so wie die ersteren verhalten, jedoch zerstreut im Krebsgewebe vorkommen, 
anbelangt, so ist mein Standpunkt ihnen gegenüber aus dem früher Vor- 
getragenen deutlich ersichtlich. Ich halte sie für das Produkt einer 
homogenen Degeneration der Krebszellen. Ebenso verdankt zumindest 
ein Teil der hyalinen Klumpen meiner Meinung nach seinen Ursprung 
einer hyalinen Degeneration der Krebszellen. 

Dafs in Krebszellen oder in deren Vakuolen enthaltene rote und 
weifse Blutzellen Anlais zu Irrtümern geben, d. h, zur Annahme von 
tierischen Parasiten verleiten können, ist schon von verschiedenen Seiten 

" CentraMätt f. Bakt, u. Parasitenk. 1892. XI. No. 16, 17, 18. 
^« Fortschritte der Medizin. 1890. VIII. No. 17. S. 657. 



221 

dargelegt worden. Bei den weifsen Blutzellen ist der Irrtum, wie dies 
schon von Stroebe hervorgehoben wurde, besonders dann leicht, wenn 
dieselben degenerieren und zerfallen. 

SjObrino hat, wie ich schon a. a. O. dargelegt habe, bei der Be- 
schreibung seines Krebsparasiten Gebilde verschiedener Bedeutung — 
Nukleolen, Chromatinklümpchen, degenerierte Krebszellen, Wanderzellen 
— in eine Reihe gebracht. Unter ihnen beschrieb er auch gewisse 
Bilder als Sporencysten. Nun hat aber Nöggerath^^ an Präparaten 
Sjöbbings selbst den Nachweis geliefert, dafe jene Cysten degenerierende, 
miteinander versinternde ZeUen seien, die mit hyalinen Höfen umgebenen 
Sporen aber von den Kernen dieser Zellen gebildet werden. In Fig. 25 
habe ich eine solche „Sporencyste" aus einem Epithelialcarcinom der 
Nase abgebildet. Wir sehen da aufgehellte Kerne mit vergröberten 
Nukleolen ; die Grenzen der diese Nukleolen enthaltenden Zellen sind 
Terwaschen. Die benachbarten Epithelien sind flach gedrückt. Einen 
anderen Entstehungsmodus hat Bibbert beschrieben. Es können nämlich 
aach Riesenzellen mit degenerierenden Kernen ähnliche Bilder produzieren. 
In Fig. 12 f. ist eine vierkernige Epithelzelle aus einem Schnitte von 
Pagets disease abgebildet. Bei weiterer Aufhellung des Kernbläschens 
unter Persistenz von Nukleolen oder Chromatinbälkchen könnten auch 
aus dieser die SjöBRiNGsche Sporencyste entstehen. Diese Zelle kann 
aber noch zu einem anderen Irrtume Anlafs geben. Drei der Kerne 
befinden sich schon in einem vorgeschrittenen Stadium der Degeneration, 
färben sich nicht mehr durch Hämatoxylin, sondern — verschieden von 
dem einen noch unveränderten Kerne — durch Eosin rot. Es könnte 
hierdurch der Eindruck erweckt werden, als hätten wir es mit fremden 
Einschlössen der Zelle zu ih\\u. Jedenfalls macht uns dieses Bild darauf 
anfinerksam, bei der Erklärung von Zelleinschlüssen auch nach diesem 
Entstehungsmodus zu forschen. 

Bevor ich schliefse, will ich noch einige Worte über die PAGBTsche 
Krankheit insbesondere anschliefsen. Viele der bisher beschriebenen 
Befände liefsen sich auch bei dieser nachweisen, und manche der bisher 
angeführten Abbildungen stammen von dem Falle PAGETscher Krankheit, 
welchen ich zu untersuchen Gelegenheit hatte. Ich beabsichtige nicht, 
hier eine detaillierte Beschreibung der Gewebsveränderungen bei der 
PAOETschen Erkrankung zu geben. Der Hauptsache nach decken sich 
meine Befunde mit denen von Wickham ^^ und Karg ^^. Ich will hier 
blols mit einigen Worten auf jene eigentümlichen Zellen eingeben, welche 
von Darier und Wickham als die tierischen Schmarotzer der PAGETschen 



*^ Beiträge zur Struktur und Entwickelung des Carcinoms. Wiesbaden. 1892. 
^® Maladie de la peau dite maladie de Paget. Paris. 1890. 
" Deutsche Zeitschr. f. Chirurgie. XXXIV. S. 133. 



222 

Krankheit aufgefafst wurden. Es sind dies grofse Zellen von annähernd 
runder Form, welche einzeln oder in Gruppen und Reihen zwischen den 
normalen oder abgeflachten Retezellen liegen. Ihr Protoplasma ist hell, 
zumeist fein granuliert und färbt sich in Eosin blafs-rot. Durch die 
geringere Färbbarkeit ihres Protoplasmas, ihre Gröfse und runde Gestalt 
fallen sie beim ersten Blick in das Mikroskop auf. Sie machen den 
Eindruck heller, einen dunklen, grofsen Körper (den Kern) enthaltender 
Blasen. Ihre Kerne sind gröfser, als die der normalen Stachelzellen, oft von 
ganz erstaunlicher Gröüse. (s. Fig. 26). Das Chromatin bildet in den 
Kernen ein bald feines, bald gröberes Balkenwerk und färbt sich dunkel. 
Die benachbarten Zellen werden durch die geblähten Zellen abgeflacht 
Geschieht dies in stärkerem Malse, dann scheinen die hellen Zellen wie 
von einer Schale umgeben. Manchmal liegt eine solche Zelle auch in 
einer Aushöhlung einer gröfseren Zelle (s. Fig. 16 b). Liegen mehrere 
helle Zellen nebeneinander, dann modifizieren sie durch gegenseitigen 
Druck ihre runde Gestalt. In diesen hellen Zellen sieht man ttheraoa 
häufig Mitosen. Nicht selten sind es Kemteilungsfiguren mit einer 
überaus grolsen Anzahl von Schleifen (s. Fig. 12 g), oft auch mehrpoUge 
Mitosen. Gerade die Riesenmitosen und pluripolaren Kemteilungsfigoren 
sind aber häufige Befunde in Carcinomen, und ich kann daher, gestützt 
auf diesen Umstand, sowie auf den Chromatinreichtum der hellen Zellen 
bei der PAGETschen Krankheit, der Meinung ELises blois beipflichten, dafs 
die betreffenden Zellen schon „die ersten Carcinomzellen^ sind, und die 
PAGSTsche Krankheit ein Carcinom sei, und zwar „die oberflächlichste, 
oder flachste Form des Carcinoms, die möglich ist." 

Wir haben den Chromatinreichtum der ruhenden Kerne, die rege 
Kernteilung, den Chromatinreichtum der Mitosen in den hellen Zellen 
darauf zurückgeführt, dafs in diesen Zellen sich die ersten Zeichen der 
carcinomatösen Wucherung offenbaren. Was ist jedoch die Bedeutung 
des hellen, blasenförmigen, gedunsenen Aussehens dieser Zellen? Die 
Erklärung dafür geben weitere Veränderungen, welche im Epithel sichtbar 
sind. An vielen Stellen sehen wir nämlich neben den beschriebenen 
Zellen Veräüderungen, welche nur auf die kolliquative Nekrose bezogen 
werden können. Es finden sich noch stärker geblähte Zellen mit ganx 
durchsichtigem, farblosem Protoplasma und mit einem Kerne versehen, 
dessen Chromatin sich zu einer fein gekörnten Masse umgewandelt hat und 
an eine Seite der Zelle gedrückt ist. Das Kernchromatin löst sich dann 
in der Form einzelner Körnchen im Zellinhalt auf und verschwindet 
eDdlich. Die Zelle selbst platzt endlich, und mehrere benachbarte können 
sich in dieser Weise zu einer grofsen Lakune vereinigen, welche 
Chromatinkörnchen und eventuell auch weifse Blutkörperchen in ver- 
schiedener Anzahl enthält. Solche Zellen sind in Fig. 27 abgebildet 



223 

Manchmal findet man groise Reihen von Zellen, welche mit der Cutis- 
Oberfläche parallel gelagert sind, in ähnliclier Weise verflüssigt, so dafe 
sich im Epithel helle Oänge und Streifen zeigen. Die benachbarten 
Zellen sind flach gedrückt, die Papillaroberfläche z. B. oft anstatt von 
cylindrischen von flach-viereckigen Zellen bedeckt. Das helle, fein granu- 
lierte Protoplasma der grofskemigen Zellen ist also meiner Meinung nach 
als Imbibitionserscheinung aufzufassen. Das Epithel wird von Seiten des 
entzündlich infiltrierten Coriums mit Lymphe überschwemmt und dies 
fiihrt zur Kolliquation der Epithelzellen. Dies mag auch den Grund 
dafar abgeben, dafs es trotz der regen Kernteilung erst spät zum Ein- 
dringen der carcinomatösen Wucherung in die Lederhant kommt. In 
den späteren Stadien der PAGSTschen Krankheit, wenn es schon zur Ent- 
wiokelang eines typischen Carcinomes gekommen ist, habe ich ähnliche 
Zellen mit hellem Protoplasma nicht mehr gefunden.^ 

Diese Zellen wurden von Wickham als die Parasiten der PAGETschen 
Krankheit aufgefafst. Wie aus dem oben Dargelegten ersichtlich, kann 
ich diese Auffassung nicht teilen. Ich will hier noch zwei Punkte kurz 
berühren, welche insoweit von Interesse sind, als sie Argumente betrefi'en^ 
welche zu Gunsten der parasitären Auffassung vorgebracht wurden. Der 
erste Punkt betrifft die Lage der hellen Zellen. Ich habe sie, im Gegen- 
satze zu Wickham, nie intercellulär gesehen, höchstens — wie in 
Fig. 16 b — in einer Aushöhlung einer benachbarten Zelle. Der zweite 
Punkt betrifft die Retraktion des Zellprotoplasmas um den Kern, ein 
Umstand, welcher gegen die epitheliale und für die parasitäre Natur 
dieser Zellen 'von Wickham vorgebracht wurde. In Fig. 28 sehen 
wir eine eingeschlossene Zelle, bei welcher sich das Protoplasma um 
! eine central gelagerte Mitose retrahiert hat. Es kann also hier kein 
! Zweifel darüber herrschen, dafs wir es mit einer Epithelzelle zu thun 
I haben, deren geblähtes, gedunsenes Protoplasma sich infolge der Wirkung 
I der Härtungsflüssigkeit retrahiert hat. Bei schonenden Fixationsprozeduren 
I geschieht aber diese Schrumpfung blofs ausnahmsweise. 
I Ich habe es unterlassen, in diesem Artikel die Litteratur der Frage 
i Ton den Bjrebsparasiten zu besprechen. Ich verweise diesbezüglich auf 
I m Arbeit Str0£bes „Neuere Arbeiten über Histogenese und Ätiologie 
I des Carcinoms." Genträlblatt f. aUg. Path. u. paih. Anat 1891. No. 10 
1 11. 11 und meinen in diesen Blättern erschienenen Artikel „Die neueren 
1 Arbeiten über Psorospermien der Haut, III. Carcinom und Pagets 
! disease." 



'° Ich habe einige ähnliche Fälle noch zur Zeit untersucht, als ich Assistent am 
Inatitute des Herrn Dr. Unna in Hamburg war. 



224 



Erklärung der Abbildungen. 

Fig, 1. Kerne aus Zellen bei PAOETscher Krankheit. Sublimatalkohol. Häznm- 
toxylin- Eosin. Reichert Immers. Vjs. Okular 2. a, 6, c, d\ vakuoläre 
Degeneration der Kerne, e^ e': Nucleolus rötlich gefärbt, Kemchromatin blau. 

Fig. 2» Carcinoma medulläre maramae. Eingeschachtelte, absterbende Zelle mit 
zerfallenem Kerne. Der Kern der einen umschliefsenden Zelle hell, ihr 
Nucleolus kaum färbbar. (Karmin). Bbichert Immers. V«o. Okular 2. 

Fig, 3. Carcinoma epitheliale mammae. Metastase in einer Lymphdrüse. I^LEimiKG- 
sehe Lösung. Safranin. Reichert Vis. Okular 3. Ausgez. Tubus. Aus der 
Nachbarschaft einer Riesenmitose. Degenerierte Riesenmitose. 

Fig. 4. Carcinoma epitheliale mammae. Flemmino. Safranin. Reichert Immer». 
Vi5. Okular 3. Chromatinbälkchen in einer helleren Partie des Kerns. 

Fig. 5. Carcinoma medulläre mammae. Flemming. Safranin. Reichert V>o. Okular 3. 
Nukleare Degeneration (Arnold) — morphologische Dekonstitution (PriTZ 
ner) — des Kerns. In k die Kernmem^rau noch vorhanden. 

Fig. 6. Carcinoma epitheliale pharjngis. Flemming. Safranin. Reichert Vis- Ok. 3. 
Ausgez. Tubus. Dieselbe. Bei a schimmert das Kerngerüst noch durcli; 
h: Kern diffus gefärbt, Protoplasma in Verfettung begriffen. 

Fig. 7. Cystoma papilläre metastaticum umbilici post cystoma papilläre ovarii. 
Nukleare Degeneration (Arnold). Safranin. Reichert Vw- Okular 2. 

Fig. 8. Carcinoma epitheliale labii inferioris. Flemming Safran in. Reichert Vi». 
Okular 3. Ausgez. Tubus. Dieselbe. 

Fig. 9. Carcinoma epitheliale tonsillae. Flemming. Safranin. Reichert Vi»- Ok. 3. 
Dieselbe. In c die Kernmembrau noch vorhandoD. 

Fig. 10. Carcinoma gelatiniforme cystidis felleae. Alaunkarmin. Reichert Vi«^ 
Okular 2. Dieselbe. In den Chromatin kugeln treten helle farblose Flecken 
auf, welche die chromatische Substanz substituieren. In c unten scheint 
eine Chromatinkugel geplatzt zu sein. 

Fig. 11. Endothelkrebs vom Peritoneum. Safranin. Reichert V«o. Okular 2. 
Nukleare Degeneration (Arnold). Kernmembran noch vorhanden. 

Fig. 12. pAGETsche Krankheit der Brustdrüse. Sublimatalkohol. Hämatoxylin-Eosin. 
a, &, c, d, e, f. Reichert Vi». Okular 3. Ausgez. Tubus; g-. Objekt 8, Okular 2. 
a, h: vakuoläre Degeneration des Kerns; c: Wanderzelle mit aufgehelltem 
Protoplasma und fragmentiertem Kern in einer Krebszelle; d: Wanderzelle 
in einer Vakuole der Krebszelle; c; Wanderzelle frei im ZellenprotoplasmA ; 
/: vierkernige Epithelzelle. Verschiedene Intensität der.Färbung der Kerne; 
g\ Riesenmitose in einer „hellen" Zelle. 

Fig. 13. Carcinoma epitheliale labii superioris. Sublimatalkohol. Hämatoxylin-Eosin. 
Reichert Vi»- Okular 3. Vakuole in einer Rieseuzelle. 

Fig. 14t. Dasselbe. DEMARBAixsche Flüssigkeit. Safranin. Reichert V**- Okular 3 
Kernvakuole nebst Vakuole im Protoplasma. 

Fig. 15. Pagets disease. Alcohol absolutus. Reichert Vi». Okular 3. Hämatoxylin. 
Vakuole mit Protoplasmaflöckchen. 

Fig. 16. Pagets disease. Alcohol absolutus. Alaunkarmin. Reichert Vi». Okular 3 
a: Wanderzelle in einer Vakuole; b: „helle" Zelle mit Mitose in einer Aus- 
höhlung einer grofskernigen Krebszelle. 



225 

Fig. 17, Carcinoma labii sup. Flbmmino. Safranin. a: Vakuole, zwei rote Blutzellen 
enthaltend, deren Band gefärbt ist; hi Vakuole mit roten Blutzellen, von 
denen eine zwei rote Flecken enthält. 

fig. 18. Ulcus rodens faciei. Flbmmikg. Safranin. Rbichbet 7»« Okular d. Vakuole, 
welche eine weifse Blutzelle enthält, deren Kern in nuklearer Degeneration 
begriffen ist. 

Fig. 19. Carcinoma epitheliale labii superioris. Safranin. Beichbbt Vis* Okular 3. 
Biesenzelle mit Vakuole, welche drei Kerne der elfteren umschliefst. 

Fig. 20, Carcinoma epitheliale labii sup. Dbmibbaix. Safranin. Beichbbt V^*- 
Okular 3. Ausgez. Tubus. Hydropische Krebszelle und Kern. 

Fig. 21. Carcinoma epitheliale pharyngis. Flemhing. Fuchsin. Beichebt Vi». Okular S. 
Krebszelle mit Biesenmitose eine kleinere Zelle umgreifend. 

Fig. 22. Dasselbe. Safranin. Eingeschachtelte Zellgruppe. 

2^. 23. Dasselbe, a: Zelle mit glänzendem Protoplasma und degenerierendem Kern. 
h'. ebensolche Zelle, eine weilse Blutzelle mit aufgehelltem Protoplasma ent- 
haltend; V '. fragmentierter Kern einer weifsen Blutzelle aus einem benach- 
barten Gefafse. 

Fig. 24. Carcinoma epitheliale labii sup. Flbmming. Safiranin. a: Hyaliner Klumpen 
zwischen Krebszellen. Es fanden sich durchschnittlich 1—2 solcher Klumpen 
in einem Präparate. Dieselben lagen nie zwischen den jungen, proliferierenden 
Zellen, häufiger zwischen Zellen, welche sich zu Globes dpidermiques an- 
einander ordneten. Ihre Gestalt war oft unregelmäfsig; b: Krebszelle mit 
Mitose am Beginne hyaliner Umwandlung. 

Fig. 25. Carcinoma epitheliale labii superioris. Safranin. Versintemde Zellen, deren 
Kerne in chemischer Dekonstitution (Pfftznbb) begriffen sind. Nukleolen 
vergrölsert. 

Fig. 26. PAOBTsche Krankheit. Sublimatalkohol. Hämatoxylin. Beichbbt Vis- 
Okular 3. Ausgez. Tubus. Zellen mit chromatinreichen Kernen; eine mit 
Biesenkem. 

Fig. 27. Dieselbe. Alcohol absolutus. Hämatoxylin. Kolliquierende Epithelzellen. 

Fig. 28. Dieselbe. Sublimatalkohol. Hämatoxylin - Eosin. Beiohbbt 8. Okular 8. 
Eingeschachtelte „helle** Zelle mit Mitose und geschrumpftem Protoplasma. 

Die Zeichnungen wurden zum gröfsten Teile mittelst des ABB^schen Zeichen- 
spparates entworfen. 



Monatshefte. XVI. 17 



226 



Jtitteilunsen ans Itt £ttteratnt. 

Anatomie und Physiologie der Haut» 

Über Fettkörper und Hautresorption, von Aübert (Lyon). II. InternatioDaler, 
dermatologischer Kongrefs in Wieo. A. unterscheidet zwei Arten des EindriDgeoi 
von Fetten in die Haut: durch langsame Imbibition und durch Reibung; in enterem 
Falle müssen die Fettkörper flüssig, im zweiten zähe sein. Die langsame Imliibition 
erfordert 2—5 Stunden; Axungia; Ochsenmark, Glycerin, Talg dringen rascher m 
als Vaselin und Wachs; Lanolin dringt am langsamsten ein. Verschiedene Ole 
gaben dasselbe Resultat wie Axungia, Oleum ricini drang rascher ein als Oleum 
amygdal. dulcium, gekochtes Oleum lini. rascher als rohes (je ein Versuch I). ~ 
Bei der Einreibung wird umgekehrt Lanolin rascher resorbiert, da infolge der 
zähen Beschaffenheit desselben kleine Einrisse in der Haut entstehen , durch die ei 
eindringt. Die Zähigkeit scheint durch das Cholesterin bedingt, doch CholesteriB 
und Ricinusöl geben einen ähnlichen Fettkörper. Lanolinähnliche Substanzen etblH 
man auch durch Eindickung mancher Fette und Syrupe, durch Mischen toi 
Ricinusöl und Honig, Syrup und Honig. -^ Das leichtere Eindringen von Lanolin 
wird noch erklärt durch die „Mischbarkeit*' desselben. Die Zähigkeit wird darck 
Vio — V» Vaselin oder Axungia vermindert resp. aufgehoben. 

Jessner-Königsberg i. iV. 

Über das BeBorptionsvermögen der menschliclien Haut, von Leov Korrr. 
(Gazeta lekaraka. Deutsch. Med.- Ztg. 18!^2. No. 4.) Verfasser giebt folgende BesolUte 
einer Reihe von Untersuchungen: 

1. In Dampf verwandelte feste Körper durchdringen mit Leichtigkeit die ds* 
verletzte Haut und gelangen in den Organismus, so dafs sie nachher im Harn nach- 
weisbar sind. 

2. In Wasser aufgelöste Salze gehen aus Bädern durch die unverletzte Haut ii 
den Organismus über und können in den Sekreten auf chemischem Wege nach- 
gewiesen werden. 

3. Die Quantität der aus Bädern in den Organismus eindringenden gelösten Sali* 
ist im Verhältnis zum Gehalt der Lösungen eine sehr unbedeutende; sie steht jedoch 
im direkten Verhältnis zur Konzentration derselben. 

4. Die Haut besitzt, wie es scheint, nicht für alle Salze dasselbe Resorptiom- 
vermögen. Es giebt Salze, welche aus Wasserlösungen leichter, andere, welche 
schwerer durch die intakte Haut in den Organismus gelangen; es mag auch welche 
geben, die nicht resorbiert werden. 

5. Diejenige Quantität der Salze, welche aus wässerigen Lösungen in den mensch- 
lichen Körper eindringt, gelangt schnell ins Blut und durch dieses in die Sekiete, 
durch die es denselben verläfst. Es folgt daraus , dafs die Durchlässigkeit der Haut 
für bestimmte in Wasser gelöste Körper nicht entspricht der Fähigkeit der Epidermii 
für die Aufnahme und Zurückhaltung derselben Körper, da diese bekanntlich eine 
viel gröfsere ist. 

6. Die natürliche Fettschicht, welche physiologisch die Haut bedeckt, beeia* 
trächtigt die Resorptionsfäbigkeit dieser letzteren für gelöste Salze in einem verhält* 
nismäfsig nur geringen Grade, jedenfalls viel weniger als manche Autoren, besonder! 
Parissot, annahmen. 



227 

7. In Alkohol gelöste Salze dringen leichter ein als in Wasser gelöste; die 
Ursache scheint darin zu liegen, dafs Alkohol eine Hyperämie der Haut bewirkt. 

8. Trotzdem alkoholische Lösungen lejchter in den Organismus eindringen, ist 
doch die aus denselben resorbierte Menge sehr gering im Verhältnis zur Konzen- 
tration. 

9. Auch aus alkoholischen Lösungen werden nicht alle Salze gleich leicht 
aufgenommen. 

10. Salze in Form von Salben gelangen durch die Haut in den Organismus. 

11. Die Menge der auf diesem Wege aufgenommenen Salze scheint eine sehr 
geiinj^e zu sein, ist aber doch grofs im Vergleich mit der Resorption aus den pro- 
centualisch gehaltreicheren wässerigen oder alkoholischen Lösungen. 

12. Auch aas Salben werden nicht alle Salze gleich aufgenommen. 

Die negativen Resultate anderer Autoren erklärt der Verfasser durch die 
Schwierigkeit des Nachweises der Substanzen im Harn. Für die praktische Medizin 
hat die Eesorptionsfahigkeit keine grofse Bedeutung. Jessner-Königsberg i. Pr. 

Über das BesorptionsTermögezi der mensclüiclien Haut, von du Mksnil. 
[Bwtsch. Arch. f. kUn. Med. Bd. 50.) ' Nachdem schon bekannt war, dafs einzelne 
Stoffe, z. B. die Salicylsäure, von der intakten menschlichen Haut resorbiert werden^ 
hat Du Mesnil das Besorptionsvermögen der Haut einer eingehenden, einwandfreien 
Prafdng unterzogen; bisher behauptete man, derartige Stoffe setzten bei längerer 
Einwirkung Läsionen, durch die dann die Besorption stattfönde. du Meskil hat nun 
gefnnden, dafs die intakte menschliche Haut für Wasser und in ihm gelöste indiffe- 
rente Stoffe auch bei langdauemder Einwirkung nicht durchgängig ist; die sogenannten 
keratolytischen Substanzen (Salicylsäure, Karbolsäure, Salol) werden in l%iger Lösung 
▼on der intakten Haut schon nach kurzer Zeit resorbiert; diese Besorption beruht 
nicht auf einer Kontinuitätstrennung der Haut, sondern auf einer specifischen Ein- 
wirkung der Medikamente auf die Hornschicht, durch welche dieselbe nur für diese- 
Stoffe durchgängig gemacht wird. F. Hahn-Bremen, 

Über die fireien Nervenendigungen in der Epidermis, von A. von Gehuchtek. 
(Verhandlungen der Anat. Ges. Wien. 1892.) Als Untersuchungsobjekt diente die 
Haot von Schnauze, Ohrmuschel, Schwanz und Pfoten der weilsen Maus und Batte, 
gefärbt nach der GoLOischen Schnellmethode (Beduktion mit Chromsiiber), die dem 
Verfasser gegenüber der Goldchloridmethode einwurfsfreier zu sein schien. 

Verfasser fand, dafs die aus der Tiefe aufsteigenden Nervenfasern im Subkutan- 
gewebe durch weitgehende Verästelung einen eigentlichen Plexus bilden, kein „Netz*' 
(reseau), da die ineinander sich verwickelnden Fasern nie Anastomosen bilden. Von 
dort steigen zahlreiche feinste Nervenfasern, die sich wieder theilen, in dichten 
Büscheln in die Stachelschicht, um dort, sich teils umbiegend, teils horizontal verlaufend, 
mit kleinen Knopfchen zu endigen. Vermittelst der Goldchloridmethode (die GoLOische 
Methode gab keine sichere Antwort) wies Verfasser eine intercelluläre Endigung 
der Nervenfasern nach. (Trotzdem Verfasser die Goldchloridmethode nicht für ein- 
vandsfrei hält, stutzt er sich bei diesem Nachweis nur auf diese Methode, ohne z. B. 
mit der von Unna empfohlenen Osmiumbehandlung nach vorhergehender Entfettung 
des Schnittes Versuche gemacht zu haben). In seinen Besultaten steht Verfasser im 
öegensatz zu Unna und Pfitzker, welche die Nerven in der Stachelschicht intercellulär 
mit paarigen Knöpfchen endigen lassen. Der Bef.) 

We Versorgung der Haare mit Nerven erfolgt durch Abspaltung eines Astes von 
^en gegen die Epidermis sich wendenden Nervenfasern. Etwas unterhalb der Talg- 
^^^nmündung teilt sich derselbe in zwei Zweige, die, das Haar umgebend, einen 



228 

mehr oder weniger vollständigen Bing bilden. Davon gehen zahlreiche unter sich 
parallel verlaufende Fasern nach der Oberfläche, wo sie frei endigen. 

Heupi'Zurich, 
Über 600 neue Fälle von Hyperthelie bei Männern, von E. v. Babdkleuv 
(Verhandl. d. Anat. Ges. Wien 1892.) Zu der ent wickelungsgeschichtlich vaüa- 
ordentlich interessanten Frage über das Vorkommen überzähliger Brustwarzen briiig;t 
B. einen neuen wertvollen Beitrag als weiteren Beweis, in wie bisher ungeahnter 
Häufigkeit diese Anomalie mancherorts vorkommt. — Die auf seine Anregung u- 
läfslich der Bekrutenmusterung in der hessischen Bheinpfalz unternommenen MeCh 
Untersuchungen ergaben: Auf eine Gesamtzahl von 2736 Gemusterten (im 21. Lebeni- 
jähre stehenden) kamen 637 Individuen mit überzähligen Brustwarzen, wovon 219 
rechts, 248 links, 170 beiderseitig. Jeder vierte Mann in jener Gegend hätte demnsdi 
eine überzählige Brustwarze! Heuß-Zürich. 



AllgemeiDe Pathologie und Therapie. 

Über Eingangspforten für Infektionskrankheiten, besonders der Haut bein 
Kinde, von B. Philippe. (Ärch, clmiques de Bordeaux, ref. AÜg. med. Centr.-Ztg. 
1892. No. 76.) Verfasser beobachtete an dem schönen, gesunden Krankenhaus zu 
Bordeaux 50% Sterblichkeit der Neugeborenen ; dies liegt nach seiner Meinung vor 
allem in der grofsen Ansteckungsgefahr für Neugeborene, weil die Infektionstriger 
viele Eingangspforten finden, vor allem die Nabelwunde, femer Hautdefekte, z. B. u 
den Malleolen infolge mangelhafter Pflege, endlich : Erythem (? Bef ), Impetigo, Impf- 
stellen, Yesikatore eto. F. Hahn-Bremen. 

Über die Verwertung der Hanttemperatnrdifferenzen zu topographlBch- 
diagnostischen Zwecken, von Honigmank. (Medizinische Gesellschaft zu Gielseo, 
mitgeteilt Deutsch, med. Wochenschr. 1892. No. 29.) Benczür und Jonas fanden die 
Hauttemperatur im allgemeinen über lufthaltigen Stellen höher als über luftleeren. 
Honigmank konnte bei seinen Versuchen dies für die obere Herzgrenze bestätigen, 
nicht aber für die rechte, für die Lungenleber- und Lnngenmilzgrenze ; hier war das 
Verhalten wechselnd. Nach Firnissung der Haut, wodurch die WasserverdunstoDg 
und die dadurch bedingte Wärmestrahlung aufgehoben wurde, waren die Differenieo 
erheblicher. Vortragender schliefst daraus, dafs hauptsächlich die Wärme des anter 
der Haut liegenden Organs in Betracht kommt. Vor allem spielt aber die Wanne 
des arbeitenden Muskels eine Bolle; je dicker die Muskelschicht, desto höher die 
Temperatur ; bei einem Knaben mit Dystrophia muscularis waren die Differenzen sehr 
gering. F. Hahn-Bremen. 

Über die Beeinflussnng der Blut- nnd Semmdichte durck Verändenmgen 
der Haut und durch externe Medikationen, von H. Schlesinger. (Virchovf 
Archiv. Bd. 130. Heft 1.) Sind durch die jüngsten, sehr vereinfachten Methoden nr 
Bestimmung des spezifischen Gewichtes kleinster Flüssigkeitsmengen in letzter Zeit 
eine Beihe wertvoller Beobachtungen über Blut- und Serumdichte des Menschen bei 
verschiedenen phyi>iologisch und pathologischen Zuständen ermöglicht worden, so 
fehlten diese bei krankhaften Veränderungen der Haut vollständig. — An der Hand der 
Methode von Hammkrschlag, worüber näheres im Original nachzulesen, kommt Verfasser 
in seiner auf der Klinik von Kaposi ausgeführten Arbeit zu folgenden interessanten 
Besultaten^ die wir ihrer Wichtigkeit wegen ausführlicher geben müssen : 

I. Blut- und Serumdichte bei Hautkrankheiten. Von Pemphigus 
kamen 11 Fälle zur Untersuchung. Das spezifische Gewicht des Blutes war auf 



229 

I 

fallenderweise gegen die Norm etvras erhöht, das Blut al^o eingedickt, vas besonders 
deutlich bei einigen, gleich nach reichlicher Blaseneruption stattgefundenen Unter- 
SDchungen konstatiert werden konnte. Bestimmung der Blutserum dichte ergab jedoch 
keine Veränderung gegen die Norm ; das erhöhte spezifische Gewicht des Gesamtblutes 
war also auf relative Zunahme der roten Blutkörperchen, resp. eine Abnahme des 
Blntserams zurückzuführen. — An sämtlichen untersuchten 15 Fällen von tödlicher 
Verbrennung wurde das Blut eingedickt gefunden; die Eindickung schwand schon 
im Laufe des zweiten Tages (nach 36 Stunden). Die Eindickung (spezifisches Gewicht 
des Blutes 1,065 — 1,073 statt 1,054 — 1,060) war ebenfalls durch Serumverlust verursacht, 
da das spezifische Gewicht des Serums sich nicht verändert hatte (bei blofsem Wasser- 
verlast müfste das spezifische Gewicht des Serums erhöht sein). — Von Ekzemen 
(nur allgemeine, stark nässende) hatten akute Ekzemausbruche ein leichtes Ansteigen 
des spezifischen Blutgewichtes zur Folge; bei längerer Dauer des Ekzems wurde (in 
2 Fällen), infolge des fortwährenden Ei w ei Xs Verlustes ein Sinken des spezifischen 
Gewichtes auf 1,0275 beobachtet. — Andere Hauterkrankungen (Liehen ruber, Ery- 
thema multiforme etc., ausgenommen Lues, s. u.) ergaben keine Veränderungen der 
filutdichte. 

II. Beziehungen der Serumdichte zu den an die Hautoberfläcbe 
exsudierten Flüssigkeiten. In Übereinstimmung mit Ruveberg fand Verfasser, 
dafs allerdings bei Hautaffektionen der Blaseninhait zumeist eine 'geringere Dichte besitzt, 
als das Blutserum, aus dem es stammt (z. B. Brandblasen), dafs aber bei einzelnen 
Prozessen das 8X)ezifische Gewicht des Serums erreicht (Erysipel, Vaccineblaschen) oder 
sogar überschritten (Herpes zoster) werden kann. Im Vergleich zu den Exsudaten 
anderer entzündlicher Prozesse (Pleuritis, Peritonitis etc.) sind die Exsudationsprodukte 
bei Hautkrankheiten sehr eiweifsreich. Intensität des Reizes, resp. der Entzündung 
und flöhe des Blutdrucks scheinen daher zum spezifischen Gewicht des Blaseninhalts 
in einem direkten Verhältnis zu stehen, und da nach Untersuchungen Rukbbbrgs, 
Kkubs' bei Transsudaten und Exsudaten der Eiweilsgehalt, nicht deren Salzgehalt wechselt, 
anoh direkt zum Eiweifsgehalt. Aus den an einigen Pemphigusfallen gemachten 
Beobachtungen glaubt Verfasser die weitere allgemeine Schlufsfolgerung ziehen zu dürfen, 
dais „bei reichlicher Blasenbildung das spezifische Gewicht des Blaseninhaltes niedriger, 
bei spärlicher höher sei^. Weiter konnte Verfasser mit Steigerung des spezifischen Gewichtes 
eine damit parallel einhergehende Besserung des Leidens konstatieren. — Auffallender- 
weise war trotz oft monatelanger Exsudationsprozesse der Haut keine oder eine ganz 
unwesentliche Verminderung des Eiweifsgehaltes des Blutes (Hydrämie) zu beobachten. 

III. Beeinflussung der Blut- und Serumdichte durch externe Me- 
dikation. Das nach anscheinend ein wandsfreien Eautelen erhaltene wichtigste 
Ergfebnis ist: „Eine Eindickung des Blutes, die sich klinisch durch eine relative Ver- 
mehrung der Blutkörperchenzahl bei annähernd gleich bleibender Serumdichte mani- 
festiert und bei der allem Anscheine nach der Wassergehalt der Gewebe nicht wesentlich 
abnimmt, kann ohne wesentliche Allgemeinstörung des Organismus sich vollziehen.^* 
(Damit wäre die von Tapfeiner aufgestellte Lehre des Verbrennungstodes infolge 
Eindickung des Blutes vollends unhaltbar geworden.) Aus den nach einer Reihe von 
Sablimatinjektionen (0,05 pro dosi) gemachten, sich stets gleich bleibenden Befunden 
folgerte Verfasser das Gesetz, dafs nach jeder Sublimatinjektion stets eine primäre 
Eindickung und konsekutive Verdünnung des Blutes (unter die Norm) erfolge, herbei- 
geführt durch relative Zu- und Abnahme der roten Blutkörperchen. Nach Injektion 
von Ol. einer, hingegen, nach Schmierkuren fand Verfasber (ziemlich übereinstimmend 
mit BiEGANSKi) keine wesentliche Änderung der Blutdichte und der Zahl der roten 
Blutkörperchen. Naphtol und Chrysarobin (nicht konstant) wirkten ähnlich wie Sublimat, 



230 

bei Pyrogallol war kein gesetzmäfsiger Zusammenhang zu konstatieren; nach Teer 
trat meist rasches Sinken des spezifischen Gewichtes ein. Heufs- Zürich. 

Hantveränderungen unter Lichtwlrkiing, von S. Jessker. {Deutsche Mti.- 
Zeitung. 1892. No. 82.) Man führt eine Reihe von Aifektionen der Haut, die besonden 
beim Aufenthalt im Freien auftreten, auf die drei Faktoren: Luft, Wärme und Liebt 
zurück; der Einfluls von Luft und Wärme wurde überschätzt, während der desLicbta 
nicht genügend gewürdigt wurde. Erst neuere Beobachtungen, vne die von Vehl, 
Unna, Wolters, Hutchinson etc., haben diesen Einflufs sichergestellt; diese AffektioDCB 
wurden vielfach als Erjthema solare, auch caloricum, bezeichnet, und doch sind die 
Wärmestrahlen ganz unschuldig daran, während die chemischen als pathogen für des 
Prozefs anzusehen sind. Chininlösungen, welche die chemischen Strahlen in solche 
von gröfserer Wellenlänge, in blaue, verwandeln, machen die Lichtstrahlen unschädlich; 
Veiel und UNNA fanden Ourcuma und chromsaures Kalium von ähnlicher Wirkung. 
Hammer machte Eontrollversuche mit Rubinglas, das nur Wärmestrahlen durchlüst, 
und fand so unterschiede zwischen Wärme- und Lichtröte. Die Pigmentiernngeii 
nach Sonnenbrand Bind ebenfalls als Lichtwirkung aufzufassen, obgleich wir über den 
Vorgang der Pigmentbildung nichts wissen. Jedenfalls kommt dem Lichte ein groCwr 
fördernder Einflufs auf den Stofifwechsel zu, daher ist neben Luft, Wärme, Beweg[QBg 
eine berechtigte hygienische Forderung: mehr Licht! F. Hahn-Bremen, 

Einige Erfahrungen ttber Solveol als Antisepticam, von Hiller. {Beutsdn 
med. Wochenschr. 1892. No. 37.) Solveol ist neutrale wässerige EreaoliÖBaog, mitteilt 
salicylsauren Natrons hergestellt, von der chemischen Fabrik von F. v. Heyden. Eine 
solche, 0,5 Vo Kresol enthaltende Lösung tötet in 5 Minuten alle zur UnterBackong 
herangezogenen Bakterien, ätzt nicht und ist nicht so giftig, wie Karbolsäure; 37oca 
Solveol auf 1 Ltr. Brunnenwasser giebt eine 1 V^ige Kresollösung, die den Desinfektioni* 
wert einer 5Voigen Karbolsäurelösnng hat. Die Vi % ige Kresollösung ist Bchwaek 
gelblich opalescierend, mischt sich mit allen Körperflässigkeiten, reizt normale Htot 
nicht und brennt nur auf entzündeten Schleimhäuten; auf frischen Wunden brennt 
sie etwas, auf granulierenden gar nicht. Die antiseptische Wirkung ist sehr gut and 
hat den Verfasser nie im Stich gelassen. F. Hahn-Bremen. 

Die therapentische Verwendung des Hydrargyrum sozojodolicum, von 

WiTTHAüEB. (Münch, med. Woekenschr, 1892. No. 34.) Verfasser empfiehlt neben 
den übrigen Sozojodolsalzen vor allem das Hydrargyrum sozojodolicum nach seinen 
Erfahrungen zur Nachprüfung. 

Fufs- und Unterschenkelgeschwüre, mochten sie noch so schwierig, die Haat nm 
dieselben noch so ekzematös sein, eine 17oige Salbe, auf Leinenstreifen gestrichen, 
die dachziegelförmig aufgelegt und anfangs täglich gewechselt werden, macht in 
einigen Tagen die Granulationen frisch und bringt das Geschwür bald zur Heilasg; 
auch l%iges Streupulver (mit Talcum) leistet gute Dienste. Bei Hautaffektionen nnd 
granulierenden Wunden, besonders bei Ekzemen, wirkt vorzüglich ein lOJKiges Streu* 
pulver, auch mit Zincum sozojodolicum. Eine skrophulöse Erkrankung der KopfhBat(?} 
pustulöser Ausschlag und 7 cm grofse kreisrunde, dem Kerion Celsi ähnliche 
Affektion) heilte auffallend rasch unter Hydragyrum sozojodolicum-Salbe. Bei tuberkulösen 
Wunden, besonders bei Fisteln, bediente sich Verfasser einer 1 % igen Emulsion, analog 
der Jodoformemulsion, mit gutem Erfolge. Die Patienten muisten zur Vordcbt den 
Mund spülen; die schwammigen Granulationen schwanden, die Fisteln schlössen sich. 
Einige prägnante Krankengeschichten illustrieren die Mitteilung. Jedenfalls fordern 
die Besultate zur Nachprüfung auf. F. Hahn-Bremen, 



231 

DieülcerationenderZunge, YonProf.FoüRifiER. {La France medicale. 12.Dezmb. 
1891. No. 11 und 18.) Verfasser teilt die Ulcerationen der Zange in solche, die auf der 
gesuDden Zunge, und solche, die auf einer in der Zunge entwickelten Geschwulst 
entstehen. Nur die erstere Gruppe behandelt er in diesem Vortrage. Die traumatischen 
Ulcerationen sind besonders nach Epilepsie (wo durch die wiederholten Bisse torpide 
Geschwüre auf dem Zungenrücken entstehen), und Tussis conyulsiva — hier am 
Zangenbändchen — häufig. Die zweite Gruppe stellen aus Herpesbläschen entstandene, 
kleine, oberflächliche, polycyklisch angeordnete Erosionen. Die linsengrofsen, kreis- 
förmigen, graugelben, von einem purpurroten, entzündlichen Hof umgebenen aphthösen 
Geschwüre bilden die dritte Gruppe. Die vierte ist die Hydroa der Zunge, kleine 
txa Bläschen entstandene Erosionen, nur bei gleichzeitiger Hydroa am Körper zu 
diagDOsticieren. Leicht erkennbar sind die Geschwüre bei Leukoplakie, die die fünfte 
Grappe bilden. Praktisch wichtig sind die merkuriellen Geschwüre (sechste Klasse); 
weiisgraue, an den Zungenrändem sitzende Verschwärungen, meistens mit Stomatitis^ 
foetor ex ore etc. kombiniert, zuweilen zur Gangrän führend. 

Siebente Klasse: tuberkulöse Geschwüre, bei auch sonst tuberkulösen Individuen, 
mit unregelmäfsigen, unterminierten Bändern, graugelbem Grund, die bei Zungen- 
bewegangen Schmerzen verursachen. 

Achte Klasse: Syphilitische Ulcerationen. Der Schanker sitzt meistens an dem 
vorderen Drittel des Zungenrückens und stellt meist einen nur auf die Schleimhaut 
teschränkten „chancre erosif^ dar mit harter Basis, rot oder rosa gefärbt, zuweilen 
etwas durchscheinend, mit relativ glatter Oberfläche. Der Schanker wie die ange* 
lebwollenen Drüsen sind meistens schmerzlos. Seltener ist der „chancre ulcereux*'. 
In der sekundären Periode kommen erosive, papulo-erosive, papulo- hypertrophische 
nnd alceiöse Affektionen vor. Die erosiven Formen stellen die linsengrofsen, grau- 
gefärbten Plaques muqueuses dar (an den Bändern der Zunge sind vertikale Striae 
normale Erscheinungen). Solitäre oder multiple und dann konfluierende tief rot 
gefärbte Papeln, mehr oder weniger erhaben, geben die papulo-erosive oder papulo- 
hypertrophische Form. Wenig charakteristisch sind die sklerösen Affektionen bei der 
Bekandären Lues und sind wie alle Znngengesohwüre erst nach Heranziehung aller 
weiteren für die Diagnose wichtigen Symptome zu erkennen. Die traumatischen 
Geschwüre der Zunge infolge von kariösen Zähnen wären einer besonderen Erwähnung 
wert gewesen. Jeasner-Königsberg i. Pr. 

Über Desinfektion am lebenden Organismus, von Behbing. {Deutsch, med, 
Wochcnschr, 1891. No. 52.) Verfasser bezeichnet für die Verhältnisse am lebenden 
Organismus als Desinfektionsmittel alle diejenigen, welche durch direkte Einwirkung 
die lebenden Krankheitserreger oder ihre krankmachenden Stoffwechselprodukte 
«mschädlich machen. Wir haben folgende Möglichkeiten, im lebenden Organismus 
desinfizierend zu wirken: 1. durch die Abtötung der lebenden Krankheitserreger, 
^. dnrch die Wachstumsverhinderung derselben, 3. durch die Aufhebung ihrer infek- 
tiöeen Eigenschaften, welche B. sich dadurch zu stände kommend denkt, dafs den 
(Athogenen Bakterien die Fähigkeit genommen wird, krankmachende Stoffwechsel* 
Paukte zu liefern, 4. durch Zerstörung beziehungsweise das Unschädlichmachen der 
▼on den Krankheitserregern im infizierten Organismus produzierten, krankmachend 
wirkenden Stoffe. 

Die Möglichkeit, die Heilung durch eine solche Beeinflussung der lebenden Zelle 
SQ erreichen, die eine höhere Widerstandsfähigkeit gegen die von den Krankheits- 
erregern erzengten Gifte bedingt, ohne die Vitalität oder die Funktion der Krank- 
heitserreger zu beeinträchtigen, ist ja vorhanden, aber nicht bewiesen. 



232 

Verfasser berichtet nun über Heilyersuche bei Milzbrand and Diphtherie. Injiziert 
man bis spätestens zwei Stunden nach der Infektion von Mäusen mit Milzbrand aa 
derselben Stelle, an der das Milzbrandvirus eingespritzt war, 0,4 einer Misehimg tob 
einem Teil 0,04%iger Sublimatlösung mit drei Teilen einer 10%igen Lösung Yon Natrium 
chloroborosum, dann gelingt es, die Tiere am Leben zu erhalten oder den Tod hinaus- 
zuschieben. Die Hauptrolle spielt dabei das Natrium chloroborosum, jedoch steigert 
die Komposition mehrerer Mittel die Wirkung derselben in einem relativ hohen MitM. 
Verfasser geht sodann auf seine Versuche, ein Tier nach der Infektion durch das Blut 
von andern Tieren, welche die Krankheit früher überstanden, zu heilen, und berichtet 
über seine Erfolge in dieser Richtung bei Diphtherie und Tetanus. Er hofft, dafr 
es ihm gelingen wird, den wirksamen Bestandteil des Heilserums immunisierter Tiere 
rein darzustellen. — Die Wirkung des Blutes immunisierter Tiere ist an das Semn 
gebunden und triöt das Gift der Bakterien, nicht diese selbst. — Für die Frage der 
Giftgewöhnung mufs nach dem Verfasser die zelluläre Theorie der humoralen Plati 
machen, ebenso wie letztere für die bakterienrernichtende Kraft des Blutes Geltun; 
hat. — Für die allgemeine Therapie wird vielleicht ebenso wie nach Listkr für di« 
lokale Wundbehandlung der Grundsatz gelten müssen: „Die heterogenen Schäd- 
lichkeiten und Krankheitsursachen fernzuhalten oder unschädlich in 
machen, die lebende Zelle und das lebende Gewebe aber in Buhe la 
lassen.^ (Ob wirklich alle die wunderbaren Eigenschaften des Blutserums, deren 
Kenntnis wir ja besonders den von so grofsem Erfolg gekrönten Arbeiten des Ver- 
fassers verdanken, sich nur durch humorale Theorien erklären lassen? Ist die Zell- 
thätigkeit dabei unbeteiligt? Können die immunisierenden Substanzen sich ganz ohne 
Mitwirkung der Zelle entwickeln? Man wird diese Fragen noch sehr ernst profea 
müssen, bevor wir Grundsätze aufstellen, die uns von der festen Basis der Zellular 
pathologie entfernen und einer Wiederauferstehung der Humoralpathologie die Wege 
ebnen. Der Beferent.) Jessner Königsberg i. iV. 

Über die Ätiologie der akuten Eiterungen (experimentelle und klmiedi- 
bakteriologische Untersuchungen aus der Klinik von Professor M. S. SsuBorm), vob 
Sghtsghbgolew. (Chirurg. Westnik, Mai- Juli. 1892. CeniraJbl f, Chirurg. 1892. ü) 

Verfasser suchte festzustellen: 1. ob durch chemische Agentien Eiterung eneogt 
werden kann; 2. ob die bakterielle Eiterung von Stoffwechsel- oder von Zeiitll»- 
Produkten der Bakterien herrührt; 3. ob eine nicht bakterielle Eiterung eTentaeU 
auch allgemeine Leukocytose hervorruft oder nicht. — Verfasser erhielt bakterien- 
freie Eiterung durch Terpentin, metallisches Quecksilber und, im Gegensatz zu des 
meisten früheren Experimentatoren, durch Krotonöl; Höllensteinlösung (6%) erzeugte 
hämorrhagisch- eitriges Exsudat; Tinctura cantharidum, 2% Sublimatlösungen und 10( 
Chlorzinklösung riefen keine Eiterung, letztere aber Hautneurose hervor. — Bei des 
Versuchen mit Bakterienkulturen erhielt Verfasser Eiterung erst durch grolse MengeD 
lebender oder sterilisierter Kulturen. 10 ccm des Filtrats von sterilisierten Koltoreii 
bewirkten Schwellung, aber keine Eiterangen, dagegen trat diese schon ein nach 
3 ccm des sterilisierten, die abgestorbenen Zellen enthaltenden Bückstandes. Es Bsä 
also die Zerfallsprodukte der Bakterien mehr an der Eitererzeugung beteiligt, al» 
ihre Sto£Fwechselprodukte. 

Bakterielle und nichtbakterielie Eiterungen sind von einer Leukocytose begleitet» 
und zwar wird diese wieder mehr bewirkt durch den Filterrückstand. 

In akuten Abscessen fand Verfasser in 27,2% nur Staphylokokken, in 2S,6} no^ 
Streptokokken, in 9,1% ein Gemisch beider. 

Jes9ner'Kmig^>erg i Pr» 



233 

Die fiesorption von Jodkalinm dnrcli den Mastdann und die Ansschei- 
dnng des ersteren, von Calemtoni. (La riform, med, 20. April. 1892.) Versuche an 
Menschen nnd Tieren lehrten: 

1. Die Resorption des Jodkaliums rom Mastdarm aus erfolgt ebensoschnell wie 
▼om Magen aus. 

2. Durch höhere Temperatur der Flüssigkeit (ßS — 37® G.) beschleunigt man die 
Besorption. 

3. Die Ausscheidung erfolgt ebensoschnell wie bei anderen Methoden. Schwache 
Losungen werden innerhalb 24 — 30 Stunden , konzentrierte in 38 — 40 Stunden aus- 
geschieden. Jessner Königsberg i. Pr. 

Das Anwendungsgebiet des Dermatols. von R. Heinz. {Berl Jdin, Wochenachr. 
No.47.) Verfasser stellt alles bis jetzt Veröffentlichte unter Dermatol zusammen und 
empfiehlt es in der Dermatologie: 

1. bei frischen oberflächlichen Entzündungen der Haut: Eczema acutum, Intertrigo 
ini, Intertrigo mammae, Intertrigo der kleinen Kinder etc., 

2. als Überhäutungsmittel bei Fissuren, 

3. bei Verbrennungen, 

4. bei Dysidrosis der Hände, wie der Füfse; (Dermatolstreupulver (Dermatot 
20,0, Amylum 10,0, Tale, venet 70,0) übertrifit alle anderen gegen Fufsschweifs au- 
fwendeten Mittel); 

5. bei Balanitis, 

6. bei Phimosenoperation, 

7. bei Ulcus molle (ausgenommen die gangränösen Formen) und Bubonon, 

8. bei Fufs- und Unterschenkelgeschwüren (torpider Art). 

L. Hoffmann-Berlin. 
Über Dermatolbebandlnng, von Werthbr. (Deutsch, med. Woch, 1892. No. 25.) 
Wunden sind dick mit Dermatol zu bestreuen; auch bei Fufsgeschwüren wirkt ea 
▼orziiglich. F. Halm-Bremen. 

Ober die Behandlung mit Dermatol in dem Anna-Kinderspital zu Gras 
berichtet £. Doebkberoeb: Das Dermatol ist bei nässendem, impetiginösesem Ekzem 
und als austrocknendes Mittel von grofsem Werte; es wirkt auch granulationsbe- 
lorderud. Wegen seiner Ungiftigkeit ist es dem Jodoform vorzuziehen. (Deutsche 
MedizinalrZtg. 1892, No. 21.) Jessner- Königsberg u Pr. 

Eine jeder Behandlung widerstehende Seborrhoe, papulöse Ekzeme, Ec- 
cema crustaceum, Ekzem an den Genitalien heilte B. Lobwengard mit 2% 
Kreolinlösung, zweistündlich mit dem Wattepinsel appliziert. (Pest. med. chir. Pr, 
1891, 51). Jessner- Kövugsberg t. Pr. 

Über einige nach der Anwendung von Pariser Pflaster auftretende Haut- 
eneheinungen, von George T. Elliot. (The New York Medical-Joumal, 11. April 1891.) 
Die Pariser Pflaster, Eanthariden und Kopaivbalsam enthaltend und als Derivans ge- 
braucht, bewirkten 18 mal Ekzeme, ^zweimal mit Favus, einmal mit Herpes tonsurans 
kombiniert. — Die Entstehung denkt sich E. so, dals Bakterien unter dem Pflaster 
gut gedeihen und in die Tiefe der Haut eindringen, sei es, dafs sie mit dem Pflaster 
auf die Haut gelangt oder vorher auf ihr gewesen sind. 

Jessner- Königsberg i. Pr. 

Elektrolytische Operationen in der ärztlichen Praxis, von E. Clasek. 
{Beutsehe Mediz.-Ztg. 1S92, No. 63.) Nach einer kurzen Wiedergabe der theoretischen 
Gnmdlagen giebt C. eine eingehende Darstellung der Methoden und Indikationen für 



234 

•die Anwendung der Elektrolyse in der Dermatologie. Zur Hypertrichosit 
«mpfiehlt er die Eeibahlen dünnster Sorte, wie sie jeder Uhrmacher braucht, ah 
Halter die Serres fines, deren Klauen abgebogen oder abgekniffen werden mfisseo. 
Dafs an diesen Serres fines keine Stromunterbrechung möglich ist, darauf legi Ver 
fasser nicht viel Wert. Die Leichtigkeit ihrer Handhabung ermöglicht, mittelst der 
Methode bis 80 Haare in einer Stunde zu entfernen. Der Strom muls 5 — 6 M. A, 
zeigen, nach Einschaltung des Körpers hat man dann einen Strom von ca. 1 — 2 M. A^ 
der vollkommen genügt. Die Sitzungen können zwei- bis dreimal wöchenttidi 
wiederholt werden. Eine gute Epilationspincette liefert Instrumentenmacher Bolte- 
Hamburg (Eödingsmarkt). Für jedes Haar braucht man etwa V« Minute, biv es gelött 
ist. Der Wasserstoff an der Kathode tritt als Schaum hervor; wo das nicht der Fall 
ist, entsteht eine Quaddel. 

Für die Entfernung von Warzen /Pigment malern und ähnliches mufs eine 
stärkere Nadel mit Nadelhalter genommen werden ; auch hier ist am besten die Kathode 
die parallel der Haut durchgestochen wird. Haarige Pigmentmäler entfärben und ve^ 
flachen sich schon nach der elektrolytischen Epilation der Haare. — Bei Rosacea irt 
die Kathode auch von Vorteil. Dafs die Anwendung des Bistouri oder des Mikro- 
brenners oft auf grofse Hindernisse bei den Patienten stöfst, wird wohl nicht jeder 
bestätigen. 

Bei Gefäfsmälern und -Erweiterungen erheblicherer Art wird nach Ein- 
führung der Kathode der Strom umgekehrt; dieselbe mufs wegen der lebhaftes 
Oxydationsvorgänge in diesem Falle von Gold oder Iridium sein. Zum Schlufs muii 
dann behufs Entfernung der Anode aus dem festen Blutcoagulum der Strom wieder 
gewendet werden. Dieses Verfahren giebt keine Narben. Als Batterie empfiehlt 
Verfasser eine transportable LeclanchS-Batterie von Beiniger, Gebbert& Schall. 

Jessner Königsberg i. IV. 

Über die katalytischen Wirkungen des galvanischen Stromes, von M ouis 
Meter. (Berl. med. Ges. 15. Juli 1891. Deutsche med. Wochenschr. 1891. No. 31.) Die 
katalytische Wirkung des galvanischen Stromes kann grofse Erfolge erzielen, unter 
anderm auch bei stabilen Ödemen, die nach Sykosis, Prurigo, recidivierendem Erysipel, 
besonders im Gesichte, oft zurückbleiben. 

So erzielte M. in 19 Sitzungen vorzügliche Besserung bei einem 24 jährigen 
Müllergesellen, der nach einer zwei Jahre dauernden Syoksis ein hochgradiges ödem 
des Gesichts zurückbehalten hatte, so dafs der Mund rüsselformig. die Augen fiast 
geschlossen, die Gesichtsmuskeln unbeweglich waren. — Es gehören zur KatalyK 
starke Ströme und grofse, sich gut anschmiegende Elektroden, die an entgegengeeetstea 
Stellen fixiert werden. Dauer der Sitzungen durchschnittlich zehn Minuten. 

Jessner-Köfugsberg i. Pr. 

Ober pathogene Protozoen beim Menschen. 1. Gregarinose der Leber 
und der Bauchmuskeln. 2. Amöben bei Knochennekrose (Osteomyelitis) des 
Unterkiefers, von Dr. Kartulis. {Zeitschr. f. Hygiene u. Infektionskrankh. Bd. XHl 
Heft 1.) Die Frage der Bedeutung der Protozoen als Krankheitserreger kommt jetzt 
sehr in den Flufs, seitdem Pfbiffeb dieselbe grundlich erörtert, die Plasmodien der 
Malaria erkannt, die Ätiologie der Carcinome so lebhaft diskutiert wird. Zwei 
Gattungen sind es, die besonders in Frage kommen, die Sporozoen, zu denen auch 
die Plasmodien der Malaria gehören, und die Amöben, die bei dysenterischen 
Erkrankungen häufiger gefunden sind. Verfasser berichtet über zwei, durch den Titel 
genügend gekennzeichnete Fälle, die im egyptischen Begierungshospital zu Alexandrien 
beobachtet sind. Sie genauer zu referieren, würde wohl den Rahmen dieses Blattet 
überschreiten. Jessner-Königsberg i. Pr. 



235 



Angioneurosen. 



Über Exantheme im Wochenbett, besonders über den sogenannten 
Wochenbettscharlach, yod F. Ahlfbld. {Zeifschr, f. Geb. u. Gynäk. Bd. 1. H. 92.) 
Verfasser sieht die Fälle von Scharlach oder Masern im Wochenbett auf Grund von 
14 Beobachtungen als septische Infektionen an. Die 14 Fälle spielen sich m V« Jahren 
ab. Gegen Scharlach sprechen 1. der Mangel einer Ansteckungsquelle für den ersten 
Fall; 2. die Nichtnbertragung auf die Hausbewohner, nicht einmal die Kinder des 
Haasdieners, der mit der Schwängern denselben Flur bewohnt ; 3. der direkte Nachweis 
der septischen Infektion bei einigen Fällen. So fand sich einmal eine Lochiometra, 
fast eine Reinkultur von Streptokokken enthaltend. — Weshalb die septische Infektion 
gerade in diesen 14 Fällen diese Hauptexantheme machte, ist nicht zu eruieren; 
wahrscheinlich handelt es sich um ein besonderes Gift der gerade in diesen Fällen 
vorhandenen Mikrokokken. (Die Beweise von A. stehen doch auf etwas schwachen 
Fiifsen; die Ubertragungsquelle für den ersten Fall ist selten ku finden, die Nicht- 
Übertragung' auf die Kinder des Hausdieners, die doch hoffentlich nicht in den Zimmern 
der Wöchnerinnen spielen, nicht beweisend. Es ist ja zweifellos, das skarlatinoide 
Exantheme bei septischer Infektion yorkommen, aber die Häufung derselben ist doch 
sehr verdächtig. Man mufs doch auch dessen eingedenk sein, dafs sicherlich Ent- 
bundene bei herrschendem Scharlach leicht erkranken und wohl auch eine Disposition 
für Scharlach haben ; weshalb soll man dann für die vorliegenden Falle eine ge- 
kfinstelte Hypothese von Erytheme bewirkenden Mikrokokken als Urheber einer 
Sepsis aufstellen, statt sie unter ein bekanntes Krankheitsbild zu subsumieren? Der 
Referent.) Jessner- Königsberg i. Fr. 

Zur Ätiologie und Therapie der Blutkraukheit und verwandter Zustände, 

yon Glass. {AUg, med. Centraletg, 1892. No. 33. 34.) Nach allgemeinen Ausführungen 
ober Blutgerinnungstheorien ist als Hauptsatz von Interesse: „Gerinnung des 
Blutes findet nur mangelhaft oder gar nicht statt (Hämophilie, Leu- 
kämie, hämorrhagische Diathese etc.), wenn ein Mangel an löslichen 
Kalksalzen im Blute besteht oder wenn das im Blute vorhandene 
Lösungsmittel, für die zur Ausfällung kommenden phosphorsauren 
Srdalkalien, vor allem Kohlensäure imÜberschufs vorhanden ist, oder 
wenn beide Momente zusammenwirken.'' Auf (irund dieser Theorie ist der 
Kalkmangel im Blute und die Kohlensäureanhäufung im Gewebe, den Gewebsflüssig- 
keiten und dem Blute zu bekämpfen. Dieses geschieht nach Lahmann {Die diätische 
Bhiientmisckungs-Dysämie als Grundlage aller Krankheiten, Verlag von Otto Spamer, 
Leipzig und Berlin, 1892) nicht durch die Eiweifsnahrung, sondern durch Zufuhr von 
Speisen, die an den wichtigsten Nährstoffen, Kalk und Natron, reich sind, so durch 
friache Blatt- und Wurzelgemüse (nicht ausgelaugt durch falsche Kochprozesse), Salate 
ond Fruchte (Kompotts). Gute Luft, Hautpflege, hydrotherapeutische Mafsnahmen, 
aktive und passive Gymnastik sind natürlich auch wichtig. 

Verfasser, selbst Hämophile, seit 2Vt Jahren in der LAHMANNschen Anstalt 
„WeiTser Hirsch" bei Dresden thätig, hat, seitdem er nach den genannten Grund- 
litien lebt, keine hämophile Attacke mehr zu überstehen gehabt. 

Jessner- Königsberg i. Fr, 

Ein Beitrag zur Pathologie der Hämophilie, von Allan Hamilton. (Med. 
Beeord. 1892. Bd. 40. No. 21.) Verfasser giebt die Schilderung einer Beihe von Ge- 
Khwälsten, die zum grölsten Teile (6 von 7) viele Erscheinungen von Hämophilie 
leigten, meistens schon bei der Circumoision. Der psychische Zustand der Bluter ist 
Dicht immer ganz normal, sie sind leicht erregbar, leiden an Kopfschmerzen. Bei 



236 

ihnen auftretende Gelenkaffektionen beruhen wohl anf Blutungen in den tieferen 
Geweben. Jessner- Königsberg u Pr, 

Akutes circumskiiptes Haatödem, von Forssberg (ref. Cmtralbl. f. kUn, Med, 
1892. No. 39.) Eine 58jährige gesunde Witwe bekam nach einem Insektenttich ein 
Odem der rechten Schulter und des rechten Armes mit allgemeinem ünwohlaeiB; 
dasselbe schwand nach einigen Tagen; nach 3 Wochen trat es in der Regio hypo- 
gastrica auf und seitdem alle 14 Tage, bald hier, bald dort. Die Haut war selir 
gespannt, weifsglänzend, keine Schmerzen oder Druckempfindlichkeit; das Odem wtr 
immer ziemlich verbreitet; einmal zeigte es sich auch in Pharynx und Larynx und 
verursachte starke Dyspnoe. Verfasser hält das Leiden für nervös; es ist hartnackif 
und tritt periodisch auf, weshalb er es „periodisches vasomotorisches Ödem" nennea 
möchte. Von der Therapie ist nicht viel zu erwarten. F. Hahn-Bremen, 

Purpura pneumonica, von Voitubiez. (Ann. de Derm. et de Syph. 1892. 
S. 961.) Bei einem 16jährigen jungen Menschen erschienen am sechsten Tage einer 
Pneumonie verschiedene grofse Purpuraflecke auf den Unterextremitäten; drei Tage 
später blutige Stühle, die drei Tage anhielten; gleichzeitig Abfieberung. 14 Tage 
später, als Patient das Bett verliefs, Odem der Füfse und Unterschenkel. Heilung. 

V. nimmt an, dafs die Purpura durch Anwesenheit von Pneumokokken im Blate 
bedingt war. Türkheim-Harnburg. 

Das ödem während der Purpura, von Adam. (Ann. de Derm. et de Syph. 
1892. S. 1046.) Als Begleiterscheinung der Purpura tritt häufig ein ödem auf^ das 
entweder weils und schmerzhaft ist, wie das ödem der Nierenkranken, oder rot und 
einen pseudo-phlegmonösen Eindruck macht. Es sitzt mit Vorliebe an der Stirn^ 
den Augenbrauen, der Brust, den Oenitalien, den Extremitäten, beföUt aber oft anden 
Teile als die Purpura. Die Ursache dieser Ödeme liegt in einer rheumatischen oder 
arthritischen Anlage. Eine Behandlung thut nicht nötig, da die Schwellung rasch 
von selbst wieder schwindet. Türkheim Hamburg, 

Beitrag zum Studium der infektiösen Erytheme, von J. Musst. {Ann. de 
Derm, et de Syph. 1892. S. 1052.) Namentlich bei der Diphtherie werden eine Seihe 
von Erythemen beobachtet, so besonders das Erythema polymorphum mit seinen sämt- 
lichen Varietäten, dem Erythema marginatum, papulo-tuberculosum^ vesico-pnstalosnm 
u. s. w. Diese Erytheme bilden eine zusammenhängende Beihe, die alle, wo immer 
es zur Erythembildung überhaupt kommt, eines nach dem andern auftreten. — Das 
Erythema infectiosum ist im ganzen nicht selten und findet sich bei den verschiedensten 
Infektionskrankheiten. Sein Auftreten ist durch den Streptococcus bedingt, der in der 
Haut und im Blut wohl fehlen mag, hingegen durch seine Ptomaine wirkt. Die 
Prognose richtet sich teils nach der Grundkrankheit, teils nach der Zeit dee Et- 
scheinens des Erythems; solche, die erst am Ende der Krankheit entstehen, geben 
eine schlechte Prognose. TürMieim-Hamburg, 

Beitrag zur Ätiologie und pathologisclien Anatomie des Erythema multi- 
forme, von E. FiNOEB. (Wiener med. Presse, 1892. No. 39.) Die Auffassung deijenigen 
multiformen Erytheme, die im Gebiete von Entzündungs- und Eiterungsprozessen, akuten 
Infektionskrankheiten auftreten, ist eine verschiedene. Die einen erklären sie als 
toxische Erytheme durch Einwirkung von Toxinen, die anderen fassen sie als durch direkte 
Invasion von Bakterien bedingt auf. Für letztere Ansicht spricht der von F. uoter^ 
suchte Fall, in dem sich an eine schwere diphtheritische Erkrankung drei Tage vor 
dem Tode an Stamm und Extremitäten ein ausgebreitetes Erythema multiforme 



237 

«nschloÜB. In den Kapillaren der betroffenen Stellen, die sonst nur ödem des Binde- 
gewebes, Erweiterang der BlutgefaXse, Bandzelleninfiltrationen zeigten, fanden sieb 
massenhaft Streptokokken Jessner-Königaberg %, Pr, 

Aspliyzia disseminata des gansen Körpers bei einem Epileptiker, von 
<^H. YixL {Ann. de Derm, et de Syph. 1892. S. 738.) In dem mitgeteilten Fall waren 
nicht nur, wie gewöhnlich, die Extremitäten, die Nase und die Ohren befallen, sondern 
es &nden sich aach am übrigen Körper zahlreiche bläalich verfärbte Stellen, die 
weniger empfindlich waren nnd eine um V niedrigere Temperatar als die gesunde 
Korperhaut besalsen. Da Epilepsie und Asphyxie so ziemlich gleichzeitig auftraten 
and sich wahrend der kälteren Jahreszeiten gleichmafsig verschlimmerten, so dürfte 
wohl zwischen beiden ein gewisser Zusammenhang bestehen. 

Türkheim 'Hamburg. 

Ein Fall von symmetrischer Asphyxie, ein Beitrag zur Lehre der BATNAüDschen 
Krankheit, von S. H. Scheiber. {Wien, med, Wochenschr, 1892. No. 39.) Die 
RATNJLUDsche Krankheit ist eine Neurose, die kein einheitliches Krankheitsbild darstellt; 
drsi Stadien, das synkopale, asphyktische und gangränöse sind zu unterscheiden; es 
kinn die Krankheit aber in jedem Stadium stehen bleiben und auch jedes Stadium 
primär als selbständiges Leiden auftreten. 119 Fälle sind bis jetzt bekannt, darunter 
mehr Frauen als Männer. Für die Gangrän ist charakteristisch, dafs sie keine 
gro&e Verbreitung erlangt und meistens nicht immer symmetrisch auftritt. Meistens 
Auftreten in Paroxysmen und cyklusweise, seltener permanentes Bestehen mit inter- 
kurrenten Exacerbationen und zuweilen mit sekundären dystrophischen Störungen, 
wie sie der MoRVANschen Krankheit eigentümlich sind. Die Ursache der RATNAUDschen 
Krankheit kann centraler oder peripherer Natur sein. Verfasser giebt dann eingehend 
einen Fall persistenter symmetrischer Asphyxie an beiden Füfsen und Unterschenkeln 
wieder. Ein 58jähriger Herr zeigte kurz zusammengefafst folgende Symptome : 1. links- 
seitige motorische und sensitive Hemiparese; 2. Paraparese der unteren Extremitäten 
mit einfacher Muskelatrophie ; 3. Atrophie, Cyanose und Gefäfserweiterungen der Haut 
an Pulsen und Unterschenkeln; 4. Kältegefühl und Kribbeln in den Füfsen; 5. Äryth- 
misches beschleunigtes Atmen, frequenten Puls ; 6. leichtes Emphysem und Bronchial- 
katsrrh. — Verfasser erklärt dieses Krankheitsbild nach Weiss als einen Venenkrampf, 
bedingt durch Veränderungen im vasomotorischen Centrum. Nach faradischen Bädern 
trat Besserung ein. — Was das Wesen der EATNAüDschen Krankheit betrifft, eo 
glaubt VerfiAsser, dafs die leichteren Reizzustände als angioneurotische Veränderungen 
aufzufassen sind, die gangränösen Formen als trophische Störungen. — (Die Erklärung 
der lokalen Asphyxie durch Venenkrampf nach Weiss ist wohl anfechtbar; würde 
man nicht nach einem solchen Ödeme erwarten müssen? Der Eef.) 

Jessner- Königsberg i. Pr. 

Über symmetriBClie Gangrän, von Fkbdinand Kornfeld. (Wiener medizinischer 
Klub, den 9. November 1892. Wien, med, Wochenschr. 1892. No. 45.) Der Vortragende 
faCrtnach einer kritisch-historischen Beleuchtung des von Raynaud zuerst genau be- 
schriebenen Krankheitsbildes seine Ansicht dahin zusammen, dafs unter „symmetrischer 
Gangrän" nur unter direktem Nerveneinflufs entstehende Gangrän zu verstehen ist, 
und weist auf die Verwandtschaft des Leidens mit der Horv Ansehen Krankheit hin. 
Der trophische Charakter wird gekennzeichnet durch gleichzeitig auftretende andere 
trophische Störungen (Sklerodermie, MoBVANsche Krankheit). Verfasser beobachtete 
einen Fall, indem die Obduktion Tabes, beiderseitige Neuritis acuta der Peroneal- 
nerven ergab als Grundlage für die im Leben aufgetretenen Symptome : symmetrische 
Gangrän an den Endphalangen der ersten vier Zehen, Peroneuslähmung, verlang- 
Bsmte Schmerzempfindung, perverse Temperaturempfindung. — Verfasser fügt noch zu, 



238 

dafs Zambaco Pascha die MoRVA^sche Krankheit als abortive Lepra aufzufassen geneigt 
ist. — In der Diskussion bemerkt Hochenegg, dafs die symmetrische Gangran aodb 
fehlerhafter Blutmischung seine Entstehung verdanken kann; er unterscheidet vier 
Gruppen des Leidens: 1. trophische Störung nach grofsen Strapazen (FeldtSgen); 
2. hysterische; 3. durch anatomische Erkrankungen des Centrain ervensystems herror- 
gerufene; 4. durch abnorme Blatmischung bewirkt; hierzu zählt auch die diabetische 
und albuminurische Gangrän. Die Zugehörigkeit der letztgenannten Gruppe sor 
symmetrischen Gangrän wird von Kornfeld und anderen bestritten. — 

(Der Vortrag identifiziert symmetrische Gangrän mit RiYNAUDscher Krankheit; 
sie ist aber nur eine Art derselben. — Wenn der Vortragende die Sklerodermie tk 
trophische Störung anführt, so widerspricht das der durch pathologisch-anatomische 
Untersuchungen begründeten Auffassung von dem Leiden, das eine Gefafserkrankang 
darstellt. Jessner-Königsberg t. 2V. 

Über Bymmetrisclie Qangrän, von M. Weiss. {Prager med, Wochemchr. 1892. 
No.46.) Weiss zeichnet das Krankheitsbild der symmetrischen Gangrän folgend ermalsen: 
Wahrscheinlich als Ausdruck einer Affektion vasomotorischer (?) Centren entstebea 
anfallsweise auftretende sensible, vasomotorische und trophische Störungen, welche 
durch meistens an Fingern und Zehen auftretende Gangrän ein besonderes Gepräge 
erhält, das aber nicht das ganze Wesen der Krankheit ausmacht. Gangrän bei In- 
fektionskrankheiten, Diabetes, Gehirn- und Bückenmarksleiden zählt nicht hierher. — 
Ein seltenes Leiden, besonders im jugendlichen Alter und beim weiblichen Geschlecht; 
ätiologisch-neuropathische Zustände, Chlorose, psychische Affekte wichtig. — Sym- 
ptome und Verlauf: Nach vorausgehender psychischer Alteration, vervösen Er- 
scheinungen, Seusibilitätsanomalien treten paroxysmenweise vasomotorische Stöningeo 
in den betreffenden Teilen auf, 1. als regionäre Ischämie (lokale Synkope-RATKAUD, 
Anemie lokale-HARDT) ; 2. als regionäre Cyanose (Asphyxie lokale- Raynaud); 3. als 
regionärer Ruber durch Krampf der Vasokonstriktoren, der Venen oder der Vaeth 
dilatatoren. Alle drei Formen können gleichzeitig nebeneinander bestehen. Die 
Anfälle dauern Sekunden bis Stunden. — Dazu kommt dann Gangrän meistens ik 
trockener Brand ; die Symmetrie derselben braucht sich nur darauf zu erstrecken, da6 
gleichnamige Extremitäten ergriffen werden. Lokale Ischämie geht nicht immer der 
Gangrän voraus; dieselbe ist eine rein trophische Anomalie. Meistens, nicht immer, 
sind die Endphalangen betroffen ; oft nur die Epidermis. — Vasomotorische Störungen 
in inneren Organen, Arthropathien, Knochenneurosen, Thrombosen, torpide Geschwürchea 
am Zungenbändchen, I^euritis sind beobachtet. — Symptomlose Pausen, anfallweieee 
plötzliches Auftreten von mit Sensibilitätsstörungen einhergehenden symmetrisch- 
vasomotorischen Anomalien und von Gangrän sind charakteristisch und unterscheiden 
das Leiden besonders von der Syringomyelie, der MoRVANschen Krankheit. 

Jessner-Königsberg t. IV. 

Diskussion über den Vortrag von Senator : Über Erythromelalgie in der Beri. 
med. Ges. am 9. November 1892. {Berl klin. Woch. 1892. No. 48.) G. Lewin halt die 
Erythromelalgie nicht für einen Morbus sui generis, sie bildet gar keinen einheit- 
lichen Symptomenkomplex. Die vier Kriterien der Krankheit: Rötung, Schmerz, Be- 
fallenwerden der unteren Extremitäten und symmetrischer Sitz sind nicht immer vor 
banden. Er verweist die meisten Fälle unter die Angioparesen, i. e. die persistierenden 
Erytheme. Die mit trophischen Störungen komplizierten Fälle können als vom Sym- 
pathicus vermittelt angesehen werden. Mit der RAYNAüDschen symmetrischen Gan- 
grän hat das Leiden nicht3 zu thun. 

EüLKNBüRG beleuchtet durch zwei Fälle die centrale Natur des Leidens. Im 
ersten Falle stellten sich, nachdem die Erscheinungen der Erythromelalgie immer mehr 



239 

zurückgetreten sind, Kopf- und Genickschmerzen, Schlaflosigkeit, Schwindel, Taumeln,. 
Abnahme des Gedächtnisses nnd der Intelligenz bis zur vollkommenen Verwirrtheit 
and Halluzinationen ein, mit Anomalien im Augenhintergrunde. Im zweiten Falle 
bestanden neben Erythromelalgie diffuse interessante Ernährungsstörungen der Muskeln 
(juvenile Dystrophie- Ekb). E. reiht die Erythromelalgie der Syringomyelie, MoBTANschen 
Krankheit, der „Syndrome bulbo-m^dullaire" von Grassel und Bemzier einerseits, der 
RATiiAUDschen Krankheit andererseits an. All diesen Leiden ist die Kombination 
yasomotorischer, sekretorischer, sensibler und trophischer Störungen gemeinsam, all» 
bedeuten wahrscheinlich eine Erkrankung in der seitlichen und hinteren grauen 
Sabstanz des Halsmarkes (Region der Seiten- und Hinterhörner). — Nur als vaso- 
motorische Störungen läist sich weder die Rayn AüDsche Krankheit noch die Erythromelalgie 
aaffiusen, man müsse doch zur Erklärung trophische Anomalien heranziehen. 

Hbnoch hat früher einen Fall mit deutlichem centralen Ursprung mitgeteilt. 
Es können aber ähnliche Veränderungen auch durch Eeflex entstehen; so sah er bei 
einem Kinde während der Dentition blaurote, ödematöse, schmerzhafte Anschwellungen 
der Ohren, die nach dem Zahndurchbruch schwanden. 

A. Baginski will auch RAYNAUDsche Krankheit und Erythromelalgie scharf 
trennen. Er sah letztere bei einem 10jährigen, nervösen, psychisch sehr erregbarea 
Kranken, erstere bei einem Kinde mit schwerer Nephritis post scarlatinam: Beide 
Oberextremitäten, besonders die Finger wurden blau, eiskalt, ebenso die Ohren, in 
geringerem Mafse die unteren Extremitäten ; an der linken Hand entstanden gangränöse 
Stellen mit Blasenbildung. 

Senator betont, dafs auch er die BATKAunsche Krankheit (das periodische Ab- 
sterben der Glieder) von der Erythromelalgie scharf trennt; bei letzterer handelt es 
sich ja um aktive Fluxion. Dafs viele Fälle von Erythromelalgie in das Gebiet der 
persistierenden Erytheme gehören, wie Lewin meint, ist ihm auch zweifellos, aber 
dieselbe ganz zu den Erythemen zu zählen, geht doch nicht an, denn das Gesamtbild 
der Erkrankung ist doch ein charakteristisches. So sind die Schmerzen bei Ery- 
thromelalgie neuralgisch verbunden mit einem Gefühl der Taubheit, während die 
Schmerzen beim Erythem nur abhängig sind von der HautrÖte. 

Hier möchte ich gleich anfügen, dafs Gerhardt in einer Diskussion über die- 
Erythromelalgie im Verein für innere Medizin, den 13. Juni 1892, auch jede Ähnlich- 
keit zwischen diesem Leiden und der BAYNAüDschen Krankheit leugnet. 

Jessner-Königsberg t. JV. 

Erythromelalgie bei einem Paralytiker, von Machol. (Berl. klin. WocJienschr. 
1892. No. 51.) Bei einem an Dementia paralytica zu Grunde gegangenen Patienten 
fanden sich acht Wochen vor dem Tode heftige Schmerzen in den Hacken, so dafs er 
nicht stehen und gehen, kaum das Deckbett ertragen konnte; bei Berührung war 
eine fünfmarkstückgrofse Stelle an den Hacken sehr hyperästhetisch. Allmählich trat 
Bötung und Schwellung ein und blieb bis zum Tode bestehen. Verfasser zählt den 
Fall zur Erythromelalgie. (Es ist doch fraglich, ob der Fall als Erythromelalgie be- 
zeichnet werden kann. Wenn Verfasser sagt, es liegt eine Veränderung der vaso- 
motorischen Nerven mit folgender Hyperämie, Rötung, Schwellung, Schmerzhaftigkeit 
vor, 80 stimmt das nicht mit seiner Krankengeschichte. Es trat ja umgekehrt der 
Schmerz lange ein, bevor die Bötung sich zeigte, es kann also die Hyperästhesie nicht 
die Folge der Bötung sein. Der Ref ) Jessner-Königsberg t. Pr, 

Einen Fall von Arzneiezanthem demonstriert Ehrmank im Wiener medi- 
zinischen Club, den 2. November 1892: Nach einem Pulver aus Belladonna und 
Horphiam bekam Patient ein Exanthem, charakterisiert durch kleine, rötliche, hie 
und da mit Bläschen bedeckte, stellenweise zu gröfseren, landkartenartig begrenzten 



240 

Flächen konfluierende Punkte an beiden Armen. Das kreisförmige Fortschreiten ist 
ziemlich unerklärlich, wenn man eine Einwirkung des Giftes auf die Blutgeßllse oder 
das Nervensystem annimmt. (Deutsche Med.- Ztg. 1892. No. 91.) 

Jessner Königsberg t. iV. 

Über die skorbutarüge Erkranknng rhachitisclier Säuglinge (BarlowmIm 
Krankheit), von 0. Heübneb. (Jahrb. f. Kinderheük. 1892. ;^o. 102.) Die BarlowkIm 
Krankheit tritt bei Kindern gegen Ende des Säuglingsalters auf, zuweilen tritt ntck 
Verdauungsstörungen eine starke Schmerzhaftigkeit besonders der unteren Extremitäten 
ein; die Kinder schreien beständig, sind schlaflos. Dabei bestehen Fieberbewegungen 
und Appetitlosigkeit. Die Kinder sind meist gut entwickelt , aber auffallend biais und 
zeigen leichte rhachi tische Veränderungen. Die Schmerzhaftigkeit betrifft die 
Diaphysen, die zuweilen cylindrisch aufgetrieben sind ; die Haut über ihnen oft aoge- 
schwollen, glänzend. Es besteht eine starke blutig- ödematose Anschwellung an dnem 
oder beiden Augenlidern, die oft zu unförmlichen Wülsten werden, so daijs der Äug» 
apfel bedeckt und nach unten und vorne gedrängt ist. Zuweilen leichte Albuminoiie. 
Das Leiden ist schon 1859 von Möller beschrieben, dann 1883 von Barlow dt 
flkorbutartiger Prozels gekennzeichnet, unpassende Ernährung ist die Ursache de^ 
«elben, Regelung der Ernährung heilt sie. Jessner-Königsberg t. Pr, 



Sekretionsanomalien. 

Über die Wirkung des Pikrotozin anf die Schweifssekretion der Phthldker, 
Ton De Amore. (Le sperimentale. 1892.) No. 1. Bei 45 Phthisikem hat Verfatiser das 
Pikrotoxin in Dosen von 0,0005 angewendet. Bei 15 sehr vorgeschrittenen Fällen, in 
denen das Atropin erfolglos war, hatte Pikrotoxin, 2 — 4 mal täglich gereicht, eine 
dauernde Wirkung; bei 20 anderen, nicht so heruntergekommenen Kranken erzielte 
Atropin bei einem Teile eine günstige Wirkung, bei anderen nicht, während du 
Pikrotoxin die Seh weifse vollkommen beseitigte; bei noch anderen zehn leichten Falles 
wirkten beide gleichmäfsig. — Das Pikrotoxin bewirkt eine Verengerung der GeGLfK 
•und so auf vasomotorischem Wege eine- Sekretionsverminderung, da die Hyperidroeii 
im vorgerückten Stadium auf einer Beflexparalyse der vasomotorischen Nerven beruht; 
-es kann also noch einen Erfolg haben, wenn die Beeinflussung der Sekrt* tionsnerren 
•durch das Atropin nicht mehr möglich ist. Jessner-Königsberg i. P. 

Liniment gegen Hyperidrosis der Hände: 

Natron biboracic. 

Acid. salicyl. b 7,5 

Acid. borte. 2,0 

Glycerin 

Alkohol a 30,0 

Mds. Dreimal täglich die Bände einreiben. 
(Joum. d. scienc. med. de Lille. No. 29. 1891.) Jessner-Königsberg i. Pr, 

Zur Therapie der durch Mangel an Hautfett entstandenen Störungen der 
Hautfunktion, von 0. Rosenbach. (Therap. Monatsh. No. 11.) Bei Beurteilung der 
Ätiologie von Ernährungsstörungen der Haut hat man dem relativen und absolateD 
Mangel an Hautfett viel zu wenig Beachtung geschenkt, jedenfalls weniger als der 
Seborrhoe; sonst würde man gewisse Formen der Dermatitis, des artifizieilon Ekzems 
oder Erythems, die Furunkel- und Aknebildung nicht so oft unter Nicbtbeachtuog 
ihrer hauptsächlichsten Ursache, des Fett mangels der Haut, noch mit scharfen, reizenden 



241 

«od »ntiMptücben Substanzen behandeln. Ebenso wie durch die starken Antiseptica 
«Q den Händen der Arzte sich eine Dermatitis entwickelt, ebenso giebt es Leute mit 
SBScbeinend normaler Haut, die schon das Waschen mit kaltem Wasser und alkalischer 
«der Nentralsmfe nicht vertrag^en können, namentlich chlorotische durch temporäre 
Talgdroseninsaf&zienz, bei denen sich häufig jene eigentümliche Verdickung der Haut 
an Ellbogen und Kniescheiben findet, die fast immer zu schmerzhafter Bhagaden* 
büdung fährt und bei Vernachlässigung recht unangenehme Formen der ülceration 
hervorrufen kann. Hierher gehören auch die Fälle von starker Schweifsbildung bei 
korpulenten Personen mit enganliegenden Kleidungsstücken, die zu Furunkeln (besonders 
am Nacken, in den Achselhöhlen, am Rucken und an den Nates) fuhren. Endlich 
aad noch die Furunkel der Nase zu erwähnen, die fast immer ihre Ursache in einer 
abnormen Trockenheit der Nasenschleimhaut haben. Die an Schwäche der Talgdrüsen 
leidende Haut kann nur geschützt werden, wenn ihm entsprechend reichlich Fett 
iigeführt wird, und zwar empfiehlt sich vor allem Lanolin, ungesalzene, frische 
Batter, Coldcream^ Schweinefett, in einzelnen Fällen auch Vaselin. Bei Furunkel- 
bilduDg im Nacken empfiehlt B. , den Nacken bis an die Haargrenze, namentlich an 
bei&en Tagen, nach Abtrocknung des Schweifses, mehrmals täglich einzufetten und 
das überschüssige Fett mit einem feinen Tuche abzuwischen. Bei Dermatitis der 
fiinde sollen dieselben jedesmal nach dem Waschen und des Abends eingefettet 
werden. Bei Furunkelbildung in der Nase führe man 2 — 3 mal täglich Watte, mit 
Lanolin oder Coldcream bestrichen, ein. Die oben beschriebene Form der chronischen 
Dermatitis an den Ellbogen und Kniescheiben heilt ebenfalls nach 2 — 3 mal täglichen 
Rinreibungen mit diesen Fetten. L. Hofffnann- Berlin, 

Saprophyten und Fremdkörper. 

Kopfläuse fand Trouessart bei einem fünfmonatlichen Kinde wohlhabender 
Eltern. Die Läuse hatten sämtliche Eigenschaften der Pediculi inguinales und 
itammten augenscheinlich von der Amme. (ÄnnaL de Derm, et de Syph. 1892. S. 736.) 

Türkhetm-Hambtirg. 

FaU von multiplen Cysticercl der snbkataiieii Gewebe, von F. H. Pyb- 
Smith. {Brit Joum, Derm. November 1892.) Ein 30 jähriger, kräftiger, aber magerer 
Arbeiter zeigte an verschiedenen Stellen des Körpers in der Haut eingebettet erbsen- 
ks kirschgrolse Knötchen, deren Natur erst darch Excision und mikroskopische 
Untersuchung festgestellt werden konnte. Sie erwiesen sich als wohl ausgebildete 
%8tioerken. Klinisch hatten sie mit Fibromen noch am meisten Ähnlichkeit. Patient 
Itttte kaum Beschwerden davon und wollte sich einer Behandlung nicht unterwerfen. 
Ätiologisch ist erwähnenswert, dafs er häufig selbstgesammelte Brunnenkresse zu 
leoieliien pflegte. Phüippi- Nieheim. 

Differentialdiagnose zwischen Oysticercus cellulosae und Qummata, von 

Prof. Lbwin. (Berl. klin. Wochenschr. No. 34.) In der Sitzung der Berl. Med, 
Gesellschaft vom 20. Juli stellte Herr L. zwei Patienten vor, um die Differential-Diagnose 
zwischen Cysticercus cellulosae und Gummata zu erörtern. Gleichzeitig geht derselbe 
ffinauer auf das Vorkommen des Cysticercus in der Haut, auf die von ihm bewirkten 
Bracheinungen und vor allem auf die Häufigkeit seines Vorkommens ein. Er führt 
4en Beweis, daüs dieser Blasenbandwurm in der Regel gar nicht erkannt und deshalb 
«ne falsche Diagnose auf Gummata, Lipom, Sarkom, Karzinom gestellt wird. Die 
i)iignose ist um so wichtiger, weil beim Vorhandensein von Hautcysticerken meist 
«^he auch in inneren Organen sich finden und hier Erscheinungen hervorrufen, 
«siehe beim Übersehen der Cysticerken in der Haut falsch gedeutet und behandelt 
Monatshefte XVI. 18 



242 

werden. Ein Blick aaf die Litteratur bestätigt diese Angaben. Wahrend L. sellMt 
bei einer relativ gröfseren Anzahl Kranker Blasenwürmer anfgefunden, sind solche 
von anderen Autoren in kaum nennenswerter Zahl beobachtet, also in den meitien 
Fällen übersehen worden. Der vorgestellte Kranke leidet zugleich an nervösen Er 
scheinungen, welche von seinem behandelnden Arzt als Neurasthenie aQ%efaist tad 
behandelt und welche mit höchster Wahrscheinlichkeit durch Ghehimcystieerken 
erzeugt worden sind. Der andere Kranke, ein 51j ähriger Mann, war längere Zeit u 
Syphilis erkrankt, mehrfach merkuriell behandelt, ist jetzt mit Qommata an Ter 
schiedenen Körperstellen, so auch im Hoden, behaftet. Bei diesem Fall richtet L. 
die Aufmerksamkeit auf die Aplasie der Zungenbalgdrüsen als ein sehr wichtiffn 
pathognomonisches Kriterium zweifelhafter tertiärer Syphilis, ein Symptom, das merk- 
würdigerweise in keinem Lehrbuch der Syphilis bisher erwähnt wird. Durch zwei 
Methoden lasse sich diese Beschaffenheit der Zungenbalgdrüsen nachweisen, durch 
die digitale Untersuchung und durch den Kehlkopfspiegel. Es werden Fälle an- 
geführt, wo dieser Befund allein die Diagnose stützt. L, Hoffmann-BerUn. 



Mifsbildnngen. 

Atrichia adnata, von F. J. Schultz. {Verhandl. der Bigaer Gesellsch, deitMi 
Ärzte. 1891. pag. 709. Nach dem St. Louis med. and aurg, Joum. Januar 1892.) ISa 
35jähriger, im allgemeinen völlig gesunder Mann zeigte am ganzen Körper ein toU- 
ständiges Fehlen jeder Spur von Haarwuchs. Nur an den Mundwinkeln fanden rieh 
etwa 10 dünne, kleine Haare. Dieser komplete Mangel der Haarentwickelung hatte 
seit der Geburt bestanden. Die Eltern des Patienten waren gesund, aber zwei 
Schwestern zeigten die nämliche Anomalie. Phüippi-Nieheim. 

Ein Fall von Makrodaktylie, von Ernst Winckler. (Wien. med. Wochemdir, 
1892. No. 29 u. 30.) Verfasser entfernte bei einer 23jährigen Frau, deren Oheim eine 
ähnliche Mifsbildung gezeigt haben soll, den unförmlich grofsen Ringfinger der rechten 
Hand. Alle Qewebe nahmen an der Vergröfserung teil; besonders auffallend wtr 
eine sehr starke Fettwucherung in der Sehnenscheide auf der Volarseite der erstei 
Phalanx. Jesstier- Königsberg i. Pr. 

Nene Details ttber die Zerstörnng der Haare dnrch Elektrolyse von 

L. Bbocq. (Sem. med. No.l7. 1891.) B. braucht sehr feine, 5—6 mm von der Spitn 
knieförmig gebogene Nadeln. Dieselben lassen erkennen, wie tief die Spitze ob« 
gedrungen ist; ihre Einführung ist leicht, besonders an schwerer zugänglichen Steiles 
(unterer Teil des Kinnes). — Die anzuwendende Elementenzahl, 2 — 5 M. A., je nui 
der Zartheit der Hautstelle und der Dicke der Haare, wird eingeschaltet, die Nadel 
eingeführt, worauf der Patient die positive Elektrode ergreift. B. kann in 20—36 
Minuten 90 Haarbälge zerstören. Er empfiehlt, schon bei jungen Mädchen da 
Flaum zu entfernen, da die Haare später dicker werden und dann leichter Narben 
nach der Elektrolyse entstehen könnten. Jessner- Königsberg i. iV. 

Über Badikalepilation anf elektrolytischem Wege, von A. Sack. (.Bai 
klin. Wochenschr. 1892. No. 41.) Zur elektrolytischen Entfernung der Haare gehört vor 
allem eine konstante, aber schwache Batterie mit Galvanoskop und Einschaltungt* 
Vorrichtung, welche plötzliche Schwankungen bei Vermehrung der Elementenzahl 
verhütet, die stets schmerzhaft sind ; Rheostat kann entbehrt werden. Verfasser hst 
sich zu dem Zwecke eine Batterie aus 16 Leclanche-Elementen konstruieren lassen, 
die er des näheren beschreibt und abbildet. Sein Verfahren weicht im übrigen von 



243 

dem üblichen nicht ab. Er benutzt auch die feinsten l^Uhrmaober-Beibählchen und 
entfernt die Haare sofort nach der Einwirkung des Stromes. — (Eine für die Epi- 
liemng geeignete kleine, sehr konstante Batterie ist die STEiNScbe Batterie von 
Blönsdorf- Frankfurt a. M., deren Zink-Eohlenelemente mit einer Agarmasse gefüllt 
nnd. Die Batterie braucht so gut wie gar keine Bedienung, da sie höchstens jedes 
Jahr einmal gefüllt wird und in der Zwischenzeit nichts zu machen ist. Oalvano- 
meter, sehr praktische EinschaltungsYorrichtung, Rheostat sind vorhanden ; der ganze 
Apparat ist kompendiös und transportabel. Für andere Zwecke nicht immer stark 
genug, eignet sich die Batterie mit 25 — 30 Elementen für den vorliegenden Zweck 
ansgezeichnet. Der Bef.) Jessner- Königsberg L Pr, 

Naevi vascnlares der rechten unteren Extremität und des korrespon- 
dierenden Teiles des CJnterleibes mit halbseitiger Hypertrophie, von Bbaqubhaye. 
(Gaz. hebdom. de midie et de dUr. 1892. No. 9i. Centralbl f. Chir. 1892. No. 40.) 
Kaevi in Oestalt von Gefalserweiterungen nach oben, ein Fingerbreit über die 
borizontale Nabellinie, hinten von mehreren normalen Hautstreifen, die parallel den 
Lunbalnerven verlaufen, unterbrochen. Die Medianlinie wird nicht überschritten. Am 
rechten Bein ist die Verteilung ungleichmäTsiger, jedoch sich dem Naevus cruralis, 
genitocniralis und cutaneus femoralis extemus anschliefsend. Die rechte untere 
Extremität allgemein hypertrophiert. — B. schiebt die Anomalie auf Bechnung von 
Nerveneinflüssen. Jessner- Königsberg i. Pr, 

Epidermoide Tumoren, der Hand nnd Einger, von And&y und Lacboue. 
{Midi medical. 19. Nov. 1892.) Verfasser beschreiben 3 Fälle von Atheromcysten, von 
denen die eine spontan vor V/^ Jahren entstanden, an dem äufseren Bande des 
Unken Zeigefingers safs bei einem Manne von 42 Jahren, die zweite bei einem 
l^ahrigen Mädchen im Anschluls an ein durch eine in den Finger gedrungene 
Nidel veranlafstes Trauma (Fingerbeere des rechten Daumens) sich entwickelt hatte 
und von denen die dritte nach einem Fall auf die Hand bei einem 40jährigen Manne 
an dem Thenar aufgetreten war. Alle 3 waren scharf umschriebene, subkutane, ver- 
ichiebliche indolente Tumoren und erwiesen sich mikroskopisch als bestehend aus 
einer bindegewebigen Kapsel, einer auf derselben nach innen folgenden epithelialen 
inskleidnng und einem sich aus nicht ganz verhornten Epithelzellen zusammen- 
letzenden Inhalt; es waren also echte Dermoide. (Die wichtigen Arbeiten von 
Fkaske, Ghiabi, Török über das Atherom werden von den Verfassern merkwürdiger- 
veiee gar nicht erwähnt. Referent.) X. Pkilippson-Hatnintrg. 

Zwei Dermoidcysten demonstriert Prof. Böbneb im Verein der Ärzte in 
Steiermark, die er bei einem 23jährigen Mädchen per laparotomiam entfernt hat; 
de gingen von den Ovarien aus. Von einem Ovarium konnte ein Teil als gesund 
nrackgelassen werden, so dafs eine Konzeption eventuell möglich sein dürfte. Glatte 
leilong, Schwinden der vorhanden gewesenen Menstruationsstörungen. 

{Wien. med. Presse 1891. No. 9. Deutsche Med.-Ztg. 1892. No 20.) 

Jessner-Königsberg t. Pr, 

Fall von Dermoidcysten von Fb. Bowbehak-Jesset. (Med. press and circ. 
Juni 1890, Deutsche Med.Ztg. 1892. No.20.) Eine 25jährige Frau zeigte seit zehn Jahren 
tt der Aufsenseite und unterhalb des Unterkiefers linkerseits eine erhebliche Schwellung, 
n der sich später eine Schwellung in der Mundhöhle zugesellte. Die Tumoren 
konnten leicht entfernt werden, es waren Dermoidcysten, die feine Haare im Innern 
«nthielten. Jessner-Königsberg i. Pr, 



18^ 



244 



Pathologie und Therapie des Urogenitalapparates. 

Zwei praktiBche Vorschläge bei ürinnntersuchiingen, von L. F. Bueor. 
(Neto York. Med. Jottm. 8. Oktober 1892.) Erstens verwende man zum Sedimentiereo 
statt des Spitzglases ein cylindrisches Qlas mit konkavem Boden ; ein solchei gestattet 
die Bestimmung des speziüschen Gewichtes, und die Niederschläge bleiben nicht u 
den Seiten des Gefafses haften. 

Die andere Vorschrift bezieht sich auf die Bestimmung des Zuckergehaltei beij 
Diabetes. Man nimmt zwei 4-Unzen-Fla8chen (etwa 120 g), die man mit Urin fSUt; 
die eine wird fest zugekorkt; in die andere kommt der vierte Teil einer komprimiertn 
FLEiSGHMANNSchen Hefetafel. Man läfst sie an einer warmen Stelle stehen, bii dkl 
Glukose in der zweiten Flasche zerstört worden ist, was durch die FEHLiNosche Probe! 
bestimmt wird. Die Differenz der Grade des spezifischen Gewichtes giebt annihe 
die Anzahl Grane (0.06 g) Zucker in einer Unze (28.4) (Irin an. FhilippirNidum. 

Urethrotomia externa, von J. Kennedy. {New York. Med. Joum. 8. Okt 
1892.) Von den fünf Fällen endete einer tödlich infolge schon bestehender molt 
Abscelsbildung der Nieren, welche bei der Autopsie beide fast total zerstört to 
gefunden wurden. Die anderen vier Fälle nahmen einen vollständig befriedigSDdi 
Verlauf. Einmal wurde auch ohne Fnhrungsstäbchen operiert. Indikationen 
tiefgelegene und harte Strikturen mit oder ohne begleitende Cystitis und (aolaer 
Fall No. in) mit mehr oder weniger akuter Urethritis. Aulser bei ganz oberflächlic 
Strikturen zieht Verfasser die externe Methode der internen entschieden vor. 

PhiUppi-NieheiHL 

„Die Wahrheit ttber den Tod Napoleon m.^ giebt uns CabahI:s im Joum. 
mal. cut. et syph. 1892. S. 475. Wir erfahren daraus, d&Ts Napoleon keine allznfaoli 
Meinung von der Kunst der Arzte hatte ; dafs diese sein Leiden längst erkannt 
er sich aber gegen den Katheterismus sträubte u. s. w. Am 1. Juli 1870 fsnd en 
ärztliche Untersuchung durch fünf Arzte statt, die übereinstimmend zu einer 
rieten, und deren schriftliches Gutachten, wie 0. glaubhaft macht, auch der 
vorgelegen hat. Gegen diese erhebt C. den schweren Vorwurf, dafs sie den Eri^ 
herbeigeführt habe, trotzdem sie von dem bedenklichen Körperzustand des Ki 
unterrichtet war. Letzterer habe während des Feldzuges furchtbar ausgebalten, 
den letzten Tagen vor Sedan reines Blut geschifft. — Für uns Deutsche ist dii 
Abhandlung eine neue Bestätigung unserer Auffassung, dafs Napoleon selber den Ki 
nicht gewollt hat. Türkfteim'Hamlmrg. 

AnssptUung der Blase bei chronischer Oystitis der Frauen, von A. S. 

BiNGiER. (Med. News. 15. Oktober 1892.) Es wird hierbei namentlich auf die di 
gende Notwendigkeit peinlichster Antisepsis aufmerksam gemacht. Verfasser verwand 
mit Vorliebe eine Lösung von Borsäure (8.0) mit Natrium biboracic. (4.0) und Ni 
(2.0) in Wasser. Von diesem Gemisch nimmt er etwa einen Theelöffel voll auf 
halben Liter heifses Wasser. In solchen Fällen, wo die Anwendung von HöUens 
lösungen angezeigt ist, darf diese Lösung natürlich nicht gleichgültig gebi 
werden. Die Ausspülungen werden täglich einmal, nötigenfiills auch zweimal 
genommen. Es werden drei Krankengeschichten mit günstigem Erfolge bei 
Methode trotz hochgradiger Symptome ausführlich berichtet. Verfasser glaubt, 
bei Beobachtung seiner eingehend geschilderten Maisregeln viele Frauen 
werden können, die sonst einer schneidenden Operation verfallen. Fhüippi'Nielieim,\ 

Harnstein in der Pars prostatica nrethrae, d'Haenens von (La FoUdimqfi^ 
1892. No. 13.) Der Stein war bohnengrofs und lag schon viele Jahre an genannter 



245 

Stelle. d'H. nimmt an, dafs er sich nicht in loco gebildet habe, sondern eztrapro- 
statischen ürspmngs sei. Er warde entfernt mittelst Cystotomia subpabica. 

C, MüUeT'Fretburg {Schweiz,) 

dadotliTiz dichotoma im Urin, von d'Haekens. {La PolicUnique. 1892. 
No. 13.) Verfasser glaubt, den Befund aus dem Grunde anführen zu sollen, weil er in 
den Beschreibungen über die Hambestandteile den Pilz nirgends erwähnt gefunden 
hat. Derselbe ist übrigens für Mensch und Tier völlig unschädlich. 

C. Müller- Fr eiburg (Schweiz.) 

ürologiBche Beiträge, n. Zur Frage der operativen Behandlung der 
Blasengeschwtilste, von Dr. Otto Zuckbrkandl. (Wien, kUn. Woch. 1892. No. 37). 
Unter Wiedergabe von zwei charakteristischen Fällen bespricht der Verfasser die 
Diagnose, Indikation und Ausführung der Operationen bei Blasengeschwülsten. Für 
die Diagnose wird der Wert des Cystoskops sehr hoch geschätzt, zur Entfernung der 
Tumoren yomehmlich der hohe Blasenschnitt empfohlen. Mit Erfolg operabel sind 
nur umschriebene gutartige Tumoren und maligne Tumoren von nicht zu grolser 
Ausdehnung. Jessner- Königsberg ». Pr, 

Über eine Hamröhrengeschwulst, von Dr. Brown. {The Lancet IS. April 1891. 
IktUsch, Mediz.'Ztg. 1892. No. 20.) Ein 18jähriger Patient mit noch ganz unent- 
wickelten Genitalien litt seit 2V| Jahren an plötzlicher Unterbrechung des Hamstrahls, 
imwillkürlichem Harnabgang in der Nacht, Urinträufeln am Tage; gelegentlich waren 
Blutungen aus der Harnröhre erfolgt. Die Urethra war vor dem Scrotum ballonartig 
aufgetrieben, davor eine harte Masse fühlbar. Tod an Urämie. — In der Pars pro- 
statica fand man bei der Sektion eine polypöse, auf der linken Urethralwand sitzende, 
2 Zoll lange Geschwulst, nach der Blase kolbig, nach vorne spitz. Die Urethra hinter 
dem Polypen so stark wie ein Zeigefinger, ihre Wandungen verdickt; Blase hyper 
tropbisch ; Nieren cystisch degeneriert. Verfasser nimmt an, dafs der Polyp ursprüng- 
lich in der Blase gesessen hat. (War er nicht in der Urethra adhärent?) 

Jessner-Königsberg i, Pr. 

ProBtatavergröfBening, von Obstreich. {BerLmed. GeseU8ch.2, März 1892. Deutsch, 
Mediz.-Ztg, 1892. No. 20.) Die Sektion eines seit 2 Jahren blasenleidenden, 73jährigen 
Herrn ergab : Uugewöhnliche Vergröfserung der Prostata, besonders in den seitlichen 
Teilen. Die rechte Hälfte wie eine Mannsfaust, die linke wie eine Birne grofs; von 
dieser geht ein zungenförmiger Fortsatz in das Innere der Blase. Die Yergrofserung 
ist durch fibro-muskuläre Wucherung bedingt. In der Urethra verschiedene falsche 
Wege; von einem geht ein Abscefs zwischen Blase und Rectum, der eine tödliche 
Peritonitis bewirkt hat. Jessner-Königsberg i. Pr. 

Tod nach Aspiration der Blase oberlialb der Pnbes, von F. D. Sanosr. 
{New York, Med, Jouim, 10. Sept. 1892.) Bei einem 75jährigen Manne mit im- 
permeablen Strikturen der Urethra wurde unter allen antiseptischen Kautelen durch das 
Peritoneum aspiriert. Am nächsten Tage Urinentleerung spontan; aber bald traten 
peritonitische Erscheinungen auf, und es erfolgte der Tod 62 Stunden nach der 
Aspiration. Die unter erschwerenden Umständen ausgeführte Sektion ergab aus- 
gedehnte Adhäsionen um die Blase, aber offenbar weder Eiter noch Urin in der Becken- 
hoble. Nach einfacher Punktion der Blase sind ziemlich viele Todesfälle beobachtet 
worden, Verfasser hat aber keinen weiteren Fall von Tod nach Aspiration in der 
Litteratur auffinden können. Phtlippi-Nieheim, 

Infektion der Harnblase qner dnrcli die Wand, von Reymond (Pariser 
Gesellschaft für Biologie. 5. Juli 1892. BevUsche Med.-Ztg. 1892. No. 65.) Verfasser 



246 

injizierte eine Kultur des Bacillus prodigiosus einem Meerschweinchen unterhalb da 
Blasenperitoneums. 54 Stunden später bestand eine infektiöse GystitiB, der Uiia 
enthielt eine grofse Zahl der Bacillen. Die Wand der Blase war im Niveau 
der Infektion verändert, die Blasenschleimhaut an der korrespondierenden Stelle Site 
einer hämorrhagischen Entzündung. — Es kann also eine infektiöse Cystitis ent- 
stehen durch Fortschreiten quer durch die Wand ohne direkte Zerstörung denelbeo. 

Jessner-Königsberg i. Pr. 

Sarcine im Harn ohne nachteilige Folgen. James Fiklayson fand bei einem 
57jährigen Manne zufällig Sarcine im Harn, der trübe war, sonst nichts Pathologische! 
aufwies. 15 Jahre später war derselbe Befund zu erheben; wahrscheinlich war bä 
einer Eatheterisation, der der Patient sich im Alter von 30 Jahren wegen Beschwerdea 
beim ürinlassen unterziehen mufste, die Sarcine hineingelangt, da Patient nocli zwei 
Jahre darauf Erscheinungen von Blasenreizung hatte, die mit der Zeit aber schwanden. — 
Züchtung gelang nicht. — In einem anderen Falle fanden sich nach acht Tage langem 
Katheterisieren im Wochenbett neben leichter Pyelitis Sarcine im Harn, die aadi 
nach 3 Jahren nachgewiesen werden konnte. {Brit, med. Journ. 27. Juni 1891.J 

George S. Middleton fand bei einem 45jährigen Manne mit einem Bückenmarb- 
leiden ebenfalls Sarcine in dem trüben, sonst aber normalen Harn. Ob jemah 
Katheterismus bei ihm ausgeführt war, ist nicht festgestellt. (Brit. med. J<ntn, 
4. Febr. 1891.) Jessner-Königsberg i. Pr, 

Harnsäure, von N. Wiest. (Med. News. 22. Oktober 1892.) Verfasser hat 
selber fünf Jahre einen Überschufs an Harnsäure dargeboten und berichtet über 
Beobachtungen, die er an sich selber, sowie an anderen in ähnlicher Weise affizierten 
Patienten gemacht hat. Die Symptome, welche er auf ein Ubermafs an Hamsäore 
im Organismus zurückführt, sind (neben Rheumatismus und Tonsillitis als EomplikatioDea 
oder Folgezustände) Kopfschmerzen, namentlich des Morgens eintretend, Bäckea- 
schmerzen. Abgeschlagenheit, Schwindel, Sehstörungen, Ohrensausen, Blutandraif 
zum Gesicht, ferner Abneigung gegen geistige und körperliche Anstrengung, Reizbarkeit, 
Indigestion und Neuralgien, und namentlich Pruritus hiemalis. Ein sehr ausgesprochener 
Fall mit vielfachen nervösen und auch psychischen Störungen wird ausfuhriick 
geschildert und die passende Therapie (im Anschlufs an Professor Haig) kurz angegeben. 

Philippi' Nieheim . 

Ein Fall von spontaner Ezpnlsion eines grofsen Steines ans der Sclieide, 

von Henby f. Leonard. (Med, Bicord, 17. 40. 1891.) Bei einer 60jährigen, pars, 
plegischen Frau trat ein hühnereigrofser Stein durch die Vagina aus, nachdem sie 
zwei Jahre an Harnträufeln und Wundsein der äufseren Genitalien gelitten. Von 
der vorderen Scheidewand führte eine Öffnung in einen kurzen wie mit Sand* 
körnchen belegten Kanal — die Urethra — , von dem man in die gleichfalls griels' 
artig belegte Blase gelangte. Ausspülungen mit Kalium permanganicum besaerten die 
Blasenbesohwerden ; der Fistelgang blieb bestehen. Jessner-Königsberg i. IV. 

Ein Fall von Rnptnra nrethrae, von Dr. Kumar. (Wien, med. Bl 1892. 
No. 14.) Ein Schleifer safs rittlings neben einem grofsen durch Dampfkraft getriebenen 
Schleifstein, als dieser zersprang und ein Stück gegen Perineum und linken Ober- 
schenkel schlug. Bei der Aufnahme: Shockerscheinungen, am Mens veneria, am 
Damm, an der Innenfläche der Oberschenkel Blutergüsse; Prolaps des zerquetschten 
linken Hodens; Blutung aus der Harnröhre; die Blase als kugelige Geschwulst bis 
an den Nabel reichend ; Katheterismus unmöglich. Nach Ürethrotomie wurde aus der 
Blase ein Liter mit Blut gemischten Harns entleert. Trotzdem eine Orokitit mit 
akuter Hydrocele sich ausbildete, in einer Nacht eine profuse Blutung wahrsohein- 



247 

lieh aas der Art. pudend. communis eintrat, die nur durch Tamponade zu stillen war, 
and ein Abscefs am Oberschenkel entstand, ¥rurde der Patient doch bis auf eine 
kleine Fistel am Damm geheilt entlassen. Jessner-Königsberg t. iV. 

Über Erysipel der Harnblase, von Prof. A. t. Fbisch. (Internat, klin. 
Woehauchr. 1892. No. 44.) Nach einer kurzen klaren Übersicht über die Publikationen 
betreffend das Erysipel der Schleimhäute und den Beinnd von Kokken im Harne 
teilt YerfEisser einen Fall von Blasenerysipel bei einem 52jährigen kräftigen Mann 
mit, der wegen chronischer Prostatitis in Behandlung stand. Diese hatte sich vor 
20 Jahren aus einer durch gonorrhoische Infektion bedingten akuten Prostatitis mit 
Dorchbruch in die Blase entwickelt und führte alljährlich wenigstens einmal zu kleinen 
Eiterungen; nach 1 — 2tägigem Fieber entleerte sich der Eiter stets in die Blase. 
Sobald der Harn trübe wurde, war der Anfall vorbei. In der Zwischenzeit quälte ihn 
nur durch nichts zu bekämpfender Priapismus. Zeitweilig trat rasch vorübergehende 
Ham?erhaltnng ein. Die Prostata war geschrumpft, an der Oberfläche höckerig, stellen- 
weise gmbig vertieft. Den 4. Februar 1892 heftiger Schüttelfrost (40,5), tags darauf 
35,5, Druck im Perineum, vermehrter Harndrang, Brennen in der Blase, linker Prostata- 
lappen geschwollen, auf Druck empfindlich. — Den 6. Februar Fieber geschwunden, 
Harn getrübt, eiteriger Bodensatz, jedoch den 8. Februar erneuter heftiger Schüttel- 
frost, dann zwei fieberfreie Tage. Vom 11. Februar ab wieder hohes Fieber, Zu* 
nähme der Beschwerden und Allgemeinerscheinungen, Sopor. Den 13. Februar 
Milasch wellung; Yergröfserung der Prostata (Abscefs?) nicht zu fühlen; im Harn 
Eiter, Epithelien, einzelne Streptokokken. Den 14. Februar Erysipel am Unter- 
schenkel; vom ausgedrückten Prostatasekret und dem durch Centrifugieren gewonnenen 
Barnsediment werden Kulturen angelegt. Den 15. Februar Untersuchung mit 
Cyitoskop nach Eing^efsen einer kokainhaltigen Borsäurelösung; intensiv hochrote, 
stellenweise tief blaurote, stark gewulstete und faltige glatte, ödematose Schleimhaut 
mit kleinen Ecchymosen. — DasErysipelder Haut schreitet weiter; es tritt den 18. und 
19. Februar Anurie ein, der dann unter Naohlafs der Schmerzen und des Fiebers 
Polyurie folgt. Während das Erysipel der Haut übifr den ganzen Rumpf und Kopf 
wandert, bessert sich die Beschaffenheit des Urins, derselbe wird klar, enthält nur 
noch lange viel abgestofsene Epithelien. Schliefslich erblafst auch das Erysipel der 
fiant, und es tritt Heilung ein, sogar mit Schwund des Priapismus. — Das Erysipel 
der Haut in diesem Falle trat in metastatischen vielfachen Herden stets unter Schüttel- 
frost auf und ist wohl daher nur durch Infektion auf dem Wege der Blutbahn 
Ton der Blase aus zu erklären. — Die Kulturen ergaben stets Streptokokkenkolonien, 
die verimpft bei Kaninchen Erysipel erzeugten. — Die Injektion der aufgeschwemmten 
Kulturen in die Blase erzeugte, wenn gleichzeitig die Urethra abgebunden war, eine 
eiterige Cystitis mit Bötung und Schwellung der Schleimhaut und Ecchymosenbildung 
auf derselben. Jeasner- Königsberg i. Pr. 

Radikalkur der einfachen Hydrocele nach einem neuen Verfahren von 

QoATTRocioccHi. Cßoctetä Lanciscana degli Ospedali dt Borna, Biform, med. 12. Sep- 
tember 1892.) Einführung eines 0,2 — 1,2 m langen Katgutfadens (No. 3—6) in das 
Oarum der Hydrocele während der Punktion. Heilung von neun Patienten, seit mehr 
als einem Jahre von Bestand. Jessner-Königsberg i. Pr, 

Verfahren bei der An&stheaie der Tunica vaginalie bei der Behandlung 
der Hydrocele durch Jodinjektionen, von E. Nicaise. (Bull, et mhn, de la soc. de 
chir. de Paria, Bd. 18. S. 151.) Zur Vermeidung der Vergiftung durch Kokain 
verfahrt N. folgendermafsen : Punktion der Hydrocele, Ausfliefsenlassen von einem 



248 

Drittel des Inhalts, iDJektion von 3 — 4 ccm einer 2 — 5% Eokainlösangf; nach i^b 
Minuten Entleerung der ganzen Flüssigkeitsmenge, Jodinjektion. 

Jessner'Königsberg i, JV. 
Zur galvanokaustischen Amputation des Penis von Schick. (Beiträge tur 
klin, Chirurg, Bd. 19.) Die galvanokaustische Amputatio penis giebt keinen BIbv 
Verlust und gute Eesultate ; die Striktur der Harnröhrenmündung wird durch Urethro- 
plastik vermieden. — Von 32 Fällen in Tubingen wurden 28 in dieser Weise operiert, 
von 20, die längere Zeit am Leben blieben, wurden 13 dauernd geheut, 6 gingen tn 
krebsiger Entartung der Leistendrüsen zu Grunde, die also regelmälsig anszurSumeii 
sind. Jessner-Konigsherg i. iV. 

Zur Plastik der Hypospadie von C. Lauenstein. {Arch. f. kUn. Qtr. 
Bd. 43. S. 203—207.) Durch eine einfache und geistreiche Plastik, deren £insel> 
heiten im Original nachgelesen werden mögen, gelang es L., den kurzen Penis ebcs 
Hypospadiäus aus seiner versteckten Lage zwischen den Skrotalhälften emporsuheben 
und den Kranken zu befähigen, den Urin in stehender Haltung ohne Benetzimg des 
Skrotum zu lassen. Jessner-Königsberg i. iV. 

Hodenkrebs bei einem Kinde von Sabrazes und Fromaoet. (SociSte de medeckn 
de Bordeaux, Joum. de med. de Bordeaux. 1890. No. 20.) Bei einem 2Vsjährige& 
Kinde hatte sich vor acht Monaten in der linken Seite des Skrotum eine Geschwulst 
entwickelt von der OrÖfse einer Mandarine, sehr harter Konsistenz und geringer 
Schmerzhaftigkeit. Kastration, Heilung ohne Zwischenfall. Makroskopische Unter- 
suchung: Epithelialkarzinom mit geringer Bindegewebsentwickelung. Verfasser smd 
aus der Litteratur 26 Fälle ähnlicher Leiden bekannt, von denen 2 Enchondrome, die 
übrigen Karzinome und Sarkome darstellen. Prognose ungünstig, da nach 6—12 
Monaten Becidive auftreten, welche den Tod herbeiführen. 

Jessner-Königsberg i, Pr. 

Über den kausalen Zusammenliang von Verdanungsbeschwerden mit der 
Hamretention von Dr. Alapy. (24. Wanderversammlung ungarischer Arzte und 
Naturforscher zu Kronstadt den 22. — 25. August 1892. Wien, med, Wochenschr. 1892. 
No. 45.) Manche Verdauungsstörungen stehen im Zusammenhang mit Hamretention mid 
werden am besten durch methodische Entleerung der Blase behandelt. In der 
Diskussion betonen Dr. Temesvary und Bacbkay, dafs der Zusammenhang auch ner 
vosen Charakters sein kann. Jessner-Königsberg i. Pr. 

Oliirnrgische Erkrankungen der Harnorgane. Blasenstein, von W. S. Fobb» 
(Med. News. 22. Oktober 1892.) Verfasser bespricht die drei verschiedenen Methoden 
der Steinoperation, Litholapaxie, Perinealschnitt und Sectio alta, wobei er seine V<v> 
liebe für die BiOELOwsche Methode, wo immer dieselbe angängig ist, betont. Dabei 
citiert er ausführlich die Arbeiten von P. J. Freyer {Brit Med. Joum. 1891. Pag. 1005 ff.X 
der 470 Litholapaxien ausgeführt und auch mehrere junge Knaben nach dieser 
Methode behandelt hat. Die Details dieses Verfahrens, sowie des hoben Blasen- 
schnittes sind genau und ausführlich mitgeteilt. Philippi-Nieheim. 

üropoätisches System. Klinische Beobachtung, von J. Vertroooen. (Ic 
PolicUniqu^. No. 15.) Es wird ein ausführlicher klinischer Bericht gegeben über 
einen 67jährigen Mann mit Dysurie, verengtem Orificium extemum urethrae, 
Balanitis, Cystitis und renaler und perirenaler Eiteransammlung. Die Behandlung 
besteht in Erweiterung des Orificium, vielleicht auch mit Circumcision, Ausspalung 
der Blase, regelmäfsigem Katheterisieren, Incision des perinephritischen und auch 
Entleerung des renalen Eiters. PhiHppi-Nid^eiw. 



249 

Zar Frage der abortiven Beliandlung der Bnbonen, von Lbtnik. {Wratsch, 
No. 23 u. 25. 1892.) Von 120 Spital- und 20 Privatkranken, die VerfasBer mit parenchy- 
matösen Injektionen von 0,01 Hydrargymm benzoioum oder cyanatum (nach Zkhbnder), 
Drnckrerband und Bettruhe bebandelte, wurde von den erstgenannten bei 104, von 
den letztgenannten bei 18 Resorption der Schwellung erzielt, und zwar durch- 
schnittlich in 9^Vii Tagen. Mifserfolge waren nur in den Fällen mit oberflächlicher 
Flnktuation und Verdünnung der Haut zu verzeichnen. Jeasner-Königaherg t. Fr. 

Über die mannelle Behandlnng des n&chtlichen Bettpissens. (Enuresis 
BOCtoma, von M. J. Rawikowitsch. {Archiv /. Kinderheilkunde, XV. 34.) Verfasser 
bat die von Czillag warm empfohlene Massage gegen Enuresis nocturna bei 10 Kindern 
angewandt und in 12 — 14 Sitzungen gute Erfolge erzielt. Er rät deshalb weitere 
Venaohe in dieser Richtung an. Jessner-Königsherg i. Pr. 

Bin einfacher Apparat zun Sterilisieren von weichen Kathetern (und 

Bongies), von Robebt Kutner. (Therap. Monatsh. No. 11.) 

Die Sterilisierung der Metall- und Kautschukinstrumente kann einfach durch 
Auskochen bewirkt werden, Schwierigkeiten bieten nur die fragilen lackierten Gummi- 
resp. Seiden- (gesponnenen) Katheter und Bougies; diese aber spielen bei Behandlung 
des Residualhames (bei Prostata hypertrophica) die wichtigste Rolle. Die Sterilisierung 
derartiger Instrumente stellt drei Forderungen: 1. Zuverlässige Sterilisation, besonders 
gegenüber dem röhrenförmigen Lumen der Katheter; 2. Sterilisation, die die nicht sehr 
widerstandsfähigen Instrumente möglich wenig angreift; 3. schnelle Sterilisation, da man 
in die Lage kommen kann, schnell eingreifen zu müssen. K. hat einen Apparat 
konstruiert, wo der strömende Dampf durch das Innere des Katheters geht. Die 
bakteriologische Prüfung hat ergeben, dafs Katheter, die mit zersetztem Harne infiziert 
worden, nach 7 Minuten Aufenthalt in dem Apparate absolut steril waren. Ein 
MsRCiER-Katheter vertrug eine 14 malige Sterilisierung. Der Apparat ist von Yergne- 
Paris, 116 Rue de Rivoli fabriziert, und in Berlin bei Windler & Löwy zu haben. 

L. Hoffmann-BerUn. 

Gonorrhoe und Komplikationen. 

Bebandlung der blennorrhaglBchen Cysütiden mittelst Subllmat- 
iiutillationen, von Loumeaü. (Annales de la Policlinique de Bordeaux. 1892. No. 10.) 
L. hat bei 6 Patienten mit akuter und chronischer blennorrhoischer Cystitis die Guyon- 
schen Snblimatinstillationen mit bestem Erfolge angewendet. Die Konzentration der 
wässerigen Sublimatlösungen (kein Alkoholzusatz 1) variierte von 1 : 4000 bis 1 : 3000. 
InstiUiert wurden in jeder Sitzung (wöchentlich 2 mal) bei akuter Cystitis 20, bei 
chronischer 30— 40 Tropfen der Lösung; in den Fällen der letzteren Kategorie wurden 
gleichzeitig Blase und Urethra posterior mit der Flüssigkeit in Berührung gebracht. 
Vor dem Argentum nitricum hat das Sublimat den Vorteil gröfserer Wirksamkeit 
und Reinlichkeit. C. Müller- Fr eiburg (Schweiz). 

Ober die Behandlung der Oystitis mit Sublimatinetillaticnen. Klinischer 
Vortrag von A. d'Haenbns. (La Policlinique-Brüssel 1892. No. 10.) Vortragender hat 
die von Güton eingeführten Sublimatinstillationen bei verschiedenen Patienten ange- 
wendet und zwar in Konzentrationen bis 1 : 3000. Zur Vermeidung resp. Vermin- 
derung der Intoleranzerscheinungen wurden dieselben bei gefüllter Blase vorgenommen. 
Sr hat hierbei die Beobachtung gemacht, dafs bezüglich der günstigen Wirkung bei 
gonorrhoischer Cystitis das Sublimat dem Argentum nitricum nachsteht. Sehr vor- 
teilhaft können sich hingegen die Resultate gestalten bei tuberkulöser Cystitis. 

C. Müller' Freiburg (Schweiz). 



250 

Gonorrhoe und Mikrobien; Behandlong des Tripper-Sheumatismiis mit 
Sublimat-Einspritzungen, von Jüllien. (Joum. d. mal, cut et syph. 1892. S. 388.) 
J. hat einen Fall von Tripper-Eheumatismua mit Sublimat-Einspritzungen erfolgreich 
behandelt. An diese Mitteilung knüpft er Untersuchungen über die verschiedenen 
Foi*men der Urethritis. — In Begleitung des Gonococous Neisser fand er häufig noch 
andere Pilzarten. Sowohl beim Tripper, wie bei der einfachen Urethritis kann es n 
gonorrhoischen Gelenkentzündungen kommen, wobei die erkrankten Gelenke bcld 
den Gonococcus enthalten, bald frei davon sind. — Zum Schluls bemerkt J., dali 
beim Tripper der Gonococcus sich immer im Sekret nachweisen läfst. 

Türkheim-Hambwrg. 

Die Peritonitis gonorrhoica der Frauen, von Ghabrieb. (Referiert in 
Joum. d. mal. cut et syph. 1892. S. 389.) Die Pelveo-Peritonitis tritt gewohnUdi ia 
der 2.-3. Woche der Bestehens eines Trippers auf und wird gewöhnlich mit Schwere 
im Unterleib, Ziehen in den Seiten u. s. w. eingeleitet, dann kommt es plötzlich xa 
heftigen Schmerzen, meistens in der linken Seite, Übelkeit, Erbrechen, Meteorismu, 
später auch Fieber. Bei geeigneter Behandlung und namentlich, wenn die Meoiei 
sich reichlich einstellen, gehen alle diese Erscheinungen bald wieder znrück. Andern» 
falls gewinnen sie noch an Ausdehnung und verschlimmern sich wahrend der Zeit^ 
in der die Menses eintreten sollten. Derartige Fälle sind schon öfters von Kliniken 
irrtümlich für eine Peritonitis menstrualis gehalten worden. — Kommt zu der Peri- 
tonitis gonorrhoica noch Amennorrhoe oder Dysmennorrhoe hinzu, so verschlimmem sick 
alle Symptome noch. — Die Untersuchung ist wegen der grofsen Schmerzhaftigkeit 
sehr erschwert. — Der Ausgang ist selten ein tödlicher, dagegen kommt es häufig zn 
Verwachsungen. Sterilität, O^aralgie, Hysteralgie sind die Folgen. 

Türkhem-Hcanburg. 

Qewisse Erscheinungen in der Gonorrhoe beim Weibe, von C. P. Nobu 
(New York. Med, Joum. 22. Okt. 1892.) Verfasser führt aus, dafs bisher noch kein 
Fall bekannt sei, bei welchem eine gonorrhoische Salpingitis und Oophoritis so weit 
wiederhergestellt worden seien, dafs Konzeption wieder möglich wurde. Er ist wegen 
der Eigenschaft der Gonokokken, bis ins letzte Ende der Tuben hinaufzuwandern, 
geneigt, bei gonorrhoischer Erkrankung der Adnexa im Fall einer Operation nicht 
nur die erkrankten Teile, sondern auch die anscheinend noch intakten Anhängsel des 
Uterus zu entfernen. FhiUppi-Nüheim. 

Die Behandlung des Trippers beim Manne, von Edmund Saalfeld. {Der 
ärztl. Fraktiker. 1892. No. 33. 34.) Verfasser giebt dem praktischen Arzt eine klare 
Anleitung zur Behandlung der Gonorrhoe, in der vor allem auch die Trennung der 
Erkrankungen der Pars anterior und posterior urethrae betont wird. 

Jessner-Königsberg t. iV. 

Abortivbehandlung des Trippers. {Münch. med. Wochenschr. 1892. No. 36.^ 
Nach Janet (Ännal. de mal. des org. gen.-ur. 1892. 4 — 6) soll Kalium permanganicom 
zur Abortivbehandlung der Gonorrhoe geeignet sein, die durch dasselbe anger^te 
seröse Exsudation vernichtet die Gonokokken: Abspülen der Urethra von vorne nach 
hinten vorgehend mit einem Liter einer Vi Voo Lösung von Kalium permanganicom 
und Vorlegen eines in diese Flüssigkeit getauchten Wattepfropfs; 6 Standen spater 
Ausspülen mit 1 : 1500 einschliefslich der Pars bulbosa, 5 Stunden später mit 1 : 1000. 
Die letzten Ausspülungen sind schmerzhaft. Nach 12 Stunden wieder Ausspülung 
mit Vn Voo, nach weiteren 12 Stunden wieder, und so fort noch 4 — 6 Tage. Der 
Erfolg soll sicher sein. — Jedenfalls mufs das Verfahren noch geprüft werden. 

Jessner-Königsberg i. iV. 



251 

In der Societö de Dermatologie (Sitzung vom 23. April 1892) berichtet Ehlers- 
Kopenhagen über einen Fall von Blennorrhoea urethrae, der insofern' interessant 
igt, als die Inkubationszeit volle 22 Tage betrug. 

C. Müller 'Freiburg (Schweiz), 

Ober Herzkrankheiten bei Oonorrhoe, von Wilh. His. (Berl kUn. Wochenschr. 
1892. No. 40.) Verfasser beschreibt einen Fall, bei dem die Gonorrhoe zu schweren pyämi- 
scher Erkrankung geführt hat. Im Verlaufe eines Trippers von geringer Intensität 
kommt es zur Bildung septischer Thromben in den Venen der Prostata und des 
Plexus pubicus, von denen die weitere Infektion des Körpers ausgeht. Zunächst 
lokalisiert sich der Prozels auf den Aortenklappen, anfangs latent, dann, nach 
heftiger Gemütsbewegung und gründlicher Durchkältung, manifestiert sich die ulceröse 
Endocarditis in Hautembolien, die unter Schüttelfrösten auftreten und von einem 
rein hyperamischen, septischen Exanthem begleitet werden. Der weitere Verlauf ist 
der einer pyämischen Erkrankung: septische Embolien in Milz, Niere und Lungen, 
multiple Hämorrhagien unter die serösen Häute und in zahlreiche Organe, interstitielle 
Entzündung des Herzmuskels und wohl, als deren Folge, sehliefslich Herzschwäche, 
die zum Tode fuhrt. Fälle von Endocarditis ulcerosa nach Gonorrhoe sind keineswegs 
häufig. Verfasser stellt noch die in der Litteratur bekannten Fälle zusammen. 

L. Hoffmann-Berlin. 

Über das Methylenblau bei der Malaria nnd bei der Gonorrhoe, von 

E. BoiKBT und Tmntignau. (Bull. mid. 1892. No. 46. Beutsdte Med.-Ztg. 1892. No. 13.) 
Die Verfasser haben an sich und anderen die günstige Wirkung des Methylenblau, 
0,5—1,0 pro die in Pillen, erfahren. Der Urin wird erst grün, dann dunkelblau. In 
fnaf Fallen von Gonorrhoe erzielten sie sehr guten Erfolg, teils durch innerliche 
Darreichung, teils durch Injektionen. Die Mikrobien der Urethra werden gefärbt und 

Terlieren ihre Virulenz und Vitalität. Jessner-Königsberg i. Pr. 

* 

Ein verbesserter Katheter, sowie einige Bemerkungen betreffs Behand- 
lung der HamröhrQ, von C. Wächter. {New York Med. MonaUacJw, 1892. No. VIII.) 
Verfasser hat zur Behandlung des hinteren Teils der gonorrhoisch erkrankten Harn- 
röhre einen Katheter konstruiert, der aus einer engeren inneren Bohre (Zuflufs) und 
einer weiteren kürzeren äufseren (Abfiufs) besteht. Die Irrigationsflüssigkeit tritt 
durch rnckwärtsführende Öffnungen in die Harnröhre und läuft dann durch das 
auisere Rohr ab. Verfasser beginnt die Gonorrhoebehandlung mit Ausspülungen mit 
Borsäure oder Heidelbeerdekokt und untersucht mit Snopfsonde oder Endoskop. 
Dann kommen allmählich steigende Instillationen von Argentum nitricum-Lösungen 
(bis 25*/o) mittelst des eben erwähnten Katheters. Besonders gut bewährt sich dieser 
bei Behandlung der Spermatorrhoe. Diese kommt viel häufiger vor, als man im 
allgfemeinen annimmt, und bildet bei erkrankter Prostata die Ursache der sexuellen 
Schwäche, Neurasthenie etc. F. Hohn-Bremen. 

Über die Mafsnahmen zur Verhütung der Blennorrhoea neonatorum, von 

KnsTEiir.. {Aügem. med. CentraJrZtg. 1892. No. 61 u. 62.) Bei der Umarbeitung des 
Hebammenbuches wurde bei der Frage, ob den Hebammen eine prophylaktische 
Thatigkeit zur Verhütung der Augenblennorrhoe vorzuschreiben sei, von Olshaüsen 
beantragt, dies nicht zu thun, während Bockendahl das CKEDi^sche Verfahren vor- 
geschrieben wissen will. Letzterer Antrag wurde von der wissenschaftlichen Depu- 
tation angenommen. 

Verfasser prüft nun die bisher geübten Methoden zur Verhütung der Blennor- 
rhoea neonatorum auf ihre Nützlichkeit. 

I. Das CRBD^sche Verfahren (Eintröpfelung von 27oiger Argentum nitricum- 



252 

Lösung) hat brillante Resultate ergeben, reizt aber mitunter, wenn auch nv in 
geringer Weise. 

II. Die Methode Ealtenbach (Ausreiben der Scheide mit IVooigem Sablimst, 
Nachspülen mit 4 Litern 1 -. 3000 Sublimatlösung) wies bei strenger Durchfohniiig 
nie Infektion der Augen auf; doch ist die Anwendung so starker Sablimatlösimgen 
gefährlich, auch kann eine so sorgfaltige Keinigung der £reiijBendeD nicht iimner 
durchgeführt werden; endlich ist eine Ausspülung bei normaler Geburt überhaupt 
nicht wünschenswert. 

III. Die Methode Schirmbr-Eorn nimmt die Infektion nach stattgehabter Qebmt 
durch die Hände des Kindes, der Mutter oder der Hebamme an ; es sollen daher di» 
Augen unmittelbar nach der Geburt, noch vor der Abnabelung, nur mit mam 
Wasser und reinem Leinen gereinigt werden; auch diese Methode ergab Tonugtidie 
Resultat^. 

Wenn man nun Methode IL aus den angegebenen Gründen fallen lafst, so lifit 
sich gegen das CREDj^sche Verfahren anführen, dafs es meistens überflüssig iit, 
Reizungen macht, von den Hebammen eine Leistung beansprucht, die ihre Alf* 
merksamkeit von der Nachgeburtsperiode ablenkt, durch ungeschicktes Mantpuhera 
schaden kann und den Apparat der Hebammen kompliziert; femer wird die Sorge 
der Hebammen für Reinlichkeit und sorgfältige Desinfektion ihrer Hände eis- 
geschläfert, wenn sie wissen, dafs sie ein Mittel haben, welches etwa eingetretene 
Infektion verhindern kann. Andererseits erzieht die III. Methode die Hebammen n 
dem, was man in erster Linie von ihnen verlangen muis, zur skrupulösesten Rein- 
lichkeit; Verfasser wünscht daher, dafs obiger Beschlufs der Deputation nidit der 
definitiv mafsgebende bleiben möge; wohl aber sollen die Hebammen in der A» 
Übung der CRKDSschen Methode als eines wirksamen Notbehelfes unterrichtet werden. 

F. Hahn-Bremen, 



^txfonalitn. 



Dr. Hans v. Hebra wurde vom französischen Unterrichtsminister zum Oificier 
d'Academie ernannt. 

Privatdocent Dr. Arnozan ist zum Professor der Therapie, Privatdocent Dr. Fkkbi 
zum Professor der experimentellen Medizin in Bordeaux ernannt. 

Am 22. Oktober fand in St. Petersburg die Jahresversammlung der russischen 
syphilidologischen und dermatologischen Gesellschaft statt, welches fast ausschlielslidi 
er Feier des 30jährigen Jubiläums des Professor der militär-medizinischen Akademie 
Dr. Benjamin Tarnowski gewidmet war. Die genannte Gesellschaft hat den Jubilar, 
welcher seit ihrer Begründung vor 8 Jahren Präsident derselben ist, sum Ehren- 
mitgliede gewählt und beschlossen, auf den Namen des Jubilars eine Prämie n 
stiften, welche für die beste Arbeit auf dem Gebiete der Syphilidologie vergeben 
werden soll. 



253 



)Derf(^iebenes. 

Ober die SteriliBation von JodoforminjektionBflttBBigkeiten, von L. von 
Stubbhbauch. ( CenträUd. f. Chitwrgie. 1892. No. 34.) Verfasser fafst die zur Sterilisation 
Ton Jodoforminjektionsflüssigkeiten nötigen Mafsnahmen folgendermalsen zusammen: 
Die zar Avfnabme der Emulsion bestimmten braunen Gläser sollen kurz gebaut sein 
«ad einen weiten Hals besitzen; wahrend der Sterilisation sollen sie unverschlossen 
bleiben. Die Menge der in einem Glase enthaltenen Flüssigkeit soll nicht mehr als 
10,0 betragen^ die Glfiser erst einige Minuten nach beendigter Sterilisation verschlossen 
werden. Das alles soll die zu starke Entwickelung von freiem Jod verhindern, die 
sonst bei der Sterilisation statthat und heftige Reizersoheinungen machen kann. — 
Eine besondere Vorsicht soll auch die Auswahl des Glycerins erheischen, da unreine 
Oiycerinsorten bei der Sterilisation besonders viel aus dem Jodoform freigewordenes 
Jod aufnehmen. Jesmer-Königsberg i. iV. 

Ober die Wiederherstellung eingesunkener Nasen, von B. F. Weib. {New 
York Med, Jaum, 22. Oktober. 1892.) Die bekannten Sattelnasen, die man relativ 
häufig als Folge der Zerstörung der Nasenknochen, namentlich im Verlauf der Syphilis, 
seht, bedingen eine erhebliche, aber nicht leicht zu beseitigende Entstellung. W. 
Tersüchte, bei einem derartigen Patienten durch Einlegen eines Stückchens Knochen 
vom Brustbein einer jungen Ente die Deformität zu beseitigen. Das Resultat war 
nur teilweise befriedigend, da der implantierte Knochen nach 8 Wochen wieder ent- 
fernt werden mufste. Bessere Resultate ergab die Anwendung der von C. Martin- 
Lyon ang^ebenen Platinstützen. Drei auf diese Weise behandelte Fälle zeigten eine 
bedeutende Besserung. Verfasser berichtet zugleich über einige andere von ihm ans- 
gefobrte plastische Nasenoperationen. Fhilippi-Niefieim. 

Die Verwendung des Jodcollodinms bei den Haarkrankheiten als Ent- 
haarungsmittel, von L. Butte. {Joum. des maL cut. et syph. 1892 S. 459.) Butte 
empfiehlt das JodcoUodinm weniger als Heilmittel bei den verschiedenen Formen des 
Haarschwunds. Er hat hier nur bei frühzeitiger Anwendung, wenn erst wenige kahle 
Stellen vorhanden sind, leidliche Erfolge zu verzeichnen. Dagegen hat es ihm als 
Bathaami^mittel beim Herpes tonsurans (Teigne tondante) die besten Dienste 
geleistet. Bei dieser Krankheit ist es ungeheuer mühsam und zeitraubend, die 
kranken Härchen mittelst Pincetten von den Plaques zu entfernen. Bestreicht man 
die Plaques dagegen an 3 — 4 aufeinanderfolgenden Tagen täglich mit einer dicken 
Schiebt Jodoollodinm und entfernt die ganze Masse nach 14 Tagen behutsam, so 
•uzen so ziemlich samtliche kranke Haare an der Innenfläche des Jodcollodium- 
Kantels. Natürlich hat dann erst die eigentliche Behandlung der Trichophytiasis mit 
Waschungen u. s. w. zu beginnen. Die Heilung erfolgt gewöhnlich in 2—3 Monaten. 
Dasselbe Verfahren empfiehlt sich auch für den Favus. 
Die Zusammensetzung des Jodcollodinms ist folgende: 

Spirit vin. 12,0 

Jod, pur, 0,75 

Cölhd. 35,0 

Ol, therebinih. 1,5 

Ol. Hein. 2,0 

Türkheim-Harnburg. 



254 

Als Depilatorium empfiehlt T. Auoüstvs Fox die Verbindang von Schwefel- 
baryum mit Stärkemehl und Zinkoxyd zu gleichen Teilen. Vor der Anwendung mit 
Wasser zu einer Paste verarbeiten and 2 — 3 Minuten auftragen, dann mit einem 
stumpfen Messer entfernen. 

{Brit. med. Joum. 19. März 1892. Deutsche Med.-Ztg. 1892). 

Jeasner-KörUgaberg i. Pr. 

Stomatitis infolge von Reizung der Epithelperlen im Mnnde asi. 
geborener E^der, von H. J. Gabrigües. (Med. News. 1. Okt. 1892). BekanntUd 
bat Epstein auf das Vorhandensein eigentümlicher Epithelperlen im Munde neu- 
geborener Kinder aufmerksam gemacht. Diese Gebilde sind kleine, weifise, kugelige 
Tumoren von Stecknadelknopf- bis zu Hirsekomgröfse und sitsen meistens an dar 
Übergangsstelle des harten in den weichen Ghtumen; manchmal findet man nur einen 
einzigen, manchmal mehrere, zwei bis fünf. Aufsen sind sie härtlich, oft fast wie 
Knorpel, innen dagegen weich. Manchmal sieht man sie erst einige Tage nach der 
Geburt hervortreten, meistens sind sie aber unmittelbar etc. zu sehen. W^n ne 
nicht gereizt werden (durch zu vieles Mundauswischen), verschwinden sie im Lade 
weniger Wochen, spätestens am Ende des ersten Jahres vollständig*. Von dei 
BBDNABschen Aphthen überm Hamulus pterygoidens unterscheiden sich die ans den 
Perlen entstehenden Geschwüre durch ihren Sitz, von Soor und Diphtherie tnch 
durch die sonstigen bekannten Eigenschaften. Die in diesem Artikel beschriebeBt 
Epidemie von Stomatitis hörte sofort auf, als das energische Auswischen des Mundes 
sistiert wurde. Philippi-Niehem. 

Handdesinfektion, von Prof. Howard A. Kellt. {The american Jbacm. o/ 
öbstetrics 1891, No. 12. Deutsche Med.'Ztg. 1892. No. 19. Als bestes Desinfektionsmittel 
der Hände empfiehlt der Verfasser: 

1. Zehn Minuten Bürsten mit 40^ warmem Wasser mit besonderer Berücksichtigung 
der Nägel; 

2. Eintauchen in 25 % mit kochendem heifsen Wasser hergestellter Lösung nn 
Kalium permanganicum, bis die Hände ein dunkleres Kolorit annehmen. Zur Ent- 
färbung der Hände wird eine gesättigte Oxalsäurelösung genommen; 

3. Abspülen in warmem, sterilem Wasser. 

Ob das Verfahren bequem und schnell ausfuhrbar ist, daran dürfte man fnglick 
zweifeln. Jessner-Königsberg i. IV. 

Über eine seltene Haargeschwnlst im meneclilielien Magen, von 
0. BoLLiNOER-München. {Med, Abhandlungen I. Beihe. 4. Heft. Deutsche Med.'Zi§, 
1892. No. 21.) Ein 14jähriges Mädchen erkrankte an Verdauungsstörungen und 
Schmerzen im Magen, an dem ein Tumor fühlbar war. Dieser erwies sich bei der 
Sektion als ein in dem Magen liegender Knäuel verfilzter Haare. Im Alter von vier bis 
fünf Jahren hatte dasselbe die Gewohnheit gehabt, Haare durch den Mund zu neben 
und dabei wahrscheinlich stets die Enden abgebissen. In der Litteratur sind neun 
derartige Fälle bekannt, darunter ist einer von Sghökborn mit Erfolg operiert. 

Jessner-Königsberg t. Pr. 

Die bekannte Firma Heinrich Mattoni, erste k. k. konzessionierte Fabrik für 
Moorextrakte, Salze und Mineralwasserfabrik, hat auch in diesem Jahre einen sehr 
geschmackvoU ausgestatteten Abreilskalender zur Versendung gebracht, der für die 
Herren Kollegen deshalb sehr willkommen sein dürfte, weil er neben seiner Eigensdiaft 
als Kalender noch mit den Indikationen der Mineralwässer und den Gutachten über 
dieselben versehen ist, und man sich in zweifelhaften Fällen hier sichern Bat holen 
kann. P. Taenzer-Bremen. 



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Band XVI. Ni 6. 15. März 1893. 



Lepra und die Frage ihrer Kontagiosität nach Beobachtungen 

in Eonstantinopel. 

Von 

Dr. med. E. von Dübing, 

Professor für Dermatologie und Syphilis an der J^cole Imperiale de medecine. 

Einleitung. 

Die nachfolgenden Mitteilungen waren bestimmt, auf dem Kongrefs 
in Wien verlesen zu werden. Die Ungunst der Verhältnisse dieses 
Cholera-Sommers und die daraus resultierenden Quarantänen haben eine 
Eeise nach Wien verhindert. 

Diese Mitteilungen hätten vielleicht deshalb einiges Interesse bean- 
spracht, weil Zambago ebenfalls einen Vortrag über Lepra angekündigt hatte. 

Zämbaco hat wohl mehr Lepra gesehen, als die meisten Ärzte der 
Welt; er hat ausgedehnte Reisen unternommen, um auch an andern Orten 
und unter anderen Verhältnissen die Lepra zu studieren. Er ist auf 
Grund seiner klinischen Erfahrungen — und nur diesen spricht er 
eine entscheidende Bedeutung zu — entschiedener Antikontagionist. Ver- 
fasser dagegen ist nach mehr als 3 jähriger Beobachtung an 120 Fällen, 
die zum grofsen Teil ebenfalls früher oder später von Zambaco beobachtet 
sind, nur in seiner Überzeugung von der Kontagiosität der Lepra be- 
stärkt worden. 

Die Lepra, überall, in allen Zonen und unter allen Verhältnissen 
dieselbe Krankheit, erregt seit einiger Zeit, von Jahr ^n Jahr mehr, das 
wissenschaftliche Literesse, denn sie ist, von alten Herden ausgehend, 
durchaus im Zunehmen begriflfen. Über ihre Verbreitung giebt es nur 
für wenige Länder genaue Daten. Zambaco gebührt das Verdienst, zuerst 
etwas genaueres über ihre Ausbreitung im Orient veröflfentlicht zu haben. 

Anfser in anderen Publikationen, die ich unten in einer Zusammen- 
stellung geben werde, hat Z. seine Erfahrungen über den Orient in einer 
(anch schon in dieser Zeitschrift erwähnten) Arbeit: Voyages chez les 
l^preux^ in mehr feuilletonistischer Weise niedergelegt. Die Arbeit ent- 

' Voyages chez les Upreux. Par le docteur Zambaco Pacha. Paris. G. Massen. 1891. 

MonaUhefte. XVI 19 



256 

hält sehr viel schätzbares Material; sie leidet nur an einem grolsen FeUisr: Sie 
ist in gar zu einseitiger Weise eine Apologie der Nichtkontagiosität der Lepra. 
Genau sind die von Zambago gegebenen Daten wohl nur annfthenmgs- 
weise. Denn in einem so eigenartigen Lande, wie es das osmanische Reich 
ist, wo nebeneinander, streng voneinander gesondert, so viele Nationen 
und Konfessionen leben, die sich vermöge ihrer — meist religiösen — 
Privilegien und auf Grund der Kapitulationen sehr fest organisiert und 
abgeschlossen haben, ist eine genaue Statistik ganz unmöglich. 

L Die Lepra bei den verschiedenen Nationalitäten. 

Meine eigenen Beobachtungen erstrecken sich 

1. auf solche Kranke, die von auswärts, aus Kleinasien und von deo 
griechischen Inseln hierher kommen, 

2. auf hier angesessene Lepröse. 

Den Nationalitäten nach verteilen sie sich unter Türken, Griechen 
und spanische Juden. Armenier mit Lepra habe ich selbst zu beobachten 
keine Gelegenheit gehabt. 

a. Die Türken. Alle Türken, weichein meine Beobachtung kamen, 
waren nicht in Konstantinopel gebürtig, sondern stammten sämtlich ans 
Kleinasien; die meisten aus dem Yilajet Castamuni, am Südufer des 
schwarzen Meeres (mit den Hafenstädten Sinope und Ineboli), ein anderer 
Teil aus der Umgegend von Konia, südlich von Angora. 

Eine Leproserie — Miskinhane — existiert auf asiatischer Seite, in 
Scutari. Sie liegt an dem Südostrande des berühmten, einem Cypressen- 
wald gleichenden, alten türkischen Kirchhofes von Scutari. Es ist ein 
kleines, altes Gebäude; es macht den Eindruck eines kleinen Bauernhofes. 
Im QuaiTe gebaut, umschlieist es einen kleinen Hof, der durch einen 
Thorweg auf der Südseite zugänglich ist. Auf diesen Hof, durch eine 
gedeckte Galerie geschützt, münden die Thüren der Zellen — oder hesser 
Löcher — , die den 2 — 3 Lisassen zum Aufenthalt dienen. Die Zellen sind 
düster und feucht, sie empfangen ihr Licht nur durch ein kleines, hodi 
gelegenes Fenster. Die Armen liegen auf dem Boden; irgendwelche, 
auch die bescheidenste Annehmlichkeit, Licht, Luft und Wärme mangeln 
ihnen. Überdies sieht es mit ihrer Ernährung mangelhaft aus. Zahbaco 
hat sich freiwillig dieser Armen angenommen und sucht ihnen Zuwen- 
dungen von Seiten der Regierung zu verschaffen, aber seine Anstren- 
gungen haben noch nicht den verdienten Erfolg gehabt. 

Als ich dieses Asyl besuchte, waren etwa 20 Lepröse dort. Die 
„Miskinhane^ ist ausschlielislich für Türken bestimmt. Sämtliche In- 
sassen sind nicht aus Konstantinopel; sie kommen alle aus KleinasieD, 
Castamuni, Tchangri, Boli, Sinope.* 

^ Zambaco 1. cit. 



257 

Häufig werden hier, besonders aus Castamuni, per Schub Kranke 
eingeliefert, die gar nicht leprös sind. Veraltete Hautkrankheiten, Syphilis 
spielen bei falscher Diagnose, Böswilligkeit sogar ohne Diagnose eine 
Bolle. Zambaco sagt, dafs er oft die gröJüsten Schwierigkeiten hat, Nicht- 
lepröse wieder in ihre Heimat zurückzuschicken. Das Volk ist fest von 
der Kontagiositftt der Lepra überzeugt. Die Leprösen leben wie in 
einer Art Kloster, Teke; sie tragen zum Zeichen dessen grüne Turbane. 
„Die Leprösen in Scutari sind mit dem Namen ,,D6dös^ belegt — eine 
Bezeichnung, die man häufig auf die Derwische und Mönche islamitischer 
Klöster anwendet. Der Miskin oder Lepröse, der einmal in der Lepro- 
serie eingetragen ist, kann das Haus, selbst vorübergehend, nicht mehr 
Terlassen. Denn da die Regierung und das Volk ihn als einen von einer 
eminent kontagiösen Krankheit Befallenen ansieht, darf er sich nicht 
frei überall bewegen. Er darf selbst die etwa 10 Meter vom Eingang 
an der Strafsenseite aufgestellten Grenzmarken nicht überschreiten, um 
zu betteln." 3 

Li diese Leproserie finden selbstverständlich nur Muselmänner Auf- 
nahme. 

Die wenigen Türken, die ich mit Lepra zur Beobachtung bekam, 
waren meist Soldaten, bei denen die Diagnose behufs Entlassung bestätigt 
Verden sollte, oder Lastträger. Sie bleiben meist nicht lange frei; ent- 
weder sie kehren — freiwillig oder unfreiwillig — in ihre Heimat zurück 
und werden dort in einer Miskinhane untergebracht, oder sie kommen in 
die Leproserie von Scutari. Aus der besseren Klasse ist mir kein lepröser 
Türke znr Beobachtung gekommen. 

b. Die Griechen. 

Etwas häufiger als Türken kamen Griechen in meine Beobachtung. 
Fast alle Griechen, die ich sah, stanimen von den griechischen Inseln 
Tmd zwar besonders von den Liseln Mytilene, Chios und Creta. Ich kann, 
mit einer Ausnahme, die von hohem Interesse ist und weiter unten ein- 
gehend erörtert werden soll, auch hier betonen, dais ich Lepra bei 
ßriechen, die in Konstantinopel gebürtig sind, nicht gesehen habe. 

Sie kommen hierher von den Inseln als Barkenführer, Händler mit 
Oliven, Öl und Holz ; man sieht vorgeschrittene Lepra z. B. bei Schuh- 
putzern auf der Strafse, bei Bettlern. Da sie eine Leproserie nicht be- 
sitzen und in den Krankenhäusern dauernd keine Aufiiahme finden, 
kehren sie meist, wenn sie keine Subsistenzmittel haben, in ihre Heimat 
zurück, wo sie in den „Leprochorien^ untergebracht werden. Die Furcht 
▼or Ansteckung ist im allgemeinen unter den Griechen sehr aus- 
gebreitet. 



' ZlHBACO 1. c. 

19^ 



258 

c. Die spanischen Juden. 

Die spanischen Juden stellen weitaus das grölste Kontingent zu den 
Leprösen in Konstantinopel. Wenn annäherungsweise 300 Lepröee (eher 
mehr als weniger) in Konstantinopel sein mögen, so sind mindestens Vs 
derselben Israeliten. 

Diese Juden sind im Jahre 1492 unter Ferdinand dem Katholtschea 
aus Spanien vertrieben und haben hier in der Türkei, unter Schonimg 
ihrer Religion und Verleihung religiöser Privilegien, Aufnahme gefunden; 
sie bewohnen fast ausschlieislich einige Quartiere: auf der Südseite des 
goldenen Homs, im eigentlichen Stambul, das Quartier Bai ata, am 
nördlichen Ufer Haskeui und am Bosporus das Dorf Couscoundjonk. 
Natürlich findet man hin und wieder auch anderswo einzelne ihrff 
Glaubensgenossen. Diese Israeliten leben unter sich noch so, wie sie vor 
400 Jahren gelebt haben, als sie herkamen r sie sprechen spanisch, sie 
tragen ihre besondere Tracht, sie sondern sich — was übrigens von 
Türken, Griechen und Armeniern fast ebenso gilt — vollständig ab. Der 
gröüste Teil derselben ist arm, sie leben in elenden Holzhäusern, in denen 
sie im Sommer von der Hitze und im Winter von der Feuchtigkeit 
leiden; sie strotzen von Wanzen; parasitäre Hautkrankheiten sind selbst 
unter den leidlich situierten aufserordentlich häufig. Sie leben von frischen, 
geräucherten und gesalzenen Fischen und Fischspeisen, Olgerichten an- 
appetitlichsten Aussehens, Früchten und Süfsigkeiten. Sie gehen Sommer 
und Winter in einem pelzgefütterten Mantel; die Heizung im Winter ist 
möglichst unhygienisch. Sie hocken mitten im Zimmer auf der Erde 
um einen „Mangal^, ein ofiFenes Kohlenbecken. Es macht einen komischeD 
Eindruck, so eine ganze Familie, fast alle, auch die Weiber, Cigaretten 
rauchend, die Hände über das Kohlenfeuer gestreckt sitzen zu sehen. 
Sie haben unter sich eine sehr strenge Zucht, unter einem Oberrabbiner; 
ihre Zugehörigkeit zur Gemeinde schützt sie nach den Kapitulationen vor 
vielen Eingrifien der türkischen Behörden. Ihr Familiensinn ist rührend, 
und darin liegt eben das Geheimnis, weshalb es unmöglich ist, die 
Leprösen aus der Familie zu entfernen. Ich habe gradezu grausig ent- 
stellte, stinkende, mit ülcerationen vom Kopf bis zur Zehe bedeckte 
Lepröse in den Familien getroffen. Eine jüdische Leproserie existiert 
nicht, und ich glaube nicht, dafs, falls sie existierte, man die Familien 
zwingen könnte, die Leprösen dorthin zu bringen. 

Sie leiten den Ausbruch der Lepra fast stets von einem Schrecken 
her. „Es war ein Brand", oder „er wurde mit dem Messer bedroht** etc. 
Aber das ist überhaupt so Anschauung im Orient; fast alle Hautkrank- 
heiten werden vom Schreck hergeleitet — ja sogar Frakturen etc. haben 
ihre Ursache im Schreck. 

Von alters her glauben sie, daiä die Lepra ansteckend ist; wie weit 



259 

Zambago ihnen diese Ansicht genommen hat, vermag ich nicht zu sagen. 
Jedenfalls hahe ich jetzt schon einige getroffen, welche die Krankheit 
nicht mehr für ansteckend halten. 

Obwohl nun doch im ganzen die Überzeugung von der Übertrag- 
barkeit und besonders von der Heredität der Lepra ihnen mehr oder 
minder bewufst ist, trennen sie sich nie von ihren Angehörigen; sie 
pflegen sie bis zum letzten Augenblick in der Familie und wenden das 
Letzte auf, um sie zu pflegen und sie behandeln zu lassen. Sehr selten 
hört man, dafs eine Ehe bei ihnen deshalb geti*ennt ist — um so auf- 
fiüliger, weil sonst Ehescheidungen bei ihnen sehr häufig sind. 

Einen Punkt aus dem eben Mitgeteilten will ich resümieren: Wir 
sahen, da& alle leprösen Türken aus Kleinasien, alle leprösen Griechen 
von den Inseln stammen; dafs in Konstinopel geborene Griechen und 
Türken sich nicht unter unseren Patienten finden. Dagegen sind alle 
Israeliten eingeborene Konstantinopolitaner. Hieraus lädst sich ein eigen- 
tömliches Gesetz ableiten: 

Die Lepra in Konstinopel herrscht endemisch nur bei 
den spanischen Juden — alle Fälle, die andere Nationen 
betreffen, sind eingeschleppt. 

U. Die Frage der Kontagiosität der Lepra. 

Wenn ich auf diese Frage tiefer eingehe, als manchem europäischen 
Kollegen motiviert erscheint, so muJb ich mich damit entschuldigen, dalB 
die Frage der Kontagiosität hier zur brennenden Tagesfrage, zum Teil 
sogar in den politischen Tagesblättem, geworden ist. Seit ich vor drei 
Jahren in der Society Imperiale de mödecine diese Frage auf die Tages- 
ordnung gebracht habe, besteht eine lebhafte Kontroverse zwischen Zambago 
und mir, die seinerseits nur schriftlich in an die Sociätö gerichteten 
Briefen geführt wird. 

Den meisten Ärzten, und ich rechne mich zu dieser Zahl, mag die 
Frage, ob die Lepra kontagiös ist, ganz unmotiviert erscheinen. Lepra 
ist eine bacilläre Krankheit und also ist sie kontagiös. Das Wie 
allerdings kann zu durchaus wissenschaftlichen Kontroversen Anlafs geben, 
ob es Zwischenträger giebt, oder ob eine Ansteckung von Mensch zu 
Mensch erfolgt. Ich habe Zambago von vorneherein entgegengehalten, 
dals uns eigentlich der gemeinsame Boden zur Diskussion fehlt. Er ist 
Antikontagionist und legt alles Gewicht auf eine, wenn ich so sagen darf, 
hereditäre, resp. atavistische Dyskrasie — ein Standpunkt, zu dem ich 
mich nicht aufzuschwingen vermag. 

Solange allerdings die Keinzüchtung der Leprabacillen wenigstens, 
Qod wenn es überhaupt möglich ist bei Tieren, die Erzeugung von Lepra 



260 

experimentell durch Impfung von Kulturen nicht gelungen ist, * ist der 
anatomische Beweis für die Kontagiosität der Lepra nicht voll erbracht 
Da aber überall, in allen Produkten, in allen Fällen der Leprabacilliu 
gefunden wird, so können wir, nach dem heutigen Stande unseres 
pathologisch anatomischen Wissens nicht anders schlielsen, als dals dieser 
Bacillus die Ursache der Krankheit ist, und dals die Verbreitung 
derselben nur durch Verbreitung, i. e. Übertragun'g dieses Bacillus 
möglich ist. 

Ich habe in unseren Diskussionen immer das Beispiel der Tuber- 
kulose herangezogen. Wenn wir uns vergegenwärtigen, welche Phasen 
der Streit über die Frage: „Ist die Tuberkulose kontagiös oder nicht'', 
durchgemacht hat, bis KooH den exakten Beweis erbracht hat; bei der 
Tuberkulose, die so überaus häufig ist, die überall, unter den günstigsteo 
klinischen Beobachtungsbedingungen, von jedem Praktiker und dem 
gröfsten Kliniker beobachtet werden konnte — dann müssen wir zugeben, 
dafs eine rein klinische Entscheidung der Frage, ob eine so viel 
seltenere, so unendlich viel weniger beobachtete Krankheit, wie die Lepra 
ist, unendlich viel schwieriger, unendlich viel weniger wahrscheinlich ist. 
Die klinische Beobachtung bleibt immer, trotz der gröfsten Objek- 
tivität, subjektiv. Diesen Standpunkt greift Zambago hart au. Er legt 
auf die Gegenwart der Bacillen gar keinen Wert, wie er noch durch 
seine letzte Mitteilung an die Academie de mödecine in Paris bewiesen 
hat.^ (Er bezeichnet hier kurzweg die MoRVANsche Krankheit als Lepra.) 

Zambago bestreitet die Kontagiosität der Lepra mit folgenden 
Gründen. Seine klinischen Beobachtungen haben ihm nie einen Fall von 
direkter Übertragung gezeigt; er hat nie eine Ansteckung erlebt, selbst 
da nicht, wo lepröse Männer jahrelang mit gesunden Frauen — und um- 
gekehrt — lebten ; er hat durch seine klinische Beobachtung konstatieren 
können, dafs Lepröse in ihren Familien leben, dafs Gesunde (speziell in 
der Leproserie von Scutari) bei den Kranken jahrelang, tagaus, tagein, 
im selben Raum, unter Benutzung der Reichen Betten, Wäsche, Geschirre 
zusammenleben, ohne daiis je eine Ansteckung erfolgt ist. 

Wenn wir ihm auf seinen Standpunkt als Kliniker einen Augenblick 
folgen wollen, müssen wir sagen, dals zunächst alle negativen Beweise nnll 
und nichtig sind einer positiven Beobachtung gegenüber. AUei'dings kommt 
es ohne das beweisende Experiment stets wieder darauf hinaus, wie man 
den Fall interpretiert; die klinische Beobachtung ist stets subjektiv, mdir 
oder minder. 

Weiter aber wollen wir hier noch einmal auf die Tuberkulose 
zurückgreifen. Wieviele einwurfsfreie, vor aller Kritik stichhaltige 



* loh sehe absichtlich hier von ARNiNas Lepraimpfung ab. 

* Nach Semaine midicale. 1892. No. 42 u. 4.3. 



261 

klinische Beweise von direkter Übertragung der Tuberkulose giebt es 
denn? Mir fehlt leider die Litteratur, aber ich erinnere mich einer 
Kritik Bauhgabtbns ans der Zeit der Hochflut der Mitteilungen über 
direkte Uberti'agung der Tuberkulose — es hielten sehr wenige Fälle vor 
seiner Kritik stich. 

Und selbst wenn ein Kliniker aus seiner Beobachtung zahlreiche 
Beispiele anführen könnte, dafs z. B. ein gesunder Ehemann einige Zeit 
nach dem Tode seiner tuberkulösen Gattin ebenfalls tuberkulös erkrankt 
sei — so beweist das bei einer so aulserordentlich häufigen Krankheit für 
einen prinzipiellen Gregner der Kontagiosität gar nichts. Ist für den 
Antikontagionisten bei der Häufigkeit der Tuberkulose nicht eine zufällige 
Eoincidenz viel natürlicher, als die Annahme einer Übertragung? und 
wie viel häufiger bleibt nun erst, trotz jahrelangen Beisammenlebens, der 
andere Teil doch gesund! 

Aber Zambaco beharrt absolut darauf, diesen klinischen Standpunkt 
nicht verlassen zu wollen; er hat mir bis heute die mehrfach gestellte 
Frage: ob er denn die Tuberkulose für eine bacilläre, kontagiöse Krankheit 
halte, nicht beantwortet. 

Er hält an seiner Krasenlehre fest. Schlechte hygienische Verhält- 
nisse, schlechte Nahrung, schlechte Fische, ungesunde Wohnung, Elend, 
Gemütsbewegung sollen zur Erkrankung „disponieren^ oder gar dieselbe 
veranlassen. Er vermeidet es, sich darüber auszusprechen, ob er die 
Bacillen als etwas Primäres oder als etwas Sekundäres ansieht — neigt 
aber offenbar, besonders nach der eben erwähnten Mitteilung an die 
Akademie, zu letzterer Ansicht. 

Auf diesen Stadpunkt können wir ihm nicht folgen. Die Lepra ist 
anbestreitbar eine bacilläre Krankheit. Wir glauben auch, weiter unten 
einige und besonders eine sehr eklatante Beobachtung bringen zu können, 
die beweist, daüs sie von Mensch zu Mensch kontagiös ist. Aber selbst 
der, für den diese Beobachtungen nichts Beweisendes haben, mufs das 
zageben, dals die Kränkelt nur da acquiriert werden kann, wo sie schon 
besteht, — dals es autochthone Lepra nicht giebt. Über die Frage zu 
diskutieren, ob es klimatischer Einflüsse, bestimmter Nahrungen, besonderer 
Bodenbeschaffenheit bedürfe, um die Infekion zu begünstigen, hat so lange 
keinen Zweck, als wir die Lebensbedingungen des Bacillus nicht kennen. 

Zahbago steht auch auf seinem klinischen Standpunkte zu einseitig 
auf den Anschauungen, die er in einem Lande erworben hat, wo die 
Lepra endemisch herrscht und also eklatante Infektionen nicht so häufig 
oder andere Erklärungen möglich sind. 

Wer aber seine ersten Eindrücke von der Lepra an Personen ge- 
schöpft hat, die gesund — ohne die Möglichkeit einer „hereditären 
Disposition" — Europa verliefsen, um nach einigen Jahren leprös wieder- 



262 

zakeliren, der ist von vorneherein für die Annahme der KontagioD 
„prädisponiert". Und derartige Fälle sind leider in Frankreich, Deutsch- 
land und England nicht mehr selten. Ich selbst hatte als Assistent bei 
Dr. Unna in Hamburg Gelegenheit, derartige Fälle zu beobachten. 

Da in diesen Fällen ^hereditäre Dyskrasie" oder ^atavistisehe 
Prädisposition ^ ausgeschlossen war, hätten also nur Elend, schlechte 
hygienische Verhältnisse etc. eine Solle spielen können. Aber gerade 
alle Fälle, die ich von so „erworbener". Lepra beobachtet habe, betnfen 
Leute, denen es an keinem Komfort des Lebens gebrach, — die aber 
wohl mit Leprösen in Berührung gekommen waren. 

Ein Einwurf, den auch Hirsch^ macht, ist der, weshalb diese ein- 
geschleppten Fälle keine neuen Lepraherde schafiPen, wenn die Lepn 
kontagiös ist. Vielleicht liegt der Grund darin, dais derartige Kranke, 
wenn sie guten Familien angehören, durch die peinliche Sauberkeit und 
Aufinerksamkeit keine Gelegenheit geben zur Lifektion; und wenn sie 
armen Klassen angehören, so werden sie eben Krankenhäusern überwiesen. 

Ubermäfsig grofs ist unter normalen Bedingungen die Ansteckungs- 
gefahr der Lepra entschieden nicht — noch geringer offenbar, wie die 
der Tuberkulose. Zambago'^ ist entschieden nicht berechtigt anzunehmen, 
dalj9 man in Athen offenbar die Lepra nicht „für kontagiös halte, weil 
man die Leprösen mit anderen Kranken zusammenlege^. Sind denn in 
allen grofsen Hospitälern die chirurgischen Tuberkulosen und die Phthisen 
von den übrigen Kranken gesondert? Und befürchtet man etwa, bei 
Beobachtung der nötigen Sauberkeit, dafs andere Kranke infiziert werden? 
Spricht man etwa damit aus, dafs die Tuberkulose nicht kontagiös sei? 
Übrigens findet eine Einschleppung der Lepra in Europa in gröiserem 
Umfange erst seit relativ kurzer Zeit statt; und falls man diese Fälle ndi 
häufen und dann sich selbst überliefse, so wäre theoretisch noch gar nicht 
ausgeschlossen, dals derartige Herde nicht doch noch entstehen könnten. 

Nach Zambago spielt weitaus die gröiste Rolle die Heredität. Wenn 
Zambaco darunter eine ererbte Anlage im Sinne einer Dyskrasie versteht, 
so können wir ihm leider hierin auch nicht folgen. Es ist unbestreitbar, 
dafs Lepra sich — wie Tuberkulose — in mehreren Generationen einer 
Familie findet. Eine Heredität ist also zweifellos vorhanden. Aber sie 
ist doch nur eine andere Form der Infektion — es ist die germinatiTe 
Übertragung; wir adoptieren hier die von Baumo arten® entwickelten 
Anschauungen voll und ganz. Das Ei, die Samenzelle enthält schon den 



' Hirsch, Handbuch der historisch- geograph. Pathologie. 1881. (Vielleicht hit 
HiBSCH heute seine Meinung schon geändert?) 

' 1. cit. pag. 297. 

" Baukoartbn, Lehrbuch der pathologischen Mykologie^ siehe die Artikel: Tnber- 
kulose, Lepra und Sporozoen der Pebrinekraukheit der Seidenraupe. 



263 

Infektionsträger, und was man bisher als „Diathese^, als krankhaften 
Habitus bezeichnete, ist nur der Ausdruck des Kampfes den der Organis- 
mus gegen diese Invasion führt. ^ 

Die Annahme der germinativen „Übertragung" erklärt die „Vererbung" 
in den Familien, sowohl für Tuberkulose wie für Lepra ToUkommen; 
ja sie ist sogar wahrscheinlicher, als eine Infektion nach der Geburt. Die 
Übertragungsbedingungen sind glücklicherweise für beide Krankheiten 
keine günstigen, da die Existenzbedingungen der beiden Krankheitserreger 
anlserhalb des tierischen resp. menschlichen Körpers sehr ungünstige sind. 
Denn wenn schon die Häufigkeit der Tuberkuloseninfektion glücklicher- 
weise immer noch lange nicht der Häufigkeit der Tuberkulose entspricht, 
obwohl doch die Tuberkelbacillen mit den Sputis etc. sehr leicht an die 
Oberfläche befördert werden, so gilt das noch viel mehr von der Lepra, 
deren Bacillen aufserordentlich viel weniger Gelegenheit zum Freiwerden 
haben. Glücklicherweise arbeitet die Natur bei der Infektion nicht unter 
80 günstigen Bedingungen, wie wir im Laboratorium, mit massenhaften 
Bacillen in Beinkulturen ! 

Bei einem weiter unten mitzuteilenden Falle mufs ich Zambacos 
Anschauungen über die Heredität wörtlich citieren. Ich will deshalb 
nnr yorausschicken, dais er darunter eine über Generationen hinaus 
vererbte atavistische Disposition verstanden wissen will. 

Wenn aber diese Anschauung berechtigt wäre, so müfste es aufser- 
ordentlich viele Ausnahmen von dem auch von Zambaco acceptierten 
Gesetz geben, dafs die Lepra endemisch nur bei den spanischen Juden 
vorkommt. Es müfsten dann sehr viele Türken und Griechen ihr 
„atavistisch erworbenes Hecht auf Lepra ausüben". Denn es 
ist unbestreitbar, dals unter Türken wie unter Griechen in Konstantinopel 
sehr viele Nachkommen von kleinasiatischen Türken resp. Inselgriechen 
leben. Warum erkranken denn diese „Berechtigten^ nicht? Einfach 
wohl deshalb, weil die Familien griechischer und türkischer Herkunft 
sich viel schneller und viel allgemeiner von ihren Kranken isolieren, als 
die Israeliten. Ich möchte bestimmt annehmen, dafs eine Kontagion nur 
mögUoh ist im ulcerösen Stadium — vielleicht noch bei Pemphigus 
leprosus. — Dieses Stadium machen aber die griechischen und türkischen 



* Ich will hier den betreffenden Passus aus Baumgarten anfügen: ^^Dafs eine 
Bntwickelung der Ei- und Samenzelle dann noch möglich ist (wenn sie den Infektions- 
tri^T schon enthält), haben die PASTBüRschen Untersuchungen über die Pebrine- 
krukkheit der Seidenraupen ergeben. Die Pebrine- Organismen gehen in die Ei- und 
Samenzellen der pebrinekranken Tiere über, ohne dafs diese Qenerationszellen, wie 
man a priori annehmen könnte, verniehtet werden. Sie behalten im Gegenteil die 
Fähigkeit der Befruchtung und Keimung und übertragen den todbringenden Parasiten 
auf das neu sich aus ihnen entwickelnde Insekt. Es bezeugt diese Thatsache 
in denkbarst klarer, unverwerflicher Weise das Vorkommen einer 
echten parasitären Infektion auf dem Wege der Zeugung. 



264 

Kranken viel seltener in den Familien durch, sie werden isoliert, in 
Leproserien geschickt. Zambaco giebt das zu, ohne es zu wollen, imd 
wird gewifs selbst sehr erstaunt sein über diesen Widerspruch in semem 
Werke. Er sagt, dafs im Vilajet Castamuni die Lepra entschieden ab- 
nehme/^ obwohl die Leprösen frei unter der Bevölkerang cirkulierten und 
obwohl die hinterlassenen gesunden Frauen und Kinder yerstorbener 
Lepröser wieder in ihr Dorf zurückkehren, ohne für die anderen Bewohner 
eine Gefahr zu bilden. 

Etwas weiter unten schreibt er von derselben Gegend:^* „überall 

hier wird jeder, bei dem die Augenbrauen ausfallen etc Ton 

seinen Landsleuten der Regierung angezeigt, die häufig, ohne einen Ant 
zu befragen, seine Verbringung in eine Leproserie anordnet "' 

Und in einer Anmerkung heilst es weiter: 

„Diese Armen, zum äufsersten Elend Verurteilten, gehen von Dorf 

zu Dorf betteln, müssen viele Meilen zurücklegen, um einige Linsen oder 

eine Hand voll Gerste zu erhalten. Häufig lassen sie beim Eintritt in 

die Dörfer ein kleines Glöckchen ertönen; man wirft ihnen dann auf 

Entfernung einige Nahrung zu — aber niemals giebt man einen Löffel 

oder ein Lager." 

(Schlufs folgt.) 



Verfantntlttngett. 

Dermatologische Vereinigung zu Berlin. 

(Originalbericht von L. HoPFMANN-Berlin.) 

Sitzung vom 6. Dezember 1892. 

1. Herr Hetmann stellt ein 28jährige8 Mädchen mit idiopathischem KMÜ 
vor. Dasselbe stammt aus gesunder Familie. Vor 10 Jahren begann dieses Leiden 
mit der Bildung kleiner roter Knoten an beiden Armen. Im Laufe von 5 Jahren 
bildete sich dann auf beiden Armen symmetrisch durch Eonfluenz jener Knoten eine 
10 — 12 cm lange, 5 — 6 cm breite, harte, zweifellos bindegewebige Geschwulst, welche 
seit 5 Jahren stationär geblieben sein soll. Vor einem Jahre begannen ziehende 
Schmerzen in der Geschwulst. Peripherisch sind neue Knoten vorhanden, so dafs ein 
weiteres Wachstum annehmbar ist. Da die Neubildung den Eindruck von Narben- 
gewebe macht, eine Verletzung jedoch nicht vorhergegangen ist, so möchte H. die 
Diagnose auf idiopathisches Keloid stellen. 

2. Herr Goldzieheb demonstriert einen 40jährigen, der LASSABSchen Klinik zur 
Beobachtung überwiesenen Mann mit ausgedehnten ülzerationen des TJnUit' 
Schenkels. Der Patient hatte vor 3 Jahren durch glühendes Eisen eine Verbrennung 
dritten Grades erlitten, war in verschiedenen Krankenhäusern behandelt und nadi 



^^ Zambaco 1. cit. pag. 277. 
" Ebda. 



265 

«iniger Zeit stets geheilt worden. Nach der Heilung brachen aber die Geschwüre 
wieder anf, so dafs schliefslich der Verdacht rege wurde, dafs der Kranke das Leiden 
durch irgend welche Manipulationen selbst hervorrufe, um Erankenhausbehandlung in 
Ansprach nehmen zu können. Auf die Bemerkung des Herrn Isaac, dafs die Kon- 
figuration der Geschwüre fQr Lues spräche, entgegnete der Vortragende, dafs seit 
einiger Zeit eine antisyphilitische Behandlung eingeleitet sei, ohne dafs bisher ein 
E^olg sichtbar wäre. Herr Lswax : Ihm sei es gelungen, Simulanten dadurch zu ent- 
larven, dais er auf ihre Ideen gewissermafsen eingegangen sei und ihnen die angeblich 
wissenschaftlich notwendige Weiterverbreitung der Krankheit suggeriert habe. 

3. Herr Goldzieher stellt einen etwa 6 Jahre alten Knaben mit Lnpus vnl- 
gaiis dlBBftminatnfl an Wange, Hals und Vorderarm vor. Bemerkenswert ist aufser- 
dem das Vorkommen kleiner (etwa linsengrofser) Herde an verschiedenen Körperteilen. 

4. Herr Friedläitder zeigt eine neue Spritze zur Behandlung der chronischen 
Gonorrhoe. Diese soll die Vorzüge der ÜLTZMA^Kschen und GuvoNschen Spritze ver- 
einigen ; sie besteht aus der eigentlichen, Gutok entlehnten Spritze und einem langen, 
dännen, katheterartigen Ansatz aus Silber, der in seinem oberen Teile gebogen ist 
und am Ende einen olivenähnlichen Knopf trägt. Der Durchmesser der Olive ist 
19 Gharridre. Der Ansatz hat dem GuvoNschen, aus elastischem Kautschuk bestehenden 
gegenüber den Vorzug gröfserer Haltbarkeit; er ist auch mit kochendem Wasser 
leicht zu desinficieren. Schliefslich kann er auch nicht in Falten der Harnröhre sich 
fangen und umbiegen. F. hat seine Spritze seit Vt Jahr mit gutem Erfolge an- 
gewendet. 

5. Herr Lassar demonstriert ein wenige Wochen altes Kind gesunder Eltern, 
welches auf Gesicht, Ellenbogen, Knie, Hinterbacken schuppende, blaurote, prall 
glänzede Flecke auf etwas elevierter Basis zeigte. Zwischen den einzelnen Flecken 
der afBcierten Stellen verliefen Züge normaler Haut. Zuerst habe L. an beginnende 
Sklerodermie gedacht, mit Bücksicht auf die bestehende, auf zweckmäfsige Puder- 
anwendung heilende Intertrigo hat er sich aber entschlossen, eine von letzterem aus- 
gehende, durch Lymphangltis fortgeleitete Dermatitis zu diagnosticieren, welche 
gewissermaisen zur Sprengung der Oberhaut und damit zur Schuppenbildung Ver- 
anlassung gegeben hat. 

Herr Lewik konstatiert, dafs Lassar unter Aufstellung einer neuen Theorie das 
Eccema squamosum als eine Erkrankung der Lymphgefafse aufgefafst habe. Da die 
Affektionen der Lymphbahuen bestimmte Krankheitsbilder darstellen, die von dem des 
Kindes ganz verschieden sind, so müssen für die Theorie Lassars anatomische Unter- 
suchungen beigebracht werden. 

Herr Lbdermahn glaubt, dafs die demonstrierte AfTektion dem Eccema sebor- 
rhoicum Unnas, dem Eccema psoriasiforme Neissers entspreche. Das Auftreten der 
Dermatitis in einzelnen bestimmten Flecken spräche für ihre parasitäre Natur. 

Herr Blasohko hält eine Erkrankung der Lymphkapillaren und Lymphräume, 
also auch eine lymphatische Affektion, für vorliegend. Er würde ein ehronischei 
Erysipel oder eine parasitäre erysipelähnliche Erkrankung diagnosticieren. Für 
letztere spricht das allmähliche Fortschreiten der Krankheit. 

Herr Saalfeld meint, dafs die Abschuppung gegen Erysipel spreche, worauf 
Herr Blasohko erwidert, dafs er in 5— 6 Fällen chronischen Erysipels Abschuppungen 
beobachtet habe. 

Herr Bobbitthal hebt hervor , dafs ein in einzelnen Plaques sich manifestierendes 
Erysipel unbekannt ist. Das chronische Erysipel befällt, in verschiedenen Attacken 
auftretend, stets denselben Körperteil. 

Herr Lassab will sich für heute auf die Entgegnungen des Herrn Lewiv nicht 



266 

einlassen, sondern beabsichtigt, auf die Frage der lymphatischen Verbreitimg der 
Hautkrankheiten in einer späteren Publikation genauer einzugehen. 

6. Herr Peter stellt einen jungen Mann vor, der vor 10 Wochen eine SklerOM 
am Penis bemerkte, und 6 Wochen später entwickelte sich eine typische SkleroM 
am linken Zeigefinger. Die Schwellung der Inguinal- und Axillardrnsen, lovie 
über den ganzen Körper verbreitete Roseola machen die Diagnose zweifellos. In den 
letzten 4 Wochen sind auf der LissARschen Klinik aufser diesem noch 3 extragemtale 
Infektionen beobachtet. Auch die Ulzeration an der stark geschwollenen Oberlippe 
einer von ihm vorgestellten jungen Frau war zuerst für eine Sklerose gehalteB 
worden. Die Besserung bei exspektativer Therapie sprach jedoch gegen dieee DiagnoM. 
Lupus, Tuberkulose, Aktinomykose konnten ätiologisch ausgeschlossen werden. 

7. Herr Blascbko: Ueber die Hygiene der Barbierstnben. 

B. hält es für unzweifelhaft, dafs eine ganze Anzahl ansteckender Hautkrank- 
heiten durch die Barbierstuben verbreitet werden. Zu diesen gehören Herpes too- 
surans, Impetigo contagiosa, Erythema der Kopfhaut, Alopecia areata und icM 
varioliformis. Selbst für die Übertragung der letzten Erkrankung führt er folgendes 
Beispiel an: Eine Frau, deren Mann seit Jahren an Acne varioliformis litt, erkrankte 
im dritten Jahre ihrer Ehe an derselben Aifektion, trotzdem von beiden yerschiedene 
Kämme und Bürsten benutzt waren. Möglicherweise sind auch einzelne Ekzemartea 
und nach neueren Autoren auch die Trichorrhexis nodosa parasitären Ursprongs. 
Dafs die Syphilis wiederholt durch Barbier- und Frisierinstrumente übertragen ist, ist 
zweifellos erwiesen. Wahrscheinlich ist auch die Entstehung der Hauttaberkolose in 
manchen Fällen so zu erklären. Schlielslich ist noch in Gholerazeiten auf die Ge&hreD 
der feuchten, von vielen Kunden der Barbierstube nacheinander benutzten Servietten 
hinzuweisen. Prophylaktische Mafsregeln sind schon von Köbner and Saalfbld 
empfohlen worden. B. schlägt vor, für jeden Kunden einen besonderen Basierpinsel 
einzuführen, das Messer nach jedesmaligem Gebrauch in kochendem Wasser n 
reinigen, die leinene Serviette durch eine solche aus chinesischem Papier zu ersetzen, 
die sofort vernichtet werden kann. Anstatt der Puderquaste ist ein Stück Yerband- 
watte zu nehmen. Die von Seiten des Barbiers oder seiner Gehilfen drohenden 
Ansteckungsgefahren sind dadurch zu beseitigen, dafs alle an ansteckenden Krankheiten 
leidenden Personen von ihren Kassenärzten Krankenhäusern überwiesen werden. Die 
Barbiere müssen die Baupttypen der in Frage kommenden Krankheiten kennen lernen, 
um für erkrankte Kunden besondere Instrumente anwenden zu können. Die Durch- 
führung der Mafsregeln ist von der Polizei anzuordnen, ihre Ausführung von besonderen 
Gesundheitsaufsehern zu überwachen. Die Diskussion über diesen Vortrag wird sof 
die nächste Sitzung vertagt. 

8. Zum Schlufs demonstriert Herr Lassar eine reiche Sammlung von Wachs- 
modeilen der verschiedenartigsten Haut- und syphilitischen Erkrankungen. Die Samm- 
lung ist nach dem Vorbilde des Mus^e Baretta in Paris angelegt. 



Sociöt^ Fran^aise de Dermatologie et de Ssrpliiligrapliie. 

Sitzung vom 12. Januar 1893. 

(Originalbericht von Louis Wickham- Paris.) 

OouiLLAuo und Darier stellen einen Kranken mit der PAORTschen Krankheit 
anr Scrotum und Perineum vor. Die von Coüillaud abgefafste Krankengeschichte 
entspricht vollkommen der Symptomatologie dieses Leidens und bringt nichts Neoes 
Die einzige Abweichung besteht darin, dafs durch das fast fortwährende Schwitzen 
am Sitz der Entzündung die Haut etwas aufgeweicht wird und das Krankheitsbüd 



267 

dadarcb etwas an Deutlichkeit einbüfst. Bas gilt aber für jede Dermatose in dieser 
Gegend (Ekzem, Psoriasis u. s. w.). 

Daribb fand bei der histologischen Untersuchung die nämlichen Veränderungen} 
die er und Wigkham schon früher beschrieben hatten. Im Verein mit dem aus- 
gesprochenen klinischen Symptomenbild verleiht dieser eindeutige histologische Befund 
der ganzen Krankheit ein unverkennbares charakteristisches Gepräge. Dabier fugte 
hinzu, dafs er, ohne den Kranken gesehen zu haben und ohne von der klinischen 
Diagnose etwas zu wissen, sofort nach dem ersten Blick in das Mikroskop 
erklären konnte, es handele sich um die PAOETsche Krankheit. Erst daraufhin lieCs 
man den Patienten aus seiner Provinz nach St. Louis kommen und konnte sich nun 
durch den Augenschein von der Richtigkeit der histologischen Diagnose überzeugen. 

Es ist dies der zweite Fall, in dem die Krankheit nicht auf der Brustwarze safs. 
la dem andern Fall war gleichfalls der Hodensack ergriffen. Crocker, von dem 
diese Veröffentlichung herrührte, übersandte Wigkham einige Hautstückchen, und 
letzerer fand in den Präparaten Psorospermien. — Im vorliegenden Fall verhielten 
sich die Psorospermien nach Zahl, Form u. s. w. genau so wie in den von Darier 
nnd WiCKHAM 1889 und 1890 veröffentlichten Fällen; auch konnte Darier diesmal 
keine weiteren Grade einer biologischen Entwickelung der Parasiten entdecken. 

Fage machte eine sehr inhaltsreiche Mitteilung über die Behandlung des 
Liehen mittelst des hydrotherapeutischen Verfahrens von Jacquet; seine 
Beobachtung war um so lehrreicher, als sie ihn selber betraf. Der Liehen planus 
bestand bereits seit mehreren Jahren, als das Jucken, das schon immer sehr lebhaft 
war, sich dermafsen steigerte, dafs Patient trotz hoher Gaben verschiedener narkotischer 
Mittel Tag und Nacht keine Ruhe mehr fand und sehnlichst den Tod herbeiwünschte. 
Da versuchte er es mit dem hjdriatischen Verfahren, das gerade in St. Louis aufkam. 
Er nahm täglich 2 Duschen, eine des Morgens und eine des Abends ; es wurde dazu 
lauwarmes Wasser benutzt, dafs ihm mittelst einer Giefskanne aus mäfsiger Höhe 
3 Minuten lang über den ganzen Körper gegossen wurde. (Erweichende Duschen.) 
Schon am ersten Tage fühlte Patient sich viel besser und schlief 12 Stunden 
hintereinander. Nach Verlauf von 8 Tagen war das Brennen kaum noch halb so 
stark, und nach weiteren 8 Tagen hatte es gänzlich aufgehört. Zur Zeit verspürt 
Patient gar kein Jucken mehr; er hat aber beobachtet, dafs dasselbe bei Nachlafs 
der Brausen wiederkehrt. Während der Behandlung ist der Ausschlag zu drei Viertel 
geschwunden. 

ViDAL stellt einen Kranken vor mit einem papulo-vesikulösen und papulo- 

keratotisohen Ausschlag, der über den ganzen Körper verbreitet ist. Mit 

diesem Ausschlag steht ein Tripper in Zusammenhang. Es ist dies das 

zweite Mal, dafs sich bei dem Patienten die nämliche Erscheinung wiederholt. Er 

hatte innerhalb dreier Jahre zwei Tripper und beide Male gesellte sich schon in der 

ersten Woche der Ausschlag dazu. Dabei hat Patient zu keiner Zeit ein Medikament 

gebraucht, das man für das Zustandekommen des Ausschlags verantwortlich machen 

könnte; auch scheint das Exanthem eher idiopathischen Ursprungs zu sein. Besnier 

und ViDAL sind der Ansicht, dafs es sich hier um trophisch-myelopathische Störungen 

handle. Der Tripper, der eine specifische Allgemeinerkrankung darstelle, beeinflufste 

mittelst der Toxine des specifischen Giftes das Nervensystem und verursachte den 

Ausschlag, genau so, wie es bei medikamentösen Toxidermien der Fall ist. Aufser* 

dem sind auch schon anderweitige Hauterkrankungen im Zusammenhang mit dem 

Tripper beschrieben worden (Toxidermia gonorrhoica). Jene Annahme von Besnier 

and ViDAL findet eine Bestätigung in dem Umstand, dafs jener Ausschlag nur 

durch das hydriatische Verfahren von Jaquet zum Verschwinden gebracht werden konnte. 



268 

H. Hallofbaü: Beitrag zum Studium der Dermatitis exfoliatiTs, 
insbeBondere des Pemphigus foliaceus. Bazin hat das Vorkommen dnes 
Herpes exfoliativus angenommen, der sich zu verschiedenen Dermatosen hinzugeselle, 
so zu dem Eccema, dem Pemphigus, der Psoriasis. Hallopeau verwirft diese An- 
nähme; steht sie doch auch thatsächlich im Widerspruch mit dem grolsen Gesetx der 
Beständigkeit der Krankheitsarten. Das Eccema bleibt doch immer ein Eccema, die 
Psoriasis immer eine Psoriasis, selbst wenn sie zu exfoliieren beginnen. Der vermemt* 
liehe Herpes exfoliativus unterscheidet sich in einem wesentlichen Punkte vom 
Pemphigus foliaceus, nämlich durch seine Trockenheit. Der PemphigoB foliieens 
gehört zu demselben Typus wie die erst kürzlich beschriebene DermatitiB herped- 
formis; er bildet eine schwere primäre oder sekundäre Form der letzteren; das Yo^ 
kommen von Übergängen zwischen beiden Formen bildet hierfür den Beweis. 

H. Hallopeau: Ueber einen Fall von Morphoea plana alba. Die Pkqnes 
der Morphoea können eine beträchtliche Gröfse erlangen und unter anderem eineD 
Gürtel bilden, der die Hälfte des Rumpfes umfafst oder auch einea grofsen Bing 
vorn am Halse. Sie bilden sich wieder zurück, indem zuerst an Stelle der verhärtetea 
und farblosen Plaque ein Erythem tritt. Diese Veränderung vollzieht sich in dsr 
Kegel von der Peripherie zum Centrum der Plaque hin, kann aber auch in der Mitte 
beginnen. Auf das Erythem folgt dann schnell eine dunkelbraune Färbung, die nur 
sehr langsam abblafst, schliefslich aber ganz verschwinden kann. Die Plaques der 
Morphoea exkoriieren und zerfallen sehr leicht aus unbedeutendem Anlafs; sie hinter 
lassen eine sehr beträchtliche Hautverdünnung. Nach etwaiger Ulzeration bildet licb 
dagegen eine pigmentierte, bleibende Narbe. Elektrische Bäder und FaradisatioD 
scheinen recht günstig auf die Krankheit einzuwirken. 

Die Ergebnisse der bakteriologischen Untersuchung werden später veröffentlicht 

werden. 

Übersetzt ron Dr. J. TüRKHEiM-Hamburg. 



Ätiologie und Kontagiosität der Lepra Arabnm, Aus der Hinterlassenschaft 
des verstorbenen D. Gorter, med. Doct., prakt. Arzt zu Meerenberg in der Nabe 
Haarlems, gesammelt von Prof. D. vak Haren Nohak. 

Das Büchlein, welches neun Monate nach dem Tode des Verfassers durch die 
Fürsorge des Prof. van Haren Noman erschien, ist nur ein Teil, aber jeden&lls ein 
abgerundetes Ganze dessen, was der Verfasser beabsichtigte, und erwähnt cnent, 
wie bis zum Ende des vorigen Jahrhunderts die Lepra Arabum im allgemeinen far 
eine kontagiöse, aber zugleich hereditäre Krankheit gehalten wurde, und wie erst in 
letzter Zeit sich Stimmen gegen ihre Kontagiosität erheben. 

Die moderne wissenschaftliche Bearbeitung der Frage über die Ätiologie der 
Lepra datiert jedoch erst von den Untersuchungen von Boeck und Daitiblssbk her, 
welche im Auftrage der norwegischen Regierung ausgeführt wurden. Die Schlnls- 
folgerungen dieser Autoren waren: „Heredität ist das hauptsächlichste Moment bei 
der Übertragung, Kontagiosität ist ausgeschlossen.^ 

Mit diesen Untersuchungen stimmen in der Hauptsache diejenigen Vibchowi 
(1859), sowie die vom Royal coUege of Physicians (1867) angeordneten, sowie aooh 
diejenigen von Tilbitry Fox und Tarquhar überein. 



269 

ESrst nach dem Jahre 1842 wurde die Zahl der Anhänger der Kontagiosität 
bedeutend gröfser, aber hauptsächlich erst durch die Entdeckung des Leprabacillus 
bekam die Kontagiosität eine neue Stütze. 

Nach dieser kurzen Geschichte der verschiedenen Theorien bespricht Verfasser 
die Beweise und die Thatsachen, welche den Grund dazu legten. Er zeigt, dafs 
weder die Behauptungen der wenigen, welche die Lepra äufseren Ursachen zuschreiben, 
noch die der Anhänger der Lehre HüTCHiHaovs, welche die Lepra für eine Folge 
der Fischnahrung und besonders von Fleisch in gesalzenem und verdorbenem 
Zustande halten, noch die Anhänger Zambagos, Sir John Fatrers und Francis ', 
welche die Ursache der Lepra suchen in mancherlei unhygienischen Verhältnissen, 
zu verteidigen sind. 

Die meisten Verfasser glauben entschieden an die Infektiosität der Lepra, aber 
die Hauptfrage ist: ist Lepra kontagiös oder nicht? 

Die Kontagiosität experimentell zu beweisen, ist dem Wesen der Sache nach 
unmöglich; Verfasser ist also gezwungen, seine Zuflucht zu nehmen zu Probabilitäten 
and Wahrscheinlichkeiten, aber auch hieran knüpfen sich viele Beschwerden, haupt- 
sächlich durch das lange Inkubationsstadium der Krankheit, das Unerhebliche der 
ersten Symptome, das häufige Vorkommen unter ganz oder halb uncivilisierten 
Völkern etc. etc. ; dasselbe gilt mehr oder weniger auch für die Frage der Heredität, 
znmal da von kongenitalen Formen gar nichts bekannt ist. 

Die Kontagiositäts- und Hereditäts-Frage fafst Verfasser zusammen ; er ordnet die 
Tsrschiedenen Thatsachen und Beweise in folgende Gruppen und bespricht danach 
die Einwendungen, die gegen die verschiedenen Theorien gemacht werden. 

§ 1. Beweise, welche der Geschichte der Lepra bis an den Anfang dieses Jahr- 
bnnderts entnommen sind. 

§ 2. Diejenigen Beweismittel, welche der Verbreitung der Lepra in diesem 
Jahrhundert entnommen sind, also besonders der Beobachtung über Entstehung 
neuer Herde, aber auch schon älterer und solcher Lepraherde, welche im Aussterben 
begriffen sind. 

§ 3. Solche, welche den Statistiken der Lepraländer entnommen. 

§ 4. Wirkung zwangweiser Isolierung. 

§ 5. Beobachtungen über sporadische Fälle, bei welchen man die besonderen 
Binzelheiten und Verhältnisse mehr oder minder sicher studieren kann, oder welche 
durch Besonderheiten unsere Aufmerksamkeit auf sich lenken. 

Bei der Besprechung dieser verschiedenen Gruppen föngt Verfasser mit den 
historischen Einzelheiten an, wie z. B. schon vor der Geburt Christi in Italien Lepra 
vorkam (wahrscheinlich aus Ägypten eingeführt) und von dort sich über Europa 
rerbreitete; wie schon im siebenten Jahrhundert Leprahospitäler errichtet wurden 
and wie unter Ludwig dem Heiligen von Frankreich der Orden des heiligen Lazarus 
ge};;randet wurde. 

Zugleich weist er nach, wie schon in den vorigen Jahrhunderten die Verbreitung 
der Lepra gleichen Schritt hielt mit den Völkerwanderungen. 

Wenn Verfasser die Art und Weise der Verbreitung bespricht, unter besonderer 
Berücksichtigung der Epidemien auf den Sandwich-Inseln, im Gouvernement Astrakan, 
in Süd-Rufsland und Turkestan, giebt er zugleich an, wie die Vermehrung der 
Leprakranken Anlafs gab zur Darstellung von Isolierungskolonien, zugleich wie 
schwierig es ist, zu entscheiden, wie grolÄ die Zahl der Leprösen vor dem Jahre 1860 
wtr, und somit daraus den Sohlnfs zu ziehen, ob Kontagiosität oder Heredität def 
wichtigste oder einzige Faktor zur Verbreitung der Krankheit ist; öfters war durch 
Zahlung in relativ kurzer Zeit eine grofse Vermehrung zu konstatieren, und da die 



270 

Poteniia yirilis in den meisten Fällen verschwindet, die Menetroation often für 
immer cessiert, so ist es doch sehr schwierig voraaszusetzen, dafs Hereditat der 
einzige Faktor zur Verbreitung der Krankheit sein würde. 

Verschiedene von Münch genau untersuchte Fälle werden in Tabellen specifiseh 
angeführt und die Ursprünge der Ansteckung erwogen. Ferner erforscht der Verfuwr 
die Entstehung neuer Herde, wo aus Lepraländem eingewanderte Personen die ersten 
Symptome der Krankheit zeigen, neue Fälle ringsum entstehen und auf diese Wo» 
ein richtiger Lepraherd zu stände kommt. 

Bei der Besprechung unserer Kenntnisse von den alten Herden hebt VerfsMer 
hervor, wie die Bevölkerung oft die Lepra für kontagios hielt, die Leprakrankes 
vertrieb, zuweilen sie steinigte, aber wie sie schlechter Nahrung, Armut etc. eines 
grofsen Einflufs auf die Entstehung des Leidens zuschrieb. 

Ferner erwähnt Verfasser, dafs in einigen Dörfern Gyperns sich je ein Leprt- 
kranker aufhielt, der nur mit wenigen Dorfbewohnern verkehrte, und dafs später 
gerade diese wenigen Verkehrsgenossen des Leprösen von der Lepra befallen wurden. 

Die Art und Weise des Ausbruchs alter Herde läfst vermuten, dafs Umher- 
ziehen und Auswandern der örtlichen Bevölkerung grofsen Enflufs auf die Verbreitong 
ausüben, was zu dem Bückschlufs berechtigt, daJb Lepra durch den Menschen n! 
den Menschen übertragen wird, daher kontagios ist. 

Den Nutzen der Statistiken hält Verfasser für sehr anfechtbar und wohl haupt- 
sächlich infolge der Fehler, welche bei fast allen Statistiken wahrgenommen werden, 
und welche teils durch die Vergefslichkeit und die Neigung der Patienten cnr 
Betrügerei, teils durch das geringere Talent des Untersuchers entstehen. 

Auch der Einflufs, welchen die zwangweise Isolierung auf die Verbreitung der 
Lepra ausübt, lehrt uns relativ wenig, weil diese gewöhnlich wegen der Weigeroni 
der Bevölkerung nicht streng genug angewendet werden könnte, und andererseits die 
Leprakranken durch Verstecken sich derselben entzogen, ein Umstand, welcher s. B. 
klar ans Licht kam, als Dr. Finch auf die Insel Hawaii kam. Als bekannt wurde, 
dafs dieser die Lepra als das vierte Stadium der Syphilis betrachtete und behauptete, 
sie heilen zu können, kam eine grofse Menge versteckt gehaltener Leprakraakes 
wieder zum Vorschein. Nur allein die Greschichte der Norwegischen Isolierung giebt 
einige zuverlässige Resultate; und gerade die 7erminderung, welche diese Isolierungi- 
mafsregeln zur Folge hatte, stützt die Ansichten der Kontagionisten ganz gewaltig. 

Die in leprafreien Gegenden vorkommenden sporadischen, aus Lepragegenden 
eingewanderten Fälle beweisen an und für sich nur die Infektiosität, aber im Vereb 
mit der feststehenden Thatsache, dafs das Entstehen eines neuen Herdes immer 
zusammentrifft mit der Versetzung eines Leprakranken in eine leprafreie Gegend, 
ergiebt sich klar und deutlich die Kontagiosität. 

Der Verfasser bemerkt, dafs gerade diese Kategorie von Kranken mafsgebend 
ist, weil man bei diesen am besten im stände ist, die Dauer des Inkubations-Stadiiuni 
(bis zu 15 Jahreu) zu studieren, und er giebt eine Menge Beispiele vom Entstehen 
neuer Herde in einer bis jetzt leprafreien Gegend im Anschlufs an die Einwandenmg 
eines Leprakranken. 

Endlich behandelt Verfasser die zufalligen und vorsätzlichen Inokulationen. 

Aus allem zieht er den Schlufs, dafs Lepra kontagios ist, in dem Sinne, daft 
sie direkt oder indirekt von einem Kranken auf den anderen übertragen wird; zom 
Schlufs erwähnt er noch in kurzen Worten die Gründe, auf welche seine Schlols. 
folgerung sich stützt, und citiert und widerlegt noch einige Bedenken und n^^tire 
Beweise gegen seine Behauptung, um schliefslich noch einige Seiten der Frage über 
die Heredität der Lepra zu widmen — eine Frage, welche durch Verfasser als nicht 



271 

Yollkommen gelöet betrachtet wird; er für sich hält die Hereditat aber für höchst 
urahrscheinlich. 

Das Bachlein giebt allen, welche sich für diesen Gegenstand interessieren, ein 
kones und klares Resame der Litteratar, Anstaltsberichte etc. 

Spruyt Landakroon-Amsterdam, 



:iltttteilttn$en ans ber fttteratitr. 

Hygiene. 

Hygiene der Hände, von S. Jessner. Da die Hände das Kapital des Arbeiters 
sind, 80 sollte derselbe alles thun, am sich dieselben gesand zu halten. Viele Ver- 
änderungen, Schwielenbildungen etc. sind Anpassungen an die betreffende Verrichtung. 
Andere Schädlichkeiten, chemische sowohl wie mechanische, schädigen die Horn- 
schicht und machen die Hand so arbeitsuntüchtig ; diesen soll durch Reinlichkeit, Ein- 
fettang, Polsterung etc. entgegengearbeitet werden. {ForUchriUe für öffentUche Gesund' 
heitspflege. Oktober 1892.) F. Hahn-Bremen. 

Die Prostitntion, von E. Hüller. (München 1892, Lehmann.) Eine Dar- 
ftteDung der Prostitution, ihrer Gefahren, ihrer staatlichen Überwachung im knappen 
Rahmen. Jessner-Köniffsberg u Pr< 

Ein Beitrag zur Regelung der Prostitation, von Maximilian v. Zeissl. 
(Wien. med. Presse. 1892. No. 28 und 29.) Aus den ziemlich detaillierten Vorschlägen 
des Verfassers möchte ich hervorheben, dafs er für die Verweisung der Prostituierten 
in bestimmte Stralsen eintritt, die Bordelle keineswegs perhorresciert, für die Inter- 
niernng syphilitischer Dirnen auf 2 Jahre plädiert und eine obligatorische Prüfung 
der Syphilis und Hautkrankheiten bei den Rigorosen verlangt. Im übrigen ent- 
sprechen die Ansichten des Verfassers den allgemein geteilten. 

Jessner-Königsberg i. Pr. 

1. Die Regelung der Prostitutionsfrage , herausgegeben vom Aktionscomite 
des Züricher Männervereins zur Hebung der Sittlichkeit. (Ref. Manch, med, Woch.^ 
1892, No. 38.) 

2. Die Oefaliren der Prostitution nnd ihre gesetzliclie Bekämpfang, von 

Zehnder. 

Die erste Arbeit, ein im amtlichen Auftrage verfafstes Gutachten, basiert auf 
den Züricher Verhältnissen und kommt za den Schlüssen, dafs die Prostitution 
reglementiert werden müsse, und nur die reglementierte geduldet werden könne; das 
geringste Übel sei die Kontrolle der Einzeldirnen, nicht die der Bordelle. 

In scharfem Tone wendet sich die zweite Broschüre gegen dies Gutachten: 
die ärztliche Eontrolle sei unzulänglich; die allgemeine Sittlichkeit erlaube dem 
Staate nicht, mit einem Mifsstande, dessen Unausrottbarkeit noch nicht erwiesen sei, 
einen Vertrag zu schliefsen. 

Referent schliefst mit der Mahnung, beim Studium der Prostitutionsfrage nicht 
eine Broschüre ohne gleichzeitige Kenntnisnahme von der anderen zu benutzen. 

F. Hahn-Bremen. 



Monatshefte XVI. 20 



272 



Pharmakologie. 



Einige neuere Heilmittel in der dermatologlBchen Praxis, von Charlh W. 
Allen. {Med, Becord. 4. Bd. 1892. No. 42.) 

Naphtol ist besonders zusammen mit Schwefel ein gutes Antipanaiticom, 
besonders bei Scabies, und heilt oft schnell den Pruritus. Bei Krankheiten de» 
Capillitium, der Psoriasis, Pityriasis, Seborrhoe, Alopecie, Pediculosis ist es den andern 
Mitteln gleichwertig ; man erhöht die Wirkung durch Sublimat. Bei Alopecie ist die 
stimulierende Wirkung von Wert. 

Bismuthum oxydatum, ein geruchloses, unlösliches, kupferfarbiges Pal?er, 
nü^lich als Streupulver bei der Wundbehandlung; auf der Wundfläche bildet es eiof 
me^lisch glänzende Decke wie<^eiae Glasur ; es deckt, desinficiert, anästhesiert, itimn- 
lieix und regt die Vernarbung an. Eine dünnere Lage ist vorteilhaft; bei Schanker, 
Balanitis, Herpes progenitalis, feuchten Papeln etc. leistet es ausgezeichnetes. 

Ichthyol, bestes Mittel bei Erysipelas; bei Liehen, Acne varioliformis, In^tigo, 
Ekzem ist es. überschätz, aber wirksam. 

Eesorcin von gutem Erfolge bei Epithelioma, Sycosis, Intertrigo, mancbeo 
Ekzemarten, Ringwarzen, Acne Bosacea und anderen Fällen. In starker Koncentntion 
ein Kaustikum, anwendbar bei Epithelioma. Bei Pruritus hält die Wirkung nehiere 
Stunden an. , ' ''' 

Wasserstoff^ui^eroxyd bei Paronychie, Psoriasis des Nagelbetts und anderen 
NagelaÖektionen von hohem ^Werte; 1 Teil einer 10% ätherischen Lösung zu 5Teflea 
Vaselin als ausgezeichnetes DiBsSaficiens bei Scharlach«-^ Bei Verbrennungen, AbsoeMD, 
oberflächlichen und tief, liegenden eiterigen Geschwüren im Rachen hat Wassentofl- 
superoxyd gute Resultate. 

Pyrozon ist eine 60% Lösung von Wasserstoffsuperoxyd in Äther; es macht die 
Haut sofort weifs für lange Zeit unter Prickeln, hin und wieder unter Schmerzen mii 
nachfolgendem Jucken. Bei Wiederholung tritt Bläschenbildung auf. Gute Erfolge 
bei Chloasma, Naevi pigmentosi und niedrigen Warzen. 

Aristol, granulationsanregend; günstige Wirkung bei Kankroiden, Psoriaiii, 
Lupus, Ringwarzen, Eccema marginatum, Dlcera, Erysipelas, Syphilis der Nase, Osmbs. 
Lösung in Ol oder Äther ist vorteilhaft. 

Europhen adhäriert den wunden Flächen besser als Jodoform; man bedarf 
auch geringerer Mengen. Wertlos bei Psoriasis und Favus, sehr nützlich bei Knmk- 
heiten der Nase und des Rachens. Bei Impetigo contagiosa, Ulcerationen steht es 
mit dem Aristol anderen Mittel nach. 

Dermatol, unlöslich, daher nicht toxisch, reizt die Haut nicht, heilt Wunden, 
besonders Brandwunden zweiten Grades (2% Salbe). Ein Dermatolpflaster verhntet 
eine Grubenbildung bei Varicellen. Als Streupulver bei Intertrigo, Eccema, Hyper 
idrosis, gemischt mit Talcum und Amylum von Vorteil. 

Pyoktanin, wenig wertvoll bei Hautkrankheiten.; Bei inoperablem Krebs br 
deutende Erleichterung; innerlich nur bei Cystitis wirksam. Von 38 Gonorrhoikem 
entzogen sich 26 der Behandlung mit Pyoktanin, 8 wurden geheilt, 3 gebessert, 1 blieb 
ungebessert. 

Fuchsin in l%iger alkoholischer Lösung oder^als Kollodium hatte keinen Erfolgt 
dagegen hat Kreolin in 2%iger Lösung bei manchen Ekzemen guten Erfolg. 

Kalium permanganicum ist ein energisches Mittel gegen Hyperidroas 
pedum ; auch bei Ekzemen, Pusteln, Geschwüren ist seine Wirkung zu wenig geschaUt 

Glykogelatin ist eine Mischung von Glycerin und Gelatine in verschiedenen 
Verhältnissen und giebt aufgepinselt eine Schutzschicht. Bassoringummi giebt mit 



^A 



273 

Wasser, Glyoerin, Dextrin eine geleeartige Masse. Plasment ist ein ähnlicher Stoff, 
aus Moos hergestellt. Jessner-Kanigsberg i, Pr. 

Über Dermatol, von GlIser. (IV. Kongrefs der deatsehen Gesellschaft für 
Gynäkologie. Mai 1891.) Die Besultate des Vortragenden mit Dermatol als Ersatz- 
mittel des Jodoforms sind günstig; die desinfizierende Wirkung genügend. Die 
Gerachlosigkeit des Mittels ist ein groiser Vorteil. Jessntr-Königsherg t. iV. 

Dermatol und Jodoform, von Glaseb. {Amer, Drug, nach Gaillards med, 
Joum, Oktober 1892.) Glaser erklärt das Dermatol für durchaus keinen Ersatz des 
Jodoforms, denn letzteres regt die Sekretion an, während ersteres dieselbe beschränkt- 
Das Dermatol könne aber wohl mit Nutzen bei aseptischen (operativen) Wunden 
angewandt werden, während für inficierte Wunden Jodoform vorzuziehen sei. 

PhiHppi'Nieheim. 

Eoroplieii, mit klinisclien Bemerkungen über Enrophen und Enrophen- 
Axistol, von Shoemaker. (JoutTL of Amer. med. ässoc. 1892.) Europhen, besonders 
aber Europhen^Aristol (Mischung von gleichen Teilen beider Substanzen) bewährte 
lieh als Pulver oder Salbe bei Wunden, Geschwüren, Karbunkeln, Akne, Sykosis, 
Psoriasis, Erysipel, Spätformen von Syphilis etc. F. Hahn-Bretnen. 

Über meine weiteren therapentischen Erfahmngen mit Europhen von 

Dr. P. J. Eichhopf in Elberfeld. (Therap, M<matsh. 1893. No. 1.) Verfasser 
bsobachtete günstige Erfolge mit Europhen bei 31 Fällen von Ulcus moUe, ferner 
bat es in 8 Fällen von Ulcus cruris günstig gewirkt. Bei beiden Affektionen wurde 
es in Pulverform angewandt. 5 Fälle von Scrophuloderma und 7 Fälle von Lupus 
exulcerans vernarbten unter Anwendung von Europhen, das teils in Pulverform, teils 
in 1 — 3 7o Salbe angewandt wurde. Einen guten Heilerfolg erzielte er auch bei den 
in Verbindung mit Gonorrhoe bei Frauen so häufig vorkommenden Erosionen und 
llcerationen der Portio vaginalis uteri. Gern und mit vielem Erfolg hat er es bei 
den sekundär syphilitischen sogen, breiten Kondylomen als äufseres und lokales Mittel 
gebraucht, sieht aber ganz von seiner Anwendung zu subkutanen Ii^ektionen bei 
Syphilis ab. L. Ho ffmann- Berlin. 

Europhen und Aristol, von Eichlbr. (Med, and Surg. Reporter, Philadelphia.) 
Europhen verdient da angewendet zu werden, wo man Granulationen hervorrufen 
oder reizen will, femer bei Verbrennungen, bei weichem Schanker und bei kon- 
stitutioneller Syphilis, überhaupt als Ersatz des Jodoforms. F. Hahn-Bremen. 

Über Enrophen und Aristol, von Eichtmann. (24. Wanderversammlung 

I imgarischer Arzte und Naturforscher zu Kronstadt vom 22.-25. August 1892. Wiener 

I med. Wochenschr, 1892. No. 45.) Der Vortragende hat in gynäkologischen Fällen und 

nach operativen Eingriffen gute Resultate von einer Mischung von Europhen und 

Aristol (4 : 5) gesehen. Jeisner-Königsberg i. Pr. 

Aristol, von C. W. Allen. (Med. Bec. 28. Juli. 1892. nach Marylands med, 
Joum, 15. Oktober 1892.) - In einer Abhandlung über neuere Heilmittel in der der- 
matologischen Praxis äulsert sich Allen über das Aristol dahin, dafs er mit diesem 
Mittel bei verschiedenen Affektionen, wo ein Reiz für die Granulationsbildung und 
Narbenentwickelung gewünscht wurde, sehr gute Resultate gesehen habe. Zur Be- 
handlung von Eankroiden hat A. das Aristol viel verwendet, und obgleich eine Heilung 
wohl nicht definitiv damit erzielt werde, so wirke das Mittel doch sehr nützlich, 
übenso hat es auf Lupus, Psoriasis und Epitheliom eine günstige Wirkung. Beim 
Epitheliom wirkt Aristol auch günstig, wenn auch naturgemäfs damit eine eigentliche 

20* 



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Heilung nicht erzielt werden kann. Auch bei Herpes tonsurans capitis, Eccems 
marginatum, Geschwüren, Erysipel, Nasensyphilis, Ozaena ergab das Mittel ipite 
Resultate. Vor dem Dermatol hat es den Vorzug der Löslichkeit in fetten Ölen, 
Äther und (wenn auch wenig) in Alkohol. JPhüippi-Niehtim, 

Aristol bei Hautkranklieiten, von Sorma.ni. {Atlanta med. and surg. Jowrn 
1892. No. 7.) Aristol bewährte sich bei einem Epitheliom der Nase,- bei ulzerierten 
Lupus, bei Ekthyma, Beingeschwüren etc. F. Hahn-Bremen. 

Oxychinaseptol oder Diaphtherin, von Hamecher. {Deutsch, med. Ztg. 1892. 
Dies neue Antisepticum besteht aus 1 Molekül Aseptol (Phenolsulfosäure) und 2 MoW- 
külen Oxychinolin ; es wirkt kräftiger als Phenol, Lysol, und ätzt weniger ; die gewöhi- 
liche Koncent ration ist 1 %. Verfasser, Zahnarzt, hat es mit gutem Erfolge angewendet 
Leider hat es den Nachteil, nicht vernickelte Instrumente in kurzer Zeit schwarz n 
färben. F. Hahn-Bremen. 

Rohres hat das Oxychinaseptol (Diaphtherin) mit gutem Erfolge in der Oto- 
und Rhinotherapie angewendet und erwähnt neben dessen guten antiseptischen Eigeo 
Schäften (0,5 — l%ige wässrige Lösungen) besonders die gute desodorierende Wirkan; 
bei fötiden Otorrhoen und Khinitiden. Dem sonst relativ ungiftigen Körper haftet 
jedoch der Übelstand an, dafs er nicht vernickelte Instrumente schwärzt. Im Sbrigei 
aber gehört er zu den absolut reizlosen Desinficientien. 

C. Müller-Freiburg {Schweiz. 

Alnxnnol (ein nenes Mittel gegen Hautkrankheiten und Gonorrhoe), vol 
M. Chotzen. (Berl. klin. Wochenschr, 1892. No. 48.) Alumnol ist das Aluminiumiilx 
einer Sulfosäure des Naphtols (es enthält 16% Schwefel in Form von SulfogrnppeB 
und ca. 5% Aluminium). Es ist ein feines, weifses Pulver, in kaltem Wasser, io 
Glycerin und heifsem Alkohol (in letzterem mit schöner blauer Fluorescenz"^ losücli, 
in Äther unlöslich. Nach Dres. Heinz und Libbrecht soll es ein unschädlichei, 
geruchloses, antiseptisches Adstringens sein. Verfasser hat es 1. als Alumnol. par 
bei exulcerierten Erosionen der Glans penis, des Sulcus coronarius und der Yorhaol, 
bei Ulcus molle und Abscessen angewandt, 2. als Alumnol - Streupulver 10— 20} mit 
Talcum veneticum und Amylum aa bei Balanitis, Erosionen, nässendem Ekzem, Ver 
brennungen geringen Grades, Wundnaht, 3. als Alumnol-Lösungen 1 — 5% bei nässenden 
Ekzem, pustulösem Ekzem, Gesichtsakne, Furunkulose, Drüsenanschwellung, goo^ 
kokkenhaltiger akuter, sowie gonokokkenfreier Harnröhrenentzündung. 4. Alamnol 
Spiritus 278—10% zur Nachbehandlung von Ekzemen, postskabiösem Ekzem, Urticm 
Sykosis, Favus, Psoriasis des Kopfes und Gesichtes, 5. Alumnol- Lanolinat- Salbe (2*s. 
5, 10 und 20%). Alumnol 10,0, Lanol. anhydr. 50,0, Paraffin liquid. 35,0, Ceresin. 5.0, 
bei Ekzem, Seborrhoea capitis, Psoriasis, Favus. Alumnol 0,5 (1,0), Aq. destill. 1,9 
(1,0), Glycerin 3,0, Ung. Lanolinat. 15,0 bei Urethritis infectiosa zu Einspritzungto- 
Alumnol 10% c. Ung. Hydr. ein. als Einreibung bei ungewöhnlich stark entwickeltem 
luetischen Exanthem. 6. Alumnol-Firnisse : 

a) Alumnol -Salep-Bassorin: Tubera-Salqy 10.0 

Glycerin 200 

Aq. detftül. 200.0 

coque usque ad consistentiam unguenti, adde Alumnol 20,0 

b) Alumnol-Traganth-Salep-Bassorin: Alumnol 10.0 

Tragac.-Bassorin 50,0 

Salep-Bassorin 50